sjÁlfurLOG

25.05.2005 um 01:23 Uhr

Kinetic Audiophilia

von: sjAlfur

Ich habe gerade ein längeres Gespräch mit Niels beendet, das jetzt endlich konkretes für Schlagzeug-Aufnahmen ergeben hat. Voraussichtlich am 16.06. packe ich meine Technik in meinen Escort und fahre nach Berlin. Der Drummer, dem wir unsere Aufnahmen haben zukommen lassen, war wohl ganz angetan davon, zumindest soweit, dass er mit uns Aufnahmen macht. Wir haben ein Wochenende Intensivarbeit vor uns, ich hoffe wir schaffen einiges. Die Statements des Schlagzeugers (wie sie mir Niels sinngemäß übermittelte) klangen auch nicht schlecht, er schlug vor aufgrund des Klangspektrums "irgendsowas tooliges mit viel Toms und so" einzubringen. Klingeling, Volltreffer! Zum Teil war es ihm wohl ein wenig zu gradlinig, das liegt aber auch daran, dass er vorerst die eingängigen Stücke in abgeschlossenen Strukturen bekommen hat, um sich in die entsprechenden Parts einzuhören.

Bis dann die Drums soweit sind, gibt es hier noch zwei weitere Hörproben:

Glen
Zu hören ist ein Auszug aus der zweiten Liedhälfte. Damit Glen die volle Wirkung entfaltet, muss eigentlich das Zusammenspiel beider Liedteile berücksichtigt werden, der erstere ist klanglich wesentlich verstrickter, während der zu hörende zweite eher auf tragende Töne aus ist.

Steinn
Das Lied war eigentlich als Klangspielerei gedacht, hat aber überraschend Anklang gefunden. Es ist mein "soundtrackigstes" Stück (bislang), und wenn ich die .kinetic...-Stücke soweit habe, dass ich wieder Raum für mehr neue, aufwändige Kompositionen habe (momentan begnüge ich mich mit einfachen Acoustic-Takes um Melodien im Kopf zu behalten), dann will ich auch etwas extremer noch in diese Richtung gehen. "Steinn" (isländisch für "Stein"...wer hätte es gedacht...) bekommt auch noch Gesang verpasst, allerdings stehen in Sachen Gesang vorerst noch andere Lieder an.

Ich habe alle Hörproben mittlerweile auch auf einer Seite zusammengestellt, die ich gleich noch rechts in die Menüleiste einfügen werde.

sjÁlfur

20.05.2005 um 13:21 Uhr

"we'll all go down in history, with a sad statue of liberty and a generation that didn't agree..."

von: sjAlfur

Musik: "Sad Statue" - System Of A Down

Ja. Bestens. Ich habe die neue SoaD-CD. Und ja, sie ist anders als "Toxicity" und der etwas konzeptionell (nicht musikalisch!) verunglückte Zusatz "Steal This Album". Ich glaube, ich mag die "Mezmerized" lieber, vor allem weil doch wesentlich weniger Single-taugliche Lieder drauf sind. Bei einigen Liedern hat man das Gefühl, dass bei Daron Malakian (der fast alle Lieder geschrieben hat) endgültig sämtliche Sicherungen durchgebrannt sind, aber das macht die "Mezmerized" eigentlich nur noch besser. Ich frage mich, ob die getragene und konventionellere Seite der Band (wie z.B. bei Lieder wie "Aerials", "A.T.W.A.", "Inner Vision", etc...) dann auf der im Herbst folgenden "Hypnotized" folgt...

Aber was mich wirklich stört ist die Länge der CD. 35 Minuten finde ich nun etwas sehr wenig. Gut, ich bin von fast 80-minütigen Alben wie Tools "Lateralus" oder die Mars Volta-Alben sicherlich auch etwas verwöhnt, aber 35 Minuten ist eindeutig zu wenig. Alles unterhalb einer Dreiviertelstunde finde ich extrem grenzwertig.

Immerhin verzichtet die "Mezmerized" auf das Hass-Objekt des gemeinen CD-Käufers, ausgedrückt durch das kleine "Copy Controlled"-Zeichen. Dieser ach so tolle Kopierschutz sorgt dafür, dass die CDs zum Teil auf meiner Anlage nicht richtig laufen, und im Auto werden die meisten dieser geschützten CDs gar nicht erst gelesen. Ich finde es sonderbar, dass die Plattenindustrie eine Technologie zum Einsatz bringt, die die Leute abstraft, die sich die CDs noch selber kaufen. Geht das so weiter, und ich kann in absehbarer Zeit die Hälfte meiner CDs nicht mehr hören (oder muss aufs erste Lied verzichten, die Anlage hauen, etc.), wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als mich mal in den Kreisen gebrannter CDs umzusehen. Aber vorher bebombe ich die Major-Label mit Beschwerdemails. Mittlerweile reichen immer mehr Musiker auf ihren Homepages die Beschwerde-Adressen weiter und entschuldigen sich für die Probleme mit ihren CDs. (wie z.B. Alexander Veljanov)

Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwas läuft da doch falsch...

sjÁlfur

13.05.2005 um 14:01 Uhr

.kinetic...|.acoustography.5...

von: sjAlfur

Hörprobe 5: "From Under Fern"

Zu hören ist die zweite Hälfte des Lieds. Das Lied ist im Prinzip so fertig, nur die Gesangsspur(en) muss ich noch an einigen Stellen korrigieren (= neu einsingen).

sjÁlfur

12.05.2005 um 21:34 Uhr

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von: sjAlfur

Hörprobe 4: "Amphotere"

Leider schaffe ich es momentan nicht, Dateien über 1 MB Größe hochzuladen, und für "Amphotere" bräuchte ich eine Menge um ohne großes Zerstückeln alle wichtigen Parts des Lieds zu zeigen. Da Niels das Lied geschrieben hat, darf ich ohne schlechtes Gewissen sagen, dass ich ein großer Fan davon bin, wobei ich auch meine, dass meine klangliche Umsetzung gut gelungen ist (und er ist glücklicherweise der selben Ansicht). Wäre die Musik nicht von uns, sondern von jemand anderem, würde ich "Amphotere" als Lied sicherlich zu den besten Momenten zählen, zumindest was ein Lied als ganzes angeht (einige Lieder gehen ja völlig im Gesamtkonzept auf ohne eigene klare Struktur). Allerdings fehlt mir natürlich die nötige Distanz, um einen wirklichen Kommentar dazu geben zu können, selbst wenn meine Beteiligung an diesem Lied relativ gering war (einzig die Oberstimme mit dem Cellobogen umzusetzen darf ich vermutlich auf meiner Seite verbuchen).

Ja... auch hier fehlen noch Gesang und Drums.

sjÁlfur

12.05.2005 um 21:01 Uhr

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von: sjAlfur

Hörprobe 3: "Routine"

Das Ende von Routine, Drums fehlen, ebenso müssen bei der Fülle an Stimmen noch Feinabstimmungen getroffen werden. 3 Gitarren, 1 Bass, 2 Ebows und 2 Synthie-Stimmen sind es am Ende, die soll (und kann) man allerdings auch beim Endmischen nicht einzeln raushören, aber etwas mehr Beanspruchung der Stereo-Spur ist beim "Master" schon noch drin.

sjÁlfur

12.05.2005 um 17:10 Uhr

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von: sjAlfur

Hörprobe 2: "Routine"

Zu hören ist die zweite Hälfte des ersten Parts von "Routine", allerdings fehlen dort noch drums und der Gesang. Die Steigerung am Ende geht dann in den 4/4-Takt von Part 2 über. Die einzelnen Spuren sind für meinen Kopfhörer abgemischt (aufgrund der Gesangsaufnahmen), können auf anderen Kopfhörern und Computerboxen eventuell ein nicht ganz so klares Mischverhältnis haben (auf technische Details wird - wie schon gesagt - noch näher eingegangen, wenn die Gesangs- und Drumspuren fertig aufgenommen sind).

sjÁlfur

12.05.2005 um 15:53 Uhr

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von: sjAlfur

Hörprobe 1: "Nathanael"

Zu hören ist der zweite Refrain, der Zwischenteil und das Liedende. Dieses Lied ist von der Instrumentierung und den Aufnahmen ausgehend fertig, allerdings noch nicht endgültig abgemischt, was man vor allem beim Outtro an der nachkorrigierten Gewichtung der Stereo-Gesangspuren hört.

Abgesehen von produktionstechnischen Unebenheiten (es sind eben trotz allem keine professionellen Studioaufnahmen und endgültiges Mischverhältnis steht erst nach den letzten abgeschlossenen Aufnahmen), freue ich mich über Kommentare dazu. Weitere Hörproben folgen, der Übersicht halber werde ich die aber nacheinander hier reinstellen, insgesamt sind es momentan sieben, wobei einige noch ohne Gesang und Drums auskommen müssen, deren Aufnahmen noch laufen.

sjÁlfur


(Nachtrag: Die Links führen direkt zu einer mp3-Datei.)

11.05.2005 um 00:54 Uhr

"still you feed us lies from the tablecloth"

von: sjAlfur

Musik: "B.Y.O.B." - System of a Down

Es geht wieder los! Nach ausführlichem (fast dreistündigem) Durchsprechen der 70minütigen Aufnahmen, ist einiges an Ausbesserungen zusammen gekommen, was für mich Erneuerung des Lebenssinns bedeutet. Vor allem an Bass-Modulationen muss ich in nächster Zeit schrauben... ich mag Gitarre lieber, aber hilft ja nichts. Zudem habe ich mittlerweile an einigen Liedern weitere Stimmen geschrieben, sodass ich noch einige komplette Songstruktur-Korrekturen machen muss.

Sechs Stunden vorher ~~~
Ich war im Westpark. Frische Luft, Kreislauf auf Vordermann bringen, und vor allem den Kopf frei kriegen (was in letzter Zeit immer schlechter funktioniert...). Es gibt bestimmte Dinge, die mich stärker belasten, als ich realisieren kann oder mir eingestehen will, aber ich habe mir geschworen, hier im Blog die Musik in den Vordergrund zu stellen und nicht meine eigenen unwichtigen Probleme (autsch! jetzt klinge ich so verbittert... das hasse ich. also streichen, klar?!). Jedenfalls habe ich meine kurzfristige Schreibblockade für die letzten verbleibenden zwei Lieder überwunden, denke ich. Frische Luft zwischen den Autobahnen 95 und 96, Ironie auf vier Rädern, oder auch Flucht in die Enge... sucht's euch aus.

Momentan fließt meine ganze "schöpferische" Energie in die Aufnahmen. So ausgesaugt war mein Hirn schon lange nicht mehr. Ich habe früher aus Langeweile immer neue Sachen zu schreiben angefangen, habe kaum zwei Seiten eines Buchs lesen können ohne selber schreiben zu wollen. Das ist erst ein Dreivierteljahr her... aber mittlerweile ist das Geschichte - vorerst. Wenn ich in meinen Aufnahmen hänge, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, an etwas zu arbeiten, in etwas aufzugehen. Das klingt furchtbar pathetisch, ich weiß, aber so ist es. Wenn ich die Aufnahmen einige Zeit ruhen lasse, fühle ich mich dafür leer und müde. Fluchtpunkt ist gelegentlich das Lesen. Billy Corgans "Confessions" und "Otherland" von Tad Williams. Und der Westpark, alleine der Weg dahin - schon der gedankliche - hilft mri momentan. Ich stand heute bestimmt eine Viertelstunde auf der Autobahnbrücke auf dem Weg und habe in die Menge der vorbeifahrenden Autos gestarrt. Die Mitte der Brücke ist ein guter Ort, hoch gelegen, man hat ein Gefühl von Übersicht und Kontrolle, die sich an ihren Enden aber im Sog der unter einem hinwegfahrenden Autos verfranst, nah am Geländer, so dass ein high machendes flaues Gefühl bleibt (Höhenangst ist meine älteste und liebgewonnenste Phobie), ein Gefühl von frei schwebend, aber doch sicher und fest auf der Mittelstütze der Brücke.

Nach oben sehen schaffe ich nciht immer, aber heute habe ich mich überwunden, was gut war. Als Kind war die Höhenangst schlimmer. Ich bin in der Sporthalle auf Gerüsten maximal auf die dritte oder vierte Sprosse gestiegen, danach drehte sich alles. Aber ich habe Burgen und Burgruinen geliebt. Wir wohnten von 1988 bis '92 im Odenwald in Südhessen, dort gibt es viele davon. Wie haben viele Burgen besichtigt, und eine meiner liebsten Stellen waren die hohen Türme, die man besichtigen konnte. Das kkribbelnde Gefühl panischer Angst, wenn man sich einem dieser Türme näherte, ein überwältigendes Gefühl. Wenn dann meine Eltern und Geschwister auf dem Turm waren, habe ich immer kurze, sehr kurze Blicke nach oben geworfen, damit ich mir am Ende selbst guten Gewissens einreden konnte, ich hätte sie über die Zinnen winken sehen. Aber es war hauptsächlich das Schwindelgefühl und die damals (heute fehlt mir leider die kindliche Einbildungskraft...meistens) allgegenwärtige Vorstellung, die Gravitation könnte sich umkehren und ich könnte von der Erde fallen.

Im Prinzip habe ich gewisse Vorstellungen/Ängste heute noch, aber durch was auch immer hat sich in mir ein Gefühl von Gleichgültigkeit geformt, was nicht mehr die Ängste von damals zulässt. Vielleicht gehört das zum Älterwerden? Auf der Abi-Abschlussfahrt waren wir auch auf dem Dach des Florenzer Domes, der an einigen stellen nur eine Brüstung von 75 cm Höhe hat. Ich habe mich vorgebeugt, nicht trotz sondern wegen meiner Höhenangst, ich liebe das Gefühl für einen Moment scheinbar die Kontrolle zu verlieren. Jemand stand damals neben mir und hat mich an der Schulter festgehalten, erst da merkte ich, dass ich fast gefallen wäre. Es hat aber ewig gedauert, bis mir gewahr wurde, dass die Situation mehr als nur ein leichter Schwindelanfall war.

Ich habe mich mal einige Zeit mit Phobien auseinandergesetzt. Einerseits, weil ich als Rettungssanitäter gearbeitet habe und deshalb an verschiedene medizinische Bücher gekommen bin, die mein Interesse trafen, außerdem aber auch, weil unsere Musik unter dem Titel "Anamnesia" gefasst wird, auf welchen ich auch die Texte abstimmen will, Phobien sind da natürlich ein Thema, das in Liedtexten generell gerne genommen wird. Ich würde nicht sagen, dass sich bei mir einige Phobien anhäufen, denn das wäre unfair gegenüber denen, die wirklich unter heftigen Phobien leiden, aber ich kann viele dieser Phobien nachvollziehen, und ich frage mich, ob das nicht den meisten Menschen so geht. Neben der Höhenangst, die ich tatsächlich als Phobie bei mir werten würde (denn sie ist irrational), auch wenn sie sich seit meiner Kindheit extrem gebessert hat, neige ich zumindest gedanklich zu bestimmten Vorstellungen, die ähnliche Auswirkungen in mir auslösen. Wenn ich mir als Kind die Unendlichkeit vorgestellt habe, waren das die vielleicht schlimmsten Momente, die ich hatte. Ich hatte lange Panik vor aufklappbaren Spiegelschränken in denen man den Hinterkopf sehen kann (Gott sei Dank ist mir der Sinn für meine Frisur (so er denn vorhanden ist...) erst gekommen, nachdem mein Kopf den Spiegel vollformatig füllt). Und so Dummheiten wie die Unendlichkeit des Universums vor Augen zu führen, mache ich heute noch nicht. Für mich ist irgendwo eine Grenze, ich denke, mein Hirn ist irgendwo beschränkt, und das soll es auch bleiben. Vor buddhistischer Vollerleuchtung hätte ich Angst. Diese Sicht der Dinge, die zweifellos eine teilweise Verleugnung wissenschaftlich-astorphysikalischer Erkenntnisse ist, führt aber auch zu einer gewissen Gläubigkeit (auch wenn ich Religionen eher skeptisch gegenüber stehe). Ich bin froh darüber, dass zumindest unter dem Deckmantel des Glaubens ein gewisses Maß an "Übersinnlichem" akzeptiert ist. Glaube ist Mittel zum Zweck, das war schon immer so.

Worin endet das? Es war ein langer Gang durch den Westpark, ich hatte noch wesentlich mehr Gedanken, die ich teilweise nicht in Worte fassen kann und teilweise nicht will, aus Banalität, Intimität und Nichtigkeit, aber was mri wichtig war, das soll noch in die letzten Textstellen einfließen, bevor ich die lyrische Seite der Musik vorerst schließe. Andererseits handeln meine Texte bisher von nichts anderem, egal was man in sie reininterpretieren kann. Der Titel heißt "Anamnesia", und genau das trifft es, eine ewige Selbstanamnese, die manche Gedanken aber auch dort weiter oder sogar zu Ende spinnt, wo ich sie auf nicht künstlerischer Ebene nie hindenken würde. Und in Gesprächen würde ich eh nie soweit gehen, sowas kann ich nicht. Wenn man mich fragt, wie es mir geht... "Gut, jo" (gedehntes "jo")... und dann je nach Person mit der ich spreche kommt das Thema Musik, Filme, Alltag, Wetter... das ist nicht böse gemeint, und sollte das hier zufällig jemand lesen, der mich kennt: Verzeiht mir meine Unfähigkeit über Dinge zu reden, die mich wirklich berühren.

An alle anderen, die sich interessieren: Ich denke, ich werde bald mal die ersten Hörproben online stellen.

bless og takk,
ég sjÁlfur

08.05.2005 um 09:22 Uhr

Trivialbloggen

von: sjAlfur

Nicht dass es zwischen meinen Blogs zum Missverständnis kommt... ich versuche auch beim Trivialbloggen mitzumachen (auch wenn ich grad erst aufgestanden bin, aber das scheint dem bobross ja auch so gegangen zu sein...), allerdings nicht hier, sondern HIER!

sjÁlfur

04.05.2005 um 20:55 Uhr

step one to infinity...

von: sjAlfur

Die Aufnahmen sind raus! In diesem Moment gerade auf dem Weg nach Berlin. Natürlich sind sie noch nicht in endgültiger Version vollständig und abgemischt, es fehlen noch Zwischenparts, Klangeffekte, Gesang... aber der größte, wichtigste Schritt ist geschafft!

...und plötzlich ist mein Leben leer... es ist nicht so, als hätte ich nichts mehr zu tun, aber wozu mache ich den Rechner an, wenn Gitarre, Effektgerät, 12-Spur-Rekorder, etc. nicht dranhängen? Aus Platzgründen habe ich die Gitarren und den Bass erstmal außer Reichweite gestellt, Cellobogen, Ebow, Stimmgerät, Pleks, Kolophonium... das bleibt aber erstmal hier... aus reiner Nostalgie.

Aber ab morgen oder übermorgen kann ich dann anfangen Gesang aufzunehmen, vorausgesetzt ich bin diesen dämlichen Husten bis dahin los... die Mikros stehen jedenfalls schon in Wartestellung. Außerdem wird's Zeit, dass ich mich um den Ambientkram kümmere. Mal sehen, was sich hier so finden lässt. Mit dem Cellobogen auf Weingläsern spielen, Wasser aufnehmen, Steine, Glocken,... Vorschläge???

Bislang sind es 70 Minuten Musik ohne Pausen, denn unser Konzept war ja, die Lieder ineinander zu hängen, ohne Leerstellen. Um die fünf Minuten Ambient und Zwischenteile habe ich eingeplant, aber ich befürchte fast, es wird mehr... wobei die Rohlinge nur 80 Minuten fassen, irgendwann ist dem Ganzen eine datenträger-physische Grenze gesetzt.

Was mir gerade auffällt, während ich die CD durchhöre: Es ist relativ kurzweilig, soll heißen man merkt die Spiellänge der CD nicht so wirklich. So ist zumindest mein Empfinden, wenn andere auch so denken, wäre es natürlich bestens. Generell ertappe ich mich immer öfter und immer wieder dabei, unsere Musik gut zu finden. Prinzipiell ist das Überzeugtsein von seiner eigenen Musik sicherlich Grundvoraussetzung um Musik zu machen, andererseits habe ich mittlerweile nicht mehr nur das Gefühl, dass es ganz nette Lieder sind, die dem einen oder anderen vielleicht gefallen könnten, es ist vielmehr so, dass ich langsam glaube, einen Stil erkennen zu können - und das ist für unsere Verhältnisse ein kleines Wunder, denn noch vor einem Jahr etwa, waren einige unserer Lieder nicht wirklich unter einen Hut zu bringen.

Ich warte darauf weiterzumachen, wünscht meiner Stimme alles gute,

sjÁlfur

01.05.2005 um 11:15 Uhr

I'm Wide Awake It's Morning

von: sjAlfur

München, 20 °C, 10:45 Uhr; ein neuer Tag für weitere Aufnahmen. In den letzten Tagen habe ich hier wenig geschrieben, habe alle Zeit, die mir gegeben war für die Aufnahmen genutzt, doch nach mehreren Tagen Detailarbeit, immer wieder den selben Spuren und meistens ergebnislosen Suchen nach besseren Gitarrenmodulationen, Samples und Abmischungen, wurde das Loch in den letzten Tagen immer größer. Zudem kam, dass ich durch das etwas beengte hantieren mit der rechten Hand zwischen Plek, Cellobogen (auf der E-Gitarre mit einem Cellobogen verdrehe ich den Oberkörper relativ stark, um den besten Ansatzwinkel zu erhalten), Gain-Regler, Tastatur und Maus, mittlerweile ziemliche Verspannungen im Schulterbereich habe, die sich auch bis übers Schlüsselbein ziehen, wodurch mittlerweile sogar das Atmen schmerzt. Dafür haben sich meine Handgelenke mittlerweile an die Belastung gewöhnt, zumindest spüre ich die Sehnen nicht mehr.

Ich will spätestens in zwei oder drei Tagen die vor-abgemischten Versionen zu Niels nach Berlin schicken, wo er diese an den Drummer weitergibt, mit dem wir dann im Juni aufnehmen. Ich sollte mich endlich dazu durchringen, die Versionen, so wie sie sind, abzumischen. Für die Drums muss vor allem die Struktur stimmen, kleinere Details können später noch ausgebügelt werden. Aber irgendwas in mir sträubt sich dagegen. Ich habe das eigentlich bereits fertige "Amphotere" vorgestern Abend komplett gelöscht und neu eingespielt. Es waren nur Kleinigkeiten, aber ich habe diese Aufnahmen, die irgendwie schwach und müde klangen, nicht mehr ertragen.

Gestern habe ich mich den ganzen Tag mit anderen Dingen beschäftigt... den Staubsauger rausgeholt (wirr umeinanderliegende Kabel auf glattem Parkett ziehen Staub ohne Ende...), meinen (Aufnahme-)Arbeitsplatz aufgeräumt (was ich sonst eigentlich nie freiwillig mache), und so weiter... Hauptsache, ich musste mich nicht mit den Aufnahmen rumschlagen. Und ständig ist dann das schlechte Gewissen da, einen von morgens bis abends freien Samstag nicht für die Aufnahmen genutzt zu haben.

Dann habe ich gegen 22 Uhr doch nochmal die Gitarre zur Hand genommen und gespielt, ohne wirklich etwas für die Aufnahmen zu machen. Ich hatte den ganzen Tag das Intro zu "Porcelina of the Vast Oceans" von den Pumpkins im Kopf, und wollte es (mehr aus Langeweile) nachspielen, griff dabei aber aus Versehen eine Saite zu tief, womit ich mitten im Ablauf von der "Amphotere"-Strophe war, nur mit anderer Modulation und anderer Anschlagsweise. Ich habe einige Zeit drüber gespielt, und dann traf mich wieder der Blitz! Cubase geöffnet, Alle Eingänge eingestellt und aufgenommen. Zwei Stunden später hatte ich dann die lange gesuchte Überleitung von "Amphotere" zu "Craniometry" gefunden und eingespielt. Nach fast einer Woche, die ich nur mit Verbessern und Mischen verbracht habe, tat es gut, wieder etwas zu schreiben. Dass es ausgerechnet zu einem noch fehlenden Zwischenteil wurde, war Zufall. Aber ich habe diesen Teil direkt in "Craniometry" eingesetzt und dabei zwei Spuren korrigiert. Das Einspielen lief wieder, auch "Amphotere" ist mittlerweile in einer mich zufriedenstellenden (wenn auch längst noch nicht perfekten) Version aufgenommen.

Heute ist der Wille wieder da, an den Aufnahmen zu arbeiten, es liegen auch noch ein paar Sachen vor mir, aber das wird schon. Zudem habe ich mir in aller Ruhe unsere Aufnahmen gestern nochmal angehört. Ich bin vage begeistert, soviel eben, wie man es von eigener Musik sein kann, ohne zu selbstverliebt zu sein (hoffe ich). Niels' Hooks, meine Klangteppiche, unsere Strukturen und unser Konzept... irgendwie macht das jetzt alles Sinn, es hängt zusammen, und ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass wir einen gewissen Stil für uns gefunden haben, dass die früheren Zweifel, ob unsere Lieder auch nur irgendeine Parallele untereinander haben, überflüssig geworden sind.

Es soll warm werden heute, ZU warm für meine Verhältnisse. Ich bin jemand, dem alles jenseits der 20 °C stark an die Konsistenz geht. Da München teuer ist, heizen wir unsere Wohnung im Winter nur minimal, und ich gewöhne mich sehr gut an niedrigere Temperaturen (ich habe diesen Winter selten mal eine dünne Jacke, meistens nur einen Stickpullover getragen), aber wenn es dann warm wird, dann will ich am liebsten fliehen! Das Fernweh, was mich ohnehin regelmäßig ergreift, wird dann noch stärker, Wärme wird zu Hitze, in die steigere ich mich zudem noch rein, und es geht gar nichts mehr. Totale Lethargie. Das kann ich aber momentan nicht brauchen... ab Dienstag soll es wieder kühler werden...

sjÁlfur