Da es musikmäßig momentan nicht wirklich mitteilenswerte Neuerungen
gibt, wir aber bei uns in dern Nähe eine Videothek entdeckt haben, und
ich mit Immortal bereits angefangen habe Filme mit ins Programm
aufzunehmen, sei mir hier ein weiterer Kurs in die Welt des Zelluloid
gestattet:
OCEAN'S TWELVE
Ja... so einen Film leiht man sich aus, wenn man an einem Abend zwei
Filme sieht und der andere eher von der anspruchsvolleren Sorte ist.
Zudem mochte ich "Ocean's Eleven", meiner Meinung nach ein wirklcih
guter Unterhaltungsfilm. Nun ist es so, dass man bei Filmen dieses
Genres keinerlei gehobene künstlerische Erwartung haben sollte, und ich
mir auch keine Illusionen mache, dass Nachfolgefilme in der Regel
weiter unten anzusetzen sind (und zuletzt die "Bourne Supremacy"
gesehen habe... ich mochte den ersten Film sehr, der zweite war
grauenhaft!)... aber eines habe ich von dem Film doch erwartet: Eine
einigermaßen erkennbare Linie. Der Vorgänger hat vor allem durch drei
Sachen gepunktet: Zusammenspiel der Charaktere, konsequenter Schnitt,
zielstrebige Geschichte mit einer Pointe am Ende, die man schon unter
"genial" einordnen kann. er zweite Teil hingegen überzieht das
Zusammenspiel der Charaktere zum Teil (was nicht unbedingt schlecht
ist, gerade am Anfang des Films war ich sogar begeistert davon),
phasenweise, vor allem gegen Ende kommt das aber gar nciht mehr vor.
Zudem gibt es jetzt nicht mehr nur die Nebenhandlung Danny Ocean und
Tess Sowieso, sondern auch Rusty muss eine ähnliche Geschichte haben,
und Linus' Charakter hat man scheinbar versucht, mehr aufzuarbeiten.
Dadurch blieb aber der Rest ziemlich auf der Strecke, und Linus'
Geschichte war auch alles andere als originell oder glaubwürdig (nicht
in Form von "realistisch", das sind falsche Ansprüche an einen Film,
aber sie war in sich nicht sinnvoll). Der Filmschnitt war ebenfalls nur
stellenweise wie beim vorgänger, das Problem war dabei nicht, dass der
Film anders war, sondern dass er sich nicht entscheiden konnte anders
zu sein. Man wurde vom zwischenzeitlichen Intermezzo aus Anleihen des
ersten Films immer wieder in etwas zu langwierige Phasen einer
vertrackten Romanze geworfen, und das war nicht wirklich gut... Und die
Geschichte... Die war komplett undurchdacht. Man hatte das Gefühl, dass
immer, wenn die Geschichte in eine Sackgasse geriet (die auch ganz
bewusst angesteuer wurde) irgendeine neue, total sinnlose Überraschung
hergeholt wurde, die im Nachhinein dann natürlich von Anfang an geplant
war, wo man sich dann aber sagte: "Moment mal... wenn das von Anfang an
geplant war, was sollte das ganze dann...?" Und genau das ist
eigentlich auch das Fazit am Ende des Films: "Was sollte das Ganze?"
Während der Dreharbeiten sagten die Schauspieler, sie hätten vor allem
Spaß gehabt und gemacht was sie wollten. Das mekrt man den
Schauspielern auch an, leider aber auch der Geschichte...
Eine Ausnahme gibt es aber: Während ich Matt Damon eigentlich mag,
Julia Roberts und Catherine Zeta Jones nicht und Brad Pitt und George
Clooney immer etwas skeptisch gegenüberstehe, war die eindeutig beste
schauspielerische Leistung meiner Meinung nach die von Vincent Cassel
als Nachtfuchs... aber das nur nebenbei.
UNDERWORLD
Der Film hingegen hat mich positiv überrascht. Auch bei einem solchen
Film erwartet man nicht die Neuerfindung des Rads, einen vetrackten
Plot oder einen Kunstfilm, sondern in erster Linie einen Actionfilm.
Und das hat funktioniert. Es geht um Vampire und Werwölfe, ein breit
ausgelatschtes Genre, aber die Klischees waren relativ dezent und immer
der Geschichte untergeordnet. Die Bilder, Kulissen und Szenen waren
sehenswert, es war wirklich ein Actionfilm mit leichten
"detektivischen" Anleihen, die unvermeidliche Liebesgeschichte war auf
ein vertretbares Minimum reduziert und auch die schwere Vergangenheit
der Hauptcharaktere, die sie beide erst zusammengeführt hat, war nicht
groß ausgewalzt. Eine kurze Rückblende bei ihr, eine kurze Rückblende
bei ihm, eine Kussszene, die kürzer nicht hätte sein können und schon
ging das Geballer und Geprügel wieder los. Trotz allem war die
Geschichte erstaunlich gut erzählt, nicht zu geradlinig, nicht zuviele
Kapriolen, und sie erklärte auch ohne an den Haaren herbeigezogen zu
wirken, warum am Ende praktisch jeder jeden erschießen konnte, was dann
auch so ziemlich vollständig passiert ist. Die Werwölfe in ihren
verwandelten Gestalt waren optisch nicht besonders ansprechend, meiner
Ansicht nach, aber Hauptsache sie schreien, sterben und bluten.
IN STÜRMISCHEN ZEITEN (engl.: THE MAN WHO CRIED)
Rückblende: 1999 kam "Sleepy Hollow" in die Kinos. Ich hatte zuvor Ang
Lee's "Der Eissturm" und Vincent Gallo's "Buffalo '66" gesehen. Ich
muss zugeben, dass ich manchmal ein wenig fanatisch sein kann, was
Schauspielerinnen angeht... jedenfalls war ich in dieser Zeit hinter
jedem Film mit Christina Ricci hinterher. "Sleepy Hollow" war sogar in
dem heruntergekommenen Puffkino in der uns benachbarten
20.000-Seelen-Gemeinde im Programm. Dort lief schon der Trailer von "In
stürmischen Zeiten" und ich wollte diesen Film sehen. Dieser Film aber
lief nicht in der abgewrackten Kaschemme der bewegten Bilder, und
irgendwie ist er dann irgendwann in Vergessenheit geraten... Und jetzt
bin ich in der Videothek drauf gestoßen und habe ihn mir angesehen. Die
Euphorie, die ich vor fünf Jahren hatte, als der Film rauskam, ist
verflogen, und das ist auch ganz gut so, denn ich hätte falsche
Erwartungen gehabt. Der Film ist eigentlich ein schöner Film, besteht
aus einer Menge Gesang (Christina Riccis Originalstimme, beachtlich!),
und aus einer gut erzählten Geschichte über eine Jüdin Anfang des 20.
Jhdt., die aus Russland vertrieben von ihrer Familie, die nach Amerika
wollte in England landet und dort bei einer Ziehfamilie aufwächst, von
wo aus sie über eine Gesangs-/Tanz-/Variete-Gruppe nach Paris kommt.
Das ist die Geschichte der ersten Viertelstunde etwa. Man muss sich
dann aber darauf einlassen, dass für eine halbe Stunde lang von der
Handlung her nicht besonders viel passiert. Auch geht es anfänglich in
Paris mehr um ihre Zimmergefährtin (Cate Blanchett) und ihre Beziehung
zu dem italienischen Tenor Dante (John Turturro), der seine
Wertschätzung Mussolinis gegenüber des öfteren in der Gegenwart der
Hauptrolle, von der er anfangs nicht weiß, dass sie Jüdin ist,
ausdrückt. Es wird ein Spannungsbogen in Paris aufgebaut, vor allem als
die Hauptperson (Suzie) eine Beziehung zu dem von Dante abschätzig
beachteten Zigeuner, der mit seinem Pferd bei den Auftritten des Tenors
als Kulisse etwas zu sehr für Dantes Geschmack im Mittelpunkt steht,
aufbaut. Der Zigeuner aber ist ein Problem. Johnny Depp ist ein guter
Schauspieler, vielleicht einer der besten aller Zeiten, aber seine
Rolle des verwegenen armen Zigeuners, in einer bösen Gesellschaft, die
ihn und seine Familie nicht akzeptieren will, der lange nichts machen
darf außer in der Szenerie stehen und verwegen aus der Wäsche schauen
oder höchstens mal mit wehendem Haar durch die Nacht reiten... selbst
Johnny Depp kann gegen das Schicksal einer solchen Rolle nichts machen.
Aber das ist okay, denn entgegen der Werbung für den Film würde ich ihn
auch eher als Nebenrolle sehen, während die anderen drei (Christina
Ricci, Cate Blanchett, John Turturro) wirklich gut spielen. Es baut
sich also ein Spannungsbogen in Paris auf, irgendwann kommen die Nazis,
der Tenor wird als Künstler von diesen vereinnahmt, die Zigeuner sind
in Gefahr und Suzie als Jüdin auch. Das hat zur Folge, dass sie flieht,
und nach diversem Hin und Her in Amerika ankommt, wo sie schließlich
ihren Vater sucht. An der Stelle aber fragte ich mich, was die
Paris-Episode sollte. Der Spannungsbogen, der dort aufgebaut wurde,
fiel einfach in sich zusammen, dadurch, dass es ohne den Großteil der
Hauptpersonen einen kompletten Ortswechsel gab. Es ist sicherlich eine
Methode des Films, dass die Geschichten in Paris nicht weitererzählt
werden und zu keiner Auflösung kamen, sicherlich auch ein gewisser
Realismus, aber die Geschichte zerschneidet es irgendwie. Trotzdem aber
ein sehenswerter Film, auch wenn ich im Nachhinein ganz froh war, für
diesen Film nicht in dem dreckigen Ratzenkino mein letztes Geld
gelassen zu haben...
THE WATCHER
Keanu Reeves als Killer gegen James Spader als psychisch labiler
FBI-Agent. Nette Geschichte, teilweise richtig spannend, auch wenn für
den Killer und Keanu Reeves das gilt, was für Johnny Depp und seine
Rolle im vorigen Film galt. James Spaders Rolle ist eigentlich die
Hauptfigur, gut gespielt, man beachte diese Pupillen! Über den Film
gibt es nicht viel zu sagen, nicht schlecht, keine großen Mankos, auch
nicht gerade mehr als ein typischer Thriller aus dem Genre (nichts da
mit dem langsam ausgelatschten Vergleich mit "Sieben" auf der
DVD-Hülle...), nur eine Sache war meines Erachtens schlecht: Die
Geschichte lief auf einen bestimmten Punkt hinaus, eine Pointe, eine
Art Auflösung. Es war auch nicht schlimm, dass dieser Punkt schon vor
dem Finale herauskam, schlimm war nur, dass er ganz beiläufig
abgehandelt wurde. Als würde man in einem Krimi die ganze Zeit darauf
hin arbeiten, dass bis zum Ende spannend ist, wer der Mörder ist, und
irgendwo am Anfang des letzten Drittels des Krimis würde mehr oder
weniger nebenbei bestätigt, dass der sowieso schon die ganze Zeit
Hauptverdächtige derjenige ist. Das Ende kommt und man fragt sich, ob
da nicht noch irgendwas fehlte.
sjÁlfur