the mind where i roam
through the barren fields far from the shoreline
spider lines substitute my eyes
ballistic heart of iron pounds the earth alight
Seine Augen hatten aufgehört zu sehen. Er lag seit Tagen im
Niemandsland zwischen den Schützengräben, irgendwo in der Leere des
verwundeten Lands. Der Ort war kaum von Bedeutung, der Schauplatz
alleine das, was interessierte. Er wach schwach, todkrank, und viel zu
jung um zu wissen, in was er geraten war - konnte man überhaupt alt
genug dafür sein? Und dann hörte er das Trommelfeuer...
Seine Augen hatten aufgehört zu sehen, aber sein Herz wollte nicht
aufhören zu schlagen, und im Rattern der Gewehre wurde es schneller und
schneller...
and as the bullets gaze in front of your face
unaware of what is in your mind
raid another soldier in their disgrace
but his fate ponders to the far shoreline
Und während er dort lag, in einem Einschlagskrater, zum Tode verurteilt
und doch durch den Tod sovieler anderer Soldaten gerettet, spürte er
sein Herz schlagen, und seine Gedanken brachten das vor seine Augen
zurück, was sich die ganze Zeit in sein Gedächtnis gebrannt hatte. Für
einen Moment sah er all das, was er durch den Krieg verloren hatte, er
nahm wahr... doch als seine Augen nicht mehr sehen konnten vor Schmerz,
verließ ihn die Erinnerung, sie schweifte ab weit hinaus zur fernen
Küste. Und nur ein Phantom blieb zurück, eine Hoffnung, die ihn
schließlich rettete...
the waves where i roam
through your withered gardens near the shoreline
i'm the cone of light
condemned to spy you from above the lightspine
Sie saß draußen an der Küste, auf den schroffen Klippen zwischen dem
Leuchtturm, auf den er sie früher so oft getragen hatte, und ihrem
Garten, wo die Mimosen wuchsen. Es waren Monate, sogar Jahre vergangen,
seit sie ihn in den Krieg fahren gesehen hatte. Sie hatte die Nachricht
seiner Verurteilung und die seines Todes erhalten, und doch wusste sie,
dass er bei ihr war. Sie setzte ihre Tuba ab und warf einen Blick zum
Leuchtturm hinauf. Er war noch immer dort oben, das wusste sie. Ihre
Augen konnten es nicht sehen, aber sie wusste es.
as i caressed your face you shivered in that beam
condoling sparkles weep their lullabies
afraid of touching, war and broken self-esteem
i whispered hope to you my dear shoreline
Und dann kam der Tag, an dem sie ihn wieder spüren konnte. Sie konnte
ihn treffen, ihn sehen. Und doch war er nur deshalb er selbst, weil sie
es wusste, weil sie daran glaubte, und weil die Hoffnung, die sie die
Jahre über aufrecht erhalten hatte, sie beide verband. Sie wusste es,
bevor ihre Augen sahen, er wusste es nicht, weil seine Augen zu lange
gesehen hatten...
Ich habe den "Routine"-Text, der eigentlich vor "Ocular Shoreline"
steht mal rausgelassen, erstens weil ich den momentan nochmal
überarbeite, zweitens, weil er zumindest in seiner jetzigen Version zu
sehr auf einige persönliche Details eingeht, ohne die man den Text kaum
in den Kontext setzen könnte.
Aber "Ocular Shoreline" ist "Nathanæl" in gewisser Weise logisch
folgend. Es geht noch immer darum, was die Augen sehen, und welchen
Stellenwert das hat. Dabei habe ich in beiden Liedhälften jeweils einen
der Hauptcharaktere aus "Die Mimosen von Hossegor" von Sébastien
Japrisot entnommen. Wer den Beitrag zu "Nathanæl" gelesen hat, denkt
sich jetzt vielleicht "Moment mal... war nicht der Nathanæl-Text der
einzige literarisch inspirierte?" Ja, ist er auch, denn eigentlich
orientiert sich der Text zu "Ocular Shoreline" an der Verfilmung der
Japrisot-Geschichte von Jean-Pierre Jeunet "Mathilde". Aber einige
Dinge, die der Text transportiert, passen besser in das Buch, andere in
den Film... die wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen.
[Fairerweise sollte ich an dieser Stelle mal eine Spoilerwarnung
rausgeben... wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte nicht
unbedingt weiterlese...]
Das ist aber auch nicht weiter wichtig, da mein Liedtext die Personen
ohnehin anders gewichtet als Film oder Buch, nagtürlich steht das
Konzept "Hoffnung", das die Vorlagen ausmacht auch im Vordergrund ("i
whispered hope to you my dear shoreline"), aber im ersten Teil
konzentriert sich der Text darauf, dass der Protagonist zu viel gesehen
hat, um es zu verarbeiten und deshalb verdrängt, und das, was ihn die
ganze Zeit über am Leben hält, der Gedanke an seine Verlobte, nachdem
alles vorbei ist, ebenfalls aus seinem Gedächtnis verschwindet.
So sagt der Protagonist Manech nach seiner Verurteilung zum Tode in
einem der Schützengräben wartend zu einem anderen Soldaten: "Ich
wünsche mir, dass das hier schnell vorbei ist, damit ich meine Mathilde
wiedersehe und wir heiraten."
Später kann er sich daran nicht mehr erinnern, doch ein Zeichen, was
die beiden stets verbunden hat, bleibt fest in seinem Kopf verankert...
Auf der anderen Seite ist Mathilde, die die Nachricht vom Tod ihres
Verlobten erhält, aber spürt, dass er noch am Leben ist und diese
Hoffnung gegen jeden durchzusetzen scheint. Sie sucht ihn, und als sie
ihn schließlich wiedersieht, ist es nicht alleine sein Anblick, der ihr
sagt, dass sie am Ziel ist, es ist vielmehr das, was sie die ganze Zeit
gespürt hatte ohne es sehen zu können, was sie nun bestätigt weiß,
während er sie sieht und nicht zu erkennen scheint, aber ohne sich
dessen bewusst sein zu können noch aus dem schöpft, was ihre Verbindugn
ihm vor dem Krieg gegeben hatte...
Wer Film oder Buch kennt, kann dem sicherlich besser folgen. Hier
enden dann auch die Texte, die sich an konkreten Vorlagen richten,
alles weitere wird jetzt einerseits weniger detailreich...
sjÁlfur