Ha! Während die letzten Anzeichen übermäßiger Stimmbandbelastung langsam schwinden und den Weg für letzte Gesangsparts zu "steinn" freigeben, habe ich die Zeit genutzt und an einigen neuen Liedern weitergebastelt. Neben dem bereits erwähnten "walking ghost" und "pripjat" sind nun auch "nuclear deer", "isotop", "the monster sends its clouds" und vor allem "aerosol-flight over europe" dabei, soweit fertig zu werden, dass ich sie aufnehmen kann. zu zwei weiteren liedern - "gray" und "vektor" - exitieren Bassline und einige Gitarren, da müsste ich mich mal mit der Struktur befassen. Mit drei bereits etwas älteren Liedern aus dem letzten Jahr - "my ion eye" und "the fascination of ruins" - bzw. aus lang vergangener zeit... 2001 oder so? - "D2O" - sind es bislang elf neue Lieder zu "Aerosol". Ein weiteres Lied existiert in einfacher Form ebenfalls, allerdings hat mein Bruder das ursprünglich nicht für uns geschrieben, ich muss ihn da noch überzeugen, dass das ebenfalls in unser Programm kommt...
Bei "walking ghost" habe ich jetzt mit den Aufnahmen begonnen. Das stellte sich als schwieriger heraus, als ich vorher dachte. Ich schreibe viele der neuen Stücke extrem vom Bass ausgehend, was zu Bassparts führt, die ich als Gitarrist erstmal selbst lernen muss. Ich habe zwar in mehrstimmigen Stücken von Vivaldi oder Bach schon Bass gespielt, aber... erstens ist das nicht exakt das selbe, und zweitens musste ich dafür üben. Und jetzt muss ich anfangen für Parts, die ich mir selber geschrieben habe, richtig zu üben. Und damit meine ich nicht die normale halbe Stunde vorm Aufnehmen. Den Bass-Refrain-Part zu "walking ghost" spiele ich seit bestimmt zwei Wochen jeden Tag mindestens eine Stunde.
Das zweite Problem beim Bassaufnehmen ist die technische Seite. Ohne einigernmaßen taugliche Kompressoren oder Basseffektgeräte, klingt es halt nach... Bass mit Cubase-Kompressor. Und auch das mittlerweile doch einigermaßen gekonnte EQing hilft da nur bedingt. Bis ich dann heute morgen endlich soviel an den Aufnahmen gedreht habe, bis ein Erfolg in Sicht ist. Ich werde layern müssen, also Sounds übereinanderlegen, mehrere Aufnahmen, die dann natürlich auch exakt gleich gespielt sein sollten. Das ist bei Sechzehntel-Läufen über mehrere Saiten und Lagen bei 120 bpm nicht so ganz einfach. Zumindest im Vergleich mit den Gitarrenspuren...
"walking ghost" soll vom Klang her irgendwo zwischen "tonight, tonight", "cassandra geminni" und "hysteria" liegen. (Ohne jetzt behaupten zu wollen, dass ich jemals in die Nähe eines der genannten Stücke kommen werde, aber die Zielsetzung ist wichtig...) Da passt das Soundlayering ganz gut, denn Muse machen mit ihrem (teilweise fast nach Synthies klingendem) Bass nichts anderes. Vor allem ist mir mal aufgefallen, dass der Bass bei denen mindestens eine Oktave höher gespielt wird, als ich es normalerweise mache. Dadurch lässt sich die ganze Sache natürlich wesentlich präziser und treibender/aggressiver machen. Versehen mit einem Oktav-Effekt und einer Art Fuzz (den ich wohl so nicht zur Verfügung habe) ergibt das dann den typischen, fetten Muse-Bass-Sound.
Bei "isotop" habe ich bereits mit den MIDI-Parts angefangen. Das soll alles schräg und durcheinander und gerne auch hyperaktiv-disharmonisch klingen... das habe ich schonmal geschafft, muss nur noch das restliche Lied drauf passen. "isotop" ist - PREMIERE! - mal nicht in Dur oder äolischem Moll, sondern in der harmonischen Mollvariante. Klingt jetzt vielleicht spektakulärer als es sich später anhören wird, auf jeden Fall ist das aber fürs Songwriting eine interessante Sache (für jemanden wie mich, der Jazz, Kirchentonleitern und sonstige Perversitäten bisher eher aus der Ferne betrachtet hat).
Insgesamt entwickelt sich gerade alles immer postrockiger, progressiver... und auch experimenteller als "Anamnesia", und das ist ein gutes Zeichen. Allerdings existieren die meisten Lieder bisher auf dem Papier, in meinem Kopf und als MIDI-Entwürfe, wer weiß, wo das noch endet...
sjÁlfur