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04.08.2006 um 11:35 Uhr

Föderalismusreform und "echte Freiheit" für die Hochschulen (Schavan)

von: soclyt

"Mit der Föderalismusreform erhalten die Hochschulen eine echte Freiheit" (Schavan zit. n.BMBF-Pressemitteilung 106/ 2006 vom 16.6.2006).
Wie das?
"Sie könnten ihr eigenes Profil entwickeln und ihre Vorteile im internationalen Wettbewerb ausbauen" (BMBF-Pressemitteilung 106/2006).
Exzellente Beweise für "echte Freiheit". Konnten oder mussten sie das vorher nicht auch schon?
Ist mehr Freiheit von Finanzmitteln, also weniger Geld, gemeint?
Sind sie tatsächlich unabhängiger? Von wem? Von wem nicht? Zu welchen Formen neuer Abhängigkeit führt das?
Bedeutet "Freiheit" mehr Verpflichtung zur Einwerbung von Drittmitteln?
Vor allem der Ausbau der Vorteile in internationalen Wettbewerb ist eine hervorragende Grundlage für  Freiheit: "Echte Freiheit" in einem System der Zwänge und fremdgesetzten Anforderungen.

03.08.2006 um 09:11 Uhr

Selbständigkeit: Wissenschaftliche Entrepreneure - Zum Verhältnis von Bildung und (selbständiger) Beschäftigung

von: soclyt

Abgesehen von den etablierten Professionen bietet der Markt eine Fülle an Möglichkeiten für wissenschaftliches Entrepreneurship:
Historiker als Verfasser von Firmen- oder Familiengeschichte (oder besser: -geschichten);
Germanisten als Korrekturleser;
Kunsthistoriker als Fremdenführer;
Soziologen als Marktforscher;
Philosophen als Rundumphilosophierer und -berater;
Pädagogen als Coaches für alles und jedes, Nachhilfeunternehmer;
Psychologen als Image-Stylisten, Bewerbungshelfer;
Sozialpädagogen als Tanzgruppenleiter;
Geographen als Tourismuspromotoren;
Geologen als Mineralienhändler;
Japanologen als Kampfkunstinstrukteure  (entsprechende Vorbildung nötig);
Sinologen als interkulturelle Trainer und Geschäfteförderer;
Indologen als Yoga-Lehrer (mit Zusatzausbildung);
Physiker als Anlageberater;
Biologen als Kleintierhändler mit Expertise für artgerechte Haltung;
Chemiker als Betreiber von Mini-Labors ( z.B. zum Entwickeln von Filmen);
alle, die bereit sind, alle Anti-Positionen über Bord zu werfen, als Unternehmensberater;
alle natürlich als IT-Experten, Kommunikationstrainer, Erwachsenenbildungs-Dozenten, Lebensphasenconsultants.
Besonders zu empfehlen ist die Kombination und gleichzeitige Ausübung meherer unternehmerischer Tätigkeiten zur Erlangung des Lebensunterhalts (Beispiele, an denen man sich kreativ orientieren kann, gibt es dafür in Brasilien, Mexico, Mali, Kiribati).

01.08.2006 um 19:52 Uhr

Kinder-Uni: Das Spiel mit dem Anschein. Eine Nebenbemerkung.

von: soclyt

"Kinder von 8 bis 14 Jahren sind eingeladen, sich in die Welt der Wissenschaft entführen zu lassen." (Campus 2/2005, S. 6).
Den Kindern wird vorgemacht, dass sie etwas können, was sie nicht können.
Die Lehrenden machen sich vor, dass sie etwas können, was sie  nicht können: Kindern etwas beibringen, sie "für die Wissenschaft zu begeistern" u.ä.
Außerdem glauben sie - sich und anderen - damit demonstrieren zu können, dass sie aufgeschlossen sind, keine "verknöcherten Wissenschaftler".
Jeder, der mit Lernprozessen für Kinder zu tun hat, weiß, dass dafür ganz anderes erforderlich ist als eine Vorlesung mit Gags und etwas Frage-Antwort-Spiel.
Heranführung an neue Bereiche, Abbau von Zugangsschranken, Aufzeigen, dass Denken und Begreifen erfreuliche Aktivitäten sein können, kann eine sinnvolle Sache sein.
Das ist kein Plädoyer gegen die Heranführung von Kindern an wissenschaftliches Denken, wohl aber gegen die Erzeugung des Anscheins davon, und gegen die Illusionierung der Beteiligten.