bildpolkrit

26.10.2006 um 11:39 Uhr

Bildung und Ideologie: Bildung als Ursache, Heilmittel, Alibi?

von: soclyt

Im Kontext der Debatte um eine "Unterschicht", die es nach Aussage eines qualifizierten Sozialwissenschaftlers nicht gibt, erscheint - im Sinne des Übergangs von Verteilungs- zu Chancengerechtigkeit - "Bildungsarmut" als das eigentliche Problem (s. EKD u.a.).

Ist schlechte Bildung Ursache oder Folge?

Ist sie das zentrale Problem in Anbetracht der gegenwärtigen Verteilung materieller Güter?

Keine Veränderung der materiellen Verhältnisse, sondern eine der Bildungsverhältnisse wird propagiert. Damit wird Bildung zur Verdeckung der eigentlichen Ursachen instrumentalisiert und zur Legitimation politischen Handelns auf dieser Ebene benutzt. Das ist eine Verschiebung der Probleme auf den Bildungsbereich und auf den Einzelnen, der seine "Chancen" eben zu nutzen oder sich die weniger erfreulichen Ergebnisse selbst zuzuschreiben hat - und damit eben eine Verlagerung und keine Lösung des Problems.   

16.10.2006 um 10:59 Uhr

Humankapital und seine Nutzung in Deutschland: Mängel und Desiderate

von: soclyt

Die deutsche Humankapitalnutzung ist ineffizient und leidet unter Mängeln:

- Zu viele Arbeitslose

- Zu frühes Ruhestandsalter

- Zu lange Studienzeiten

- Zu wenig Frauen in der Arbeit ("begrenzte Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen");

(Lisbon Council; s. dazu SZ 11.10.2006, S. 21).

Fazit: "In Deutschland gibt es zu wenig Menschen, die arbeiten" (Peer Ederer, Zeppelin Universität Friedrichshafen, zit. n. SZ, a.a.O.).

So geht das nicht.

Es ist aber bereits Abhilfe im Gange:

Der Druck auf die Arbeitslosen wird erhöht.

Studienzeiten werden verkürzt.

Das Ruhestandsalter wird heraufgesetzt. Es soll - zur Entlastung der Rentenkassen - ein höherer Prozentsatz mit geringeren Bezügen in den Ruhestand gehen; es wird auch einkalkuliert, dass ein gewisser Prozentsatz in der Arbeit stirbt.

Den Frauen muss klar werden, welch erstrebenswerte, emanzipationsfördernde, persönlichkeitsentfaltende, finanziell saturierende Sache eine Berufstätigkeit unter den gegenwärtigen ökonomischen Rahmenbedingungen ist.

 

 

 

13.10.2006 um 16:43 Uhr

Omnipräsente Werbung

von: soclyt

Seit einiger Zeit erscheint in diesem Blog verstärkt Werbung. Sie ist nicht von bildpolkrit initiiert und hat nichts mit den Intentionen von bildpolkrit zu tun.

Man könnte sich in bezug auf die Omnipräsenz von Werbung überlegen, welche Inhalte dem Bewusstsein offeriert werden, welche Verhaltensmuster vorgegeben werden, dass evtl. doch - unglücklicherweise - das eine oder andere hängenbleibt, insgesamt, zur "Bildung" welchen Menschentyps Werbung beiträgt.

Werbung ist Teil einer ausgreifenden Kommerzialisierung. Werbeagenturen streben Verkaufsförderung über Effekte an, um deren Konsequenzen sie sich nicht kümmern. Internet-Werbung hat inzwischen ein beträchtliches und weiter zunehmendes Volumen. Eine sinnvolle Entwicklung?

Millionen von Mediennutzern lassen die Zumutungen einer ubiquitären und in großem Umfang Unsinn transportierenden Werbung in den verschiedenen Ausprägungen über sich ergehen.   

06.10.2006 um 10:35 Uhr

SelbStändigkeit: GeistesWissenschaftler als UnterNehmer: ProJekt "UnternehmerGeist"

von: soclyt

Viele Geisteswissenschaftler haben ein Manko - fehlenden Unternehmergeist. Außerdem sind sie chancenblind. Schließlich verstehen die potentiellen GeistesBetriebler zuwenig von Marketing, Kundenakquisition, Steuerrecht, weisen also wesentliche Lücken einer GeistesBWL auf.

Um das zu beheben, möchte das Projekt "UnternehmerGeist" (Träger LMU und GründerRegio M e.V.) "daran arbeiten, Motivation für unternehmerisches Denken und Handeln bei dieser Zielgruppe zu stärken" (Pavla Kaiser in uni 5/2006, S. 4). Begründung: Gute Chancen:"(...) denn Fakt ist, dass es zahlreiche Bereiche gibt, in denen sich gute Chancen bieten, zum Beispiel als Trainer, Reiseleiter, Journalist oder Computerexperte" (a.a.O.).

Faszinierende Aussichten und ungeahnte Chancen also. Wer hätte nicht von so etwas geträumt, als er ein Studium der Geisteswissenschaften begann? Also: "Wecken Sie Ihren UnternehmerGeist!" (www.u-geist.de). Denn:"Kreativität, Motivation und Fachwissen machen sie zu idealen Existenzgründern - wenn sie sich gut informieren und realistisch planen" (a.a.O.).

Allerdings: Neben Chance auch Risiko: Ohne gutes Konzept und berufliche Erfahrungen "kann eine Existenzgründung auch ein großes Risiko darstellen" (P.K., a.a.O.).Aber:"Manche wollen es aber trotzdem versuchen, weil sie keine andere Chance auf dem Arbeitsmarkt sehen" (a.a.O.).

Also doch nicht nur Beeinträchtigung der Chancenwahrnehmung?

Oder: Chancen gibt es kaum, man muss nur glauben, sie zu sehen.

(Zur Erweiterung des Tätigkeitsspektrums unternehmender Geisteswissenschaftler siehe bildpolkrit vom 3.8.2006: "Selbständigkeit: Wissenschaftliche Entrepreneure - Zum Verhältnis von Bildung und (selbständiger) Beschäftigung").

02.10.2006 um 10:36 Uhr

Hauptschule als Aufbewahrungsort für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz

von: soclyt

Es gibt Pläne, die Hauptschule in Bayern um ein freiwilliges 10. Schuljahr zu erweitern - auf dem Hintergrund, dass zur Zeit bereits Tausende von Schülern ohne Ausbildungsplatz "freiwillig" die 9. Klasse wiederholen (SZ 30.9./1.10.2006, S. 49).

Nicht die Lehrstellensituation wird verbessert, sondern die Schule verlängert. Das ist Kaschierung und Kompensation von Arbeitslosigkeit.

Immer noch besser?

Vielleicht.

Aber: So kann man Probleme auch "lösen".