bildpolkrit

29.04.2007 um 16:07 Uhr

Neue Personalkategorien an den Hochschulen (Schavan)

von: soclyt

"Wenn ein Institutsleiter sagt, diesen Manager brauche ich unbedingt, dann soll er ihn unbürokratisch einstellen können. Es muss ja nicht jeder eine Professorenstelle bekommen, wir brauchen also neue Personalkategorien." (Schavan in SZ, 25.4.2007, S. 20).

Zum Beispiel etwa:

Forschungsphasenbegleiter?

Universitätssituierter transitioneller Adjoint Manager für scientific processing?

Administrativer Teamleiter bei Forschungsprojekten (mit Befristung auf zwei Jahre)?

Wissenschaftlicher Institutshilfsmitarbeiter?

Projektkletterer oder -hangler?

Casual researcher?

Umsetzungs- und Ausstoßoptimierer?

Wissenschaftsmarketingler?

 

26.04.2007 um 10:27 Uhr

Erweiterung des "Tätigkeitsspektrums" für Geisteswissenschaftler (Wissenschaftsrat)

von: soclyt

"Der Wissenschaftsrat (...) hebt hervor, dass sich das 'Tätigkeitsspektrum' sichtbar erweitert habe. Geisteswissenschaftler übernähmen immer häufiger Aufgaben, die 'ein hohes Maß an sozialen und kommunikativen Kompetenzen erfordern', etwa 'in den Bereichen Marketing, Kundenbetreuung, Personalentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit'" (SZ 25.4.2007, S. 48).

Genau das, was man sich nach einem Studium der Geisteswissenschaften erwartet und warum man dieses Studium gewählt hat - und worin der Sinn und die spezifische Qualität eines geisteswissenschaftlichen Studiums liegen. 

Es scheint inzwischen im Denken von Bildungsadministratoren fast nur noch marktbezogene Kategorien zu geben. Welche Art von funktionalen "sozialen und kommunikativen Kompetenzen" für diese Tätigkeiten erforderlich sind, liegt auf der Hand; es ist fast schon ein Hohn, zwischen ihnen und den Zielen und Inhalten eines geisteswissenschaftlichen Studiums eine Verbindung zu konstruieren. 

Warum empfiehlt man dann nicht gleich ein geistesökonomisches Studium?

25.04.2007 um 09:38 Uhr

Geistes- und Sozialwissenschaften als Logowissenschaften: "Lifestyle-Aspekte" für Joggingschuhe und Autos (Schavan)

von: soclyt

"Erfolgreich am Markt werden ein Joggingschuhe (sic) und Autos jedoch erst, wenn sie unter 'Lifestyle-Aspekten' Konsumenten weltweit ansprechen. Die Grundlagen dafür erarbeiten Soziologen, Psychologen und Kommunikationswissenschaftler." (Schavan in "Zeit", 19.4.2007, S. 38).

Endlich vernünftige und handfeste Ziele und Aktivitäten für die Vertreter sonst nach allgemeiner Meinung eher nebulös, unnötig kritisch, praxisfern, Kosten verursachend statt Geld einbringend herumdiskutierender Disziplinen: Wie kann man dem Konsumenten Joggingschuhe und Autos verkaufen, indem man ihm das als Verbesserung seines "Lifestyles" klar macht? Er erwirbt nicht einfach die Gegenstände, sondern einen besseren Lebensstil - das muss er erst einmal begreifen. Sicher ist er dann auch bereit, etwas mehr zu bezahlen. Joggingschuh plus Lifestyle ist - leicht einsehbar - teurer als ein Schuh zum Laufen. Bei den als Statussymbolen akzeptierten Autos ist das sowieso gut nachzuvollziehen; wie der Absatz deutscher Luxusautos in China trotz der dortigen Straßenverhältnisse zeigt, ist da über "Lifestyle" einiges machbar. Solche Einsichten werden doch die "Soziologen, Psychologen und Kommunikationswissenschaftler" weiter fördern und unter die Konsumenten bringen können. Da das "weltweit" geschehen soll, sind auch Bereiche wie "interkulturelle Kommunikation", "interkulturelle Kompetenz", "Globalisierungstheorie", evtl. sogar "interkulturelle Philosophie" unterzubringen.

Lifestyle statt Gesellschaftskritik - für Geistes- und Sozialwissenschaften eröffnen sich neue Horizonte; evtl. sind die angeführten Disziplinen zusammenfassbar als "Logowissenschaften".

24.04.2007 um 10:28 Uhr

Frauenförderung für mehr Profit (Schavan)

von: soclyt

"Die Berücksichtigung von Gender-Aspekten in der Entwicklung von innovativen Produkten verspricht ein enormes Marktpotential" (Schavan in "Zeit", 19.4.2007, S. 38).

Die Instrumentalisierung der Frauenförderung hat vielfache "positive" Auswirkungen: Welch eine Chance, welch eine umfassende win-win-win-win-Situation - für die Frauen, für die Autoproduzenten, für die Arbeitgeber, für die Politikerin Schavan. 

19.04.2007 um 10:46 Uhr

"Behäbigkeit" vs. "Flexibilität und Offenheit" (Schavan)

von: soclyt

"Umgekehrt muss man schon sagen, dass die übermächtige Stellung des öffentlichen Dienstes in Deutschland auch in anderen Branchen eine Behäbigkeit erzeugt hat, die andere Länder so nicht kennen. Daher glaube ich, dass mehr Flexibilität und Offenheit heilsam und notwendig sind." (Schavan in "Zeit", 12.4.2007, S. 85).

Die alten Klischees - nichts zu den Inhalten, zu den Vor- und Nachteilen für die Beschäftigten, zu den tatsächlichen Auswirkungen. Was bedeuten denn "Flexibilität und Offenheit" konkret für die, die sie zu erbringen haben? Was bedeuten sie für die auf diese Dienstleistungen Angewiesenen? Ist "Behäbigkeit" das wesentliche Merkmal eines funktionierenden Öffentlichen Dienstes? Sind Formen von Verlässlichkeit, Kontinuität, Nicht-Profitorientierung als grunsätzlichem Charakteristikum in diesem Bereich irrelevant? Gegen das Schlagwort mit negativer Konnotation zwei mit forciert positiv sein sollender gesetzt - und die Sache gilt als erledigt.

02.04.2007 um 10:42 Uhr

Akkommodative Bildungspolitik

von: soclyt

entwickelt keine eigenen Konzeptionen, wie eine Gesellschaft, wie ein Mensch, wie bereichsspezifische Abläufe aussehen sollen, sondern übernimmt die herrschenden, operationalisiert sie und versucht sie zu realisieren; sie bezieht daraus ihren Instrumentalisierungscharakter und ist damit Funktionalisierungspolitik. Sie lässt sich funktionalisieren und funktionalisiert.

Sie entwickelt, argumentiert und praktiziert nicht eigene Positionen, eigenen Sinn und Widerständigkeit, sondern Akkommodation.

01.04.2007 um 11:05 Uhr

"Qualifizierungspolitik/Kompetenzpolitik" statt "Bildungspolitik": Plädoyer für eine Umbenennung

von: soclyt

Gegenstand von Bildungspolitik ist nicht Bildung. Da es in diesem Politikbereich um Qualifikationen und Kompetenzen geht, sollte man ihn auch so benennen. Inhaltliche Schwerpunkte sind Ressourcenmanagement, Systemfunktionalität und wirtschaftsfördernde Innovation. Die Relikte dessen, was einmal Bildung hieß, können an peripherer Stelle im Kompetenzgewirr untergebracht werden.

Vorgeschlagen wird eine Zuordnung zu Wirtschaftspolitik, Arbeitsmarktpolitik und Sozialpolitik - definiert werden kann das Ganze dann als Teil der "Wertschöpfungskette".