Pingelhof
Ganz versteckt im Ort Alt-Damerow befindet sich der Pingelhof. Hier lebte bis 1984 Erna Pingel unter Bedingungen, die für uns Großstädter unvorstellbar sind. Der Hof ist heute ein Agrarmuseum. Das muss ich unbedingt meinem Papa erzählen.
Sehr beeindruckend ist das alte Wohnhaus. Ein Rauchhaus mit ganz kleinen Zimmern. Wir lassen uns von einer netten Dame erklären, wie man hier gelebt hat. Überall riecht es nach Rauch, obwohl schon mehr als 20 Jahre hier niemand mehr kocht oder heizt. Die Zimmer sind sooo klein und das, was ich für den Hühnerstall gehalten habe, war die Kinderstube.
Die Pingelsche „Einbau“-Küche wurde mit offenem Feuer genutzt, aber sie hat keinen Abzug und auch kein Licht. Die Kammern sind ganz klein und niedrig. Hier schliefen die Mägde zu zweit in einem Bett. Die Knechte hatte es noch besser, sie hatten die Pferde mit im Raum, dadurch war es wärmer. Waschen war im Winter nicht angenehm, denn selbst die Schüssel musste erst vom Eis befreit werden. Und da alle ungewaschen waren, war es kein Problem, wenn man sich erst wusch, wenn es warm draußen war. .
Im Pingelhof gab es auch eine kleine Schule. Hier konnte Jenni sich mal in deutscher Schrift üben. Und so schwer scheint es gar nicht zu sein.
Hinter dem Hof ist ein altes Sägegatter aufgebaut und wir haben Glück, denn es ist gerade in Betrieb. Wir können sehen, wie ein Brett und später ein Balken gesägt wurde. Sicher werden damit die Bauten hier restauriert.
Nachmittags wollen wir nach Parchim, der Kreisstadt. Wir umrunden die Stadt, bevor wir einen Parkplatz finden. Wir laufen durch die Altstadt und Tom rennt förmlich vorne weg. Hat er hier einen Termin? Vor einem alten Haus bleiben wir stehen weil wir was essen wollen und zufällig ist es genau das Haus, das Tom finden wollte: das Zinnhaus. Im Hof ist ein Biergarten sehr schön eingerichtet hier machen wir Pause bei italienischem Essen. Leider ist der Kellner doof, so dass wir sogar hingehen müssen um zu bezahlen. Der hatte sich in ein Gespräch mit anderen Gästen vertieft und unseren Wunsch zu bezahlen ganz vergessen. Oben im Haus ist eine Ausstellung über das Handwerk in dieser Region. Warum das Haus aber Zinnhaus heißt, habe ich nicht mitbekommen.
Ein Spaziergang zum Abend soll unser mangelnde Bewegung ein kleines Bisschen ausgleichen. Wir laufen direkt vor unserem Haus den Weg in den Wald hinein. Ganz viele kleine Frösche, oder Kröten, hüpfen vor uns über den Weg hin und her. Auch ein paar Mücken freuen sich über unseren Besuch. Wer ist bloß auf die blöde Idee gekommen abends in den Wald zu gehen? Der Weg führt uns Berg hoch und Berg runter, das ist ja fast wie im Gebirge. Wir kommen aus dem Wald heraus auf eine Wiese. Der Weg, der sicher nur von Traktoren oder Forstfahrzeugen befahren werden kann, führt uns .... welch ein Wunder! .... wieder auf den archäologischen Lehrpfad von Kritzow. Heute haben wir aber genug, denn wir haben Jenni versprochen nur eine halbe Stunde draußen zu bleiben.
In der Altstadt laufen wir eine ganze Weile hin und her, finden die Friedrichstraße und essen in der Fußgängerzone. Um 14:45 steigen wir in den Bus zu einer Stadtrundfahrt. Als diese wieder am Schloß hält, steigen wir aus und flanieren durch den Burggarten. In der Orangerie (wirklich drinnen) bekommt Corina endlich ein Stuck Kuchen, das ist so groß, da könnten mehr als einer von satt werden. Tom und ich möchten ein Mohrenköpfchen essen – als der kommt, falle ich bei dem riesigen Eisbecher fast vom Stuhl. Das ist doch kein Mohren-KÖPFCHEN ....
Die restliche Dorfanlage ist sehr schön gemacht und auch der Kräutergarten erfreut uns.
Danach geht es zum „Wildwasserrafting“. Ein Glück haben wir die Taschen in einer Tonne verstaut. Aber die kleinen Stromschnellen sehen schlimmer aus, so dass wir doch völlig easy da drüber kommen.
Hier im Ort beginnt der
Urlaub, endlich Urlaub! 
