niemand ist unersetzbar
Heute wurde ich gefragt, ob ich diejenige wäre, die zukünftig was anderes machen wird. Nun weiß ich ja, dass auch andere Kolleginnen sich um eine andere Stelle bemüht haben. Aber die Fragestellung war schon so, dass nur ich gemeint sein konnte. Jetzt ist es rum und alle meine jetzigen Kolleginnen bescheid wissen. Ich rede schon seit ein paar Tagen offen darüber, aber eben nur wenn man mich fragt.
Ich kann mich noch erinnern, als ich vor vielen Jahren in einer Abteilung war und da hat eine Kollegin gekündigt, weil sie eine andere Arbeit gefunden hatte. Sie hat jedem Kunden und jedem Mitarbeiter erzählt, dass sie nun bald ja nicht mehr da ist und wo anders arbeiten wird. Und das ging schon Wochen vorher los. Ich konnte das irgendwann nicht mehr hören. Jeder hat ihr alles Gute gewünscht (das an sich ist ja verständlich) und dann kam die Heuchelei, wie schade das doch wäre. Ich kann mich heute nicht mehr erinnern, dass (nachdem sie weg war) auch nur ein Kunde nach dieser Person gefragt hätte. Daher lasse ich es, meinen Weggang anzukündigen. Irgendwann bin ich dann in einer anderen Abteilung. Dass ich unersetzbar bin – wie mir jetzt alle versichern – ist zwar schmeichelhaft, aber durchaus nicht wahr.
Eines ist interessant. Jetzt wo die Kolleginnen wissen, dass ich bald nicht mehr da bin, wo man fragen kann, fangen sie an zu lernen. Sie nehmen sich Sachen zum lesen und versuchen sich an den Dingen, die sie sonst immer gerne weitergegeben haben. Ist das nicht auffallend?

