aufundweg

27.01.2007 um 13:19 Uhr

solu solu kina bolu - aufundweg zum everest

Stell dir vor, du stehst volles Programm auf Harry Potter oder Herr der Ringe oder von mir aus auch die Bibel. Und stell dir vor das du auf einmal die Moeglichkeit hast, in dieser komischen Zauberschule, in Bilbos Haus in Hobbingen oder dem Stall von Bethlehem Urlaub zu machen. Dir alles einmal genau anschauen. Anfassen. Die Luft schnuppern und nachvollziehen wie sich dieser kleine Zauberstreber, der Herr Frodo oder Maria bei der Geburt eines uneheliches Kindes wohl gefuehlt haben muss. Genauso fuehlte ich mich als ich mich aufmachte. Ich hatte Jon Krakauers “In thin air – In eisigen Hoehen” drei Mal gelesen. Das erste Mal vor 8 Jahren. Waehrend meines Zivildienstes in Otterndorf (“Dort wo Ottern kotzen und Motten rotzen”…aber das ist eine andere Geschichte). War faziniert und gleichzeitig abgestossen von den selbstverschuldeten menschlichen Tragoedien die sich an und um den Hoechsten Berg der Welt abspielten. Ich hatte im Laufe der Jahre Geo Magazine zum Thema “Everest” gelesen und die Gegendarstellung eines russischen Bergfuehrers der in Jon Krakauers Erzaehlung recht schlecht weg kommt. War immer wieder auf entsprechenden “Everest” - Seiten im Internet haengen geblieben. Zum Schluss, als letztes Buch vor dem Beginn meiner Reise, hatte ich das Buch von Goeran Kropp gelesen, der mit dem Fahrrad von Norwegen zum Everest kam um ihn dann alleine zu besteigen. In meinem Kopf hatten sich also viele Fakten und Geschichten, Bilder und Fotos zu einer Mischung aus Phantasie und Wahrheit verdichtet. Nun wuerde ich bald in den “echten Kulissen” dieser Heldentaten und Dramen mir mein eigenes Bild machen koennen. Geil !
Jetzt werde ich mich in den folgenden Beschreibungen bemuehen  nicht so zu klingen wie der olle Reinhold Messner persoenlich. O.K. auf geht’s : Ich hab den Yeti gesehen ! …. Quietsch….Zurueckspulen….Nochmal von vorne….

Ich war aufgeregt und gut gelaunt als ich zur Busstation in Kathmandu ging. Nun kam also die letzte Etappe meiner kleinen Tour, der Aufstieg zum Everest Basecamp und zum Kala Patar (5545 Meter), einer der kleineren Trekking Gipfel, von dem man einen Blick auf den hoechsten Berg der Welt hat. Vom Terai, der Tiefebene des Subkontinent (200 Meter) auf der ich die letzten Wochen verbracht hatte und nun hoch bis auf ueber 5000 Meter. Eine erhebende Vorstellung.  

Ich war aufgeregt und gut gelaunt.

Aufgeregt weil ich nun etwas begann, was mit dem vorigen Teil meiner  Reise nicht wirklich viel zutun hatte. Bisher war ich ja nun fast ausschliesslich Fahrrad gefahren. Zuletzt von Butwal via Naraingard via Mugling und Naubise ins Kathmandu Valley. Dort hatte ich meine Trekkingtour organisiert, eine dicke Jacke gekauft (“bierchengelb” waere hier wohl der richtige Ausdruck) einen Rucksack, eine festere Hose und zudem noch einiges anderes Equitment um fuer den naechsten Monat gewappnet zu sein. Mit dem Fahrrad war ich mittlerweile relativ routiniert unterwegs gewesen. Sowohl uebermaessiger oder chaotischer Verkehr oder ungewoehnliche Situationen neben der Strasse, konnten mich nicht mehr wirklich aus der Fassung bringen. Auf dem Fahrrad hat man ja gluecklicherweise alles dabei was man braucht und ist quasi autark. Nun musste ich mich trennen. Von Kocher und Kuechengeschirr, von Klamotten und Zelt und anderem Gedoens das mir in den letzten Monaten ein unabhaengiges Leben bescherte . Alles haette ja schliesslich nicht in meinen Rucksack gepasst und dennoch wog er nach Abzug aller nicht mitgenommenen Ausruestungsgegenstaende ca. 15 Kilo (wie mir spaeter einige Guides bestaetigten). Aufgeregt war ich demnach auch ob das mein Ruecken aushalten wuerde und einen Treck ueber so lange Zeit hatte ich nun auch noch nicht gemacht. Alles in allem sollte die Nummer einen Monat dauern. Wuerde ich mich verlaufen ? Wuerde mich der Yeti fressen oder zumindest die Maoisten ? Wie wuerde ich mit der Hoehe klar kommen ? Konnte ich wirklich hoehenkrank werden ? Tausend und eine Frage. Deswegen war ich aufgeregt.  

Gut gelaunt ? Ja, ich war sehr gut gelaunt, denn ich hatte es bis hierher mit dem Fahrrad geschafft. Acht Monate war ich durch 11 Laender gefahren und hatte fast 12.000 Kilometer zurueckgelegt. Nun wuerde es doch mit dem Teufel zu gehen, wenn ich nicht noch die paar Meter zu Fuss hinter mich bringen koennte. Die Zeichen standen gut. Alles hatte sich in den letzten Tagen zu meinen Gunsten gewandelt.
Zunaechst die sonderbare Begegnung in Naubise mit Promod und Saroj. Nachdem ich muede und ein wenig froestelnd zwei schaebigen Lodges einen Korb gegeben hatte, landete ich in einer Dritten wo die beiden jungen Maenner aus Kathmandu grad zu Abend assen. Vollkommen zusammenhangslos und ohne Grund fragte ich die zwei, nachdem wir uns begruesst hatten, ob sie einen Platz zum Schlafen in Kathmandu fuer mich haetten. Ich machte mir naemlich ueber die gesalzenen Preise der Guesthaeuser in Thamel (dem Touri-Viertel von Kathmandu) Gedanken. Saroj antwortete nur trocken “Why not?”. Und so landete ich mit Hilfe der beiden in einem billigen, zugegebenermassen auch etwas runtergekommenen, Guesthouse und war happy mit all den Nepalis um mich rum.

Gut gelaunt war ich auch deswegen weil ich alleine trekken konnte. Anfang Oktober 2006 hatte die Regierung Nepals naemlich auf Druck der Maoisten ein neues Gesetz verabschiedet das Individual Trekking untersagte und nur Trekker in den Nationalpark lies die von einem Guide oder einem Porter begleitet werden. Damit sollten mehr Jobs fuer eben diese entstehen. Die Folge war jedoch internationale Proteste der Trekkingverbaende weltweit, eine vollkommen verkorkste Hauptsaison mit so wenig Gaesten wie schon lang nicht mehr und einige veraergerte Individualtrekker die auf einmal von einem Guide ans Haendchen genommen worden waren, selbst wenn sie schon mehrfach in diesem Gebiet getrekkt waren. Drei Tage bevor ich in Kathmandu einradelte stoppte die Regierung das neue Gesetz. Drei Tage. Das sagte man mir dann als ich im Touristoffice in Kathmandu nachfragte und ich konnte mein Glueck kaum fassen. Meine schrumpfenden, finanziellen Ressourcen haetten einen Guide der 10 Dollar (oder mehr) pro Tag kostet, nicht hergegeben. Alles hatte sich zum Guten gewendet. Deswegen hatte ich gute Laune.
 
Nun ging ich also Richtung Busstation. Es war noch nicht wirklich hell, was auch am Morgennebel lag, der wie ein Teppich ueber der ganzen Stadt wabberte. Eine Truppe Soldaten joggte vorbei und einige Bettler sassen vor dem Hindu Tempel an der Ringroad. Die Haendler bauten gerade ihre Staende auf, waehrend in den Teebuden das Wasser dampfte. An den Strassenecken waermten sich Maenner an Feuern die sie aus Pappkartons oder anderem Muell entzuendeten. Die Maoisten schmueckten gerade den zentralen Festplatz fuer eine grosse Kundgebung in Rot. Ein ganz normaler Morgen in Kathmandu eben.
Der Expressbus war bereits voll und so musste ich auf die naechste Gelegenheit eine Stunde spaeter warten. Ich trank einen Tee, scherzte mit den Menschen an den Bussen, besuchte die vollgeschissene Toilette und dann setzte ich mich in den Bus Richtung Jiri.

Ich hatte zwei Tickets gekauft. Eins fuer mich und eins fuer meinen Rucksack. Im Guidebook wurde vor Dieben gewarnt die das Gepaeck auf dem Dach des Busses einer “genaueren Pruefung” unterzogen. Vorher hatte man mir gesagt das der Bus nicht voll sei, also kein Problem. Doch der Bus war nicht voll, sondern er war gerammelt voll. Ich hatte ein doofes Gefuehl, weil neben mir im Gang einige Maenner und Frauen stehen mussten. Ich ueberlegte noch ob es irgendeine andere Loesung gaebe, da stuerzten auch schon die ersten Mandarinen- und Erdnussverkaeufer in den Bus und zwaengten sich durch das uebervolle Vehikel. Bei bestem Willen gab es keinen anderen Platz fuer meinen Rucksack in diesem Chaos. Im vorderen Teil des Ganges hatte sich einen alter Mann mit einem Sack Reis niedergelassen. Die Mandarinenverkaeufer stiegen ueber ihn als waere er selbst ein Sack Reis. Ich bekam einen nepalesischen Porno angeboten lehnte aber dankend ab. Nachdem auch noch einige junge Bettlerinnen duch den Bus gestiefelt waren, gings dann tasaechlich los.

"No stop signs, speed limit - Nobody's gonna slow me down
Like a wheel, gonna spin it - Nobody's gonna mess me round
Hey Satan, payin' my dues - Playing in a rocking band
Hey Momma, look at me - I'm on my way to the promised land"

                                            (AC/DC)

Im Lonley Planet beschrieb ein anderer Trekker den Bustrip nach Jiri als “Hell on earth”. In den ersten zwei Stunden dachte ich mir, was denn fuer ein Weichei dort unterwegs gewesen war ? Der Bus fuhr, nachdem wir das Kathmandu Valley hinter uns gelassen hatten durch ein anderes Tal enlang einen Flusses. Eigentlich ne ganz entspannte Tour. Nach ungefaehr 35 Kilometern ging es dann jedoch hinauf und hinunter und links und recht und…oh mein Gott.
Nicht das mich irgendjemand falsch versteht, das hier in den Hills Richtung Jiri ueberhaupt eine Strasse gebaut wurde, ist schlicht eine Meisterleistung, die mit Hilfe einer schweizer Strassenbaufirma realisiert wurde. Bis nach Jiri fuehrt die Strasse ueber vier Paesse. Nach jedem Pass schlaengelt sich die Strasse jeweils kompett bis ins Tal ueberquert einen Fluss um dann wieder in endlosen Serpentinen auf den naechsen Pass zu fuehren. Die Strasse ist einspurig. Der Verkehr allerdings nicht. Es gibt sogar einen durchaus regen Busverkehr. Und wenn diese Strecke tatsaechlich die “Hell on earth” ist, dann sind die Busfahrer tatsaechliche “Hellrider”. Sie leisten Schwerstarbeit. Die Fahrt dauert 12 Stunden oder mehr (fuer 188 Kilometer) und es gibt im wesentlichen nur eine groessere Pause. Die Fahrer fahren die Strecke komplett und gibt es einen Reifenschaden oder aehliches sind sie ohne weiteres noch ein paar Stuedchen mehr auf den Beinen bzw. im Fahrersitz. Die Busse haben keine Servolenkung. Das waere auf der schmalen Trasse zu gefaehrlich und tatsaechlich tut man gut daran nicht staendig aus dem Fenster zu gucken, denn manchmal geht es links oder rechts einige hundert Meter einfach runter. Keine Randstreifen, keine Leitplanken, keine Mauer, kein garnix… . Der Fahrer hat einen Gehilfen der die meiste Zeit an der offenen Tuer steht und via Klopfzeichen dem Fahrer zu verstehen gibt ob nun noch ein Zentimeter Platz ist oder nicht. Wenn dann ein Bus entgegen kommt ist dieser Zentimeter theoretisch nicht mehr vorhanden. Keine Ahnung wie die Fahrer das machen. Die Strasse ist zwei Jahrzehnte alt und wurde seitdem nicht eneuert, dementsprechen ist der Belag uebersaeht mit Schlagloechern und Bodenwellen. Die Busse sind alte klapprige Gefaehrte die scheinbar keinerlei Stossdaempfer besitzen. Allein diese Tatsachen macht die Busfahrt nach einigen Stunden tatsaechlich zur Tortur.
I - Tupfelchen sind dann kurze Stopps, an denen, wie an der Busstation in Kathmandu, Mandarinen- und Keks- und Erdnuss- und Sonstwasverkaeufer hineinstroemen. Einer dieser Verkaeufer waere ja kein Problem, doch zumeinst sind es so an die zehn junge Knaben die ihre Chance nicht verpassen wollen. Wie schon gesagt ist der Bus voll. Uebervoll. Leute stehen oder sitzen in den Gaengen sodass kein Platz ist fuer niemand. Dennoch schaffen es die Jungs bis nach ganz hinten und wieder zurueck und veranstalten ein lautes, doch erfolgreiches Chaos.

Nach ziemlich genau zwoelf Stunden, gelangte der Bus dann ins Jirital und ich stieg mit Rueckenschmerzen und ganz schoen durchgeruettelt aus. “Dit  waer jeschafft. Hoffentlich wird der Rest entspannter.”, dachte ich mir und checkte in eine der zahlreichen Lodges ein. 

Jiri  -  1530 Meter
In der Lodge traf ich dann auf die ersten Trekker und Guides. So z.B. einen belgischen Priester, der am morgigen Tag, Weihnachten, seinen Flieger bekommen muss um rechtzeitig die Weihnachsmesse lesen zu koennen. Ein columbianischer Traveller der stolz erzaehlt das er bereis 43 Tage nicht geduscht hat. Ich bin beeindruckt, kann aber die eigentliche Botschaft dieser Aussage noch nicht verstehen. Noch nicht. Beide sind auf dem Weg nach Unten. Nach Oben, also Richtung Namche Bazaar wollen nur ein ruhiges englisches Paaerchen inclusive Guide denen ihre Nervositaet sichtlich anzusehen ist. Ich quatsche ein bisschen mit dem Priester und hoffe nur fuer ihn das der Bus morgen ohne Reifenpanne die Berge herunter kommt. Regelmaessig verpassen Trekker ihre Flieger, da sie zu knapp geplant haben.

Am naechsten Morgen lasse ich mir Zeit. Der erste Tag ist laut der Tourbeschreibung im Guidebook kurz aber haeftig. Ich stapfe gegen 10:00 Uhr los und folge dem “Highway”. Wenn man es so betrachtet besteht Nepal eigentlich nur aus Highways. Der Mahendra East-West Highway durch den Terai, den “Highway to Hell” nach Jiri und nun das was die Einheimischen auch Highway nennen, der Weg nach Namche Bazaar. Dieser Weg ist die Route die, die Porter benutzen um ihre Waren in die verschiedenen Taeler, nach Phaphlu, nach Lukla oder zum woechentlichen Markt nach Namche zu bringen. Namche ist historisch das Handelszentrum der Tibetischen Haendler die ueber die Berge kommen. Hier werden die Waren gehandelt die die Bergbevoelkerung nicht selber herstellen kann und von Tibet oder Kathmandu hier her gebracht werden.
Ausserdem ist dieser Trail, der Weg den die ersten Everestexpeditionen gegangen waren, mit hunderten von Porten und Yaks.        

Es waren auch tatsaechlich einige Menschen unterwegs, als ich mit meinem fetten Rucksack meine ersten Schritte ging. Gleich nachdem ich Jiri verlassen hatte, ging es straight den Berg hoch und ich verschwand in der Bergen. Bis nach Shivalaya brauchte ich 5 Stunden. Das lag zunaechst einmal daran, das ich duzende von Fotos machte und mich oft umblickte um die Umgebung voll und ganz in mich aufzunehmen. Es war traumhaftes Wetter und ich fuehlte mich erhaben diesen Weg gehen zu duerfen.

Shivalaya – 1810 Meter
Als ich in dem kleinen Dorf ankam, war das englische Paaerchen bereits da und der Guide aalte sich in der Sonne, waehrend die beiden fertig in ihrem Zimmer lagen. Ich checkte in derselben Lodge ein, bestellte mir einen Pott Kaffee und setzte mich zu dem Guide um Tagebuch zu schreiben. Der Guide fing dann allerdings gleich an sich in Szene zu setzen und mit seinen Leistungen anzugeben. Puh, was ging mir der Kollege schon nach wenigen Minuten auf den Geist. Schon 6mal sei er am Basecamp gewesen und er wuesste “alles”. Irgendwie kam mir 6mal fuer einen proffesionellen Guide reichlich wenig vor und jemand der behauptet “alles” zu wissen ist sowieso mit Vorsicht zu geniesen. Das englische Paaerchen war auch nicht wirklich gespraechig, was vermutlich daran lag das sie konditionell noch nicht ganz so fit waren und es bei ihnen ueberall weh tat.

Als es Abend wurde kam dann das traditionelle Dhal Bhat Ritual, das sich im folgenden Monat jeden Abend aehnlich wiederholen wuerde. Dhal Bhat ist quasi “Reis mit Scheiss” oder anders ausgedrueckt Reis mit einer suppigen Linsenbruehe und je nach Lodge mit Gemuese des Saison und/oder Mixed Pickles. Was sich zunaechcht nicht wirklich spannend anhoert, ist wenn man einen Tag Trekking hinter sich hat, genau das Richtige. Es ist warm und safe, bietet genau die Proteine, die man braucht und schmeckt schlicht lecker. Die Lodgebesitzer sind manchmal etwas entaeuscht das die meisten Trekker anstatt der PseudoEuropaeischen Gerichte wie Pizza und Spagetti Bolonese, doch immer Dhal Bhat vorziehen. Es ist einfach besser. Und das beste an Dhal Bhat ist, es geht zu wie in einem koelschen Brauhaus. Wenn man sein Tellerchen leer gegessen hat, kommt ein Koebes…aeh ein Koch und bringt mit einem Koelschkranzaehnlichen Tablett nochmal Reis und Dhal und Gemuese und das so lange bis man voll vom Stuhl kippt. Dhal Bhat ist spitze.
Dazu trinkt der Nepali gerne Tschang oder Raksi. Tschang ist ein Reis”bier” das eher nach einem verwaesserten und leicht gegorenem Ayran schmeckt. Nicht mein Fall. Raksi ist der nepalesische “Wein”, ist klar und schmeck nach waessrigem Wodka. Da er auch warm serviert wird, nahm ich abundzu ein Glaeschen oder zwei, denn Bier ist hier in den Bergen absolutes Luxusgut und kostet das Doppelt- und Dreifache.

Am naechsten Morgen gab ich den Englaendern 45 Minuten Vorsprung. Ich hatte keinen Bock auf den geschwaetzigen Guide und ich wollte zunaechstmal alleine gehen. Schon nach einer Stunde hatte ich die kleine Gruppe jedoch eingholt und stiefelte an ihnen freudlich gruessend vorbei. “Wat willste mache.” In den Bergen geht jeder sein Tempo und ich war halt schon immer ein bisschen schneller unterwegs.
Auch dieser Tag war traumhaft schoen. Die Route leicht zu finden und wenn ich mir einmal nicht sicher war, fragte ich einfach nach. Oder besser ausgedrueckt, die Leute wiesen mir zumeist schon den Weg, den jeder NichtNepali will hier nach Namche Bazaar. Es war fast ein Blindflug.

"I've got a soul that cannot sleep
At night when something just ain't right
Blood red but without sight
Exploding egos in the night
Mix like sticks of dynamite
Red black or white this is my fight
Come on courage let's be heard
Turn feelings into words
American equality has always been sour
An attitude I would like to devour
My name is peace this is my hour
Can I get - Just a little bit of power" 
                                                (Red Hot Chili Peppers)

Kenja – 1600 Meter
Kurz vor Kenja war ein anderer Guide, der sich spaeter als Tek vorstellte, zu mir aufgeschlossen und er wies mir den Weg zu einer Lodge eines Freudes. Er war ein netter, ruhiger Kerl und wir verbrachten den Abend raksitrinkenderweise. Nachdem ich ihm von meiner Reise erzaehlt hatte, lud er mich zu sich in sein Dorf Nunthala ein. 
Hinter Kenja ging es dann am naechsten Tag tough den Berg hinauf.
Der Lamjura Pass ist mit 3500 Metern die hoechste Erhebung vor Namche Bazaar, das auf derselben Hoehe liegt. Es ging sehr steil den Berg hoch und unter mir wurde Kenja und das Tal kleiner und kleiner. Der Lodgebesitzer hatte mir ein weiteres Haus als Lunchgelegenheit empfohlen und zwar in Sete. Als ich dort ankam, hoerte ich von Weitem schon lautes Geschrei. Da hing wohl irgendwo der Haussegen schief. Ich ging um die naechste Weg Biegung und sah die empfohlene Lodge und davor eine Gruppe von Menschen. Gerade drosch ein Mann wie wild geworden mit einem dicken Stock auf eine Frau ein. Ein anderer Mann kam ihr zu Hilfe und zwischen beiden entbrannte ein kurzer haeftiger Kampf. Der Angreifer wurde in die Flucht geschlagen, die Frau warf ihm noch ein sehr grosses Bauernmesser hinterher und ich dachte nur “Mensch, Bombenstimmung hier.” Ich entschloss mich erstmal oberhalb des Hauses hinzusetzen und einen Schluck zu trinken. Der Mann hatte sich circa 100 Meter weit an den Rand einen Feldes gesetzt und schmollte. Nach wenigen Minuten kam die dicke Frau die er verdroschen hatte, vor dem Haus her und stellte sich an den Rand des Feldes. Aus sicherer Entfernung beschimpfte sie den alten Mann lautstark. Auf einmal lueftete sie ihren Rock und zeigte ihm …aeh… also sie lueftete ihren Rock und entbloesste ihren Unterleib waehrend sie immer noch bruellte und fluchte. Dann drehte sie sich um hob wieder den Rock und streckte ihm ihren fetten Bauerinnenarsch entgegen und wackelte damit wie beim Ententanz. Ich konnte es kaum glauben und musste laut lachen. Da kam eine andere Frau und fragte mich ob ich Lunch haben wolle. Ich antwortete jedoch das die mir hier ein bisschen zubekloppt seien und machte mich nach kurzer Pause von Dannen.

Nachdem ich auf ca. 3000 Meter war, kam ich nach Goyom und beschloss dort in einer kleinen Porter Lodge zu bleiben, die in der Tourbeschreibung des Lonley Planet keine Erwaehnung findet.

Goyom – 3060 Meter
Diese Lodge hatte keine Elektrizitaet und kein fliesend Wasser, nur einen Schlauch aus dem ein kleiner Rinnsal floss. Abends zog es in der Kueche wie Hechtsuppe und der Raum war gefuellt mit dem Rauch des offenen Herds, das mit Holz befeuert wurde. Dennoch fuehlte ich mich bei der ruhigen Familie sehr wohl. Kein Streit, drei liebe kleine Kinder und eine bemuehte Frau die mich versorgte. Auch hier gabs selbstverstaendlich Dhal Bhat und am naechsten Morgen suessen Milktea.

Es ging langsam weiter den Berg hoch bis zum Pass auf dem es kraeftig windete. Die Nordseite war auch vereist und es lag ein wenig Schnee, doch das gab dem Ganzen das richtige Ambiente. Ich sah Porter, mit ihren Tragekoerben. Die tragen sie nicht wie einen Rucksack, sondern mit einem Band um den Kopf. Die Koerbe sind einfache Binsengeflechte, doch tuermen sich in ihnen die Waren die sie transportieren zu unglaublichen Gebilden auf. Porter koennen unglaubliches (er)tragen, und das nicht einen Tag sondern mehr als eine ganze Woche oder laenger am Stueck. Und das nicht auf gerader Strecke, sondern in den Bergen in denen ich mir schon mit meinem 15 Kilo Rucksack einen abbrach. In den Koerben stapeln sich Reis und Bier und Bonbons und Tabak und Werkzeug und Klamotten und Batterien und Radios und ach noch Tausend und Eins andere Sachen mehr. In einem sollchen Korb koennen sie leicht 60 Kilo oder 80 Kilo unterbringen.  Auf dem Weg sah ich einen Porter, der ein schwarzes Abwasserohr aus Stahl und Hartplastik trug, das vielleicht dreinhalb Meter lang war und 30 cm Durchmesser hatte. Er stiefelte gerade genau diesen Pass hoch. 85 Kilo. Unglaublich. Ich sah andere Porter die grosse, zusammengerollte  Wellbleche (die hier fuer die Daecher einfacher Haeusser benutzt werden) trugen. Ich fragte nach. Sie antworteten. 105 Kilo. Bei den Everestexpeditionen werden die besten Porter angestellt und die tragen dann bis zu 120 Kilo. Den Berg rauf und den Berg wieder runter. Erst seit ein paar Jahren benutzen die Porter einfache Schuhe oder Sandalen (zumeist FlipFlops). Auf dem Weg zum Lamjura Pass sah ich jedoch noch einen Porter der tatsaechlich barfuss den vereisten Trail hochstapfte, mit vielleicht 70 Kilo auf dem Ruecken. Diese kleinen Maenner sind wirklich beeindruckend und zumeist auch noch gut gelaunt.

Da es oben am Pass so windig war, machte ich nur eine kurze Pause um mir keine Erkaeltung zu holen. Dann stieg ich ab ins naechste Tal nach Junbesi.

Junbesi – 2580 Meter
In der Lodge hier traf ich einen weiteren Trekker. Einen echten Abenteurer. Mehmet kam, wie der Name schon verraet aus der Tuerkei. Er hatte Zahnmedizin in Freiburg studiert und lebt nun seit zwei Jahren in Australien. Er kaempfte an diesem Tag allerdings mit massivem Durchfall. Er war von ein paar Sherpas zu Fleisch eingeladen worden und hatte es nicht besonders gut vertragen. Wir quatschten den ganzen Abend in der huebschen Kueche der Lodge und waermten uns am offenen Herdfeuer. Er gab mir Tips fuer den Rest des Treks, wir schauten gemeinsam in die Karten und er machte mir Lust auf einige andere Trekkingziele in der Everestregion. Er war auf dem Weg nach Unten und so trennten sich nach diesem Abend wieder unsere Wege.

Am naechsten Morgen beeilte ich mich aus den Schluffen zu kommen. Hinter Junbesi naemlich, am naechsten kleineren Pass, indem das Junbesital in das Naechste muendet, sollte man den Ersten und auch einzigen Blick auf den Mount Everest vor Namche Bazaar haben. Ich freute mich wie ein kleines Kind und rannte foermlich den Berg hoch, denn nach zehn Uhr kamen meist Wolken auf und versperrten die Sicht auf den Hoechsten Gipfel der Welt. Der Weg schlengelte sich am Grad entlang und ich dachte schon ich haette mich verlaufen. Doch hier war niemand um nachzufragen und so musste ich weitergehen. Ich legte ein sattes Tempo vor und stellte mir schon vor wie ich mein erstes “Stefan und der Everest” Foto machen konnte. Ich kam hoeher und hoeher und da sah ich Haeuser, allerdings auch einen ersten Wolkenschleier, der in der Morgenluft lag. “Scheisse.” dachte ich und “Schneller”. Dann kamen auch ein paar Porter und ich konnte zumindest sicherstellen das ich auf dem richtigen Weg war. An dem ersten Haus das ich antraf, fragte mich ein alter Mann ob ich einen Lemontea haben moechte, doch ich stapfte einfach vorbei und nuschelte ausser Atem das ich einen “Everestview” haben will. Dann tatsaechlich das Guesthouse mit dem bezeichnenden Namen “Everestview Lodge” Die Spannung stieg. Ich kramte schon mal den Fotoapparat heraus. Ging um die naechste Ecke und sah…. gar nix. In diesem naechsten Tal lag nicht nur ein wenig Morgennebel sondern eine ganze Wolkenwand die vermutlich Joerg Kachelmann zufrieden gestellt haette, mir aber den Blick auf den Everest verwehrte.
Eine dickbaeuchige Frau kam aus der Lodge und zeigte mir ein Foto von dem was ich sehen wuerde wenn ich denn koennte. Ich bekam schlechte Laune. Um den Everest auf einem Foto zu bewundern, muss man ja nun nicht 12.000 Kilometer mit dem Fahrrad fahren. Auf der anderen Seite stachelte es meinen Ehrgeiz an. Einfach wollte es mir der Kollege Berg also nicht machen, dachte ich mir und grinste in mich hinein. “Ick werd dich schon noch vors Gesicht bekommen.”

Nunthala – 2220 Meter
So kam ich also an diesem Abend in Nunthala an und ging zu dem beschriebenen Haus des Guides Tek, der auch tatsaechlich in seinem Shop sass und mich empfing. Er zeigte mir ein Zimmer und dann setzte ich mich vors Herdfeuer neben seine alte Grossmutter und er schenkte mir und ihr einen chinesischen Wiskey ein. Ich wollte nur einen kleinen Schluck, aus Hoeflichkeit, dafuer bekam die Grossmutter dann die doppelte Ration. Abends gabs dann wieder Dhal Bhat und Tek hatte noch eine andere Ueberraschung fuer mich. Tongba. Dieses Gebraeu ist ganz interessant. Es sind Samenkoerner die nach Behandlung Alkohol enthalten. Wenn man Tongba trinken moechte nimmt man ein  Gefaess mit ungefaehr einem Kilo Samenkoerner und giest es mit kochend heissem Wsser auf. Nach kurzer Einwirkzeit kann man dann das Zeug durch einen Strohhalm mit abgeflachtem Ende (damit die Koerner nicht mithochkommen) trinken. Ich mochte das Zeug nicht, trank aber aus Hoeflichkeit auch diesen Trunk. Irgendwie machte es auch nicht betrunken, sondern mehr schlaefrig und so verabschiedete ich mich schnell danach ins Bett.

Das Wetter hatte sich seitdem ich in dieses Tal gekommen war, verschlechtert. Es war nicht nur wolkig, sondern auch nass nebelig und da die Sonne weg war auch merklich kuehler. Doch ich lies mir meine Laune am naechsten Morgen nicht verderben. Ich nutzte das erstemal den MP3 Player und stellte fest das 2Pac ganz gut zum trekken passt.

Bupsa – 2360 Meter
Ich kam etwas durchgefroren nach Bupsa, fand aber schnell eine nette Lodge, die auch eine Hot Shower anbot. Ich erinnerte mich an den Columbianer und an andere Traveller das gerade Waschgelegenheiten in den Bergen hier eine schwierige Angelegenheit sind. Dennoch beschloss ich nun nach 6 Tagen es mit einer Dusche zu versuchen. Selbstredend ist, das in einer Welt in der es nicht immer fliesend Wasser gibt und nie heisses fliesend Wasser, die Dusche extra Geld kostet. Meistens gibt es ein Rohrsystem das durch den Lehmherd gelegt ist und dann Wasser bei Bedarf erhitzt. Also muss erst Wasser gepumpt werden, zumeist mit der Hand. Das Wasser in einen grossen Bottich gefuellt und dann durch das Rohr geleitet werden um es dann in einem anderen Bottich wieder aufzufangen. Das ist ein Extraservice. Die Duschen sind zumeist in kleinen Haeusschen untergebracht, die nur notduerftig abgedichtet sind, bzw. grosse Loecher haben. In meinem Fall, zog es also aus dutzenden von Ritzen waehrend ich mich duschte und ich dachte darueber nach ob der Begriff “Hot” fuer das lauwarme Nass hier gerechtfertigt waere. Aber nun stand ich hier bibbernd unter dem Wasser und dachte dann wasch ich mich zur Feier des Tages zumindest zweimal und schaeumte mir den Kopf noch einmal ein. Nun, und dann kam das was kommen musste. Noch bevor ich mich auch nur halbwegs wohlfuehlte unter der Brause, versiegte der Rinnsal aus dem Duschkopf auch unvermittelt. Scheisse, das Wasser aus dem Bottich war alle. Und zwar ganz alle. Das heisst, es gab auch kein kaltes Wasser aus irgendeinem Zulauf oder so. Ich drueckte meinen Kopf unter den kleiner werdeneden Wasserstrahl und fuhr mir hektisch durch den Kopf um den Scheissschaum loszuwerden. Dann stand ich dort und sofort zog die kalte nasse Nebelabendluft durch die Ritzen und noch nicht wirklich abgetroknet stieg ich schnell wieder in meine noch Schweissnassen Klamotten. “Mmmh, das hatte der Columbianer also mit seinen 43 Tagen ohne Duschen sagen wollen.”

Am naechsten Morgen war mein Geld weg.

Genauso unvermittelt wie ich es hier aufschreibe traf mich der Schock als ich beim Zahlen meinen Geldguertel inspizierte. Die junge Dame von der Lodge hatte die Rechnung ausgestellt und ich kramte meinen Geldbeutel hervor und stellte sofort fest, das das Geldbuendel verdaechtig schmal aussah. “Scheisse, scheisse, Scheisse”. Die junge Dame sah mich an, waehrend ich hektisch mein Geld nachzaehlte. Tatsaechlich. Ich war beklaut worden. Es fehlten nach kurzem Ueberschlag ca. 18.000 Nepali Rupie (203 Euro). Ich war ausser mir. Konnte es nicht fassen. Warum hier ? Warum jetzt ? Warum ueberhaupt ? Och noooooeeee !!!! SCHEISSE ! Ein alter Mann kam herein der dem Englischen etwas mehr maechtig war als das Maedel von der Lodge und fragte was los sei. Seine troestenden Worte halfen mir in dem Moment auch nicht weiter. Vollkommen perplex und benebelt zahlte ich meine Rechnung und ging weiter.

Ich fiel in ein Loch. Mein Rucksack war auf einmal doppelt so schwer. Ich kam kleine Erhebungen kaum hoch. Wie war das denn passiert ? Ich aergerte mich unsaeglich ueber mich selber. Das konnte doch nicht wahr sein. Wieder und wieder nahm ich meine Geldboerse und kramte in dem Rucksack aber ich wusste das ich all das Geld zusammen in den Geldguertel gesteckt hatte. Ich dachte fieberhaft nach wo, wann und wie sich jemand an meinem Rucksack haette zu Schaffen machen koennen. Hatte auch einige Ideen, denn um ehrlich zu sein: Ich war in den letzten Tagen nicht wirklich vorsichtig gewesen. Hier eine offen Tuer in einer Lodge waehrend ich in der Kueche sass. Da den Rucksack zum Lunch vor einem Bhatti (Bergrestaurant) abgestellt. Und ueberhaupt, all das Geld an ein und demselben Ort. Aber ich hatte mich doch so sicher gefuehlt und, der Hauptgrund: Hier war doch kaum jemand. Die meiste Zeit war ich doch allein Unterwegs. Die Lodges hatte ich auch immer fast fuer mich allein… Scheisse. Es war passiert. Auf dem Fahrrad hatte ich immer aufgepasst. Es war zur Routine geworden. Selbst im Bus nach Jiri war ich wachsam die ganze Zeit, aber als ich in die Berge ging. Such a fuck !

Damit war der Black Day aber noch nicht vorbei.

Um mich ein wenig von den dunklen Gedanken abzulenken, wollte ich MP3 hoeren. Nach kurzer Zeit fiel das Ding jedoch aus. Ich schaute nach und vermutete das es durch meinen Schweiss feucht geworden war. Tatsaechlich sah die Batteriekammer feucht aus. Ich pruefte mit der Lippe auf Feuchtigkeit, die daraufhin sofort anfing zu brennen. Na fein, das war kein Wasser, die Baterrie war ausgelaufen. Ich lief zurueck zu einem Haus und wusch mir erstmal den Mund ab. Trotzem blieb eine roetliche Pustel zurueck. Dann probierte ich die anderen Batteriern aus der Packung, doch scheinbar war der MP3 Player kaput. Nichts tat sich mehr. Nixe mit die Mucke.

Super. Nun stand ich hier woertlich zwischen “Oben und Unten” und mein Trip schien sich zum Alptraum zu entwickeln. Das Wetter war scheisse. Mein Geld war weg (zumindest ein grosser Teil). Die einzige Moeglichkeit zur Ablenkung wurde gerade von Blausaeure zerfressen. Und ich brauchte noch mindestens zwei Tage bis Namche Bazaar.

Ich ging langsam weiter. Meine Gedanken kreisten um das verlorene Geld und moegliche Tatorte. Ich versuchte positiv zu denken, mich an schoene Erlebnisse meiner Reise zu erinnern und durchzuatmen. An einem beeindruckenden Wasserfall machte ich eine Pause und stierte mit dunkler Stimmung in das Wasser das den Fels herabfiel und das mich langsam beruhigte. Es war nun nicht mehr zu aendern. Und Umkehren machte keinen wirklichen Sinn. Ich konnte ja nun nicht an jedem Ort durch den ich zuvor gekommen war, nachfragen ob jemand zufaellig Geld “gefunden” habe. Auserdem hatte der Dieb “sorgsam” nur die Haelfte meines Geldes geklaut. Die Indischen Rupie, ein paar Dollar, meinen Reisepass und andere wichtige Papiere die auch in dem Geldguertel gewesen waren, waren noch da. Quasi ein netter Dieb. Ich dachte also “Fuuss in de Taesch.” Und machte mich weiter auf Richtung Namche.

"Hidne Nanche Ladcha" - "Walking people fall somtimes, but getting back on the feet again - that's important"
                                        
                                                            (The Shadow - Nepal)
 

Chablung – 2700 Meter
Obwohl Chablung bereits hinter Lukla liegt, dem Ort in den die meisten Touristen einflogen, waren die Lodges komischerweise nicht wirklich aufnahmebereit. Ich hatte Muehe eine geeignete Unterkunft zu finden, was vielleicht auch an meiner Unwilligkeit lag auf einmal auch noch ein paar Rupies mehr fuer einen Schlafplatz auszugeben. Denn, je hoeher man kommt, umso teurer wirds. Das ist ganz einfach.
Schliesslich fand ich ein kleines Guesthouse das von ein paar jungen Maedels gefuehrt wurde. Wahrscheinlich waren die Eltern ausserhalb der Hauptsaison in Kathmandu und so waren die Maedchen meine Gastgeber. Es passte nur hervorragend zu meiner trueben Stimmung das der Dhal Bhat an diesem Abend der mit Abstand Schlechteste auf der ganzen Tour war. Ohne Worte. Schlecht.
  
Am naechsten Morgen machte ich mich dann grusslos auf um noch an diesem Tag Namche Bazaar zu erreichen. Ich hatte den Schock halbwegs ueberwunden und wollte Namche erreichen und dann weitersehen.


Namche Bazaar – 3470 Meter
In Namche traf ich dann in einer Baeckerei auf Jan. Jan war Irlaenderin, lebte aber seit vier Jahren in Kathmandu und hatte Grosses vor. Nachdem sie letztes Jahr den Island Peak bestiegen hatte, wollte sie nun den Lobuche East besteigen, dann im naechsten Jahr einen 8000ender in Tibet und schliesslich in zwei oder drei Jahren…. Richtig, den Mount Everest. Sie war gut gelaunt und empfohl mir die Kala Patar Lodge gleich neben an. Da ich keine Lust hatte lang rumzusuchen checkte ich dort ein und traf am Abend noch auf Ruth und Jess und zwei Australieninnen auf dem Weg nach Unten. Nun sass ich also dort, wie der Hahn im Korb, umgeben von fuenf netten Frauen und meine Laune stieg, nachdem ich meine Geschichte mit jemanden teilen konnte langsam aber stetig wieder an. Sowohl Jan als auch Ruth und Jess hatten zudem einen Everest Summiter als Guide. Die Jungs strahlten eine wirkliche Ruhe und Professionalitaet aus, die ich bei dem doofen Guide der Englaender nicht festgestellt hatte. Chuldim, der Guide von Ruth und Jess war zudem bereits ueber 60mal am Basecamp gewesen und  entspannt konnte ich einige Fragen an ihn stellen. Wir sassen um einen dicken Bollerofen der mit Yakdung befeuert wurde und zur Feier des Tages bestellte ich diesmal keinen Dhal Bhat, sondern eine Spagetti Bolonese, die auch ganz gut schmeckte.   
    
Wir unterhielten uns und ich erfuhr das Ruth und Jess schon im Annapurna Gebiet trekken waren und nun nur noch bis Tengboche wollten. Die beiden Australierinnen kamen mit Kopfschmerzen und Erbrechen aus Pangboche. Die beiden waren mit einer Gruppe unterwegs gewesen und waren offensichtlich zu schnell aufgestiegen. Mit der Hoehenkrankheit ist das naemlich so eine Sache. Oberhalb von 3500 Metern wird die Luft so duenn das man bei uebermaessiger Anstrengung und/oder wenn man zu schnell zu hoch steigt ernsthaft erkranken kann. Massive Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen und so doof es sich anhoert… dann kann man daran sterben. Die beiden jungen Frauen hatten proffesionelle Guides, die mit ihnen als es ihnen schlechter und schlechter ging noch in der Nacht wieder abstiegen. Es ist vielleicht uebertrieben zu sagen das sie sie vor dem Tod bewahrt hatten, aber nicht wenige Trekker landen ernsthaft erkrankt im Krankenhaus. Fuer mich, der gerne seine Leistungsgrenze nach oben auslotet, waren diese Negativbeispiele Warnung genug. Ich hatte keinen Guide, der im Zweifelsfall fuer mich Sorge tragen konnte. Fuer mich galt nur: Aufpassen.

Der Folgetag war daher auch Akklimatitionstag in Namche.

Morgens luden mich Ruth und Jess ein, mit ihrem Guide in Namche zu einer Stelle zu gehen, von wo aus man einen Blick auf den Everest haben sollte. Alledings war es auch hier von den Wolken abhaengig, die immer noch tief in den Hochtaelern hingen. Trotzdem machten wir uns noch vor dem Fruehstueck auf. Stapften 15 Minuten den steilen Berg hoch und gingen in ein Militaercamp das dort in Namche stationiert ist. Als wir an der Stelle waren, sahen wir nichts ausser Wolken. Meine Enttaeuschung hielt sich in Genzen, ich hatte in den letzten Tagen schon genug Enttaeuschung erlebt, als das mich nun der fehlende Everest Blick stoeren wuerde. Chuldim verharrte jedoch und schaute sich immer wieder pruefend um. Er hatte irgendetwas im Gespuer. Hier gabs nix zusehen ausser Wolken. “Keine Berge, Alter, Vergiss es” Ich zuendete mir ein Zigarettchen an, das mir wegen dem fehlenden Fruehstueck und der duennen Luft jedoch auf den Magen schlug.

Als ich wieder aufschaute konnte ich Berge sehen.

Ganz langsam wie ein extrem grosser weisser Vorhang trieben die Wolken auf einmal beiseite. Erst der Ama Dablam, dann der  Lhotse, dann der Nupse auf der anderen Seite und dann tatsaechlich wie auf Ansage zeigte der Guide auf einen Berg im Hintergrund: Der Mount Everest. Da war er also. Meine Guete. Die Wolken schoben sich immer mehr zur Seite und gaben den kompetten Blick frei ueber all die 8000ender Gipfel die in den letzten Tagen in Nebel und Wolken verhangen waren. Zudem ging in diesem Moment die Sonne hinter einem anderen Riesen auf und tauchte das ganze Tal und die Berge in goldengelbes Morgenlicht. Es war wie in einem Film und ich fuehlte mich auf einmal sehr erfuellt. Ruth und Jess fingen sogleich an Fotos zu machen. Achso, das hatte ich ja ganz vergessen, das “Stefan und der Everest” Foto. Auch ich kramte meine Kamera heraus und knipste noch mit Fluppe im Mund drauf los. Wir scherzten und zwischendurch hielte wir die Klappe und schauten uns das unglaubliche Panorama an. Der Himmel ueber uns klarte komplett auf und wir bekamen einen hundertprozent Rundumblick auf die schneebedeckten Riesen. Ohne Worte.

Wir blieben bis eine groessere Gruppe hollaendischer Trekker den Huegel hochgestapft kam. Es war Zeit zu gehen. Bestimmte Momente moechte man nicht mit vielen Menschen teilen. Ich war Ruth und Jess und ihrem Guide sehr dankbar. Jess fragte mich auf dem Weg nach unten ob sich nun der ganze Weg mit dem Fahrrad bis nach Nepal gelohnt haette. Ich fand keine richtige Antwort darauf.
Zurueck in der Lodge gabs erstmal Fruehstueck, ich chillte den ganzen Tag in der Lodge waehrend die zwei englischen Maedels mit ihrem Guide aufbrachen. Wir verabredeten uns wage in Tengboche. Jan war ebenfalls von ihrer Akklimatitionstour zurueck und brach am naechsten Tag ebenfalls Richtung Tenboche auf. Ich brannte meine Fotos auf CD (fuer einen unverschaemten Preis) und kaufte Batterien fuer meinen MP3 Player. Tatsaechlich, er tats wieder. Da wo’s runter geht, geht’s irgendwann auch wieder rauf. Das hat mir meine Radtour gelehrt. Also konnte es jetzt los gehen. Der wirklich ernste Teil des Unternehmen begann.

Tengboche - 3870 Meter
In Tengboche gibt es eine beruehmtes buddhistisches Kloster. Die Tengboche Monastry. Sie ist vor einigen Jahren abgebrannt, wurde aber wieder restauriert und erstrahlt seitdem in noch schoenerem Glanz. Als ich nach anstrengendem Aufstieg in Tengboche ankam, empfing mich Chuldim gleich und wies mich zu der Lodge in der die Maedels untergekommen waren. Danach oeffnete die Monastry ihre Pforten und wir besichtigten den bunt bemalten Raum mit Buddha und Goetterabbildungen, mit der riesengrossen Buddhastatue und den Utensielien der Moenche. Sehr schoen.

Spaeter in der Lodge, beim Dhal Bhat, checkten wir unsere Koerper.
“Irgend jemand Kopfschmerzen ?” 
“Noe.”
“Andere Gebrechen ?”
“Noe.”
“O.K., dann kanns ja weitergehen.”

Am naechsten Tag sollte es dann bis nach Dingboche gehen. Normalerweise ist es ratsam nicht mehr als 300 Hoehenmeter aufzusteigen. Dingboche liegt jedoch fast 600 Meter hoeher und stellt daher ein gewisses Risiko dar. Es gibt selbstverstaendlich eine Alternative (Pheriche), die aber von den meisten Trekkern wegen der Lage in einem windigen Tal nicht wahrgenommen wird. Ausserdem kann man von Dingboche, waehrend eines Akklimatitionstages einen kleines Sidetrip nach Chhukung machen oder sogar weiter zum Lhotse Basecamp oder zum Basecamp des Island Peak gehen.

Der Trek hoch nach Dingboche war hart. Ich konnte die duenne Luft spueren und achtete streng darauf nicht zu sehr ausser Atem zugeraten. Nur jetzt keinen Fehler mehr machen. Immer wieder kamen mir Trekker entgegen, von denen auffallend viele ueberhaupt nicht gut aussahen. Kaesige Gesichter. Geschwollene Augen. Ein Mann wurde mit einem Pferd hinunter transportiert, der sich kaum auf dem Tier halten konnte. Die Hoehenkrankheit ist kein touristischer Fake um das Ganze hier ein wenig spannender zu machen, sie ist eine reale Gefahr. Fuer mich war es nur gut, das ich all die Hoehenkranken sah, umso mehr achtete ich auf mein achtsames Vorrankommen.

Dingboche – 4360 Meter
In Dingboche angekommen traf ich auf einen jungen Koreaner, der mit seinem Vater und seinem Bruder auf den Kala Pattar wollte. Auch er hatte in Pangboche mit Uebelkeit und Durchfall aufgeben muessen. Sein Vater und sein Bruder war nun von Pangboche aus, in einer Hardcore - Aktion (oder “Blitzkriegstyle” wie der junge Koreaner sagte) hoch zum Kala Pattar und wieder runter bis Dingboche. Wir unterhielten uns noch eine zeitlang bis auf einmal der Vater inclusive Sohn zur Lodge kam. Der reiche Geschaeftsmann pfiff aus dem letzten Loch, hatte den Kala Pattar jedoch gemacht.  Auf einmal wollte er von dem Lodgebesitzer einen Helikopter bestellt bekommen, damit er direkt nach Kathmandu ausgeflogen werden konnte. 5000 US Dollar haette der Spass gekostet. Wir waren alle perplex. Der Lodgebesitzer versuchte also via. Funktelefon den Helikopter zu erreichen, doch es war bereits nach 16:00 Uhr und somit war es zuspaet. Anstatt seinem Hoehenkranken Sohn wenigstens noch eine Nacht Pause in Dingboche zu gewaehren, entschied der Vater aufeinmal das sie nun bis nach Lukla zu Fuss absteigen, und zwar sofort. Um 16:00 Uhr am Nachmittag. Eine Stunde bevor die Sonne untergeht. Der junge Koreaner verabschiedete sich etwas verzweifelt mit den Worten “My Father is really intens.” und sie verliesen Dingboche.
Spaeter beim Dhal Bhat sagt Chuldim grinsend und mit zynischen Unterton “Japanese people dying really fast.” Damit schliest er vermutlich die Koreaner mit ein. Es ist ein trauriger Fakt. Die Japaner und Koreaner sind oft zu ehrgeizig und wissen nicht wann Schluss fuer sie ist. Zudem sind sie konditionell meist nicht fit und koennen sich aufgrund mangelden Englischs nicht mit ihren Guides verstaendigen oder wollen nicht zugeben das es ihnen schlecht geht. Dann ist es oft genug zuspaet und sie landen im Krankenhaus oder unter der Erde.

Zur Bestaetigung dieses Fakts hatte ich eine fast schlaflose Nacht in Dingboche, weil der Japaner im Nachbarzimmer fast erstickt beim Schnarchen. Durch die duennen Sperrholzwaende dringt sein tiefes lautes unrythmisches Roecheln als wuerde er direkt neben meinem Ohr sterben. Dann fuer unglaublich lange Zeit gar kein Atemgeraeusch und dann wieder ein Schnarchausbruch wie ein Vulkan. Am naechstem Morgen sitzt der Japaner beim Fruehstueck und bekommt sein Sandwich kaum herunter. Er macht einen erbaermlichen Eindruck und ich empfehle ihm wohl gemeint, einen Restday in Dingboche einzulegen. Doch er will nach Chhukung und bricht kurz darauf auf. Nach einer halben Stunde mache ich mich auch auf Richtung Chhukung, mit fast leerem Rucksack und vollen Batterien in der Kamera. Der Japaner ist nur 100 Meter weit gekommnen. Er ist foermlich zusammen gebrochen und als ich ihm auf dem Weg begegne ist das rechte Auge dick zugeschwollen. Der Guide hatte fuer ihn entschieden nun abzusteigen. Hoffentlich noch rechtzeitig.

Ich gehe langsam und lasse mir Zeit. Ich geniese den Aufstieg nach Chhukung als Spaziergang. Es ist sonnig und warm und ich brauche nur zwei Longsleeves. Das Tal ist still und es geht kein Wind. Rechts von mir liegt der beeindruckende Ama Dablam und vor mir halblinks komme ich der Suedseite des Lhotse immer naeher. Es ist ein traumhafter Tag und ich bin dankbar hier sein zu duerfen. Auf halber Strecke ueberholen mich Jan und ihr Guide die etwas schneller unterwegs sind. Ich habe keine Eile. Waehrend in den Taelern bis nach Dingboche immer noch vereinzelte Baueme stehen, ist nun Schluss mit ueppiger Vegetation. Nur flache, dornige  Buesche gibt es hier und Felsen und Stein und duerres Gras das von den Yaks kurzgehalten wird.

Chhukung – 4730 m
Ich nehme einen Sherpa Stew zum Lunch, eine kraeftige Reiss-Nudel-Kartoffel Suppe und mache eine kurze Pause in einer der einsamen Lodges in Chhukung. Dann setzte ich meinen Nachmittagsspaziergang auf der Gletschermoraene fort. Immer hoeher gehts und ich bin faziniert von den massiven Steinwaenden des Lhotse und der anderen Berge. Auf der linken Seite kommt ein Gletscherauslaeufer ins Tal geflossen. Ein bizarres Gebilde aus leuchtend weissem Schnee und Eis. Ich stehe auf der Moraene, bin alleine mit mir und diesen Bergen. Einfach geil.

Laut Hoehenmesser, den ich fuer diesen Tag nochmal rekalibiert habe, bin ich nun auf 4873m als ich das erste Mal Kopfschmerzen verspuere. “O.K. keine Panik” denke ich mir. Immerhin bin ich hier nur zu einem kurzen Ausflug und werde die naechste Nacht wieder in Dingboche verbringen. In der Nacht wird sich mein Koerper an die Hoehe gewoehnen. Dennoch gehe ich nicht mehr weiter, sondern beginne augenblicklich den Abstieg. Die Kopfschmerzen werden zwar staerker doch normalerweise sollte es in Dingboche wieder besser werden. Ich stoepsele mir Musik ins Ohr und singe etwas, um nicht die ganze Zeit an den Kopfdruck zu denken. Schon als ich von der Moraene herunter bin, kann ich mich entspannen. Die Kopfschmerzen werden schwaecher. Ich gehe gut gelaunt Richtung Dingboche doch auf einmal ist der Weg weg. Ich hatte mich etwas in irgendwelchen Gedanken verhaeddert und stehe auf einmal in einem Meer aus diesen dornigen, knietiefen Bueschen. Ich drehe mich um, doch irgenwie bin ich wohl einem Wildpfad gefolgt. Ich gehe etwas nach links, komme aber an einen Gletscherabfluss. Ich kaempfe mich weiter nach rechts und auch dort verwehrt mir ein Fluss den Weg. Die Sonne steht schon relativ tief und so sollte ich nicht mehr allzu lange hier rumhaengen. Dann muss ich jedoch lachen, denn so daemlich sich hier zu verlaufen, ist auch noch lange nicht jeder. Als ich spaeter das kleine Missgeschick den Maedels in der Lodge erzaehle, koennen sie es auch nicht wirklich glauben.
( Ach so… die Maedels. Ja, Ruth und Jess  wollten ja zunaechst nur bis nach Tengboche. Doch dann hatten sie entschieden, vielleicht doch bis nach Chhukung zu gehen, was sie auch taten. Als sie dann von ihrem Sidetrip wieder herunter kamen, ueberlegten sie das es nun nur noch zwei Tage bis zum Everest Basecamp waren und kurzerhand entschieden sie das Ding auch zu Ende zu bringen. Gute Entscheidung.)
Nun mir zerkratzten die dornigen Buesche mittlerweile die Beine und mir blieb nichts anderes uebrig als den Weg wieder hochzustapfen den ich gekommen war, bis ich den Trail wiederfand, der hier eine ungewohnte Biegung nach rechts machte. “Vielleicht beginnt hier der Teil des Treks, wo ein Guide vielleicht doch ganz nuetzlich sei ?” dachte ich mir und stieg nun eilig in der untergehenden Sonne nach Dingboche ab.

Am naechsten Morgen waren die Kopfschmerzen komplett verschwunden und ich beeilte mich etwas vor Ruth und Jess von der Lodge wegzukommen. Schlieslich bezahlte ich Chuldim nicht und ich wollte mich nicht kostenlos “dranhaengen”, auch wenn ich das Gefuehl hatte das es sowohl den beiden jungen Frauen als auch ihrem Guide nichts ausmachte. Ich schulterte also meinen nun wieder vollen Rucksack und ging los. Ich wusste das der Weg hier irgendwo rechts ins naechste Tal ging. Doch wieder hatte ich Schwierigkeiten ihn zu finden. Dort stand eine Stupa (buddhistisches Denkmal) auf einem Huegel, der Weg fuehrte dort hoch, doch als ich oben angekommen war, ging er an auf der anderen Seite wieder herrunter. Das machte ich dann auch und fragte ein paar Bauern die des Weges kamen. Die zeigten mir einen anderen Weg und ich ging wieder rechts, nun unten am Huegel entlang und kam “drei mal rechts macht einmal links” wieder an der Stelle raus wo ich vor einer halben Stunde schon war. Ich war im Kreis gelaufen. “Hmmm, dit wird ja ne spannende Angelegenheit”  dachte ich und sah zudem die britischen Frauen und ihren Guide auf einem anderen Pfad das Tal hochgehen. Chuldim sah mich und wies mir freundlich winkend den Weg. Ich folgte seinem Rat und fand mich nach 20 Minuten in dem anderen Tal wieder und weitere fuenf Minuten spaeter traf ich auf die kleine Gruppe und schloss mich ihnen kleinlaut an. Die hatten auch garnichts dagegen, da jeder sowieso vorallem mit sich selbst beschaeftigt war. Langsam gehen. Atmung flach halten. Nicht beschleunigen. Pausen machen. Wasser trinken. Eine andere Gruppe Bauern war mit Yaks unterwegs und ich dachte an einen bloeden Spruch den eine aeltere deutsche Trekkerin aus Duesseldorf mir gesagt hatte. “Wer schneller geht als ein Ochse, ist selbst ein Ochse.” Dieser etwas daemlich klingende Ausspruch ist exakt und richtig. Denn die Yaks hier in den Bergen, gehen instinktiv niemals schneller als ihnen gut tut. Also folgte ich den Tieren und ihren Hirten, hatte genug Zeit mich umzuschauen und die Landschaft, die rauher und rauher wurde, zu geniesen.

In Duhkla gabs wieder Sherpa Stew und danach kam ein felsiges Steilstueck das mir und den Anderen einiges abverlangte. Nachdem wir diese Steigung auch hinter uns gebracht hatten, kamen wir auf ein Plateau und ploetzlich standen wir in der “Hall of Fame”. Ruth, Jess und Chuldim und Jan und ihr Guide waren fast gleichzeitig hier angekommen. Zudem waren einige andere Trekker mit Porter und Guides anwesend. Hier auf dem Plateau waren Denkmaeler fuer verstorbene Sherpas und Bergsteiger aufgestellt worden die in den letzten Jahren am Everest umgekommen waren. Scott Fischer, der bei der von Krakauer beschriebenen Katastrophe 1996, umgekommen war hatte eine Denkmal, genau wie einer der beruehmtesten Shepas der einige Rekorde auf dem Everest erreicht hatte. Insgesamt circa 50 Steinhaufen standen hier, mit bhuddistischen Prayerflags geschmueckt. Es herrschte eine andaechtige Stimmung. Keiner sprach und die Porter und Guides packten bhuddistische Schals aus und befestigten sie an den Denkmaelern zur Ehre der Verstorbenen. Die anwesendenen Trekker machten Fotos. Ich war jedoch aberglauebig und wollte, bevor ich nicht das Basecamp erreicht hatte, keine Fotos von einem Friedhof machen. Dennoch war ich tief beeindruckt von diesem Platz hier. Jan hatte am Tag zuvor in Dingboche erfahren das ihr Guide mit dem sie letztes Jahr den Island Peak bestiegen hatte, dieses Jahr durch eine Lawine auf dem Ama Dablam umgekommen war. Die Leiche war bisher nicht gefunden worden. Ausserdem war am Tag zuvor, waehrend ich auf den Moraenen in Chhukung rumkrackselte ein Porter im Island Peak Basecamp hoehenkrank verstorben. Die Fazination dieser Berge, die Schoenheit dieser Welt fordert ihren Tribut, die Gefahr ist real.

Lobuche – 4930 Meter
Nach kurzem Marsch erreichten wir dann Lobuche und dort trafen wir auf Ian und Peter. Die beiden Australier, Vater und Sohn, zwei aeussert angenehme Zeitgenossen, waren via Gokyo nach Lobuche gekommen. Sie waren, so wie wir froh, noch auf andere Individualtrekker zu treffen. Da der Weg von Dingboche nach Lobuche relativ kurz ist, hatten wir daher den ganzen Nachmittag und Abend zum Quatschen und Geschichten austauschen. Als ich in Lobuche ankam hatte ich wieder leichte Kopfschmerzen, die sich jedoch nach zwei Tassen Milkcoffee verfluechtigten.

Ich hatte bereits Ruth und Jess von meinem kleinen “Koelschglas” Projekt erzaehlt und sie hatten versprochen mir zu helfen. Nun weihte ich auch Ian und Peter ein. Immerhin gab es morgen und uebermorgen zwei Ziele. Das Everest Basecamp und den Kala Pattar und man konnte in dieser Hoehe nicht vorraussagen was geschehen wuerde.

Ruth und Jess waren am naechsten Morgen schon sehr frueh aufgebrochen. Chuldim ihr Guide drueckte immer etwas aufs Tempo, da er seinen Klienten die bestmoeglichen Bedingungen bieten wollte. Und die waren zumeist ganz frueh morgens. Ich fragte Ian und Peter ob wir gemeinsam nach Gorak Shep gehen wollten und sie freuten sich. Wir gingen gemeinsam

Alles was ich im Folgenden beschreibe, erlebte ich irgendwie mehr wie im Traum. Vielleicht lag es an der
Hoehe oder an der Anstrengung und Aufregung. Ich kann mich nur wage an die Situationen erinnern und dennoch war es grossartig und bleibt sowieso schwer beschreibbar.

Gorak Shep – 5360 Meter
Wir kamen an den zwei Lodges an und sie waren ganz anders als ich sie mir vorgestellt hatte. Gorak Shep war der letzte Aussenposten. Die letzten Lodges vor dem Basecamp und am Fusse des Kala Pattar. Sie lagen in einen sandigen Mulde versteckt und sahen nicht aus wie einen gamelige Ansammlung von schlecht zusammengezimmerten Gebaeuden. Sie waren sogar sehr huebsch und gut geheizt. In der Mulde herrschte kaum Wind und so war es auch relativ warm. Ich nahm wieder ein Sherpa Stew zu mir (“Never change a winning team”) und gleich danach brachen wir auf zum Endpunkt. Zum Everest Basecamp.

Ich folgte den beiden und ihrem GuideTebir. Der Trek hier fuehrt auf der Gletschermoraene des Khumbu Gletschers hinein in ein Amphitheater, eine gewaltige Arena, bestehend aus Pumori, Khumbatse, Lhotse, Nuptse und den Paessen und Gletschern und Eisfaellen dazwischen. Ich stellte fest das wir tatsaechlich auf dem Gletscher wanderten, waehrend jedoch der Hauptstrom rechts von uns vorbeifloss. Chuldim kam uns mit den schnaufenden Maedels entgegen und sagte mir das das Basecamp leicht zu finden sei.
“Dort wo ein abgestuerzter Helikopter liegt, dort ist das Basecamp.”
“Schluck, noch mehr Tote ?”
Nein, bei dem Unfall letztes Jahr war niemand gestorben, nur hatte man das Ding liegen gelassen, als Touristenattraktion.Wir gingen hoeher und hoeher in die zerklueftete und felsige Ebene, dessen was man das Basecamp nennt. Ich fragte mich wie man hier zwischen grossen und kleinen Felsbrochen Zelte aufschlagen kann. Hier gab es nicht einen Quadratmeter flache Flaeche. Hier gab es nur Felsen und Steine und Eis. Auf ein paar Quadratkilometern, nur felsige Felsen und steinerne Steine und eishartes Eis. Der Himmel ueber uns war strahlend Blau. Die Berge um uns strahlten ihr schoenstes Sonntagsweiss. Die Sonne lachte und ich lachte auch.

Ich war da. Im Basecamp des Mount Everest auf 5360 Meter.

"I dedicade this, to you puuunk motherfuckers - this was for you made,baby - because you bitches as niggers can't you see me ? - Niggers can you see me ? 
                                                                               (2 Pac)

Ich erreichte den Hubschrauber. Peter, der 20 jaehrige Sohn, war schon vorgelaufen und Ian folgte mir in vaeterlicher Wuerde mit ein paar hundert Meter Abstand. Im Nachhinein dachte ich mir, das wir alle drei Stillschweigend verabredet hatten, das wir die ersten Momente hier alleine geniesen wollten. Peter hatte sich irgendwo als winziger Punkt vor riesiger Felswand auf einen Stein gesetzt. Ich tat dasselbe eben hier, wo ich gerade stand und Ian stapfte langsam irgendwo anders umher. Sonst war hier niemand.
Der Hoehepunkt hier, die besondere Attraktion im Basecamp ist der Khumbu Eisfall. Zum einen sieht er einfach abgefahren aus, wie er sich zwischen Nupse und Lhotse hinausquetscht. All die Eismassen, Eistuerme und Spalten die wie ein riesiger, weisserstarrter, reissender Fluss aussehen. Gewaltig.
Zum anderen aber die Geschichten, die Tragoedien die sich hier abspielten. Denn der Eisfall gehoert zu der Hauptaufstiegsroute hoch zum Everest. Quasi, kurz mal eben den Eisfall hoch, dann hinten links und… schwups schon is man da. Falls man nicht in einer der Eisspalten abgestuerzt ist oder von einem der zusammenbrechenden Eisberge und Eistuerme erschlagen wird, denn der Eisfall ist staendig in Bewegung. Wahnsinn.
Abgesehen davon ging mir durch den Kopf das fuer mich, bis auf den morgigen Tag, den Aufstieg zum Kala Pattar, der Endepunkt meiner Tour gekommen war. Fuer die Anderen, die Bergsteiger, die auf den Gipfel wollten, ging es hier erst los. Zwei Monate verbrachten sie hier in dieser unwirklichen bizarren Landschaft um dann mit einem unglaublichen Aufwand, unglaublichem Equitment und unglaublichem Risiko versuchen noch ueber 3500 Meter hoeher zu kommen. Mehr als 3,5 Kilometer hoeher. “Leck ens am Aasch.”  Dreieinhalb Kilometer sind ne Menge Holz. 

Mittlerweile war Ian zu mir gekommen und auch Peter war im Anmarsch. Wir beglueckwuenschten uns. Ich packet mein Koelschglas und eine Dose Bier aus und goss ein. Ich reichte es Ian, der ploetzlich und unvermittelt einen australischen Toast auf mich und meine Radtour, auf Bier im Allgemeinen und den Everest im Besonderen aussprach. Ich war mal wieder geruehrt und das Strahlen meines Grinsen haette man bis Koeln oder Berlin sehen koennen. Wir machten geile Bilder und scherzten herum. Es war ein vollkommener Moment, da die beiden mit einer wunderbaren Selbstverstaendlichkeit den Spass mitmachten. Auch der Guide trank einen Schluck Bier und alles war fein.
Dann kehrten wir beseelt und aeh…etwas beschwipst nach Gorak Shep zurueck, wo wir den Abend bei Dhal Bhat und Tee ausklingen liesen.

Am naechsten Morgen beeilte ich mich etwas, denn die Maedels brachen wieder frueh auf und ich hatte das Gefuehl das sie zwar gerne den “Koelschglas” Gag mitmachten, aber ihrem Guide auf jeden Fall folgten. Ausserdem ist die Aussicht ganz frueh morgens am Besten. Peter hatte, aus jugendlichem Leichtsinn motiviert, die Nacht auf dem Kala Pattar verbracht. Er war nach dem Dinner aufgebrochen und hatte sich dort in seinen Schlafsack gepackt. Dementsprechend war Ian etwas aufgeregt und besorgt und so gingen wir gemeinsam los. Der Kala Pattar sieht nicht mehr aus als ein felsig lehmiger Huegel. Allerdings haben es die 250 Hoehenmeter in sich. Ich kam ganz schoen ins Schwitzen. Ausserdem herrschte ein satter Wind. Es war aeusserst anstrengend, vielleicht auch deswegen weil ich dann nun doch ungeduldig wurde. Vor mir stiefelten die Maedels die auch zu kaempfen hatten und die ich bald ueberholte. Auch Ian hatte einen zackigen Schritt drauf, wohl eher aus Sorge um seinen Sohn. Auf halber Hoehe, nachdem wir einen ersten kleinen Grad erreicht hatten, sahen wir Peter ungefaehr 150 Metr ueber uns mit beiden Armen winken. Ian war uebergluecklich und geruehrt seinen Sohn dort oben, lebendig stehen zu sehen. Ich folgte ihm und nach ungefaehr einer halben Stunde hatten wir den zweiten Grad erreicht, wo Ian Peter froh in die Arme schloss. Dann schritten wir gemeinsam die letzten Meter hoch, ich drehte mich um, sah Lhotse und Everest vor mir. Es war zwar unglaublich windig, aber auch unglaublich schoen.

Ich setzte mich ganz nach oben auf den felsigen Gipfel, beruehrte mit meiner Hand den hoechsten Punkt und gab ein fettes YIIIIIHAAAAA ! zum Besten. 
Die Maedels schlossen zu uns auf und wir standen oder sassen alle erhaben vor der unglaublichen Kulisse. Ruth und Jess, die eigentlich nur bis nach Tengboche wollten und sich klammheimlich hopchgearbeitet hatten. Ian der schon vor 20 Jahren einmal hier war und Peter der vermutlich nicht zum letzten Mal hier war. Er hat auch noch groesseres vor, vermute ich. Naja, und ich ? Ich war also da. Naeher kann man im Augenblick als Normalsterblicher nicht an den Everest herankommen. Von Koeln Mitte April losgefahren... 11 Laender... 12.000 km mit dem Bike... nur einen Plattfuss, hehe .... tausendundein Wunder ... Felgenbruch, Malaria und zum Schluss noch das geklaute Geld.... Menschen, Menschen Menschen.... zwei Wochen Trekking....und nun den Everest vor Augen.

Ich packte wieder mein Koelschglas aus waerend Ian und Peter bereits wieder abstiegen. Es war unglaublich windig und ich musste foermlich aufpassen das mir das Glas nicht aus der Hand fliegt. Das groesste Problem war jedoch die Batterie der Digitalkamera. Bisher hatte ich trotz der Kaelte und wegen der Hoehe keine grossen Probleme gehabt, denn sooo kalt war es nie. Heute aber bei diesem satten Wind, war es arschkalt, besonders fuer eine Digitalkamera. Wir versuchten also schnell zu machen, reichten das Glas herum, waehrend der Schaum im Glas anfing zu frieren. Nach drei Bildern sagte der Display - Batterie leer. Nach einer Aufwaermaktion mit Pusten und Reiben, gabs nochmal drei Bilder dann wieder - Batterie leer. Ich wiederholte das Spielchen noch einmal und nachdem sich die Kamera das dritte Mal verabschiedet hatte, hatte ich genug. Langsam froren mir auch meine Finger trotz Handschuhe ein und die Maedels die fuer die Bilder bibbernd auf dem Gipfel ausgeharrt hatten, wollten auch runter.

Also verabschiedete ich mich vom Everest, versprach aber wiederzukommen, irgendwann und als ich dann durch den Wind frierend nach unten stapfte, schoss mir ein Gedanke durch den Kopf der bis heute nachwirkt “Alles was jetzt kommt, ist der Heimweg…”

"Keep on rockin in a free world"

 

12.12.2006 um 14:24 Uhr

11.065.81 km Butwal / NEPAL ...kein bisschen muede

"Daydreamed on the bank again - I was swimming with the fish - and I thought this time that it may be true

   My toes just touched the water
         My toes just touched the water
               My toes just touched the water"

                                                              (Norah Jones)

Jedes Land, jede Kultur hat ihre eigene Koerpersprache. Ich erinnere mich an Bulgarien, wo die Menschen mit dem Kopf schuetteln wenn sie „Ja“ sagen wollen. In der Tuerkei tippt dir jemand, wenn du ihm Feuer gibst, mit dem Finger an die Hand, zum Zeichen das die Zigarette brennt. Wenn ein Japaner dir etwas reicht und wenn es nur eine Zigarette ist, nimmt er immer zwei Haende, eine zum halten und eine zur freudlich hoeflichen Unterstuetzung wie ein Tablett. Der westeuropaeische Mittelfinger zum „Aeussern von Unmut“ hat mittlerweile internationalen Status erlangt, wie mir ein indischer Motorradfahrer im Vorbeifahren bewies. In Osteuropa geben die Menschen dir die Hand als wollen sie sie dir brechen, im Iran reicht eine kurze, knappe Beruehrung der Handflaechen.

Als ich in Banbassa am Immigration Office Nepals ankam, faltete der Officer sanft laecheln seine Haende zum buddhistischen Gruss. Diese Geste ist so universell das sie von jedem verstanden wird, auch wenn er noch nie etwas mit Religion am Hut hatte. Ich wusste jedenfalls, „Hier bin ich richtig – Sie lassen mich rein.“  

Ich war naemlich an den westlichsten und kleinsten Grenzuebergang von Indien nach Nepal gekommen und war mir keinesfalls sicher gewesen, ob dieser Grenzuebergang mir auch ein Visa an der Grenze ausstellen wuerde. Insbesondere in Westnepal hatten die Maoisten in den letzten Jahren einen gewaltsamen Kampf mit den Regierungstruppen Nepals gekaempft. Puenktlich drei Wochen vor meinem Eintreffen, als haette ihnen jemand von mir und meinen Plaenen erzaehlt, hatten sie sich jedoch auf eine Art Friedensabkommen, einen Waffenstillstand, oder etwas der gleichen geeinigt. Das dieser Frieden lange weilt, wird von den Nepalesen, die ich bisher fragte, angezweifelt. Die Maoisten streben nach Macht und haben einen starken Rueckhalt in der Landbevoelkerung. Ein Guesthousebesitzer drueckte es mit den Worten aus, „Now we have peace, because its cold season“. Der Buergerkrieg ist Saisongeschaeft. 

Ich war also an die Grenze gefahren, hatte meinen Passport an der indischen Grenzstelle hinterlegt und war die zwei Kilometer ueber einen rumpeligen Feldweg gefahren um auf der nepalesischen Seite nachzufragen, ob der Grenzuebertritt hier moeglich ist. Dort traf ich dann diesen  Nettesten aller Grenzofficer, den ich auf meiner ganzen Reise angetroffen hatte. Seine weiche Ausstrahlung und sein froehlich warmes Laecheln bleibt mir gewiss in Erinnerung. Es schien mir fast so, das er selber richtig froh war mir ein Visum ausstellen zu koennen. Er wechselte mir Geld zu einem fairen Wechselkurs und fragte ob ich sonst noch etwas benoetigte. Dann wuenschte er mir eine gute Reise durch Nepal und ich merkte das war keine Floskel, das meinte er ernst.  

So fuhr ich gemaechlich weiter Richtung Mahendranagar, es war frueher Nachmittag und die Sonne schien und ich bemerkte irgendwas war anders als in Indien. Es war still. Still und Leer. Keine Autos. Keine Trucks und kaum Busse. Und die Busfahrer, was fuer eine Wohltat, hatten nichts vom altindischen Hupenzauber gehoert, sondern fuhren vorsichtig um mich herum oder betaetigten allenfalls die Lichthupe.  

In Mahendranagar ging es unwesentlich lebhafter zu, doch auch diese kleine nepalesische Grenzstadt war unglaublich entspannt. Die Menschen freundlich und mit weichen Zuegen im Gesicht. Ich checkte ein, in ein etwas herunter gekommenes Guesthouse und machte mich auf die Suche nach einem Internetcafe. Es war mittlerweile dunkel geworden und gerade in dem Moment wo ich das Cybercafe betrat, ging das Licht aus. Ganz Mahendranagar lag ploetzlich im Dunkeln. Scheinbar kannten das die Menschen hier schon, denn alle Shops und Restaurants, ja sogar jede kleine Bude auf der Strasse und jeder Erdnussverkaeufer zuendeten fix ein Kerzchen an und so begann die Stadt zu leuchten wie zur Weihnachtszeit in Deutschland. Sehr huebsch anzuschauen. Nur aus dem Internet wurde heute nichts mehr und ich verschob es auf den naechsten Tag. Doch auch am naechsten Morgen fiel zwei Mal der Strom aus sodass, ich mich auf einen kurzen Emailcheck beschraenkte.  

Dann ging es weiter ueber den Highway durch den Terai. 

Der Highway, die West – Ostverbindung Nepals ist relativ neu. Er ist vielleicht zehn Jahre alt und im Ostteil Nepals noch nicht ganz fertig gestellt.  Sie stellt neben der Stasse von Kathmadu nach Pokhara und einigen, sehr wenigen Querverbindungen die Hauptverkehrsader von Nepal dar. Und die Nepalis sind stolz auf ihren Highway, denn er bedeutet Entwicklung. Ich moechte nicht wissen wie es vor dem Bau, der zum Teil relativ rumpeligen Asphalttrasse hier ausgesehen hat. Doch nun ist er da und Trucks und Busse koennen, Waren und Menschen von A nach B bringen. Der Highway wuerde, so stellte ich fest fuer die naechsten zehn Tage, auf dem Weg nach Kathmandu, mein Zuhause sein. Diese Strasse die, wie bereits erwaehnt, die Hauptverkehsstrasse, quasi die A1 Nepals darstellt, ist der Hammer. Es ist die ruhigste Autobahn die man sich nur vorstellen kann. Es fahren kaum Autos. Auf ihr sind viele Radfahrer unterwegs und Ochsenkarren. Vorallendingen gehen die Leute jedoch zu Fuss auf ihrem Highway. Frauen sitzen am Rand und erledigen Hausarbeit in der Sonne. Einmal trainierten Teenager sogar Cricket auf der Strasse und raeumten alle paar Minuten, wenn dann doch mal ein grosser Brummer ankommt ihre Sportgeraete beiseite. Seit der Tuerkei war ich keine so ruhige Strasse mehr gefahren (die Wueste in Beluchistan mal ausgenommen, aber dit is ja kene Strasse sondern Flitzekacke).  

Die Menschen die mir entgegen kamen, auf Fahrraedern, Ochsenkarren oder zu Fuss. winkten mir hocherfreut zu. Jung und alt, insbesondere jedoch die Kinder riefen „Namaste“ oder „Bye Bye“. Ich kam selber aus dem zurueck winken garnicht mehr heraus und alle strahlten mich so freundlich an. In mir breitete sich ein warmes Gefuehl aus und ich schloss Nepal tatsaechlich bereits an meinem ersten Tag ins Herz. Es schien mir so als wuerden mich die Leute hier auch deshalb so begeistert begruessen, da sie die letzten Jahre im Krieg gelebt hatten und ich vermutlich einer der ersten Touristen war die sie nach langer Zeit hier im relativ unentwickelten Westen Nepals erblickten.  

Ein weiterer von mir garnicht erwarteter Pluspunkt meiner gewaehlten Route durch Nepal, war der (oder das) Terai. Die Landschaft die sich ebenfalls von Westen bis Osten im Sueden des Landes unterhalb des Himalaya Gebirges entlangschlaengelt ist traumhaft schoen. Ich fuhr vorbei an langgestreckten Reissfeldern die sich im Sueden in die endlosen Weiten des Subkontinents ausdehnten und die im Norden durch die Berge begrenzt wurden. Ich fuhr durch Waelder die die Nepalis „Jungle“ nennen, die wie ich finde jedoch dem westeuropaischen Mischwald aehnlich sind. Dieser Wald sieht jedoch unglaublich aufgeraeumt aus, den die Menschen hier sammeln Tag fuer Tag ihr Feuerholz zum Heizen und Kochen. Es ging vorbei an kleinen Doerfern, die von dem langsamen Entwicklungsschub in Nepal noch nicht soviel mitbekommen hatten. Kleine Haeuschen mit Bambus bedeckt lagen idylisch in geplflegten kleinen Gaerten in denen bunte Blumen bluehten. Schwarze Wasserbueffel, Ziegen, Schafe, Hunde und anderes Viehzeugs lebten in trauter Gemeinschaft mit den Menschen eng zusammen. Da es nicht ueberall Strom gibt und das Wasser zumeist aus der Handpumpe kommt gibt es, bis auf die wenigen Autos, kaum industrialisierten Laerm. Die gesamte Landwirtschaft ist noch echte Handarbeit. Das Korn wird mit der Hand gedrescht und die Fische mit dem Netz in Einbaeumen gefangen.  O.K. bevor ich nun zum Fremdenverkehrsminister Nepals ernannt werde, sage ich nur, der Terai ist vielleicht die schoesnste Fahrradfahrstrecke auf meiner Reise. Und das tollste ist, man kann sich auf dem Highway nicht verfahren... hehe. 

Where do we go, nobody knows - I've got to say I'm on my way down
God give me style and give me grace - God put a smile upon my face

                                                                                    (Coldplay)

Auf dem Weg nach Masuriya landete ich auf einmal an einer Strassenblokade. Ich dachte sofort an die Maoisten und die „Gebuehr“ die Touristen an die Knallkoepp zu entrichten haben. Allerdings sahen die Leute hier vor mir, die auf einem grossen Steinhaufen sassen und den sie mit blossen Haenden auf die Strasse getragen hatten, garnicht so maoistisch aus. Die Frauen sassen auf der einen Seite der Barriere und die Maenner auf der anderen. Sie schauten mich neugierig an, schwiegen aber und sassen nur da. Ich schob mein Fahrrad vorsichtig an der Seite vorbei, war ebenfalls neugierig, doch wagte ich es nicht ein Foto zu machen. Als ich dann auf der Maennerseite war blieb ich stehen und schaute die alten Bauern fragend an. Sie sprachen allerdings kein Englisch sodass sie mir keine Auskunft geben konnten  Dann kam schlieslich ein juengerer Mann der mir erklaerte das sie fuer Schutz und besssere Versorgung demonstrierten. Auch er sprach kaum Englisch so dass ich dass Gespraech nicht vertiefen konnte. Doch ich verstand. Diese armen, alten aber stolzen Maenner sassen da am westlichsten Zipfel, wo sie kein Machtmensch hoeren und sehen kann und machen eine Strassensprerre auf einer Strasse wo sowieso kaum ein Auto vorbei kommt. Ich war tief geruehrt und war froh das ich meine Sonnenbrille an hatte. Ich rief „Resistance“ und „Fight for your Right“ doch sie verstanden mich nicht. Dann laechlete ich einfach und sie laechelten zurueck. Ich kramte meine Kamera heraus und die stolzen, alten Maenner posierten fuer ein huebsches Bild.  

Auf dem Weg nach Masuriya begegneten mir mehere kleinerer Strassensperren und ich erfuhr noch das der Protest 7-9 Tage andauern wuerde. 

Abends kam ich dann in Masuriya an und stellte mal wieder fest das man sich auf die NELLES Landkarten ueberhaupt nicht verlassen kann. Masuriya war nicht mehr als ein kleines Dorf. Ich fragte nach einem Hotel und man zeigte mir ein Haus auf dem auch ein Schild hing auf dem „HOTEL“ stand. Als ich in dem Shop unten nachfragte, verstand man mich nicht, denn das hier war das Hotel. Da schoss es mir durch den Kopf, das ich  in meinem Guidebook gelesen hatte, das die Nepali Shops oder Restaurants im allgemeinen Hotel nennen und Unterkuenfte Lodges oder Guesthouses heissen (mal abgesehen von den nepalesischen Woertern die ich beim besten willen nicht entziffern kann). Doch etwas wie ein Guesthouse gab es hier im kleinen Masuriya nicht und die Sonne ging auch gerade unter. „Fein“ dachte ich mir, seit Beluchistan hatte ich nicht mehr gezeltet und ich war versorgungstechnisch nicht im geringsten darauf eingerichtet. No Food, no Water, no janix. Ich kaufte zumindest ein paar Packungen Kekse und suchte dann schnell das Weite damit ich zumindest noch in der Daemmerung nach einem geeigneten Zeltplatz Ausschau halten konnte. Am Dorfausgang rief mir ein Mann hinterher, doch auf nette Konversation am Strassenrand war ich grad ueberhaupt nicht eingestellt. Ich fuhr einfach weiter. So schnell lies sich der Mann aber nicht abschuetteln. Er schwang sich auf sein Fahhrad und kam mir hinterher. „Wat wills du dann jetz, verdammt nochemol ?“ Und tatsaechlich... „Where are you come from ? Whats your Idea about Nepal ? Where are you going ?“...halt die alte Leier. Ich gab ihm barsch zu verstehen das ich keinen Bock hab mit ihm zu sprechen und fluechtete foermlich vor ihm. Nur 500 Meter weiter begann ein Waeldchen und da stand ein Haus mit einer Outdoorkueche aus Lehm wo eine Frau am offenen Feuer gerade kochte. Ich fragte mit Haenden und Fuessen ob ich dort in dem Waeldchen zelten koenne, doch sie hatte direkt eine viel bessere Idee. Sie lud mich zu ihr ins Haus ein. Genauer gesagt zeigte sie mir einen leeren Raum, indem ich mein Zelt aufschlug.

Die ganze Familie Sharma  kam um mich zu begutachten, jedoch stellten sie zunaechst keine daemlichen Fragen sondern liesen mir Zeir runter zu kommen. Die Frau kochte, die Toechter und Stieftoechter spielten mit ihren Kindern und ich sass neben dem Vater und rauchte ein Zigarettchen. Dann bekam ich Dhal mit Roti und aus reiner Hoeflichkeit nahm ich ein Bier das sie mir mehrfach anboten. Mir war klar das dieser Aufenthalt keineswegs kostenlos war. Dies war eine arme Bauersfamilie, die einen kleinen Shop hatten und das Bier war eine weitere Einnahmequelle. Spaeter kamen noch ein paar Maenner aus anderen Hauessern irgendwo im Jungle und tranken ein selbstgebrautes Gesoeff von dem ich lieber die Finger lies. Als die froehliche Familie zu Bett ging, fragten sie nach ein wenig Geld fuer Bier und Dhal und froh gab ich ihnen die verlangten Kroeten. Am naechsten Morgen stand die Familie Sharma und ich schon um halb sechs auf. Wir standen alle ums Feuer der Lehmkueche um uns von der Kaelte der Nacht zu befreien. Die Sonne ging auf, ich kochte meinen Kaffee und packte meine Sachen. Die Familie haette es gerne gesehen wenn ich noch einen Tag geblieben waere doch ich wollte weiter.  Eine der Toechter schenkte mir noch ein Feuerzeug zum Abschied und froehlich winkend verabschiedeten wir uns. 

Ich war von den letzten Biketagen etwas muede und so fuhr ich nur 35 Kilometer weiter bis nach Chisapani. Hier trifft ein Fluss aus den Bergen auf die Tiefebene des Subkontinents. Chisapani ist erst seit ein paar Monaten an die Stromversorgung Nepals angeschlossen. Fliesend Wasser gibt es immer noch nicht. Ich checkte in ein Guesthouse ein und ging in der Nachmittagssonne runter zum Fluss um mir den Schweiss des Tages hinunter zuwaschen. Julia und Bicky aus Cochem die ich in diesem kleinen untouristischen Fleckchen traf, gaben mir noch den Tip mich von den verbrannten Stellen fern zu halten, denn dort wuerden die Hindus (wie in Indien) ihre Toten verbrennen. Was ich vorfand waren jedoch keine Scheiterhaufen, sondern ein weisser, glitzender Sandstrand der meinen nackten Fuessen schmeichelte. Ich ging baden und wusch mich waehrend ein paar Meter weiter die Frauen und Maedchen mit der Waesche beschaeftigt waren. Die Waschmaschine ist der Fluss, indem eben auch Maenner in Einbaeumen sitzen und Fischlein fangen. Nach dem Bad setzte ich mich in die warme Nachmittagssonne und lies mir meinen Pelz waermen.  

Nach dem Bad ging ich noch ins Dorf durch den Market und schoss ein Haufen Fotos dieser wunderschoenen und froehlichen Menschen. (Ich kann mir die folgendene Auesserung leider nicht verkneifen) Auf meinem Weg durch Nepal sagten die Menschen zu mir immer wieder, dass Nepal so ein armes Land ist. Das stimmt. Geldtechnisch. Aber ist ein Land und die Menschen die darin wohnen tatsaechlich arm, wenn die kleinen Kinder bereits Lachfalten in ihren Gesichtern tragen ? Woran laesst sich Armut messen ? Und woran der Reichtum im Herzen ? Auch wenn man sich fuer den keinen Dhal mit Roti kaufen kann.  

"Questions of science - Science and progress
                                Do not speak as loud as my heart"

                                                                                                (Coldplay) 

 

                                                                                        

                    

11.12.2006 um 14:05 Uhr

Hupen und Moskitos

Bei mindesten zwei seiner sonst ja ganz hervorragenden Erfindungen hat sich der Liebe Gott vertan. Waehrend ich Moskitos als kleinen Fehlgriff der Schoepfung noch durchgehen lasse, ist die Erfindung der Hupe ein grob fahrlaessiger Fehler.

 

Die indischen Truck- und Busfahrer sind eigentlich Garkeine. Sie verstehen sich als Meister des altindischen Hupenzaubers und sie versuchen bei ihren tollkuehnen Ritten mit ihren Hoellengefaehrten alles Stoerende von der Strasse zu Hupen. Nur leider funktioniert der alte indische Hupenzauber in den meisten Faellen nicht und so muessen sie dann doch leider das Lenkrad bemuehen.

Ich begegne dem alten indischen Hupenzauber manchmal mit einem Gegenzauber, indem ich wie Gandalf in der Zwergenhoele, dem etwas zu grossgeratenen und feuerspeienden Auerochsen, den Trucks entgegenraune “DU KANNST HIER NICHT VORBEI!”. Aber bekanntermassen hat der Trick beim alten Gandalf ja auch nicht funktioniert und so steht es bei Hupenzauber gegen Gandalf immernoch 1:1…. zur Halbzeit.

 

Was sonst noch in der ersten Halbzeit Indien passierte und warum Moskitos auch ein goettlicher Fehler sind, dazu gleich.

 

Als ich in Rishiskesh in Richtung Najibabad losfuhr, hatte ich sagenhaft schlechte Laune. Ich hatte schlecht geschlafen, mir war kalt und Rishikesh ging mir auf die Nerven. Ich versuchte noch im Internetcafe  die Bilder fuer den Blog hoch zu laden. Das klappte jedoch nicht. Dann bemerkte ich, dass ich mein Ladegeraet fuer meine Kamera in Mama G’s Guesthouse vergessen hatte und musste mich die 2 Kilometer wieder den Berg hochquaelen. Als ich dann endlich auf der Strasse war, bemerkte ich das ich in den vier Tagen in der Yogahauptstadt bei all den Gutmenschen und spirituell angehauchten Gespraechen vergessen hatte meine Aggressionen irgendwo abzubauen. Die lies ich dann jedoch auf der Strasse. Ich hoerte TOOL und PEARL JAM, den Lautstaerke Pegel bis zum Anschlag und haute wie ein Wilder in die Pedale.

Immernoch dachte ich an die selbsternannten Heiler und Reikihoschis die mir unteranderm ernsthaft klarmachen wollten, das man an der Laenge des grossen Zehs auf bestimmte Eigenschaften des Menschen schliessen kann. “Mmh, du mich auch mein Freund, du mich auch….”

 

“Naeh se haet et nit leich wie se stief staats erinn kuett un verjeblich Applaus fuer ihr Roeggeping erheischt… naeh se haett et nit leich…”

                                                                      

                                                                 (Piano has been drinking)

 

Ich donnerte also die Strasse hinunter, schoss keine Fotos und wollte nur weiter. Dann ploetzlich sah ich in der spaeten Nachmittagssonne ein buntgekleidetes Maedchen in einem Hofeingang einer Moschee sitzen, das ein ebenfalls buntgekleidetes Baby auf dem Arm trug. Ich hielt an und wollte ein Foto machen, Ich fragte hoeflich, da kam ein aelterer Mann aus dem Gebaeude. Durch die Tuer konnte ich den reichen Schmuck erkennen. Das sah aus wie ein Sufischrein.  Er schaute mich mit entspanntem Gesicht an und ich fragte ihn ob er Sufi sei. Grinsend nickte er und ich zeigte ihm meinen Mass Qualander Anhaenger, den mir Yazuo in Lahore geschenkt hatte. Wir lachten uns an und, schwups, war meine gute Laune wieder da. Schlieslich schoss ich das Foto von dem Maedchen und ich fuhr langsam weiter, laechelnd durch die Abendsonne.

Als ich in Najibabad ankam, fing mich am Ortseingang bereits ein junger Mann, names Ali, ab der mir ein billiges Guesthouse zeigte. Ich ging etwas Essen und schaute mich danach in dieser, fuer indische Verhaeltnisse, vollkommen bedeutungslosen Kleinstadt um. Ich realisierte “Hier fuehl ich mich wohl.” Hier gabs die normalen Erdnussverkauefer die ueber offenen Feuer die Erdnusse in einer WokPfanne roesten. Hier gab es die normalen Rikschafahrer und die normalen indischen Kuehe die die Eigenschaft besitzen immer irgendwo doof im Weg rum zu stehen. Hier gab es die normalen Arbeiter die in Decken gehuellt um Feuer standen, weils abend recht frisch wird und den normalen Dhal mit Roti gabs hier obendrauf.

 

Auf dem Weg nach Kashipur kam ich in Doerfern vorbei die den Dung der Kuehe als Brennmaterial trockneten. Das hatte ich seit der Tuerkei schon hundertausendmal gesehen und es war eigentlich nichts Neues. Die Menschen hier jedoch klatschten die Kuhfladen nicht einfach an die Haus- oder Hofwand sodass des Oefteren wunderschoene Handabdruecke im Kuhmist zurueckbleiben. Hier schichteten sie die Fladen zu kegelfoermigen, huebsch ausschauenden Gebilden auf, die mein Auge einfingen. Ich blieb also stehen und schoss ein Foto. Dabei sang ich laut und war guter Dinge. Dann schaute ich mehr beifaellig auf die andere Seite der Strasse und erschrak. Dort sassen circa 150 kleine Schulkinder einer Dorfschule im Unterricht unter freiem Himmel, die mir interresiert dabei zuschauten wie ich Kuhscheisse fotographierte. Ich fing etwas geniert an zu lachen und 150 Kinder lachten auch. Die Unterrichtsstunde war hin und ich machte mich schnell aufundweg Richtung Kashipur.

 

Dort fand ich erst nach laengerer und etwas nerviger Suche ein Hotel, das mit dem vorsichtigen Understatement “5 Stars Facilities” angab. Der dickbaeuchige Hotelbesitzer gab mir zwar ein billiges Zimmer das normaerweise vielleicht fuer den Hausmeister hergerichtet war. Doch er nervte mich auch gleich mit seiner Strunzerei, mit der er sein 5 Star Hotel anpries. Sein Lieblingssatzanfang war “We provide you…” und er bot mir einen Tee zum Vorzugspreis von 6 Rupie an. In anderen Hotels wuerde er ja 12 Rupe kosten (auf der Strasse an den Buden kostet er 3 Rupie und schmeckt dreimal besser). Er wollte dann auch unbedingt das ich zum Dinner dort bleibe, doch ich fluechtete foermlich und kam erst spaet am Abend wieder nachdem ich lecker gegessen hatte. Da “providete” er mir schon wieder irgendwas, diesmal ein Breakfast und ich Dussel ging natuerlich aus reiner Hoeflichkeit darauf ein.

Beim Thema “Kaesesandwich” faellt mir immer die lustige Geschichte von Frank ein, der in einer Autobahnraststaette einst eine ominoese “Kaeseplatte” bestellte, fuer “SchweinevielGeld”. Als er dann einen Teller bekam auf dem ein labriges Kaesebroetchen lag sagte er sich ,das wohl der Teller die Kaeseplatte ist, auf dem Ausversehen ein Kaesebroetchen gelandet ist. Also steckte er die Kaeseplatte ein und brachte sie mit in unsere WG. Knallerstory. Wie kam ich jetzt darauf… Ach ja Kaesesandwich. Das Kaesesandwich war ein WITZ. Es kostete unglaubliche 60 Rupie und es waren zwei Toastbrotscheiben ungetoastet, von denen man noch die braune Rinde weggeschnitten hatte und dazwischen, Kaese. Noch bevor jemand “Steptokoggen” ueberhaupt nur denken kann, hatte ich das Kaesesandwich schon vom Teller gepustet. So leicht war das. Doch das war noch nicht alles. Ich bestellte, durch die “grosszuegige” Teeofferte animiert einen Kaffee, ohne nach dem Preis zu fragen. Der kam dann auch. Ich trank ihn. Soweit sogut. Als ich dann spaeter die Rechnung sah, fuer den mein “Weltbester 5 Sterne Hotelchef” eine halbe Stunde brauchte, kostete dieser Kaffee 20 Rupie. An dieser Stelle wurde ich kurz laut. Jedes kleine Guesthouse macht sich mehr Muehe, serviert besseres Essen fuer weniger Geld und hat es mehr noetig als diese “5 Sterne Fritte”.

Ich zahlte jeden Heller und Pfennig und wies den angebotenen Discount zurueck.. “Schiebs dir in deinen dicken Hintern” dachte ich und verlies das Hotel wuetend. Als ich einige Kilometer weg war, bemerkte ich das ich  den Schluessel des Vorhaengeschloss meines Raumes vergessen hatte abzugeben. Ich pfefferte es im hohen Bogen in die Walachei. Was haette ich den machen sollen ? Ihn zurueck bringen ? Er haette es mir bestimmt in Rechnung gestellt…. dae Poppekopp !

 

In Rudapur erlebte ich dann promt das Gegenbeispiel. Ein nettes Hotel mit super netter Staff die mir zwar ebenfalls Essen und Getraenke anboten, aber nicht aufdringlich und nervig waren.

 

Kathima war dann die letzte Station meiner ersten Halbzeit Indiens. Ich hatte entschieden mich auf direktestem Wege nach Nepal zu begeben, da ich den Everest schon langsam riechen konnte. Ich gebe gerne zu das ich Indien auf meiner Reise immer als “Kompromiss” angesehen habe. Irgendwie konnte ich mit Indien nicht fiel anfangen. Nach meinen ersten Tagen jedoch bin ich aeussert neugierig geworden und freue mich auf eine zweite Halbzeit in Indien, nach meinem Treck zum Mount Everest.

 

Nun aber zu den Moskitos.

 

Als ich vor meiner Reise, im Tropeninstitut in Berlin meine Impfungen checkte, wies mich die nette Aerztin auf eine neue fiese Malaria Art hin, die insbesondere in Nordindien ihr Unwesen treibt. An der Japanischen Ensinphilitis (oder so aehnlich) sterben ein Drittel der Erkrankten, ein Drittel erhaelt bleibende Hirnschaeden, waehrend ein weiteres Drittel “nur” mit einer besonders heftigen Malria davon kommt. Soweit so schlecht. Da ich damals bei den Impfungen mir nicht sicher war ob ich es ueberhaupt bis nach Nordindien schaffe, sparte ich mir die 150 Euro fuer die teure Impfung. Nun bin ich aber nun doch in Nordindien angekommen und hab die Malaria in Quetta noch in guter bzw. schlechter Erinnerung. Moskitos sind Scheisse. Punkt. Ende. Aus.

   

In Kathima, 35 Kilometer vor der nepalesischen Grenze fand ich ein kleines Guesthouse, nachdem ich einem weiteren “5 Sterne Laden” nach kurzer Begutachtung einen Korb gegeben hatte. Der Raum war wirklich schoen und ein grosses Bett gabs. Doch er war scheinbar auch geheimes Hauptquartier einer ganzen Armada nordindischer Moskitos. Der Blick in das kleine Bad machte es nicht besser, denn hier tummelte sich auch eine Hundertschaft der kleinen Drecksviechern. Da es bereits spaet war und es keine weiteren Unterkuenfte in Kathima gab, entschied ich mich doch fuer den Kampf mit den Monstern.  Der Hostelbesitzer bot mir Moskitocoils an, diese kleinen brennbaren Raeucherspiralen deren Nutzen von Vielen angezweifelt werden. Ich verpackte mich mit meiner Fliesjacke, zog die Socken hoch und zog meinen blauen Buffy tiefer ueber meinen Kopf.  Nach einer halben Stunde stank der Raum wie eine Rauecherkammer. Doch ich war erstaunt. Der Rauch schien den Moskitos tatsaechlich nicht so gut zu bekommen. Ich musste mich duschen und so stellte ich die zwei Coils in das kleine Bad und raeucherte die Bande aus. HeHe ! Das dauerte zwar einge Zeit doch sie vielen tasaechlich wie die reifen Aepfel von den Baeumen. Nachdem es nur noch ungefaehr 30 waren, gesellte ich mich in das Raeucherbad und erledigte die letzten Viecher mit meiner Treckingsandale. Nach ungefaehr anderthalb Stunden hies es dann “Raum frei !” Ich duschte und baute danach mein Innenzelt als Moskitonetz auf dem grossen Bett auf. "Die kriegen mich nicht." dachte ich zufieden. Ich schlief wie ein Baby und als ich morgens wach wurde waren die Moskitocoils heruntergebrannt und der Schlafraum war ebenfalls komplett frei von Moskitos. Siste daeh.

 

Und dann gings aufundweg nach Nepal. 

       

            

29.11.2006 um 06:50 Uhr

10.207 km Rishikesh Indien - Da lacht das Herz !

Takku, Akki, Yazuo und Takanori standen auf der Gasse vorm Regal Inn. Als ich mit meinem Bike Richtung Mall Road rollte, stimmte Takku einen Sufiruf an, das mit einem gebruellten “Liiiiiii !” beantwortet wird. Quasi, der sufistische Reisesegen. Grosser Bahnhof. Eine grosse Ehre.  Ein wunderschoenes Ende einer unglaublich interessanten Zeit in Lahore.

 

Und dann war ich nach fast anderthalb Monaten – zurueck auf meinem Fahrrad.

 

“…it was nice and warm. No jackets, no umbrellas – just warm” (Jill Scott)

 

Auf dem Weg nach Wagah, der  pakistanisch/indischen Grenzstadt lies ich mir Zeit. Es war ein lauschiger Morgen und ich hatte vor Aufregung nicht besonders gut geschlafen. Doch das war jetzt egal. Es fuehlte sich gut an, wirklich sehr gut, auf dem Bike zu sitzen.

In Wagah nahm ich noch ein zweites Fruehstueck ein und rollte dann gemaechlich Richtung Grenze.

 

Mit einem gueltigen Visa ist der Uebergang von Hier nach Da eine entspannte Angelegenheit. Der indische Officer fragte mich nach dem Inhalt meiner Taschen, interessierte sich insbesondere fuer den Herbal Tea, den ich von Lahore mitgenommen hatte und wuenschte mir nach 1 Minute Check eine gute Fahrt.

 

Ich hatte waehrend meines Aufenthalts in Lahore bereits einmal die Grenze besucht. Hier gibt es jeden Abend eine absurde Border-Closing Zermonie. Auf beiden Seiten der Grenze stehen ueber tausend Menschen und schauen den Soldaten der Grenzwachen beim “Angeben” zu. Hierfuer sind extra stadionaehnliche Tribuenen aufgebaut worden. Die Soldaten marschieren auf und ab und beeindrucken durch besonders durchgeknallte Marschschritte. Ein bisschen wie bei Monty Pyton. Auf dem Kopf tragen sie Huete mit Federn und wenn sie sich am Grenztor treffen, schuetteln sie ihre Koepfe wie eitle Gockel was von der jeweiligen Fankurve gefeiert wird. Auf pakistanischer Seite gibt es zudem einen  alten Herrn, der in den Vereinsfarben Pakistans gekleidet ist, eine grosse Pakistan Fahne schwenkt und die Menge anheizt. Er bruellt “Pakistan” und die Menschen bruellen “Zindabat” (Lang lebe Pakistan). Auf indischer Seite passiert exakt das gleiche. “Hindistan” – “Zindabat”. In einem winzigen Augenblick eines Moments geben sich die wachhabenden Offiziere der beiden Staaten einen Handshake und dann knallt das Tor zu. Die Fahne wird mit grossem Tamtam eingerollt. Und die Menge feiert weiterhin sich selber und das jeweilige Land. Pakistan und India moegen sich nicht besonders. Das man sich das jedoch jeden Abend aufs neue bestaetigen muss, wollte mir nicht wirklich in den Kopf. All diese nationalistische Scheisse.

 

“What’s so civil about war, anyway ?”     (Gun’s n Roses)

 

Ich sparte mir also den zweiten Besuch der Border Zermonie auf indischer Seite und fuhr weiter durch den warmen Nachmittag.

 

Schnell als gedacht landete ich in Amritsar und im Golden Tempel. Der Golden Tempel ist die Hauptwallfahrtsstelle der Sihks. Die Sihks haben sich vor einigen hundert Jahren sowohl vom Hinduismus als auch vom Islam abgespalten. Das Hinduistische Kastensystem fanden sie doof und die islamischen patriarchaischen Ansaetze  ebenfalls. So mixten sie sich ihre eigene Religion zusammen. Jeder ist gleich. Maennlein und Weiblein. Jung und alt. Arm und Reich. Bis heute ist dies eine sehr active Religion. Sie tragen einige Sihkzeichen immer bei sich, so z.B. ein Holzkamm im Haar unter dem Turban, eine spezielle Unterwaesche und einen Dolch. Jeder kann auf Spendenbasis in den Unterkuenften des Tempelbereich uebernachten und kann zudem so oft und soviel Essen gehen, wie er moechte oder wie er Hunger hat. Also checkte ich dort ein, umrundete den Golden Tempel der in der Mitte eines quadratischen Sees liegt und schoss einen Haufen wunderbarer Fotos. Ein wirklich sehr beeindruckender Platz.

 

“Es ist noch Suppe da, es ist noch Suppe da, wer hat noch nicht, wer will nochmal, wer hat noch, nicht wer will nochmal”   (Jupp Schmitz) 

 

Dann machte ich mich auf zum “Essen fassen”. Die Art und Weise wie taeglich hier in Amritsar einige tausend Menschen verkoestigt werden, ist Wahnsinn. Es gibt zwei grosse Hallen in denen in langen Reihen die Glauebigen auf dem Boden Platz nehmen, mit Pilgherteller und Wasserschale. In Windeseile werden die Teller mit Dhal, Gemuese, Reis, Milchreis, Mango Mixed Pickles gefuellt und man braucht nur seine Haende aufzuhalten und man bekommt frisches Chapati, soviel man moechte. In einer Essensfuhre werden ca. 1000 Menschen bekoestigt. Das dauert ca. 15 – 20 Minuten. Dann kommt die naechste Truppe Menschen. Jeden Tag im Jahr und bis auf einige Putzpausen im Prinzip 24 Stunden am Tag. Das ganze passiert mit einer gepflegten Entspanntheit, alle werden satt und sind danach frisch fuer die naechste Tempelumrundung.

 

Ich machte also ebenfalls eine zweite Runde um den Pool und schoss weiter Fotos, diesmal vom abendlich erleuchteten Tempel. Zum Tempel fuehrt ein Steg auf dem tagaus tagein die Glaeubigen in einer langen Schlange stehen um in das Heiligtum zu gelangen. Eigentlich wollte ich nur einge naehere Aufnahmen des goldenen Klumpen machen und ging ebenfalls auf den Steg. Ich schoss die Fotos, doch als ich mich umdrehte waren bereits soviele Pilger nachgerueckt, sodass es kein Zurueck mehr gab. Also stand ich nun zwischen einigen hundert Sihks eingekeilt die sich langsam auf den Tempel zubewegten. “Was solls.” dachte ich und wartete gemeinsam auf den Einlass. Die Menschen um mich herum began zu singen und hatten kleine Schaelchen in der Hand mit einer Suessigkeit als Opfer fuer ihr Heiligtum. Nach zwanzig Minuten war ich dann an der Tempelpforte angelangt und ich gelangte ins Allerheiligste der Sihk Religion. Dort sassen vier hohe Priester in verschiedenen Raeumen und lasen aus dem heiligen Buch der Sihks. Dieses Buch wird hier ebenfalls 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, jeden Tag im Jahr seit Anbeginn gelesen. Der Hoechste der Priester hat zu diesem Zweck und fuer den Fall eines Stromausfalls ein Emergency Light. Und wenn selbst dieses ausfallen sollte, brennen grosse Kerzen in Glaskaesten geschuetzt. Gleichzeitig wird gesungen und gebetet, Opfer dar gebracht und die Pilger lessen ebenfalls in Texten der heiligen Schrift.

 

Nachdem ich den Tempel also ein zweites Mal komplett umrundet hatte (die wahren Sihk Pilger sollten fuenf Mal herum gehen), begab ich mich muede zur Unterkunft. Allerdings war an Schlaf keineswegs zu denken. Das grosse, mehrstoeckige Haus, in dem ein Bereich extra den auslaendischen Gaesten vorbehalten ist, war vollgepackt mit einheimischen Pilgern und der grosse Innenhof fuellte sich ebenfalls mit Menschen die dort ihr Nachtlager aufschlugen. Aber sie hatten scheinbar nicht vor zu schlafen. Sie quatschten die ganze Nacht. Die ganze, ganze Nacht. Und in einer ohrenbetaeubenden Lautstaerke. Als ich mit Hilfe meiner abgenutzten Ohrstoepsel  ein wenig Schlaf gefunden hatte, wachte ich gegen 3:00 Uhr nochmals auf. Immernoch der gleiche Laerm und Stimmengewirr. Fuer die Sihks scheint diese Wallfahrt durch aus auch eine Art Holiday zu sein. Man trifft alte Bekannte und hat sich viel zu erzaehlen. So weit so gut, ich fand jedoch fast keinen Schlaf und erkaeltete mich zudem ein wenig. Der Golden Tempel ist ein wunderschoenes Bauwerk, die Sihkpeople gastfreundlich und aufrichtig – “Man muss ever och ens de Muhl halde kuenne.”

 

Am naechsten Morgen fuhr ich weiter.

 

Immer noch etwas verschnupft und mit schwerem Atem landete ich 88 km weiter in Jalandhar. Ich fragte nach einer Unterkunftsmoeglichkeit und man wies mir erneut einen Weg  zu einem Tempel. Das klang doch hervorragend. Vielleicht werde ich wieder kostenguestig gut verkoestigt. Vielleicht diesmal mit weniger Laerm. Ich fand den Tempel schnell, der diesmal dem/der guten alten Shiva gewidmet war und bekam fuer wenig Geld ein Einzelzimmer.

 

Welcome to Shivasialand.

 

Mir wurde einer der Tempelwachen als Guide zur Seite gestellt, und er achtete freundlich doch bestimmt darauf das ich mir jeden kleinen Piepstempel im grossen Tempelkomplex von Jalandhar anschaute. (Nun folgt eine versuchte Kurzfassung) Erst hinein in den pyramidenfoermigen goldenen Hauptempel der ebenfalls in der Mitte eines Pools lag. Ein paar Zuckerstuecke in die Hand gedrueckt, an einer heiligen Flamme die Haende gewaermt. Dann wieder hinaus, vorbei an ein paar Polyethylen Shiva Plastiken in knallebunten Farben, hinein in den naechsten Tempel. Shiva Plastiken und Figuren und Statuen ueberall, Butterlampen und Raeuchergedoens verwirrten mir die Sinne, ein kleines Kaetzchen hypnotisierte mich und schwups hatten mir die heiligen Maenner weitere Zuckerstuecke in die Hand gedrueckt, eine Blumenkette umgehangen, ein Stoffbaendchen um das Handgelenk gewickelt und einen roten Punkt auf die Stirn gepappt. Turbo – Hinduisierung. Immer noch benebelt, stuerzte ich hinaus, der Tempeldiener wartete auf mich und fuehrte mich zu einem kleineren Bauwerk in dem alte Maenner schief und schraeg vor sich hinsangen.. Nachdem ich realisierte das ich wohl noch einige Zeit brauchen werde um einen Zugang zu dieser Musik zu finden, standen wir auch schon vor dem naechsten Highlight. Ein riesiger Pappmaschee - Loewe, der auch gut im Phantasialand in Bruehl Platz gefunden haette. Die Aufgabe hier bestand darin, durch das Maul des Loewen zu klettern um dann im “Bauch” wieder auf einen dieser Priester zu treffen. Zuckerstuecke, Blumen, Firlefanz. Dann gings hinten aus dem Loewen wieder raus zum naechsten Hinduattraktion. Ein Polyethylenberg, vielleicht 20 Meter hoch. Der Weg fuehrte vorbei an einem Wasserfall in dem eine Gepardenfamilie aus Plastik sass. Der Aufstieg erinnerte mich ebenfalls mehr an die Warteanlagen vor der Achterbahn in Bruehl, doch oben gabs keine wilde Abfahrt, sondern… richtig, Zuckerstuecke, Blumen, Firlefanz und rote Punkte uff de Stirn. Ich lehnte dankend ab. Die letzte Station war dann ein weiterer Tempel in dem eine Gruppe junger Kindermoenche ihre Meditation uebte. Auf der anderen Seite des Raums sass der Herr Moenchlehrer und bot mir einen freien Stuhl an. Allerdings sprach er kein Englisch und mein Hindi ist auch etwas eingerostet und so verlies ich den Tempel Richtung Schlafraum. Doch auch hier hatte ich nicht die Rechnung mit dem Wirt gemacht. Zunaechst duddelte der schraege Gesang des “Maennergesangsverein Jalandhar von 1857 e.V.” laut ueber das Gelaende. Als sie fertig waren wurde gleichfalls heftiger Musikerguss ueber Tape eingespielt. Am naechsten morgen fuehlte ich mich ein bisschen ge”brainwashed”, dafuer war jedoch meine Erkaeltung besser und ich lies Jalandhar hinter mir.

 

Ich genoss es sehr hier durch den noerdlichen Teil Indiens (Punjab, Himachal Pradesh, Uttarranchal) zu fahren und viele der zuvor gehoerten Meinungen ueber Indien bestaetigten sich fuer mich hier absolut nicht. Hier ist es nicht so schmutzig unf vermuellt wie die Traveller die ich traf mir in Aussicht stellten. Im Gegenteil, die Doerfer durch die ich fuhr, waren sogar huebsch gepflegt und weit sauberer als bei den pakistanischen Nachbarn und selbst als so mancher Fleck im Iran. Der Verkehr in Indien ist “schrecklich aber es geht”. Wer Overland nach Indien kommt hat sich Zeit zu akklimatisieren und mittlerweile habe ich einen relativ aggressiven Fahrstil und habe keine Probleme damit den verrueckten Truck- und  Busdrivern uebelstes anzudrohen um mich gleich danach wieder grinsend zu beruhigen. Dann, wenn sie mich zunaechst fast ueber den Haufen gefahren haben und ich mich durch die Beifahrertuer bruellend bemerkbar gemacht habe, falten sie die Haende und schauen reuhmuetig…. Und geben dann sofort wieder Gas – Zeit ist hier auch Geld. Aber dennoch, der Verkehr in Indien ist nicht so dramatisch und die Strassen sind in erstaunlich gutem Zustand. Die Menschen sind farbenfroh gekleidet. Wenn ich eine junge Dame freundlich anlaechele, bekomme ich ein freundliches Laecheln zurueck. Das klingt so weit recht normal, war es in den letzten Monaten, seit der Tuerkei jedoch nicht. Eine Wohltat fuer Sinn und Seele.

 

Ich fuhr weiter durch die indische Novembersonne bei traumhaften 26 Grad. Wat willste mieh ?

 

Dann plumste mir am naechsten Abend nach 120 Kilometern ein Youth Hostel vor die Fuesse. Ich erinnerte mich an die Jugendherge in Rosbach, an einem der ersten Tage auf meiner Reise, wo mich die nette Dame trotzdem ich vom Regen klatschnass war, nicht schlafen lassen wollte, weil ich keinen Jugendherbergsausweis besass. Hier in Rupar war es jedoch alles andere als ein Problem und ich bekam ein grosses Einzelzimmer in dem ich friedlich schlief.

 

“Take me down to the paradise city, where the gras is green and the girls are pretty” (Guns ‘n Roses)

 

Der naechste Tag fuehrte mich nach Chandigarh. Diese Stadt, die sauberste in Indien, ist in den 50er Jahren in einem Rutsch stadtgeplant worden. Und genau so sieht es hier auch aus. Wie auf dem Reissbrett. Die Strassen dreispurig und strichgerade. Hier gibt es keine Stadtteile sondern nummerierte Sektoren die alle quadratisch angeordnet sind. Passend zu all den geraden Formen sind alle Haeuser ebenfalls in einem Aufwasch gestaltet worden. Quadratisch, praktisch…. nujooooh ! Ein bisschen sieht es aus wie in Berlin – Zehlendorf, ganz huebsch, recht ruhig, vielleicht aber auch ein bisschen langweilig.

Ich besuche einen Stone Garden der in den 90ern von einem Kuenstler gestaltet worden war. Eigentlich auch sehr beeindruckend, leider jerdoch etwas herunter gekommen. Abends gehe ich indisch Essen. In Indien ja eigentlich keine grosse Angelegenheit, allerdings habe ich das Gefuehl das ich hier in diesem gestylten Laden, genauso gut in Berlin oder Koeln sitzen koennte. Vor mir steht ein Fosters und sehr leckeres Tahli und im Ferseher fuehrt der Hamburger SV gegen Arsenal London in der Champions League.

Die zweite Halbzeit spar ich mir, ich fuehl mich hervorragend und mach mich nach einer ruhigen Nacht aufundweg aus Chandigarh.

 

Dannb machte ich mich auf Richtung Nahan und dieser Tag war ein besonders Besonderer. Zum einen fuhr ich  meine ersten Meter in den letzten huegeligen Auslauefer des Gebirges das spaeter Ziel meiner Reise werden soll. Meine Reifen berueherten das erstemal den Boden des Himalaya. Selbstverstaendlich sah es noch nicht wirklich gebirgig aus, doch die Strassen gingen schon ab wie Luzie. Besonders war dieser Tag jedoch auch deshalb weil ich nach 35 Kilometern an diesem Tag meine 10.000 Radkilometer Marke ueberschritt. Hiermit meine ich uebrigens meine Nettoradkilometer, also nur das was ich selber auf der Strasse zurueck gelegt habe. Meine Touren durch Istanbul, Ankara, Teheran, und Lahore zur Visabeschaffung sind dabei nicht einberechnet. Und selbstverstaendlich auch nicht die Kilometer mit Bus und Bahn.

Allerdings hatte ich an diesem Morgen auch etwas mehr mit dem Verkehr zu kaempfen und ich war, als ich das “Ich bin dabei gewesen – Foto” schuss, bereits heiser.

Abends hatte ich dann gar keine Stimme mehr und ich war gut muede, da ich auf den letzten 10 Kilomtern 600 Hoehenmeter zu ueberwinden hatte. Dafuer belohnte mich jedoch das Guesthouse in Nahan mit einem huebschen Raum und (Trommelwirbel) im Badezimmer gab es eine Badewanne. War das geil ? Nice and warm !

 

Um nach Paonta Sahib zu gelangen ging es dann morgens erstmal auf eine traumhafte Abfahrt. Ich schoss Fotos in der Morgensonne, gruesste die Affen am Wegesrand, sang laut zu Oasis und grinste.

 

“I need to be myself - I can't be no one else
I'm feeling supersonic - Give me gin and tonic”         (Oasis)

 

In Paonta Sahib steht ein weiterer Sihk Tempel, der direkt an einem Flussbett gebaut ist. Ich fragte nach Unterkunft und konnte hier wieder auf Spendenbasis essen und schlafen. Ich verbrachte den ganzen Nachmittag damit in der Sonne am Fluss zu sitzen und bettelnden Kindern beim Tagesgeschaeft zuzuschauen. Eigentlich sprachen sie jeden an der die grosse Trepper hinunter zum Fluss gekommen war. Vielleicht lag es daran das ich nicht geduscht hatte und etwas streng roch, jedenfalls liesen sie mich in Ruhe. Ich blieb bis zum Sonnenuntergang.

Nachts gab es dann wieder “Konversationsmarathon” in den anderen Zimmern der Sihkpilger, aber da ich so viel Sonne getankt und ein gutes Essen genossen hatte, schlief ich ein und verlies den Tempel morgens dankbar.

 

Und dann kam Rishikesh.

 

Dem ein oder anderen wird Rishikesh als “Yoga Capital of the world” bekannt sein. Glaeubige Hindus, Spirituelle, Sinnsuchende, Yoga und Meditationspraktizierende, Saduus und Bettler und als Saduus verkleidete Bettler all das findet sich hier verquirrlt in einem bunten Mix aus Tempeln und Hotels, Guesthouses und Cottages. Zudem gibt es unzaehlige Shops deren Warenbestand zum ueberwiegenden Teil auch auf dem Weihnachtsmaerkten in Koeln und Berlin zu finden ist. Ketten und Tuecher, chillige Musik, Yoga Buecher, Steine und Schmuck und Schmuck aus Steinen und Hippieklamotten auf Biobasis. Rishikesh liegt zudem in einem Tal durch den der Ganges fliesst, eingekeilt in gruene Berge. Es gibt strandige Stellen und steinige Buchten und tausend kleiner und grosser Stellen wo man sich auf seine Reinkarnation in die naechst hoehere Ebene vorbereiten kann… oder in der man fuer immer und ewig verloren gehen kann wenn man an den falschen Deppenguru geraet, die falschen Drogen zu sich nimmt oder nicht all Sinne bei einander hat. Ich gebe gerne zu das ich ebenfalls Interesse fuer Yoga und Meditation hege. Rishikesh entpuppt sich allerdings fuer einen normalsterblichen Radtraveller, der schon das ein oder andere gesehen und erlebt hat, als eine Scheinwelt die in vielen Faellen mit echter Spiritualitaet und echter Sinnsuche nicht soviel gemein hat. Die “echten” Saduus brauchen keine Touris die ihnen Zigaretten spendieren. Der “echte” Yogi braucht kein 3 Sterne Hotel mit Wellness Spa. “Echte” Sinnsuche braucht keinen Ort der touristischer ist als die Koelner Domplatte.

Ich bin sehr froh, das ich mich in aeusserst guter Verfassung befinde, keine draengend offenen Fragen habe und gerade einfach das geil finde was ich mache. Fuer alle die, die sich dennoch Rishikesh anschauen wollen, dennen empfehle ich, sich vorher eine allgemeingueltige Presseerklaerung zu ueberlegen, fuer all die Hoschis die dir eine heilende Anwendung, eine “neue” Ansicht oder den Weg ins naechste Level zeigen wollen. Meine Presseerklaerung lautete “Very nice, very interesting, a lot of impressions.” Na, das sagt doch alles oder ? 

 

 “Es kommt irgendwann, irgendwo her irgendwie alles wieder. Uns retten irgendwann, irgendwo, irgendwie  nur noch unsere Lieder. Es kommt irgendwann, irgendwie irgendwo – alles zurueck. Wir fordern jetzt und hier, jetzt und hier unser Glueck.“ (Mia)

21.11.2006 um 09:07 Uhr

Sitzen lernen

Die ersten Akkorde von Yages "Anders Leben" duddeln durch die Ohrstoepsel, waehrend ich mit meinem Bike die Mall Road runterpresche. Die Ampeln nehme ich bei rot oder gruen. Kurzes Abnicken durch die Verkehrspolizisten, die so hab ich den Eindruck, mich mittlerweile kennen. Als auslaendischer Radfahrer geniest man hier in Lahore einige Verguenstigungen. Gewoehnlich werde ich an der Ampel mit Handschlag begruesst, nachdem ich mich wie alle anderen Zweiraeder durch den Stau in die erste Reihe an der Ampel gekaempft habe. Rot oder gruen, Scheiss egal. Dann rechts runter, am stinkenden Kanal entlang. Dann wieder links Richtung Gulberg.

Gestern sass ich vorm Internet im Regal Inn und las meinen eigenen Bericht ueber meinen Visa Marathon in Ankara. Nun erliege ich hier in Pakistan einer anderen Art von Marathon. dem Marathon des Wartes. Warten lernen. Sitzen lernen. Doch nun ist das Warten vorbei. Kurzer Sprint und ich versaege an der naechsten Kreuzung wieder alle Motorbikes die mit ihrer Schaltung nicht aus den Gaengen kommen.

Als ich in Lahore ankam war hier 5 Tage lang Alles geschlossen, aufgrund des Eitfestivals (Zuckerfest). Dann erfuhr ich das es kein indisches Konsulat in Lahore gibt, dafuer aber Jerrys Reiseagentur die die Beschaffung des indisches Visa regeln kann. Jerrys Reiseagentur entpuppte sich dann als Gerrys FedEx Office und das lag in Gulberg, im Stadtteil der Reichen und Schoenen. Nach dem ich also kurz dedektivisch taetig war, konnte ich mein Visa dort beantragen. In Maliks Regal Inn, bin ich der erste Traveller der diesen Weg der Visabeschaffung versucht hat. Selbst die jungen Damen hinterm FedEx Schalter wussten nicht genau Bescheid und es dauerte eine Stunde bis sie das richtige Formular gefunden hatten. Sie versprachen mir die Visabeschaffung nach 7 Werktagen (+ 2 Tage Wochenende).

Ich erlaube mir den ein oder anderen Spass mit den Motorradfahrern die mich nun ueberholen und singe laut. Ich bin zum vierten Mal auf dem Weg zum FedEx Office. Heute ist Tag 19 (In Worten "Neunzehn") meines kleinen Lehrgangs "Sitzen Lernen im Zeitalter der Nanosekunde". Man hatte mich morgens angerufen, nachdem ich in den letzten Tagen meiner Visabearbeitung einen "Kleinen Push" geben konnte...aeh durfte...knirsch... musste. An einem dieser FedEx Besuchstage ueberlegte ich ob es nicht besser ist mit der Rikscha zu fahren, damit ich nicht meine ganze Aggression auf der Strasse lasse. Ich war selbst ueber mich erstaunt, wie sachlich ich dem Manager des Fed Ex Office meine Verbesserungsvorschlaege zur schnelleren Bearbeitung der Visa und zur besseren Weitergabe von Informationen, von richtigen Informationen, vermittelte. Letztlich verstand ich jedoch, das in erster Linie, tatsaechlich die indische High Komission in Islamabad fuer die Verzoegerung verantwortlich ist. O.K.

Anstatt des von mir beantragten 6 Monate Visa mit mehrfacher Einreise, bekam ich ein 3 Monate Visa mit doppelter Einreise, weiss der Henker warum. Die High Komission in Islamabad macht vor allem durch ihrer besonders unfreundliche Art und ihre absurde Art der Visaerteilung von sich reden. But, I give a Shit...

"Was anders wird, wo hin es fuehrt, wieviel es bedeutet was hier passiert, wie lange es dauert bis die Milch sauer ist, wie viel man behaelt und wieviel man vergisst"

                                                                                                            (Kettcar)

Sicherlich kitzeln meine Waden ein wenig, wenn ich an die Weiterfahrt denke. Mein Fahrrad guckt mich schon ganz boese an wenn ich auf dem Rooftop des Regal Inn an ihm vorbeischlurfe. Es will endlich wieder richtig getreten werden. Fuer mich waren jedoch diese dreieinhalb Wochen hier im Regal Inn jede Sekunde wert. Im warsten Sinne des Wortes "Unbeschreiblich".

Malik beschreibt seine Aufgabe als "Kinobesuch ohne eine Eintrittskarte zu bezahlen" und das ist exakt das was es ist. Keinen Tag an dem das Guesthouse nicht gut voll, total voll oder ueber voll gepackt war mit Travellern. Ich genoss ruhige Montage, an dem es immer chillig zu ging, und vollgepackte Sufidonnerstage an denen die komplette Dachterasse zusaetzlich mit Schlafplaetzen belegt wurde und Malik zudem noch weitere Traveller mit nach Hause nahm. Ich selber hatte im Regal Inn fuenf verschiedene Schlafplaetze und hab mich mittlerweile bis in den Womens Dorm durchgearbeitet (hihi). Ich habe Maliks Garden besucht und habe dort zwei Tage meinem angeschlagenen Hals eine Pause von der massiven Luftverschmutzung in Lahore gegoennt. Gute Zeit, sehr gute Zeit.

Doch der eigentliche Clou am "Kinobesuch ohne Eintritt" waren die Menschen die aus- und eingingen. Manchmal wie auf einer Ferienfreizeit, machmal wie im Ameisenhaufen. Machmal Festivalstimmung, am morgen danach meistens Katerstimmung. Machmal zuviele Optionen, manchmal nichts zutun. Vor ein paar Tagen gipfelte das Ganze hier in ein "real Punjabi Movie including everything" wie Akki es treffend beschrieb. Liebe, VIP, Traenen, naechtliches Verschwinden, Luegen, Gewalt und letztlich ein deutscher Sozialpaedagoge der zufaellig mitten hinein stolpert und kurzerhand zum Ringrichter ernannt wird. In Plaetzen wie diesen sammelt sich die komplette Travelcommunity. Alle Charaktere sind vertreten. Welche die rein und wieder raus huepfen. Welche die kurze Zeit bleiben und welche die laengere Zeit bleiben. Einige wenige die sehr lange, d.h. ein paar Monate oder ein halbes Jahr bleiben.

Traveller sind durchaus nicht immer weltoffene, nette und liberale Menschen. Auch unter Travellern gibt es durchaus absolute Arschloescher, verwoehnte Goeren und Dumpfbacken.

Eine belgische Dame die zwei Monate im Norden irgendeine Communitywork gemacht hatte und einen teuren LapTop mitschleppte, sass geschlagene 2 Stunden in der Rezeption des Regal Inn und wusste nicht was sie wollte. Sie fuehlte sich nicht sicher und klagte und pienste rum und wusste nicht ob sie einchecken sollte. Malik bot ihr den Store und Schliesfaecher an, doch das war nicht gut genug fuer ihre "ach so wichtige" Arbeit. Schlieslich bot ihr Malik sogar den kostenlosen Stay in seinem Privathaus an. Das wollte sie jedoch auch nicht. Malik fragte sie ob sie ihm nicht vertraue und sie antwortete "I trust you, but I don't trust the other travellers." Warum sitzt man dann 2 Stunden lang da, in einem Buget Guesthouse, und jault und heult ? Dumpfbacke. Es gibt Traveller die es fuer noetig halten, sich am T Shirt der Bediensteten die Haende abzuwischen, weil kein Handtuch in der Kueche zu finden ist. Arschloch. Es gibt Travellerinnen die ein sauberes Glas nicht fuer sauber befinden und es durch die Staff ein zweites Mal spuelen lassen, obwohl hier jeder seinen Scheiss selbst spuelt. Verwoehnte Goere.

Anders Leben. Andere Beispiele:

Suedkoreanische Travellhaeschen brauchen eine Stunde bis ihr Make up richtig sitzt und dann nur einen halben Tag um ganz Lahore zu besichtigen. Dannach reisen sie wieder ab.

Japaner bleiben etwas laenger. Sind meistens sehr gut vorbereitet, gut informiert und haben manchmal lustige Angewohnheiten. Izumis Hobby z.B. war leidenschaftliches Ruelpsen und Furzen. Weniger zur Abschreckung, mehr ein wirkliches Hobby doch selbstverstaendlich etwas befremdlich. Andere Japaner spielten Digeridoo oder afrikanische Percussion. Takanori ist Buddhist und sass tatsaechlich wie der kleine Buddha in der Kifferecke tagaus, tagein. Fuer Tage verlies er nicht seinen Platz, hoechstens um zur Toilette zu gehen.

Keith, the Diva of Regal Inn, ist stockenschwul und lebt seit 6 Monaten in einem fensterlosen Raum und unterrichtet an der Lahore Uni Englisch und Musik. Abends singt er zu schrecklicher, tuerkischer Pop Musik oder huepft in einer langen Robe durch die Raueme. Manchmal tut er auch beides gleichzeitig. Maju naeh !

Jungs aus Australien, Neuseeland oder Europa sitzen vor dem Fernseher auf dem Rooftop und versuchen sich in coolen, kurzen Saetzen mit Stories zu uebertreffen.

Jemand broetschelt in der ungefaehr 2qm grossen Kueche irgendein Nudelfertiggericht oder Tee. Gleich daneben donnert die metallende Tuer zur Toilette, wenn sich einer der Reisekranken geraeuschvoll auf die Toilette begibt.

Cycelists reparieren derweil ihre Bikes unter der gerade gewaschenen und aufgehangenen Waesche im hinteren Teil des Rooftops.

Und gleichzeitig passieren ca. 7934 Dinge (oder waren es 7935) mehr.

Sitzen lernen faellt in Maliks Place nicht schwer. Doch wenn man zu lang bleibt, vergisst man aus Versehn das aufstehn.

"Road trippin' with my two favorite allies - Fully loaded we got snacks and supplies - It's time to leave this town - It's time to steal away - Let's go get lost - Anywhere in... India, Nepal"           

                                                                           (Red Hot Chili Peppers)

 

EVEREST ICK KOMME !!!!!