Sonne, Mond und Sternchen

31.07.2006 um 21:11 Uhr

Schon wieder Milch

Milch, Milch, immer wieder Milch, langsam wird es unheimlich.

Reichlich heiße Milch ins Glas, Schüppchen Kaffee rein.
Latte Macchiato fertig, trink ich täglich 3 - 5 Dinger von, sollte ich sowieso nicht, bei Weight Watchers hat das Zeug 2 Punkte, und die ganzen Milchtüten, die ich dann weg räumen muss und das Gebräu ist auch bestimmt nicht gut fürs Baby und die Milchbildung, kicher, aber dass - schwupps - auch noch mein Handy da hinein verschwindet, find ich jetzt echt grausam!
Einfach so, kleines Handgemenge vorausgegangen so ein oje-oje-gleichfälltsmirausderHand-Handgemenge und dann sehe ich es mit der Vorderseite eintauchen und das Handy-Heck gleitet hinterher, aus meinem Sichtfeld raus, hinein in die 1,5% fetthaltige Flüssigkeit, ein leises Gluckern gab es noch von sich und dann Stille. Kein Ton mehr. Wie auch, aus dem heißen Milchkaffee heraus, natürlich greif ich noch nach und verbrenn mir die Hand, ein Handyton-ähnliches Piepsen entringt sich noch meiner Kehle und dann ein lautes Scheiiiiiiiiiße und dann die Milch ausgeschüttet, das Handy mit dem Bade, schon wieder kicher, und jetzt tummeln sich kleine Milchbläschen im Display, sonst aber gar nix mehr.

Irgendwie lebensuntüchtig, oder?

Kicher...

30.07.2006 um 22:42 Uhr

Scheiß auf Pinzetten

Die Flammeneinstellung beim Feuerzeug.

Man kann sich die Nasenhaarentfernung richtig leicht machen.

Nichts für empfindliche Nasenhaarherbergen, denn verbranntes Nasenhaar riecht ungut.

Wollt ich nur mal loswerden.


30.07.2006 um 15:14 Uhr

Kriegslist gegen Körbchengröße A

Mindestens 120 € hab ich schon verschleudert und warum? Weil ich bei Kaufhof oder Karstadt oder Tchibo etc.  keinen pupsigen BH in meiner Größe bekomme. Und wieso dann Geld verschleudert?
Weil, wer in Wäscheabteilungen nix kriegt, der muss Katalogbestellungen machen, denn da (so die Suggestion) gibt es welche in allen Größen mit Push- und Quetscheffekt von unten seitlich mittig, alles,was das Herz oder das darüberliegende Fett- und Drüsengebebe (tschuldigung, der war echt freudsch, GeWebe soll das heißen, also in diesem Fall GewebCHEN) begehrt und Polster-/Plustereffekt in allen erwünschten Größen (manche von denen hab ich und zieh sie nie an, weil sie das so lächerlich groß vergrößern, wo doch im Grunde jeder weiß, dass ich nur so'n kleinen habe, oder sind Männer so blöd und raffen das nich, dass man mal mit Spitzhügelchen und mal mit großräumig rundem ausgewachsenen Bergen rum läuft, ich glaub fast schon, ändert aber nichts an der Albernkeit) ja und Träger gibts über kreuz und über quer und ganz normal und und im Nacken zu, Näckhooouuullder und dünne und durchsichtige und  ohne auch und abnehmbare und  alle Stoffe natürlich, krauselig, spitzig, löchrig, seidig, halbseidig, baumwollig, durchsichtig, blickdichtig und Farben von mauve bis ocker-umbra, uni und bunte Blümchen und Pünktchen und Rüschen und Schmetterlingchen und Käferchen und abstrakte Figürchen und Dra-chen und: oh Mannigfaltigkeit der Stile: der Fickmichstil genauso wie der Rührmichnichtanichbinanständigstil und der Mädchenstil und Schonwasälteraberpflegtsichnochstil, daneben der Binschonwasälterundhaltwasaufmichstil und der Dickabertrotzdemsexystil und für alles gibts Models in allen Gewichtsklassen und Haut- und Haarfarben und -längen.

AAAAABER: Alle haben einen großen Busen.

Werbung für Pushups wird stets von einer Dame ausgefüllt, die sich ihre Melonen damit sozusagen unters Kinn schnallt.
Neid.
Unter diesen Pushupangeboten ist stets die Größe 80 A aufgeführt, eine Größe, die es so selten gibt, da die Industrie offensichtlich davon ausgeht, wer kleine hat, der is auch klein und deshalb gibt es die Größe A immer nur in 70 allenfalls 75. Breites Kreuz und kleiner Busen, gibt es nicht, ist unschön und nicht wohlgeformt.
Ja.
Hab ich aber nun mal.
So. Aber in den Katalogen direkt unter dem Unterwäschemodel mit den wenn nicht Wasser- so doch Honigmelonen unter dem Kinn, jedenfalls eben keine Aprikosen oder Zitronen, da steht sie, meine Größe und das freut mich jedes mal ungemein. Hoffnungsvoll und schon heimlich frohlockend bestell ich mir die Dinger, jedesmal ne ganze Menge und freuen tu ich mich drauf, immer wieder, ein Dekolleté zu zaubern, so ne kleine Hügellandschaft unter dem Schlüsselbein, das wärs und da ich ja Versandkosten sparen will, bestell ich noch ne Menge andres Zeugs mit, kann ja nich schaden, kann man ja im Notfall wieder zurück schicken.
Enttäuschung, ach und oh, mein wehes Herz und das Gewebe darüber, wann werden wir ein passendes Zuhause für euch finden. Ist die Welt denn in der Tat, in Echt, ungelogen so grausam?
Ohne Halter darf man sich ja kaum noch aus dem Haus trauen, aber mit unpassenden Schalen vorm Gewebe gehts halt auch nicht, also bestell ich bestell ich bestell ich und bestell ich und schickzurück und schickzurück, im Kiosk, wo man das Zeug abgeben muss, grinsen sie schon feist über mich, "hab hier mal wieder ne Rücksendung. So. Quittung. Danke, dann nehm ich noch n Päcken Pall Mall, Danke, Tschühüs" verdammt nochmal schon wieder Zusatzkosten, Kaugummis kauf ich dann auch noch und das kostetkostetkostet!!!!! Die Versandkosten (7€) und all die Zusatzbestellungen, die cih dann in den Scharank tue, um (du große Güte, wie absurd) Versandkosten zu sparen,  das muss man sich mal reinziehen, und die Kaugummis und die Zigaretten und die Wege, die jedesmal ein wenig mehr sterbende Hoffnung, die Tränen, die Pein, die Scham, der keimende Gedanke an einen Kredit und einen braungebrannten Chirurgen, der da vielleicht...

"Ooooooch."

Meine Lieblingsfreundin Imke (Imke is schon so ein Name, Vorsicht meine Damen und Herren) kneift mir wohl überlegt überlegen in die Wange, was ich hasse und ihr nie sage.
"Die 120 € Versandkosten könntest du doch viel besser investüüüühhhren", flötet sie. "Für 120 € bekommst du doch in einem ganz ausgezeichneten Wäschesalong einen ganz ausgezeichneten Büüüühstenhalter, eventuöll sogar handgewöööbt" Diese Angewohnheit, die Vokale zu dehnen macht mich fertig, Imke macht mich sowieso fertig, ich weiß nur noch nicht, ob sie das mit Absicht tut, fertig macht mich auch der geflötete Inhalt, denn da bin ich auch schon von selber drauf gekommen und das war so:
Ich ging ins Wäschegeschäft rein, n richtig schickes, teures, mir war alles egal, und dann sagte ich meine Größe und sah die Verkäuferin die Nase rümpfen, na, sagte sie, viele Modelle haben wir da nicht, aber sie gab mir immerhin erstmal drei vier davon, aber ich gab sie ihr über den handgewööööbten Vorhang der Umkleidekabine zurück, denn sie sind zu groß, und sie flötete ähnlich wie Imke, ooooch, das kann doch nicht sööin, schwitzend drehte und wand ich mich auf zwei metern zum quadrat und bat flehentlich um nachschub und da reißt die alte schnepfe doch glatt den Vorhang zurück und sagt, also das muss ich mir jetzt mal ansööhen das kann ich ja gar nicht glauuuben, und was dann passiert is, will ich eigentlich gar nicht aufschreiben, aber ich tus doch, ich steh also mit dem Rücken zu ihr und mein blankes Gebebe (irgendwie ja doch, wenn ich GANZ DOLL hüpfe, ganz ehrlich, kein Qatsch jetzt, dann bewegt sich was) spiegelt sich von gar unvorteilhaftem Lichte beleuchtet, und ich steh in dem Fall völlig erstarrt und unbeweglich da und schau der Verkäuferin über den Spiegel ins Gesicht und die schaut mir auf meine unbeweglichen bloßgelegten Hügelchen und dann macht sie was, was wie ich finde völlig ungehörig ist für Wäschesalongfachverkäuferinnen und es ist ja, menschenskinder, das fiel mir nur erst später ein, ohnehin ungehörig einfach den Vorhang zurückzuziehen, diese alte Schlange, deren Augen sich nämlich in diesem ungehörigen Moment weiteten und deren Lippen anfingen zu zittern und unschön auseinanderzuklappen und um dies zu kaschieren, riss sie die Hände vor den Mund, atmete tief ein (hhhhiihhh) und rief: "Ojööh!!! Da is ja nix. Da is ja wirklich nix!"
"Naja", murmel ich, "das stimmt so nicht" und zum Beweis zeige ich ihr, dass ich beide Hände brauch, um sie zu bedecken, die beiden, immerhin sind sie zählbar, und diese Trine beeilt sich zu sagen, dass es so schlimm nun auch wieder nicht sei und dass man so von meiner Statur einfach nicht drauf käme und ich höre sie noch sagen, so blöööiiben Sie dooch, da kann man doch was tuuuuhn, ich hätt hier noch ein schönes Exömplaaar in ocker-uuumbraaa, und überhaupt lassen Sie sich doch nicht entmuuuutigön, aber das dringt nur noch gedämpft zu mir, denn da steh ich schon mit Sack und Pack und zugehaltenen Ohren an der Tür und sehe noch dass ich mein T-shirt verkehrtrum anhab, aber alles egal jetzt, ich habe einen Plan , einen ausgebufften, Recht hat sie nämlich die Wäschesalongfachverkäuferin, man kann doch was tuuuuhn, GENAU, ich lass mich nicht entmuuuutigön, die Milch machts, Milch hüülllft, und dann Scheiß auf Tetrapacks, weg mit den Tüten, Freiheit für die Gummibärchen und alles andere eingesperrte Getummel, Tütten her!, äh, Titten mein ich, was ist eigentlich so schlimm an dem Wort?, haha, es löst alle Probleme auf einmal, Busen volllaufen lassen durch die richtigen Hormone, geleert durch so ein süßes knautschiges, grunzendes und schmatzendes Schnäuzelchen und dann füllen die sich von alleine wieder und schwellen an auf 80 C bis D und das mach ich dann einfach, bis der Nachwuchs in die Schule kommt und dann immer wieder nachlegen bis zum Klimakterium!

Die Welt MUSS bevölkert werden.

Aus welchen Gründen auch immer.


23.07.2006 um 13:27 Uhr

Milchtüten gucken eben doch

Ich mach mich also auf zur Milchtüte, in der is aber noch ein kleiner Rest und den gieß ich dann in den danebenstehende Joghurtbecher, den ich daraufhin umrühre und sorgfältig verschließe mit Alu und der soll in den Kühlschrank, aber auf dem Weg dorthin seh ich auf dem Küchentisch einen Kindersonnenhut, den ich sogleich ins Kinderzimmer zur Garderobe bringe, wo ich feststelle, dass ich immer noch den Joghurtbecher in der Hand halte. also aufauf zurück zur Küche, nicht aber ohne den Zwieback vom Kinderzimmerboden abzukratzen.
Diesen locker in der hohlen Hand schwingend, gerate ich im Flur an einen kleinen rosa Plastikbecher mit abgestandenen Trinkwasser, der sich sogleich zum Joghurt und dem aufgeweichten Zwiebackstück gesellt. Jetzt wirds schwierig, denn der Joghurt muss in den Kühlschrank, Zwieback in den Mülleimer, Becher in die Spüle, apropos Spüle, ich könnte spülen, aber da sind noch die Klamotten auf den Küchenstühlen, die ins Schlafzimmer müssen, und da stellt sich doch gleich die Frage, wie viele Klamotten sich noch in der Wohnung tummeln, also auf ins Wohnzimmer und T-shirts, Unterhosen und Socken eingesammelt.
Ich bin überfordert.
Ein Teil dieser Sachen muss in die Wäsche, ein Teil in die Kommode, ein Teil in den Schrank, wobei einige Sachen aufgehängt, einige in die Fächer geräumt werden müssen. Ok. Erstmal alles fallen gelassen und nachgedacht.
Was wollt ich nochmal?
Ich schau mich um. Über der Tür hängt ein Bademantel, der ins Badezimmer muss. Ein guter Kellner geht nie leer, denk ich, was muss noch ins Badezimmer?
Dabei fällt mir ein, dass in der Küche noch die Einkäufe vom dm stehen.
Head & shoulders und Glanzspülung von Balea.
Irgendwo muss doch diese Tüte sein.
Mit dem blauschwarzweißgestreiften Bademantel meines Ehemannes auf der Schulter krieche ich auf dem Boden rum und durchstöbere den Taschenberg. Oh, eine olle Bananenschale, die muss jetzt aber wirklich erstmal in den Müll. Mülleimer auf, Fliegen beiseite schubsen und Bananenschale rein.
Was wollt ich?
Badezimmer.
Dort seh ich lauter leere Tuben und Flaschen. Den Bademantel geschultert kletter ich erstmal in die Badewanne, um die Duschmittel zu sortieren, was macht den jetzt in dreigottesnamen der Kugelschreiber da? Gerettet auf die Kommode im Flur. Zurück zum Badezimmer mit (warum auch immer) dem Wäscheeimer in der Hand.
Wieso habe ich jetzt den Wäscheeimer vom Flur ins Bad geschleppt, kann mir das mal einer sagen? Liegt jetzt aber wirklich nahe - eine Wäsche muss gemacht werden, nur dass eben die Waschmaschine in der Küche steht. Aufauf dorthin, huch der Bademantel immer noch auf meiner Schulter, der könnte auch mal gewaschen werden. Dann aber nochmal ins Kinderzimmer, gucken, was da so rumliegt. Zwischen dem verstreuten Spielzeug die Unterhosen rausgefischt, Mann bin ich schnell, Mann bin ich effektiv, das macht mir keiner nach so schnell, so effektiv, ich bin die Geilste, die ALLERgeilste, ich bin der Sauberpfeil, der durch die Wohnung wirbelt, ich werde ein Heilsbringer sein, einen Sauberzauber veranstalte ich, mit links die Spielzeuge in die richtigen Kisten, mit rechts die Verkleidungstücher aufgehoben, unters Kinn geklemmt die schmutzigen Unterhosen und PADAUTZ, hat mein Lauf, mein Run ein Ende, denn da liegt der kleine Liebesbrief, den ich der Süßen mal gemalt habe. Ooooaahr, wie schön, es sich im Schneidersitz zwischen den Trümmern gemütlich machen und in den Bildern stöbern. Pause muss sein.
Was wollt ich?
Irgendwas war mit der küche, also dortin, da fällt mir die dm-Tüte ein und warum liegt denn der Bademantel aufm Tisch? Wer macht hier eigentlich immer diese Unordnung, ich fasses nicht. Wo ist jetzt diese verwichste dm-tüte, die muss doch scheiße nochmal hier irgendwo sein.
Jetzt hektisch alle Regale ausgekramt, die müssen  längst mal sortiert werden, Plastiktüten, PLastiktüten, Plastiktüten, Teelichter, Grußkarten, kleine Figürchen aus dem Überraschungsei, die kann man eigentlich auch mal wegschmeißen, nee bring ich nich, kleine Schüssel, da kommen die jetzt aber mal alle rein, oh - keine Schüssel da, ja spülen könnte man auch mal, jajajaJAAAHDOCH!!!!, scheiße, Figürchen auf den tisch, die tu ich jetzt einfach erstmal in die Bademanteltasche.
Aaah, die Wäsche. Jetzt aber: Wäsche rein Waschpulver rein Weichspüler rein Gradzahl eingestellt, jetzt nur noch Wasser anstellen, neben dem Hahn steht der Mülleimer, boaah, die Scheißfliegen, jetzt kommt aber erstmal der Müll runter, Tüte raus, es tropft und stinkt, aufwischen, ich werd wahnsinnig, die Grußkarten vollgetropft, ich versetz der Mülltüte einen zurückhaltenden Tritt und ziehe einen Flunsch, was extreme Auswirkungen hat, kleine Ursache - große Wirkung hat meine Mutter immer gesagt, beleidigt legt sich nun die Mülltüte auf die Seite und lässt Dampf und Kartoffelschalen ab, das find ich nich gut, also tret ich sie nochmal, so richtig feste, das dankt sie mir mit feuchter Asche, die mir gemischt mit alter Salatsoße und Fischresten ins Gesicht spritzt, keine Fairness jetz mehr, schnell nochmal nachgetreten. Durch gezielte Tritte bring ich die Tüte zum explodieren, auch die Waschmaschine bleibt nicht verschont, die Regale werden mit ausgebreiteten Armen leer gefegt, jaaaah, kommt zu Mama, ich zeigs euch allen, der Tritt gegen die Spüle hebt die Tür aus den Angeln, der Tisch stüzt um, den Bademantel zieh ich dreimal durch die Müllsoße, bevor ich ihn vom Balkon schmeiße und dort steht ein Teller mit von Schmeißfliegen umsummten Kirschkernen, ich dacht die fressen nur SCHEISSE, diese bepissten Kackfliegen und dann heb ich ihn hoch den Teller, ein Urschrei bildet sich in meiner Kehle, meine Lippen öffnen sich, mein Zunge ist in  AAAAAH-Position. ich hebe den Teller höher und höher und HÖHER UND

...

Neeneenee.
Scherben bringen Glück, das will ich ja jetzt auch nicht.

Mh.

Ich atme wieder.

Der Küche den Rücken gekehrt wird erstmal geraucht. Dann noch eine.

Gleich kommt der Mann und will wissen, wie mein Tag war.

Äh.

Ich schau mich um. Hinter mir liegt die Küche in Trümmern.

"Das Bild hängt schief."

Kicher.

Jäher Kicherabbruch.

Denn ich weiß, dass ich beobachtet werde. Da steht sie, nein sie thront, die  beschissene, bepisste, verwichste und verflixte und auch (jetzt kommts) VERFICKTE Milchtüte.

Und grinst.

Jetzt bist du dran, denk ich und schleich mich mit Furcht einflößenden Gesicht an sie ran. Du Mistvieh von Milchtüte, jetzt gehts dir an den Kragen, du Biest, ich hau dich jetzt weg, du kommst in den ....

...

Mülleimer wollt ich sagen,

Verständnis heischendes Zwinkern von der Milchtütenfront. Der Dampf der immer noch stinkenbeleidigten Mülltüte steigt mir in die Nase.

Ich zwinker zurück,
Hilflos zunächst, aber es is wie bei Kindern, is die Wut einmal weg, nehmen sie einen nicht mehr ernst.

Und dann kichern wir gemeinsam,
die Milchtüte und ich.

Der Schlüssel dreht sich in der Eingangstür.

"Ich bins Schatz, wie war dein Tag?"

"Pst", flüster ich, "das bleibt unser Geheimnis."

Und ich ernte einen letzten trägen, verschwörerischen Blick.

Milchtüten gucken eben doch.

21.07.2006 um 15:33 Uhr

milchtüten gucken nicht

wie kommt eigentlich die halbvolle (aufgemerkt: optimismus!) milchtüte in den kühlschrank?

bzw. die leere in den mülleimer?

naklar ist mir klar, dass da einer aufstehen und die in die hand nehmen und dann zum kühlsschrank gehen und den aufmachen und die reintun und den kühlschrank zu machen muss. jenachdem auch aufstehen, in die hand nehmen, kleinknicken, zum mülleimer gehen, den aufmachen, die reintun, mülleimer zu machen.

das muss man machen, um die milchtüte, sei sie voll, halbvoll, halbleer oder leer, aus den augen zu haben.

theoretisch ist mir das klar

mmh.

menschmensch, so viele handgriffe...

und wozu? dann hat man einen reinen tisch. feinfein, das wollen wir doch haben, meine schwiegermutter hätte da eine menge zu zu sagen, die hat auch einen reinen tisch, aber reinen tisch hat sie in ihrem leben noch nicht gemacht, das weiß sie aber gar nicht, das will sie auch gar nicht wissen. aber zurück zur milchtüte. was könnte man nicht alles machen, wenn die milchtüte erstmal vom tisch wäre. leben, lieben, lachen, ganz befreit. ein buch schreiben oder erstmal ein kleines gedicht? so ganz befreit ein gedicht schreiben, toll.

schon wieder mmh.

man könnte vielleicht auch machen, dass es einem egal ist, dass die milchtüte auf'm tisch steht. aber die guckt so böse... ...mh... könnt mir ja eigentlich auch egal sein. oder?  neenee, böse gucken find ich nicht gut, also weg mit der milchtüte, dann sind alle fröhlich und feiern mit mir ein fest. hipphipphurra. nee, macht ja auch keiner. ist denn ein reiner tisch so wichtig? ich weiß es doch auch nicht, leute, irgendwie bin ich unglücklich, dass da die milchtüte steht, aber irgendwie kann ich sie auch nicht weg räumen. irgendwie geht das nicht. das macht mich unglücklich. es macht mich unglücklich, dass ich sie nicht weg räumen kann, nicht also, dass sie da steht. dass is ja ein völlig neuer gedanke. das setzt voraus, dass ich sie weg räumen WILL, tja, dann sollt ich das einfach mal machen, handgriffe siehe oben, kann doch jetzt wirklich nich so ein akt sein.
aber die guckt doch so böse.
wer guckt jetzt böse, die milchtüte? milchtüten gucken nicht, das tun sie einfach nicht, milchtüten tun auch einfach nix, ansatzweise vielleicht noch die milch darin, die kann was machen, schimmeln oder so, aber eine milchtüte guckt einfach nicht böse, das geht nicht.

wer guckt denn dann böse? beguck ich mich selbst? oje ich ahn es schon, ich räum sie weg und dann sag ich zu mir selbst: NA SUPER! GANZ GROSSE LEISTUNG! EINE GLANZVORSTELLUNG! MADAME HABEN DIE MILCHTÜTE WEGGERÄUMT UND ZU MEHR SIND WIR NICHT IN DER LAGE?

drehdichdrehdichdrehdichnichtumderplumpsackgehtum.

wer sitzt hinter mir, wer redet mir ein, dass ich ein bösesbösesböses mädchen bin, wenn diese bepisste (jetzt aber unflätig!) milchtüte nicht wegkommt?
fein, das hört sich nach protest an, protest ist gut, das mach ich weiter, einfach weiter unglücklich mit der aufdemtischstehenden milchtüte, das ist protest, der REINE protest, das ist wahres rebellentum, vive la révolution.

machen revolutionen unglücklich? vielleicht isses auch einfach mal vorbei mit rebellieren? vielleicht mal den blöde müll in den blöden mülleimer, die blöden-öden arbeiten tun und dann ein gedicht?

ich glaub das mach ich.

makuckenwiesiekuckt


...

19.07.2006 um 22:32 Uhr

schöne dinge tun

es hilft.

es hilft, hilft, hilft, schöne dinge zu tun.

gut ist natürlich, wenn man das muss.

und das muss man z.b., wenn man konzertkarten hat oder ein kleines kind und 40° hitze da draußen oder einen termin im neuen kindergarten, und wenn dann das konzert so geil ist, dass man weinen möchte vor lauter ergriffenheit, und das fräulein tochter einfach mal so ganz cool ohne schwimmflügelchen ins wasser springt und mit "naja, die tür is schon mal offen..."  in den ihr völlig unbekannten kindergarten hineinspaziert, ja dann, was kann  man da anderes machen, als mal alles andere beiseite schieben udn (uppsi, da wars schon wieder) der prallen sonne, dem ganzen prallen leben das tor sperrangelweit zu öffnen und mal so RICHTIG durchzuatmen.

für alle sonstigen ärgernisse hat sich die wundervolle wortform "pupsnasen" als angemessenes ventil erwiesen.

perfekt.

pipikakaarschundzwirn nochmal perfekt!

13.07.2006 um 15:08 Uhr

lass die sonne rein

oh mann wie schwer die sonne reinzulassen, aber ich kämpfe um jeden strahl.

heute flugzeug fliegen mit einem blonden engel, füße am baum, in den himmel geschaut, die blätter sahen 'lustig' aus und der baum hat "Kaka" auf uns drauf gemacht, das fanden wir eklig und saulustig zugleich und so blank geputzte augen hat die welt noch nie gesehen und babyenten sieht ein dreijähriger mensch irgendwann auch zum ersten mal und zum ersten mal bootfahren und mit einem riesensonnenhut aufs wasser lächeln und immer wieder rufen: hach is das schön.

wer kann dazu schon nein sagen...

10.07.2006 um 11:13 Uhr

noch eins


Nennt ihr das Seele, was so zage zirpt
in euch? Was, wie der Klang der Narrenschellen,
um Beifall bettelt und um Würde wirbt,
und endlich arm ein armes Sterben stirbt
im Weihrauchabend gotischer Kapellen, -
nennt ihr das Seele?

Schau ich die blaue Nacht, vom Mai verschneit,
in der die Welten weite Wege reisen,
mir ist: ich trage ein Stück Ewigkeit
in meiner Brust. Das rüttelt und das schreit
und will hinauf und will mit ihnen kreisen ...
Und das ist Seele.

Rainer Maria Rilke


08.07.2006 um 22:43 Uhr

inspiriert

Musik: dieses voran-voran-wm-fußball-knaller-lied von gröni

da hat mich doch glatt ein anderer blog dazu animiert, hier eins der wichtigsten gedichte meines lebens hinzupinnen.

mir hats sehr geholfen seinerzeit, vielleicht machts bei dem ein oder anderen da draußen auch 'klick':

Nur zwei Dinge

Durch so viele Formen geschritten,
durch Ich und Wir und Du,
doch alles blieb erlitten
durch die ewige Frage: wozu?

Das ist eine Kinderfrage.
Dir wurde erst spät bewußt,
es gibt nur eines: ertrage
- ob Sinn, ob Sucht, ob Sage-
dein fernbestimmtes: Du mußt.

Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
was alles erblühte, verblich,
es gibt nur zwei Dinge: die Leere
und das gezeichnete Ich.

Gottfried Benn

 

ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es lebensrettend war.

danke gottfried.

07.07.2006 um 00:53 Uhr

aber auch nur eine ahnung

menschenskinder, kann jemand was gegen die leere machen? gegen dieses nichts? gegen diese gummiwand um meinen kopf, um mein herz, um meine brust. sie hindert am atmen, sie erdrückt, sie begräbt alles, und das ist alles, was sie macht. sonst eben nichts.
und wieder nur dieses krächzen, das gurgelnde geräusch,
stille aus meinem mund.

alles ist besser zu ertragen als das nichts.
das alles ist besser zu ertragen als das nichts.
alles ist besser zu ertragen als nichts.
nichts gegen alles.
könnte ich mich doch einmal für alles entscheiden.
schmerzen, pein, leid, ekel, scham, wehes herz.

oh grausame leere - du gefrierst das pendel, stockst meinen atem, bremst mein blut, verhinderst mein werden, hältst an mein leben, mein leben lang.

06.07.2006 um 11:48 Uhr

eine ahnung

auf die frage, ob das leben zu mir ungerecht gewesen ist, möchte ich mit nein antworten.
phrasendrescherphrase numero eins: jeder hat sein päcklein zu tragen.
so leicht die anderen zu sein scheinen, für den träger sind sie immer die schwersten.

schattenseiten und sonnenseiten, dunklere grautöne und hellere, schwarz und weiß, yin und yang, alles hat sein gegenteil. und bedenkt, bedenkt doch nur das spektrum, das aus so tiefem, aus so unermeßlich großem außmaß an leid erwachsen kann.
berauschende freude an so vielen kleinen dingen, die für andere selbstverständlich sind. jauchzendes glück, in strahlend schöne sorgenfreie kinderaugen zu blicken, zu wissen, dass diese mir anvertraute seele behütet groß wird, dass die sonne nicht nur für die anderen scheint, dass es vorbei ist, dass nun nichts mehr passieren kann.
ich hab es in der hand. wir haben es in der hand!
nicht anpassen an das spektrum anderer, das fühlt sich nicht richtig an, gefangenschaft meiner seele in der vorgegebenen matrix der gesellschaft. vergesst es, ich habe die rote pille geschluckt und haltet mich für verrückt, haltet mich für merkwürdig, aber das leid ist ein teil von mir und ich habe eine ahnung, wie groß mein glück sein kann.


01.07.2006 um 16:49 Uhr

Kreis

Den Kreis durchbrechen, einfach mal raustreten:
 
Sonneglitzern,
Blätterflüstern,
Sommerfühlen,
Seelekühlen,
Flöckchenfliegen,
Wasserschmiegen,
Flügelrauschen,
Zwitscherlauschen,
Haarewehen,
Zappelzehen,
Glockenlachen,
Herzerwachen.
 
Unterm Himmel -
blau und glatt,
hat nicht laut,
ganz leis, ganz matt,
sanft und sacht,
mein Mut gelacht.

Und ich?

Hab mitgemacht!