Pippi wird Sachensucher
Das war mein Lieblingskapitel damals, wo Pippi mit Annika und Thomas aufbricht und Sachen sucht und in ihrer grenzenlosen Güte eine Korallenkette und ein Notizbuch für die beiden versteckt. Meine Lieblingsstelle war, als sie eine alte Garnrolle findet und zum Besten gibt, was man damit alles machen kann und dass man die Dinge nicht hoch genug schätzen kann, die so auf der Straße liegen.
Das ist natürlich mit dem Koffer Gold auf dem Schrank eine hehre Einstellung, aber die hatte Pippi sowieso. Zu gut um wahr zu sein, das Mädel.
Die beste Freundin meiner Tochter sagt immer, sie sei Pippi und macht aus meiner Maus immer die doofe Annika. Will man Annika sein? Will man das wirklich? Man will doch Pippi sein, souverän stark klug und witzig. Man möchte genauso gut damit klar kommen, dass Mama ein Engel und Papa ein Negerkönig ist oder Schlimmeres und man möchte selbständig sein, niemanden brauchen und man möchte nur selten weinen und dann ist es auch ein unglaublich Herz zerreißender Anblick, denn es ist eine absolute Ausnahme und man kann die Tränen schlucken und andere trösten, so ist sie unsere Pippi, nee, neeneenee, Annika, pff, wer will schon Annika sein?
Aber immerhin bin ich Sachensucher.
Ich suche Sachen.
Immerzu.
Ich kann gerade nicht aus der Wohnung, weil ich meinen Schlüssel nicht finde. Mein Handy war drei Tage nicht mehr funktionstüchtig, weil ich das Aufladekabel nicht mehr gefunden habe. Und als ich das Aufladekabel (heißt das eigentlich so?) gefunden hatte, war mein Handy weg und den wichtigen Brief von der Handyfirma finde ich sowieso nicht mehr, aber suchen tu ich ihn ja doch und das kostet Stunden um Stunden. Und Nerven. Meine Herren, neulich habe ich zwei Stunden, geschlagene zwei Stunden meine braune Ledertasche gesucht, glaubt mir, die ist groß, wirklich kaum übersehbar und ich hatte es dennoch geschafft, sie unter drei Pullovern und einer Jeans zu verstecken, aber wenn man Sachen sucht, findet man andere Sachen und dann muss ich nur noch die hehre Einstellung von Pippi lernen, dass man dann zwar nicht die gesuchte Handtasche, aber dann doch die leere Garnrolle findet, aus der man bestimmt noch was Großartiges basteln kann.
Bestimmt.
Aber jetzt mal im Ernst, was will ich denn mit einer Garnrolle?
Doch eine Annika, da kann man nix machen.
Aber, Mann, was wünsch ich mir die gute Laune von Pippi.
Scheiß auf Plutimikation, scheiß auf die Einsamkeit.
Ich leg mich jetzt hin, mit den Füßen auf dem Kopfkissen, singe laut und falsch unter meiner Bettdecke und wackel mit den Zehen.
Vielleicht hilft's.
