Sonne, Mond und Sternchen

30.10.2006 um 08:51 Uhr

Exkurs über den appen Arm

Es ist ein seltsam' Ding mit Gefühlen. Wir lesen viel über Gefühle, wir fühlen sie, benennen sie, tauschen uns darüber aus. Gefühle sind wichtig. Sie machen unser Befinden aus. Grobe Einteilung, ganz einfach: gut vs. schlecht.

Gute Gefühle lassen uns gut fühlen, schlechte Gefühle schlecht.

Soweit bin ich schon mal begeistert von der Qualität meiner Hermeneutik, aber weiter:

Schlechte Gefühle haben ein breites Spektrum: Wut, Ärger, Zorn, Leid, Kummer, Sorgen, Angst, Panik, Grauen, Schwermut, Trübsinn, Trauer, Verzweiflung, Misstrauen, Bitterkeit, Hass, Enttäuschung, Verzagtheit, wir fühlen uns niedergeschlagen, entmutigt, müde, hoffnungslos, beschämt, erbärmlich, elend, mutlos, hilflos, verstört, entsetzt, versteinert, kalt, leer, allein, oje, jetzt muss ich aber mal Luft holen, ein ganzes Spektrum, ein ganz schön großes, die Liste ist längst nicht ausgereizt, jetzt aber schnell zu den guten:

Da fallen mir auf Anhieb zwei ein: Liebe und Glück. Ok, ich streng mich an: Freude, Frohsinn, Hoffnung, Lust, Mut (die habe ich aus Lust-, Hoffnungs- und Mutlosigkeit hergeleitet, linguisitisch gesehen isses natürlich andersrum), und jetzt brauch ich schon ein Synonymwörterbuch, wartet mal...

...

Wisst ihr, was der Thesaurus zu Glück ausspuckt?

Heil, Interesse, Lohn, Nutzen, Gewinn, Profit, Vorteil, Füllhorn.

Gute Gefühle?

Ok, wir versuchen es mit Freude: Schon besser, Glücksgefühl, Freudentaumel, -gefühl, -tränen, -feuer, Behagen, Entzücken, Frohsinn (Frohsinn müssen wir abziehen, der war doppelt, der alte Hänschen-Witz), ok, weiter, Spaß, Begeisterung, Beglückung, Befriedigung, Genuss.

Ich lasse mal gelten: Behagen, Entzücken und mit Abstrichen Begeisterung und Befriedigung.

Dann Liebe: Jetzt wird's krude, Huld, Gunst, Gewogenheit, Herzenswärme, Herzlichkeit, Hingebung, Aufopferung, Hinneigung, Schätzung, Innigkeit, Achtung, Verehrung, Anbetung, Vergötterung, Schwärmerei, Neigung.

Davon lass ich gelten: Hingabe und Innigkeit.

Ja, aber jetzt lassen wir mal das übliche Wie-gehts-dir-Telefonat mit einer vertrauten Person an unserem inneren Auge vorüberziehen:

"Hallo?"

"Hallo, hier ist XY."

"Ach, hallo."

Hier ist schon ein wichtiger Punkt, denn die Grobeinteilung können wir an dieser Stelle schon vornehmen.

Was tun wir bei einem leisen, mutlosen, schlecht gelaunten "Hallo."? Wir fragen nach. Was ist denn los, wie gehts dir, alles klar?

Bei einem guten, fröhlichen Hallo wird vielleicht auch noch die Frage des Befindens vorangestellt, aber unser Interesse ist einfach kleiner, man geht dann recht schnell zu seinem Anliegen über. Das ist nix Schlimmes, so funktioniert eben unser Alarmsystem...

Aber dennoch, wir stellen uns einen interessierten Anrufer vor, der sagt: "Hey, du klingst gut. Wie geht es dir?" Und wir sagen: "Ich bin gerade entzückt." oder "Ich fühl mich so behaglich." oder "Mir ist wonniglich zumute." oder "Ich befinde mich in einem Freudentaumel.", wir sagen noch nicht einmal "Ich bin glücklich.", nein, wir sagen, "Gut, und dir?" oder wir sagen,"Gut, weil..." und beschreiben den Grund für unser Wohlbefinden, im Lotto gewonnen, guten Sex gehabt, den Traummann gefunden, beruflich Erfolg, oder einfach gute Laune.

Na gut, vielleicht liegts ja auch an mir, vielleicht kenn ich mich mit der Beschreibung guter Gefühle nicht aus, vielleicht habe ich notorisch Leute kennen gelernt, die das auch nicht können, vielleicht stimmt das hier alles nicht, aber wenn ich mir da oben diese durchaus geläufigen Wörter für schlechtes Befinden anschaue und diejenigen gegenüberstelle, die wir für gutes haben, dann würde ich sagen, dass wir uns wesentlich differenzierter mit unseren Sorgen beschäftigen als mit unserem Glück.

Was das mit dem appen Arm zu tun hat? Das kommt morgen, ganz ehrlich...

Aber vielleicht noch so viel dazu vom lieben Heinrich Heine (Dein Freund, Komma, Helge, Punkt):

 

Lamentationen

Das Glück ist eine leichte Dirne,

Und weilt nicht gern am selben Ort;

Sie streicht das Haar dir von der Stirne

Und küßt dich rasch und flattert fort

 

Frau Unglück hat im Gegenteile

Dich liebefest ans Herz gedrückt;

Sie sagt, sie habe keine Eile,

Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.

 

 

28.10.2006 um 14:18 Uhr

Time is Cash, Time is Money

In grenzenloser Selbstreflexion stelle ich fest, dass ich meine Zeit verschwende. Nur gehen mir inzwischen die Ideen aus, wie ich das am besten mache.

Ich kann nichts am Herd und ich kann, außer tippen und Solitaire (immerhin Spider!!!), auch nichts am Computer, also fallen auch all die Zeitvertreibe wie SimCity, Max Payne, Civilization, FIFA 07, DOOM, Tomb Raider, Gothic und dergleichen weg.

Immer, wenn ich das bei meinem Ehemann sehe, sag ich "Bäh, das is doch Zeitverschwendung.", dabei bin ich nur neidisch, weil ich die dafür erforderliche, virtuose Motorik nicht beherrsche, und natürlich habe auch ich den Drang, meine Zeit zu verschwenden.

Jawohl und dafür hab ich jetzt auch was: Seifenkistenrennen mit der Maus, die mit den Klippklappaugen und dem immer blauen Freund aus besagter Sendung.

Ja, das kann ich, da muss man Erdbeeren einsammeln und Bäumen ausweichen, ich bin begeistert.

Ich fahre mit einer Seifenkiste den Hang runter und das mach ich so geschickt und mit einer so feinen Eleganz und Schnelligkeit, hach, sind die Helden dieser Spiele nicht als Identifikationsfiguren gedacht?

Herrlich, ich bin eine Maus und manchmal fahre ich mit Absicht auf den schlafenden Elefanten, aber das macht ihm nichts aus.

Probiert doch auch mal.

http://www.wdrmaus.de/spielen/mausspiele/

27.10.2006 um 12:11 Uhr

Kinder Küche Kirche

Es ist akut. Es muss jetzt aufgeschrieben werden. Der Nachwelt hinterlassen. Prust. Sorry. Kaspar Kugel Teil III wird verschoben. Aber ich bleibe beim Thema. Muttis im Kindergarten, königlich.

Elternabend, man geht gerade vom organisatorischen zum gemütlichen Teil über (wenn das immer so einfach wäre) und dann beweg ich mich immer von der Raucherecke zum Buffet und wieder zurück. In der Raucherecke wurden ich und die anderen Muttis, obwohl da hauptsächlich Vatis standen, darauf aufmerksam gemacht, dass man "als Mutter nicht rauchen sollte", woraufhin gekontert wurde, dass "wir schließlich auch Frauen" seien. Man ist also auch Frau, soso. "Ja." wurde gelacht, "wenn die Kinder schlafen, sind die Mütter am glücklichsten." "Ja, und ganz Frau..." "Dann."

Haha. Was wurde gelacht. Den bitteren Zug um alle Münder, die Spitzen, die verteilt wurden, mit Blicken, mit Gesten, all diese Gemeinheiten im Raum, was haben wir gelacht.

Jetzt aber schnell zum Buffet, dort stand was Käsekuchen-ähnliches, was aber eine Quiche war.

"Frau Müller, wie haben Sie denn den Boden gemacht?"

"Hefeteig. Dan mach ich aber immer mit Öl."

"Meine Mutter hat ein Rezept, nur mit Bier, Wasser und Mehl."

"Ach."

"Ja, ich muss die nochmal fragen, aber durch die Hefe im Bier, also, das geht wirklich."

"Ach."

"Der Zwiebelkuchen ist auch was ganz Besonderes, sehr lecker, da haben Sie sich aber ins Zeug gelegt..."

"Mh, wir haben ordentlich gewerkelt, für unsere Eltern nur das Beste."

"Schön."

"Aber so ein ordentlicher Zwiebelkuchen ist auch gar nicht so einfach."

"Äh, also ich kann ja gar nichts am Herd."

(Das war ich.)

Schweigen.

"Was?"

"Äh, ich kann nicht kochen und backen. Also - weder/noch. Völlig unbegabt. Da machste nix."

"Was?"

Ich erzählte von einem Versuch, für St. Martin eine Schüttelpizza zuzubereiten, die mir beim Rühren Kaugummifetzenartig um die Ohren geflogen ist und wurde aufgeklärt, dass man Schüttelpizza in der Tat schüttelt und nicht rührt, am besten in einer Tupperdose Marke XY, und schon waren sie in einer Tupperdiskussion.

Tupperdiskussionen, es gibt sie wirklich.

Nicht zu glauben, es wurde sogar die Metaebene erreicht, in der man feststellte, dass es Menschen gibt, die Tupper-Ware zu ernst nehmen.

Zu ernst nehmen?

Offensichtlich kann man das gar nicht ernst genug nehmen.

Es wurde von dem Modell Eleganzia erzählt, für besondere Anlässe.

Es wurde gesagt, dass man es niemals wagen würde, eine Tupperdose egal welchen Inhalts an einem besonderen Anlass auf den Tisch zu stellen.

Da konnte ich mich einbringen: "Also ich bin froh, wenn ich auch nur irgendeine Schüssel da habe und das Zeug aus der Verpackung hole..."

Provokant, ich gebe es zu.

Schweigen.

"Ich habe ja neulich ein Kleid gesehen," wurde das Thema gewechselt, "das war aus grünen Samt und hatte einen großen, mit Spitzen verzierten Matrosenkragen."

Was für ein Satz: "Ich habe ja neulich ein Kleid gesehen, das war aus grünen Samt und hatte einen großen, mit Spitzen verzierten Matrosenkragen."

Wow, das kann nicht ernst gemeint sein, nee, da kann ich jetzt wirklich mal punkten: "Ja," sag ich eifrig, "es soll ja Leute geben", ich lege alle Verachtung in die Betonung von 'Leute', "die ziehen ihren Kindern sowas an."

Da war's vorbei.

Von dem Schock erholen die sich nie.

Ich hab dann schnell 'Tschüs' gesagt und in der Kneipe nebenan noch gemütlich eine geraucht.

Da wusste ja keiner, dass ich Mutti bin.

Und es wär denen auch egal gewesen.

 

 

 

24.10.2006 um 09:00 Uhr

Machtpolitischer Exkurs

Es muss mal raus: Gerd Schröder is ne geile Sau. Ja. Eine geile Sau. Und ja. Das fällt mir Dienstag morgen um neun Uhr ein.  Wegen der Sendung gestern über den Gerd. Da ham'se nochmal das Neuwahl-Ding gezeigt, wie er da stand mit feisten Grinsen, Siegerpose, Daumen hoch, seht her, ich hab den längsten. In der Elefantenrunde alles in Scherben gehauen, der Gerd, die Sau, wie er da saß, trunken vom vermeintlich gewonnenen Spiel, "Ja, wer soll es denn machen, Sie vielleicht Frau Merkel?" Uuuaaaha, mir wird ganz anders, der Gerd, ich sag's Euch, der weiß nichts von Blasenmeridianen, vom Mond, von homöopathischen Dosen gegen Reizhusten, nee, der weiß gar nichts homöopathisches, neenee, der Gerd ist ein Mann, eine Sau, ist der, der Gerd, so gar nicht spirituell, der kennt nur zwei Gesichter: Poker und Winner, und wenn Doris an jenem Abend nicht das gemacht hat, was ich nämlich gemacht hätte, wenn sie nämlich nicht diskutiert hat, dem Gerd mal vorsichtig drauf aufmerksam gemacht hat, dass es nicht klug war und so, also, wenn sie das nicht gemacht hat, dann hatte sie den Sex ihres Lebens.

Vielleicht haben Frauen, die nicht diskutieren, den besseren Sex?

Das wäre unschön, weil ich meinen Mund nicht halten kann.

Aber vielleicht ist es so.

"Wow, Gerd, du warst großartig", sagen, egal, was er macht, und ab in die Höhle.

Keine Dialektik, nichts konstruktives, vielleicht mal 'n Späßchen zwischendurch (Spaß muss sein.) und ansonsten bereit sein für die Höhle...

Nee, ich glaub, das is nix für mich, foppen macht mehr Spaß... 

23.10.2006 um 02:22 Uhr

Kaspar Kugel - Teil II

Und Kaspar Kugel wird immer misstrauischer. Ich glaube, ich bin ihm unheimlich. Er geht mir und meinem Kichern lieber aus dem Weg, versteh ich, respektier ich auch, aber letztens im August gab es eine Besprechung...

Eine "Was-für-Spiele-machen-wir-eigentlich-auf-dem-Sommerfest-Besprechung". Der Elternrat und die Pädagogenfront tagte...

Und ich fiel unangenehm auf. Wie (leider) so oft. Ich sollte da einfach nicht mit diskutiern, sollte ich einfach nicht, bekommt weder mir noch den Anderen.

Die Gruppen im Kindergarten sind farblich eingeteilt und was lag näher, als das Motto der Spiele an den einzelnen Farben festzumachen. So machte zum Beispiel die rote Gruppe einen Geschmacks-Stand mit roten Dingen, und nach einer halben Stunde Diskussion, was es denn für rote Dinge zum Essen und zum Trinken gäbe (Tomate, Kirsche, Johannisbeere, Himbeere, Erdbeere, Rote Beete, Mohrrübe (dieser Vorschlag mündete geradewegs in die Orange-versus-Rot-Debatte, so führt doch eins zum anderen, ts-ts...)), also als sich dieses Thema längst erschöpft hatte, aber immer noch ratlose Gesichter verzweifelt über rotes Essen brüteten, krähte ich fröhlich in die Runde, dass Pepperoni und Genever wenn schon nicht optimal für Kinder, so doch zumindest originell wären, eine Bemerkung, mit der ich mir ausschließlich finstere Blicke einfing, so ist das immer, irgendwie kann ich da nicht konstruktiv mitmachen.

Auch für den übergreifenden Wahlspruch für das Sommerfest insgesamt, der mit 6 Mal "S" beginnen sollte (6 Gruppen, Mann die haben sich wirklich bei allem was gedacht), konnte ich nicht überzeugen. Es begann schon damit, dass ich kichernd "Hund, Katze, Maus" rein rief (ich sollte es wirklich aufgeben), was überhaupt nicht gut ankam bei all den engagierten Menschen, die schon an 'Sommer' und 'Sonne' gedacht hatten, und nun wetteifernd durcheinander riefen: 'Seele', 'Spiele', 'Sand', 'Strand', 'Sport', 'Sorglos', 'Segen', 'Spannung', 'Spaß', 'Stimmung', 'Scherze', 'Spontan', 'Super', 'Sagenhaft', 'Süden', 'Süß', 'Suleika' (Suleika?), 'Sehnsucht', 'Sieger', während die Kindergartenleiterin hektisch Notizen machte. Es wurde dann gegen Ende immer leiser und vereinzelter. Man schwoff ab mit 'Salz', 'Sofort', 'Sonderbar', 'Steine', 'Schloss', 'Schoß' und 'Siebengebirge'. Und klar hörte man auch jetzt noch immer wieder aufgeregte Reinrufer mit Sonne!!! und Sommer!!! (Sommer und Sonne ziehen wir ab, die waren doppelt), aber dann kam da diese ermüdete Stille, es war mir zu ruhig, alle schauten so hilflos und da platzierte ich laut und wohl artikuliert in das erdrückende Schweigen hinein:

"Sa-men-spen-de."

...

Haha. (Das war ich.)

...

Gar nicht gut. Gar nicht.

Diesmal wurde ich nur noch kopfschüttelnd übergangen.

Man einigte sich darauf, dass "Spiel, Spannung, Stimmung, Spaß, Sommer, Sonne" ein griffiger Spruch sei und ging zum nächsten Thema über, nämlich den Fühlstand der blauen Gruppe, wo die Beschaffung blauer Watte das konstruktive Miteinander förderte (die, die man kaufen kann, ist ja HELLblau und die müsste man auch aus der sonstigen bunten Watte herauszupfen, denn reine hellblaue gibt es nicht, und echt blaue auch nicht, andererseits könnte man sie einfärben, allerdings müsste man da Farbe besorgen, die ökologisch einwandfrei sei, und für 50 Kinder Watte einfärben sei ja ein ganz schönes Stückchen Arbeit und vielleicht müsste die Watte gar nicht GANZ blau sein, sondern könnte auch nur einen kleinen Tupfer blau haben, das wiederum könnte man mit blauen Edding besorgen, Edding? NEINoNEIN, wegen der Dämpfe, vielleicht geht ja doch hellblaue Watte, aber was macht man dann mit der übrigen, naja, die könnte man aufheben für die Weihnachtszeit und die Wolken damit basteln für die Engel oder so (eine schöne Idee von Kaspar, die Muttis nickten wohlwollend, die Leiterin lächelte milde), allerdings wo mag man denn die Watte aufheben, könnte evtl eine andere Gruppe sie am Sommerfest gebrauchen, die übrige Watte, ja der Sportstand, der könnte sie statt Eier beim Eierlauf verwenden, zumindest für die kleineren Kinder, ja aber wenn es windig ist, könnte das ein Desaster geben (Jawohl sie haben "Desaster" gesagt, ein Watte-Debakel, man kennt das ja), jaja, Watte, wer kauft denn nun die bunte Watte, wie jetzt? doch die bunte?, aber da muss man die hellblaue doch rauszupfen, und wieder von vorne, die Hölle auf Erden.)

Ich habe dann nichts mehr gesagt, nur mein gequälter Gesichtsausdruck und hin und wieder ein unterdrücktes Schnauben fielen unangenehm auf, aber da war eh nichts mehr zu retten. Unten durch ist unten durch, da machste nix.

Kindergarten... Macht da ja niemals mit, bringt Eure Kinder dahin, seht zu, dass es ihnen gut geht, aber solltet Ihr bei Verstand sein und es auch bleiben wollen, haltet Euch raus, spendet Geld und grabt mal den Garten um, aber um Himmels willen keine Debatten.

Was das jetzt alles mit Kaspar Kugel zu tun hatte? Fast nichts. In Bezug auf diesen Tag, in Bezug auf die nachher stattfindende Unterhaltung mit unserem Kaspar nur das eine:

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich völlig ungeniert.

 

- F. f. -

22.10.2006 um 21:44 Uhr

Kaspar Kugel - Teil I

Es gehört sich nicht, dass der einzig männliche Erzieher im Kindergarten Kaspar Kugel heisst und Latzhosen trägt. Es gehört sich einfach nicht. Es gehört sich schon alleine nicht, dass er der einzige Mann unter einer pädagogischen Hühnerschar ist.

Das ist so grässlich vorhersagbar.

Aber noch vorhersagbarer, also so richtig klischeehaft erwartbar, dass es in seiner Konsequenz schon wieder verblüffend ist: Er ist in seinen männlichen Grenzen ein ebenso pädagogisches Huhn wie die so benannte Schar.

Kaspar Kugel trägt nicht nur Latzhosen, er bastelt Bongos, sammelt Wildkräuterchen und Pilze, er kennt alle Mondphasen, die gerade unser Aggressionspotential steigern oder abmildern, mit Sicherheit kennt er den weiblichen Zyklus mit seinen möglichen Begleiterscheinungen besser als unsereins, er kann aus dem Windelpilz die Zukunft vorher sagen und er nimmt alles ernst, was man ihm sagt. Heißt: Er hat (genau wie die Schar) keinen Humor. Kann mir eigentlich mal einer sagen, wie diese ganzen ErzieherInnen ohne Humor auskommen? Wie geht das? Lachen die nur über das Kasperle? Oder hat das was mit "Kinder ernst nehmen" zu tun? Nehmen die das nicht alles ein bisschen zu ernst? Also Kaspar Kugel nimmt definitiv alles zu ernst. Auch mich. Selbstverständlich mich. Mich KANN er nur ZU ernst nehmen.

Meine Lachmuskeln sind jedesmal zum Bersten gespannt, meistens kicher ich, wenn ich Kaspar Kugel sehe, und Kaspar Kugel denkt wohl entweder (bestenfalls), dass ich völlig gaga bin oder, (schlimmstenfalls und ich vermute es), dass das unbeholfene Annäherungsversuche einer verunsicherten, langsam alternden und abenteuersuchenden Mutti sind, was absurd ist, ehrlich, ich will ihn nicht, den Kaspar Kugel, nicht für geschenkt will ich ihn.

Dabei ist Kaspar Kugel nicht unattraktiv. Er ist groß, schlank, schwarzhaarig, hat markante Gesichtszüge mit schmalen und dennoch sinnlichen Lippen, dunkelbraune Augen mit langen Wimpern, also alles in allem: Schmackhaft, sehr schmackhaft!

Und wer jetzt glaubt, ich hätte ja doch eine Schwäche für Kaspar Kugel, den weise ich darauf hin, dass Kaspar Kugel die empfindliche Haut meiner Tochter mit ihrem Blasenmeridian in Verbindung brachte.

Das geht gar nicht. Das ist wie Feinripp mit Eingriff, wenn ein Mann solche Dinge sagt.

Aber ich fopp ihn gern, den Kaspar Kugel.

 

- Fortsetzung folgt -

 

20.10.2006 um 09:14 Uhr

Kleine Ursache... (Teil IV)

Die Bahn stoppt. Alle aussteigen, heißt es, am K-Platz ist Bombenalarm. Alle murren. Ich nicht. Ich bin eine Ampel, meine Farbe wechselt von puterrot, zu ungesund gelb, dann kotzengrünlich. Mir ist flau.

Zu Fuß am K-Platz angekommen, schleich ich mich zu einem Polizisten. Wahrscheinlich der, der Klaudia evakuiert hat.

"Äh, worum gehts'n hier?"

"Ein unbeaufsichtigtes Gepäckstück, wir müssen das prüfen."

Er lächelt. Wirklich süß, oh Mann...

"Vielleicht ja doch ein unbeaufsichtigtes Päckchen? Ich frag ja nur, weil es ja auch Paketbomben gibt. Was machen Sie beispielsweise, wenn sie einen unbeaufsichtigten, sagen wir mal, öhm, Karton finden?"

"Ja muss auch geprüft werden, aber hier ist ein Koffer. Kofferbombe, Sie verstehen?"

"Sicher?"

"Sicher." Er nickt vertraulich. "Hey, keine Aufregung, wir haben alles unter Kontrolle."

"Ja, SIE vielleicht..."

"Ist etwas nicht in Ordnung?"

Und da hab ich ihm alles erzählt, dem süßen Polizisten, gebe Gott, dass ich nie ein Verbrechen begehe, das ich verschweigen will. Man muss mich ja nur fragen, ob alles in Ordnung ist...

"...ja so war das, und dann habe ich das zweite Päckchen auch noch liegen lassen. Es tut mir so leid."

"In welcher Bahn denn?"

"16."

"Ja das hier is ja schon mal die 14. Und jetzt regen sie sich mal nicht auf." Ich glaube, er hielt mich für völlig hysterisch. Durchgeknallt. Gaga. Ein bisschen huhu, wie meine Tochter sagen würde...

Ende vom Lied: Polizist alles durchgegeben. Kein Schwein sich wegen der zwei Pakete aufgeregt. Das eine wahrscheinlich stillschweigend entsorgt (Was für eine mutige Putzfrau - BUMM!). Handypaket beim Fundbüro abgegeben (Was für ein mutiger Finder - BUMM!). Fundbüro bei mir angerufen. Handy zurück bekommen. Keinen Ärger gekriegt.

Was für ein Aufstand, was für ein Gewese, was für eine Panik.

Kleine Ursache - große Wirkung?

Neenee, Mama, viel Lärm um nichts, das wäre ein ehrlicheres Motto gewesen.

Die Größe der Dinge entsteht im Kopf. Immer nur im Kopf.

Das Schlimmste, was passiert war: Mein Chef. Den hatte ich ganz vergessen.

Dem hab ich erzählt, dass Bombenalarm war.

Und mein Handy kaputt.

Beides nicht gelogen.

 

 

 

 

 

 

19.10.2006 um 10:05 Uhr

Kleine Ursache... (Teil III)

Also Päckchen unbeaufsichtigt in der Bahn liegen lassen. Scheiße. Bombenalarm. Jane-Bomb-en-Alarm. Oje. Wie richtig angemerkt wurde: DAS kann teuer werden...

Ist mir natürlich zu spät eingefallen, Bahn schon weg. Komische Blicke von Passanten, die mich mit schreckensverzerrtem Gesicht zurück hechten sehen. Weitere komische Blicke, als ich "Scheiße" vor mich hin zischend zum Hauptbahnhof weiterhetze, in der Hoffnung, dass ich dort die Bahn wieder einhole.

Noch mehr komische Blicke, als ich verschwitzt dort ankomme und mit eingeklemmten Arm an der Bahn versuche, die Tür zu öffnen. Geil geschafft, denk ich, als ich mich rempelnder- und entschuldigenderweise durch die Bahn zu meinem Sitz kämpfe. Mist verdammt, falscher Wagon. Nächste ausgestiegen (oh und diese Blicke) und in den nächsten wieder eingestiegen.

So der Plan. Aber: Tür defekt, Hetze, nächste Tür, Bahn fährt weg.

Scheißescheißescheißescheiße.

Ok, Plan B.

Ich ruf jetzt beim Verkehrsbund an und sag Bescheid. So nach dem Motto, falls Sie sich wundern, ich hab da aus Versehen ein Päckchen liegen lassen, äh, da ist nichts weiter Böses drin, äh, also, es ist leer. War ein Versehen, ehrlich, hab ich nicht mit Absicht gemacht, sorrysorry... Keine Bombe, nicht gelogen.

Aber: Mein Handy telefoniert ja nicht. Und jetzt Plan C: Ich tu meine Simkarte in das neue Handy aus dem anderen Päckchen, Scheiß doch aufs Zurückschicken, hauptsache ich verhindere den Bombenalarm, mann, bin ich edel.

Hilfreich und gut.

Halt Mensch.

Apropos Halt: Halt! Wo ist denn das Paket mit dem Handy? Na Bravo.

Bzw.: Scheißescheißescheißescheiße.

Noch ein Paket in der Bahn liegen gelassen. Und (sagen wir es gemeinsam): DAS kann teuer werden.

Plan D: Ich fahr jetzt nach Hause und stelle mich am Telefon der Polizei. Ein Geständnis. Das ist gut. Jetzt sind es ja gleich zwei Delikte.

In Gedanken bei meinem Kontostand setze ich mich bedrückt in die Bahn nach hause, da klingelt mein Handy. (Es telefoniert nicht, aber manchmal ruft es an.) Es ist meine Freundin Klaudia.

Sie fragt ohne Hallo: "Bist du auf dem Weg nach BPunkt?"

"Ja."

"Stell dir vor, die haben mich gerade evakuiert."

"Was? WAS?"

"Ja, am K-Platz ist Bombenalarm. Irgendein Idiot hat wohl seinen Koffer irgendwo rumstehen lassen."

"NEIN!"

"Doch."

"Neiiiin!"

"Doch."

"Kein Koffer, ein Paket."

"Die haben Koffer gesagt. Aber vielleicht auch Paket. Keine Ahnung." 

"NEINNEINNEINNEIN, Oh GOTTOGOTTOGOTT."

"Jooa, jetzt mach mal halblang, mir ist ja nix passiert, mach dir keine Sorgen. Hast du Bock auf'n Käffchen?"

"Schnaps!" japs ich.

"Ach komm, krieg dich mal wieder ein. Mir gehts ehrlich gut. Wird schon nix sein. Der Polizist war auch ganz süß. Und jetzt hab ichs ganz gemütlich hier. Aber in der Haut von dem Koffervergesser möcht ich nicht stecken, stell dir mal vor, sowas passiert dir. DAS ist vielleicht peinlich. Hihi, andererseits, vielleicht geht ja wirklich gleich die ganze Scheiße in die Luft, das wars dann mit meiner schönen Wohnung. Martin hat auch schon gesagt, wenn man an einem Verkehrsknotenpunkt wohnt, da muss man aufpassen, ne?"

...

"äh, Hallo? Bist du noch dran?"

...

"SPunkt?"

...

"Alles klar?"

Nichts ist klar, gar nichts. Scheiße. Scheißescheißescheiße.


- Fortsetzung folgt -

16.10.2006 um 21:47 Uhr

Lach. Schmeiß weg.

ich krieg mich gar nicht mehr ein.

16.10.2006 um 21:13 Uhr

Softpornografischer Exkurs

Herzlich lachen musste ich ja am Samstag, als ich zufällig auf Kabel 1 zappte und dort auf dem Bildschirm eine im Tigerlook gekleidete Dame mit großem Busen schrill kreischend auf dem Rücken eines maskierten Mannes sitzen sah.

Nee, falsch erzählt.

DA habe ich noch gar nicht gelacht, sondern erstmal die Stirn gerunzelt, weil ich wissen wollte, was das für ein Filmchen ist (jaja. ich bin naiv...) und da erfahr ich folgendes:

Der Film heißt "Jane Bomb" und geht so: 

Jane Bomb erhält von ihrem Chef den Auftrag, einen Terroranschlag auf Schweden zu verhindern: Die Attentäter wollen das Stockholmer Trinkwasser mit einer Droge versetzen, die sexsüchtig macht. Jane kann sich gegen ihre Gegenspielerin Ivana Blofeldt und die Terroristen zur Wehr setzen - doch dann erfährt sie, dass ihr Chef selbst der Drahtzieher ist. In ihrer Verzweiflung schüttet sie die Droge, die sie sichergestellt hatte, nun doch ins Trinkwasser der schwedischen Hauptstadt ...

Da hab ich gelacht. Laut. Aber noch nicht so herzlich.

Als ich mir angeschaut habe, wie die wirklich hervorragenden Darstellerinnen Linda Lust und Vanessa Blond gegen den Geheimdienst, die bösen Buben, die Polizei und (v.a) gegeneinander gekämpft haben, da hab ich noch lauter gelacht, aber immer noch nicht so herzlich.

So richtig doll und herzlich gelacht  habe ich über meine extrem lange Leitung.

Jaja. Dass es ein schmutziges, gar schmutziges Filmchen war, DAS hatte ich schon mitbekommen.

Allerdings habe ich bis zum nächsten Morgen gebraucht, den  Film zu verstehen.

Jawohl.

Zu verstehen.

Jane Bomb wurde 006 genannt, der Böse hieß Longfinger, im Schlusskampf warf ein nackter Mann ungeschickt seinen Hut und trotzdem blieb er in einer Eisenstange stecken.

Mein Name ist Bomb, Jane Bomb.

Ich lach mich kaputt. 

Na, da geht's doch morgen lustig weiter mit meinem Päckchen in der Bahn.

 

13.10.2006 um 11:34 Uhr

Kleine Ursache... (Teil II)

Herrlich also, so viel Respekt entgegenbracht zu bekommen. Und das alles, weil mein handy in den Milchkaffee gefallen ist, klonk, und nun direkt so viel Respekt, da war ich froh.

Ein neues Handy hatte ich weiß Gott immer noch nicht; durch die Ladung der Daten auf meine SimKarte war diese völlig überlastet, mein geliehenes Handy telefoniert so gut wie gar nicht mehr, das Gurkenhandy musste ich zurücksenden, natürlich auf meine Kosten, ABER Respekt, den hatte ich mir verdient.

Aber es geschah das folgende: NAch einigen Tagen bekam ich wiederum ein Päckchen und siehe da, darin war ein Handy. Und da war dieser beflügelnde Moment, in dem ich glaubte, man hätte mir vor lauter Schuldgefühle nun doch noch mein Eierkochermikrowellentragbarerfernseherhandy geschickt.

Natürlich nicht.

Es war das olle. Und das kam kommentarlos zurück. Es gibt eine Kurzgeschichte von Stephen King, da kommt so ein aufziehbarer Spielzeugaffe immer wieder zurück. Unter mysteriösesten Umständen. So ähnlich dunkle Gefühle bekam ich auch jetzt.

Ich ruf also bei der Nummer an, die in meinem Respekt-Schreiben angegeben war und frage nach.

Da erfahr ich, dass ich einen Retourenschein hätte ausfüllen müssen. Ich frag vorsichtig nach meinen Versandkosten und erfahre, dass es bei der Post gebührenfreie Aufkleber gibt, ich entschuldige mich nochmals (natürlich, was sonst), bedanke mich (HALLO?) und latsche zur Post, wo ich sowieso noch ein Paket abholen muss. In der Post nun erfahr ich, dass es keine gebührenfreie Aufkleber gibt und dass das Risiko, dass der Empfänger das Päckchen unfrei ablehnt und zurücksendet hoch sei.

Konflikt. Meine Güte, ich wollte doch keine Unannehmlichkeiten bereiten...

Ich seufze und nehme das Päckchen erstmal unentschlossen wieder mit. Dann hole ich mein anderes Paket ab. Das Paket und Päckchen vor mir her tragend steige ich in die nächste Bahn in die Stadt. Denn ich habe einen Termin. Mit meinem Chef. Und bin spät dran. Und schwer beladen.

Ich rempel Leute an, entschuldige mich, haue einer Frau die Ecke des Pakets in die Backe, entschuldige mich, kämpfe mich zu einem Sitz vor und verstaue meine LAst unter dem Sitz.

Ich öffne mein Paket. Darin ist eine Jacke. Diese Jacke passt bequem in meine Tasche. Ich überlege mir nun folgendes: Wie wär es denn, den großen Karton in der Bahn zu lassen?

Super wär das.

Und bequemer.

Und mein Chef würde auch nicht so komisch gucken.

Also knibbel ich plötzlich erfüllt von boshafter krimineller Energie den Adressaufkleber ab. Die nächste Haltestelle steig ich aus. Ohne Karton.

Hihi.

Da müssen die eben einen Karton entsorgen. Na und?

Jetzt hab ich aber mal ordentlich für Unannehmlichkeiten gesorgt. Und wie gut es mir trotzdem ging. Für wenige Sekunden fühle ich mich unschuldig wie ein Neugeborenes.

Für wenige Sekunden.

Denn dann fällt mir etwas ein.

Ich habe ein unbeaufsichtiges Paket in einem öffentlichen Verkehrsmittel liegen lassen.

Au Backe.

 

- Fortsetzung folgt -

12.10.2006 um 12:55 Uhr

Kleine Ursache... (Teil I)

...große Wirkung, meine Mutter war Sprichwortfan, ihr liebstes war Quod licet Jovi, non licet Bovi, was ich prompt in meiner ersten Lateinstunde dem staunenden Lehrer als "Was dem Erwachsenen erlaubt ist, ist Kindern noch lange nicht erlaubt." übersetzte, wo ich dann zum ersten Mal erfahren durfte, dass es um Götter und Rindviecher geht - die Verteilung machte natürlich Sinn, Mama Gott, ich Rindviech, na klar,

Aber das wollte ich gar nicht erzählen, anknüpfen kann ich allenfalls über "Rindviech", denn ich Rindviech habe mir am Telefon einen neuen Handyvertrag aufschwatzen lassen, ich Rindviech kann ja nicht nein sagen, is ja auch nicht erlaubt all den Göttern gegenüber da draußen, zumindest benehmen sich alle so, vielleicht ist die Welt auch eingeteilt in Menschen, die sich wie Götter und solche, die sich wie Rindviecher aufführen, ich bin eindeutig ein Rindviech, ich habe auch mal einem Drücker aus der Kolonne 20 € geschenkt, damit er wieder geht: "Wenn ich Ihnen Geld gebe", so hab ich ängstlich gefragt, "würden Sie dann gehen?" Das hat er sich natürlich gefallen lassen, der feine Herr, und so gab es dann auch keine Unstimmigkeiten. Diese hatte ich dann freilich mit mir selber, als mir armen Studentin das Geld für eine Wochen Zigaretten gefehlt hat (JA, damals hat das noch eine Woche gereicht, halleluja), jedenfalls gab es am Telefon mit der Vertragsaufschwatzerin ebenfalls keinerlei Unstimmigkeiten, obwohl ich zunächst mit großer Anstrengung sagte, "Nein will ich nicht", aber sie fragte schnell und hinterlistig "Warum denn nicht?", ich mit meinem schlichten Gemüt sagte, "Weil ich mit meinem alten Vertrag sehr zufrieden bin", sie sagte, "Kann gar nicht sein.", ich sagte, "Das sehe ich ein." und bums hatte ich einen neuen Vertrag an der Backe und nichts klappte mehr.

ACH! Moment! Das hätte ich beinahe vergessen, ich lasse schließlich nicht alles mit mir machen, Nein-nein, zumindest nicht bedingungslos, ich hatte telefonisch dann doch noch listig etwas herausschlagen können, nämlich ein Handy, ein Neues, und zwar eines, wie mir wortreich versprochen und angepriesen wurde, eines mit allen, ich wiederhole ALLEN Schikanen, da nahm ich auch in Kauf, dass ich zunächst keine sms mehr verschicken konnte und nirgendwo mehr Empfang hatte, DENN: bald würde ja mein neues Handy kommen und alle Menschen werden Brüder, lieb Vaterland magst ruhig sein, ein Handy, ein Wunderding, im Grunde ein tragbarer Fernseher, Radio, Mikrowellenherd und Eierkocher in einem (Wer wusste, dass man zwischen zwei laufenden Handies ein Ei kochen konnte? Keiner? Ja, is aber so, dauert drei Stunden, aber sie werden gar, die kleinen Geflügelprodukte), das Handy kam dann auch, jedoch OHNE Eierkocher, noch nicht mal eine Kamera war dran, Bluuutuuus und der ganze Kram, Nüschte, NÜSCH-TE, aber natüürlich kam es NACH der Widerrufsfrist und so hätte ich mich normalerweise meinem Schicksal wie immer gefügt, aber irgendwas war anders, diesmal nicht, dachte ich gnadenlos, DIESES mal nicht, NICHT MIT MIR, IHR PSEUDOGÖTTER, ich schrieb einen gepfefferten Brief, drohte mit Informierung des Bundesverfassungsgerichtes und bekam nach einem Monat die Antwort, dass man meinen Wunsch in den alten Vertrag zurückzukehren "respektiere".

RESCHPEKT! Die Damen und Herren hatten Respekt, Mann, was hab ich mich gefreut, Mannmannmann, die gepfefferte Rechnung nahm ich in Kauf auch ohne Leistung, denn immerhin hatte ich mir Respekt verdient.

Wenn es doch immer so einfach wäre...

Herrlich.

- Fortsetzung folgt -

07.10.2006 um 21:11 Uhr

Tierquälerei-Romantik, Prominenz und Voyeurismus

Man kommt nicht drumrum, man ist junge Familie mit Kind und man muss die letzten schönen Sonnentage nutzen, man ist dabei nicht besonders originell und macht so ungefähr immer das, was alle anderen auch machen.

Man (mir fällt grade auf, dass ich mich wie der 200-Jahre-Mann anhöre) geht zum Spielplatz, flaniert in einer Zweikilometerschlange am Rhein entlang, füttert Entchen, wirft (und das is schon äußerst individuell) Steinchen ins Wasser und zeigt aufgeregt auf Kleintiere, wie Spatzen, Möwen, Enten, Feuerwanzen, Käfer und auch mal ein Eichhörnchen. So is das in der Stadt, da machste nix. Willste mehr, fährste in den Stadtwald, da röhren die Hirsche und  wühlen und balgen die Kitze und die Frischlinge und Menschenmassen versammeln sich staunend um die Gehege (lass doch mal einer das Kind nach vorne - der Herr isst ein Steak), jedenfalls auch irgendwie zombi-esk, und wenn man's noch ne Nummer größer haben will und das Mensch-Tier-Verhältnis auf absurdeste Weise auf den Kopf stellen will, dann gehste in den Zoo.

Da werden Tiere zu Zombies gemacht und die sollen hinter Gittern hin- und herlaufen und Gefühle in uns auslösen. Jaja, Gefühle. Es war romantisch heute im Zoo, blauer Himmel, weiße Wolken, die letzten Blumen von müden Hummeln umbrummt, greinende Kinder in Bollerwagen, die Neinneinnein kreischen, auf zu dem Affenhaus,  näää, das hamse aber schön gemacht, so tiergerecht,  schön hier im Zoo, super, ich fands auch schön, ein Riesenereignis, als Elefantendame Astrid so richtig heftig ihre Blase entleerte, Aaahs und Oooohs ertönten um mich herum, ein Boaah entfährt mir, mein Mäuschen fragt: "Und Kaka?" und wie schön, nichts entging uns, natürlich kamen auch noch dicke Klumpen Elefantenscheiße hinterher, was war die Freude groß, sagenhaft.

Ich persönlich habe mich auch noch besonders gefreut. Als ich mich nämlich am Spielplatz nieder lassen wollte, da kam ich an einem telefonierenden gutaussehenden Mann vorbei, der da so auf- und ablief und sagte, dass man etwas über den Comedypreis etablieren könne, Comedypreis? denk ich, Mann?, gutaussehend?, markante Züge, freches Grinsen? 

AHA!

Ingo Appelt im Zoo. Sehr schön.

Das fand ich toll, das fand ich aufregend, also lass ich mich wie geplant am Spielplatz nieder und beobachte einen Fernsehstar beim Auf- und Abgehen mit einem Handy am Ohr, im Zoo, er lief bestimmt zwanzig Minuten hin und her, wie der Braunbär und die Giraffen auch.

Ob er eine Banane will? Apfelschnitze hatte ich auch noch.

Vielleicht kann er mal einen Witz erzählen? Ich frag ihn mal, oder ich erzähl IHM einen, das is auch gut, und so saß ich da und hab so rum gesponnen, Himmel hilf, ich bin ein Voyeur, Oh Gottogott, was ist denn an einem telefonierenden Mann so toll, kann mir das mal einer sagen und warum will ich ihm einen witz erzählen, ich kann gar keine Witze erzählen, ich kann sie noch nicht mal behalten, und apropos behalten, meine Banane will ich alleine essen, außerdem fand ich den sooo witzig nie, aber wenn man bedenkt, wie viele Leute den kennen, ein Prominenter interessanter als Elefantenscheiße, Mensch, was war das schön im Zoo... 

Wer sitzt denn eigentlich im Käfig?

Frei hab ich mich nämlich nicht gefühlt...

 

 

06.10.2006 um 12:27 Uhr

Hosenstall

was einen manchmal so beschäftigt...

tss...

Ich kann Tage damit verbringen, immer wieder daran zu denken und jeweils zusammenzucken, weil ich  an einem anderen längst vergangenen Tag mit offenen Hosenstall rumgelaufen bin.

Wahnsinn.

Vielleicht kann auch nur ich das. Vielleicht sollte ich mir viel mehr Gedanken um den Hunger in der Welt, um Hartz IV, um Ausländerfeindlichkeit, um Folter und andere Gemeinheiten Gedanken machen, aber nein, ich mache mir Gedanken darüber, dass vor Jahren mal mein Hosenstall offenstand.

Und das ist mir peinlich. Mir ist nun auch peinlich, dass ich über meine Freundin Imke läster, aber das weiß sie ja nicht, deshalb muss ich auch nicht so viel daran denken.

Ok, gehen wir das mal durch: Der offene Hosenstall, von jedem offensichtlich sicht- und erkennbar lässt mich eher erröten als untergründige zwischenmenschliche Unzulänglichkeiten, die ich nur mit denjenigen austrage, die ebensolchen Unzulänglichkeiten frönen. Hätten also an jenem Tag alle den Hosenstall aufgehabt, wär es mir weniger peinlich gewesen.

Hm.

Ich weiß nicht. Wir schildern die Situation:  Es war einer dieser besonderen Tagen, an denen man sich unglaublich unwiderstehlich findet, einer, an dem man in seine engste Jeans passt und sich gefällt, einer, an dem man sogar seine Hände in den Hosentaschen jener engen Jeans vergraben kann und rum läuft wie Lotto King Karl, mann, kam ich mir toll vor. So erntete ich auch viele dieser Blicke, die einen dann überlegen zum Schmunzeln bringt, selbstverständlich erkennt die Welt an solchen Tagen, dass man das schönste Wunderwesen der Weltgeschichte ist, sensibel, sexy, mit einem winzigen Zug der Melencholie um die sinnlichen Lippen, souverän, fast fehlerfrei, aber nur fast, Ecken, die das Gebilde einzigartig machen, großartig, großartig, ein staunendes Publikum, ich hatte sie alle in der Hand, Kontrolle, Macht, Überlegenheit, Gnade...

Bis ich misstrauisch werde, irgendetwas stimmte nicht, noch nie habe ich meine Hände in diesen Jeanstaschen vergraben können, es ist zu ruhig hier und dann kam es dieses kribbelige Gefühl, dass mich in der erinnerung immer noch überfällt, zu diesem Zeitpunkt befand ich mich in einem gut gefüllten Bus, und stand ganz Diva, mit den Händen in den Hosentaschen an der Mittelstange, und wagte es nicht an mir herunterzusehen, denn mir fiel auch noch ein, welche Unterhose ich an diesem Tag anhatte, sie war weiß mit (oh Gottogott) roten Herzen drauf, und ja, es war genauso, wie mir schwante, die Hände in den Hosentaschen brachten das gute stück nur nochmal besser zur Geltung, meine Haltung gefror, wie komm ich aus der Nummer nur wieder raus, verdammt nochmal, Blicke scannen, alle haben es gesehen, ich bin verloren, alle, alle, alle kennen meine Unterwäsche, ich bin nicht mehr das, was ich war, ich bin entlarvt erwischt, jetzt kommt alles raus, oje.

Ja, das kann einen schon aus dem Konzept bringen...

ABER: die Unterhose wär mir ja niemals peinlich gewesen, wenn sie keiner gesehen hätte.

Und ich hab sie auch gar nicht mehr. Und keiner kannte mich und alles wieder mal völlig konsequenzenlos, Hosenstall zu und weiter gemacht. Kann doch so schwer nicht sein.

Haben wir nicht alle peinliche Unterhosen? 

05.10.2006 um 14:16 Uhr

Mal wieder in der Disco

Also, das war so: ich schwing mich so aufs Fahrrad, bin mit meiner Freundin Anna verabredet, ich mach keine Fehler mehr so mit Imke, das hat sich, ein für alle mal hat es sich, also dann eben die Anna, die Anna is was jung, aber egal, ich so voll in mieser Stimmung, schimpf so in mich hinein (wieso schimpf ich eigentlich immer in mich hinein? Ich sollte viel mehr aus mir heraus schimpfen!), ja also, tret ich so die Pedale und in mir schreit es bei jedem Tritt, Zic-Ken-Ter-Ror, Zic-Ken-Ter-Ror, Zic-Ken-TerRor, Zic-Ken-Ter-Ror, Pups-Na-Sen-Müt-Ter, Pups-Na-Sen-Müt-Ter, und so weiter, waren viele Tritte und auch noch ne Steigung rauf. Reagier ich mich so langsam ab oder steiger ich mich rein? Ich weiß es nicht, jedenfalls weiß ich eins:

Ich kann kein Fahrrad fahren. So gar nicht. GAR nicht. 

Und was ich noch weiß: Auf der Kreuzung tauchte ein Brautmodengeschäft auf. Da bin ich ja ganz Frau, da  kann ich nicht weg gucken. Kann ich nicht. Geht nicht. So, das taucht da so auf und ich schiel erstmal so nach rechts und schiel und schiel und fahr langsam und vorsichtig an dem Tüll und den rosa Rüschen vorbei und mal mir aus, wie das so aussäh, ich so in so einem schlichten weißen Kleid, schreite mit Blumen im Haar den Mittelgang entlang zum Altar, wo mein Mann mich erwartet, endlich die lang ersehnten Tränen in den Augen und alle seufzen, und...

ich leg mich voll auf die Fresse.

Also mit dem Fahrrad.

Mitten auf der Kreuzung.

Da lag ich und der Bus hinter mir war weit genug entfernt, um mich nicht umzufahren, aber nah genug, um eine Vollbremsung machen zu müssen.  

Nun ist ja vom Fahrrad fallen mit einem Bus hinter sich nicht nur besonders gefährlich, es ist vor allem eins:

Peinlich.

Besonders peinlich. 

Also es ist völlig ok, wenn man sich das Schlüsselbein bricht. Aber wenn man mit dem Schrecken davonkommt, der Busfahrer schimpft, Leute auf dem Gehweg stehen bleiben und glotzen (ja! einfach nur glotzen. mit unbewegten Gesichtern starren sie einen an, es ist gespenstisch. Einmal bin ich mit meiner Tochter mit dem Kinderwagen gefallen, der sich einfach mitten auf der Straße zusammenklappte und einen Überschlag machte, und da lag ich  mit dem Kinderwagen auf mir, meiner Tochter darunter, die schrie und zeterte und da sagte eine aus der glotzenden Versammlung, die sich der Uhrzeit trotzend sofort zusammen fand, also sie sagte tatsächlich: "Sie müssen von der Straße runter." Aussagesatz, fallende Intonation, unbewegliches Gesicht. Da fällt mir nichts mehr zu ein.), jedenfalls ist da ja was dran, ich musste von der Straße runter, so auch jetzt, also schälte ich mich wie seinerzeit unter dem Kinderwagen unter dem Fahrrad hervor, lächelte verschämt in die Runde, ja, auch zu dem Busfahre und sage (blöde, meine Güte, wie blöde) folgendes: Hehe, die Brautmoden...

Glotzen.

Zweiter Versuch: "Hehe." (Wenn ein Witz nicht funktioniert, einfach nochmal nachlachen, dann sollten auch die letzten das Witzpotential erkennen. Das ist sprachwissenschaftlich erwiesen, ehrlich.)

Allerdings nicht so heute.

Fahrad ok, ich ok. Eine zweite Chance denk ich, und fahr im 6. Gang langsam davon. Lasse die Zombies hinter mir. Lächel. Lache. 

Und das Beste ist: Danach war die Scheißdraufhaltung perfekt, die Disco rappelvoll, kleine Jungs und Mädchen, die Über den wolken gröhlten,  da blieb mir nur eins:

Scheiß drauf und Mitmachen.

Großartig.

Für mich das Motto der Woche.

Bin begeistert! 

04.10.2006 um 21:31 Uhr

Und noch mehr davon

Die Mütterzicken können mich nämlich auch mal, Pupsnasenmütter, Kritikmütter, Freundlichtuundhintenrumscheißeerzählmütter, Pipikakaarschundzwirn, mir kommt so dermaßen die Galle hoch!!!!

04.10.2006 um 20:35 Uhr

Noch mehr Kindliches

Ach Scheiß doch drauf, zu selbstbewusst, zu introvertiert, zu sehr wissen, was sie will, zu wenig, zu laut, zu leise, zu heftig, zu zaghaft, zu dick, zu dünn, zu viel essen, zu wenig, ach SCHEISS doch einfach drauf, Scheiß drauf, scheiß drauf, klein - groß geschrieben, egal Sscheiß drauf, und noch sonstwas drauf, Kinder sind nichts "zu", sie sind, wie sie sind, ganz dem Moment verschrieben und soll mir kein Scheißpädagoge nach acht Wochen erzählen, dass mein Kind "zu irgendwas" ist, könnt grad kotzen, diese bepissten Scheißerzieherzicken, ich werd zum TIER!!!!!

03.10.2006 um 17:52 Uhr

Kindliches

Och Mensch, wie erfrischend, jede Stimmung in die Tat umzusetzen, jeden Wunsch zu äußern, den man hat,  jeder Verfassung des Körpers nachzugeben und immer das zu sein, was man gerade fühlt.

Nicht zu grüßen, wenn man keinen Bock hat, zu schreien, wenn man wütend ist, keine Imperative meiden, manipulieren und sich nicht zu schämen, sich überhaupt sehr wenig zu schämen, weil man der einzige in seinem kleinen Universum ist und Nein und Ja nur zu sich selber in genau dem Moment sagt, der besteht.

Eine Schande, dass man das systematisch verlernt.