...von Michael Bublé wollte ich Punkt 00.00 zu Sylvester hören, einfach, weil es so ist, so war, weil ich mich so gut gefühlt habe im Jahresausklang, so herrlich frei, so gut zufrieden, euphorisch über die Fortschritte, die ich gemacht habe, Depressionen, Ängste, ach Scheiß doch drauf, kicher, MIR geht es gut, MIR geht es fein, feelin' good, ganz einfach, geiles Jahr wird das, und da fangen wir doch einfach mit einem guten entsprechenden song an..., oder?
Naja.
Das geht natürlich nicht, wenn man diesen song nicht in die sorgfältig vom Gastgeber vorbereitete Playlist integrieren kann.
Diese habe ich im Übrigen auch einfach so um halb 12 gehimmelt, indem ich mal geguckt habe, was der Mensch sonst noch so an Musik auf'm Notebook hat, ("Nicht auf das Pad, NEIN, nicht auf das pad tippen!") äh, he was not amused, (O-Ton: Das war jetzt ehrlich gesagt nicht so gut), sie ließ sich nicht wieder herstellen, denn sie war auf Random gestellt und hätte man sie wieder neu gestartet, hätte man mit unangenehmen Dopplern rechnen müssen, wie gut, dass es noch eine Playlist zum Random-Abspielen für NACH Mitternacht gab, puuuh, Schwein gehabt.
Aber auch ansonsten ging das nicht mit meinem Wunschsong für 00.00, denn einer der 4 erwachsenen Gäste hatte schließlich Böller dabei, die man 00.00 bekanntlich auf der Straße anzündet und unter ohrenbetäuendem Lärm in die Luft pustet (warum eigentlich? jaja, Tradition, Geister, und so, ach bitte, ist doch einfach nur ein Schwanzding, dickster Böller, meiste Böller, teuerste Böller, ich hab den längsten, Geister, pffff, erzählt mir doch nix...), jedenfalls mussten diese Böller angezündet werden und wenn einer, dann alle, die Kinder durften nicht ins Bett, weil der Böllerer die nachher wieder ins Auto packen und nicht woanders schlafen wollte, also mit Kind und Kegel auf die Straße...
Der Playlistneurotiker und seine Frau küssten sich innig um die Jahreswende, genau bei der Null des rückwärts zählenden Radiomoderators, sie sind ein süßes Paar, eines der seltenen, denen man glaubt, dass sie 7 Jahre und zwei Kinder später immer noch verliebt sind, und mein Mann stand bei dem Böllerer und zündelte.
Zeitgleich mit dieser Entdeckung, das Jahr war etwa 15 Sekunden jung, hörte ich über den ohrenbetäubenden Lärm hinweg meine Kleine kreischen, sie zitterte und hatte eine Panikattacke. Das zappelnde Kind unter dem Arm rannte ich in den dritten Stock, wo ich feststellte, dass man die Wohnungstür sorgfältig verschlossen hatte, verliebt hin, verliebt her, sie sind neurotisch, und dann setzte ich mich mit meiner kreischenden Tochter ins steinerene Treppenhaus und wiegte sie summend, das Jahr eine Viertelstunde alt werden lassend hin und her.
Bis nämlich das nächste ängstliche Kind mit dem Wohnungsschlüssel vor mir stand und dann machte ich den schwerwiegenden Fehler, im Bücherregal vom Kinderzimmer zum dicksten Buch zu greifen, das ich dann, das Jahr eine Stunde und 10 Minuten alt werden lassend, vorlas.
Blei gießen war meine Idee gewesen, nicht aber die Kinder die Löffel über die Kerze halten zu lassen, wobei sich prompt die Gastgebertochter dran verbrannte, mit flüssigen Blei ist bekanntlich nicht zu spaßen, und nie hatte ich etwas anderes gesagt, doch dennoch wurde ich vom Böllerer so angeschaut, als hätte ich es ihr mit Absicht über die Hand gegossen, "blöde Idee" wurde gemurmelt, JAAAAAAHAAHAA, ABER BÖLLERN, Du SCHWANZGESTEUERTES ARSCHLOCH!, ähja, öhöm, als mein Mann vorschlug, die Kinder jetzt mal langsam (das Jahr war nun 2,5 h jung, in dem Fall alt, alles relativ) ins Bett zu legen, wurde er mit "KEIne Angst wir sind ja GLEICH weg!"von der mageren Böllererfrau angegiftet, wobei es mit "gleich" ja so eine Sache ist, kann "sofort" und "nachher" bedeuten, also konnte man sie noch nicht mal auf Falschaussage festnageln, als sie eine halbe Stunde später immer noch nicht weg waren.
Tja und als es um vier ganz ruhig war und alles schlief und die Playlist für nach Mitternacht ausgedudelt, da war ich zu müde für Musik, nicht mehr in Stimmung, feeling good zu hören und seit vierzehn Tagen, so alt ist das neue jahr jetzt nämlich schon, versuche ich dieses Lied zu hören und mich gut zu fühlen und es WILL mir einfach nicht gelingen...
Euch da draußen wünsche ich, dass es anders ist, dass es bisher ein tolles Jahr ist, dass es ein tolles bleibt und dass ihr eine feine Sylvesterfeier hattet.
Und das nächste Mal erzähl ich von Weihnachten, ich freu mich schon...