Für meine Mama - Faszination des Grauens
Na, da zapp ich doch mal wieder so durch den Äther (hab ich erwähnt, dass ich jeden Scheiß gucke?), naja, es war Werbepause bei DSDS und zu Nemesis wollt ich nicht, weil der grade aufgenommen wurde, und wo bleib ich hängen? Das Erste natürlich, Volksmusik oder Schlager, keine Ahnung, jedenfalls singt da ein ca. 7-jähriger Stöpsel im maßgeschneiderten Smoking ein Lied für seine Mama, Text: "Für meine Mama", also "Fühür meiheine Maaahaama", soweit so gut, in dieser Höhe erwartet, in dieser Höhe verdient, er singt fein, wenn er Pech hat, ist er 2016 im Recall, er gestikuliert heftig und schwungvoll im Lobliede über seine Mutter versunken, schwingt verzückt seine Arme nach vorne, macht einladende Gesten, wie er es bei seinen Vorbildern beobachtet hat und er hat das Ganze so perfekt drauf, dass es schon wieder gruselig ist.
Mein Mann kommt vom Klo, sagt Ohgott und verlässt das Zimmer.
So gruselig ist das doch gar nicht, könnte man sagen, das ist halt der Samstag abend im Ersten, so sinn'se, die von der ARD, da machste nix...
Nee, ja, ist ja gut, aber wisst ihr was? Seine Mutter sitzt neben ihm. Ja! Die Leibliche. Und es werden Fotos eingeblendet, vom Urlaub auf Mallorca und die Gute weiß gar nicht so richtig, wo sie hingucken soll, und tapfer schwingt der Sohnemann die Arme und besingt ihr goldenes Haar, küsst sie im Pianosolo und lächelt süß mit den ersten bleibenden Zähnen.
Beklatscht von ca tausend Rentnern fallen sich die beiden im Schlussarkord um die Hälse und können kaum noch loslassen, der Moderator bringt Taschentücher und sagt die nächste Nummer an.
Mensch.
Mensch-mensch-mensch.
So gruselig ist das vielleicht gar nicht?
Bestimmt haben die beiden sich lieb.
Ja haben sie, aber vor der Kamera hat man ihnen kein Wort und keine Geste abgenommen.
Gänsehaut verkehrt...
