Sonne, Mond und Sternchen

28.08.2008 um 13:05 Uhr

Mitt-eheliche Dialoge

"Schatz, möchtest du noch einen Vanille-Sahne-Pudding?"

Es ist 22.45. Nichts möchte ich um diese Uhrzeit lieber gefragt werden.

"Sollen wir noch ne Folge Star Trek gucken?"

Es ist 22.45. Was soll man sonst auch machen?

"Och." sag ich leichthin. "Leg mal eine ein. Und was den Vanillepudding angeht" ich räkel mich gemütlich im ehelichen Bett. "so mag ich da nicht Nein sagen."

Seine Augen leuchten. Er Schoko, ich Vanille. Das war schon immer so. "Und weißt du," Abrupt unterbricht er seinen eifrigen Weg zum Kühlschrank in der Schlafzimmertür, "ich habe jetzt beschlossen, dick, rund und bequem zu werden. Das macht dir doch nichts aus, ne? Man muss sich schließlich auf eine Beziehung einlassen, ne?" Misstrauisch schaut er mich an. Noch weiß er nicht, ob es die bitterböse Einleitung einer Tirade wird. Er weiß nicht, was ich weiß. Frau SPunkt erlaubt sich ein Späßchen. Eines unter die Gürtellinie. "Süßer, all die Anstrengungen fit zu bleiben und schick und jung und dünn und schön. Wofür?" Ein vorsichtiges Grinsen erscheint auf seinem Gesicht. "Du hast mir die Ehe versprochen. Das muss ich einfach ausnutzen." Das Grinsen wird breiter. "Das tust du schließlich auch." Das Grinsen gefriert und weicht einem verblüfften Gesicht, auf dem sich gleich wieder ein wissendes Grinsen ausbreitet. "Schau," fahre ich fort, "eine meiner Stärken ist meine Anpassungsfähigkeit," er gluckst "lass uns gemeinsam dick und rund werden. Abend für Abend Sahnepudding in uns reinschaufeln und Science Fiction schauen." Jetzt kichert er und nickt. Kichernd öffnet er den Kühlschrank, lachend bringt er den Pudding, glucksend betätigt er die Fernbedienung. "Genau. So machen wir es." Zufrieden lehnt er sich zurück und zieht dem Plastikbecher die Aluhaut ab. Mein tapferer Jägersmann. Ich seufze.

"Weißt du, was ich denke?" Er schaut mich etwas ungeduldig an. Die Folgen werden schon angezeigt. Haben wir DS9 Nr.149 oder 150 zuletzt gesehen? Ich sehe die Frage auf seiner Stirn stehen. "Der Tag unserer Scheidung ist ein guter Tag, eine Diät zu beginnen, meinst du nicht? Im Übrigen: Die letzte war Nr. 149." Seine Kinnlade fällt. "Oder aber", ich drücke ihm einen dicken Kuss auf den Mund. "Ich bin dann schon wieder ganz dünn. Scheidungszeit, so Trennung und so soll ja ziemlich anstrengend sein. Da kann ich vor lauter Stress bestimmt nichts essen." Jetzt fängt er wieder an zu lachen. "Und schließlich", ich genehmige mir einen dickeln Löffel. "bringt mir ja dann keiner mehr Becher voll Fett ans Bett. Mmmmmhh. Lecker!!!" Er schnappt geräuschvoll nach Luft. "Aber dann wirst du staunen." Er wischt sich die Lachtränen weg. "Du wirst sagen: Ohgottogottogott." Ich bin jetzt richtig in Fahrt. "Seht ihr diese dünne schöne Frau? wirst du sagen. Die will sich von mir scheiden lassen. Die Kleider wirst du dir zerreißen. Aber dann ist es zu spät." Ich beginne ein bekanntes Ärztelied zum besten zu geben. Mein Mann ist nun nahezu vollkomen außer sich. Ich unterbreche meinen Gesang. Ich genehmige mir noch einen dicken Löffel. Wirklich wirklich lecker. "Aber bis dahin", ich kuschel mich an ihn und beiß ihm sanft in die Schulter. "lassen wir uns es RICHTIG gut gehen, oder?"

"Du machst Spaß, ne?"

"Wie gut kennst du mich, mh?"

"Gut genug, um es lustig zu finden."

"Na dann."

Folge 150 war super. Der Pudding sehr gut. Ich habe einen Mann, der meinen Humor zu schätzen weiß. Die Nacht war bequem und kuschelig. Will man mehr vom Leben? Will man wirklich mehr? Und wenn ja, warum? Und vor allem was? Und wie? Woher? Womit? Wann?

Eins weiß ich: So kann man nur mit einem Mann reden, der einen von Herzen lieb hat.

Und das ist eine feine Sache. Ganz feine Sache, das.