Man sagt über mich, ich sei ein unkonventioneller Mensch. Ich freu mich dann immer, denn das wollte ich immer sein...
Manchmal frage ich mich aber, was das heißt, welche Konsequenzen das
hat, wie das durchzuhalten ist, ohne die ständige Angst etwas falsch zu
machen...
Was falsch machen... Seltsamer Gedanke, wenn man beschlossen hat,
die Regeln nicht zu beachten. Wie schwer ist es, sich gegen die Regeln
zu stämmen?
Fragen wir doch mal anderherum: Wie schwer ist es denn, die Regeln zu
befolgen? Irgendwoher kommt er doch, mein Impuls, genau das NICHT zu
tun... Und nächste Frage: Welche Regeln? Sind ja doch nur
ungeschriebene Gesetze. Konventionen eben. Die bieten Sicherheit.
Orientierung. Schauen wir doch einfach nach rechts und links und machen
es genauso wie der Nachbar. Zu einfach? Zu einfach.
Komisch mit dieser Selbstfindung. Hat man einen kleinen Teil seines
Ichs entdeckt, gibt es kein Zurück mehr. Und dann? Dann quält und
jauchzt man sich so durch die Gefühlslagen, von denen es von außen
immer heißt, sie seien unwichtig, nebensächlich, man sei doch jetzt
erwachsen und die Rente und die Karriere und der Garten und die Fenster
und die Förderung der Kinder und schließlich will man ihnen auch was
bieten...
Ja, was denn eigentlich? Wir kämpfen gegen Windmühlen - uns wird
eine Suppe vorgesetzt, die wir auslöffeln sollen, und wehe dem, der den
Löffel beiseite legt.
'Sei nicht traurig', heißt es. 'Reiß dich zusammen.' 'Du bist aber auch empfindlich.'
Neulich sagte eine Freundin bezüglich eines Problems: "Da musst du
drüberstehen. Das geht vorbei. Mach einfach weiter und lass es
ruhen..."
Hilfe, die 'Ja-da-musst-du-Leute'. Nein zum Teufel. Ich werde nichts
verändern, wenn ich weiter mache und es ruhen lasse. Bei mir nicht und
in der Welt nicht.
Ich habe davon geträumt, dass es einfacher wird, wenn ich auf mich
selbst höre. Dass ich sicherer werde. Vertrauensvoller. Vertrauen in
mich selbst, meine Gefühle, meine Überzeugungen. Mit so einer
Gratwanderung habe ich nicht gerechnet.
Lausche in dich hinein, die Antworten sind alle in dir.
Sich selbst zuhören... Wenn es da draußen nicht so laut wäre, ach, wenn es da draußen nicht so laut wäre.
Dranbleiben. Bleiben wir einfach dran. Alles, was ich habe, ist der feste Glaube, dass es sich lohnt...