Sonne, Mond und Sternchen

24.10.2009 um 08:22 Uhr

Frappierende Erkenntnis am Morgen...

Seit ich es gelernt habe, mir beim Durchdrehen Zeit zu lassen, fühlt es sich eigentlich ganz gut an.

 

18.10.2009 um 13:38 Uhr

sein lassen

Und da saß ich, und hing meinen Gedanken nach. Die Sonne schien mir in die Augen. meine Welt war weit weg von in Ordnung, aber es fühlte sich echt an. Mit allem drum und dran. Kongruenz. Kein halb und halb. Ganz. Ohne Zweifel.

Und dann kam er. Der Schmetterling. Erst sah ich nur seinen Schatten. er trudelte über den Boden. Schwarzes Flattern. Spiel mit der Sonne. Und dann sah ich ihn an meinem rechten Auge vorbei fliegen. Ein Wimpernschlag und er war vorbei. Ließ sich hinter mir in den Blumen nieder. Vorsichtig blickte ich mich um. Langsam und genüsslich faltete er die Flügel im Sonnenschein. Zusammen und wieder auseinander, atmete aus und wieder ein. Tränen stiegen mir in die Augen. Ganz still saß ich da, sah im beim genießen zu und freute mich leise weinend an seinem Glück. Und dann tat ich etwas Dummes. Ich schlich mich ins Haus und holte den Fotoapparat. Der Schmetterling war noch da, als ich wieder herauskam. Und ich konnte nicht widerstehen, ihn festzuhalten. Ich wusste, dass es scheitern würde, aber ich tat es dennoch. Hätte ich es doch sein lassen. Hätte ich ihn doch sein lassen.

Und dennoch. Als er wegflog, wusste ich, dass er da war, der Moment, in dem alles stimmte. In dem der Schmetterling Teil des richtigen Lebens war. Ich kann ihn trotzdem sein lassen. Es war ein Irrtum, ihn festhalten zu wollen. Mehr nicht.

Was mach ich nun mit den Bildern? Sie sind unscharf und haben nichts mit diesem Augenblick zu tun. Ich hebe sie auf, als Erinnerung daran, dass die wahre Schönheit nur im Inneren einen Platz finden kann.

 

11.10.2009 um 18:15 Uhr

Der Bulle und ich

Wenn man es eilig hat, dann passieren unvorhersehbare Dinge. Das ist nicht unbedingt ein Gesetz, aber weil es einem dann so sehr auffällt speichert man es statistisch als Reihung. Die Kunst ist, in solchen Fällen zu beobachten. Bei sich zu bleiben und auf die Verzögerung zu pfeifen. Ist doch wurschte, muss man sich dann sagen, das hier ist königlich amüsant. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Eine Gabe, die ich zur Kunstfertigkeit ausgebaut habe.

Mein Zug sollte um halb fahren. Ich hatte schon einen verpasst und mich entschieden, statt den kleinen Vorstadtbahnhof doch noch den großen zu behelligen, weil da mehr Züge fahren. In einer Wahnsinnsgeschwindigkeit rase ich also durch die Straßen, nehme die Abkürzung durch die Fußgängerzone, nach 20.00 sah ich da nämlich kein Problem, als plötzlich ein kleiner dicker Polizist vor mir auftaucht und mit den Händen hin und herwedelt. Das tut er deswegen, weil ich schicke kleine Knöpfchen im Ohr habe, die mit Kabeln an meinem MP3-Abspielgerät angeschlossen sind, das volle Lotte aufgedreht ist.

Ich bremse mit quietschenden Reifen und komme quer vor ihm zum Stehen. Er schaut mich vorwurfsvoll und mit in die Hüften gestützten Händen an und weist streng mit beiden Händen auf seine Ohren. Ich leiste seiner gestischen Anweisung Folge und nehme schuldbewusst lächelnd die Knöpfchen aus dem Ohr."Das mit den Knöpfen im Ohr geht GAR nicht." Bekräftigend wedelt er mit seinem Zeigefinger vor meiner Nase hin und her. Aha. Ein Wedler. Gut. Mit denen kann ich umgehen. "Ich weiß." flüster ich verschämt und senke die Augenlider. "Und sie haben NOCH etwas falsch gemacht." "Ja?" Ich habe eine innere Figur, die heißt Rosa, hat blonde Löckchen und babyblaue Augen. Rosa ist sowas von naiv. Die schalt ich jetzt trotz Lederjacke und Schirmmütze an. Klimpernd und betreten warte ich weitere Hinweise auf meine Straffälligkeit ab. Der Polizist zeigt stumm anklagend hinter mir auf das abendliche, wenn auch gelichtete, so doch immer noch beträchtliche Fußgängertreiben. "Das ist eine Fußgängerzone!" "Ja." Rosa kichert verlegen. "Das stimmt." Der Polizist macht eine bedeutsame Pause. "Und?" fragt er prüfend nach. "Da DARF man gar kein Fahrrad fahren, richtig?" Rosa reißt ihre Augen weit auf und hebt dabei die Augenbrauen ganz weit nach oben. "Stimmt." nickt der Wedler zufrieden. "Und mit diesen Knöpfen im Ohr HÖREN sie nichts." "Das stimmt." antwortet Rosa und nickt betrübt mit dem Kopf. Der Bulle baut sich groß vor mir auf:  "Jetzt stellen Sie sich doch mal vor, ich hätte sie gerufen und sie hätten mich nicht gehört." Ich stelle mir das vor, und bemerke, dass das Rosa zum Kichern bringt: "Dann wäre ich ihnen..", sie macht eine kurze Kicherpause, "am Ende daVONgefahren?"

Herr Wedler unterdrückt ein Grinsen (ich sehe es ganz genau) und schaut dann wieder streng. "Neinneinnein." sagt er mit fester Stimmer. "Ich HÄTTE sie gekriegt!" Rosas kleiner Mund formt sich zu einem stummen, erstaunten "Oh". Jetzt kann er bald nicht mehr. Ich kenne das.

"Und das mit den Knöpfen im Ohr ist WIRKLICH gefährlich. Sie HÖREN nichts, wissen sie?" Er räuspert sich und schaut mir in die Augen, die immer noch schüchtern klimpern. "ja." lügt Rosa dreist, "deswegen tue ich die auch immer raus, wenn ich auf der Straße fahre." Herr Wedler runzelt die Stirn. "Ach! Jetzt verarschen Sie mich aber!" Rosa reißt wieder ihre babyblauen Augen auf: "NEIN! Im Ernst. Ich finde das ganz schlimm, wenn ich im Straßenverkehr nichts höre. Man orientiert sich doch auch ganz stark mit den Ohren, nicht wahr?" Herr Wedler räuspert sich wieder. "Naja. Sie haben ja ordentlich Licht an..." Rosa muss wieder kichern: "Vorne ja. Aber das Rücklicht habe ich vergessen anzumachen." Herr Wedler schaut mich ungläubig an, atmet tief ein und dann wieder aus.

Er scheint zu überlegen, was er damit anfangen soll. "Mh." brummt er, "immerhin sind sie ehrlich." "Sag ich doch." Rosa und ich lächeln entwaffnend. "Seien Sie in Zukunft vorsichtiger!" "Versprochen." murmelt Rosa und setzt an vom Fahrrad zu steigen und weiterzuschieben. "Neeneenee, jetzt dürfen Sie weiterfahren." "Mh?" "Ja, fahren Sie ruhig weiter." "Aber das ist eine Fußgängerzone." erklär ich milde. "Ja, und ich habe Ihnen erlaubt, weiterzufahren." Herr Wedler gefällt sich in seiner Macht. Und ich lächel ihn nochmals milde an, wobei er mir wahrscheinlich ein saftige Geldstrafe aufbrummen würde, wenn er nur wüsste, was ich denke. "Dann wünsch ich Ihnen einen SCHÖNEN ABEND!" Rosa strahlt. Er strahlt zurück: "Ja, Ihnen auch." Lachend winkt er uns hinterher. Lachend nahm ich einen Zug später.

Danke Rosa! 

02.10.2009 um 11:50 Uhr

dinge

dinge zu wissen und dinge zu sehen, sind zwei völlig unterschiedliche, äh, ...

dinge.

(aphorismen waren nie meine stärke, soll ich noch vom glauben anfangen?)

01.10.2009 um 08:38 Uhr

Rasenmähermann

Könnt Ihr Euch noch an meinen Rasenmähermann erinnern? Der auch immer die Ritzen am Gehsteig klappernd und schabend bearbeitet hat, als gäbs kein Morgen mehr? Ich hatte immer ein bisschen Angst vor ihm. Er läuft im Sommer drei Mal die Woche stur auf und ab in unserem Garten, er grüßt mit einem mürrischen Nicken, er hat noch nie gelächelt in 3 Jahren nicht, sowas ist mir unheimlich.

Heute haben wir eine Gemeinsamkeit entdeckt. Wir lieben Blumen. Während ich hier am Rechner saß bei  der morgendlichenVorm-Büro-Zigarette, öffnete sich von mir unbemerkt die Gartentür. Als ich ihn bemerkte, den Rasenmähermann, stand er schon in Reichweite und ich gab einen Schreckenslaut von mir. Ungefähr so: Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihk. 

Er, völlig unbeeindruckt, nickt mürisch und begutachtet ein paar Pflanzen, geht von Terrassentür zu Terrassentür, kratzt sich den Bart und schüttelt den Kopf. Ich entdecke das Playmobil im Gras (sauber verteilt, danke kleine Erdnuss) und  frage, ob ich es weg räumen muss. Er schüttelt den Kopf und mit seinem russischen Akzent sagt er das folgende: "Kann es sein, dass ich muss bald Ch-lematis schneiden, ganz unten muss ich abschneiden."

Ich schau ihn entsetzt an. Ich liebe die rosa Blüten im Frühling.  "Oh nein!!!" sag ich mit aufgerissenen Augen. "Wächst die denn nach?" Traurig schüttelt er den Kopf. "Ch-at keine Sinn, wächst nicht wieder." "Ist sie krank?" ich bin besorgt, würde ihr jederzeit einen Tee kochen. "Nein." Wieder schüttelt mein russischer Rasenmähermann den Kopf. "Obendrrüber, die Eigentümer, die wollen nicht, das wächst Ch-lematis bis zu Fensterr." "Hö?" Wenn ich "hö?" sage, habe ich immer einen äußerst geistreichen Gesichtsausdruck. Und er tut etwas, was er noch nie getan hat. Er lächelt. Und zuckt die Schultern. "Neue Eigentümer haben beschwerrrt - ich muss machen." 

Ich schüttel fassungslos den Kopf. Eine rosa Rankenpflanze, die zum Fenster wächst. Das ist doch das Schönste, was es gibt. Ich weise auf die anderen Fenster, wo sich die Clematis noch nciht so weit hochgearbeitet hat. "Und die? Können die bleiben." Er nickt gutmütig. "Klarr. Aber müssen Sie aufpassen, dass nicht wächst hoch zu Fenster von neue Eigentümer. Dann kommt Beschwerrde." Er schaut mich viel sagend an. "Oh." sag ich. "Ja." sagt er.

So ist das mit Ängsten. Die eine geht, die neue kommt. Ich habe die neuen Eigentümer schon gesehen. Ich hatte schon eine Befürchtung. Jetzt hab ich Angst. 

( Schon der dritte Blogeintrag, im dritten Blog über Ängste, was ist bloß los?)