Sonne, Mond und Sternchen

31.12.2009 um 15:12 Uhr

Nostalgiezwang

Wird das jemals aufhören? Werde ich irgendwann nicht mehr mit dem Kopf gegen die Wände rennen? Warum, warum, warum bringt es mich so auf, wenn alle das gleiche tun? Warum hasse ich es die üblichen Fragen gestellt zu bekommen? Warum regt es mich so auf, dass wir alle auf dieser Straße wandeln?

Ist es so schlimm? Wir gehen in Reih und Glied. Aber ist es so schlimm?

Nachher zählen wir runter. 

Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins...

Zwanzigzehn...

Ich werde mich verloren fühlen...

Und ich werde es nicht begreifen.

Ich werde in den Mond schauen und alleine sein wollen.

Wird das jemals aufhören? 

Was hat mir das Jahr bedeutet? 

Mh..

Was bedeutet mir diese Minute? Diese eine Sekunde? Jetzt. Innehalten. Und schau. Wieder eine. Ich lasse den Rauch meine Atemwege herabfließen. Stoße ihn wieder aus. Meine Hände tanzen mit den Fingern auf der Tastatur. Mein Schreibtisch ist ein Haufen unerledigter Dinge. 2009. 2010. 2011. Wir fließen weiter. Von Moment zu Moment...

20.12.2009 um 23:55 Uhr

Ich bin der Widerspruch in mich...

Ich starre in die tanzenden Flocken da draußen. Mein Mann sitzt mir gegenüber. Wir schweigen. Es ist kein gemeinsames Schweigen. Er schweigt. Ich schweige. Aus dem Fenster schauend. Rauchend. Kaffee schlürfend. Traurige Augen. Sehnsüchtig in den Schneeflocken verfangen. Irgendwann seufzt mein Mann.

"Es ist nicht leicht, Du zu sein, mh?"

Ich muss grinsen. "Nee." sage ich. "Aber es ist schweineinteressant!"

Wir müssen lachen. Und das tun wir wie immer gemeinsam. 

Und ich weiß auch, was es heute ist, was mich so traurig macht. Manchmal passe ich einfach nicht zusammen. Dann bin ich zu viele. Alles auf einmal. 

Zu bunt. Ich bin mir zu bunt. Stell doch mal einer die Farben ab. Stell doch einfach mal einer die Farben ab.

19.12.2009 um 17:21 Uhr

Mein Leben ist ein Ponyhof...

Es geht auf und ab. Mist muss raus. Die Biester stehen auch mal gelangweilt rum, aber die Wiese ist so grün im Sommer, so weiß im Winter und das glitzernde Pulver in der Mähne steht ja nun mal jedem gut. Mal hier ne Möhre, mal da n Apfel, leuchtende Kinderaugen und Gelächter, das sich mit wiehernden Stimmen vereint. Und wir müssen auch nicht immer im Kreis gehen...

Noch dazu riecht es nach Bratwürsten und ich habe die besten Freundinnen der Welt.

 

17.12.2009 um 18:31 Uhr

Kurze Begegnung mit einer Zauberin in der Änderungsschneiderei.

Ungefähr 100% meiner Stoffhosen sind kaputt. Die Reißverschlüsse klemmen, fehlen oder lösen sich auf. In den Nähten machen sich unschöne Löcher breit, die meinen ebenso breiter werdenden Hüften und Oberschenkeln geschuldet sind. Dann noch meine Lieblingsjacke, in der sich das Futter auflöst. Seit Monaten liegen diese Hosen mitsamt der Jacke auf einem Haufen in einer Ecke meines Arbeitszimmers und fürchten sich leise weinend vor der Altkleidersammlung. Sie vertrauten mir nicht. Zu Recht. Ich stopf früher oder später lieber alles in eine Tüte und stell sie vor die Tür, als die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.

Wegschmeißen ist aber vielleicht eine ähnlich schlechte Lösung wie Weglaufen.

Also habe ich die Kälte in mir drin zum Anlass genommen, ein paar Dinge in Ordnung zu bringen. Mit acht Hosen stehe ich in einer von Flicken und Geflickten übersäten kleinen Bude, in der eine fusselige Frau mich freundlich anlächelt.

Sie bestaunt die Löcher, lacht über meine noch erkennbaren Nähversuche, nickt fachmännisch und gibt zuversichtliche Kommentare zu der Qualität meiner Hosen ab. 

Irgendwann sage ich meinen Nachnamen für den Abholzettel. "Oh." staunt die Zauberin. "Wie die Kälte da draußen." Ich kenn den Spruch und nicke nur freundlich. "Aber", die Zauberin betrachtet mich ebenso fachmännisch wie meine kaputten Hosen. "Sie sind gar nicht kalt. Sie sind sehrr sehrr warrm" Ihr rollendes 'r' umschnurrt mich wie eine wollig weiche Riesenkatze. Erschreckt schau ich sie an und senke gleich darauf schüchtern die Lider. Die Zauberin lächelt in sich hinein. "Bis nächsten Mittwoch." ruft sie mir noch zu, während sie meine kaputten Dinge anschaut. 

"Dankeschön." sage ich artig.

"Nichts zu danken." die Zauberin schenkt mir noch einen liebevollen Blick. "Es gibt wirrklich nichts zu danken."

"Doch." sage ich lächelnd.

Ihr nachdenklicher und verständnisvoller Blick folgte mir bis auf die kalte Straße...

 

17.12.2009 um 08:07 Uhr

Wieder öfter...

Ich sollte hier wieder schreiben. So viele Gedanken rauschen tagtäglich durch mein Hirn. Ich begegne Menschen und sie treffen mich. Manchmal ganz tief. Manchmal kratzen sie an der Oberfläche und provozieren leise Unruhe. Ein andermal habe ich Tränen in den Augen vor lauter Freude am leben zu sein. Und manchmal weine ich, weil es so traurige Konstellationen gibt. Illusionen sehe ich, Ängste, Gesten, lächelnde Augen, Frieden manchmal, auch Froh- und allzu oft Irrsinn...

Die Welt. Sie trifft mich auch. Das Leuchten, die Gerüche, Geräusche, Geschmack. Sie hinterlässt ein Gefühl auf meiner Haut, die Welt da draußen, durchdringt sie, manchmal bis in mein Herz hinein.

Und es wär nicht die gute alte Sunny, wenn sie dies nicht alles weiterspinnen würde, in ihrem wirren Kopf, den sie manchmal einfach auch aufräumen muss.

Also sollte ich wieder öfter hier schreiben. Ich fange mit dem Wetter an: Es ist kalt. Und dunkel. Im Licht der Straßenlaternen glitzern vereinzelte Schneeflöckchen auf ihrem Weg nach unten. Dort hinterlassen sie alle zusammen weiße Spuren auf der glänzenden Straße. Ich habe Gänsehaut. Selbst unter den Fußsohlen habe ich Gänsehaut. Schnupper den Frost und versuche meinen Körper zu einer kompakten Kugel zusammenzuducken, was mir nicht gelingt. Es ist dämlich, denke ich. Ich wandere durch eisige Luft und versuche ihr aus dem Weg zu gehen. Irgendwann richte ich meinen Körper auf. Erhöhe meine Geschwindigkeit. Hocherhobenen Hauptes lasse ich das Eis durch meine Sinne wandern.

Es ist kalt.

Das gehört dazu.