Sonne, Mond und Sternchen

15.06.2009 um 01:14 Uhr

Konvention

Man sagt über mich, ich sei ein unkonventioneller Mensch. Ich freu mich dann immer, denn das wollte ich immer sein...

Manchmal frage ich mich aber, was das heißt, welche Konsequenzen das hat, wie das durchzuhalten ist, ohne die ständige Angst etwas falsch zu machen...

Was falsch machen... Seltsamer Gedanke, wenn man beschlossen hat, die Regeln nicht zu beachten. Wie schwer ist es, sich gegen die Regeln zu stämmen?

Fragen wir doch mal anderherum: Wie schwer ist es denn, die Regeln zu befolgen? Irgendwoher kommt er doch, mein Impuls, genau das NICHT zu tun... Und nächste Frage: Welche Regeln? Sind ja doch nur ungeschriebene Gesetze. Konventionen eben. Die bieten Sicherheit. Orientierung. Schauen wir doch einfach nach rechts und links und machen es genauso wie der Nachbar. Zu einfach? Zu einfach.

Komisch mit dieser Selbstfindung. Hat man einen kleinen Teil seines Ichs entdeckt, gibt es kein Zurück mehr. Und dann? Dann quält und jauchzt man sich so durch die Gefühlslagen, von denen es von außen immer heißt, sie seien unwichtig, nebensächlich, man sei doch jetzt erwachsen und die Rente und die Karriere und der Garten und die Fenster und die Förderung der Kinder und schließlich will man ihnen auch was bieten...

Ja, was denn eigentlich? Wir kämpfen gegen Windmühlen - uns wird eine Suppe vorgesetzt, die wir auslöffeln sollen, und wehe dem, der den Löffel beiseite legt.

'Sei nicht traurig', heißt es. 'Reiß dich zusammen.' 'Du bist aber auch empfindlich.'

Neulich sagte eine Freundin bezüglich eines Problems: "Da musst du drüberstehen. Das geht vorbei. Mach einfach weiter und lass es ruhen..."

Hilfe, die 'Ja-da-musst-du-Leute'. Nein zum Teufel. Ich werde nichts verändern, wenn ich weiter mache und es ruhen lasse. Bei mir nicht und in der Welt nicht.

Ich habe davon geträumt, dass es einfacher wird, wenn ich auf mich selbst höre. Dass ich sicherer werde. Vertrauensvoller. Vertrauen in mich selbst, meine Gefühle, meine Überzeugungen. Mit so einer Gratwanderung habe ich nicht gerechnet.

Lausche in dich hinein, die Antworten sind alle in dir.

Sich selbst zuhören... Wenn es da draußen nicht so laut wäre, ach, wenn es da draußen nicht so laut wäre.

Dranbleiben. Bleiben wir einfach dran. Alles, was ich habe, ist der feste Glaube, dass es sich lohnt...

 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSeren_a schreibt am 15.06.2009 um 01:39 Uhr:Ich leg den Löffel beiseite und höre mir selber zu. Ja. Das bringt mich jetzt grade zum Strahlen während ich mich an Deinen Zeilen freue... Und jetzt lauf ich schräg und zerzaust und regellos in mein Bett... :)
  2. zitierensternenschein schreibt am 15.06.2009 um 01:50 Uhr:Es wird gegessen was auf den Tisch kommt. Hiess es immer und auch heute noch im übertragenen Sinne. Lasst uns unkonventional sein und nicht alles essen was uns aufgetischt wird.
    Zum Unkoventional sein gehört auch keine Angst zu haben, etwas falsch zu machen.
    Liebe Grüsse
  3. zitierenanima_cara schreibt am 15.06.2009 um 16:29 Uhr:Den Löffel zur Seite legen... Das machen wir gerne. Aber irgendwann werden wir ihn wieder in die Hand nehmen MÜSSEN. Wir können dabei eine Speise so, so oder so zubereiten. Es bleibt aber dennoch was es ist: ein Stück Lebensmittel.
    Also liegt es einzig und allein an unserer Zubereitungsform, um es schmackhaft genießen zu können.

    Ein ganz banales Beispiel: Wir lernen unseren Kindern, wenn sie noch ganz klein sind, wenn sie vom Garten oder Spielplatz kommen, werden VOR dem Essen die Hände sauber gewaschen.
    Warum tun wir das? Nur wegen der Ästhetik? Nein, sicher auch um zu vermeiden, dass Krankheitserreger durch evtl. Abschlecken der dreckigen Finger in den Körper gelangen. Also dient diese Regel ihrem bzw. unserem Schutz. Ob das Händewaschen nun in einer 1-Minuten-Waschpasten-Rubbelaktion passiert oder in einer 10-minütigen Das-Badezimmer-steht-jetzt-unter-Wasser-Katastrophe praktiziert wird, bleibt dem Kind *hüstel* den Eltern überlassen. Kreativität ist angesagt...

    Klar soll jeder seine persönliche Freiheit genießen und bewahren dürfen, aber ganz ohne Regeln wird ein Miteinander nicht funktionieren.
    Das soll natürlich nicht heissen, dass wir jede noch so unsinnige Regel stur einhalten sollen/müssen/wollen. Die Frage ist dann aber, warum gibt es sie überhaupt? Sie wurde doch von 'uns' gemacht?! Wie können wir etwas daran ändern? Ist, sie einfach zu umgehen, der richtige Weg?

    Sunny, in und hinter deinem Eintrag steckt so viel mehr. Ich habe lediglich ein kleines Beispiel genommen und das ist nicht persönlich zu nehmen. ;o)))

    liebe Grüße
  4. zitierensunnysightup schreibt am 15.06.2009 um 19:07 Uhr:Ein weites Feld, ein ganz weites Feld. Regeln... Welche Regeln mein ich eigentlich? Heißt unkonventionell sein, keine Zähne mehr zu putzen? Geschwidnigkeitsbegrenzungen zu ignorieren? Kein Waschen mehr, über Rot gehen, nicht mehr Spülen nach dem Toilettengang? Geht es mir um Anarchie? Nee. Aber weil ich nicht so genau wusste, worum es mir geht, habe ich diesen Eintrag vor einem Jahr auf 2009 vordatiert. Alles noch nicht so durchdacht, dachte ich damals.
    Dass er dennoch erschienen ist, lag nicht in meiner Absicht. Es mag ein Zufall sein, der mal wieder keiner ist. Das Thema beschäftigt mich seit langem. In letzter Zeit wieder stärker. Vor zwei Tagen träumte ich von einer Mutter aus dem Kindergarten, die ihrer Tochter den Umgang mit meiner verboten hat, weil sie findet, dass (O-Ton aus dem Traum) ich "ein schräger Baum" sei.

    Ein schräger Baum...

    Das berührt nun wiederum vieles der Bereiche, die ich gefühltermaßen bei Verfassen dieses Eintrags vor einem Jahr meinte, ich werde mich noch weiter damit beschäftigen, wenn Zeit ist zwischen all den notwendigen Regeleinhaltungen. Ihr dürft gespannt sein (müsst es aber nicht :-)))
  5. zitierenanima_cara schreibt am 15.06.2009 um 19:53 Uhr:Das trifft es! Ein sehr weites Feld über das wir sicher ganze Seiten füllen könnten. Ich denke im Grundsatz geht es aber darum Wege zu beschreiten um sich selbst im bestehenden Regelwerk nicht zu verlieren. Oder evtl. auch wiederzufinden.
    Mir gehts meist so, dass ich mich innerlich zwar gegen Schubladenzuordnungen wehre, mich aber genau dadurch in eine weitere schieben lasse. *schmunzel*

    Schräge Bäume find ich klasse. Sie sind natürlich gewachsen! ;o)
  6. zitierenZwischenweltler schreibt am 26.06.2009 um 22:21 Uhr:Neulich las ich:
    Wer gegen den Strom schwimmt, sollte nah beim Ufer bleiben.
    Ich denke, das trifft es ganz gut.
  7. zitierensunnysightup schreibt am 26.06.2009 um 22:24 Uhr:uiuiui, da muss ich, glaub ich, länger drüber nachdenken. viel interpretationsspielraum.

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