Rasenmähermann
Könnt Ihr Euch noch an meinen Rasenmähermann erinnern? Der auch immer die Ritzen am Gehsteig klappernd und schabend bearbeitet hat, als gäbs kein Morgen mehr? Ich hatte immer ein bisschen Angst vor ihm. Er läuft im Sommer drei Mal die Woche stur auf und ab in unserem Garten, er grüßt mit einem mürrischen Nicken, er hat noch nie gelächelt in 3 Jahren nicht, sowas ist mir unheimlich.
Heute haben wir eine Gemeinsamkeit entdeckt. Wir lieben Blumen. Während ich hier am Rechner saß bei der morgendlichenVorm-Büro-Zigarette, öffnete sich von mir unbemerkt die Gartentür. Als ich ihn bemerkte, den Rasenmähermann, stand er schon in Reichweite und ich gab einen Schreckenslaut von mir. Ungefähr so: Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihk.
Er, völlig unbeeindruckt, nickt mürisch und begutachtet ein paar Pflanzen, geht von Terrassentür zu Terrassentür, kratzt sich den Bart und schüttelt den Kopf. Ich entdecke das Playmobil im Gras (sauber verteilt, danke kleine Erdnuss) und frage, ob ich es weg räumen muss. Er schüttelt den Kopf und mit seinem russischen Akzent sagt er das folgende: "Kann es sein, dass ich muss bald Ch-lematis schneiden, ganz unten muss ich abschneiden."
Ich schau ihn entsetzt an. Ich liebe die rosa Blüten im Frühling. "Oh nein!!!" sag ich mit aufgerissenen Augen. "Wächst die denn nach?" Traurig schüttelt er den Kopf. "Ch-at keine Sinn, wächst nicht wieder." "Ist sie krank?" ich bin besorgt, würde ihr jederzeit einen Tee kochen. "Nein." Wieder schüttelt mein russischer Rasenmähermann den Kopf. "Obendrrüber, die Eigentümer, die wollen nicht, das wächst Ch-lematis bis zu Fensterr." "Hö?" Wenn ich "hö?" sage, habe ich immer einen äußerst geistreichen Gesichtsausdruck. Und er tut etwas, was er noch nie getan hat. Er lächelt. Und zuckt die Schultern. "Neue Eigentümer haben beschwerrrt - ich muss machen."
Ich schüttel fassungslos den Kopf. Eine rosa Rankenpflanze, die zum Fenster wächst. Das ist doch das Schönste, was es gibt. Ich weise auf die anderen Fenster, wo sich die Clematis noch nciht so weit hochgearbeitet hat. "Und die? Können die bleiben." Er nickt gutmütig. "Klarr. Aber müssen Sie aufpassen, dass nicht wächst hoch zu Fenster von neue Eigentümer. Dann kommt Beschwerrde." Er schaut mich viel sagend an. "Oh." sag ich. "Ja." sagt er.
So ist das mit Ängsten. Die eine geht, die neue kommt. Ich habe die neuen Eigentümer schon gesehen. Ich hatte schon eine Befürchtung. Jetzt hab ich Angst.
( Schon der dritte Blogeintrag, im dritten Blog über Ängste, was ist bloß los?)
