Wenn die Angst wieder zuschnappt, dann spür ich sie vorher schon brausen, leise wispernde Stimmchen, komischerweise in meinem Bauch, die seltsame Zusammenhänge entdecken, Koinzidenzen, Blicke, Betonungen, Satzstellungen, alles ist dann wichtig, alle Tatsachen und Auslassungen.
Klingt wahrhaftig ungesund, ist es aber nicht. Die Angst sitzt in uns drin, wahrscheinlich in uns allen. Fraglich ist, wie sehr sie genährt wurde, die Angst, wie sehr gehegt und gepflegt, wie manifest diese Muster sitzen, wie berechtigt sie war, die olle olle Angst...
der Kopf steuert gegen und hält die zweite Realität bereit, diejenige, in der alles gut ist, in der nicht permanent nach mir gesucht wird, nach mir geschaut, in der ich keine Schuld habe, in der es auch einfach mal egal ist, was ich tue und lasse.
Aber im Bauch. Da grummelt die Angst. Es braut sich was zusammen, sagt sie. Achtung. Vorsicht. Alarmglocken. Tirili, tirila...
Und dann braucht es nur einen einzigen Gedanken, der die Falle schnappen lässt, einer, der alles erklärt - die Blicke, das unbestimmte Gefühl. Und padautz. Der Puls ist urplötzlich auf 200, der Kopf rast, beruhigende Realitäten zerplatzen wie ein Traum, der Atem geht schneller und schneller, die Konzentration flöten, ein Alb auf der Brust, wie kann das Hecheln gegen diesen Felsen ankommen, wieso platzt das Herz nicht, es tut weh und ich will nur noch, dass es aufhört.
Komischerweise habe ich mich wesentlich besser gefühlt, als das der Normalzustand war. Ständig unter Strom und Stress war besser als die Unterbrechung dieser wundervollen Ruhe, dieser Ausgeglichenheit, die ich mittlerweile zu genießen imstande bin.
Die Angst ist zu einem Bus geworden, der mich ab und zu umfährt, einfach in die Seite kracht. Man sieht ihn noch aus den Augenwinkeln und sagt sich, HAH! ICH HABS GEWUSST!
Dennoch: Ich fürcht mich nicht mehr so. Ich weiß, dass es sie gibt, die Ruhe, die Normalität und das einfache Leben, in dem es teilweise nur darauf ankommt, die nächste Wäsche anzustellen.
Und das tue ich jetzt auch. Buntwäsche, 40 Grad. Wie normal. Und wie wichtig.
und nun atme ich in ruhigen Zügen gegen den Felsen, auf dass er zu Staub zerfalle - Amen!