Nachtschattengedanken

30.01.2008 um 00:09 Uhr

Kontakt

Wenn ich Kontakt will, zieh ich mich zurück.

Paradox.

 

28.01.2008 um 22:39 Uhr

Patt

Lange lange saß ich unendlich gelangweilt beim Therapeuten. Ich langweilte mich. Also mich selber. Oder, ähm, ich langweilte den Therapeuten? Nein, es war anders, es langweilte mich, dass ich den Therapeuten langweilte. Oder war es so, dass er sich langweilte und mich damit langweilte? Langweilte ich mich? Er mich? Ich ihn? Oder - oder wir uns?

Und jetzt alle: Jeanny, quit livin' on dreams...

Wie ging das nochmal weiter? Jeanny, life is not what it seems...

Lassen wir das mit der kalten Welt und dem einsamen kleinen Mädchen weg, aber ja, da saß ich, Dienstag für Dienstag, in diesem roten Sessel, beide Hände ruhten auf den überdimensionalen Lehnen, ich hatte die ersten zehn Sitzungen hinter mir, meine Lebensgeschichte war erzählt. Was nun? Wieder von vorne anfangen? Er stellte keine Fragen. Keine einzige. Ja, sollte ich alles alleine machen? Wofür war er denn dann da? Nachdem ich sagte, so das wars fürs erste, und, was meinen Sie?, weiß ich noch genau, dass er meinte: "Puh. Ja. Scheiße, ne?"

Wie? Was? Dafür geh ich zum Therapeuten? Dafür zahlt die Krankenkasse, dass man von einem Fachmann bestätigt bekommt, dass man ganz schöne Scheiße erlebt hat? Und? Wo war meine Diagnose? Er wusste doch nun, was ich erlebt hatte. Welche Neurosen oder wat auch immer lösen denn solche Erlebnisse aus?

Er sagte noch etwas: "Naja, Sie haben den Film, aber Ihnen fehlt der Soundtrack."

Hä?

"Nun. Sie sollten es fühlen. Was fühlen Sie, wenn Sie das alles Revue passieren lassen?"

Heureka, eine Frage! Was freute ich mich. Aber, ja, ähm, was fühlte ich?

Ich habe irgendwas von Verbitterung gefaselt. Sollte ich denn irgendwas anderes fühlen? Traurigkeit? Diese Softtücher aus der Box vollrotzen? Der Doc stellte jedenfalls irgendwann fest, dass Selbstmitleid nicht mein Ding ist. Mann, da hab ich mich gefreut. Ich war ja so hart. Mann mann mann, war ich hart.

Eine der nächsten Sitzungen bekam ich die zweite Frage. Und sogar noch eine Antwort dazu. Na, dieser Dienstag hatte sich ja richtig gelohnt. Er fragte: "In welchem Verhältnis, glauben Sie, stehen die guten und die schlechten Erlebnisse aus Ihrer Kindheit?"

Uiuiui. Ich wog ab. Wog hin und her. Drehte. Wendete. Rollte die Augen, sah nachdenklich nach unten, nachdenklich nach oben und kratzte mich am Kopf.

Ich sagte: "Naja, ich würd mal sagen 80 schlecht, 20 gut."

Er schüttelte den Kopf. "Ich sag Ihnen mal was." (na endlich) "Fünfzig - fünfzig!"

Hab ich nicht verstanden. Ehrlich nicht. Und heute versteh ich nicht mehr, wie ich das nicht verstehen konnte. Es stimmt. Egal, was grad läuft. Tränen. Gänsehaut. Herzklopfen. Alles fifty-fifty. Und allerbestenfalls haben wir einen Blick auf beide Seiten, freuen uns an den schönen Dingen, wissen in schlechten Zeiten, dass auch wieder gute kommen, und blenden in guten Zeiten nicht aus, dass es uns auch schon mal schlecht ergangen ist.

Schlimmstenfalls allerdings machen wir dicht, reden uns die Welt schlecht oder schön, je nach dem, ohne Soundtrack, sammeln Indizien und werten im Kopf aus nach Schema F, das wiederum schlimmstenfalls gewohnheitsmäßig die schlechte Seite bevorzugt.

Trotzdem: Ich hab was zu meckern! Fifty - fifty ist definitiv nicht gut ausgedrückt - es klingt nach schwarz-weiß, dabei ist die Welt bunt, und jede verdammte Farbe hat ihren Reiz und ihre Tücken.

Das macht es sicherlich nicht übersichtlicher, aber doch immerhin abwechslungsreicher.

Selbst Langeweile hat eine Farbe.

Wie schön.

01.01.2008 um 15:18 Uhr

gelassen

Meine letzten Worte heute morgen waren: "Schön, wenn man gelassen wird."

Lassen ist ein seltsames Wort. Lass mich in Ruhe, kann man sagen. Oder: Lass mich.

Lass mich... Für mich immer synonym für: Ich will allein sein. Greif nicht nach mir. Ich will meine Ruhe. Keinen Kontakt.

Aber 'lassen' ist offensichtlich etwas, das auch im Kontakt funktioniert. Keine Fragen, kein Stirnrunzeln, keine genervten oder irritierten oder bösen Blicke.

Und dann kommt da dieses Lachen. Viele Leute lachen gemeinsam. Und sie tun es aus vollem Halse. Werfen ihre Köpfe zurück, achten nicht auf schiefe Zähne oder kleine Spritzer. Die Augen verschwimmen in Tränen. Kleine Zwischenrufer halten diese Welle hoch, sie rollt und rollt ,und wir reiten lachend auf ihr, wie die Kinder.

Und wir lassen uns. Lassen uns und werden gelassen.

Gelassen.

Wie schön.

Ein frohes, ein wundervolles, ein gelassenes neues Jahr wünsche ich.

Ich habe so manches hier verarbeitet, mal blind, mal geblendet, mal verschwommen. Die Gelassenheit überrascht mich selber.

Danke fürs Lesen und Kommentieren. Ich freue mich, dass ihr da seid...