Das Gefühl aushalten...
Es war in einer dieser unsäglichen Gruppentherapiesitzungen, als ich über mich hinauswuchs und freiwillig den blöden bunten Ball nahm und sagte: Ich habe etwas zu sagen.
Alle schauten mich an. Der gute alte Therapeut war gespannt. Vielleicht wusste er, dass ich nur spreche, wenn mir wirklich etwas auf dem Herzen liegt. Und ich? Ich sagte das folgende:
"Was ist eigentlich mit Angst?"
Schweigen.
"Ich meine... Also... Wir lernen hier authentisch mit Gefühlen umgehen. Weint, wenn ihr traurig seid, schreit, wenn ihr wütend seid, lacht, wenn ihr traurig seid. Aber was tue ich denn, wenn ich Angst habe?"
Schweigen. Blasse Gesichter starren mich an. Der Therapeut sieht mich ratlos an. Die Co-Therapeutin nickt langsam und bedächtig mit dem Kopf: "Das ist ein sehr gutes Thema."
Schweigen.
Oh. Offensichtlich nicht. Denn weiterhin starren mir diese ausdruckslosen Gesichter entgegen. Und keiner sagt etwas. Ich beginne zu stottern: "Wisst ihr, was ich meine? Wie kann man authentisch mit Angst umgehen? Wut, Freude, Trauer, das kann ich alles nachvollziehen, aber die Angst sagt: LAUF WEG. Und wenn ich diesem Gefühl nachgebe, wächst sie, die Angst, aber wenn sie wächst, geht es mir nicht gut, und wenn ich stehen bleibe, wehre ich mich gegen ein Gefühl."
Langsame Erkenntnis macht sich auf dem Gesicht meines Therapeuten breit. Die Erkenntnis, dass ich ein GANZ heißes Eisen angepackt hatte.
Schweigen.
Vielleicht bin ich die einzige, die Angst hat, denke ich plötzlich. Vielleicht weiß keine Sau, was ich meine? Ich bekomme Angst. Keiner sagt was. Alle starren auf ihre Socken. Socken sind spannend in der Gruppentherapie. Manche tragen nur funkelniegelnagelneue, keine ausgebleichten, gern auch mal geringelt, mit corall gewaschene, aber niemals, wirklich niemals hatten sie Löcher, die Socken, auch meine nicht, obwohl ich verdammt viele Socken mit Löchern besitze. Und auch anziehe. Aber eben nicht in der Gruppentherapie.
Na, meine Güte, es kann mir doch keiner erzählen, dass DAS nichts mit Angst zu tun hat. Die Menschen HABEN doch löchrige Socken. Oder nicht?
tbc...

probiere es aus und du wirst immer mehr klarheit über die funktion deines ichs bekommen.
viel erfolg beim wachsen (;->)
Ich hab mir auch oft gedacht, wieso ist das Weglaufen so verpönt, wenn man Gefühle zulassen soll? Ich hocke wie angenagelt irgendwo, wo ich mich schrecklich fühle und traue mich nicht wegzugehen, mich aus der Situation zu befreien... ob das gut sein soll... sicher nicht. Weglaufen ist auch keine Lösung, ja... aaaaber ein Gefühl wirklich einmal zulassen und dann damit umgehen... wäre vielleicht eine Möglichkeit. Also wirklich weglaufen, wenn man es vorher nie gemacht hat. Und dableiben, wenn man das vorher nie gemacht...
Es gibt kein Vollwaschmittel für alles...
Ich ziehe auch Socken mit Löchern an... und denke mir immer: einmal noch, dann schmeißt du sie weg... :)
Ich glaube nicht, dass man sich wehren kann gegen die Angst.
Man muss sich einlassen auf sie, was nicht gleichbedeutend ist mit Zulassen.
Also zu sagen: „Du Angst, ich erkenne dich, ich fühle dich - aber du wirst mich weder bestimmen noch vereinnahmen!“ Das ist für mich authentisch.
Nachgeben wäre, in der Angst zu versinken, sich durch sie lähmen zu lassen. Wehren? Geht das überhaupt? Ich denke nicht. Sich ihr stellen, ist der einzig heilende Weg.