Fallstudie

03.04.2015 um 21:55 Uhr

Kurz vor den Feiertagen

Mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen, verbraucht pro Stunde 150 Kalorien. Das habe ich letztens irgendwo gelesen. 

 Gewichtsmäßig müsste es demnach eigentlich super laufen für mich. Tut es aber nicht.

Was ich auch gelesen habe, ist, dass der finnische Parlamentsabgeordnete Tommy Tabermann seine verheirateten Landsleute jährlich  zu einem einwöchigen Liebesurlaub verdonnern will, damit deren Sexualleben intakt bleibt. 

Das wiederum halte ich für eine äußerst charmante Idee, auch für deutsche Ehepaare. 

Nicht, dass ich persönlich betroffen wäre, aber gerade jetzt, in der vorösterlichen Zeit, begegnet man doch an der Kasse so vielen schlecht gelaunten Menschen...  

 

 

26.02.2015 um 15:53 Uhr

Das Schicksal ist eine schlecht gelaunte alte Tante

Horoskope sind für mich so eine Sache. Ich glaube kein bisschen daran, bin aber auch nicht so eine Oberschlaue, die das alles für ausgemachten Blödsinn hält und das bei jedem einzelnen Horoskop, das ihr über den Weg läuft, auch kundtun muss. 

 

Bei Langeweile lese ich sie durchaus mal, ich finde sie in erster Linie unterhaltsam. Und auf gewisse Weise auch aufschlussreich. Ich wusste zum Beispiel in jenem Moment, ich bin drüber hinweg, als ich nicht mehr zuallererst das Sternzeichen des Herren Exfreund in Augenschein nahm, sondern mein eigenes. 

Das wirklich mit Abstand schönste Horoskop hatte Herr windkraft vor einiger Zeit, es ist so ein wundervolles Kleinod, dass man gar nicht aufhören kann es schön zu finden:

"Wassermann: Es fehlt Ihnen an körperlicher Energie, aber auch an kreativem Potential. Akzeptieren Sie das einfach."

 

08.02.2015 um 22:49 Uhr

Er heißt Waldemar weil's im Wald geschah

Einer meiner Arbeitskollegen hat ein Kind bekommen. Zusammen mit seiner Frau natürlich. Vor ungefähr zwei Wochen oder so. 

Ich fahre mit meinen Kindern manchmal in den Wald. Dort gibt es ein Dammwildgehege samt Ziegen, Gänsen und Hühnern, die sich alle wie sie da sind wie Bolle über unsere alten Brotscheiben freuen.

Was das eine mit dem anderen zu tun hat, will ich gerne erklären:

Eben jenen Kollegen samt Frau und Kinderwagen sah ich nun dort am Gehege stehen. In Eiseskälte, aber mit diesem seligen Jung-Eltern-Lächeln im Gesicht standen sie da. Sie hatte einen todschicken weißen Muff um die Hände, und da er dank Elternzeit in absehbarer Zeit nicht wieder ins Büro kommt, dachte ich "Ach guck, da kannste auch eben gratulieren...", drückte den Kindern die Brottüte in die Hand und stiefelte auf die beiden zu.

Erst als ich direkt vor ihnen stand, setzten meine Synapsen alle optischen Eindrücke zusammen: Der Muff war kein Muff. Sondern das Kind. Und sie hatte nicht etwa Haltungsstörungen, sondern stillte. Sie stand stillend im Unterholz.

Ich stoppte und zögerte. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht unbedingt ein Freund der öffentlichen Milchbar bin. Ich verurteile niemanden dafür, um Gottes Willen. Aber es ist eben doch LEICHT unangenehm, wenn man in Situationen wie diese gerät. Arbeitskollege, fast unbekannte Frau, Unterholz, Hirsche, entblößte Brüste.

Mein Kollege wollte die Situation offenbar entschärfen, denn er sagte jovial  und stolz zwinkernd: "Er isst grade..."

Ich entgegnete: "Au, und ich hatte gehofft er trinkt nur..."  

Für diesen absoluten Brüller (kommt schon... Is doch knallerlustig, oder was?!) erntete ich nur eine tadelnd hochgezogene Augenbraue. Von beiden. Also zwei.

Ich hatte vergessen, dass es mit dem Humor etwas hapert, wenn die Hormone noch wallen. Mich verließ der Mut und nach der offiziellen Gratulation fragte ich DIE Frage aller Fragen, wenn man Smalltalk mit Jung-Eltern halten möchte: "Und, wie isses mitm Schlafen?" 

Glaubt mir, man bekommt alle, wirklich ALLE Einzelheiten. Klein Sören schläft gut, von halb elf bis vier. Dann nochmal bis sieben. Manchmal auch schon bis fünf, dann aber weiter bis acht. Das kommt auch son bißchen immer auf seinen Stuhlgang an. 

Was ich an dieser Stelle schamhaft gestehe, ist, dass das voll mein Thema ist. Ich bin nämlich der King of Stilling! Eine  wandelnde und staatlich geprüfte Laktationsberaterin. 

Ich bin schon stolz, wenn ich den ehrfürchtigen Blick von  Frischeltern  auf mir spüre, wenn ich von damals erzähle, als ich kurz vorm Krieg auch mal Milch geben musste: "Alle anderthalb Stunden kam er. Kannst du dir das vorstellen?!? ALLE ANDERTHALB STUNDEN!!!" 

Worauf ich nun hinaus wollte, weiß ich nicht mehr. Wir haben die Waldsituation gemeistert. Alle zusammen. Kalt war es, Klein-Sören wollte nach Hause und die Gänse sind der Boss im Gehege

 

 

25.01.2015 um 20:28 Uhr

Er sagte nein

Die berühmte Doppelbelastung der heutigen Mütter  (die ohne Übertreibung  bei vielen in realitas eher eine triple- bis fünffach Belastung ist) wird ja oft und gerne zitiert. 

 

Auch ich befinde mich im stetigen Bermuda-Dreieck der modernen (in meinem Fall auch modernden, har har)  Frau: Arbeiten, Kinder, Haushalt, Socializing etc. 

 

Dass dies mitunter seltsame Auswirkungen hat, bemerkte ich heute, als ich nach einem wirklich harten Tag (je suis Trotzphase Nummer ich weiß nicht wie viel) noch die Wäsche aus dem Trockner holte. Als er leer war, steckte ich neugierig meinen Kopf in die Trommel und sah mich um. Es war lauschig warm, es herrschte angenehmes Licht, und vor allem: es war herrlich leise. 

 

Also fixierte ich den glänzende Edelstahl, stellte mich vor, und fragte meinen Trockner: "Darf ich bitte hier wohnen?" 

22.01.2015 um 15:54 Uhr

Nicht gelacht

Langsam taste ich mich wieder heran. 

So viele Abwanderer hier im kleinen Blögchen... Da muss man doch einen Gegentrend schaffen!! Wigida -  windkraft gegen die inakzeptable dauerhafte Abwanderung. So. Da habt ihr den Salat... 

Ich erlebe zwar nix, aber das gründlich. Glaubt ihr nicht?

Ein Beispiel: Heute aufgestanden, zur Arbeit, dort kurzerhand beschlossen  nach gefühlter Ewigkeit wieder mit dem Rauchen anzufangen, bei Kollegin eine Kippe geschnorrt, geraucht, stolz bemerkt, dass mir nur latent schwindelig wird, Kinder bei Oma und Opa abgeholt, vorher Hände gewaschen und Kaugummi in den Mund (wie mit 14!!), Kinder ins Bett, wieder raus und vor Kika gesetzt. Alles aufgeschrieben. Ende der Erzählung. 

Ich bin mir echt nicht sicher, ob ihr auf Dauer mit solchen Hammer-Stories umgehen könnt...