Fallstudie

30.01.2010 um 12:23 Uhr

Von Doris und ner E-Gitarre

Oh, was bin ich doch eine treulose Tomate!

Mit Grauen sehe ich, dass ich in meiner Zeitleiste (da rechts...) ein ekliges, triefendes Loch von 3 (!!!) Monaten habe.

Vielleicht fehlen mir in letzter Zeit einfach die Worte. Wortwörtlich. Das muss sich ändern. Dringend.

Ich könnte Sachen erzählen, aber sie erscheinen mir so blöd. So normal, verstehen Sie? Ich bin ja jemand, der latent immer das Drama sucht, die Päsch´n und das ganz ganz große Gefühl. Doch mit einem lauten Schwupps scheint sich mein Leben geändert zu haben. Da gibt es im Höchstfall noch eine Geschichte von meiner nervigen Kollegin Doris. Aber wen interessierts? 

Doris ist nämlich AUCH so blöd. Doris reizt mich zum Fremdschämen. Doris trägt türkisblau schimmernde Blazer, kombiniert mit Wanderschuhen und cremefarbenem Seidenschal und hält sich für elegant. 

Doris besitzt eine ausgeprägte Profilneurose und möchte alles genau so wie sie es eben möchte. Ansonsten gibts genäselte Einwände und pseudo-freundliche Belehrungen. Ich füge mich ... und denke mir meinen Teil. Nützt ja nix. Und ich bin faul....

Sehr schön war übrigens folgende Sitewation: Der neue Geschäftsführer  bereist unseren kleinen Laden und wird zu ihr ins Büro gebeten. Bekommt mit viel Herumscharwenzeln und angedeuteten Knicksen Tee angeboten (obwohl er, wie ich später feststellte eher passionierter Kaffeetrinker ist), hört von Doris viele "Hach wie schön Sie kennenzulernen" und "Legen Sie doch bitte ab, setzen Sie sich" und bekommt anschließend ungefragt ihre Lebensgeschichte zu hören. Eine Erfolgsstory - natürlich! 

Ich sitze -Statistenrolle- daneben, schäme mich fremd und höre plötzlich folgenden Satz von ihr, in einem Singsang vorgetragen und mit einem versucht neckischen Grinsen in ihrer Hackfresse: "Tja, lieber Herr Aschentreter, und ich möchte Ihnen natürlich auch nicht verschweigen, dass ich es dort bis zur Chefredakteurin gebracht habe...." und lässt diesen Satz wirksam verklingen. 

Herr Aschentreter lächelte sichtlich unbehaglich. Vielleicht muss man wissen, dass sie von einer Fachzeitschrift für Pferdebedarf sprach. Macht´s das komischer? Für mich auf jeden Fall. 

Ich wand mich in meinem Sessel und schmulte rum. Heißt: ich versuchte das aufkommende Glucksen in den Griff zu kriegen. Mein Fazit von diesem Tag: Schleimen darf man, aber doch bitte etwas subtiler.

Das Gegenprogramm gab es aber immerhin auch: Der Männe und ich rocken. Die letzten Abende haben wir mit seiner E-Gitarre verbracht, die er unter lautem Protest wieder hervor gekramt hat. Er spielte und ich wippte mit dem Kopf. Das war schön! Mein Projekt für 2010 ist es nämlich, diesem Talent nicht zu erlauben, es verkümmern zu lassen. 

 

Tja, liebe Freunde. Wie Ihr seht, habt Ihr nichts verpasst. Und das nächste mal verrate ich Euch, warum ich plötzlich in einer Villa wohne... 

 

Pfürti, Servus und Baba.... und ein frohes neues Jahr! :-)

19.10.2009 um 18:54 Uhr

Die Lakonie

Ich habe Grippe. Ob Schweine- oder nicht - who knows? Der Doktor ordnete jedenfalls keine komplizierten Bluttests an, sondern verschrieb mir lediglich Bettruhe und viel Tee. Na bravo. Und dafür zahlt meine Kasse nun an die 200 Euro.

Nichts genaues weiß man jedenfalls nicht, also bleib ich vorsichtshalber bis Mittwoch mal in Quarantäne. Und langweile mich. Nur der heutige Morgen begann mit einem Schock: Beim Naseputzen menstruierte ich plötzlich aus derselbigen. Soll heißen: Es waren keine leicht blutigen Popel, die ich da zutage förderte, es waren Sturzbäche vom Lebenssaft, die flott 4 Taschentücher füllten.

Das war echt erschreckend, weil ich in meinem ganzen, inzwischen über 30 Jahre währenden Leben noch niemals Nasenbluten hatte. Noch nie! So dachte ich kurzfristig, ich muss sterben. Nennen Sie mich hysterisch, aber so war es.

Mehr war aber dann nicht mehr. Wie Sie sehen: Mir fällt die Decke auf den Kopf....

 

17.10.2009 um 11:35 Uhr

Monkey Business

"Oh oh" entfährt es mir zurzeit regelmäßig und mit gespitzten Lippen ... "Oh oh"....

So geht das jetzt seit vorgestern. Ich habe etwas getan. Also gewagt. Aber vielleicht fange ich anders an: Ich habe etwas getan, was ganz und gar gegen meine Natur ist... Nee, lieber von vorne:

Vorgestern saß ich im Büro, mümmelte an meinem Brötchen und blätterte in Werbeprospekten. Da fiel mir das rote auf, das mit den zwei M´s. Da gab es einen Fernseher. Einen LCD-Fernseher. Einen 106cm-LCD-RIESEN-FERNSEHER!!! 

Und ab dem Punkt haben sich wohl alle meine Sinne ausgeschaltet. Oder an, und das Gehirn aus, wie auch immer. Plötzlich war ich ferngesteuert: Ich habe meine Mittagspause einfach verlängert, bin nochmal raus gegangen, rüber gestiefelt zu dem 2-M-Laden und habe mir schnurstracks einen Verkäufer gegriffen. 

"Hallo...!" Ich grinste den pickeligen jungen Mann mit dem roten Polo-Shirt an, als würde ich ihm eine wirklich frohe Botschaft überbringen. Er lächelte geschäftsmäßig, abwartend. Als ich ihn einfach nur weiter angrinste, wurde Medi-Monkey unsicher.

"Kann ich helfen?"

Ich: "Jahaa!" Immer noch strahlend.

Er: "???"

Ich: "Ich möchte einen Fernseher kaufen!"

Er (mit einem Sagen-se-das-doch-gleich-Gesicht) "Sehr gerne, haben Sie denn ein bestimmtes Modell im Kopf?"

Ich: "Ja!"

Er: "???" (nickt aufmunternd)

Ich: "Äh, Moment..." (und krame umständlich in meiner Handtasche, bis ich ihm freudestrahlend das Prospekt mit dem 106-Zentimeter-Monster unter die Nase halte).

So ging das eine ganze Zeit hin und her, -ich fragte Monkey zum Beispiel nach seiner Meinung, was man natürlich niemals tun darf, aber ich hatte mich ja eh schon entschieden. Wir waren uns einig, und nun grinsten wir beide im selben Rhythmus.

Plötzlich fuhr ich mir mit der Hand an die Stirn: "Oh nein!!!" Monkey stieg die Panik in die Augen. Wahrscheinlich hatte er in diesem Moment rege Darmtätigkeit, als er seine Prämie davonschwimmen sah...

Ich sah ihn verschwörerisch an: "Ich bin doch grade im Büro-ho...!" woraufhin er nur nickte (was sollte er auch anderes tun). "Ich kann ihn erst heute abend abholen..." 

Niemals habe ich einen Menschen erleichterter zurück gelassen als Monkey im roten Polo-Shirt.

Ich war immer noch voller Hormone, als ich das Gerät alleine (!!!) abholte, die Treppen hochwuchtete und aufbaute. Auch als ich das gute Stück zum ersten Mal anstellte, war ich noch erleuchtet und ein breites Grinsen zierte nach wie vor mein Gesicht.

Aber allmählich, ganz allmählich, wurde mir klar, was ich da gemacht hatte. Ich bin ein Sparfuchs. Ein Ratio-Typ. Ein Vernunft-Charakter. Ich bringe es sonst nicht über mich, auch nur 2,50 Euro ohne Not auszugeben. Und seitdem kräuselt immer mal wieder dieses klagende "Oh Oh" meine Mimik. "Oh Oh...." - aber geil ist er schon! Fröhlich

 

 

15.09.2009 um 18:31 Uhr

Tuppern für untenrum

Heute morgen musste ich feststellen:

Auch wenn man noch so viel Spaß hatte, auch wenn es noch so viele Zeichen der augenzwinkernden Verschwesterung gab, auch wenn man noch so sehr zusammen gelacht hat -

 

Es ist eben doch relativ peinlich morgens, bei fahlem Licht und mit verquollenen Augen, jener fremden Frau zu begegnen, mit der zusammen man zwei Tage vorher Teil einer großen, ausgelassen der Frivolität frönenden Weibergesellschaft war, die sich "Dildo-Party" nannte.

Genau wie ich sagte sie betont fröhlich "Hallo", schob genau wie ich einen Spruch hinterher á la "Naa, gehts zur Arbeit?" und fragte sich hundertprozentig genau so wie ich, was das freundliche Gesicht, das ihr da fahrradschiebend gegenüberstand, wohl vorgestern an Spielzeug für den Intimbereich bestellt haben mag...

 

16.08.2009 um 21:22 Uhr

Komisch...

Hach Mähääänsch! Nie spürt man die Einsamkeit mehr, als wenn man wieder allein ist sach ich immer...

Eine ganze Woche ist jetzt wieder Strohwitwendasein angesagt, und ich habe mein Allheilmittel schon parat gelegt. Schokolade, Erdnüsse, Zigaretten, Telefon.

Eigentlich bräuchte ich noch was, das mich vom fiesen Gedanken an das Arbeiten morgen früh ablenkt. Drogen ohne Nebenwirkungen und ohne Suchtpotential... das wärs. Sehr seltsam, dass eine Menschheit, die zum Mond fliegt und mitten im Wald auf seinem Handy bei ebay mitbieten kann, DAS noch nicht geschafft hat. Ich überlege grade, ob Waschmittel schnüffeln irgendeinen Effekt haben könnte...