Treffen sich Christkind und Rentier beim Arzt...
Um diese Baby-Sache noch ein bisschen abzurunden, ist mir folgende Ungeheuerlichkeit eingefallen.
Was kennt man eigentlich für Leute?
Vor ungefähr zwei Jahren war es. Ich - ein nach acht Jahren Beziehung verlassener Single ohne Selbstbewusstsein und mit nichts als Bitterkeit im Herzen - bin bei einem befreundeten Paar eingeladen, das im vergangenen Jahr geheiratet hat. Fehler Nummer eins - weiß man doch, dass frisch verheiratete Paare zu Missionstätigkeiten neigen und jeden unverheirateten und unbepartnerten Mitmenschen ansehen, als wäre er ein kleines knuffiges Negerbaby kurz vorm Verhungern.
Ebenfalls eingeladen war mein Kindergarten-Freund Olli nebst Lebenspartnerin, die zwar nicht mit einer taufrischen Heirat aufwarten konnten, dafür aber mit einem 11 Monate alten Unfall namens Lukas.
Besagte Lebenspartnerin - nennen wir sie mal Kathi - ist angehende Grundschullehrerin, die eigentlich immer so spricht, als würde sie einem Sechsjährigen etwas erklären, ihn dabei salbungsvoll anlächeln und ihm permanent über das blondgelockte kleine Köpfchen streicheln.
Der Abend ging noch ganz angenehm an, mit ein paar Snacks und diversen Getränken auf der Dachterrasse der großzügig geschnittenen Wohnung. Bis, ja bis das Thema auf das Unausweichliche kam, das, was ich hätte ahnen müssen. Die private Situation eines jeden Anwesenden wurde nun seziert. Ich klammerte mich an meiner Zigarette fest und rauchte, als wäre der Teufel hinter mir her - eine Tatsache, die Ollis bessere Hälfte mit demonstrativem Luft fächeln und mehr oder weiniger diskretem Hüsteln kommentierte. Bitte! Immerhin saßen wir draußen. Als ich an der Reihe war - frisch Verheiratete und junge Muttis sind da wirklilch unerbittlich - war klar, dass die beiden keine Milde walten lassen würden. Sie suhlten sich in ihrem Erfolg, sie bohrten nach, worans denn bei mir läge - im Hinterkopf immer die Genugtuung "MIR wäre sowas nicht passiert!" - und der Stolz auf den gut gebauten blonden Ehemann bzw. auf den strammen kleinen Hosenscheißer quoll ihnen aus allen Öffnungen.
Ich wurde immer kleinlauter und schließlich baute sich langsam, aber stetig doch der Trotz in mir auf. Ich habe schließlich auch meinen Stolz! Und ich zog schließlich richtig vom Leder. Dass ich sehr zufrieden sei in meiner Freiheit, dass es für eine echte Persönlichkeit wichtig sei, sich zu entwickeln und sich nicht in seinem bescheidenenen kleinen Leben mit Mann und zwei Kindern einzurichten und nichts mehr zu hinterfragen, dass ich absolut nicht verstehen könne, wie man plötzlich aufhören könne, seinen Horizont zu erweitern, nur weil man sich nach einem Mann richten müsse etc.
Und dann tat sie es! Kathi ergriff mit ihrer "ich bin die Krone der Schöpfung, weil ich ein Kind gebar, aber mach dir nichts draus du armselige unglückliche Frau"-Miene und ihrer Grundschul-Stimme das Wort und sagte folgende Sätze zu einem tatsächlich unglücklichen,trotzigem, gerade eben sechsundzwanzig gewordnen Single:
"Also, ich bin ja soo froh, dass ich schon mit vierundzwanzig Mutter geworden bin." Künstlerische Pause. Gnädiger Blick zur Seite, geschuldet seiner Beteiligung an diesem Wunder. "Nich, Olli?" Kopfnicken von meinem bemitleidenswert unmündig gewordenem Kindergarten-Freund. "Es ist ja allgemein bekannt, dass die Fähigkeit, Kinder zu bekommen, ab fünfundzwanzig rapide abnimmt!"
Sprach´s, lehnte sich mit einem siegessicheren Grinsen in ihrem Gartenstuhl zurück, zupfte den Kragen ihrer altrosafarbenen Bluse zurecht und hörte mich zwischen zwei Gesprächsfetzen der Anderen gerade noch nach Luft schnappen...
