Fallstudie

30.01.2007 um 17:25 Uhr

Adel verpflichtet

Ich sehe Licht...

nein nein, keine Sorge, ich liege nicht auf dem Sterbebett und hab auch nicht mit halluzinogenen Drogen experimentiert. Aber ich habe wieder ein wenig Hoffnung. Ich habe ein Vorstellungsgespräch für einen Volontariatsplatz, zum Glück diesmal nicht bei so nem Wirtschafts-Finanzen-"ich bin der Ralf und das ist meine Rolex"-Heini-Blatt, sondern bei einem absolut unseriösen, bunt und geschmacklos aufgemachtem Promi-Klatsch-Königshäuser-Magazin! Ich freu mich!

Ich freu mich wirklich! Schon zu Abitur-Zeiten haben meine Schulfreundinnen mit Nachdruck gesagt: "Also, Wind, wenn du irgendwo richtig aufgehoben bist, dann als Klatschkolumnistin oder als Ratgebertante bei "Die goldene Zwei-Lisa-Tina-Neue-Welt". Das ist einfach mein Ding glaub ich, auch wenn ich diese Hefte nie lese (Wahrheit!!!). Ich hatte trotzdem nie den Ehrgeiz, für den "Spiegel" oder die "Süddeutsche" zu schreiben. Um das, was ich da jeweils so lese selbst zustande zu bringen, bräuchte ich drei schlaflose Nächte und eine nie versagende Inspiration für einen Artikel von fünf Zeilen (naja gut, soo toll sind die nun auch wieder nicht...lasst mir meine Übertreibungen). Außerdem bräuchte ich Ehrgeiz, der mich fast zerfrisst und den absoluten Hang zur Perfektion. Nee, nee.

Da wäre ich bei einer Zeitung ohne diesen Anspruch echt glücklicher. Sagt mir zumindest mein Instinkt. Der Wehrmuthstropfen: die Fahrt. Ich müsste jeden Tag anderthalb Stunden bahnfahren hin, und jeden Tag anderthalb Stunden bahnfahren zurück. Das ist natürlich schon heftig. Aber trotzdem: das wärs wert! Drückt die Daumen, nächsten Dienstag ist Vorstellungsgespräch.

26.01.2007 um 18:29 Uhr

Getroffen!

Ich bin jemand, der sich ungern helfen lässt, in allen Lebenslagen. Ich mag zwar in einigen Bereichen eine Drama-Queen sein, aber kleine Verletzungen zu dramatisieren, käme mir nicht in den Sinn. Ich hatte mal einen Bänderriß, mit dem habe ich noch draußen mit dem Hund gespielt, und bin erst auf Druck meines Papas am nächsten Tag zum Arzt gegangen, als sich das Ei am Knöchel nicht mehr leugnen ließ. Genauso verhielt es sich mit einem gebrochenen Ringfinger, einem gebrochenen Zeh und einer Sehnenscheidenentzündung, die dann tatsächlich in Gips musste. Einzige Ausnahme war die große Schnittverletzung, als ich in Socken eine dicke Glastür eintrat - da jammerte ich leider wirklich: "ich will nicht sterben, ich will nicht sterben!" Aber mal ehrlich: weiß jemand von euch so genau, wieviel Blut er verlieren darf? Eine riesige Pfütze auf dem Fußboden kann einem ganz schön Angst einjagen...

Heute mittag renne ich also mit meinem Daumen vor die Tür. Für einen Moment bleibt mir die Luft weg, scheiße tut das weh! Ich hopse jammernd und fluchend im Kreis, den Daumen mit der anderen Hand festhaltend. In Windeseile entwickelt sich eine dicke Schwellung auf dem Gelenk, es wird blau und beugen lässt sich auch nichts mehr. Mist! Aber auf jeden Fall kein Drama. Das allerdings sieht mein Mann anders. Er kommt mit Eis herbeigerannt und beäugt schon sehr misstrauisch den anschwillenden Daumen. "Damit gehen wir lieber rüber zum Krankenhaus!" "Ach, Quatsch!" bringe ich zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor. "Das geht gleich schon wieder!".

Naja, lange Rede, kurzer Sinn: ich bestehe noch auf den Mensa-Besuch, wo ich beim linkshändigen Zerteilen des Fischs ganz schön dämlich aussehe, dann lass ich mich breitschlagen. In der chirurgischen Notfallambulanz blökt uns eine schlecht gelaunte Kampflesbe an, dass sie einfach nicht sagen könne (hier artikuliert sie jede Silbe einzeln) ob es nun eine oder fünf Stunden dauern würde. Das ist mir zu doof, wir ziehen ab. Ich finde in den gelben Seiten eine chirurgische Praxis, die Sprechstundenhilfe ist nett, in ner Stunde können wir kommen, alles paletti.

Ich werde  nach anderthalb Stunden Wartezeit im brechend vollen Wartezimmer aufgerufen, der Daumen wird beguckt, geröntgt und schließlich wird mir der Befund mitgeteilt: es ist keine Knöchelverletzung zu erkennen, ebensowenig wie ein Bänder- oder Sehnenriss. "Das ist eine Prellung" sagt mir der schwer übergewichtige Chirurgen-Arzt mit einem leicht abschätzigen Blick von oben. Ich versuche ein zähneknirschendes Grinsen "Das ist mir jetzt aber WIRKLICH unangenehm ... hä häh..." Ich meine das todernst, aber ich schätze mal, das sagen alle. Er nickt. "Tja, lästig, aber unnötig." Wie nett, er versucht noch einen Scherz. Ich höre mir anschließend noch seinen gut gemeinten Small-Talk über überflüssige Anglizismen im Deutschen an, dann pflücke ich den Mann im Wartezimmer auf und verlasse fluchtartig die Praxis.

Zu Hause angekommen, bin ich noch immer nicht darüber hinweg. Ich schlage meinen Kopf gegen die Flurwand und gebe winselnde Laute von mir. "Ooh... neeiiin ....Das ist mir so peinlich!!! So ne Scheiße!!!" Ich kann mir vorstellen, was die in der Praxis über Leute wie mich denken: arbeitslos, hm, da war ihr wohl mal langweilig an einem Freitag-Nachmittag. Naja, es lässt sich doch sicher eine marginale Verletzung finden, mit der man schwer arbeitende Mediziner behelligen könnte....

Ich bin in meinem tiefsten Inneren an meinem Stolz getroffen! Das wird schwerer heilen als der blöde Daumen!

25.01.2007 um 18:13 Uhr

Forbidden laaf

Ich guck "Verbotene Liebe" - Coco ist total in Christian verliebt, der wiederum aber mit Nico zusammen ist. Die beiden gehen, rein freundschaftlich natürlich, zusammen auf eine kleine Camping-Tour. Sie liegen im (jeweils eigenen) Schlafsack, reden, schauen sich an, es knistert. Ich hab das Gefühl, ich kann die aufgeladene Atmosphäre mit den Händen greifen, die Anziehungskraft, die sich im Zeitlupentempo anbahnende Nähe... Ich bin so neidisch, ich möchte auf der Stelle in dieser Situation sein, will es genauso spüren, wie es da gezeigt wird. Und es sei erinnert: ich spreche über eine dämliche Soap!!!

Wow, was würde ich darum geben, mich mal wieder richtig zu  verknallen! Dass ich liiert bin, möge man mir nicht als fehlende Moral auslegen. Es muss ja nichts Ernstes passieren. Ich will nur das Gefühl! Ich will das auch!!!

23.01.2007 um 21:24 Uhr

Der schöne Kai

von: windkraft   Kategorie: Promitreff

So, schon wieder -flupp- eine Kategorie erschaffen.

Aus erster (eigentlich eher zweiter) Hand heute: Kai Pflaume!

Der war in meiner Heimatstadt mit seinem Caravan unterwegs. Eine Freundin meiner Schwester sieht das Ding und klemmt sich Stalker-mäßig dran. Auf einem Parkplatz stehen geblieben, wartet sie, bis der Pflaume sich sehen lässt. Lässt er dann auch und laut ihr erteilt er super-geduldig Autogramme, lässt sich mit jedem fotografieren, ist total nett und erfüllt alle Wünsche. Sie wollte ein Autogramm auf ihr Auto haben. Er malt sogar noch irgendwas dazu, was sich nicht erkennen lässt. Als sie fragt, was das sein soll, sagt er "das ist eine Pflaume" und schreibt noch mit Pfeil daneben "das ist eine Pflaume". Und er soll in echt noch viel hübscher aussehen als im Fernsehen, das ist jetzt allerdings wirklich eine subjektive Information aus zweiter Hand.

Also, den Pflaume, den kann man ruhig gucken ist mein abschließendes Urteil

PS: Vom Beckmann hab ich übrigens gehört, dass er ein Arschloch sein soll.

Windkraft - immer vor Ort, immer investigativ, immer ganz nah dran! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

23.01.2007 um 17:10 Uhr

Skandal um Mitternacht

Ich hatte doch mal angekündigt, einen kleinen Text über die falsche Freundschaft verfassen zu wollen. Nun ist es also soweit.

Wir befinden uns auf einer Geburtstagsfeier Ende November. Zwei beste Freundinnen: Cordula hat Geburtstag und feiert in der Wohnung, in der sie mit ihrem Freund in spießig-vorehelicher Trautsamkeit zusammenlebt (sie unterbricht Telefonate auf der Stelle, wenn ihr Freund in der Mittagspause nach Hause kommt, weil sie ihn ja erst ungefähr drei Stunden später wiedersehen wird, und außerdem isst er ja nicht gern alleine...). Die andere ist ein blondes kleines Mädchen mit schlechten Zähnen, die personifizierte Unsicherheit, die all ihre Komplexe in einer nymphomanen Veranlagung oder über ihren momentanen Freund zu kompensieren versucht. Nennen wir sie Dunja. Beide geben sich auf Feiern herzlich gerne den Anstrich von ach-so-partymäßigen-Spassmädels, indem sie eine Flasche Bier schwenken, sich in den Armen halten und laut herausjauchzen.

Dunja hat seit ein paar Tagen einen neuen Freund und schwimmt in ihrem Glück, einen so tollen Kerl an Land gezogen zu haben. Sie fühlt sich gleich um das doppelte mehr wert und sie bringt ihn also mit zur Party - ganz klar! Die Feier entwickelt sich, ich persönlich langweile mich, die Musik ist aber ganz gut und mein mitgebrachtes Essen wird gelobt. Alles klar soweit. Zu vorgerückter Stunde fragt Dunja ihre Freundin Cordula, ob noch Freunde ihres Freundes vorbeischauen dürften - wenn schon denn schon, die Clique des Angebeteten ist offenbar ebenso vorzeigepflichtig wie der neue Mann und Cordula willigt ein. Sie ist ja immerhin ein Spassmädel!

Die Freunde benehmen sich allerdings etwas wild, plündern den eben erst geschenkten Scotch, werfen ein Glas um und Cordulas bulligem und etwas unterbelichtetem Freund platzt der Kragen. Nun überstürzen sich die Ereignisse: Er blafft die Meute an, nimmt ihnen den Alkohol weg und brummelt vor sich hin. Jetzt kriegt Dunja das Gefühl, dass vielleicht doch nicht alle ihren Macker so toll finden, wie sie sich das gedacht hatte und rennt zu Cordula, um sich über deren unhöflichen Freund zu beschweren und sich versichern zu lassen, dass ihren Goldschatz hier auch wirklich jeder mag. Cordula hingegen versteht nur Bahnhof, nun kommt auch ihr bulliger Freund hinterher gestürmt, beide reden auf sie ein, Dunja droht zu gehen, wenn man ihren Freund nicht akzeptiere und Cordula, nah am Wasser gebaut, fängt an zu weinen, weil sich ihre Party so unspassig entwickelt. Der bullige Freund schreit Dunja an "Dann geeeh dohoch!!!", Cordula schluchzt "Nein, bleib doch bitte hier", aber Dunja schnappt sich ihren neuen Freund, rauscht aus der Tür und lässt die Feier und ihre beste Freundin zurück. Der bullige Freund hängt nun über seiner in Tränen aufgelösten Freundin, als könne ihn kein Wässerchen trüben und die Partygäste verziehen sich so unauffällig wie möglich...

-Cut-

Die beiden haben bis heute kein Wort mehr miteinander gewechselt und wer nun glaubt, diese Geschichte betrug sich mit zarten Teenager-Protagonisten, bei denen die Hormone schon mal Chaos anrichten, die Befindlichkeiten groß sind und die rationalen Fähigkeiten klein, der irrt. Ich selbst war Zeuge, wie sich dies zutrug unter Menschen, die sich im zweiten Viertel ihres Lebens, wenn nicht schon weit darüber befanden. Schlimm sowas, oder? .. tztztz

22.01.2007 um 17:56 Uhr

Die rote Sonne von Barbados

Eine Perle des Sonntagabend-Fernsehprogramms: Die Oezdags!

Diese Doku-Soap zeichnet das Leben einer typisch türkisch-deutschen Familie nach. Die Oezdags haben eine recht erfolgreiche türkische Bäckerei, die inzwischen von den zwei Töchtern geführt wird. Zwei Söhne, Uzay und Nemir fahren mit dem kleinen Kastenwagen Waren aus und sind auf der Autobahn unterwegs.

Nemir, der süß lispelnde Fahrer, ist leidenschaftlicher Fan der Flippers und für Uzay, der zum ersten Mal mitfährt, nimmt das Unglück seinen Lauf. Nemir legt eine CD ein und fängt an zu singen, Weine nicht kleine Eva. "Ey, Uzay, hör mal den Text!" Nemir ist ganz aufgeregt, dass er endlich jemandem seine Leidenschaft nahebringen kann. "Hör mal den Text, das ist doch, das ist doch ..." Die Begeisterung verschlägt ihm die Sprache und er wippt nur noch ein bisschen hektisch mit dem Oberkörper mit.

Zwei Stunden später. Sie sind inzwischen sicher bei der vierten CD, weil Nemir immer wieder anspielt, mitsingt, Uzay anboxt und ganz aufgeregt "hör mal, hör mal, hör doch mal den Text!" schreit. Uzay sinkt immer tiefer in seinen Sitz und sein Gesicht hat schon länger einen schwer genervten Ausdruck angenommen: "Ey, das hören doch nur sechzigjährige Frauen oder so...." Er schüttelt den Kopf. Aber Nemir ist nicht mehr zu bremsen. Uzays Leid interessiert ihn nicht. "Hier hier! Hör mal! Liebeskummer lohnt sich nicht ... das ist ein Text, was? Das hör ich, wenn ich wirklich richtig .. also... Kummer habe, dann baut mich das richtg auf, ey!" und er schlägt seinem Bruder wieder aufgeregt auf die Schulter. Uzay reibt sich die Augen. Er sieht aus, als hätte er Kopfschmerzen. "Nemir! Ey, du bist deutscher als jeder Deutsche!" Und dann noch etwas genervter mit sich erhebender Stimme "Ey mann, das hören doch selbst nicht mal die Deutschen, son Scheiß!" Nemir kennt kein Erbarmen, und die Flippers-Orgie setzt sich fort.

Ich kugele lachend von der Couch, der lispelnde und eigentlich so gutmütige, Flippers-verrückte Türke Nemir und der schrott-genervte Bruder, dessen einzige Waffe eine müde und etwas wütende Ironie ist, haben im Flug mein Herz erobert. Die in der Luft flirrende Komik der Situation erschließt sich leider nicht schriftlich, aber das ist auch egal. Bei mir wurden gestern ganz sicher noch irgendwo vorhandene Vorurteile abgebaut. Und natürlich darf  das Thema Diät nicht fehlen: ich muss dringende eine türkische Bäckerei finden - die Teilchen sahen einfach zum Anbeißen aus.

21.01.2007 um 23:59 Uhr

Spanferkel-Blues

Ich hab das Gefühl, dass gar nichts mehr geht. Seit meine Punkte-Phase auf ihren Höhepunkt zusteuert (an dieser Stelle sei gesagt, dass es hier nicht um Windpocken geht) fühlt sich mein Kopf an wie (an dieser Stelle folgt ein saudoofer Wortwitz, especially für Franken, har har) bloggiert.

Ich habe grade das Gefühl, dass ich rein gar nicht mehr erlebe. Wobei, mir fällt auf: es stimmt ja! Ich erlebe WIRKLICH nichts mehr. Gestern abend:

Wir sind verabredet, der Mann und ich. Mit einem bekannten Pärchen. Pärcheabend, kotz! Wir begrüßen uns standesgemäß (irgendwie wollen die das immer so...) kreuzweise umarmend. Erst ich den anderen Mann, mein Mann seine Frau, dann ich und seine Frau, äh... ja, das wars dann. Gemessenen Ganges gehts in die Kneipe rein. Platz gefunden, "och mönsch, schön, Glück gehabt,was?" und es wird sich strahlend angeblinkert, voll der Freude über den Platz neben der Klotür. Naja gut, die bulimische Freundin hat sich wohl wirklich darüber gefreut. Dann Getränke bestellen, da ist die erste Gesprächspause schon wieder überbrückt. Ich sitze dort, hab glücklicherweise über die Schulter meines Mannes hinweg einen süßen Typen erblickt, der mich die nächsten anderthalb Stunden mit Augenflirt über Wasser hält, so bringe ich also die einschläfernde Konversation über Lehrergehälter, Pfannkuchenrezepte und den kleinen Neffen Marc-Kevin schon mal zur Hälfte hinter mich.

Scheiße! Um halb elf geht der süße Typ. "Du kannst mich doch hier nicht alleine lassen" flehen meine Augen, während mein Mann gutmütig grinsend der Debatte über eventuelle Urlaubspläne des Paares verfolgt (Kunststück, sind ja schließlich seine Freunde!), aber der schnuckelige Boy (das habe ich seit Bravo-Zeiten nicht mehr gehört, cool!) hört mich nicht und schwebt von dannen.

Die Chauvi-Hälfte des Paares sagt gerade zu meinem Mann "Wir kaufen jetzt auch ein zweites Auto, wenn Evi jetzt auch ständig fahren muss..." und tätschelt seiner Freundin das Kinn. Viertel vor zwölf, es geht voran! Ich hab mich ne knappe Stunde an meinem Glas festgehalten - das ist schlimmer als Pfahlsitzen! Ich habe Hunger! Die beiden gefährden ernstlich meine Diätpläne! Jetzt richten sie das Wort an mich: "Und? Wie siehts bei dir so aus? Ist denn nun endlich mal ein Job in Aussicht?"

Andererseits ... mit vollem Mund wäre ich hier auch ganz gut ausm Schneider. "Herr Ober...?!" Der gutaussehende junge Südländer wirbelt im Vorbeigehen herum und lächelt mich fragend an. "Ich hätte gerne einmal die Schlachtplatte Oberbayern und eine große Cola!"

Sein Lächeln gefriert zu einer angeekelten Höflichkeit und er nickt kurz.

Der Abend ging vorbei und der Mann und ich nach Hause. Wie ich schon sagte, ich erlebe ich gar nichts mehr und wer ist schuld? Die Scheiß-Diät!

19.01.2007 um 17:59 Uhr

Sie kommen...!

Die sind in meinem Kopf! Ich muss einer Gehirnwäsche unterzogen worden sein, anders kann ich mir das nicht erklären.

Ich träume nachts von Punkten! Lebensmittel ziehen an mir vorüber und ich zähle und zähle und zähle... Das ist aber nicht wie beim Schäfchen zählen - mich beruhigt das kein bisschen, im Gegenteil!

Gestern habe ich einen Riegel Pfefferminzschokolade gegessen. Einen Riegel á vier Stückchen. Ich lag damit auch noch voll in meinem Punktebudget, also eigentlich kein Problem. Trotzdem fing dieser Riegel an, in meinem Kopf zu kreisen, und ich sah förmlich meine Disziplin davoneilen, wenn ich jetzt schon einmal so anfgefangen hatte. Vor meinem inneren Auge rollten sich wieder die Wülste auf meinen Bauch und meine Hüften drauf wie eine unnachgiebige und zu allem bereite Armee von Fettzellen.

Da bin ich dann erstmal eine gute halbe Stunde auf den Crosstrainer gegangen und erst dann fühlte ich mich besser und hielt den Riegel für getilgt.

Nun ist es also soweit. Ich bin mutiert. Ich bin jetzt eine Schlankheitswahn-Tussi geworden. (Vielleicht die einzige leicht moppelige Schlankheitswahn-Tussi der Welt...)

17.01.2007 um 23:52 Uhr

Ich glaub mein Hamster bohnert

Man kann denen aber auch wirklich rein gar nichts recht machen!

Zunächst sagen se einem "Trinken! Viieel trinken!" - gerade, wenn man abnehmen möchte. (Dass hier nicht von Alkoholjüngern spreche, versteht sich von selbst. Mein Blog bleibt drogenfrei!) Ich also wie immer treudoof den anonymen Weisen ergeben, die die neuesten Ernährungsratschläge raushauen und geübt, geübt, geübt.

Mich dran gewöhnt, soviel Wasser und ungesüssten Tee in mich reinzuschütten, bis man mich nachts aus der Wohnung schmeißen wollte, weil ich alle drei Minuten zum Klo gerannt bin. Die Übermüdung in Kauf nehmend bin ich am Ende zu nem echten Champion geworden: die 4 bis viereinhalb Liter sind inzwischen kein Problem für mich. Na gut, man sieht immer aus, als wäre man schwanger und fühlt sich wohl auch so. Irgendwie aufgeschwemmt. Völlig aus der Form. Na... eben wässrig, schwammig.

So, also: das Training war schon hart genug. Aber was sagen se jetzt? -an dieser Stelle kann man sich ein helles und ehrlich empörtes kurzes Auflachen mit anschließendem abwertendem Schnauben vorstellen - jetzt heißt es "bloß nicht zuviel trinken - zweieinhalb Liter am Tag sind dicke genug!" Wasserintoxikation ist das Stichwort! Man kann sich förmlich mit Wasser vergiften.

Und jetzt das Problem: ich kann nicht mehr aufhören zu trinken. Wenn ich nicht meine Literzahl kriege, hab ich nen trockenen Mund und ne lahme Zunge. Und nu? Wer ist denn für mich zuständig? Wenn ich zu den anonymen Trinkern gehe, krieg ich doch eins in die Fresse.

Die Welt kann so scheiße sein!

17.01.2007 um 00:02 Uhr

Tuhuusch!!!

Ich sehe grade mit größtem Entzücken, und ich werde gleich wild tanzen und die Arme in die Luft werfen müssen, bis ich so ekstatisch bin, dass mir orgasmusartige Zustände kommen, ich werde laut schreien und jubilieren und jeden küssen, der mir heute noch entgegen kommt, ich werde ein kleines schwarzes Baby adoptieren und eigenhändig den Osten wiederaufbauen, weil ich sehe grade... der 500. (!) Besucher ist da!!!

16.01.2007 um 22:00 Uhr

Dörte

Also meine Freundin Dörte ist wirklich leicht durchgeknallt.

Teilweise weiß ich nicht mal wirklich, ob ich sie leiden kann. Sie war in schlimmen Zeiten nicht für mich da, was ich auch nicht unbedingt verlange (auch wenn ich es natürlich zu schätzen wüßte). Aber sie hat sich genervt gezeigt von meinem Schmerz und darüber gelästert und sowas ist natürlich gar nicht schön. Wie auch immer, das ist vergessen und eventuell vielleicht in ferner Zukunft sogar vergeben. Außerdem ist der Ausdruck "Schnatterine" nur für sie erfunden worden, wobei der Inhalt des Geschnatterten bedenklich oft auf das Felde der Banalität fällt. Andererseits ist sie ein echter Kumpel, wenn es um Hilfsbereitschaft oder Selbstlosigkeit geht.

Letzten Winter habe ich mich allerdings richtig übel geschämt, ich bin wirklich froh, dass wir diese Zeiten zusammen gemeistert haben. Da kam sie auf die Idee, dass es doch irgendwie "elfig" oder auch "trollig" wäre, mit einer Mütze rumzulaufen, deren Zipfel nicht nur schlauchförmig nach unten offen war, sondern der ihr auch hinten bis zu den Kniekehlen reichte. Das ganze in waldgrün und beige-rosa. Nee, wat war dat schlimm. Ich wollte am liebsten immer ein paar Meter hinter ihr laufen.

Wenn sie eine neue Idee, ein neues Hobby oder eine neue Lieblingsbeschäftigung hat, dann werden keine halben Sachen gemacht. Dann muss alles, und ich meine ALLES wenn ich es sage, her, was es rund um das Thema zu kaufen gibt. Ich habe mit ihr bereits die "Titanic"-Phase durchlaufen, bis hin zum selbstgebauten Papp-Modell in verkleinertem Maßstab aus 125000 Teilen und etliche dicke Wälzer über Schicksal, Schiff, Bordkapelle, Eisberg und vor allem ... Schicksal. Danach mußten wir durch die Mystik-Avalon-Der-heilige-Gral-und altes England sowie Irland-Phase, die eigentlich an mir relativ glimpflich vorbeiging. Ich  habe mich einfach geweigert, irgendwelche Diana Gabaldon Schmachtschinken zu lesen, weil ich mir als Germanistin nicht die Finger beschmutzen mochte (erwähnte ich, dass sie auch Germanistin ist? Diese Spitze schien aber irgendwie an ihr abzuprallen, das Subtile ist ihrs einfach nicht! ... ich  muss ja weiterhin nicht unbedingt erwähnen, dass blutige Serienmörder-Krimis zu meinem bevorzugten Lesestoff gehören...!?)

Dann kam bei ihr die Weight-Watchers-Phase und die dauerte lange, lange, lange.... Points hier, Bonus dort, "nein, ich darf nicht, ich hab  nur noch zwei für heute" und Taille messen und Horrorwaagen und Margarine abwiegen ... Gespräche drehten sich ausschließlich und nur noch um den Gehalt aller Lebensmittel, die es gibt, gab und jemals geben wird. Schlußendlich habe ich mich ergeben und bin jetzt auch damit angefangen. Jetzt profitiere ich einmal davon, dass sie so spinnt und muss mir den ganzen schweineteuren Kram nicht selbst kaufen.

Als neuesten Gimmick im Zuge ihrer Abnehmkur hat sie jetzt die abgedrehtesten Bewegungsmöglichkeiten für sich entdeckt. Als sie sagte, dass sie heute nicht könne, weil sie mir ihrem Freund wandern geht, war ich noch nicht wirklich überrascht. Auch die Treppensteig-Arien (bevor sie sich gestattet nach Hause zu kommen, muss die Treppe jeweils fünfzehn mal hoch und dreizehn mal runter gemeistert werden) sind wohl nur für ihre Nachbarn seltsam. Was mich jetzt aber wirklich in den Bann gezogen hat, sind ihre neuesten Errungenschaften: DVDs mit Aerobic-Tanzkursen á la Bollywood. Sie steht vorm Fernseher, sieht irgendwelchen Indern beim Schlangentanz zu und versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Bewegungen auch nur annähernd zu treffen, die dort vorgemacht werden. Mit ihrem Moppel-Popo und dem wogenden Busen sieht das so absurd aus, dass es mich fast zu rühren vermag und mein Verzeihen von der fernen in die nahe Zukunft rücken könnte...

14.01.2007 um 18:21 Uhr

Die richtige Richtung?

Es scheint mir voran zu gehen. Im Moment.

Es gibt glücklicherweise wieder ganz ordentliche Gespräche mit dem Mann, ich habe gestern angefangen, nach einer bekannten Methode ein paar Kilo abnehmen zu wollen und es pressiert mich immerhin schon so sehr (Thema Selbstdisziplin!), dass ich meinen Tag plötzlich in Punkte aufteile, und gestern abend stand obendrauf ein Strauss roter Rosen in meinem Zimmer.

 

12.01.2007 um 22:48 Uhr

Einsatz..

Der romantischste Moment, den mir je jemand beschert hat:

Er war damals Zivi beim Roten Kreuz. Rettungs-Sani, ein echt harter Job. Der Vorteil davon war vielleicht einzig und allein, dass ich dafür unglaublich zu ihm aufgesehen habe. Er hat Menschen das Leben gerettet und sie sind ihm ebenso unter den Händen weg gestorben.

Die harten Tage waren die auf dem Rettungswagen, die eher lauen Tage waren die im Krankenwagen. Für den Durchschnittsbürger ist das eigentlich kein Unterschied, es gibt aber einen: die Rettungswagen (die großen - ich schätze 7,5 Tonnen) fahren zu Notfällen. Das sind diejenigen mit Tatütata und allem Pipapo. Krankenwagen sind ausgebaute Kombis und machen ausschließlich Krankentransporte, also zum Beispiel, wenn Omma Kasulke vom Krankenhaus nach Hause oder von zu Hause zum Orthopäden gebracht werden muss. So in etwa.

Es war ein Sonntagmorgen. Ich lag zu Hause im Bett und schlummerte selig vor mich hin, als ich von irgendwas wach wurde. Meine Mama - sie klang leicht panisch und rief meinen Namen. Dazwischen mischten sich metallisch klingende Geräusche. "Schnell schnell! Komm mal runter!!!" Sie kam die Treppe hoch gerannt und ich wankte ihr schlaftrunken entgegen. "Wasn los?" murmelte ich und rieb mir die Augen. "Komm! Los!" Im Schlafanzug lief ich die Treppe runter und sah, dass die Haustür offen stand. Was hatte das nun zu bedeuten? Auf der Einfahrt stand ein beigefarbener Mercedes Kombi, -ein Krankenwagen. Zuerst sah ich die schattenhaften Umrisse des Beifahrers - den kannte ich offenbar nicht, musste ein Zivi-Kollege sein. Aber an der offenen Fahrertür lehnte er. Er war noch nie im Dienst vorbeigekommen, hoffentlich war nichts passiert - seine Dienststelle war immerhin gut und  gerne 12 Kilometer weit weg. Er hielt eine Art Funkgerät in der Hand, drückte einen Knopf, sprach hinein und ich hörte nur noch ein ohrenbetäubendes Dröhnen und Knacken, das sich akkustisch über die ganze Siedlung zu erstrecken schien. Ich stand immer noch völlig benommen vor der Haustür auf der kleinen Treppe, da legte er das Funkdings weg und kam auf mich zu. Er nahm mich in den Arm (mit fast zwei Metern stellte unsere Vortreppe kein Hindernis für ihn dar) und ich fragte ihn, während mein Kopf auf seine Schulter lag "Was hast du denn da grade gesagt?" Er löste sich ein Stückchen, sah mir in die Augen und lächelte mich an: "Ich habe grade ganz Bernbeck erzählt, wie lieb ich dich habe!"

11.01.2007 um 23:09 Uhr

Das Arschloch und ich

Was mag es wohl gerade tun, das Arschloch?

Gestern war ich kurz davor, eine E-Mail zu schreiben. "Du elender Feigling" sollte drin stehen. Zum Glück habe ich mich kurz vor knapp noch auf meine Souveranität besonnen und dass es sowieso nichts bewirken würde. Perlen vor die Säue, so heißt das doch wohl?!

Es ist nicht so, wie die allgemeine Brigade der Küchenpsychologie nun vermuten mag, dass ich an noch an ihm hänge oder es zurückhaben möchte, das kleine schrumpelige Arschloch.

Es ist vielmehr so, dass ich ein gehässiges und rachsüchtiges Miststück bin und einfach nicht ertrage, so verraten worden zu sein, ohne dass ich eine angemessen böse Antwort darauf geben konnte. Ich fühle mich betrogen um die annähernd zwei Jahre, die ich Trauer um es getragen habe, die ich immer noch, trotz allem, seine Würde und sein Ansehen verteidigt habe, obwohl es sich umgekehrt einen Dreck um mich scherte. Und natürlich fühle ich mich noch viel verarschter als ohnehin schon - jedesmal gab es von ihm neue Köder und Gefühlsduseleien, wenn ich mal drauf und dran war, das Arschloch einfach nicht mehr zu betrauern.

Tja, und jetzt? Herzlich willkommen auf der Ewing Ranch! Nicht mal der fies grinsende JR könnte kindischer sein.

Ich glaube, ich werde es mal mit Alternativmethoden versuchen. Wenn wir wirklich bei "Dallas" wären, würde ich ihn wahrscheinlich in ein Ölfass tunken bis er wieder vernünftig wird, aber obwohl mein Mann Jurist ist, wäre mir das zu heikel. Ich habe mir immer geschworen, nur im Rahmen einer Tierschutzaktion verhaftet zu werden.

Also Punchingball, Frustsaufen oder (wie ichs jetzt gerade tue) von der Seele schreiben und es dann für ein paar Wochen wieder vergessen.

10.01.2007 um 16:29 Uhr

Das innere Hundeschwein

Ich brauche ganz dringend Selbstdisziplin!

Gibt es diese nebelhaft umrissene Charaktereigenschaft wirkich? Gibt es tatsächlich Leute, die stolz geschwellter Brust von sich behaupten: "Also, wenn ich eins kann, dann ist das Selbstdisziplin!"?

Kann man sich wirklich glaubhaft jemanden vorstellen, der morgens  um halb sechs wie eine gespannte Feder aus dem warmen Bett in das ca drei Grad kalte Zimmer hüpft, damit er vor seinem Tagewerk noch die Wohnung putzen, joggen gehen und sich zwei Stunden zurechtmachen kann?

Kann es sein, dass es Menschen gibt, die niemals sagen "das mache ich morgen", "nicht jetzt" oder "jahaa! mach ich schon noch!"? Die einen Brief sofort einsortieren statt ihn auf das nächst erreichbare Sofa oder Tischchen werfen und ihn dann später nicht wieder finden, die ALLE ihre Kleider im Kleiderschrank deponieren und niemals auch nur einen Socken einfach auf die Erde schmeißen, so dass es niemals etwas aufzuräumen gibt? Die immer nur das essen, was gerade im Haus ist oder was sowieso weg muss und niemals unvernünftigerweise zum nächsten Supermarkt rennen, um doch den teuren Fisch einzukaufen, weil man mehr Lust darauf hat als auf den ranzigen Kartoffelbrei von gestern?

Gibt es Leute, die nachts um halb zwei lieber zur nächsten Tankstelle laufen, als das Auto zu nehmen, weil es ja nur ein paar Kilometer sind? Die alle ihre Papiere in farbig sortierten und beschrifteten Ordnern haben, so dass sie für jedes beliebeige Schriftstück nur zehn Sekunden brauchen, um es zu finden? Die sich niemals etwas Überflüssiges kaufen, niemals jemand anderen anschreien, niemals onanieren, niemals zuviel rauchen oder trinken würden, niemals ins Schwimmbecken pinkeln und niemals kleine Kinder ärgern?

Ja?

Ich brauche definitiv Selbstdisziplin!

08.01.2007 um 16:30 Uhr

Obendrauf noch etwas Poesie

von: windkraft   Kategorie: Po-esie

Brigitte Heidebrecht: Vorbeiläufig

 

Meine haut ist so dünn heut,

daß ich frier.

Komm, wärme mich.

Meine haut ist so dünn heut,

daß sie reißt.

Komm, halte mich.

Meine haut ist so dünn heut,

daß meine träume durchscheinen.

Komm, lebe sie mit mir.

Das sage ich nicht. Ich sage:

Was machst´n du heute abend?

Und du sagst, daß du müde bist vom arbeiten.

Daß du das badezimmer streichen musst.

Daß du endlich was fürs examen tun musst.

Daß du schon verabredet bist.

Ja, natürlich, das verstehe ich schon.

Was habe ich denn erwartet.

Ich stopfe meine träume

unter den schrank.

Versteck die tränen

hinter dem bett.

So wird mir mein zimmer

zum leben zu eng.

08.01.2007 um 15:16 Uhr

Schwank aus der Jugend

Das Gute am Altsein ist ja folgendes: Der Bottich mit Erinnerungen füllt sich und füllt sich. Man kann buchstäblich aus dem Vollen schöpfen.

Mir fällt da gerade eine kleine Begebenheit ein, die sich etwa anno 1993, ich muss in der achten Klasse gewesen sein, betrug. Ich war ein junges, zart erblühendes Mädchen an der Grenze zur Pubertät. Ich ging mit der leisen Ahnung schwanger, dass ich eines Tages eine richtige Frau sein könnte und die ersten Anzeichen begannen sich zu  mehren. Ich wollte nicht mehr die von Mama rausgelegten Pullis mit Dinosaurier-Druck anziehen und ebensowenig diese kindlichen Hochwasserhosen, auch die ausgetretenen Turnschuhe behagten mir nicht mehr. Nein, es musste die große Welt Einzug halten in meinen Kleiderschrank und somit war Shopping angesagt.

Ich war glücklich, denn unser Raubzug durch die Läden war erfolgreich. Ich besaß nun einen ROCK! Also nicht so einen rosafarbenen Kleinmädchen-Rock, den man gerade vor ein paar Jahren abgelegt hatte, sondern einen echten Rock! Aus Jeansstoff und mit einigen ganz außergewöhnlich frechen Einzelheiten, die in meinem jungen Kopf die beschämende Assoziation "sexy" fanden. Und dann die Krönung: echte, erwachsene Nylonstrumpfhosen! Keine aus Baumwolle, nein, die ganz ganz wirklich damenhaften Nylonstrumpfhosen. Die Männerwelt würde mein sein ab jetzt! So gerüstet und mit passenden neuen Schuhen und einem engen Shirt ging ich am nächsten Tag in die Schule.

In den Pausen war immer "Rumgehen" angesagt, was im Grunde nichts anderes bedeutet, als dass man um den kompletten Schulhof im Kreis wandert, in der Hoffnung, seinen Schwarm zu sehen und -aufgemacht wie an diesem Tag - natürlich auch, um gesehen zu werden. Ich spazierte nicht, ich stolzierte mit meiner Freundin Jenny um die Schule. Hach war das herrlich! Ich hatte das Gefühl, als würden alle Blicke mir folgen und die lächelnden Gesichter schienen mir nur so zuzufliegen! Diesen Tag würde ich nie vergessen, selbst mein Schwarm ließ sich dazu herab, mich mit einem echten (!) -diesmal wirklich nicht eingebildetem - Lächeln zu beschenken. Ich war selig!

Nach dem Gang um die Schule kehrten wir in die Pausenhalle zurück. Ich drehte eine Extrarunde (der Rock war schließlich teuer gewesen) und Kirsten kam auf uns zu gelaufen. Sie wedelte hektisch mit den Armen und ich dachte noch, wie süß, dass sie sich so mitfreut über meine Stil-Verwandlung. "Mann! Ich lauf schon seit vorhin aufm Klo hinter dir her! Du hast dir den Rock hinten in die Strumpfhose gesteckt du dumme Nuss!"

07.01.2007 um 22:18 Uhr

E.T.

Ich kann ihn ganz gut verstehen, den knuffigen kleinen Außerirdischen. Immer öfter habe ich dieses Gefühl: ich will nach Hause.

Ich gehe am Rhein spazieren und denke ans Meer. Ich höre die Leute reden wie Willy Millowitsch und denke an Heidi Kabel. Ich sehe die Karnevalisten und denke an Schützenfest. Ich lache nicht über Büttenreden und denke an die vertraute trockene Ironie. Ich sehe den Dom und denke an Windräder. Ich bekomme Küsschen und denke an einen ehrlichen Händedruck. Ich lese Speisekarten, auf denen Sauerbraten und Bergische Waffeln stehen und denke an Heringsbrötchen und Neujahrskuchen. Ich vernehme Kölsch und denke auf Platt. Ich sehe Berge und denke an die Weite und den Wind.

Jaja, die Heimat. Ich muss an dieser Stelle glaube ich einmal dem guten Herrn Grönemeyer widersprechen, der einmal so poetisch sang "Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl." Nein, nein, ich schüttele an dieser Stelle entschieden den Kopf. Ich lebe hier seit beinahe zehn Jahren, aber genau dieses Gefühl stellt sich hier nicht ein... Das gibts nur zu Hause!

05.01.2007 um 15:56 Uhr

Kindermund...

So schweinecool sind nur norddeutsche Kinder:

Lisa spielt im Garten und kommt irgendwann zurück in die Küche. Die Mutter fragt: "Na Lisa, was hast du denn gespielt?" Lisa antwortet: "Ich hab Mutter, Vater, Kind gespielt." "Aber du warst doch ganz alleine draußen...?!" "Jaja, mein Mann war tot und Kinder hatten wir keine..."

04.01.2007 um 18:05 Uhr

Imageschäden eingrenzen

Nein nein, das darf man alles nicht so wörtlich nehmen. Nun ist ja alles wieder gut und 2007 ist nun mal grade angebrochen.

Und - was passierte so bisher? Ich werde berichten - chronologisch rückwärts sozusagen.

Mein Job-Coach hat mir heute nachmittag den Vorschlag gemacht, ich solle ein Kind kriegen und mit ihm nach Kanada gehen, wo er Holzhäuser bauen und 4000 kanadische Dollar im Monat verdienen wolle. Von wem das Kind sein soll, hat er offen gelassen - ein klassisches Eigentor würde ich sagen, eine Einladung zum Kuckucksei. War ja nett gemeint... *räusper

Dann habe ich vor ein paar Tagen das Arschloch gesehen. Dasjenige, das Ende November einen eigenen Geburtstags-Eintrag bekam, einige werden sich erinnern. Er hatte seine kleine Freundin dabei, bewegte sich den ganzen Abend nicht vom Fleck (is ja auch schwer mit Stock im Arsch) und tat so, als würden wir uns nicht kennen. Inmitten aller unserer alten Freunde (die uns ja immerhin acht Jahre lang als Paar kannten), MIR war das ganze scheiß-peinlich, aber er hat wohl offensichtlich überhaupt keine Schmerzgrenze mehr. Lustigerweise bewegte sich die ganze Gesellschaft dann im Verlauf des Abends weg von ihm und seinem kleinen Plappermäulchen, so dass die beiden irgendwann ziemlich isoliert erschienen. (ICH bleib an dieser Stelle neutral! *hr hr)

Und um mit einem kleinen "Schwupps" ins alte Jahr zu schließen: Ich habe mich an Silvester selbst übertroffen...  als Küchenfee! das ich mal sowas zustande kriegen würde ... unfassbar!

Nur für mich also die Erinnerung an diese einzigartige Gaumenfreude, die Speisenfolge, gewachsen aus meiner eigenen Hände Arbeit (jawohl - ich werde pathetisch!):

Schweinefilet in Mandelkruste, glasierte Pellkartoffeln mit Frühlingszwiebeln und Schnittlauch, Buttermöhren mit Sauce Hollandaise, Gurken-Möhren-Julienne mit einem Senf-Honig-Zitronendressing.