Fallstudie

23.02.2007 um 16:23 Uhr

Fuck all Manolos

Manchmal befallen einen vorgeblich hippen und total angesagten Großstadtmenschen wie mich doch schlimme Zweifel. Das Bild stimmt doch irgendwie vorne und hinten nicht. Mir kommt die Befürchtung, dass ich - im Gegenteil - viel eher das bin, was böse Zungen eine Öko-Tussi taufen, eine Müsli-Tante.

Denn wie urban kann man sein, wenn man seine Haare mit Henna färbt und immer noch gerne Cord-Schlaghosen trägt? Carrie aus "Sex and the city" würde mich jedenfalls angeekelt ausstoßen aus ihrem Club, ganz zu schweigen von meiner Einstellung, dass, wer sich fast nicht vorhandene Stöckelschuhe für 400 Euro kauft, ganz schwer einen an der Waffel hat.

Und die Indizien häufen sich: Ich neige dazu, Bäume zu umarmen und ich liebe Tofu und Salat. Ich werde sauer, wenn einer beim Zähneputzen das Wasser nicht abstellt und kann kein Essen wegschmeißen, weil sich sofort vor meinem inneren Auge Negerkinder mit aufgeblähten Bäuchen zu einer Armee des schlechten Gewissens formieren. Ich lese jedes Horoskop und glaube an innere Schwingungen. Ich möchte langfristig auf dem Land wohnen und Hunde und Kühe und Esel haben. Ich schüttele, resigniert über die Menschheit, den Kopf, wenn ich Müll auf einer Wiese sehe und ich benutze alles mindestens zweimal, um keine Rohstoffe zu verschwenden (Gut, beim Toilettenpapier und bei den Tampons gab es da gewisse materialtechnische Schwierigkeiten).

Und was heißt das jetzt? Bin ich weniger liebenswert, weniger cool, weniger interessant oder weniger sexy? Das mag entscheiden, wer will, aber das Gute an diesem müsliesoterischen Dasein ist ja folgendes: ich praktiziere die aktive Selbstliebe und deshalb kann mich Carrie mal am Arsch lecken....