29.09.2007 um 20:47 Uhr
24.09.2007 um 19:31 Uhr
Hommage an in Abwesenheit
Wow, wie wenig weiß man doch die Dinge zu schätzen, die einen jeden Tag umgeben!
Das ist jetzt vielleicht keine umwerfend geniale Erkenntnis, aber mich persönlich haut die emotional grad um. Voll gegen die Wand geknallt, so plötzlich und krass kommt diese Erkenntnis daher.
Ich dachte immer, mein Mann ist eher so ein Blödi. (Also, ich dachte es vielleicht weniger, man sollte dies eher als Metapher verstehen). So einer, der ganz nett ist, kuschelig, mein Eierbärchen eben, aber jetzt auch nicht so der Knaller, nicht der Typ, den man erst umständlich erobern musste, keiner, der spielt oder fordert oder den man groß vor anderen Frauen verstecken müsste - wegen Boom chicka wah wah, wenn Ihr versteht, was ich meine.
Er ist eben einfach da.
Aber wow! Er ist da! Könnt Ihr begreifen, was das wert ist? Wenn ich erkältet im Bett liege mit roter geschwollener Nase, tausend fliegenden Nies-Tröpfchen und im ältesten Frottee-Schlafanzug aus Kindertagen. Dann ist er da mit Tee und Tabletten und Streicheleinheiten, und das, ohne dass ich mich zurechtmache, ihn bezahle oder dass die Aussicht auf Sex bestünde. Und wenn ich einfach so (und wenn ich sage einfach so, dann meine ich einfach so!) schlechte Laune habe, dann zicke ich ihn an. Aber nicht nur das. Ich bin wirklich gut darin. Ich demütige, ich kränke und treffe. Und zehn Minuten später -er hat übrigens auf jede Retourkutsche verzichtet- lächelt er mich an, wenn ich obendrauf auch noch eine Massage fordere, einfach so, ohne dass ich mich entschuldigt hätte (was umgekehrt NIE drin wäre). Und er lächelt mich eben nicht an wie ein Blödi, der sich alles bieten lässt. Nee, er lächelt, und zeigt dabei gleichzeitig, dass er genau weiß, dass es mir eigentlich schon leid tut, dass es aber für mich zu früh ist, um eine offizielle Entschuldigung vorzubringen. Er zeigt mit dem Lächeln, dass er es einfach nochmal durchgehen lässt und auf seine Genugtuung verzichtet. Einfach so.
Wow! Und diese Erkenntnis wird einem dann geschenkt, wenn der tolle Mann für drei Monate aus meinem Leben richtung USA verschwindet. Toll! Bei meinem Glück verliebt er sich in eine blonde Chrissylee mit texanischem Akzent oder erkennt, was ich für eine doofe Kuh bin, bevor ich diese Erkenntnis im Alltag ausleben kann.
Oder: sie (die Erkenntnis) entschwindet, sobald dieses Wunder wieder jeden Tag verfügbar, ist und ich werde ihn schlimmer anzicken als je zuvor. Das ist irgendwie die wahrscheinlichere Variante...
22.09.2007 um 19:49 Uhr
Let it snow
Ich habe mich entschieden. Mein Großonkel Gerhard soll es sein.
Leider muss er warten, denn eine Mandelentzündung (oder zumindest sowas ähnliches) fesselt mich an Bett und Couch und macht mich lustlos.
Die Pastillchen und Lutschbonbons haben allenfalls Placebo-Effekt, mein Kopf fühlt sich an wie ein Medizinball und meine Haut ist zu empfindlich und gespannt, um auch nur von Klamotten berührt zu werden. (Um hier schweinischen Phantasien vorzubeugen: trotzdem: muss ja muss ja)
Naja, ich will nicht jammern. Und ich freue mich trotz allem auf den Winter. So sehr! Das dachte ich, als sich vor kurzem ein Lufthauch in meine Nase verirrte, der so fein nach Kälte und Torfheizung roch. Da sah ich es schon vor mir: draußen ist es dunkel und so kalt, dass jeder Atemzug eine kleine Wolke verursacht und ich sitze bei warmem Licht und heißem Kakao vor einem flackernden Kaminfeuer. So ist es zwar nie, aber allein die Vorstellung ist so heimelig schön und macht so ein "Hach"-Gefühl.
Im Übrigen habe ich mir etwas vorgenommen: Lebkuchen, Marzipankartoffeln und Spekulatius gibt es für mich in diesem Jahr nicht vor dem ersten Advent! Das alles steht ja schon in den Regalen bereit, aber ich will versuchen, diesmal durchzuhalten. Das ist doch bei den Altweibersommer-20 Grad nicht dasselbe.
10.09.2007 um 22:51 Uhr
Pflichtverwandtschaften
Ich erwähne es ja immer gerne, mein Leben hat mich seltsamerweise zurückgeführt in die norddeutsche Tiefebene.
Hier lebt auch sie, meine Verwandtschaft. Hab ich sie bisher noch nicht erwähnt? Nee? Hat seine Gründe.
Während ich mit Mama Papa Schwester und Oma echt gesegnet bin, ist der weitere Kreis, wie ich das mal ausdrücken will, ein Sammelsurium an Skurrilität. Erinnert Ihr Euch an den Film "Einer flog über das Kuckucksnest"? Gut. Dann habt ihr eine Vorstellung.
Womit fange ich an? Cousine väterlicherseits vielleicht. Die junge Dame ist 19 Jahre alt. Das ist ja eigentlich ein Alter, in dem man sich langsam vom Elternhaus löst, sich eine eigene Wohnung nimmt und sich um seinen beruflichen Werdegang kümmert. Letztere Dinge hat sie im Prinzip auch gemacht. Nur eben anders. (An dieser Stelle sollte ich vielleicht schnell eine kleine Anekdote vom letzten Kaffeetrinken erzählen, wo Cousinchen -wie schon oft- bei ihrem Papa auf dem Schoß hängt wie ein Kleinkind, um zu kuscheln. Alle anderen Beteiligten gucken dabei immer total betreten zu Boden)
Sie entschloss sich jedenfalls, zunächst etwas kreatives machen zu wollen und wählte eine Kunstschule in Bochum aus. Dann ging es mit Mama und Papa auf Wohnungssuche. Da wurde etwas wirklich feines gefunden, denn es war nicht nur ein grüner, ruhiger und sicherer Stadtteil (doch, sowas gibts da) sondern es wohnte auch eine Bekannte der Mutter im selben Haus, so dass Anschluss garantiert war.
Für alles gesorgt. Ha! Jetzt kommts erst noch. Das alles reichte ihr nämlich offenbar nicht. Wer von beiden Seiten sich mehr fürchtete (vor was bleibt eh unklar) ist nicht überliefert, aber für die folgenden zwei Jahre lief das Spiel so: Mutter und Vater nahmen sich wöchentlich je eine halbe Woche Urlaub (wie sie das gemacht haben ohne gefeuert zu werden? -fragt mich nicht, Einfluss vermutlich) und blieben treu an Töchterchens Seite. Jeden Tag. Und Nacht. Zwei Jahre lang. Wußte auch jeder. Gar kein Geheimnis.
So. Bis hierhin schon krank genug. Jetzt stand der Familienurlaub an, im schönen New York. Muss wohl schön gewesen sein. Mutter von Cousinchen, ein selbst ernannter Cosmopolit, trötet kaum wieder heimgekehrt, folgendes Urlaubserlebnis: "Hach, wir hatten sie (Cousinchen) an einem Tag verloren. An einer U-Bahn-Haltestelle. Aber unsere ... (setzt hier irgendeinen Namen ein) ist einfach ganz cool zwei Stunden allein durch N.Y. getigert. Das ist ja einfach ihr Ding!"
Cousinchen selbst schwärmt völlig schizo von N.Y., will jetzt dort Au Pair machen. Hehe. Nee ist klar. Nicht mal allein in Bochum pennen können aber New York in die Westentasche stecken. Frag mich, wie die Eltern DAS mit dem Urlaub regeln wollen.
PS: Es gibt noch viele von ihnen, hinten im Haus. Nee, im Ernst. Wen wollt ihr als nächstes? Den krankhaft geizigen Großonkel? Die nach einem Heiligenschein (und vielleicht auch dem Papst *g) trachtende katholische Tante? Ich könnte ja einen TED starten...
04.09.2007 um 22:02 Uhr
To spring or not to spring
Es ist komisch, aber seit ich "in Arbeit bin" (das ist Fallmanager-Jargon, diese Blindfische...) habe ich das Gefühl, ich bin wie weich gespült.
Die ganzen Gefühle, die früher so überaus heftig, so brennend und drängend, so hämmernd und schlagend, so schmerzend und quälend gegen mein Herz anrannten und es belagerten, wo sind die hin?
Ich sags Euch, sie sind eingetütet und gebettet in der großen Müdigkeit. In der Schlappheit und Bequemlichkeit, die mich jeden Tag gegen 16 Uhr befällt. In den Durchhängern, die eine umfassende Leere mit sich bringen. Alles wie in Watte gepackt. Selbst die so genannten "großen" Gefühle wie Eifersucht, Zorn, Trauer oder Zweifel sind irgendwie nur gedämpft spürbar. Nur ganz gedämpft.
Ich bin mit mir selbst im Unklaren, was ich nun brauche. Sollte ich versuchen, diese Ruhe (die es ja irgendwie im Endeffekt wohl ist) zu genießen? Wie? Oder sollte ich meinen dramatischen Gefühlen mit kleinen Kniffen auf die Sprünge helfen, vielleicht durch einen winzigen Seitensprung oder einen kurzzeitigen Rückfall zum Ex?
Nichts genaues weiß man nicht....
