Fallstudie

08.12.2007 um 17:00 Uhr

Alles halb so schlimm

Ich bin ein politisch überaus korrekter Mensch (ja, auch wenn man Rock´n´Roll ist, kann man das....*g), und ich würde mir nie anmaßen, Leute nach ihrem Aussehen zu beurteilen, aber was zuviel ist, ist zuviel!

Da setzt sich dieses Mädel, das aussieht wie n Eimer Schrauben, vor ne Pro 7 Kamera und behauptet in einem 10-minütigen Spot ungefaähr 268 mal, sie würde dauernd mit Paris Hilton verwechselt, und dass sie den originalen Hilton-Augenaufschlag könne, was sie dann unaufgefordert auch vorführt, - Augenlider auf halb acht, Kopf leicht schräg halten und die Lippen spitzen. Jetzt wirkt sie eher, als wären ihre Eltern nahe Verwandte gewesen.

Und da macht sich unsereins Gedanken um Dellen am Po....

06.12.2007 um 20:50 Uhr

Ich bin ein Scheiß-Teenie!

Oje oje. Und ich hab es selbst beschrien. Ich habe sie mir ja gewünscht, die Schmetterlinge im Bauch.

Aber von vorne: mein Piercer und ich, das war immer eine höchst ungleiche Beziehung. Ich hab ihn angehimmelt, diesen großen breitschultrigen Mann mit dem Gesicht, das in die Kategorie Bruce Willis fällt, und den tollen Tattoos, die sich seinen Hals hoch schlängeln. Der vor allen mit dieser leicht verlebten Coolness glänzt,  mit der Souveranität eines Mannes, der alles schon gesehen hat.

Er zu mir: die personifizierte Sachlichkeit. Keinmal hat er mich auch nur einen Moment länger angesehen, als nötig. Kein Mal hat er mir überhaupt in die Augen gesehen, warum sollte er auch, aber jetzt ... dieses Mal ist plötzlich irgendwas anders, und ich weiß nicht mal warum.

Aktuell: Das Piercing muss nochmal kontrolliert werden, der Gesundheitsstecker wird nach zehn Tagen ausgetauscht etc. Ich gehe also jetzt zum dritten Mal zu ihm. Die ersten zwei Mal waren schon nett. Wir haben diesmal mehr geredet als es nur Kunde und Dienstleister tun würden. Komisch nach all den Jahren. Aber: ich glaube immerhin, er erkennt mich jetzt. Fühle mich toll bei dem Gedanken.

Gestern: *dingel dingel* macht die Türglocke, als ich eintrete. Er lukt hinter dem Paravent hervor, erkennt mich tatsächlich, kommt auf mich zu, lächelt: "Ach - die Zeitungsfrau...Moin!" Mist, ich werde nervös.

Er macht den kleinen Stecker rein (Ach du scheiße! Nein, den in die Nase natürlich!) und wir beginnen wie von selbst wieder zu reden. Nicht, dass ich nicht immer noch nervös wäre, aber es läuft. Ich muss mich nicht mal groß anstrengen. Er erzählt mir, dass er ein Kind hat. Er erzählt mir, dass er 35 ist. Mal verheiratet war. Und er erzählt mir, dass er jetzt wieder "neutral, ääh... solo meine ich" ist.

Er redet über seinen Frauentyp. Sagt, dass er da nicht so festgelegt ist. Dass die Mutter seiner Tochter Visagistin ist, die immer Stunden im Bad brauchte, um solche *hier holte er mit den Armen aus* Haare zu  haben.

Und dann sagt er zu mir: "Ich steh aber genauso auch total auf Rock´n´Roll. Echt, ich mag auch Frauen wie dich, du bist irgendwie ... Rock´n´Roll, weißt du...?" Guckt mir in die Augen und lächelt mich an. Nicht schmierig. Irgendwie .. nebenbei. Er nuschelt das in sich hinein, fast ein bisschen, als würde er es nur zu sich selbst sagen. Ich bin hingerissen. 

An meinen Armen stellen sich alle Härchen auf und ich kann nur noch dämlich grinsen. Oje oje.

Er verabschiedet sich. Lächelt mich schon wieder an. Das ist echt zuviel für mich, eine Überdosis. Mir ist schwindelig. Hilfe. Er sagt dazu: "Mensch, wenn wir beiden erstmal ins Reden kommen, was?"

Er hat jetzt übrigens auch noch ne Bar aufgemacht, mein Piercer. Und mich eingeladen. Ich soll vorbei kommen, hat er gesagt, und wann er da ist und wann nicht.

Jetzt ham wir den Salat.....

02.12.2007 um 18:00 Uhr

Klopfen

Wir haben Advent, und im Advent wird man ja bekanntermaßen besinnlich. Also möge man mir diese eine kitschige kleine Gefühlsanwandlung nachsehen.

Mein Mann hat es wirklich nicht leicht bei mir. Ich stelle sein Licht gerne unter den Scheffel und mache ihn zu einer Art pelzigem kleinen Monchichi, der die Erwachsenen lieber nicht beim Reden stören sollte. (Ich hoffe, die Leserschaft rechnet meinen Hang zu Übertreibungen mit ein, sonst steh ich grade wirklich extrem schlecht da....)

Gestern musste ich plötzlich so ausm Nichts an unsere erste Nacht denken, und ich hoffe niemandes Zartgefühl zu verletzen, wenn ich da ein wenig aus dem Nähkästchen plaudere....

Nee nee, seine Performance war zwar grandios, aber wer jetzt auf schweinische Details hofft, wird enttäuscht. Es geht um den Anfang. Eigentlich geht es sogar um richtig viel.

Er hat bei mir geschlafen. Brüderlich, keusch, wie er schon oft bei mir geschlafen hatte. In der Nacht war aber irgendwas anders. Wie bei dem Lied "Tausendmal berührt". Vielleicht war es nur, dass ich mich dieses eine Mal nicht direkt zur Wand gedreht habe. Jedenfalls gab es da plötzlich diese Gewissheit. "Heute wird etwas passieren". Es war zunächst nur ein Finger, der über mein Gesicht strich....

Aber damit fing es an. Mein Herz klopfte. Nicht einfach, nicht normal, nicht pflichtschuldig, sondern wie wild. So hart und schnell, dass ich kaum atmen konnte. So sehr, dass ich befürchtete, man würde es hören oder meinem Brustkorb ansehen.

Diese Erinnerung überfiel mich gestern und ich versuchte, mich zu erinnern, ob mein Herz jemals zuvor oder danach so geklopft hat. Ich konnte diese Frage nicht bejahen, und fand es beinahe unheimlich, dass man in der Lage ist, solche Gefühle in sich klein zu reden oder zu verleugnen. Und das vielleicht nur der aus Angst heraus, dass man wieder ein Stückchen vom Herzen gebrochen kriegt.

Wir Menschen (oder sollte ich besser sagen: wir Frauen?) sind irgendwie manchmal schon echt eine Witznummer der Evolution!

Herzlichste Grüße zum ersten Advent