Wir hatten ja nichts...
Ich kann mich noch genau erinnern, wie schillernd exotisch es sich in der zwölften Klasse anfühlte, als ich eins der ersten mehrheitsfähigen Handys anschleppte. Ich war nie eins der reichen Kinder gewesen, aber dank meiner Oma war ich plötzlich mal ganz vorne mit dabei.
Handys gabs damals nämlich noch nicht. Also es gab sie schon, aber sicher nicht unter Schülern. Das können sich ja die "Kids" von heute gar nicht mehr vorstellen, aber wenn man einen Autounfall beobachtete, musste man gegebenfalls Kilometer bis zur nächsten Telefonzelle rennen, um den Notarzt zu rufen. Es erscheint mir noch heute wie ein Wunder, dass wir nicht alle ausgestorben sind. Von der Pflege der Freundschaften ganz zu schweigen. Wenn man sich verspätete, musste der andere in der nagenden Ungewissheit warten, ob man nun kommen würde, ob man es sich doch anders überlegt hat, oder ob man unterwegs in einen offenen Gully gefallen war. Andererseits erinnere ich mich, dass die Zuverläsigkeit im handylosen Zeitalter doch eine ganz andere war... Aber ich schweife ab.
Neben mir hatten jedenfalls nur noch zwei weitere Leute aus dem über hundert Mann starken Jahrgang ein Handy. Doch doch, man kann es ruhig sagen: diese riesigen Knochen, für die man damals noch fast eine extra Tasche mitnehmen musste, waren Statussymbole.
Und heute? Heute schämt man sich seines Nokia-Handys. Ich - noch so jung und schon im Wandel der Zeiten.....Großartig!
