Fallstudie

21.07.2008 um 15:44 Uhr

Ich bin der böse Cop

Tja, nun hab ich ja die solange gefürchtete Hochzeit hinter mich gebracht. Und wie immer kam es anders als man denkt. Das Schlimmste waren weder die hohen Schuhe noch der Trauzeugen-Pflicht-Walzer, auch nicht die obligatorisch peinlich betrunkenen Onkels oder die steifen Tischreden.

Nein.

Das Schlimmste war dieses fiese Gefühl, das sich Alien-mäßig mitten aus dem Magen selbst gebar und sich langsam durch alle Arterien meines Körpers fraß, um schließlich äußerst zerstörerisch mein Herz zu erreichen: Neid! Schöne Menschen, genug Geld, grenzenloser elterlicher Stolz, zwei freundliche Familien sowie Sicherheit und Souveranität, dort, wo sie nötig war. Vielleicht sogar ein bisschen Liebe. Auf jeden Fall zuviel des Guten! 

So ein Fest verlangt ja (allein aus Etikette) extreme Fröhlichkeit, bewundernde Blicke für das Brautpaar, Güte, die besten Wünsche und ehrlich gemeinte Freude sprich Nächstenliebe. Bei mir passierte das Gegenteil. Ich fing schon ganz früh an zu brodeln und war am Ende des Abends an dem Punkt angelangt, an dem ich dem Brautpaar wünschte, es möge sich erst langweilen, dann ankotzen und sich schließlich in fünf bis sieben Jahren scheiden lassen...  Rosenkrieg und tote Kaninchen inbegriffen!

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenSeren_a schreibt am 21.07.2008 um 16:20 Uhr:Ich muss ehrlich sagen, ich habe mich über diese so offene Beschreibung Deiner Empfindungen gerade wirklich amüsiert und verstehe sie auch, mir ging's auch schon so. Ich hab mich dann ein wenig mit mir selber unterhalten und wollte von mir wissen, was der Neid den soll. Aber da kam was anderes dabei raus. Nämlich, dass man im Innersten sowas wie Unehrlichkeit spürt angesichts dieser Pilcher-Szenen. Und dass man so viel Unausgesprochenes wahrnimmt, das die Fete kippen würde, wenn irgendwer den Mut hätte, es auszusprechen. (Es gibt da einen ganz genialen Film, wo eine Frau zu ihrem Geburtstag ihre "lieben" Freunde einlädt, und wo genau das passiert, hab leider vergessen, wie er hieißt). Dass man im Gegensatz zu allen anderen dauernd über irgendwelche Teppich-Hügel stolpert (während die anderen elegant darum herum stöckeln)... das sind die Stellen, wo die Glücklichen schnell alles unter selbigen gekehrt haben...
    Wenn man Antennen für all sowas hat, fällt es schwer, ein fröhliches Gesicht dazu zu machen... ;-)
    Solidarische Grüße! :-)
  2. zitierenwindkraft schreibt am 21.07.2008 um 16:26 Uhr:Hallo Serena. Da sprichst du ein wahres Wort über die Antennen. Die zu haben macht es einem nicht immer nur leicht im Leben.
    Aber ich bin froh, dass dir diese Gefühle nicht gänzlich unbekannt sind. Das tröstet... ;-)

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