Weblog von Hans-Wolfgang

22.03.2005 um 22:36 Uhr

Erbsünde und das Paradies

von: tao

Die Erbsünde-Theorie war den Ur-Christen unbekannt. Sie wurde erst ca. 300 Jahre nach Christi Geburt von einem Bischof entwickelt. Nun mag man über diese Theorie denken, was man will, aber sie war es, die aus aus einer Religion des inneren Widerstandes gegenüber der allgegenwärtigen römischen Besatzungsmacht eine Religion für Untertanen gemacht hat. Und genau dies war auch der Grund, warum sich Herrschende dieser Religion dann bedienten......den Christen zunächst das Recht auf Religionsausübung einräumten und später dann das Christentum zur Staatsreligion machten und diese Religion verbreiteten.....und zwar mit dem Schwert. Denn anders als uns die Kirche und diverse Hollywood-Filme immer glauben machen wollen, war das Christentum keine Bewegung, die sich von unten nach oben entwickelte, sondern es war genau umgekehrt. Dennoch: Ohne die Erbsünde-Theorie wäre das Christentum, wie viele andere Religionen auch, in Bedeutungslosigkeit längst untergegangen. Das Christentum in seiner heutigen Bedeutung ist ohne die Erbsündetheorie nicht denkbar.

wollen wir ein Gottesbild in uns tragen, das auf Strafe und Belohnung, auf Schuld und Sühne aufgebaut ist? Ist es nicht höchste Zeit, dass wir diese Elemente, die der "Untertanisierung" der Gläubigen diente, ein für allemal ausmerzen? Und wäre dann die ganze Sache nicht ein ganzes Stück weit glaubhafter?
Oder glauben, die, die "glauben", wirklich, dass es für eine Religion unabdingbar ist, ein ewiges Leben zu versprechen? Dass es ihre wahre Daseinsberechtigung per definitionem ist?

Der Mensch ist nicht nur ein vernunftbegabtes Wesen und nicht alles kann man auf die Ratio stützen.

Aber ich möchte nochmal auf den Sündenfall zurückkommen. Man kann ihn natürlich so interpretieren, wie er immer interpretiert worden ist, nämlich als sexuelles Vergehen von Adam und Eva......oder man kann die Paradiesszene so lesen, wie sie geschrieben steht. Da heißt es nämlich, dass Adam und Eva und all ihre Nachkommen aus dem Paradies vertrieben werden, weil sie eine Frucht vom Baume der Erkenntnis über das, was gut und was böse ist, gegessen haben. Ich habe dies schon als Jugendlicher immer so verstanden, dass der Mensch dafür bestraft wird, dass er das Denken gelernt hat.....dafür also, das der Mensch zum Menschen wurde. Adam und Eva wurden aus dem Paradies vertrieben und mussten plötzlich gegen Unkraut ankämpfen. Der Affe, der "Gut und Böse" und "Nützlich und Unnütz" nicht unterscheiden kann, lebt weiterhin im Paradies, wohingegen der Mensch, der gelernt hat, nützliche Pflanzen für sich zu kultivieren, plötzlich auch dafür arbeiten muss. Nur der, für den bestimmte Pflanzen hinderlich sind, erkennt Unkraut überhaupt als solches. Und so gelesen, macht die Erbsünde-Theorie auch Sinn und man kann aus ihr eine Menge ableiten....auch Positives.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Lyriost schreibt am 16.07.2007 um 07:34 Uhr:Das wird die Affen in den Versuchslabors aber freuen, wenn sie von dir erfahren, daß sie im Paradies leben.
  2. tao schreibt am 16.07.2007 um 17:12 Uhr:Bedenke ein fundamentales Gesetz des Lebens, dass du nur das bekommst, was du verdienst.

Einloggen zum Kommentieren:

Hinweis: viele Funktionen von blogigo (z.B. Einträge kommentieren) stehen Dir erst nach einer kostenlosen und unverbindlichen Registrierung zur Verfügung. Hier kannst Du Dich in Sekundenschnelle registrieren.