Taoistische Reflektionen

11.07.2005 um 01:12 Uhr

Tao 32

von: tao

Wenn wir einen Grashalm verstehen können,

haben wir alles verstanden, die Wurzel und alles.

Es ist leicht, sich selbst zu betrügen.

Die Leute betrügen sich selbst millionenfach.

Sie vergeuden ihre Zeit auf Millionen von Wegen,

in der Hoffnung, sie könnten irgendwie in den Tempel gelangen

durch irgendein Hintertürchen.

Es gibt aber keins.

Es gibt keine Hintertüre in den Tempel, nur den Vordereingang.

Wir können viele Hintertürchen finden,

aber sie werden uns nicht zu dem inneren Schrein führen.

Wir werden gefangen werden durch irgendeinen Scharlatan oder sonst jemanden.

In der Existenz gibt es keine Hintertürchen,

denn die Existenz glaubt nicht an Versteckspiele.

Alles ist so offen, das Geheimnis ist so offensichtlich.

Nichts ist verborgen, alles ist offen,

wir brauchen bloß Augen, es zu sehen,

Bewußtheit, es zu lesen, die Fähigkeit, es zu genießen.

Überall ist alles ein offenes Geheimnis,

von Anfang an ist nichts verborgen, was auch immer.

Die Existenz ist offen, nur wir sind verschlossen.

Und ein verschlossenes Denken arbeitet dann mit dem I Ging –

was werden wir dann damit erreichen ?

Unsere eigenen Reflektionen, wir werden uns selbst darin sehen,

unser eigenes Unbewußtes wird in ihm reflektiert werden.

10.07.2005 um 00:44 Uhr

Tao 31

von: tao

All das Wissen von Himmel und Erde ist in allem enthalten,

nicht nur in den vierundsechzig Hexagrammen des I Ging.

Sogar in einem kleinen Kieselstein auf dem Weg

ist all das Wissen von Himmel und Erde enthalten;

in einem kleinen Grasblatt

ist all das Wissen von Himmel und Erde enthalten.

In allem –

denn jeder Teil der Existenz trägt das Ganze in sich.

Sogar ein Tropfen aus dem Meer ist der ganze Ozean –

das ganze Wissen, das ganze Sein des Meeres

ist in dem Tropfen enthalten.

Es ist Meer.

Es mag nicht das Meer sein, aber es ist Meer.

Wir enthalten auch das Ganze.

Es ist also nicht nötig, zum I Ging zu greifen und zu den Hexagrammen; besser ist es, nach innen zu gehen,

denn schließlich kann das I Ging uns gar nichts sagen,

letztendlich werden wir der Interpret sein.

Wenn wir Tarotkarten lesen oder das I Ging oder andere Methoden benutzen,

wer wird es interpretieren ? Wir werden es interpretieren.

Also hängt alles schließlich von uns ab.

Bevor wir nicht wach sind, wird das I Ging uns nicht helfen.

Und wenn wir wach sind

ist alles ein Hexagramm und alles ist das I Ging.

Also anstatt unsere Zeit mit anderen Dingen zu vergeuden, ist es besser, wach zu werden.

Wenn wir wach sind,

werden wir das ganze Universum überall geschrieben sehen,

in jedem Grashalm werden wir die Signatur des Göttlichen finden.

09.07.2005 um 00:21 Uhr

Tao 30

von: tao

Also nur nicht zu sehr sich bemühen, das Denken still zu kriegen.

Lieber beiseite treten, an den Straßenrand,

und den Verkehr passieren lassen. Es einfach beobachten, einfach zuschauen,

mit unbekümmertem Blick, mit indifferenten Augen,

und genau das, was wir uns gewünscht haben, wird geschehen –

aber nicht durch das Wünschen.

Das Verlangen wird uns nicht indifferent sein lassen.

Buddha hat das Wort upeksha verwendet, das bedeutet absolutes Indifferentsein;

und er sagt, daß wir niemals meditativ werden können,

bevor wir nicht upeksha erreicht haben, bevor wir nicht indifferent sein können.

Das ist der fruchtbare Boden.

In diesem Humus sprießt die Saat der Meditation –

es gibt keinen anderen Weg.

08.07.2005 um 02:27 Uhr

Tao 29

von: tao

Wie also mit dem Denken umgehen ?

Am besten alle Anstrengungen, es still zu kriegen, fallen lassen und bloß passiv bleiben,

sich einfach anschauen, was auch immer abläuft.

Dem Denken keine Richtung vorgeben, nicht sagen: "Sei so und so."

Dem Denken kein Führer sein und kein Kontrolleur.

Die ganze Existenz geht ihren Gang und nichts stört uns,

warum sollte uns also dieses Denken verstören,

ein kleiner Biocomputer, ein kleiner Mechanismus ?

Wenn wir irgend können, sollten wir es genießen. Wenn das nicht geht, dann wenigstens indifferent sein.

Und dann werden wir plötzlich eines Tages feststellen,

daß etwas, was fest in uns geschlafen hatte, erwacht;

eine neue Energie kommt in uns hoch – eine gewisse Distanz zum Denken.

Und nach und nach, das Denken wird weiterdenken,

aber weit weg, weit weg, weit weg.

Dann schnattert es immer noch weiter, aber wir wissen,

daß es irgendwo weit weg vor sich hin denkt, so weit weg wie ein Stern;

wir können uns schon keinen Reim mehr darauf machen oder nicht einmal hören, was es gerade sagt.

Und diese Distanz geht weiter, weiter und weiter weg, wird immer größer,

bis wir plötzlich eines Tages nicht mehr feststellen können, wohin das Denken gegangen ist.

Dieses Schweigen ist qualitativ verschieden

von einem Schweigen, das wir praktizieren könnten.

Das wirkliche Schweigen kommt spontan,

es ist nicht etwas, was geübt werden muß.

Wenn wir es ausüben, können wir ein falsches Schweigen erzeugen.

Das Denken ist so trickreich, es kann uns eine falsche Vorstellung eines Schweigens geben,

aber auch das wird zum Denken gehören.

07.07.2005 um 02:05 Uhr

Tao 28

von: tao

Wenn nichts zu tun übrig bleibt, was werden wir dann tun ? Wir können nur zuschauen.

Wir können nur Zeuge sein – und wenn wir nur zuschauen, bleibt das Denken stehen.

Nicht daß wir es anhalten. Noch niemand hat jemals das Denken anhalten können,

denn der, der anhält, ist auch ein Teil des Denkens.

Und die Idee der Meditation ist Teil des Denkens –

die Idee, daß wir das Letztendliche erreichen können, wenn wir still werden,

ist Teil des Denkens. Also ist Intelligenz gefragt:

Das Denken kann nicht das Denken zum Schweigen bringen.

Wir kennen uns überhaupt nicht;

das, was wir kennen, ist das Denken, das seine Spielchen mit uns spielt.

Das einzige, was möglich ist, was getan werden kann,

ist, indifferent zu sein und das Denken denken zu lassen.

Wenn wir indifferent sind, entsteht plötzlich eine Distanz

zwischen uns und dem Denken.

Wir hören ihm nur still zu, wie es ständig an unsere Türen klopft,

aber jetzt sind wir indifferent.

Nun hat die innere Unruhe sich gelegt, ob das Denken weitergeht oder anhält,

wir treffen keine Wahl. Wir sagen zu dem Denken:

Wenn du weiterdenken willst, dann mach weiter; wenn du aufhören willst, kannst du aufhören.

Es kümmert mich nicht mehr.

Dieses Unbekümmertsein ist nötig.

In diesem Klima des Unbekümmertseins und der Indifferenz entsteht der Zuschauer.

Plötzlich sehen wir, daß das Denken niemals zu uns gehört hat,

es ist ein Computer, es ist ein Mechanismus

und wir sind völlig getrennt davon.

05.07.2005 um 11:30 Uhr

Tao 27

von: tao

Wenn wir absolute Indifferenz erlangen wollen, ist es förderlich, das Denken nicht zu verteufeln, sondern es immer weiter gehen zu lassen, ohne darob bekümmert zu sein. Gerade das sich Sorgen machen ist das Problem, nicht das Denken.

Die ganze Welt geht immer weiter: Die Flüsse fließen immerzu,

die Wolken ziehen am Himmel umher,

die Vögel zwitschern in den Bäumen pausenlos.

Warum sollten wir dann so gegen das Denken sein ?

Wir können es also immer weiter laufen lassen – wir brauchen uns darüber nicht auch noch Gedanken machen.

Zeuge sein ist keine Anstrengung.

Wenn wir unbekümmert sind, entsteht der Zeuge.

Wenn wir dem Denken gegenüber indifferent sind,

entsteht in diesem Klima der Indifferenz der Zuschauer.

Allein schon die Idee, daß wir das Denken stoppen müssen, ist falsch;

daß wir es anhalten und zur Ruhe bringen müssen, ist falsch;

daß wir etwas tun müssen,

in Bezug auf diesen konstant laufenden Denkprozeß, ist falsch.

Es ist gar nicht erforderlich, daß wir irgendetwas tun. Wenn wir irgendetwas machen,

würde das nichts helfen, das hilft höchstens dem Trubel, der Störung, nicht uns.

Das ist der Grund, warum wir, wenn wir meditieren, das Gefühl haben, daß das Denken noch verrückter spielt als sonst, und wenn wir nicht meditieren, dreht es nicht so am Rad.

Wenn wir meditieren, sind wir zu sehr mit dem Denken beschäftigt,

wir versuchen unser möglichstes, um es still zu halten.

Wer sind wir ? Und warum sollten wir uns um das Denken Sorgen machen ?

Was ist falsch daran ?

Wir können die Gedanken zulassen, sie dahinziehen lassen wie Wolken.

Wenn wir indifferent sind, dann sind wir plötzlich der Beobachter.

05.07.2005 um 02:51 Uhr

Tao 26

von: tao

Die Hindus verbünden sich, wenn sie sich wieder einmal vor den Mohammedanern fürchten. Die Mohammedaner schließen sich zusammen, wenn sie wieder einmal Angst haben, daß die Hindus sie angreifen werden. Indien wird sich einig, wenn die Furcht entsteht, daß Pakistan sich zum Krieg rüstet. Rußland stapelt immer noch mehr und mehr Atombomben, Wasserstoffbomben und Wassonstnochfürbomben bloß aus der Furcht heraus, daß Amerika sich zu einem Krieg aufrüstet. Und Amerika häuft natürlich mindestens die gleichen Atombomben, Wasserstoffbomben und Ichwillesliebergarnichtwissenbomben an, aus Furcht, daß Rußland oder sonst wer in der Welt sich für einen Krieg bereit macht. Diese ganze Welt scheint aus Furcht und Haß heraus zu leben.

Die Liebe ist zerstört worden. Seit Jahrhunderten, seit Tausenden von Jahren, ist unsere Liebe paralysiert und vergiftet worden. Immer wenn also Liebe in uns entsteht, geht unsere ganze Konditionierung dagegen; sie läßt uns erzittern, sie erzeugt Furcht in uns. Wenn die Liebe nicht echt ist, dann ist es kein Problem, das können wir in den Griff kriegen. Aber wenn sie echt ist, wenn sie authentisch ist, dann werden wir ganz gewiß große Angst davor kriegen, als wenn wir in ein Feuer hineingeworfen würden.

Etwas sehr eigenartiges ist mit dem Menschen passiert. Liebe ist des Menschen Natur, die ganz zu ihm gehört, und ohne Liebe wächst niemand jemals, ohne Liebe blüht niemals jemand, kommt keiner zum Erblühen, ohne Liebe kann niemand sich jemals erfüllt und zufrieden fühlen. Ohne Liebe ist kein Tao. Tao ist nichts als die ultimative Erfahrung von Liebe. Daher, weil unsere Liebe pseudo ist – und wir können auch nur Pseudoliebe zustande bringen, weil die uns keine Angst macht – ist auch unser Tao pseudo, wir nennen es Gott. Der christliche Gott, der Hindu-Gott, der jüdische Gott, dies sind alles falsche Götter. Tao kann nicht hinduistisch sein, kann nicht christlich sein und kann nicht jüdisch sein. Kann Liebe hinduistisch sein ? Kann Liebe christlich sein ? Kann Liebe jüdisch sein ? Aber es gibt viele Bücher über "Christliche Liebe".

Es scheint, daß die ganze Erde zu einem Irrenhaus geworden ist. Bald wird es Bücher geben über christliche Rosen, hinduistische Dotterblumen und buddhistische Lotusse. Wenn Liebe christlich sein kann, warum dann nicht Rosen ? Alles, was falsch ist, ist machbar. Ehe ist machbar, Liebe ist es nicht. Wenn wir kontrolliert bleiben wollen, ohne irgendeine Furcht, dann werden wir weiter mit unseren Spielsachen spielen; dann sind die wirklichen Dinge nichts für uns.

Andernfalls müssen alle Spielsachen zerstört werden. So funktioniert Taoismus: Alle Spielsachen kaputt machen, uns bewußt werden lassen, daß wir unser ganzes Leben mit Spielsachen gespielt haben, daß wir noch nicht reif sind, daß wir immer noch kindisch sind.

04.07.2005 um 02:25 Uhr

Tao 25

von: tao

Zuerst ein Witz:

Zwei Verrückte gingen in eine Bar und, während sie sich nach einem Platz umschauten, wo sie sich hinsetzen könnten, erblicken sich selbst in einem großen Spiegel auf der gegenüberliegenden Wand. Der eine Irre sagte zu dem anderen: "Hey, schau dir doch mal die beiden Kerle da drüben an. Die kenne ich doch von irgendwoher. Laß uns hinübergehen und Hallo zu ihnen sagen."

Wie sie sich nun in Bewegung setzten, sagte der andere psychisch Beeinträchtigte: "Laß mal, sie kommen schon her, um uns in Augenschein zu nehmen."

Dieser Witz sagt viel über unsere Beziehungen: Je näher wir dem anderen kommen, desto näher kommen wir uns selbst, und umgekehrt. Und doch, wenn wir uns dem anderen nahe fühlen, kommt manchmal große Furcht auf.

Liebe erzeugt gewiß große Furcht, denn wir sind dazu erzogen worden, zu hassen, nicht zu lieben. Unsere ganze Konditionierung ist gegen Liebe, aber die Strategie ist sehr subtil und nur wenige Leute werden sich dieses Phänomens bewußt, daß wir zum Haß erzogen worden sind. Der Hindu haßt den Mohammedaner, der Mohammedaner haßt den Christen, der Christ haßt den Juden. Die Religionen hassen sich alle gegenseitig. Der Theist haßt den Atheisten, der Atheist haßt den Theisten. Alle politischen Ideologien sind auf Haß gegründet. Die Kommunisten hassen die Faschisten, die Faschisten hassen die Sozialisten. Alle Nationen sind im Haß verwurzelt; sie hassen sich alle gegenseitig. Diese Welt ist voll von Haß. Unser Blut, unser Mark und Bein, sind haßerfüllt. Selbst wenn wir manchmal vereint erscheinen, sind wir immer vereinigt gegen etwas, gegen den gemeinsamen Feind, niemals anders. Es ist keine Vereinigung der Liebe.

Adolf Hitler war sich dieser Psychologie bewußt. Er schreibt in seiner Autobiografie "Mein Kampf", daß die Leute nicht wegen der Liebe verbündet sind – Liebe hat keine Macht; alle Macht kommt durch Haß. Erzeuge Haß und sie werden sich zusammentun. Er mag ja durchgedreht gewesen sein, aber manchmal haben solche Menschen großartige Einsichten. Dies ist eine großartige Einsicht in die Massenpsychologie.

Er schreibt an anderer Stelle: "Wenn du möchtest, daß dein Land bereit und wachsam ist, dann halte sie immer voll Furcht davor, daß sie angegriffen werden könnten, daß der Krieg schon an ihre Türen klopft, daß jede benachbarte Nation dein Feind ist. Ob sie wirklich Feinde sind oder nicht, spielt keine Rolle; wenn sie es sind, gut; wenn sie es nicht sind, trotzdem, erfinde etwas, propagiere, daß sie Feinde sind. Nur dann wird dein Land einig sein."

03.07.2005 um 03:00 Uhr

Tao 24

von: tao

Ein paar Witze über Therapeuten:

Ein Therapeut geht gerade die Straße hinunter, als eine Frau mit einem Korb voller Blumen auf ihn zu kommt und sagt: "Möchten Sie Blumen kaufen, mein Herr ?"

"Nein danke."

"Aber möchten Sie denn nicht gerne der Frau, die Sie lieben, Blumen mitbringen ?"

"Hören Sie auf damit, meine Dame. Ich bin ein verheirateter Mann."

Ein alter Therapeut besucht einen anderen Therapeuten. "Freund", sagt er, "ich habe ein Problem. Ich bin achtzig Jahre alt und renne immer noch jungen Mädchen hinterher."

"Nun, Dein Fall ist ganz normal. Das passiert fast jedem in Deinem Alter", erwidert der andere Psychoklempner.

"Aber mein Problem ist, ich habe vergessen, warum ich hinter ihnen her bin."

Ein Psychotherapeut lacht laut in seinem Arbeitszimmer.

"Worüber lachst Du denn ?", fragt seine Frau.

"Ach, nichts besonderes, meine Liebe. Es ist bloß so, daß ich mir gerne selbst Witze erzähle, und dieser letzte, den kannte ich noch nicht."

Und der letzte:

Ein sehr alter Psychotherapeut kommt zu einer Prostituierten. Sie einigen sich über den Preis und der alte Mann fängt an, sich auszuziehen. Er legt seine Jacke ab, seine Krawatte, sein Hemd, und wirft das alles zum Fenster hinaus. Als er dann schon seine Hose in der Hand hält und sie gerade auch zum Fenster hinauswerfen will, packt ihn die Prostituierte am Arm und sagt: "Warum tust du das denn ? Wenn wir fertig sind, kannst du doch nicht nackt auf die Straße gehen."

"Naja", antwortet der alte Psychoklempner, "schau mal, Liebling, bis ich gekommen bin, werden diese Kleider sowieso schon aus der Mode gekommen sein !"

02.07.2005 um 02:34 Uhr

Tao 23

von: tao

Ein junger Mann ging zu einem Sextherapeuten und bat ihn um Rat, wie er sein Stehvermögen ausdauernder gestalten könnte. "Ja, ja", sagte der Therapeut. "Vorzeitige Ejakulation ist ein ganz normales Problem für viele junge Männer. Das kommt nur daher, daß man zu erregt ist und dagegen gibt es ein ganz bestimmtes Heilmittel."

"Und was ist es, Doktor ?", fragte der junge Mann.

"Das nächste Mal, wenn Sie mit einer Frau ins Bett gehen, dann stellen Sie sich vor, daß Sie gerade dabei sind, in einem Feinschmeckerrestaurant ein köstliches Menü zu sich zu nehmen. Stellen Sie sich jedes Detail dieses Menüs vor, von der Suppe bis zum Kaffee."

"Beginnen Sie mit der Suppe...stellen Sie sich vor, wie sie in der Schüssel dampft...kosten Sie jeden Löffel Suppe. Als nächstes bestellen Sie den Wein, vielleicht einen Rosee...riechen sie das Bukett des Weines, schauen Sie ihn sich an, wie er bei jedem kleinen Schluck glitzert. Dann stellen Sie sich das Hauptgericht vor...vielleicht ein Steak, mit Pilzen garniert, mit einer gebackenen Kartoffel, Sauerrahm, Schnittlauch und einem frischen grünen Salat. Essen Sie das ganz langsam und lassen Sie jeden Bissen auf der Zunge zergehen. Nach dem Hauptgericht bestellen Sie das Dessert...vielleicht ein Schokoladenmoussee oder eine Nußtorte mit steif geschlagener Sahne. Und dann... dann sind Sie bereit für den Kaffee... brasilianisch, französische Röstung, oder vielleicht Cappucino. Dann können Sie entspannen und die Zufriedenheit genießen, die sich einstellt, wenn sie ein solch derart befriedigendes Mahl zu sich genommen haben."

"In der Zeit, in der Sie solch ein Bankett in Ihrer Imagination genossen haben, wird Ihr Problem verschwinden. Sie werden solch einen Orgasmus haben, solch eine Erfüllung – und zwar gemeinsam !"

Der junge Mann dankte dem Therapeuten und schritt von dannen, hocherfreut. Am selben Abend, im Bett mit seiner Freundin, begannen sie mit dem Liebesspiel. Also startete er seine Fantasieübung. Er malte sich das Restaurant in seiner Fantasie aus, setzte sich dort an einen Tisch und rief: "Hallo, Bedienung, wir bekommen die Tomatensuppe ... und eine Tasse Kaffee !"

Soviel zum Unterschied zwischen Theorie und Praxis.

Was geschrieben wird, ist eine Sache, was gelesen wird, eine ganz andere.

01.07.2005 um 02:25 Uhr

Tao 22

von: tao

Die Welle wird wieder der Ozean; sie ist nicht mehr getrennt, sie fällt zurück in den Ozean. Das ist nur für einen Moment. Wenn wir die Schönheit dieses Moments bewußt erleben können, werden wir seine Schönheit sehen. Und wenn wir erst einmal die Schönheit egoloser Momente gesehen haben, dann wird es leicht für uns sein, die Häßlichkeit des Ichs zu sehen, das Unglück des Ego.

Das braucht nicht geglaubt zu werden, es ist einfach eine Einladung, es selbst zu erleben. Taoismus ist völlig gegen Glauben – der Glaube ist der Grund für die Zerstörung der Religion auf der Erde. Es ist der Glaube, der die Religionen falsch und pseudo gemacht hat.

Und wir haben diese Momente schon viele Male kennen gelernt. Niemand ist so arm, daß er niemals einige egolose Momente erlebt hätte. Wir brauchen uns nur zu erinnern. Und wenn wir uns wirklich nicht mehr erinnern können, dann ist es hilfreich, tagtäglich darauf aufmerksam zu sein. Bald werden wir ein paar Momente identifizieren können, in denen wir ohne Ego sind. Und dann können wir vergleichen. Nur unsere eigene Erfahrung und die Vergleiche, die wir dann anstellen können, werden es uns ermöglichen, eine Entscheidung zu treffen.