Taoistische Reflektionen

31.08.2005 um 00:59 Uhr

Tao Te King 71 (2)

von: tao

Die erste Schicht unserer Persönlichkeit ist die oberflächlichste – die Schicht der Formalitäten, der gesellschaftlichen Umgangsformen. Sie ist nötig; an ihr ist nichts verkehrt. Wir begegnen einem Menschen auf der Straße, wir kennen die Person, wenn wir dann nichts sagen, und der oder die andere sagt auch nichts, keine soziale Formalität wird erfüllt, wird es uns beiden peinlich sein. Es muß etwas getan werden. Nicht daß wir es wirklich meinen, aber es ist ein soziales Gleitmittel; die erste Schicht ist also die Schmierölschicht. Sie hilft, daß alles glatt läuft. Es ist die Schicht von: Guten Morgen; Wie geht es Ihnen ? Großartig ! Fein, fein ! Sehr schön ! Schönes Wetter haben wir heute! Gut, bis zum nächsten mal, wir bleiben in Verbindung, Auf Wiedersehen – diese Schicht. Das ist gut ! Nichts ist falsch an ihr. Wenn wir sie verwenden, ist es schön. Aber wenn wir von ihr verwendet werden, und wir sind in ihr eingefroren, und wir haben jeden Kontakt mit unserem innersten Wesen verloren, wir gehen niemals darüber hinaus, dann sind wir festgefahren, dann sind wir krank im Kopf. Es ist schön, zu jemandem "Guten Morgen" zu sagen, aber ein Mensch, der niemals mehr als das zu sagen hat, ist sehr, sehr krank. Er hat keinen Kontakt zum Leben. Tatsächlich sind diese Formalitäten für diesen Menschen kein Schmiermittel, im Gegenteil, sie sind eine Art von Rückzug geworden, eine Vermeidungstaktik. Wir sehen jemanden, wir sagen "Guten Morgen", um ihn zu vermeiden, so daß wir auf unserem Weg weitergehen können, und er kann seinen Weg fortsetzen; wir können ihm so entkommen. Diese soziale Formalität ist bei Millionen von Leuten eingefroren worden; sie leben auf dieser Schicht, sie gehen niemals darüber hinaus: Etikette, Benehmen, Worte, Geschnatter – immer an der Oberfläche. Sie reden, nicht um zu kommunizieren, sie reden, um Kommunikation zu vermeiden.Sie reden, um die peinliche Situation zu vermeiden, in der wir dem anderen begegnen. Das sind verschlossene Menschen. Wenn ihr Leben unglücklich ist, dann ist das kein Wunder. Wenn sie in der Hölle leben, ist es offensichtlich, daß sie in der Hölle leben müssen. Tatsächlich sind es tote Leute. Der Gründer der Gestalttherapie, Fritz Perls, pflegte diese Schicht die Hühnermist-Schicht zu nennen; tot, trocken. Viele Leute leben in der Hühnerscheiße. Ihr ganzes Leben ist bloß eine nutzlose Formalität. Sie kommen nirgendwohin, sie stecken schon an der Türe fest, sie haben die Kammer des Lebens noch nicht einmal betreten. Das Leben hat viele Zimmer, aber sie stehen bloß an der Türe, auf der Treppe. Stufen sind gut, wenn wir sie überschreiten, sie sind gefährlich, wenn wir uns an sie hängen. Ein gesunder Mensch benutzt also die Formalitäten-Schicht; dann ist sie ein Gleitmittel, sie ist schön. Ein ungesunder Mensch macht sie zu seinem ganzen Leben; er lächelt – und meint es nicht, er lacht – er meint es nicht so. Wenn jemand tot ist – wird er traurig, weint – sogar Tränen fließen ihm das Gesicht herunter; alles falsch ! Er meint es nicht so. Er meint niemals irgendetwas wirklich. Er ist bloß ständig wie in einer Show, ständig stellt er sich zur Schau. Sein ganzes Leben ist bloß eine Ausstellung. Er kann es nicht genießen, denn er kann nicht nach innen gehen.

30.08.2005 um 23:22 Uhr

Tao Te King 71 (1)

von: tao

Lao-tse sagt:

"Wer weiß, daß er nicht weiß, ist der Höchste; wer vorgibt, zu wissen, was er nicht weiß, ist krank im Kopf. Und wer dieses geistige Kranksein als Geisteskrankheit erkennt, ist nicht geisteskrank. Der Weise ist nicht krank im Denken. Weil er das kranke Denken als Geisteskrankheit erkennt, deswegen krankt er nicht am Denken."

 

Der Mensch ist wie eine Zwiebel, genau wie eine Zwiebel; Schichten über Schichten der Persönlichkeit; und hinter all diesen Schichten ist die Essenz verborgen.

Diese Essenz ist wie Leere, sunya, nichts. Sie ist mehr wie Nicht-Sein als wie Sein, denn Sein hat eine Begrenzung, ihm ist eine Grenze zu eigen. Aber dieser innerste Kern hat keine Grenze um sich, er hat keine Beschränkung, er ist bloß eine Freiheit, ein freies Fließen von Energie, unendlich in seinen Dimensionen.

Bevor man nicht seine Persönlichkeitsschichten bis zum letzten Ende abschält und die Essenz wiederentdeckt, bleibt man krank im Kopf. Geistig krank zu sein heißt irgendwo steckengeblieben zu sein, irgendwo eingefroren zu sein. Geisteskrankheit heißt blockiert zu sein. Es ist eine Sackgasse – genau das_ wir können nicht durchkommen, wir kommen nicht weiter. Wir sind blockiert. Wir haben nicht die Freiheit, zu fließen und zu sein, und nicht zu sein. Wir sind gezwungen, etwas zu sein. Wir sind mehr wie ein fester Felsen als wie ein Fluß.

Freiheit ist Gesundheit.Blockiert zu sein, festgefahren sein, ist mentales Kranksein. Und jeder, fast jeder, ist krank. Selten kommt es vor, daß jemand den Mut aufbringt, ganz bis zum innersten Kern des Nicht-Seins vorzudringen. Dann wird man ein Mensch des Tao: Ganzheitlich, gesund, heilig.

Wenn wir diese Schichten verstehen, wird sich allein schon dieses Verstehen als eine heilende Kraft erweisen. Wenn wir verstehen, wo genau wir blockiert sind, beginnen die Blöcke zu schmelzen – dies ist dasWunder, das Wunder, etwas zu verstehen. Allein schon das Verstehen hilft, es aufzuweichen. Nichts anderes muß getan werden. Wenn wir wirklich genau wissen, wenn wir exakt lokalisieren können, wo wir blockiert sind, wo wir eingefroren sind, wo die Sackgasse existiert, und dann uns bloß dessen bewußt sind, es in seiner Totalität kennenlernen, dann beginnt es zu schmelzen.

Erkennen ist eine Heilkraft. Und beginnt es erst einmal, daß wir wieder auftauen, gewinnen wir das Fließen wieder. Wir werden das Fließen !

29.08.2005 um 00:18 Uhr

Tao 60

von: tao

Seitdem der Affe Mensch wurde, ist der Mensch der gleiche geblieben. Eine große Revolution ist im Gang.Sie wird weitaus tiefgehender sein als die Revolution, die geschah, als Affen begannen, auf der Erde zu gehen und menschliche Wesen wurden. Diese Veränderung erschuf das Denken, dieser Wechsel brachte die Psychologie ins Spiel. Nun ist eine andere weit signifikanterer Veränderung dabei, sich zu ereignen, die die Seele ins Spiel bringen wird, und der Mensch wird nicht nur ein psychologisches Wesen sein, sondern auch ein spirituelles Wesen.

Wir leben in einer der lebendigsten Zeiten, die es je gegeben hat.

Der neue Mensch ist schon in Bruchstücken angekommen, aber nur fragmentarisch.Und der neue Mensch ist schon seit Jahrhunderten dabei, anzukommen, aber nur dann und wann. So passiert so etwas eben. Wenn der Frühling kommt, beginnt er mit einer Blume. Aber wenn die eine Blume da ist, dann kann man sich sicher sein, daß der Frühling nicht mehr weit weg ist – er ist gekommen. Die erste Blüte verkündete sein Kommen: Zarathustra, Krishna, Lao-tse, Buddha, Jesus – das waren die ersten Blumen. Nun wird der neue Mensch im größeren Maßstab geboren werden.

Dieses neue Bewußtsein ist die wichtigste Sache, die sich heutzutage ereignet.

Taoismus ist ein Experiment, den Boden zu bereiten, so daß neue Saatkörner hineinkommen können. Und weil Taoismus mit dem neuen Menschen zu tun hat, sind die alten Orthodoxien aller Schattierungen dagegen, denn dies wird ihr Ende sein. Wenn der Taoismus sich durchsetzt, wenn der neue Mensch Erfolg hat, wird der alte Mensch gehen müssen. Der alte kann nur leben, wenn der neue Mensch am Kommen gehindert wird.

Das kann nun nicht mehr verhindert werden, denn es geht ja nicht nur darum, daß der neue Mensch in die Existenz tritt, es geht um das Überleben der ganzen Erde, des Bewußtseins an sich, des Lebens selbst. Es ist eine Frage von Leben und Tod. Der alte Mensch ist zur äußersten Destruktivität gelangt. Der alte Mensch ist am Ende seiner Fahnenstange angelangt. Nun ist mit dem alten Konzept des Menschen kein Leben mehr möglich, sondern nur noch der Tod. Der alte Mensch bereitet sich auf einen globalen Selbstmord vor. Der alte Mensch stapelt Atombomben und Wasserstoffbomben, um einen kollektiven Selbstmord zu begehen. Das ist eine ganz unbewußte Sehnsucht. Statt den neuen Menschen sein zu lassen, würde der alte Mensch lieber die ganze Sache zerstören.

Das Neue trägt die ganze Zukunft in sich. Und der Mensch ist zu einer Stufe gekommen, wo ein großer Quantensprung möglich ist.

28.08.2005 um 13:15 Uhr

Tao 59

von: tao

Tao ist der gefährlichste Pfad, weil wir auf ihm nicht mehr die Kontrolle haben. Unser Denken kann nicht mehr manipulieren; unser Denken kann sich in keiner Weise vorbereiten. Wir werden von Moment zu Moment leben müssen – so wie die Bäume leben, so wie die Sterne leben, so wie die Berge leben. Wir würden auf dieselbe Weise leben müssen, in der gleichen natürlichen Art. Tao ist Natur.

Das indische Tantra kann also zum Beispiel keine Verbindung mit Tao haben. Das indische Tantra ist sehr wissenschaftlich. Es ist die Wissenschaft, wie man sexuelle Energie in spirituelle Energie transformiert; wie man den Dynamo erschafft, der die Energie verändert, transformiert und verwandelt; wie man vom niedrigeren zum höheren geht; wie man von der Erde zum Himmel geht. Es ist ein Weg vom Sex zum Überbewußtsein. Es ist sehr technologisch.

Tao hat keine Technik – dies ist fundamental. Aber noch etwas anderes ist sehr wichtig – Tao hat sein eigenes Tantra. Aber es ist keine Technik.

Zwischen dem indischen Tantra und dem chinesischen Tao ist kein Treffen möglich, keine Begegnung ist machbar. Sie sind weit weg voneinander, polar zueinander, und es ist unmöglich, sie zu vermischen. Wenn jemand versucht, sie zu kombinieren, und das geschieht immer wieder, dann wird Tao dabei zerstört werden. Tantra wird nicht zerstört werden. Das ist immer so – immer wenn wir einen höheren Standpunkt mit einem niedrigeren Standpunkt vermischen, wird der höhere zerstört, nicht der niedrigere. Es ist immer der höhere, der verliert, denn das Höhere ist delikat, das Höhere ist sehr, sehr verletzlich, fragil, wie eine Blüte. Wenn wir eine Blume mit einem Felsen zermalmen, wird der Stein nicht zerstört sein. Der Felsen wird es vielleicht nicht einmal merken, daß es einen Zusammenstoß gegeben hat. Aber die Blume ist weg – zerdrückt, zerstört. Tao ist die höchste Möglichkeit und Tantra kann sie zerstören. Es ist also wichtig, sie nicht zu vermischen.

Aber Tao hat sein eigenes Tantra, denn Tao ist eine totale Weltsicht. Es hat alles, was möglich ist. Es ist die Ganzheit. Es muß also auch etwas im Tao sein für Liebe und für Sex – und so ist es.

Was ist taoistisches Tantra ? Selbst wenn es Tantra genannt wird, dann dies nicht im indischen Sinne gemeint. Was ist taoistisches Tantra ? Es ist Spontaneität in der Sexualität; es ist Spontaneität in der Liebe.

27.08.2005 um 03:00 Uhr

Tao Te King 2 (5)

von: tao

Es gibt einen Bericht von einem Zusammentreffen zwischen Lao-tse und Konfuzius. Konfuzius war der größte moralische Vordenker auf Erden – moralischer Denker und nicht religiöser Denker. Er gehört zu denen, die sich gedanklich ganz in die Probleme verloren haben, wie man den Menschen gut machen könnte. Als er hörte, daß Lao-tse ein sehr religiöser Mensch sei, war es nur natürlich, daß begierig war, ihm zu begegnen. Er ersuchte Lao-tse darum, er möge den Leuten raten, gut und ehrlich zu sein, daß sie nicht stehlen sollten und daß sie sich der Neigung zum Stehlen enthalten sollten, daß sie den Ärger verbannen und vergeben sollten, und wie Gewalttätigkeit zerstört und Gewaltlosigkeit etabliert werden könnte.

Lao-tse saß vor seiner Hütte und erwiderte: "Wie kann ein Mensch gut sein, ohne daß das Böse da ist ? Wenn es Böses gibt, nur dann kann der Mensch gut sen. Ich rate den Leuten immer, wie sie nicht böse sein können, ich mache mir keine Sorgen um Tugend und Gutsein. Ich stelle mir einen Staat vor, in dem auch Gutsein nicht entdeckt wird und es unmöglich zu sagen ist, wer gut ist."

Konfuzius konnte nicht verstehen: "Dem Menschen muß man beibringen, ehrlich zu sein, denn er ist unehrlich", wiederholte er sich. Lao-tse erwiderte: "Die Unehrlichkeit nahm von dem Tag an zu, an dem du begonnen hast, von Ehrlichkeit zu reden. Ich schaue nach vorne zu der Zeit, wo die Leute nicht länger mehr von Unehrlichkeit reden." Konfuzius konnte ihn immer noch nicht verstehen. Dieses Kapitel ist für jeden moralischen Denker zu nachzuvollziehen, denn er hält gut und böse für zwei verschiedene und entgegengesetzte Eigenschaften und daß man das Böse zerstören und das Gute zu bewahren habe. Wohingegen Lao-tse behauptet, daß Gut und Böse die beiden Aspekte derselben Sache sind. Es ist nicht möglich, das eine zugunsten des anderen zu zerstören. Wenn wir das eine aufgeben, werden wir auch das andere sein lassen müssen. Beide müssen sie zusammen losgelassen werden. Wenn wir eines davon bewahren, ist das andere auch automatisch geschützt. Wenn wir das Gute behalten wollen, dann bleibt das Böse im Hintergrund, denn das Gute kann nicht ohne das Böse existieren. Wenn wir den ehrlichen Menschen respektieren wollen, dann können wir das nur tun, wenn es unehrliche Leute gibt.

Da lohnt es sich nachzudenken: Wenn es keine unehrlichen Leute in der Welt geben würde, würden wir dann jemals daran denken, den ehrlichen Menschen zu ehren ? Würde ein Heiliger respektiert werden, wenn es keine Sünder gäbe ? Dies heißt, wenn wir dem Heiligen unseren Resepekt zollen wollen, dann sollten die Sünder äußerst präsent sein, und es ist eines der Mysterien des Lebens, daß der Heilige sich immer gegen den Sünder ausspricht ! Er weiß wohl kaum, daß er die Anerkennung, die er bekommt, nur wegen der verkommenen Subjekte erhält. Der Heilige wäre verloren, würde es keine Sünder geben; seine Existenz verdankt sich den Sündern, und daß er ständig von Sündern umgeben ist.

26.08.2005 um 15:38 Uhr

Tao Te King 2 (4)

von: tao

"Das Entstehen der relativen Gegensätze.

Wenn die Leute auf der Erde all Schönheit als Schönheit kennen, dann entsteht (die Identifikation von) Häßlichkeit. Wenn die Leute von der Erde alle das Gute als gut erkennen, dann entsteht (das Erkennen von) Bösem."

Das Kennen von Schönheit, die Erfahrung von Schönheit, ist ein Vorläufer unseres Vertrautseins mit Häßlichkeit. Gut kann nicht erlebt werden ohne das Kennen von Böse. Lao-tse wiederholt, was er in dem ersten Kapitel gesagt hat, aber in einer anderen Dimension. Er sagt: "Wer das Schöne erfährt, kann das nicht tun, ohne das Häßliche erfahren zu haben." Ein Mensch kann Schönheit nur soweit erleben, wie er Häßlichkeit erlebt. Tatsächlich, wenn ein Mensch kein Wissen über Häßlichkeit hat, hat er auch kein Wissen von Schönheit. Wer versucht, gut zu sein, hat sehr viel Böses in sich. Ein Mensch kann nicht danach streben, gut zu sein, wenn er nicht anfänglich böse ist. Gemäß Lao-tse – und was er sagt, ist sehr bedeutsam – "seit dem Tag, an dem der Mensch erkannt hat, was Schönheit ist, ging die natürliche Schönheit, wo Häßlichkeit fehlt, verloren und seit dem Tag, an dem der Mensch erkannt hat, was gut ist, ging der natürliche Zustand des Gutseins verloren, als sich die Leute noch nicht des Bösen bewußt waren." Wie können wir das verstehen ?

Wenn wir zurückschauen in den vorgeschichtlichen, den mythologischen Zustand des Menschen, als er in dem ruhigen, kunstlosen und natürlichen Seinszustand war, finden wir kein Wissen über Schönheit, aber zur selben Zeit existiert auch kein Wissen über Häßlichkeit. Da werden wir keine unbestechlichen Leute finden, denn Unehrlichkeit war nicht möglich. Damals war es unmöglich, einen Sünder aufzuspüren, denn es gab keine tugendhaften Leute.

Was Lao-tse in diesem Kapitel zu erklären versucht, ist, daß unser Leben schon immer von Dualitäten geformt worden sind. Wenn eine Gemeinschaft zuviel Wert darauf legt, ehrlich zu sein, zeigt dies, daß ihre Mitglieder sehr korrupt geworden sind. Wenn Eltern ihren Kindern beibringen, daß es eine Tugend ist, die Wahrheit zu sagen, zeigt dies, daß in der Gesellschaft die natürliche Wahrhaftigkeit abhanden gekommen ist und daß Unaufrichtigkeit zum vorherrschenden Leitmotiv geworden ist. Lao-tse sagt: "Wir legen immer Wert auf das, dessen Gegensatz schon präsent ist." Wenn wir unseren Kindern sagen: "Erzähl keine Lügen", beweist dies, daß ganz überwiegend Verlogenheit vorherrscht. Wenn wir ihnen sagen, sie sollen ehrlich sein, bedeutet dies, daß Unehrlichkeit sich schon fest in uns verwurzelt hat.

25.08.2005 um 23:39 Uhr

Goldene Blüte 3/10 (4)

von: tao

Das deutsche Wort "Kontemplation" gibt nicht die richtige Vorstellung von dhyana. Im Deutschen gibt es kein Wort, das das Wort dhyana übersetzen kann.

Es gibt drei Worte, die dafür in Frage kommen. Das eine ist "Konzentration", das ist sehr abwegig, denn Konzentration bedeutet Anstrengung, Spannung; ein erzwungener Zustand, kein fließender spontaner Zustand. Und dhyana ist eine fließende Spontaneität. Da ist keine Anspannung dabei, also kann das Wort "Konzentration" keine Übersetzung dafür sein.

Dann ist das andere Wort "Kontemplation". Aber im Deutschen gibt Kontemplation den Beigeschmack von Denken. Wenn wir sagen, jemand kontempliert, meinen wir jemand denkt über etwas nach oder zumindest hält er eine Betrachtung über etwas ab.

Oder das dritte Wort ist "Meditation", aber auch das bedeutet Denken: Über etwas meditieren. Von diesen drei Worten beinhaltet keines die Bedeutung von dhyana. Dhyana bedeutet einen Zustand von Nicht-Denken, einen Zustand des Schweigens, einen Zustand, bewußt zu sein, aber ohne irgendeinen Inhalt. Der Spiegel ist da, aber er reflektiert nichts, nichts was auch immer. Genau wie der Spiegel ist das Bewußtsein da, aber da ist nichts, womit es sich beschäftigt. Diese unbesetzte Bewußtheit ist dhyana.

Die Taoisten benutzen das Wort "Kontemplation", um es zu übersetzen. Das ist nur deswegen, weil man eben irgendein Wort benutzen muß. Aber die Bedeutung ist nicht das, was es in den Wörterbüchern bedeutet. Wenn wir in den Wörterbüchern nachschlagen, werden wir eine total falsche Vorstellung von Kontemplation haben. Tatsächlich ist es das, was "das Geheimnis der goldenen Blüte" "falsche Kontemplation" nennt. Falsche Kontemplation bedeutet, über etwas nachdenken. Das mag Gott sein – das ist es, was die Christen mit Kontemplation – über Gott nachdenken, über heilige Dinge nachdenken, transzendentale Dinge bedenken. Aber Dinge sind eben Dinge; ob sie nun heilig sind oder unheilig, macht keinen Unterschied. Und Denken ist Denken; ob wir über Sex nachdenken oder über Samadhi, macht keinen Unterschied.

Ein Zustand des Nicht-Denkens, ein Intervall...Und es passiert immer wieder, aber wir achten nicht darauf; andernfalls gibt es dabei kein Problem. Ein Gedanke kommt, dann kommt ein anderer, und zwischen diesen zwei Gedanken gibt es immer eine kleine Lücke. Und diese Lücke ist die Tür zum Göttlichen, diese Lücke ist Kontemplation. Wenn wir tief in diese Lücke hineinschauen, beginnt sie, immer größer zu werden.

24.08.2005 um 02:09 Uhr

Tao 58

von: tao

Die taoistische Botschaft ist sehr einfach. Darum ist sie schwierig zu verstehen. Taoismus lehrt das Offensichtliche; er ist überhaupt nicht komplex. Weil er nicht komplex ist, gibt es dabei nicht viel zu verstehen. Er muß gelebt und erlebt werden. Taoismus ist nicht verbal, logisch oder rational. Taoismus ist existentiell, also werden diejenigen, die ihn intellektuell verstehen wollen, ihn nur mißverstehen.

Trotzdem gibt es ein paar fundamentale Anhaltspunkte: Bis jetzt hat der Mensch nur halbherzig gelebt. Weder ist der östliche Mensch ganzheitlich gewesen noch ist der westliche Mensch ganz gewesen. Der Westen hat sich für den Körper entschieden, er ist körperorientiert; der Osten hat sich für die Seele entschieden, der Osten ist seelischorientiert; und der Mensch ist beides, eine große Harmonie von beidem. Der Mensch ist beides und eine Transzendenz. Weder im Osten noch im Westen ist der Mensch total akzeptiert worden. Wir haben es noch nicht gewagt, den Menschen in seiner Totalität zu akzeptieren. Das ist eines der fundamentalsten Dinge, die es über den Taoismus zu verstehen gibt: Der Taoismus lehrt den ganzen Menschen. Allein schon die Idee von Ost und West ist Unsinn; auch dies ist wegen der uralten Aufteilung. Alle Aufteilungen und Trennungen sind dafür da, daß sie aufgelöst werden. Der Taoismus lehrt eine Welt. Wenn Ost und West nicht verschwinden, führt dies zu Schizophrenie. Der Westen ist rechtshändig, der Osten ist linkshändig; der Westen ist aktiv, der Osten ist passiv; der Westen ist extrovertiert, der Osten ist introvertiert – aber der Mensch ist beides und jenseits von beidem. Man kann nur total sein, wenn man in der Lage ist, genauso extrovertiert wie introvertiert zu sein. Total sein heißt Ausatmen und Einatmen können. Einatmung ist genausosehr nötig wie Ausatmung. Eigentlich sind sie nicht zwei Phänomene: Ausatmen-Einatmen ist ein Prozeß. Der Westen hat sich für die Außenwelt entschieden, die Materie, ist sehr wissenschaftlich geworden, hat großartige Technologie erschaffen; aber der Mensch ist von dieser Technologie erdrückt worden, denn der Mensch ist nicht gleichzeitig mitgewachsen. Der Mensch ist weit dahinter zurückgeblieben. Die Wissenschaft ist weit vorausgegangen, und die Wissenschaft, die der Mensch erschaffen hat, ist nun dabei, den Menschen selbst zu zerstören. Die Innenwelt des Menschen ist im Westen armselig geblieben, der Mensch im Westen ist spirituell ausgehungert. Und das gleiche ist im Osten vom anderen Extrem her geschehen: Der Mensch hat seinen Körper, seine Umwelt komplett verneint. Der Osten hat darauf bestanden, alles, was außerhalb von uns ist, zu verneinen, der manifestierten Welt zu entsagen und bloß nach innen zu gehen und bei unserem Zentrum zu bleiben. Der Osten ist spirituell reich, aber materiell sehr arm und verhungert. Der Osten hat gelitten, der Westen hat gelitten.

23.08.2005 um 03:11 Uhr

Tao 57

von: tao

Die Welt war offensichtlich in der Vergangenheit ganz anders. Was wir vor sechshundert Jahren in sechs Wochen an Sinnesreizen empfingen, kriegen wir jetzt an einem Tag. Sechs Wochen Stimulation und Information, das kriegen wir jetzt an einem einzigen Tag – ein ungefähr vierzigfacher Druck, zu lernen und sich anzupassen. Der moderne Mensch muß fähig sein, mehr zu lernen, als der Mensch jemals zuvor, denn es gibt jetzt mehr zu lernen. Der moderne Mensch muß fähig werden, sich tagtäglich an neue Situationen anzupassen, denn die Welt ändert sich so schnell. Es ist eine großartige Herausforderung.

Eine große Herausforderung, wenn sie angenommen wird, wird gewaltig bei der Bewußtseinserweiterung helfen. Entweder wird der moderne Mensch äußerst neurotisch werden oder der moderne Mensch wird allein schon durch den Druck transformiert werden. Es hängt davon ab, wie wir damit umgehen. Eines ist sicher: Es gibt keinen Weg zurück. Die sensorischen Stimuli werden immer weiter anwachsen. Wir werden immer mehr Information bekommen und das Leben wird sich verändern, mit immer schnelleren Rhythmen. Und wir werden in der Lage sein müssen, neue Sachen zu lernen und sich an neue Dinge anzupassen.

In der Vergangenheit lebte de Mensch in einer fast statischen Welt. Alles war statisch. Man verließ die Welt genau so, wie sie der Vater einem hinterlassen hatte. Man hatte überhaupt nichts geändert. Nichts wurde verändert. Es ging nicht darum, zuviel zu lernen. Ein kleines bißchen Lernen war genug. Und dann hatte man Freiräume im Denken, leere Felder, das half den Leuten geistig gesund zu bleiben. Nun gibt es keinen leeren Raum mehr, es sei denn wir schaffen ihn uns aus eigenem Antrieb.

Meditation ist heute nötiger als jemals zuvor. Meditation ist so sehr vonnöten, daß es fast schon eine Frage von Leben und Tod ist. In der Vergangenheit war es ein Luxus; ein paar Leute – ein Buddha, ein Mahavir, ein Krishna – waren daran interessiert. Andere Leute waren ganz natürlich still, natürlich glücklich, geistig gesund. Für sie war es nicht nötig, an Meditation zu denken; sie meditierten in ganz unbewußter Art und Weise. Das Leben verlief so still, es bewegte sich so langsam, daß sogar die dümmsten Leute in der Lage waren, sich daran anzupassen. Nun ist die Veränderung so ungeheuer schnell, mit solcher Geschwindigkeit, daß sogar die intelligentesten Leute sich unfähig fühlen, sich darauf noch einzustellen. Jeden Tag ist das Leben anders, und wir müssen wieder lernen – wir müssen immer wieder lernen und lernen. Wir können nun niemals aufhören zu lernen; es muß ein lebenslanger Prozeß sein. Bis zum letzten Atemzug werden wir ein Lernender bleiben müssen, nur dann können wir geistig gesund bleiben, nur dann können wir die Neurose vermeiden. Und der Druck ist gewaltig – vierzigmal so groß.

21.08.2005 um 15:39 Uhr

Tao Te King 14 (1)

von: tao

"Weder ist da Licht, dadurch daß es aufsteigt,

noch ist da Dunkelheit, dadurch, daß es untergeht.

Unaufhörlich, kontinuierlich,

es kann nicht definiert werden.

Es kehrt wieder um zu dem Bereich des Nichtseins.

Darum wird es die Form des Formlosen genannt;

Das Bild des Nichts.

Darum wird es unfaßbar genannt.

Begegne ihm und du siehst nicht sein Gesicht.

Folge ihm und die siehst nicht seinen Rücken.

Wer sich genau an das uralte Tao hält,

um die Angelegenheiten von heute zu managen,

ist imstande, die Uranfänge kennenzulernen,

welche die Kontinuität (die Tradition) des Tao darstellen."

Die Blumen erblühen am Morgen und verwelken am Abend. Die Sonne geht am Morgen auf und geht am Abend unter. Da ist Geburt und sie endet im Tod. Jedes Ereignis hat einen Beginn und ein Ende. Aber die Existenz ist immer. Für die Existenz gibt es keinen Morgen, keinen Abend, weder Geburt noch Tod. In diesem Kapitel spricht Lao-tse zu uns über die anfangslose, unendliche Kontinuität der Natur der Existenz, die jenseits von Geburt und Tod ist.

Was immer wir wissen, können wir innerhalb einer Begrenzung einkreisen. An dem einen Ende dieser Grenzlinie liegt der Anfang, und am anderen das Ende davon. Alles, was innerhalb von Grenzlinien eingegrenzt werden kann, kann definiert werden. Definition kann nur das bedeuten, was wir innerhalb unserer Gedanken einkreisen können. Aber es ist unmöglich etwas zu definieren, was keinen Anfang und kein Ende hat, aus dem einfachen Grund, daß wir es nicht innerhalb der Reichweite unsere Gedanken eingrenzen können. Wo sollen wir die Grenze ziehen, womit sollen wir anfangen und wo sollen wir enden ? Deswegen kann die Existenz niemals definiert werden. Existentielle Objekte können definiert werden, aber nicht die Existenz an sich.

21.08.2005 um 03:07 Uhr

Tao 56

von: tao

Der wirklich sinnliche Mensch ist alles das, was das Leben ist. Er kostet das Leben bis in die letzte Ecke und den letzten Winkel aus. Dadurch wird er reich; dies ist wirkliches Reichsein. Hört er Musik, ist er die Musik, lauscht er dem Klang von Wasser, wird er dieser Klang. Und wenn der Wind durch einen Bambushain streicht, und die Bambusstangen aneinanderschlagen... dann ist er nicht weit weg davon. Er ist mitten unter ihnen, er ist eine von ihnen – er ist ein Bambus. Ein Zenmeister sagte einem seiner Schüler, der Bambus malen wollte: "Geh und werde zuerst ein Bambus." Der Schüler war schon ein fertiger Maler, er hatte alle Kunstprüfungen bestanden, und das mit Auszeichnung. Sein Name war schon dabei, berühmt zu werden. Und der Meister sagte: "Geh du in den Wald, lebe ein paar Jahre lang mit dem Bambus, werde ein Bambus. Und an dem Tag, an dem du ein Bambus werden kannst, komm zurück und male, vorher nicht. Wie kannst du einen Bambus malen, wenn du es noch nicht kennengelernt hast, wie sich ein Bambus von innen anfühlt ? Du kannst einen Bambus oberflächlich malen, aber das ist dann bloß eine Fotografie." Und das ist der Unterschied zwischen Photographie und Malen. Ein Foto kann niemals ein Gemälde sein. Wie gekonnt und kunstvoll es auch immer gemacht wird, es bleibt nur die Reflektion der Oberfläche des Bambus. Keine Kamera kann in die Seele hineinschauen. Als die Fotografie zum ersten Mal entwickelt wurde, kamen in der Welt der Malerei große Ängste auf, daß vielleicht nun das Malen seine alte Schönheit und sein althergebrachtes Ansehen verlieren würde; denn die Fotografie wurde von Tag zu Tag immer weiter ausgebaut und vervollkommnet und würde bald jedem Erfordernis gerecht werden können. Diese Furcht war absolut unbegründet. Tatsächlich hat sich nach der Erfindung der Kamera die Fotografie gewaltig weiterentwickelt, aber gleichzeitig hat die Malerei neue Dimensionen erlernt, neue Visionen, neue Wahrnehmungsformen. Die Malerei ist reicher geworden, sie mußte es werden. Vor der Erfindung der Kamera diente der Maler als eine Kamera. ......Der Meister sagte also: "Geh in den Wald." Und der Schüler ging und er blieb drei Jahre lang in dem Wald, und war mit dem Bambus zusammen in allen Wetterlagen. Denn wenn es regnet, dann ist das für den Bambus eine Freude, und wenn es windig ist, hat der Bambus eine andere Stimmung, und wenn es sonnig ist, ändert sich natürlich alles in dem Wesen des Bambus. Und wenn ein Kuckuck in dem Bambushain kommt und zu rufen beginnt, ist der Bambus still und empfänglich. Drei Jahre lang mußte dafür dort sein. Und dann passierte es, eines Tages geschah es: Er saß inmitten des Bambus und er vergaß, wer er war. Und der Wind begann zu blasen und er begann hin und her zu schwanken – wie ein Bambus ! Erst später wurde ihm bewußt, daß er lange Zeit kein Mensch mehr gewesen war. Er war in die Seele des Bambus eingetreten, erst dann malte er den Bambus. Dieser Bambus hat dann sicherlich eine total andere Qualität, die kein Foto je haben kann. Fotografien können schön sind, aber sie sind tot. Dieses Gemälde ist lebendig, denn es zeigt die Seele des Bambus in all seinen Stimmungen, in all seinem Reichtum, in all seinen Wetterschwankungen. Da ist Traurigkeit, und da ist Freude, und da ist Agonie, und da ist Ekstase, und alles das, was ein Bambus kennt, die ganze Biografie eines Bambus ist in diesem Bild vorhanden.

20.08.2005 um 01:56 Uhr

Tao 55

von: tao

Es geschah in Ceylon. Eine alte Geschichte.

Da war ein großer buddhistische Meister, der seine Schüler belehrte,

fast achtzig Jahre lang. Als er einhundertundzwanzig war,

sagte er eines Tages: Nun werde ich in sieben Tagen sterben.

Also versammelten sich tausende seiner Schüler zu einem letzten Zusammensein,

um ihn zum letzten Mal zu sehen.

Der alte Mann, bevor er seine Augen schloß und sich nach innen hin auflöste,

fragte sie: Möchte mich jemand begleiten ?

Möchte jemand Nirvana, Erleuchtung, gerade jetzt ?

Dann sollte derjenige einfach seine Hand heben und das wird genügen.

Die Leute wußten, daß er zu seinem Wort stand und keine Scherze machte;

niemals in seinem ganzen Leben hatte er Witze gemacht, er war ein ernsthafter Mensch

und wenn er es sagte, meinte er es auch. Sie begannen, sich gegenseitig anzuschauen,

tausende von Leuten – aber nicht eine einzige Hand wurde gehoben.

Ein Mann stand auf und sagte: Bitte mißverstehe mich nicht.

Gerade jetzt möchte ich dich nicht begleiten

denn es gibt noch viele Dinge, die zu erledigen sind.

Ich habe viele Sachen zu erfüllen, viele Dinge zu durchlaufen,

viele Karma stehen noch auf meiner Rechnung.

Bis jetzt bin ich noch nicht bereit dafür,

aber eines Tages möchte ich erleuchtet werden.

Kannst du mir einige Hinweise geben, einige Schlüsselsätze, denn du wirst nicht mehr hier sein.

Und der Meister hatte sein ganzes Leben lang aufschlußreiche Hinweise gegeben,

achtzig Jahre lang,

aber trotzdem wollten sie, daß jetzt immer noch etwas darüber gesagt würde,

so daß sie aufschieben könnten und planen und über die Zukunft nachdenken.

Und der alte Meister war bereit. Wenn jemand bereit gewesen wäre,

wäre er bereit gewesen, ihn mit sich zu nehmen.

Aber niemand war bereit.

19.08.2005 um 02:08 Uhr

Tao 54

von: tao

Genauso wie Geschmack göttlich ist, können wir Schönheit betrachten und uns daran erfreuen; wir können Musik hören und uns freuen; wir können die Felsen berühren und Blätter und menschliche Wesen – die Wärme, die Textur – und genießen. Wenn wir all unsere Sinne benutzen, sie bis an ihr Optimum verwenden, dann werden wir wirklich leben und unser Leben wird in Flammen stehen; es wird nicht stumpf sein, es wird mit Energie und Vitalität entflammen. Die Leute, die uns beigebracht haben, unsere Sinne abzutöten, die sind gegen den Körper.

Und der Körper ist unser Tempel, der Körper ist eine göttliche Gabe. Er ist so delikat und er ist so schön und er ist so wundervoll – ihn abzutöten heißt undankbar zu sein gegenüber Tao. Tao hat uns Geschmack gegeben; wir haben ihn nicht erschaffen, mit uns hat das gar nichts zu tun. Tao hat uns Augen gegeben und Tao hat diese psychedelische Welt so farbenprächtig gemacht. Und es hat uns Augen gegeben, damit es eine großartige Verbindung geben kann zwischen dem Auge und den Farben der Welt. Und es hat alles gemacht und es besteht eine ungeheure Harmonie. Wollen wir wirklich diese Harmonie stören ?

Die sogenannten Mahatmas sind bloß auf einem Egotrip, und der beste Weg, das Gefühl zu haben, daß wir großartig sind, ist der, gegen den Körper zu sein. Kinder tun das. Das Kind spürt den Harndrang kommen; es hält ihn, es fühlt sich mächtig, denn es spürt seinen Willen: Es will nicht dem Körper nachgeben. Seine Blase ist voll und es hält es zurück. Es möchte dem Körper zeigen: "Ich bin nicht dein Diener, ich bin dein Meister." Aber das sind destruktive Angewohnheiten.

Wenn wir auf den Körper hören, ist der Körper nicht unser Feind, und wenn der Körper etwas sagt, und wir uns danach richten, werden wir merken, daß der Körper eine eigene Weisheit hat. Wenn wir den Körper dabei stören, gehen wir auf einen Mindtrip, vom Denken berauscht. Darum ist es gut, Bewußtheit zu lernen, anstatt Diäten einzuhalten. Wenn wir mit voller Bewußtheit essen, meditativ essen, dann werden wir niemals zuviel essen und wir werden niemals zuwenig essen. Zuviel ist genau so schlecht wie zuwenig. Zuviel essen ist ungünstig, genau so wie zuviel fasten; das sind Extreme. Die Natur möchte uns ausbalanciert, sie will, daß wir in einer Art von Gleichgewicht sind, daß wir in der Mitte sind, weder zuwenig noch zuviel. Es ist ungünstig ins Extrem zu gehen.

Extrem zu sein heißt neurotisch zu sein. Es gibt also in Bezug auf das Essen zwei Arten von Neurotikern: Diejenigen, die immer weiter essen und nicht auf den Körper hören – der Körper ruft und schreit in einem fort "Stop!" und sie essen weiter. Das sind neurotische Menschen. Und dann gibt es die andere Spielart: Der Körper schreit dauernd "Ich bin hungrig!" und sie fasten weiter. Keiner von beiden ist religiös, beide sind neurotisc, beide sind pathologisch – sie brauchen Behandlung, sie benötigen eine stationäre Einlieferung.

18.08.2005 um 01:35 Uhr

Tao 53

von: tao

Sinnlich zu sein bedeutet, sich der Oberfläche bewußt zu werden, und spirituell zu sein bedeutet, sich des Zentrums bewußt zu werden. Sinnlichkeit ist der Beginn von Spiritualität.

Wenn wir immer sinnlicher werden, beginnen wir damit, lebendig zu werden.

Aber unsere alten Religionen haben uns genau das Entgegengesetzte beigebracht: Sie lehren uns eine Art von körperlichem Tod, sie bringen uns bei, unseren Körper immer unempfindlicher zu machen. Das ist ein billiger Trick: Wir machen unseren Körper immer kälter, so daß wir eine Art von Abgehobenheit vortäuschen können, so daß wir sagen können: "Nichts berührt mich mehr." Weil wir einen abgestumpften und toten Körper mit uns herumtragen, berührt uns natürlich nichts mehr, aber das ist kein Wachstumsprozeß.

Wirkliches Wachsen ist: Wir sind offen, verletzlich, uns berührt alles und doch berührt uns nichts. Wir sind inmitten von Situationen und doch sind wir kein Teil davon. Wir sind an der Oberfläche von allem und doch wird das Zentrum niemals vergessen.

Wenn wir Sinnlichkeit zulassen können, keine Angst davor bekommen und unsere alten Konditionierungen nicht dazwischen kommen lassen, können wir uns glücklich schätzen.

Darum Tanz, darum Musik, darum Singen, damit unser Körper optimal vibriert, damit unser Körper ein pulsierendes und strömendes Phänomen wird; kein abgestandener Tümpel, sondern ein rauschender Fluß, der zum Ozean fließt. Ja, wenn wir sinnlich sind, ist Tao zugänglich. All die Mysterien sind ganz nahe, denn dies ist der einzige Weg, das Mysteriöse kennenzulernen. Sinnlichkeit bedeutet, wir sind offen, unsere Türen sind geöffnet, wir sind bereit, mit der Existenz zu pulsieren. Wenn ein Vogel zu singen beginnt, fühlt der sinnliche Mensch augenblicklich, wie das Lied in seinem tiefsten Wesenskern widerhallt. Der nicht sinnliche Menschhört es überhaupt nicht oder vielleicht ist es für ihn bloß ein Geräusch irgendwo. Es dringt nicht zu seinem Herz durch. Ein Kuckuck fängt zu rufen an – ein sinnlicher Mensch hat gleich das Gefühl, als ob der Kuckuck nicht irgendwo weit weg im Wald ruft, sondern tief innen in seiner eigenen Seele. Es wird sein eigener Ruf, es wird zu seinem eigenen Verlangen nach dem Göttlichen, seine eigenes Sehnen nach der Geliebten. In diesem Moment sind der Beobachter und das Beobachtete eins. Wenn er eine schöne Blume blühen sieht, erblüht der sinnliche Mensch mit ihr, er wird mit ihr zur Blüte. Der sinnliche Mensch ist flüssig, fließend, im Fluß. Jede mögliche Erfahrung, und er wird sie. Er sieht einen Sonnenuntergang, und er wird zum Sonnenuntergang. Er sieht eine Nacht, eine dunkle Nacht, eine schöne stille Dunkelheit, er wird die Dunkelheit. Am Morgen wird er dann wieder das Licht.

17.08.2005 um 01:54 Uhr

Goldene Blüte 3/10 (3)

von: tao

Wenn wir keine Augen haben, ist Licht nutzlos. Eine Laterne in unseren Händen bedeutet dann nichts, überhaupt nichts. Aber wenn wir Augen haben, dann kann sogar das Ausblasen einer Kerze zum Verstehen führen. Der entscheidende Punkt sind also die Augen.

Lung-t'an wurde von Te-shan besucht. Lung-t'an ist der Meister, Te-shan ist sein Schüler. Als er endlich wieder gehen wollte und sah, wie dunkel es schon draußen war, sagte der Schüler zum Meister: "Es ist zu dunkel."

Der Meister zündete eine Kerze an und gab sie dem Schüler; und als er sie gerade nehmen wollte, blies er sie aus. Plötzlich wurde alles wieder dunkel, dunkler als zuvor. Und dieses abrupte Ausblasen der Kerze muß ein Schock gewesen sein – unerwartet. Einen Moment lang muß der Schüler in das Intervall zwischen zwei Gedanken gefallen sein. Einen Moment lang verschwand das Denken und da war Kontemplation. Einen Moment lang war da völliges Schweigen. In diesem Schweigen konnte er sehen, worum es geht, worum sich alles dreht.

Am nächsten Tag verbrannte er seine Schriften. Nun waren sie nicht mehr nötig; nun kannte er die Wahrheit durch seine eigene Erfahrung.

Ein kleines bißchen Erfahrung ist wertvoller als Berge von Wissen. Bloß zwei kleine Augen sind wertvoller als die Sonne und der Mond und all die Sterne. Der entscheidende Punkt ist der, daß Religion eine Erfahrung ist. Religion ist nicht Spekulation, Religion ist nicht ständige Analyse, Religion ist Einsicht.

Das Geheimnis der goldenen Blüte ist von ungeheurem Wert, denn es gibt uns die Technik so einfach wie möglich. Und die Methode ist wirklich einfach –- es sei denn, wir sind fest entschlossen, sie zu komplizieren.

Das Denken verkompliziert immer einfache Sachverhalte.Es ist wichtig, sich dessen bewußt zu sein, denn das Denken kann nicht mit dem Einfachen existieren; dann ist es nämlich nicht mehr vonnöten. Wenn die Dinge wirklich einfach sind, was bedarf es dann noch des Denkens ? Das Denken wird nur gebraucht, wenn der Sachverhalt komplex ist. Dann müssen wir uns auf das Denken verlegen, denn dann wird das Denken den Ausweg aus dem Rätsel finden. Aber wenn es kein Rätsel gibt, ist das Denken völlig nutzlos; wir können es sein lassen. Das Denken setzt also auf die Komplexität.

Das gilt es zu bedenken – der Text der Erfahrung der Goldenen Blüte ist sehr einfach. Die Wahrheit ist immer einfach, ganz ganz einfach.

Meister Lü sagte: "Nichts ist möglich ohne Kontemplation."

Was ist Kontemplation ? Ein Moment des Nicht-Denkens.

16.08.2005 um 14:03 Uhr

Südliches Blütenland 2/4 (7)

von: tao

Der Tod würde schön sein, wenn die Leute am Leben wären.

Dieser innere Affe erlaubt uns nicht lebendig zu sein,

und dieser innere Affe

wird uns auch kein schönes Sterben gestatten.

Es sei denn, wir stoppen dieses ständige Geschnatter.

Und was ist das Geschwätz, worum geht es dabei überhaupt ?

Das Gesprächsthema sind die drei am Morgen,

das geht uns im Kopf herum.

Was tun wir da in unserem Denken ?

Wir entwerfen ständig Arrangements: Das sollten wir tun, dies sollten wir nicht tun,

dieses Haus wollen wir bauen, jenes Haus möchten wir abreißen;

wir sollten von diesem Geschäft uns lieber auf ein anderes Business verlegen,

denn dort wird uns ein größerer Gewinn winken;

dann sollten wir unsere Lebenspartner wechseln,

oder zumindest unsere Frau bzw. unseren Mann verändern.

Was tun wir da eigentlich ?

Wir verändern bloß Zusammenstellungen.

Dschuang Dsi sagt, daß schließlich und letztendlich,

wenn wir auf das Gesamtergebnis sehen können,

das Endresultat ist immer das gleiche.

Es ist sieben.

Ob uns nun drei Maß Kastanien am Morgen gegeben werden

und vier Maß am Abend,

oder anders herum

-- vier Maß am Morgen

und drei Maß am Abend –

das Endergebnis ist dasselbe.

 

15.08.2005 um 01:52 Uhr

Tao 52

von: tao

Tao weiß nichts von Disziplin. Tao ist anarchisch, spontan, anstrengungslos. Alle Disziplinen sind unnatürlich – das müssen sie sein. Die Natur braucht keine Disziplin, sie genügt sich selbst. Die Bäume und Flüsse und Tiere und Sterne – sie wissen überhaupt nichts von Disziplin. Disziplin ist von Menschen geschaffen, von Menschen gemacht; und wegen der Disziplin wird der Mensch gespalten. Der eine Teil beginnt den anderen Teil zu manipulieren, dadurch wird eine Spaltung erzeugt. Das Denken versucht den Körper zu manipulieren, und der Körper versucht das Denken ganz subtil zu manipulieren oder versucht zumindest, das Denken zu sabotieren. Dieser Konflikt erzeugt Konfusion: Jeder Konflikt ist Verwirrung. Wegen dem Konflikt kann der Zusammenschluß nicht zustande kommen; wir können nicht eins sein, wir können nicht zu einer Einheit verschmelzen, daher Konfusion. Und das letztendliche Resultat kann nur Schizophrenie sein. Wir kämpfen in einem fort, und nach und nach wir sind wir kein Individuum mehr, wir werden viele – zumindest zwei, und wenn es schlimmer wird, dann viele – dann werden wir zur Masse. Und wenn wir nicht eins sind, können wir nicht glücklich sein.

Glücklichsein ist eine Funktion von Einheit. Glücklichsein ist die Musik, die geschieht, wenn wir im Einklang sind, wenn es keinen Konflikt gibt – nicht einmal eine Spur davon, wenn wir ein Orchester sind und kein zusammengewürfelter Haufen... Niemand versucht noch zu manipulieren, niemand versucht gerade, der Meister zu werden, niemand unternimmt den Versuch, auszubeuten, zu unterdrücken... das ganze Wesen fließt über vor Freude.

Tao ist Spontaneität, es ist keine Disziplin, daher ist Tao das Äußerste in der Religion – keine Religion kommt diesem Gipfel auch nur nahe. In dem Moment, in dem eine Religion beginnt, eine Disziplin zu werden, ist sie schon sehr tief gefallen.

14.08.2005 um 02:42 Uhr

Tao 51

von: tao

Taoismus glaubt nicht an das Fasten, Taoismus glaubt an das Feste feiern. Die taoistische Einstellung ist die des Feierns. Taoismus ist nicht gegen Vergnügungen - sie sind nicht alles, man kann über sie hinausgehen, aber an sich sind sie schön. Wenn ein Mensch irgendetwas ablehnt, wird der abgelehnte Teil Rache nehmen. In dem Moment, in dem wir anfangen, irgendetwas zu verneinen, gehen wir gegen Tao. Tao heißt, natürlich zu sein: Ein Fest und kein Fasten. Fasten kann nur gebraucht werden, wenn es ganz natürlich kommt. Manchmal fasten Tiere. Manchmal haben wir vielleicht schon beobachtet, daß unser Hund fastet: Wir stellen ihm das Futter hin und er rührt nichts an. Aber er ist kein Gandhi, er glaubt nicht ans Fasten; ihm ist einfach nicht nach Fressen. Es geht ihm nicht ums Prinzip, es ist keine Philosophie – er ist krank, sein ganzes Wesen ist gegen Fressen – statt zu fressen würde er lieber kotzen. Er wird also meistens rauslaufen, Gras fressen und sich erbrechen. Er möchte sich also erleichtern, sein Magen ist nicht in der Verfassung, noch irgendetwas zu verdauen. Aber er ist kein Fastenheiliger, kein Hungerkünstler. Es ist natürlich. Wenn wir also manchmal das Gefühl haben, daß das Fasten natürlich kommt – nicht als ein Gesetz, nicht als ein Prinzip, nicht als eine Philosophie, die befolgt werden muß, als eine Disziplin, die einem aufgedrängt wird, sondern aus unserem natürlichen Gefühl dafür – gut. Auch dann ist immer zu bedenken, daß unser Fasten im Dienst des Feste feierns steht, so daß wir wieder gut essen können. Der Zweck des Fastens ist also ein Mittel, niemals ein Ziel, und das wird nur selten passieren, nur dann und wann einmal. Und wir ganz aufmerksam sind, während wir essen, und es genießen, dann werden wir niemals zu viel essen. Die Betonung liegt also nicht auf Diäten, sondern auf Bewußtheit. Wir essen gut, wenn wir es richtig genießen. Das ist die Regel, die es zu bedenken gilt: Wenn wir unser Essen nicht genießen, werden wir mehr essen müssen, um das zu kompensieren. Wenn wir unser Essen genießen, werden wir weniger essen, dann ist es nicht nötig, etwas zu kompensieren. Wenn wir langsam essen, jeden Bissen davon auskosten, gut kauen, dann sind wir ganz vertieft darin. Essen wird so zu einer Meditation. Taoismus ist nicht ggen Geschmack, denn Taoismus ist nicht gegen die Sinne. Sensitiv zu sein heißt intelligent zu sein, sensitiv zu sein heißt lebendig zu sein. Unsere sogenannten "Religionen" haben versucht, uns zu desensibilisieren, uns abzustumpfen. Sie sind gegen Geschmack, sie hätten es gerne, wenn wir unsere Zunge ganz taub werden lassen, so daß wir gar nichts mehr schmecken. Aber das ist kein gesunder Zustand; die Zunge wird nur bei Krankheit abgestumpft. Wenn wir Fieber haben, wird die Zunge belegt und wir schmecken nichts mehr. Wenn wir gesund sind, ist die Zunge sensitiv, lebendig, pulsierend und energetisch. Taoismus ist nicht gegen Geschmack, Taoismus ist für Geschmack. Wenn wir gut essen, gut abschmecken und auskosten, ist der Geschmack göttlich.

13.08.2005 um 12:50 Uhr

Südliches Blütenland 2/4 (6)

von: tao

Warum schauen wir so belastet aus ?

Das ständige Geschnatter des Denkens laugt uns energetisch aus.

Das ständige Geschwätz des Denkens

ist ein konstantes Leck in unserem Wesen. Die Energie läuft aus.

Wir haben niemals genug Energie, um uns

lebendig, jung und frisch fühlen zu können,

und wenn wir nicht jung, frisch und vital sind,

wird unser Tod auch eine sehr abgeschmackte Angelegenheit sein.

Jemand, der intensiv lebt, stirbt intensiv,

und wenn der Tod intensiv ist, hat er eine eigene Schönheit.

Jemand, der total lebt, stirbt total,

und wo immer Totalität ist, da ist Schönheit.

Der Tod ist häßlich, nicht weil es der Tod ist,

sondern weil wir niemals richtig gelebt haben.

Wenn wir niemals lebendig gewesen sind,

haben wir auch keinen schönen Tod verdient.

Das muß man sich verdienen.

Nur wenn man so lebt,

so total und so ganzheitlich,

dann kann man auch total sterben, und nicht in Fragmenten.

Wir leben fragmentarisch, also sterben wir auch in Bruchstücken.

Ein Teil stirbt, dann ein anderer, dann noch ein anderer,

und wir brauchen viele Jahre, um zu sterben.

Dann wird die ganze Sache häßlich.

12.08.2005 um 02:21 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (13)

von: tao

Ein sehr, sehr tiefes Verstehen ist nötig;

Regeln können kein Ersatz dafür sein.

"Symphonie für einen Seevogel.

Du kannst nicht eine große Ladung in eine kleine Tasche stecken,

noch kannst du mit einem kurzen Seil

Wasser aus einem tiefen Brunnen schöpfen."

Aber genau das macht doch jedermann:

Wir versuchen, jede Menge in eine kleine Tasche zu stopfen.

Nie kümmern wir uns um die Tasche bzw. um ihr Fassungsvermögen.

Der erste Schritt ist doch, unsere Begrenzungen kennen zu lernen,

dann erst ist es sinnvoll, über unsere Bestrebungen nachzudenken.

Was ist unsere Kapazität ? Wozu sind wir fähig ? Was ist unser inneres Fassungsvermögen ?

Niemand kümmert sich darum.

Wenn ein Mensch kein musikalisches Gehör hat,

und doch ständig versucht, Musiker zu werden,

wird sein ganzes Leben vergeudet sein,

denn man wird als Musiker geboren, nicht zu einem Musiker gemacht.

Ein Mensch, der kein Gefühl hat, versucht immerzu

ein Dichter zu werden oder ein Maler.

Wenn ein Mensch, der keine Augen dafür hat, versucht, ein Maler zu werden,

wird er ein Versager sein werden,

denn ein Maler hat eine andere Art zu sehen –

fast schon ein drittes Auge.