Taoistische Reflektionen

31.03.2006 um 19:55 Uhr

Ko Hsuan 3 (15)

von: tao

Shankara, Berkeley und alle anderen Vertreter dieser Art von Philosophie glauben nicht an ihre eigenen Philosophien, aber trotzdem können sie nicht widerlegt werden. Auf vielerlei Art und Weise hat man es versucht, aber nichts kann sie widerlegen. Berkeley pflegte beispielsweise zu sagen, wenn wir aus dem Zimmer hinausgehen, verschwindet unser Mobiliar in dem Raum, unsere Bücher in dem Zimmer, alles verschwindet, denn da ist niemand mehr, der die Idee projiziert. Offensichtlich, wenn wir den Projektor herausnehmen, wird der Film von der Wand verschwinden, es werden keine Bilder mehr auf der Leinwand sein. Wie kann man das nun beweisen ? Man kann sagen: "Ich kann doch noch durch das Schlüsselloch schauen." Er wird sagen: "Also bist du durch das Schlüsselloch hindurch zurückgekommen. Sie werden wieder verschwinden, denn die Vorstellung ist durch das Schlüsselloch hindurch projiziert worden." Ein Mann arbeitete jahrelang daran, irgendeinen Weg herauszufinden, um ihn zu widerlegen, und immer wieder traf er sich zu diesem Zweck mit Berkeley. Eines Tages kam er mit der Idee: "Nun denke ich, daß du dies nicht leugnen kannst. Wenn du in einem Wagen sitzt, dann siehst du nicht die Räder des Wagens, aber der Wagen bewegt sich doch – die Räder sind also da. Du projizierst sie doch nicht, denn du siehst sie ja nicht, aber der Wagen bewegt sich doch. Die Bewegung des Wagens beweist, daß die Räder da sind." Berkeley sagte: "Du weißt es eben nicht. Das wird dann Gottes Idee sein. Die Welt ist nicht nur mein Gedanke, letztendlich ist sie Gottes Vorstellung, es ist der Traum Gottes. Tatsächlich träumt er uns auch – den Fahrer und den Mitfahrer und den Wagen und die Räder." Es ist unmöglich, solche Philosophien zu widerlegen. Sie sind absurd, aber sie können nicht verneint werden. Buddhas Worte dagegen, die er zu sagen pflegte, sind sehr klar, rational, intelligent, vom Denken erfaßbar. Er sagt nur Dinge, die von jedem intelligenten Menschen verstanden werden können. Das ist der Grund, warum Buddha heutzutage so bedeutend geworden ist – denn seine Herangehensweise scheint so intellektuell zu sein.

"Das Maskuline ist rein..."

Das bedeutet, die niedrigste Form ist der Intellekt, die Intellektualität, und die höchste Form ist die Intelligenz.

"das Feminine ist undurchsichtig."

"Undurchsichtig, getrübt, verworren" bedeutet hier auf der niedrigsten Stufe den Instinkt und auf der höchsten Stufe die Intuition. Die Mystiker, speziell die Sufis, reden in einer ganz anderen Art und Weise. Ihre Worte sind nicht so klar, ihre Worte sind vage. Ihre Worte sind nicht leicht verständlich; man muß erst herausbringen, was ihre exakte Bedeutung ist. Und das ist der Zustand des weiblichen Denkens. Und das ist nicht biologisch gemeint, um gleich diesbezüglichen Kommentaren vorzugreifen, obwohl natürlich die Frau auch biologisch mehr durch den Instinkt funktioniert als durch den Intellekt.