Taoistische Reflektionen

30.04.2006 um 21:17 Uhr

Tao 136

von: tao

Der Taoismus ist nicht abhängig davon, daß man an ihn glaubt. Wir können nicht an ihn glauben. Der Taoismus kennt kein Glaubenssystem. Im Taoismus gibt es kein "Du sollst glauben". Das machen andere Religionen. Taoismus ist das Aufgeben aller Glaubenssysteme. Dann entsteht eine total neue Art von Vertrauen – das Vertrauen in das Leben. Glaube bedeutet das Glauben an Konzepte. Konzepte sind über das Leben. Vertrauen hat nichts mit Konzepten zu tun. Vertrauen ist unmittelbar, direkt, mitten im Leben, nicht über das Leben. Der Glaube ist weit weg vom Leben. Je stärker der Glauben, desto größer die Barriere. Taoismus ist weder ein Glaube noch ein Unglaube, sondern das Loslassen aller Gläubigkeit und aller Ungläubigkeit. Wenn wir alles Glauben und alles Anzweifeln fallen lassen und wenn wir unmittelbar sind, im Kontakt mit dem Leben, entsteht ein Vertrauen, ein großes "Ja" entsteht in unserem Wesen. Dieses "Ja" transformiert, verwandelt völlig.

Taoismus ist also kein Glaubenssystem. Wenn wir uns dem Taoismus durch die Türe des Glaubens nähern, werden wir in einer Philosophie landen, in einer Religion, in einer Kirche, in einem Dogma, aber wir werden niemals beim Leben ankommen. Das Leben ist einfach. Es ist keine Doktrin, die von jemandem gepredigt wird. Das Leben ist einfach da, überall um uns herum, innen und außen. Einmal, wenn wir nicht durch Worte, Konzepte und Verbalisierungen hindurchschauen, enthüllt es sich uns; alles wird so kristallklar, so transparent. In dieser Transparenz sind wir nicht getrennt davon – wie kann man da noch daran glauben oder nicht daran glauben ? Wir sind es. Das ist der Weg des Taoismus: Tao zu werden.

Haben wir erst einmal aufgehört, uns in unser eigenes Leben einzumischen, haben wir damit auch Schluß gemacht, uns in das Leben anderer einzumischen. Wenn wir uns immer weiter in unser eigenes Leben einmischen, mischen wir uns auch zwangsläufig in das Leben anderer ein. Das ist bloß eine Widerspiegelung, das ist bloß ein Schatten. Wenn wir uns nicht mehr in unser eigenes Leben einmischen, dann verschwindet plötzlich alles Einmischen, denn das ist absurd. Das Leben geht doch schon dahin, wohin es gehen muß, warum sich da noch einmischen ? Der Fluß fließt doch schon zum Meer, warum sich einmischen ? Warum ihn dirigieren ? Wenn wir damit beginnen, den Fluß zu begradigen, töten wir ihn – er wird zum Kanal. Dann ist er kein Fluß mehr, dann ist das Leben verschwunden, dann ist er ein Gefangener. Dann können wir ihn überall dahin zwingen, wo wir ihn haben wollen, aber da wird kein Lied und kein Tanz mehr sein; es wird ein Leichenzug sein. Der Fluß war lebendig, der Kanal ist tot. Der Kanal ist bloß noch dem Namen nach ein Fluß. Er ist kein Fluß mehr, denn ein Fluß zu sein bedeutet frei zu sein, zu fließen, zu suchen, der eigenen inneren wesenhaften Natur zu folgen.

29.04.2006 um 23:59 Uhr

Tao 135

von: tao

Jede Zeit ist speziell, jeder Moment ist besonders.

Aber jedes Zeitalter hat das Gefühl, daß diese Zeit ganz speziell ist.

Das ist das Ego des jeweiligen Zeitalters.

Jede Zeitperiode hat immer schon gefühlt

daß es niemals zuvor solch eine Zeit gegeben hat,

solch eine revolutionäre Zeit, solch ein Chaos, solche Kriege,

solch ein Wissen, solche Weisheit – aber etwas ist ganz besonders.

Ich habe gehört – ich weiß nicht, wie weit es korrekt ist, aber es muß so sein,

wenn man das menschliche Denken kennt, muß es so sein –

als Adam und Eva aus dem Garten Eden vertrieben wurden, wird gesagt,

daß die ersten Worte, die geäußert wurden, als sie zum Tor hinausgingen,

Adams Worte waren, die er zu Eva sagte: Meine Liebe,

wir machen gerade die größte revolutionäre Zeit durch.

Der erste Tag der Welt, besser noch, der erste Moment,

der erste Schritt in die Welt – und die Revolution !

"Was wir gerade durchleben, ist die großartigste revolutionäre Zeit."

Und seit damals hat das jeder Adam gespürt,

und jeder Adam hat zu jeder Eva gesagt: Mein Liebling,

was wir gerade erleben, ist das großartigste Zeitalter, eine ganz besondere Zeit.

Warum ist das so ?

Das Zeitalter ist ganz speziell,

die Religion, in die wir hineingeboren werden, ist ganz speziell,

der Meister, dem wir folgen, ist besonders – der größte Meister in der Welt,

das Buch, an das wir glauben, ist von Gott selbst geschrieben worden

nicht von gewöhnlichen menschlichen Wesen,

alles, was zu uns gehört, ist besonders –

auf diese Weise wird dem Ego geholfen, es wird unterstützt;

das sind seine Stützräder.

28.04.2006 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (1)

von: tao

"Es war einmal ein Mensch,

der war so beunruhigt

durch den Anblick seines eigenen Schattens

und so unzufrieden mit seinen eigenen Fußspuren,

daß er beschloß, beides loszuwerden.

Die Methode, die er gefunden hatte, war, vor ihnen davonzurennen.

Also stand er auf und rannte los.

Aber jedes Mal, wenn er seinen Fuß aufsetzte

gab es eine weitere Fußspur,

und sein Schatten hielt Schritt mit ihm

ohne die geringste Schwierigkeit.

Er schrieb sein Versagen der Tatsache zu,

daß er nicht schnell genug gerannt war.

Also rannte er immer schneller, ohne anzuhalten,

bis er schließlich tot zusammenbrach.

Er war ihm nicht gelungen, zu begreifen,

daß sein Schatten verschwinden würde,

wenn er sich bloß in den Schatten stellen würde,

und es auch keine Fußspuren mehr geben würde,

wenn er sich hinsetzen und still verhalten würde."

Der Mensch erzeugt seine eigene Konfusion

bloß weil er sich ständig selbst ablehnt,

sich selbst verurteilt und sich nicht akzeptiert.

Dann wird eine Kettenreaktion von Verwirrung, innerem Chaos und Unglück erzeugt

Warum akzeptieren wir uns nicht so, wie wir sind ? Was ist falsch daran ?

Die ganze Existenz akzeptiert uns, wie wir sind,

bloß wir tun das nicht.

27.04.2006 um 20:55 Uhr

Tao Te King 11 (2)

von: tao

Über die Nützlichkeit des Nicht-Seins:

"Dreißig Speichen vereinigen sich rund um die Nabe herum;

Aus ihrem Nicht-Sein (dem Verlust ihrer Individualität)

Entsteht die Nützlichkeit des Rades.

Forme Lehm zu einem Gefäß:

Aus seinem Nicht-Sein (in der Aushöhlung des Gefäßes)

Entsteht die Nützlichkeit des Gefäßes.

Schlage Türen und Fenster aus dem Haus heraus (brich sie aus der Wand),

Aus ihrem Nicht-Sein (dem leeren Raum)

entsteht die Nützlichkeit des Hauses.

Deswegen profitieren wir von der Existenz der Dinge.

Und durch die Nicht-Existenz der Dinge ist uns gedient."

Der innerste Kern des Seins ist Nicht-Sein;

das Fundament des "Ist-Seins" ist Nichts-Sein.

Und mit Nichts-Sein ist nicht Nichts gemeint –

damit ist nur Nicht-Etwas-Sein, Kein-Ding-Sein, gemeint.

Form existiert auf der Basis des Formlosen –

die Form kommt aus der Formlosigkeit heraus

genau wie Wellen aus dem Meer herauskommen,

und dann fällt sie herab, löst sich wieder auf im Formlosen.

Der Name entsteht aus dem Namenlosen heraus, fällt dann zurück,

kehrt wieder zur ursprünglichen Quelle, und wird wieder namenlos.

Das Leben entsteht aus dem Tod heraus und bewegt sich wieder hin zum Tod.

Ganz grundsätzlich dabei ist es,

daß diese Gegensätze nicht entgegengesetzt sind, sie sind komplementär.

Der Tod ist nicht gegen das Leben, die Nicht-Existenz ist nicht gegen die Existenz.

26.04.2006 um 23:59 Uhr

Tao Te King 45 (1)

von: tao

Über die gelassene Gemütsruhe:

"Die höchste Vollkommenheit ist wie Unvollkommenheit,

Und ihr Nutzen ist niemals beeinträchtigt.

Der größte Überfluß scheint mager zu sein,

Und ihr Gebrauch wird niemals scheitern.

Was ganz geradeaus ist, sieht abwegig aus,

Die größte Geschicklichkeit sieht unbeholfen aus,

Die größte Beredsamkeit erscheint wie Gestotter.

Bewegung überwindet Kälte,

(Aber) Stillhalten überwindet Hitze.

Wer ruhig und gelassen ist, wird der Wegweiser für das Universum."

Der Mensch ist blind, obwohl er perfekte Augen hat.

Der Mensch ist taub, aber es nicht so, daß er keine Ohren bekommen hätte.

Der Mensch ist tot, obwohl er voll im Leben steht.

Es gibt ein Schauen und ein Sehen.

Es gibt ein Horchen und ein Hören.

Es gibt ein Leben und leben –

und die unterscheiden sich, sie sind völlig unterschiedlich.

Die Augen können sehen, aber die Augen können nicht verstehen

und wenn wir nicht verstehen, was hat das Sehen für einen Sinn ?

Die Ohren können hören,

aber bevor die Ohren nicht aufmerksam für das sind, was sie hören

werden sie nicht richtig zuhören können.

Wir sind lebendig, aber wenn wir noch nicht vorgedrungen sind

zu unserem innersten Kern des Seins oder des Nicht-Seins

wird unser Leben nur oberflächlich bleiben.

Dieses gewaltige Energiephänomen, das wir waren,

werden wir so niemals kennenlernen, werden wir niemals verstehen lernen.

Wir werden sterben, ohne uns darüber bewußt geworden zu sein, was das Leben war.

25.04.2006 um 23:59 Uhr

Tao 134

von: tao

Lao-tse redet über das weibliche Denken. Er sagt: Wenn Einfachheit durch einen Übungsweg erreicht wird, dann kann es sich im besten Fall um eine sehr grobe Einfachheit handeln. Wenn eine Anstrengung unternommen werden muß, damit es ungekünstelt wird, ist das nicht Natürlichkeit. Die eigentliche Bedeutung von Einfachheit liegt darin, daß ich nichts tun sollte und Einfachheit wird daraus resultieren. Natürlich zu sein bedeutet auch, daß genau die Tatsache, daß man gar nichts tut, in einfachem Natürlichsein resultieren sollte. Aber ich kann nicht natürlich sein, wenn ich eine Anstrengung unternehmen muß, um natürlich zu sein.

Lao-tse ist also ein Vertreter des anderen Extrems. Beide Extreme sind unvollkommen, aber beide tragen wesentlich dazu bei, die letztendliche Realität zu erreichen. Nur vom äußersten Punkt aus kann der Sprung unternommen werden.

Wenn wir uns auf den Weg des maskulinen Denkens machen, dann müssen wir aufs Ganze gehen. Lass dein Mühen, deine Anstrengung und dein Streben den Punkt erreichen, an dem es nicht mehr weiter geht. An diesem äußersten Punkt wird der Sprung möglich. Oder, wenn wir auf dem Weg des femininen Denkens versunken sind in die Wonne des Natürlichseins, dann sei so natürlich, so einfach, daß ein Übungsweg als solcher sich erübrigt. Von solchem Natürlichsein aus (sahaja) ist der Sprung möglich.

Natürlichkeit ist nur im Nichttun möglich. Wer nach oben strebt, kann nicht natürlich sein, denn in dem Prozeß des sich Emporschwingens muß es Kampf und Streit geben, wird es zwangsläufig zum Wettbewerb kommen. Wenn wir uns bloß zurücklehnen und die Hände in den Schoß legen, gibt es keinen Wettbewerb. Wenn wir bekannt geben, daß wir der letzte in der Reihe sein wollen, wird keiner mit uns um diese unsere Position wetteifern.

Lao-tse sagt. "Sei so unbedeutend, solch eine Nicht-Wesenheit, daß den Leuten nicht einmal bewußt ist, daß du existierst." Suche die niedrigste Aushöhlung, den einsamsten Platz, dort wo keiner sich aufhalten wollen würde. Sitz da, wo die Leute ihre Schuhe abstellen. Suche nicht nach einer Position. Hab keine Ambitionen, denn die Sprache des Ehrgeizes selbst ist falsch.

Lao-tse hat recht. Diejenigen, die wie Wasser sind – auch die kommen an. Tatsächlich gehen der Erste und der Letzte an einem gewissen Punkt ineinander über. Der Erste ist das eine Ende der Endlosigkeit und der Letzte ist das andere Ende der Unbegrenztheit. Aber der Erste und der Letzte sind bloß zwei Namen des gleichen Punkts und sie beziehen sich auf die Art von Weg, auf dem wir sind. Wenn wir nach hinten gehen, wird der Punkt am Anfang sein; wenn wir um den ganzen Kreis herumgehen, wird eben dieser Punkt der Schlußpunkt sein.

24.04.2006 um 14:06 Uhr

Tao 133

von: tao

Wegen des Nebels war das Flugzeug in ernsthaften Schwierigkeiten. Alle Passagiere waren wie gelähmt vor Furcht, mit Ausnahme eines Pfarrers, der auch mit an Bord war. Er übernahm komplett die Kontrolle über die Situation.

"Laßt uns niederknien und beten", schlug er den Passagieren vor, und jeder kniete sich hin außer einem kleinen Buchmacher.

"Warum beten Sie nicht mit uns ?", fragte der Pfarrer.

"Weil", gestand der Buchmacher, "ich nicht weiß, wie das geht."

"In diesem Fall", empfahl ihm der Pfarrer, "benehmen Sie sich einfach so, als ob Sie in einer Kirche wären."

Also ging der Buchmacher den Gang entlang und sammelte Geld ein für die Kollekte.

Das ist die einzige Sache, die der Buchmacher verstehen kann, das ist das Einzige, wofür er sich in einer Kirche interessieren würde.

Unsere geheimen Wünsche zielen nicht auf Transformation ab, insgeheim wünschen wir uns Verbesserung. Und Verbesserung und Transformation sind genau diametral entgegengesetzt. Verbesserung bedeutet, daß wir die gleichen bleiben, aber wir werden immer reicher, unser Ego wird immer mehr ausgeschmückt und dekoriert. Wir bleiben die gleichen – was auch immer geschieht, lagert sich als eine neue Schicht an uns an, aber wir bleiben die gleichen. Das Neue fügen wir uns hinzu, aber wir erhalten die Kontinuität mit dem Alten. Wir sind auf Verbesserung aus. Wir wollen schöner werden, wir wollen glücklicher werden, wir wollen kenntnisreicher werden, wir wollen ein Buddha werden – dies und das. Die Buddha-Krankheit... Taoismus ist nicht dafür da, um uns zu verbessern; wenn die Basis falsch bleibt, wird uns alle Verbesserung in immer mehr Probleme führen. Die Basis muß transformiert werden; die Wurzeln müssen abgeschnitten werden. Das wird natürlich hart und mühsam sein. Jesus sagte: "Ich habe nicht Frieden in die Welt gebracht, ich habe ein Schwert gebracht." Ein Meister ist ein Schwert. Die Buddhisten haben einen speziellen Namen dafür geprägt, sie haben es "Manjushree´s Schwert" genannt. Manjushree war ein bedeutender Schüler von Buddha, er funktionierte als Buddha´s Schwert. Immer wenn Buddha sah, daß jemand einen wirklichen Schock brauchte, wurde er zu Manjushree geschickt. Manjushree war wirklich schrecklich ! Er zerschmetterte einen einfach. Er erlaubte keinerlei Illusionen. Er war so hart in seiner Schocktherapie, daß die Leute in dem Moment schon zu zittern begannen, wenn Buddha ihnen verschrieb: "Geh zu Manjushree". Manjushree ? Das bedeutete fast den Tod. Aber Manjushree war in Wirklichkeit ein großartiger mitfühlender Buddha und es wurde zu Buddha´s Zeiten bekannt: Immer wenn ein Schüler wirklich innerlich gewachsen war, dann schickte Buddha ihn zu Manjushree – dem Schlächter. Die Arbeit des Meisters ist nicht, uns zu vertrösten. Uns verlangt einfach nach Sympathie. Sympathie ist aber Gift, wenn es um Transformation geht, und darf nur benutzt werden, wenn Gift nötig ist. Manchmal braucht ein kranker Mensch auch Gift – die ganze Allopathie beruht auf Gift.

23.04.2006 um 11:55 Uhr

Tao Te King 4 (15)

von: tao

Je geschützter wir sind, desto mehr Dornen brauchen wir. Diese Stacheln sind unsere Sicherheitsvorrichtungen. Wir haben Angst, wir fühlen uns auf allen Seiten von Feinden belagert und wir haben das Gefühl, wir müssen uns vor ihnen schützen.

Nasruddin begann stark zu trinken, um seiner Frau zu entkommen. Seine Freunde begannen, sich um ihn Sorgen zu machen. Sie befürchteten, er könnte daran sterben. Immer wenn sie auf ihn einredeten, sagte er: "Ich kann nur nach Hause gehen, wenn ich betrunken bin. Meine Beine beginnen zu zittern, wenn ich noch nüchtern bin, und mein Denken dreht sich wie rasend, um Antworten auf Fragen vorzubereiten, die mich keiner je gefragt hat, meine Frau aber fragen würde. Wenn ich betrunken bin, betrete ich mein Haus, ohne mich um irgendetwas zu kümmern. Das ist meine Verteidigung." Als die Dinge allmählich außer Kontrolle gerieten, dachten die Freunde, sie würden wohl etwas tun müssen, ansonsten würde er sterben. Also beschlossen sie, daß einer von ihnen sich als ein Teufel verkleiden und auf einen Baum klettern würde, um sich dann plötzlich auf Nasruddin zu stürzen. Er müßte sich wohl zwangsläufig zu Tode erschrecken und würde dann alles tun, was der Teufel ihm sagte. Also zog sich eines Nachts einer der Freunde wie ein Teufel an und lauerte Nasruddin auf. Der Rest von ihnen versteckte sich hinter dem Baum. Als es zwei Uhr schlug, kam Nasruddin schwankend vorbei auf seinem Rückweg nach Hause. Plötzlich gab es ein Rufen und Schreien, als sich der Teufel auf Nasruddin stürzte, ihn am Kragen faßte und dann sagte: "Versprich mir, daß du nicht mehr trinken wirst oder ich werde dir den Hals umdrehen !" Nasruddin schaute ihn an und sagte ruhig: "Zuerst mein Herr sagen Sie mir, wer sind Sie ?" Dies verursachte eine gewisse Konfusion, denn solch eine Eventualität war nicht in Betracht gezogen worden. Der Mann erwiderte jedoch: "Ich bin der Teufel ! Kannst du das nicht sehen ?" "Oh, dann ich bin ich überglücklich, dir zu begegnen !", sagte Nasruddin, "Ich bin der Kerl, der deine Schwester geheiratet hat. Komm nur mit, ich werde dich zu ihr bringen !" Alle Pläne waren gescheitert. Die Freunde kamen hinter dem Baum hervor. Nasruddin redete sie folgendermaßen an: "Mit großen Schwierigkeiten bin ich nun endlich auf den Bruder meiner Frau gestoßen. Ich möchte ihn mit zu ihr nehmen, aber er rennt weg ! Er hat nicht den Mut, sich ihr zu stellen."

All unsere Arrangements, unsere Worte, unsere Sprache, unsere Gebote, Regeln und Unterweisungen, unsere Spirituosen und Kinopaläste,unser Freundeskreis und unsere Vergnügungen sind eigentlich wesentliche Anordnungen und Zusammenstellungen für unseren Schutz. Unsere Kirchen, Moscheen, Tempel und Versammlungsstätten sind alle Vorbereitungen für unsere Sicherheit. All diese Arrangements haben wir aus Furcht heraus getroffen. Wenn ein Mensch Angst hat, muß er all diese verschiedenen Stacheln um sich herum aufrichten. Wer würde dann noch diese Dornen zerbrechen ? Nur der kann diese Stacheln ablegen, der innerlich darauf vorbereitet ist, in Unsicherheit zu leben.

22.04.2006 um 14:14 Uhr

Tao Te King 16 (5)

von: tao

"Erlange das Äußerste durch Passivität.

Halte fest an der friedlichen Stille und der Ruhe des Gemüts als Basis.

Unzählige Dinge nehmen Form an und Aktivität steigt in ihnen auf,

aber ich schaue zu, wie sie in ihren Ruhezustand zurückfallen

wie die Vegetation, die üppig wächst, aber dann zu der Wurzel, der Erde, zurückkehrt, von der sie entspringt.

Zur Wurzel zurückkehren ist Ruhe.

Das wird die Wiederkehr zur eigenen Bestimmung genannt.

Zum eigenen Schicksal zurückzugehen heißt das ewige Gesetz zu finden.

Das ewige Gesetz zu kennen ist Erleuchtung.

Und das ewige Gesetz nicht zu kennen heißt Unheil heraufzubeschwören."

Jetzt ist der Himmel klar. Bald wird er wieder mit Wolken bedeckt sein. Die Wolken werden kommen, sie werden abregnen, und sie werden nicht mehr sein. Der Himmel wird jedoch der gleiche bleiben. Der Himmel ist eine tatenlose Passivität. Die Wolken sind eine Aktivität. Wolken bilden sich und lösen sich wieder auf. Der Himmel wird niemals geformt und ist niemals ungeformt und formlos. Die Wolken sind manchmal da und sie sind zu anderen Zeiten nicht da. Der Himmel ist ständig da. Die Existenz der Wolken beinhaltet Geburt und Tod. Für die Existenz des Himmels gibt es keine Geburt und keinen Tod. Der Himmel ist jenseits der Zeit, er ist ewig. Die Wolken formen sich und zerstreuen sich wieder im Laufe der Zeit. Der Name dieses Kapitels im Tao Te King ist: Das Wissen vom ewigen Gesetz. Wo immer Aktivität ist, kann keine Ewigkeit sein; denn jede Aktivität muß zur Ruhe zurückkommen und kann daher nicht ewig sein. Tätigsein muß sich erschöpfen und zur Erholung zurückkehren. Nur Untätigkeit kann ewig sein. Es ist unabdingbar, dieses Kapitel zu verstehen. Die Religionen haben gesagt, daß Gott der Schöpfer ist. Lao-tse akzeptiert dies nicht. Er sagt, daß Schöpfung eine Aktivität ist. Wenn Gott der Schöpfer ist, ist er zwangsläufig eines Tages erschöpft und müde von dieser Tätigkeit. Jede Aktivität führt zum Ruhezustand. Das Resultat von jeder einzelnen Tätigkeit ist Untätigkeit. Wenn Gott der Schöpfer ist, und wenn Kreativität seine Form ist, kann er nicht ewig sein. Nur die eigentliche innere wesentliche Untätigkeit kann ewig sein. Wenn auch der Himmel aktiv wäre, würde er auch vergehen wie die Wolken. Die Wolken sind immer damit beschäftigt, etwas zu tun. Sie füllen sich mit Feuchtigkeit. Dann gibt es da lautes Donnergrollen, Donnerschläge und zuckende Blitze. Dann regnet es und die Wolken sind leer, sie lösen sich wieder auf. Das müssen sie auch, denn alle Aktivitäten haben einen Anfang und ein Ende.

21.04.2006 um 11:43 Uhr

Tao 93 (9)

von: tao

Sogar ein Judas wird eines Tages ein Buddha, ein Christus werden.

Und die Zeit macht nicht viel aus.

Die Zeit spielt nur für das Denken eine Rolle, aber für einen Menschen, der über das Denken hinausgegangen ist,

ist Zeit nicht von Bedeutung.

Jemand ist heute aufgewacht, jemand wird morgen aufwachen,

ein anderer übermorgen –

aber das ist unwichtig für einen, der zum Nicht-Denken-Sein gelangt ist.

Das ist Ewigkeit.

Jemand fragte Jesus: Warum berührst du unsere Füße ?

Was tust du da ?

Und es wird berichtet, Jesus habe gesagt:

So daß ihr euch daran erinnert

daß der Meister die Füße der Schüler berührt hat;

so daß ihr nicht hochmütig werdet

so daß ihr nicht stolz werdet

so daß ihr die Leute nicht dazu zwingt, euch die Füße zu küssen

so daß ihr daran denkt,

daß schließlich bloß der Meister die Füße der Schüler zu berühren

und sich zu verneigen hat.

Denn auch im Schüler ist der Morgen verborgen.

Es mag immer noch dunkle Nacht sein,

aber je dunkler die Nacht

desto heller wird der Morgen sein.

Er ist schon im Kommen,

er ist schon bloß noch um die Ecke;

ihr könnt es nicht sehen, aber der Meister kann es sehen

und er verbeugt sich vor euch – vor dem Morgen, der sich in euch ereignen wird.

20.04.2006 um 13:14 Uhr

Tao 132

von: tao

Ein Schüler zu sein bedeutet nicht monogam zu sein. Ein Schüler zu sein bedeutet einfach, zum Lernen bereit zu sein. Ein wirklicher Schüler bekommt durch einen Meister eine Verbindung zu jedem anderen möglichen Meister. Ein Meister wird ein Verbindungsglied zu all den Meistern der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Aber das menschliche Denken ist sehr eng. Wir verzerren alles durch Eifersucht und Besitzdenken. Dann ist es schwierig, sich vorzustellen, wie man zwei Meister lieben kann, aber das Problem entsteht, weil man zwei Meister als zwei betrachtet. Der Sinn eines Meisters ist, alle Meister durch ihn lebendig werden zu lassen. Wenn ein Meister unser Denken verschließt und uns eng macht, ist er überhaupt kein Meister. Zwischen Meistern besteht kein Wettbewerb. Ihre Namen sind bloß Namen. Ein Meister ist eine Leere, das Leersein. Sein ganzes Herz, taoistisch gesprochen: all die sieben Löcher des Herzens, sind offen. Er ist ein Tor. Wie kann man eine Unterscheidung treffen zwischen zwei Leerheiten ? Kann man das ?

Ein kleiner Junge spielte im Garten, als sein Vater müde von seinem Büro nach Hause kam. Der Junge rannte überglücklich auf ihn zu und fragte seinen Vater: "Was tust du in dem Büro den ganzen Tag ?" Der Vater war so müde, daß er sich nicht für die Frage seines Kindes interessierte, also sagte er: "Nichts". Der Junge blieb stehen, war einen Moment lang verwirrt, und sagte dann: "Aber wie weißt du dann, wann du damit fertig bist, wann die Arbeit getan ist ?"

Wenn wir nichts tun, wie wissen wir dann, wann es vorbei ist ? Wenn wir etwas tun, wissen wir, wann es vorbei ist, denn dafür gibt es eine Definition. Aber "nichts" hat keine Definition. Wenn ein Meister nichts ist, wie machen wir eine Definition ? Wie grenzen wir ab, wo der eine Meister endet und der andere Meister beginnt ? Es gibt keinen Zaun zwischen Meistern, wenn man sich also auf einen Meister einläßt, hat man sich auf alle eingelassen. Alle Abgrenzungen sind also törichte Ideen. Es ist sicherlich leichter, sich auf einen gegenwärtigen Meister zu beziehen, der noch lebt. Jesus ist seit zweitausend Jahren nicht mehr da gewesen. Was immer wir auch über Jesus wissen, ist nicht direkt, ist nicht unmittelbar. Zweitausend Jahre der Korruption, zweitausend Jahre der Desinformation, zweitausend Jahre der Interpretation haben eine Menge verändert. Jesus kann nicht direkt erkannt werden – zweitausend Jahre stehen zwischen ihm und uns, Millionen von Schleiern, viel Rauch, wenig Feuer. Was wir auch immer über Jesus wissen, ist zweifelhaft, ist nicht sicher. Sogar wenn wir einem lebenden Meister gegenüberstehen, ist das, was wir auch immer über ihn wissen, zweifelhaft, was kann man da noch über Jesus sagen und was erst über Krishna – nach fünftausend Jahren ?

19.04.2006 um 21:39 Uhr

Tao 131

von: tao

Wissen wir wirklich, wer wir sind ?

Nein, überhaupt nicht.

Denn wir sind nicht. Wir sind ein Leersein – anatta.

An der Oberfläche mögen wir jemand sein,

aber im tiefsten Kern sind wir einfach ein "Niemandsein",

nicht einmal ein Niemand – "Niemandheit". Wir können wir uns kennen ?

Aber das ist die Schönheit, denn würden wir uns kennen können,

hätten wir uns definiert, durch unser Wissen hätten wir uns eingegrenzt.

Wenn wir gekannt werden könnten, würden wir augenblicklich zum Objekt,

wir wären kein Bewußtsein mehr.

Wenn wir erkannt werden können, können wir nicht unbegrenzt sein.,

und das sind wir – unendlich in unserem Leersein.

Wir können wir uns kennen ? Niemand kann sich selbst kennen.

So etwas wie Selbst-Erkenntnis existiert nicht.

Wenn wir zu der Erkenntnis kommen, daß es ein Wissen vom Nicht-Selbst ist,

wenn wir das in uns wirken lassen, wird uns plötzlich bewußt,

daß der Erkennende und das Erkannte verschwunden sind –

da ist nur Leere, ein ungeheuer weiter Raum, kein Beginn, kein Ende,

eine Unendlichkeit. Das ist es, was wir sind – wie kann das gekannt werden ?

Da ist keine Möglichkeit für Wissen. Und das ist gut

daß wir nicht gekannt werden können, ansonsten würde die Wissenschaft uns kennen,

und einmal gekannt, sind wir ein Objekt, ein Ding.

Dann ist das Mysterium verloren gegangen.

Das ist der Grund, warum die Wissenschaft niemals imstande sein wird,

den innersten Kern des Seins zu erkennen,

denn der innerste Kern ist ein Nicht-Sein.

Wir sind genau wie eine Zwiebel – wir können immer weiter die Schichten abschälen.

Immerzu schälen wir Schichten, dann eine weitere neue Schicht, und dann plötzlich

ist die ganze Zwiebel weg – da bleibt nur Leere in den Händen.

Das sind wir.

18.04.2006 um 15:59 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (1)

von: tao

"Hui Dsi sagte zu Dschuang Dsi:

All dein Lehren dreht sich um das, was keinen Nutzen hat.

Dschuang Dsi erwiderte:

Wenn du das nicht zu schätzen weißt, was keinen Nutzen hat

kannst du gar nicht über das zu reden beginnen, was benutzt werden kann.

Die Erde zum Beispiel ist geräumig und ungeheuer weit,

aber von all dieser Ausdehnung benutzt ein Mensch nur ein bis zwei Meter

auf denen er eben gerade steht.

Nimm nun an, du nimmst plötzlich weg

all das, was er gerade aktuell nicht benutzt,

so daß überall um seine Füße herum ein Abgrund gähnt,

und er steht mitten in der Leere

ohne noch irgendwo festen Boden zu haben außer unter jedem seiner Füße,

wie lange wird er noch das benutzen können, was er gerade benutzt ?

Hui Dsi sagte:

Es würde keinem Zweck mehr dienen.

Dschuang Dsi schlußfolgerte:

Dies zeigt die absolute Notwendigkeit

dessen, was angeblich keinen Nutzen hat."

Das Leben ist dialektisch,

das ist der Grund, warum es nicht logisch ist.

Logik bedeutet, daß der Gegensatz wirklich entgegengesetzt ist,

und das Leben impliziert immer schon das, was entgegengesetzt ist.

Im Leben ist der Gegensatz nicht wirklich entgegengesetzt,

es ist komplementär.

Ohne Gegensatz ist nichts möglich.

17.04.2006 um 23:59 Uhr

Goldene Blüte 2/1-6 (1)

von: tao

Meister Lü sprach:

"Nur der ursprüngliche Geist und die wahre Natur überwinden Zeit und Raum.

Der ursprüngliche Geist ist jenseits der polaren Unterschiedlichkeiten. Hier ist der Platz, von wo Himmel und Erde ihr Dasein ableiten. Wenn Tao-Sucher sich darauf verstehen, den ursprünglichen Geist zu erfassen, überwinden sie die polaren Gegensätze von Licht und Dunkelheit und trödeln nicht mehr in den drei Welten herum. Aber nur derjenige, welcher sich das ursprüngliche Gesicht der menschlichen Natur vor Augen geführt hat, ist fähig, dies zu tun.

Wenn die Menschen freigesetzt sind aus dem Mutterschoß, weilt der ursprüngliche Geist in dem Geviertzoll, aber der bewußte Geist weilt weiter unten im Herzen. Dieses Herz ist abhängig von der Außenwelt. Wenn ein Mensch auch nur einen Tag lang nicht ißt, fühlt es sich äußerst unwohl; wenn er etwas Erschreckendes hört, beginnt es wild zu schlagen; hört er etwas, was ihn in Rage bringt, bleibt es stehen; schaut er dem Tod ins Gesicht, wird es traurig; wenn er etwas Schönes sieht, ist es wie geblendet. Aber das himmlische Herz im Kopf, wann würde das sich auch nur im mindesten bewegt haben ? Und wenn du fragst: "Kann sich das himmlische Herz denn nicht bewegen ?" Dann antworte ich: Wie könnte sich das wahre Denken im Geviertzoll denn bewegen ?

Das niedrigere Herz bewegt sich wie ein starker, machtvoller Kommandeur, der den himmlischen Herrscher wegen seiner Schwäche verachtet und die Führerschaft in Angelegenheiten des Staates an sich gerissen hat. Aber wenn die ursprüngliche Burg befestigt und verteidigt werden kann, dann ist das so, als wenn ein starker und weiser Herrscher auf dem Thron sitzen würde. Die Augen beginnen das Zirkulieren des Lichts wie zwei Minister zur Rechten und zur Linken, die den Herrscher mit all ihrer Macht unterstützen. Wenn die Herrschaft im Zentrum so in Ordnung ist, werden all diese rebellischen Helden sich mit ihren umgedrehten Lanzen präsentieren, bereit, Anordnungen entgegenzunehmen.

Der Weg des Elixiers des Lebens kennt als höchste Magie Samen-Wasser, Geist-Feuer und Gedanken-Erde – diese drei. Was ist Samen-Wasser ? Es ist die wahre, eine Energie, der Eros. Geist-Feuer ist das Licht, der Logos. Gedanken-Erde ist die Intuition."

Das Leben ist eine Gelegenheit, sich auf den Tod vorzubereiten und auf das Jenseits. Wenn wir uns nicht auf den Tod und auf das Jenseits vorbereiten, sind wir Narren – wir verpassen eine großartige Gelegenheit. Das Leben ist nur eine Gelegenheit.

16.04.2006 um 22:31 Uhr

Ko Hsuan 3 (17)

von: tao

Alle Männer, die sich wirklich auf einen Kontakt mit Frauen eingelassen haben, wissen es, daß Frauen auf eine ganz andere Art und Weise funktionieren. Mann kann mit einer Frau nicht logisch reden, das ist unmöglich – das ist, als wenn sie zu irgendeiner anderen Welt gehören würde, von irgendeinem anderen Planet wäre. Und Frauen müssen wohl die gleiche Erfahrung gemacht haben. Sie können die Männer nicht verstehen – ständig sind die in ihren Köpfen, in ihrem Intellekt, niemals verstehen die irgendetwas mit dem Herzen. Der Mann versucht zu argumentieren, er versucht die Frau logisch zu überzeugen, aber sie kann nicht überzeugt werden. Das ist nicht ihr Weg, Logik besitzt für sie keine Anziehungskraft.

Langsam und allmählich lernt der Ehemann, daß Blumen, daß eine Rose weit wichtig ist als Logik. Wenn er seiner Frau Blumen mitbringt, wird sie das mehr verstehen als all seine Argumente. Er kann monatelang argumentieren, "ich liebe dich doch", und das überzeugt sie nicht. Und dann bringt er bloß ein paar Rosen mit und das reicht schon. Ihre Herangehensweise ist instinktiv. Der Mann kann sie nicht verstehen, denn was sie auch immer sagt, scheint unlogisch und absurd zu sein.

Ganz allmählich beginnt der Ehemann zu verstummen, und er wird immer schwerhöriger. Die Frau darf reden. "Was für einen Unsinn sie auch immer reden möchte, laß sie doch reden. Ich hör gar nicht mehr hin."

Warum erschuf denn Gott zuerst den Mann und dann erst die Frau ?

Um den armen Kerl wenigstens zwei Worte sagen zu lassen !

Im Restaurant belauscht: Sagt eine Frau zur anderen: "Es bedurfte einer ganzen Menge Willenskraft, aber ich gab es schließlich auf, die Diät weiter durchzuhalten."

"Robert sagte mir, ich sei das achte Weltwunder !", sagte Gisela.

"Und was hat du gesagt ?", fragte Petra.

"Er soll sich von mir bloß nicht mit einem der anderen sieben erwischen lassen !"

"Können Sie eine Schreibmaschine bedienen ?", fragt der Boss die Sekretärin.

"Ja Chef. Ich benutze das biblische System."

Davon habe ich noch nie gehört."

"Suchet, so werdet ihr finden", erwidert die Sekretärin.

 

15.04.2006 um 13:06 Uhr

Tao 130

von: tao

Es ist schwer, totale Ekstase zu verstehen,

denn wir haben in Unglück gelebt,

und wir werden alles vom Standpunkt eines unglücklichen Menschen aus verstehen.

Bei Glückseligkeit denken wir an etwas, das dem Unglücklichsein entgegengesetzt ist,

so etwas wie eben Glücklichsein.

Dann mißverstehen wir es.

Es ist weder wie Unglücklichsein noch ist es wie Glücklichsein.

Es ist anders,

absolut anders,

kategorisch anders,

diametral anders,

es ist ein total anderes Phänomen.

Glückseligkeit ist weder Glück noch Unglück.

Beides ist verschwunden,

die Dualität ist weg,

man ist zu Hause.

Und man hat auch nicht das Gefühl, daß man ekstatisch ist.

Wenn wir das Gefühl haben, ekstatisch zu sein,

gibt es immer noch eine Möglichkeit für das Unglück, zurückzukommen,

denn wir sind noch nicht eins mit der Glückseligkeit,

wir sind immer noch getrennt.

Wir erleben es immer noch.

Es ist immer noch etwas anderes, als wir es sind,

wir sind es noch nicht.

Wenn man einen Menschen des Tao fragen würde: Bist du ekstatisch ?,

würde er mit den Schultern zucken.

Allein schon die Frage ist sinnlos und irrelevant.

14.04.2006 um 01:51 Uhr

Tao Te King 16 (4)

von: tao

"Wer das ewige Gesetz kennt, ist tolerant.

Ist er tolerant, dann ist er unparteiisch.

Ist er unparteiisch, dann ist er königlich.

Ist er königlich, dann ist er im Einklang mit der Natur.

Ist er im Einklang mit der Natur, dann ist er im Einklang mit Tao.

Ist er im Einklang mit Tao, ist er immerwährend und sein ganzes Leben ist geschützt vor Schaden."

Im Jahr 1959 war die Verleihung des Nobelpreises an zwei amerikanische Wissenschaftler ein einzigartiges Ereignis. Die Wissenschaftler waren Dr. Emilio Segre und Dr. Owen Chamberlain. Es war einmalig in dem Sinn, daß ihre Entdeckungen auf dem Feld der Wissenschaft völlig konträr zu allen wissenschaftlichen Theorien von heute waren. Sie haben die Grundlage der Wissenschaft zerstört. Was sie bewiesen haben, kommt Lao-tse sehr nahe; aber nirgendwo kommt es in die Nähe von Newton. Was sie herausgefunden haben, kann mit dem Tao Te King übereinstimmen, aber nicht mit Marx. Ihre Entdeckung ist: Wenn es Materie gibt in der Welt, dann gibt es auch Anti-Materie, denn nichts existiert in dieser Welt ohne sein Gegenteil. Wenn da Licht ist, dann gibt es Dunkelheit; wenn es Geburt gibt, dann ist da Tod. Wenn es also Materie gibt, muß es auch Anti-Materie geben. Sie haben diese Theorie nicht nur vorgelegt, sie haben sie auch bewiesen. Sie haben bewiesen, daß innerhalb des Atoms der Materie, dort wo das Proton funktioniert, es genau dort eine Energie gibt, die Anti-Proton ist. Diese Energie kann weder gesehen noch erfahren werden. In dieser Welt ist der Gegensatz unausweichlich. Die Welt ist eine Verbindung der Gegensätze. Segre und Chamberlain haben diese Energie "Anti-Materie" genannt. Lao-tse, Krishna, Buddha und Christus haben ihr verschiedene Namen gegeben: Atman, ewiges Gesetz, Seligkeit, Erlösung, Befreiung, Gott. All diesen Namen ist ein Faktum gemeinsam: Sie stehen alle für Anti-Welt, Anti-Materie. Die Feststellungen aller Religionen stimmen in einem Punkt überein: Die Welt kann nicht sein, wenn es keine Anti-Welt dagegen gibt. Es ist interessant, daß Segre und Chamberlain darauf gestoßen waren. Aber bisher ist es nur eine Vermutung. Die Theorie, die sie konstruiert haben, wird sich eines Tages als zutreffend erweisen, denn sie basiert auf dem gleichen Prinzip. Das Argument, das sie vortragen, ist: So wie in dieser Welt die Gravitationskraft nach unten zieht, das Wasser nach unten fließt, das Feuer nach oben geht und Protonen in einer ganz bestimmten Art und Weise rotieren – in eben der gleichen Art und Weise, um die Balance zu halten, muß es eine Welt geben, die genau der Gegensatz zu dieser Welt ist. Dies ist bis jetzt nur eine Theorie; aber es ist eine machtvolle Theorie, weil diejenigen, die sie vorgelegt haben, keine Mystiker sind, keine Dichter, sondern eingeschworene Wissenschaftler. Sie behaupten, daß nichts in dieser Welt ohne seinen Gegensatz funktioniert.

13.04.2006 um 15:10 Uhr

Goldene Blüte 8/ 33-35 (5)

von: tao

Eine Frau ging zu einer dieser Gesundheitskliniken, wo sie um die sieben Ärzte haben. Nach zwanzig Minuten im Behandlungsraum eines der Ärzte rannte sie schreiend durch den Flur, hinunter in die Eingangshalle. Ein anderer Arzt, der schließlich aus ihr herausbrachte, was vorgefallen war, rief den ersten Arzt an: "Was hast du dir dabei gedacht, als du der Patientin sagtest, daß sie schwanger sei ? Sie ist es nicht ! Du hast sie fast zu Tode erschreckt."

"Ich weiß", sagte der erste Arzt, "aber ich habe ihren Schluckauf kuriert, oder etwa nicht ?"

Wenn wir genau hinhören, wenn wir genau hinsehen, werden wir feststellen, daß jedes Leiden, das in unserem Leben passiert, ein Glück im Unglück ist, im nachhinein stellt es sich als Segen heraus. Es kann uns von unserem Schluckauf kurieren. Es ist ein Schock ... und wir brauchen Schocks ! -- denn wir haben um uns herum viele Stoßdämpfer eingebaut, wir haben um uns herum vieles wachsen lassen, was sich schock-absorbierend auswirkt. Dies alles muß durchbrochen werden. Bevor sie nicht gebrochen sind, werden wir in einem Traum leben. Und in einem Traum sieht der Traum wirklich aus. Und das wissen wir sehr gut: Wir träumen jede Nacht: In einem Traum scheint der Traum absolut real zu sein. Und wir können immer Gründe und eine Logik finden, um unsere Träume zu unterstützen. Sogar wenn der Traum unterbrochen wird, können wir Gründe finden, um den Traum immer noch zu unterstützen, der absolut falsch war.

Ein Mann wachte eines Morgens in einem Schockzustand auf. Er weckte seine Frau und sagte: "Liebling, ich hatte letzte Nacht einen schrecklichen Traum. Ich träumte, ich hätte zehn Kilo Marshmallows gegessen, und obendrein, und das setzt allem die Spitze auf, kann ich mein Kopfkissen nirgendwo mehr finden."

Sogar wenn wir aufwachen, können wir noch irgendeine Unterstützung für unseren Traum finden. Wir brauchen uns bloß umzuschauen und wir können immer eine Unterstützung finden. Unser Denken ist sehr listig. Unser Denken spielt viele Spiele mit uns, es spielt viele Tricks gegen uns aus, und es kann sehr logisch erscheinen. Es kann sehr überzeugend auftreten.

Ein Franzose kam nach Hause und fand zu seinem Erstaunen seinen Sohn im Bett zusammen mit seiner Großmutter vor...

Nun, das kann nur in Frankreich passieren !

..."Sohn", sagte er, "wie kannst du das nur tun ?"

"Nun", sagte sein Sohn, "du schläfst mit meiner Mama, ich schlafe mit deiner Mama. C´est logique."

12.04.2006 um 14:41 Uhr

Ko Hsuan 1 (9)

von: tao

Kein Vater, keine Mutter, hat uns so sehr geliebt, daß er oder sie uns, was unser Wachstum betrifft, nur uns selbst überlassen hätte, daß er uns geholfen hätte, uns genährt hätte und uns die totale Freiheit gegeben hätte, wir selbst zu sein, in authentischer Weise ganz wir selbst zu sein. Daher gibt es viele Leute, die denken, sie seien Sucher, sie würden nach Gott suchen – sie sind es nicht. Ihre ganze Suche ist ein aufgesetztes Phänomen, eine Konditionierung. Und wenn wir nur deshalb nach Gott suchen, weil es uns gesagt worden ist, weil es uns ständig immer und immer wieder eingeredet worden ist, dann ist das Wort in uns eine Realität geworden, aber es ist kein Teil von uns, es ist nicht intrinsisch, es gehört nicht zu uns, es ist von außen gekommen. Wir sind bloß wie ein Papagei – oder vielleicht sind sogar Papageien dann intelligenter als wir es sind:

Ein überenthusiastischer italienischer Kommunist findet einen Papagei, der das populäre kommunistische Lied "Bandiera Rosa" singen kann. Er kauft ihn und bringt ihn nach Hause, aber nach ein paar Tagen kann die Frau es nicht mehr länger aushalten. Der Papagei singt das Lied den ganzen Tag lang. In einem momentanen Wutausbruch haut sie den Papagei von seiner Stange und bedeckt den Käfig dann mit einem Tuch. Als der Ehemann zurückkommt, erzählt sie ihm alles. Verzweifelt hebt der Mann das Tuch hoch, um zu sehen, wie es dem Papagei geht. Der Papagei öffnet ein Auge und flüstert: "Hey, Genosse, sind diese dreckigen Faschisten jetzt weg ?"

Sogar Papageien sind weit intelligenter als sogenannte menschliche Wesen. Die wiederholen laufend einfach nur Klischees, die an sie weitergegeben worden sind von ihren Eltern und den Priestern und den Lehrern, den Schulen, den Hochschulen und Universitäten. Diese ganze Gesellschaft konditioniert uns ständig in einer bestimmten Art und Weise, und wenn wir dann nach fünfundzwanzig Jahren der Konditionierung vergessen haben, was wir wirklich tun wollen, ist das ganz natürlich. Das erste, worüber man sich ganz klar werden muß, ist, ob da ein tiefes Verlangen in uns danach besteht, die Wahrheit kennenzulernen. Sind wir bereit, dafür alles zu riskieren, sogar unser Leben, wenn es nötig sein sollte ? Wenn das so ist, "Dann", sagt Ko Hsuan, "sind diese Worte für dich". Wenn wir nur weltlich orientiert sind – mit "weltlich" meint er jemanden, der nur an Geld, Macht und Prestige interessiert ist – dann wäre es besser, wenn wir uns nicht um so großartige Dinge kümmern würden; sie sind nicht für uns gedacht – zumindest noch nicht. Wir müssen schon erst all unsere sogenannten weltlichen Sehnsüchte satt bekommen haben. Dafür sollten wir zuerst in diese Wünsche hineingehen. Bevor wir nicht völlig frustriert werden, bevor wir nicht sehen, daß dies alles vergeblich ist, daß wir immer arm bleiben, ob wir nun Geld haben oder nicht, daß wir immer ein Bettler sind, ob wir nun ein Bettler sind oder ein Herrscher... Wenn diese Einsicht in uns dämmert, nur dann können wir ein Sucher nach dem Darüberhinaus werden.

11.04.2006 um 14:08 Uhr

Tao 129

von: tao

Es ist ungünstig, auf irgendetwas Negatives zu meditieren. Zum Beispiel: "Was du nicht willst, daß man dir tu, das füg auch keinem andern zu." Dies ist eine negative Botschaft – "Tu es nicht". Wenn wir nicht stecken bleiben wollen, dann meditieren wir über etwas Positives. Dieselbe Aussage kann auch positiv gemacht werden: Was du willst, daß man dir tu, das füg auch jedem andern zu. Dann werden wir nicht stecken bleiben. Wenn wir uns nach einem negativen Gebot bewegen, dann können wir nicht weit kommen. Wie können wir mit einer negativen Vorschrift vorankommen ? Ein negatives Gebot ist wie der Tod. Wie kann man über Tod meditieren ? Wir können damit anfangen, aber wir werden schon gleich zu Beginn feststecken. Wir können sicherlich über das Leben meditieren. Das Leben hat soviele Dinge, worüber man meditieren kann – die Blumen, die Vögel, die Flüsse, die Sterne, Liebe, Leute, die ganze Schönheit, das Lied des Lebens. Wir können über das Leben unbegrenzt meditieren und wir werden niemals stecken bleiben – denn das Leben ist ungeheuer weit, das Leben ist unendlich, das ganze Universum ist Leben. Tatsächlich, wenn wir über das Leben meditieren – meditieren, meditieren – werden wir eines Tages auch auf den Tod stoßen, denn der Tod ist bloß ein Teil des Lebens. So wie andere Dinge Teil des Lebens sind – Liebe, Geburt, Freude, Traurigkeit, Glücklichsein – so ist es auch der Tod. Der Tod ist nicht etwas, was gegen das Leben ist, der Tod ist nicht etwas, was jenseits des Lebens liegt – der Tod geschieht im Leben, der Tod ist ein unverzichtbarer Teil des Lebens. Wenn wir also über das Leben meditieren, werden wir auch den Tod kennenlernen, aber wenn wir über den Tod meditieren, wird sich nichts ereignen. Über was würden wir da meditieren ? Wir würden einfach Dunkelheit spüren und darin stecken bleiben. Wie kann man im Nicht-Sein weiterkommen ? Wie kann man über nichts nachdenken ? Wir werden immer weiter im Kreis gehen und früher oder später werden wir uns fragen, was wir da eigentlich tun. Wir drehen uns im Kreis, wie ein Hund, der seinem eigenen Schwanz hinterherjagt. Wohin gehen wir dann noch ? Da gibt es nicht viel, worüber wir meditieren könnten. Wenn wir überhaupt über etwas meditieren, dann sollte es über etwas Positives sein. Wir können auf dem Positiven reiten, wir können so bis zur eigentlichen Quelle der Existenz kommen – aber auf dem Positiven, mit dem Positiven, in dem Positiven. Und natürlich, wenn wir mit dem Positiven gehen, werden wir eines Tages auch auf das Negative stoßen – aber als Teil des Positiven. Und dann werden wir auch das Negative kennen. Also: Was du willst, das man dir tu, das füg auch jedem andren zu. So herum ist es besser. Dann haben wir tausendundeins Dinge, über die wir nachdenken können. Und wenn wir anderen das tun, was wir wollen, daß sie es uns tun, folgt natürlich der negative Teil davon – das füg auch keinem andren zu – wie ein Schatten hinterher.