Taoistische Reflektionen

31.08.2006 um 22:22 Uhr

Tao 189

von: tao

Religion ist seit Jahrhunderten mit einer lebensverneinenden Einstellung assoziiert worden, und offensichtlich kann keine lebensverneinende Attitüde kreativ sein; es wird an sich unmöglich für sie, schöpferisch zu sein. Kreativität braucht eine lebensbejahende Philosophie, Kreativität benötigt eine ungeheure Liebe für die Existenz, und die sogenannten Religionen haben den Leuten beigebracht, dem Leben zu entsagen, vor dem Leben zu fliehen; sie sind gegen das Leben gewesen. Deswegen kann kein kreativer Mensch an solchen Religionen interessiert sein. Wenn er daran Interesse gewinnt, wird er seine Kreativität verlieren; wenn er schöpferisch bleiben möchte, wird er seine Religiosität opfern müssen. Die Religionen haben ihm keine andere Wahl gelassen. Deswegen interessierten sich nur unkreative Leute für Religion. Damit sind nicht Gautama der Buddha, Lao-tse, Zarathustra, Dschuang Dsi, Liä Dsi, Jesus, Krishna, Kabir oder Nanak gemeint; diese wenigen Namen kann man getrost beiseite lassen. Die sind immens kreativ, sie sind Dichter der Existenz. Sie sind weit größere Dichter als unsere sogenannten Dichter – ihr ganzes Leben ist Poesie. Sie sind großartige Musiker. Sie mögen niemals auf irgendeinem Musikinstrument gespielt haben, aber ihr Herz ist voll mit Harmonie, Musik und Melodie. Ihr Herzschlag hat schon Rhythmus, ist Musik. Ihr Leben ist ein Tanz, es ist ein Lied, es ist eine Feier. Daher kann man diese wenigen Personen aussparen.

Aber die Religionen haben mit ihnen nichts zu tun. Christenheit, Hinduismus, Jainismus, Buddhismus und Islam, diese organisierten Religionen haben mit ihren eigenen Gründern nichts zu tun. Wenn man genau hinschaut, wenn man über diese Angelegenheit meditiert, wird man erstaunt sein. Dann wird man sehen, dass die Leute, die sich selbst Christen nennen, sich überhaupt nicht um Christus und seine Botschaft kümmern; tatsächlich sind sie gegen alles, wofür Christus lebte und sein Leben opferte. Die Leute, die sich selbst Hindus nennen, haben mit Krishna nichts zu tun; obwohl sie ihn verehren, macht diese Verehrung keinen Unterscheid in ihrem Leben. Sie haben die Kunst nicht gelernt, die Krishna repräsentiert; tatsächlich haben sie Krishna entsprechend ihrer eigenen Ideen interpretiert. Und das gleiche ist der Fall mit den Buddhisten, den Jainas und anderen Religionen: Sie haben sich alle gegen die ursprünglichen  Begründer gestellt. Sie sind den Priestern zum Opfer gefallen.

30.08.2006 um 19:58 Uhr

Tao Te King 43 (4)

von: tao

Wenn wir hinter etwas her sind, sind wir ein wenig aggressiv.

Tao kommt zu uns, wenn wir

mehr wie ein weibliches Wesen sind als wie ein männliches Denken.

Das ist die Bedeutung von Lao-tses weiblichem Sein – wir sind in Erwartung.

Im Westen

hat eine äußerst ungewöhnliche Frau des letzten Jahrhunderts, Simone Weil,

ein Buch geschrieben „Warten auf Gott“.

Dies ist die richtige Einstellung. Was können wir sonst tun?

Was wissen wir denn sonst? Wir können einfach warten, erwarten.

Wir empfangen, wir können nicht hingehen und angreifen.

Der Bettler in der Sufi-Geschichte (22.09.05) war ein Bettler, auf Empfangen eingestellt.

Ein Bettler ist darauf eingerichtet, etwas zu empfangen –

immer mit seiner Bettelschale unterwegs, ein Empfänger.

Ein Bettler ist feminin.

Und hier liegt das Mysterium des indischen Konzepts:

Bevor wir nicht Bettler werden, bhikkhus, werden wir nichts erreichen.

Es ist nicht exakt so, dass wir ein Bettler werden müssen

 zerlumpt unterwegs auf der Straße, und anderen auf die Nerven gehen müssen, nein.

Die Bedeutung ist, dass ein Bettler weiß, wie man empfänglich ist;

Ein bhikkhu weiß, wie man niemanden angeht,

wie man einfach an der Türe wartet, bloß wartet.

Und wenn nichts gegeben wird,

dann trägt ein wirklicher Bettler nichts nach, er beschwert sich nicht

denn wie könnte er sich auch beschweren, worüber?

Es ist unsere Entscheidung, ob wir etwas geben oder nicht.

Ein wirklicher Bettler, ein bhikkhu – Buddha nannte seine Sannyasins bhikkhus –

ein wirklicher bhikkhu dankt uns, ob wir ihm etwas gegeben haben oder nicht.

29.08.2006 um 22:55 Uhr

Tao Te King 78 (2)

von: tao

Das Ganze atmet in uns.

Dies sehr tief zu verstehen, wäre hilfreich,

denn die ganze Methode des Taoismus,

die ganze Wissenschaft des Yoga,

beruht auf dem Atmen.

Wenn wir alles über das System wissen,

können wir, wenn wir wollen,

uns auf dieses System einlassen,

nicht nur darüber nachdenken

sondern eins damit werden.

Der Atem

ist das wichtigste.

Mit ihm beginnt das Leben und mit ihm endet das Leben.

Er ist höchst mysteriös;

ohne ihn gibt es keine Lebensmöglichkeit.

Das Leben scheint bloß ein Schatten des Atems zu sein.

Wenn der Atem verschwindet

verschwindet das Leben.

Daher ist es so wichtig,

dieses Phänomen des Atmens zu verstehen.

Jedes Kind, das geboren wird

ist nicht wirklich lebendig

bis es atmet.

Es bleiben ihm nur ganz wenige Momente.

Wenn es atmet, nach der Geburt,

dann tritt in diesen wenigen Momenten das Leben ein.

Wenn es nicht atmet, wird es tot bleiben.

28.08.2006 um 23:59 Uhr

Tao 188

von: tao

Wir können also nicht alleine bleiben. Wir müssen uns in Bewegung setzen, um das Zusammensein zu suchen. Aber in dem Moment, in dem wir zusammen sind, ist es miserabel – alle Beziehungen erzeugen Unglück und nichts sonst.

Bevor wir nicht aufgewacht sind,

wird Liebe bloß zum Konflikt und zum Streit.

Man gewöhnt sich erst nach und nach daran, man stellt sich darauf ein,

was bedeutet, dass wir allmählich abgestumpft und unsensibel werden.

Das ist der Grund, warum die ganze Welt so tot, so abgestanden ausschaut. Sie stinkt.

Alle Beziehungen sind verbraucht und abgedroschen geworden, sie sind hässlich geworden.

Wenn wir also wirklich lieben wollen und geliebt werden wollen,

ist das nicht möglich, so wie wir jetzt gerade sind.

Dafür müssten wir erst verschwinden. Wir müssten den Platz räumen

so dass ein sauberes Nichts-Sein, eine frische Nichtsheit zurückbleiben würde;

nur dann kann die Blume der Liebe erblühen.

Die Saat ist da

aber das Ego ist wie ein Felsen und die Samen können auf ihm nicht sprießen.

Und wenn wir normal sein wollen, und wenn wir lieben wollen,

und wenn wir Freunde wollen, und wenn wir uns freuen wollen,

ist das genau das, was Erwachen überhaupt ausmacht.

Aber wenn wir zu den Priestern und zu den Predigern gehen,

zu den organisierten Religionen und den Kirchen,

ist ihre Erhellung anders.

Sie sind gegen die Normalität; sie sind gegen die Liebe;

sie sind gegen Freundschaft, sie sind gegen Genuss;

sie sind gegen alles, was unsere Natur ganz natürlich sucht.

Das sind die großen Vergifter.

Aber wenn wir zum Taoismus gehen, dann ist seine Erleuchtung von dieser Welt.

27.08.2006 um 03:09 Uhr

Goldene Blüte 3/7-9 (1)

von: tao

„Meister Lü sagte:
Das Freisetzen geschieht im Auge….
Die Keim-Blüten des menschlichen Körpers müssen konzentriert werden, aufwärts in den leeren Raum.
Unsterblichkeit ist darin enthalten und auch das Überwinden der Welt.
Das Licht ist nicht nur im Körper allein, noch ist es nur außerhalb des Körpers. Berge und Flüsse und die große Erde werden beschienen von Sonne und Mond; all das ist dieses Licht. Deswegen ist es nicht nur innerhalb des Körpers. Verstehen und Klarheit, Wahrnehmung und Erhellung, und alle Bewegungen des Geistes sind in gleicher Weise dieses Licht; deswegen ist es nicht bloß etwas außerhalb des Körpers. Die Licht-Blüte von Himmel und Erde füllt all die tausend Räume. Aber auch die Licht-Blüte des individuellen Körpers durchstreift den Himmel und deckt die Erde ab. Deswegen: Sobald wie das Licht zirkuliert, kreisen auch Himmel und Erde, Berge und Flüsse, alle zirkulieren zur gleichen Zeit mit ihm. Die Keim-Blüte des menschlichen Körpers oberhalb, in den Augen, zu konzentrieren, das ist der große Schlüssel des menschlichen Körpers. Kinder, gebt acht! Wenn ihr einen Tag lang nicht Meditation praktiziert, strömt dieses Licht aus, wer weiß, wohin? Wenn ihr nur eine Viertelstunde lang meditiert, könnt ihr dadurch mit den zehntausend Äonen und eintausend Geburten fertig werden. Alle Methoden enden im Still-Sein. Diese wundersame Magie kann nicht ergründet werden. Aber wenn die Übung begonnen wird, muss man Nachdruck darauf legen, dass man vom Offensichtlichen zum Tiefgründigen vordringt, muss man darauf drängen, dass man vom Groben zum Feinen und Subtilen kommt. Alles hängt davon ab, dass es keine Unterbrechung gibt. Der Beginn und das Ende dieses Übens müssen eins sein. Dazwischen gibt es kühlere und wärmere Momente, das ist selbstverständlich. Aber das Ziel muss sein, die ungeheure Weite des Himmels zu erreichen und die Tiefen des Meers, so dass alle Methoden ganz leicht erscheinen und für selbstverständlich gehalten werden. Nur dann haben wir es gemeistert.“
Man sollte vom Anfang her beginnen. Bevor ich mich selbst nicht kenne, werde ich nichts sonst erkennen.

26.08.2006 um 20:41 Uhr

Tao 187

von: tao

Wo ist das Auge des Hurrikans, existentiell gesehen? Aus taoistischer Sicht gibt es kein Zentrum fuer den Zyklon des Lebens, der Orkan ist das Zentrum. Wir haben eine chronische Angewohnheit, die Dinge in zwei zu teilen, wir haben eine hartnaeckige Dualitaetsgewohnheit: Gott und die Welt, Koerper und Seele, das Niedrigere und das Hoehere, das Gute und das Schlechte. Die Angewohnheit bleibt bestehen. So auch beim Wirbelsturm und seiner Mitte. Aber der Taoismus besteht darauf: Der Wirbelsturm ist das Zentrum und eine andere Mitte gibt es nicht. Verstehen wir erst einmal dieses Einssein des Lebens, dann verschwindet alle Anspannung, Beklemmung und Angst. Die Furchtsamkeit wird dadurch erzeugt, dass wir immer aufteilen. Durch die Teilung werden wir gespalten; durch das Auseinanderdividieren werden wir schizophren. Dann denken wir, dass wir an der Oberflaeche sind, dem Wirbelsturm des Lebens, und dass das Zentrum verloren gegangen ist, also muss nun die Mitte gefunden werden. Das ist die alte Angewohnheit der Dualitaet. Der Wirbelsturm und seine Mitte ist eine neue Ausdrucksweise, aber die Angewohnheit ist sehr alt, das Schema ist uralt. Es ist immer so: Wo immer wir sind, sind wir nicht richtig, wir sollten irgendwo anders sein. Der Taoismus legt Wert darauf: Was auch immer ist, ist richtig. Es gibt kein anderes Richtig-Sein. Es gibt nirgendwo, wo wir hingehen sollten. Dies ist das einzige Leben, das es gibt, der einzige Tanz, den wir tanzen koennen. Nur dann koennen wir spontan sein, wirklich spontan. Warum haben wir die Spontaneitaet verloren? Durch welchen Trick? Der Trick ist, dass wir aufteilen. Wir koennen heute nicht spontan sein, weil wir an das Morgen denken muessen. Wir koennen in diesem Moment nicht spontan sein, weil wir an den kommenden Augenblick denken muessen. Wir koennen in diesem Leben nicht spontan sein, weil wir an das denken muessen, was nach diesem Leben kommen wird. Wir koennen in unserem Handeln nicht spontan sein, weil wir an die Konsequenzen denken muessen. Es ist immer eine Aufteilung in das Jetzt und das Dann, in das Hier und das Dort. Daher ist die Spontaneitaet verloren gegangen. Wer ist spontan? Jemand, der in diesem Moment lebt, als wenn dies alles ist, ist spontan. Und dies ist alles. Am Anfang wird es ein "als wenn" sein, aber ganz langsam, wenn wir uns darauf einstimmen, werden wir zu der Erkenntnis kommen, dass es kein "als wenn" ist, es ist die einzige Realitaet, die es gibt.

25.08.2006 um 16:01 Uhr

Südliches Blütenland 17/3 (1)

von: tao

„Der Mensch des Tao handelt ohne Behinderung,

schadet keinem anderen Wesen durch sein Handeln,

und doch kennt er sich selbst nicht als freundlich und liebenswürdig.

Er beteiligt sich nicht am Kampf ums Geldmachen,

und er macht aus Armut keine Tugend.

Er geht seinen Weg, ohne sich auf andere zu verlassen,

und ist nicht stolz darauf, dass er alleine geht.

Der Mensch des Tao bleibt unbekannt.

Vollkommene Tugend produziert sich nicht.

Kein Selbst ist wahres Selbst.

Und der größte Mensch ist ein Niemand.“

Die schwierigste Sache,

für das Denken etwas schier unmögliches,

ist es, in der Mitte zu bleiben,

ausgeglichen zu bleiben.

Und es ist das Leichteste, von einer Sache zu ihrem Gegenteil zu gehen.

Sich von einer Polarität zur gegenteiligen Polarität zu begeben

ist die Natur des Denkens.

Es lohnt sich, dies sehr gründlich zu verstehen

denn bevor wir dies nicht verstehen,

kann uns nichts in Meditation führen.

Die Natur des Denkens ist es, sich von einem Extrem zum anderen zu bewegen.

Das beruht auf Unausgeglichenheit.

Wenn wir ausgeglichen sind, verschwindet das Denken.

Das Denken ist wie eine Krankheit:

Wenn wir unausgeglichen sind, ist es da,

wenn wir ausgeglichen sind, ist es nicht da.

24.08.2006 um 15:17 Uhr

Tao Te King 47 (13)

von: tao

Innenschau und Selbsteinsicht ist solch ein ungeheures Mysterium

und solch ein schönes Phänomen

dass man nichts derartigem irgendwo sonst jemals begegnen könnte,

denn wo immer wir hingehen

und was auch immer wir sehen

der Bericht wird aus zweiter Hand sein.

Ich kann ein Gesicht sehen

aber meine Augen werden die Vermittler sein,

sie werden Bericht erstatten,

ich werde niemals imstande sein, ein Gesicht direkt zu sehen,

es wird immer indirekt sein.

Ich kann zu einem Rosenbusch gehen und mir die schönen Blüten anschauen,

aber diese Schönheit ist von zweiter Hand

denn meine Augen werden sie mir berichten.

Sie sind die Agentur, es gibt Mediatoren.

Ich kann nicht in direkten Kontakt mit der Rose kommen,

die Augen werden immer da sein.

Der Geruch wird durch die Nase kommen.

Ich kann dem Gesang der Vögel zuhören

aber dieses Lied wird immer aus zweiter Hand sein,

und bevor wir nicht aus erster Hand erkennen, wie können wir das Tao des Himmels kennenlernen? Wie können wir das Letztendliche erkennen? Den eigentlichen Grund des Seins? Es gibt nur eine Möglichkeit, mit dem Ultimativen in Kontakt zu kommen

direkt, unmittelbar,

ohne irgendwelche Vermittler,

und die ist – in uns selbst.

Wenn wir all die Türen verschließen und uns nach innen begeben.

23.08.2006 um 15:13 Uhr

Tao Te King 11 (6)

von: tao

Die Entdeckung des schwarzen Lochs hat viele Mysterien gelöst.

Vor ein paar Jahrzehnten ist es in Amerika passiert

dass ein Militärflugzeug auf einem Flug unterwegs war.

Es gab Funkverkehr mit dem Flieger,

aber plötzlich brach die Kommunikation ab. Also wurde ein anderes Flugzeug

losgeschickt, um nach dem ersten Flugzeug zu suchen. Was war geschehen?

Aber nach genau derselben Zeitdauer, nach einer halben Stunde,

brach auch mit dem zweiten Flugzeug die Kommunikation ab.

Nun wurde es gefährlich. Es wurden also drei Flugzeuge zusammen losgeschickt

in dieselbe Richtung, um die ersten zwei Flugzeuge zu finden.

Nach exakt einer halben Stunde waren auch diese drei Flugzeuge verloren gegangen,

der Funkverkehr war abgebrochen.

Und nichts ist jemals wieder über diese fünf Flugzeuge gehört worden

was mit ihnen passiert war. Sie ließen keine einzige Spur zurück.

Wenn sie abgestürzt wären, wären sie gefunden worden

Denn sie konnten nicht unentwegt für immer und ewig weiterfliegen.

Was war passiert? Inzwischen wird spekuliert

dass sie plötzlich auf ein schwarzes Loch gestoßen sind,

und sie flogen einfach hinein und verschwanden.

Wenn man darin gefangen ist,

verschwindet einfach alles, nicht eine einzige Spur bleibt zurück,

denn Materie wird Nicht-Materie, wir „entmaterialisieren“.

Das Wort Materialisation ist ja schon bekannt;

man hat von Wundern gehört, dass es Leute gegeben hat

die aus dem Nichts Dinge materialisieren können.

Aber das Wort „Entmaterialisation“ ist noch ziemlich unbekannt,

dass Dinge einfach zur „Nicht-Materie“ werden können, dass sie einfach verschwinden.

22.08.2006 um 23:59 Uhr

Tao Te King 45 (4)

von: tao

Die Worte fallen immerzu auf unsere Ohren, aber innerlich passiert nichts,

sie kommen nicht durch. Wir geben ihnen nicht

unsere Aufmerksamkeit, unsere Energie, unsere Bewusstheit,

und sie können nur auf unserer Aufmerksamkeit und Bewusstheit reiten,

um nach innen durchzudringen.

Wir hören ihnen einfach zu –

wir hören, als wenn wir im Schlaf wären und jemand würde reden;

wir hören zu, als wenn wir tot wären.

Leben bedeutet Intensität des Lebens.

Wir leben auf so eine verwässerte Art und Weise, so unkonzentriert, so verstreut,

dass wir nie soweit kommen, kennen zu lernen, was das ist, das wir Leben nennen.

Dann werden wir kontinuierlich eines tun

und das wird Missverstehen sein –

all unser Verstehen wird dann Missverstehen sein.

Wenn wir zu einem Menschen gehen und wenn er sich gemäß unserer Ideen verhält

dann werden wir ein Missverstehen haben;

wenn er sich nicht gemäß unserer Vorstellungen verhält

auch dann werden wir ihn missverstehen.

Wir haben fixe Ideen, feste Vorstellungen. Die erlauben uns das Verstehen nicht.

Wir haben Formeln

und ein Mensch mit Verstehen hat keine festen Vorstellungen über sich selbst;

er lebt im Moment, er lebt frei.

Ein Mensch des Tao lebt im Moment, er lebt ihn spontan,

und er folgt keiner Ideologie.

Ideologien sind nur für Narren, dumme Leute, die nicht wachsam sind.

Sie sind ein Ersatz, Substitute für Bewusstheit.

Aber wie werden wir dann einen Menschen verstehen können, der frei ist?

21.08.2006 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 18/12

von: tao

„Chu’i, der Zeichner

konnte Kreise freihändig vollkommener zeichnen

als mit einem Zirkel.

Seine Finger brachten hervor

spontane Formen von nirgendwo.

Sein Denken war währenddessen frei und unbekümmert

um das, was er gerade tat.

Kein Mitdenken war nötig,

sein Denken war  vollkommen einfach

und kannte kein Problem.

Wenn also der Schuh passt,

ist der Fuß vergessen,

wenn der Gürtel passt,

ist der Bauch vergessen,

wenn das Herz richtig ist,

sind „dafür“ und „dagegen“ vergessen.

Kein getrieben sein, kein sich gezwungen fühlen,

kein „das brauche ich unbedingt“, kein „das zieht mich unwiderstehlich an“,

dann sind deine Angelegenheiten

unter Kontrolle.

Du bist ein freier Mensch.

Mühelos ist richtig. Beginn richtig

und du hast es leicht.

Geh weiter auf dem leichten Weg und du bist richtig.

Der richtige Weg, mühelos zu gehen

ist, den rechten Weg zu vergessen

und zu vergessen, dass das Gehen leicht ist.“

Fröhlich

20.08.2006 um 01:04 Uhr

Tao Te King 43 (3)

von: tao

Wir können nicht laufend nur nehmen, wir müssen auch geben.

Im Leben gibt es keinen Geiz; das Leben nimmt nur, um zu geben.

In der Sufigeschichte (22.09.05) war der Eichenhain bereit zu geben, er war schwanger:

Er war wie eine Frau, schwanger mit einem Kind, das geboren werden sollte.

Der Eichenhain begann seine eigenen Vibrationen zu erzeugen

rund um den Wald herum für jeden, der kommen und das Geschenk annehmen sollte.

In diesem Wirbelwind wurde der Bettler gefangen.

Der Bettler war ein gewöhnlicher Mensch,

weder sehr gut noch sehr schlecht,

nichts Spezielles – tatsächlich ein wenig ausgeglichener

als der Derwisch, der ein guter Mensch, ein Heiliger war.

Dieser Bettler war manchmal ein Sünder und manchmal ein Heiliger –

nichts Besonderes. Und er konnte nichts erwarten

denn er hatte niemals auch nur gebetet, er war nicht einmal ein gläubiger Mensch.

Er war so sehr engagiert in den gewöhnlichen Aktivitäten dieser Welt

dass seine Gier niemals den Punkt erreicht hatte,

wo sie in eine Jenseitserwartung umschlägt.

Als er den Hain betrat

war er einfach, normal und unschuldig wie ein Kind.

Dann wurde er plötzlich transformiert.

Er war nicht selbstbewusst: Das ist der Schlüssel.

Er war eigentlich gar nicht auf der Suche nach Gott.

Wenn wir auf der Suche sind, werden wir es verpassen,

und wenn wir zu versessen danach suchen, werden wir es sicherlich verfehlen.

Aber wenn wir einfach entspannen, dann begegnen wir vielleicht dem Tao,

denn Tao kommt zu uns

wenn wir nicht speziell hinter ihm her sind.

19.08.2006 um 02:14 Uhr

Tao Te King 16 (7)

von: tao

Erst wenn der Tod ein Freund wird

nur dann wird das Leben auch ein Freund.

Dies mag paradox erscheinen, aber es ist so,

nur oberflächlich gesehen ist es paradox.

Wenn Tod der Feind ist, dann ist tief innen auch das Leben der Feind,

denn das Leben führt zum Tod.

Jede Art von Leben führt zum Tod –

das Leben des armen Menschen, das Leben des reichen Menschen,

ein Leben des Erfolgs und ein Leben des Versagens,

das Leben des weisen Menschen und das Leben eines Ignoranten,

das Leben eines Sünders und eines Heiligen.

Alle Sorten von Leben, wie unterschiedlich auch immer, sie führen zum Tod.

Wie können wir verliebt ins Leben sein, wenn wir gegen den Tod sind?

Dann ist unsere Liebe gar nichts anderes als ein Besitzdenken,

unsere Liebe ist nichts als ein Festhalten.

Gegen den Tod klammern wir uns an das Leben, aber wir können sehen

dass genau dieses Leben uns dem Tod jeden Tag näher bringt.

Wir sind also dem Untergang geweiht, all unsere Anstrengungen sind zum Scheitern verurteilt. Und dann kommt Beklemmung auf, das ganze Wesen erzittert.

Wir leben und zittern am ganzen Leibe, und dann werden wir gewalttätig und drehen durch.

Im Westen ist das Verhältnis geisteskranker Menschen zur Gesamtbevölkerung

viel höher als im Osten. Der Grund dafür ist klar.

Der Westen nimmt an, dass der Tod gegen das Leben ist

aber der Osten hat einen total anderen Standpunkt –

Leben und Tod sind eins, zwei Gesichter desselben Phänomens.

Akzeptieren wir erst einmal den Tod, sind viele Dinge augenblicklich akzeptiert.

Plötzlich sind wir zu Hause.

18.08.2006 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (2)

von: tao

Und die Tiere…

Sie sind bloß da, um benutzt und ausgebeutet zu werden, wir gehören nicht zu ihnen.

Das ist der Grund, warum, als Darwin zuerst verkündete

dass der Mensch aus dem gleichen Erbgut gekommen ist wie die Tiere,

dass er zur tierischen Welt gehört,

alle Welt gegen ihn war.

Von jeder Kirchenkanzel aus, in jedem Tempel,

in jeder Moschee, wurde er als ein Ketzer verdammt.

Sie sagten, er würde etwas absolut Falsches lehren

und wenn man ihm Glauben schenken würde, wäre die ganze Kultur dem Untergang geweiht.

Aber er hatte recht.

Der Mensch ist so natürlich wie andere Tiere, Bäume und Vögel;

und Bäume und Vögel und Tiere sind nicht neurotisch,

sie werden niemals verrückt – es sei denn, man steckt sie in einen Zoo.

In einem Tiergarten passiert es, Tiere werden neurotisch.

Auch nur im Kontakt mit Menschen zu sein ist gefährlich.

Der Mensch ist ansteckend.

Manchmal drehen Hunde durch, aber niemals, wenn sie wild sind,

nur wenn sie domestiziert sind. Haustiere schnappen über;

mit dem Menschen zusammenzuleben heißt mit etwas Unnatürlichem zusammenzuleben,

sie fangen an, Dinge zu tun, die sie in der Wildnis niemals getan haben;

sie werden homosexuell, sie werden neurotisch, sie morden,

und manchmal haben sie sogar versucht, sich selbst umzubringen.

Was geschieht, wenn wir einen Hund in unser Zuhause bringen?

Wir fangen sofort an, ihn zu belehren, als wenn ihm etwas fehlen würde.

Er ist perfekt! Jeder Hund wird vollkommen geboren.

Die Natur hat ihm alles gegeben, was nötig ist.

Fröhlich

17.08.2006 um 02:25 Uhr

Tao Te King 11 (5)

von: tao

Leben und Tod sind nicht zweierlei Dinge, sondern zwei Flügel,

zwei Flügel desselben Phänomens.

Die Wissenschaft hat immer gedacht, dass der Taoismus in Paradoxen redet,

irrational und unlogisch ist, aber gerade innerhalb der letzten paar Jahrzehnte,

ist in der Wissenschaft, speziell in der Astrophysik, ein Phänomen aufgekommen

das sehr hilfreich sein kann für das Verstehen

dieses Zusammentreffens von Sein und Nicht-Sein.

Dieses Phänomen wird das schwarze Loch genannt.

Die Wissenschaft ist irgendwie zu der Vermutung gekommen, im Weltraum existieren dort

ein paar Raumfelder, die Löcher sind, schwarze Löcher, Nicht-Seiende.

Zu Beginn war es schwierig, sich das vorzustellen

aber nach und nach ist das Konzept immer klarer geworden;

denn die Wissenschaft spürt auch

dass alles zusammen mit seinem Gegenteil existiert.

Wie kann die Existenz existieren ohne Nicht-Existenz?

Das Leben existiert mit dem Tod, die Liebe existiert mit dem Hass,

das Mitgefühl mit der Wut – wie kann die Existenz bloß existieren

ohne dass Nicht-Existenz da ist, irgendwie darin involviert ist?

Sie muss da sein. Sie forschten, und dann bekam ein Mann

den Nobelpreis für die Entdeckung der schwarzen Löcher.

Die schwarzen Löcher sind nicht-existentielle Löcher im Raum

wo nichts existiert, nicht einmal Raum.

Und sie sind sehr gefährliche Phänomene

denn wenn etwas in ein schwarzes Loch hineingeht, verschwindet es einfach

denn das schwarze Loch verwandelt alles in Nicht-Existenz.

Ein schwarzes Loch bedeutet die Macht der Nicht-Existenz,

die Macht des Nicht-Seins.

Sonstige

16.08.2006 um 17:17 Uhr

Quellender Urgrund 1/5 (3)

von: tao

Was bei dieser Parabel als erstes auffällt, ist, dass Konfuzius nur auf Äußerlichkeiten schaute; und er ließ sich täuschen – so sehr täuschen, dass er den Mann „Meister“ nannte.

Er sagt:

„Meister, was ist der Grund für deine Freude?“

Und das ist es doch, Freude hat keinen Grund, Freude kann keinen Grund an sich haben. Wenn Freude irgendeinen Grund hat, ist es überhaupt keine Freude: Freude kann nur ohne irgendeinen Grund sein, unverursacht. Eine Krankheit hat einen Grund, aber Gesundheit? Gesundheit ist natürlich. Wenn wir zum Arzt gehen und ihn fragen: „Warum bin ich gesund?“, kann er uns keine Antwort geben. Wenn wir zum Arzt gehen und ihn fragen: „Warum bin ich krank?“, kann er uns eine Antwort geben, denn Krankheit hat einen Grund. Er kann unseren Fall diagnostizieren, und er kann die Ursache herausfinden, warum wir krank sind; aber noch niemand ist imstande gewesen, einen Grund dafür herauszufinden, warum der Mensch gesund ist. Gesundheit ist natürlich, Gesundheit ist so, wie es sein sollte. Krankheit ist so, wie es nicht sein sollte, Krankheit bedeutet, etwas ist schief gelaufen. Wenn alles gut läuft, ist man gesund. Wenn alles im Einklang ist, ist man gesund. Wenn man in Harmonie mit dem Ganzen ist, ist man gesund. Da gibt es keinen Grund dafür.

Aber Konfuzius fragt:   „Meister, was ist der Grund für deine Freude?“

Und wieder macht sich Liä Dsi über Konfuzius lustig, auf die äußerst subtile taoistische Art und Weise. Er sagt damit, dass die ganze konfuzianische falsche Einstellung in genau dieser Fragestellung liegt: Konfuzius denkt, es gibt „Gründe“ für Freude. Es kann aber keinerlei Gründe für Freude geben. Freude ist einfach – unerklärt, unerklärlich. Wenn sie da ist, ist sie da; wenn sie nicht da ist, ist sie nicht da. Wenn sie nicht da ist, können wir die Gründe herausfinden, warum sie nicht da ist; aber wenn sie da ist, können wir nicht irgendwelche Gründe finden, warum sie da ist. Und wenn wir die Gründe zeigen können, warum sie da ist, dann ist unsere Freude kultiviert, nicht real, nicht wahr, nicht authentisch. Dann fließt sie eben nicht aus unserem innersten Kern; dann es ist bloß so, dass wir sie zustande bringen, dass wir uns manipulieren, dass wir sie vortäuschen.

15.08.2006 um 13:18 Uhr

Quellender Urgrund 4/8 (2)

von: tao

Eine Parabel…. Es war einmal, da lebte im Garten eines Meisters ein Affe. Und, da Affen neugierige Leute sind, wurde er sehr neugierig auf den Meister. Er sah den Meister still dasitzen, nichts tun, und nach und nach begann er, ihm näher zu kommen – was tut dieser Mensch da? Es war ein Mysterium. Sicherlich, für einen Affen ist es äußerst mysteriös, wenn jemand still dasitzt und nichts tut. Ruhelosigkeit ist ganz natürlich für einen Affen, also wenn jemand in Stille ruht …? Ist dieser Mann verrückt geworden? Allmählich kam er ihm immer näher, um ihn zu beobachten. Je näher er ihm kam, desto mehr erstaunte es ihn. Nicht nur, dass der Mensch still war, sondern auch der Raum um ihn herum war ganz, ganz ruhig. Sogar der Affe konnte die Schwingung spüren, als er immer näher kam. Dann begann er den Mann zu lieben, und einfach in seiner Nähe zu sein, wurde zu einem seiner Hobbies. Wann immer er die Zeit finden konnte und wann immer der Meiste im Garten saß, kam er näher und saß an seiner Seite. Eines Tages sagte er zu dem Meister: „Was tust du da? Bitte teile mir das auch mit. Ich unterwerfe mich deiner Führung. Nimm mich als einen Schüler an.“ Der Meister sah den Affen an, empfand großes Mitgefühl für ihn und sagte: „Ich tue gar nichts. Du kannst das auch tun. Es ist Nicht-Tun. Still dasitzen, der Frühling kommt und das Gras wächst von selbst. Sitz also einfach still da. Wenn der rechte Moment kommt, bist du plötzlich erfüllt von ungeheurer Freude, Frieden und Tao. Du solltest also gar nichts tun. Alles, was von deiner Seite aus getan wird, ist eine Störung, erzeugt Wellen, schafft Frequenzen. Und wenn dein Denken Wellen schlägt, kann sich Tao nicht einstellen. Wenn das Denken eine ruhige Oberfläche ist, wenn alles still und friedlich ist, tritt Tao ein. Es stellt sich durch die Türe des Schweigens ein – aber das ist nur möglich, wenn du kein Tuender bist. Du kannst es also machen, du kannst es versuchen.“ Der Affe schüttelte den Kopf. Er sagte: „Das ist unmöglich. Ich dachte, wenn es etwas wäre, das ich tun könnte, würde ich es tun, aber das ist unmöglich. Wenn du mir sagen würdest, ich soll den Mond holen, könnte ich ihn bringen; wenn du mir sagtest, den Himalaja zu entfernen, könnte ich das tun; wenn du mir sagtest, ich solle den Ganges zwingen, stromaufwärts zu fließen, ich könnte das tun – denn es ist bekannt, dass in den ganz alten Tagen, vor langer Zeit, Affen wie Hanuman dies getan haben. Ich bin ein Affe, ich habe das Potential dafür, ich kann das auch tun, aber still dasitzen, nichts tun? Mein Herr, das ist unmöglich. Es ist gegen meine Natur, es würde mich in den Wahnsinn treiben. Wenn Tao durch das Schweigen kommt, dann ist Tao nicht für mich und ich bin nicht für Tao.“

Das menschliche Denken ist nichts als ein Affe.

14.08.2006 um 13:35 Uhr

Tao Te King 1 (15)

von: tao

So entstand also dieses kleine Buch,

das Buch von Lao-tse, "Tao Te King":

Er musste es schreiben,

denn sein Schueler haette ihm sonst den Grenzuebergang nicht gestattet.

In drei Tagen brachte er es zu Ende.

Dies ist der erste Satz des Buches:

"Das Tao, von dem man reden kann,

Ist nicht das Absolute Tao."

Das erste, was er sagen muss

ist: Was auch immer gesagt werden kann, kann nicht wahr sein.

Dies ist die Einleitung fuer das Buch.

Es macht uns einfach darauf aufmerksam:

Nun werden Worte folgen, falle den Worten nicht zum Opfer.

Denke an das Wortlose,

erinnere dich dessen, was nicht kommuniziert werden kann

durch Sprache, durch Worte.

Das Tao kann kommuniziert werden,

aber es kann nur vermittelt werden von Sein zu Sein.

Es kann uebermittelt werden, wenn wir mit einem Menschen des Tao zusammen sind,

einfach bei diesem Menschen sein, ohne etwas zu tun, ohne irgendetwas zu praktizieren.

Es kann kommuniziert werden, bloss durch das Zusammensein mit einem Menschen des Tao.

Warum kann die Wahrheit nicht gesagt werden? Was ist die Schwierigkeit?

Die Wahrheit kann aus vielen Gruenden nicht gesagt werden.

Der erste und grundsaetzlichste Grund ist:

Wahrheit wird immer im Schweigen verwirklicht.

Wenn unser inneres Gerede aufgehoert hat, dann wird sie realisiert.

Und das, was in der  Stille verwirklicht wird, wie kann es durch einen Ton gesagt werden?

13.08.2006 um 15:21 Uhr

Tao 186

von: tao

Um Tao zu verstehen, kann das Denken nicht benutzt werden,

Verwenden wir erst einmal das Denken dafür, haben wir den springenden Punkt verfehlt.

Schweigen muss im Schweigen verstanden werden;

eine Botschaft ohne Worte muss wortlos verstanden werden.

Wenn wir versuchen, sie durch Worte und durch Denken zu verstehen

werden wir scheitern, wir werden sie missverstehen.

Dann hat sich unser eigenes Denken eingeschaltet und wir werden es interpretieren

und es wird nicht mehr rein und unverfälscht sein, es wird nicht dasselbe sein.

Und wenn wir uns dann fragen, was wir tun sollten, stellen wir eine falsche Frage

denn die Frage nach dem „Wie“ entsteht aus dem Denken.

„Wie?“ ist keine Frage hier

Besser wäre es, still zu sein, nichts zu tun, schon gar nicht zu versuchen, es zu interpretieren,

in keiner Weise den Versuch zu unternehmen, sich da einzumischen –

besser wäre es, es sich auf unser ganzes Wesen ausbreiten zu lassen.

Wir sind vielleicht nicht in der Lage, es schon jetzt zu identifizieren

denn es ist viel weiter als das Denken

und alle Identifikationen sind vom Denken.

Wir mögen nicht fähig sein, es zu entziffern, seine Bedeutung zu dekodieren,

aber das ist nicht nötig.

Wir können die wortlose Botschaft unser wortloses Zentrum erreichen lassen.

Das ist ein tiefer Kontakt, und der Kontakt ist die Bedeutung;

es ist ein tiefgehendes Eindringen, und dieses In-sich-Hineinlassen ist der Sinn.

Wir gehen an einem Rosenbuch vorüber und schauen auf eine Rosenblüte.

Was ist der Sinn? Wenn wir anfangen, über die Rosenblüte nachzudenken,

schaltet sich das Denken ein und die Rosenblüte ist verloren;

dann erzeugt das Denken eine Wand von Worten, Gedanken, Konzepten

und wir können die Rosenblüte dort nicht einmal mehr sehen.

13.08.2006 um 01:06 Uhr

Tao Te King 47 (12)

von: tao

Lao-tse sagt:

„Ohne aus seinen Türen hinauszuschreiten

kann man wissen, was in der Welt geschieht.

Ohne aus seinen Fenstern hinauszuschauen

kann man das Tao des Himmels sehen.“

Es ist nicht nötig, aus den Fenstern herauszuschauen –

die Fenster sind unsere Sinne:

Augen, Ohren, Nase – dies sind die Fenster,

es besteht keine Notwendigkeit, aus diesen Fenstern zu schauen.

„Ohne aus seinen Fenstern zu sehen

kann man das Tao des Himmels sehen.“

Wir können das Äußerste innen sehen.

Habt ihr Buddha-Bilder gesehen,

still dasitzend mit geschlossenen Augen, bewegungslos?

Es gibt Geschichten in Indien über Leute, die so lange in Meditation verblieben

dass Vögel sich auf ihren Körpern niederließen, sie machten ihre Nester in ihrem Haar,

und Ameisen krabbelten so lange auf ihnen herum

dass diese Ameisen komplett vergaßen, dass hier ein Mensch sitzt.

Sie begannen, dort zu leben.

Was taten diese Menschen?

Kriechtiere krabbelten auf ihrem Körper herum

und dachten, es wäre ein guter Aufenthaltsort.

So unbeweglich, was taten diese Menschen da?

Sie taten gar nichts.

Indem sie all ihre Fenster verschlossen

schauten sie auf den Glanz der Herrlichkeiten,

sie schauten auf sich selbst.