Taoistische Reflektionen

10.09.2006 um 02:56 Uhr

Tao Te King 43 (5)

von: tao

Ob man einem wirklichen bhikkhu etwas gibt oder nicht, ist unwichtig,

Er dankt uns, wenn wir ihm etwas geben, er dankt uns, wenn wir ihm nichts geben –

wenn er nämlich uns nicht danken kann, wenn wir nichts gegeben haben

dann war er kein Empfänger, dann war etwas Aggression in ihm.

Dann wartete er mit Erwartungen

dass ihm etwas gegeben werden würde und:

Wenn dies gegeben wird, werde ich danken,

wenn es nicht gegeben wird, dann werde ich verfluchen.

In indischen Sprachen haben sie zwei Worte für Bettler:

Den „richtigen“ Bettler nennen sie einen bhikkhu oder bhikshu;

den „falschen“ Bettler nennen sie einen bhikhari.

Die Worte kommen von derselben Wurzel,

aber ein bhikhari ist kein bhikkhu und ein bhikkhu ist kein bhikhari.

Ein richtiger Bettler bettelt ohne Erwartung, er erhebt keinen Anspruch.

Wie können wir etwas beanspruchen? Wenn wir keinen Geltungsanspruch haben, sind wir nicht aggressiv, wenn wir nicht aggressiv sind, danken wir,

und ob uns etwas gegeben wird oder nicht, ist irrelevant.

Der Mann aus der Sufi-Geschichte vom 22.09.2005 war ein Bettler, aber er muss ein bhikkhu gewesen sein, kein bhikhari. Er muss ein „rechter“ Bettler gewesen sein.

Er betrat den Hain und erreichte Erleuchtung –

wurde ein Buddha in achtzehn Stunden.

Dies ist die Schönheit der Untätigkeit.

Er tat gar nichts von sich aus,

er erlaubte sich einfach, dort zu sein. Er blieb erreichbar,

das ist alles. Und was auch immer passierte, das geschah,

er war bloß ein Zuschauer, ein Zeuge dieses Geschehens.

Dieser Bettler kann nicht sagen: Ich erlangte Buddhaschaft.

Wie kann er das sagen? Es gab keinen, der es erreichte, keinen Vollender,

da war keiner, der versuchte, irgendetwas zu erreichen.

Er begab sich einfach in das Unbekannte hinein.

Traurig

09.09.2006 um 22:25 Uhr

Südliches Blütenland 1 (1)

von: tao

„Wenn ein Bogenschütze nur zum Spaß schießt

steht ihm seine ganze Geschicklichkeit zur Verfügung.

Wenn er um eine Gürtelschnalle aus Bronze schießt

ist er schon nervös.

Wenn er um einen Preis aus Gold schießt

dann versagt sein Sehvermögen

oder er sieht auf einmal zwei Ziele –

er ist nicht mehr bei Sinnen.

Seine Kunstfertigkeit hat sich nicht geändert,

aber der Preis teilt ihn.

Er macht sich Sorgen.

Er denkt mehr an das Gewinnen

als an das Schießen –

und der Drang, zu gewinnen

beraubt ihn seiner Kraft.“

Wenn das Denken voll von Träumen ist

können wir nicht mehr richtig sehen.

Wenn das Herz voll von Sehnsüchten ist

können wir nicht mehr richtig fühlen.

Wünsche, Träume und Hoffnungen –

die Zukunft verstört uns und macht uns geteilt.

Aber was auch immer ist, es ist in der Gegenwart.

Das Verlangen führt uns in die Zukunft,

und das Leben ist hier und jetzt.

Die Realität ist hier und jetzt,

und die Sehnsucht verleitet uns in die Zukunft hinein.

Dann sind wir nicht mehr hier.

Wir schauen, aber trotzdem sehen wir nicht,

wir hören, aber trotzdem entgeht es uns,

wir fühlen, aber das Gefühl ist matt und trübe.

Verrückt

08.09.2006 um 03:01 Uhr

Tao 192

von: tao

Wenn wir feiern, wird niemand mit uns sympathisieren, aber wenn wir fasten, dann sind wir den Leuten sympathisch.

Wenn wir in eine Frau verliebt sind, wer wird dann mit uns sympathisieren? Im Gegenteil, die Leute werden neidisch sein. Wir sind im Wettbewerb miteinander. Sie wollten dieselbe Frau für sich selbst. Wir sind ein Feind. Aber wenn wir dem Sex entsagen, zölibatär werden, uns in eine Einsiedelei zurückziehen, dann werden die Leute von weit und fern kommen, um uns ihren Respekt zu zollen – „Hier ist ein großer Asket“ – und dabei sind wir einfach nur unglücklich… aber Unglücklichsein zahlt sich aus. Dieses Unglück kann uns zu einem Heiligen machen.

Das ist die ganze Geschichte der Menschheit gewesen: Das Unglück hat sich immer ausgezahlt, wir haben unglückliche Menschen respektiert. Und wenn wir uns dieses Unglück selbst auferlegt haben, dann erzielen wir damit natürlich noch mehr Respekt; es ist freiwillig. Mahatma Gandhi machte sich in der Welt solch einen großartigen Namen dadurch, weil er freiwillig unglücklich war, weil er sich selbst ein Unglücklichsein auferlegte. Wie kann man da nicht auf ihn aufmerksam werden? Hätte er sein Leben genossen und sich total ausgelebt, ein ganzheitliches und gesundes Leben, wären wir neidisch gewesen, wir wären antagonistisch ihm gegenüber gewesen.

Wenn wir diese Tricks und Strategien des Denkens sehen, werden wir imstande sein, sie aufzugeben. Dann fragen wir nicht nach Aufmerksamkeit, sonst werden wir unglücklich bleiben. Aufmerksamkeit kann uns nur gegeben werden, wenn wir unglücklich sind; das ist ein Teil eines natürlichen Mechanismus.

Das passiert auch in unserem Körper: Wenn wir Kopfschmerzen haben, dann richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf den Kopf – wir vergessen den ganzen übrigen Körper. Wenn wir im Bein einen Schmerz empfinden, dann geht die ganze Aufmerksamkeit zum Bein – wir vergessen den ganzen anderen Körper. Dann wird das Bein ganz wichtig. Es ist gut, dass Beine, Köpfe und Hände keine Politiker sind, sonst würden sie ständig schmerzen, sie würden chronische Schmerzen haben. Es ist gut, dass sie gar kein Ego haben. Hätte das Bein irgendeine Art von Ego, dann würde uns das Bein ständig Probleme bereiten, denn nur, wenn es Probleme gibt, schenken wir ihm unsere Aufmerksamkeit: Wir massieren das Bein, wir pflegen es und kümmern uns um es.

07.09.2006 um 17:09 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (3)

von: tao

Jeder Hund ist von der Natur schon so ausgerüstet worden, dass wir ihm nichts mehr beizubringen brauchen. Aber was tun wir?

Wir versuchen, ihn zu einem Teil der menschlichen Gesellschaft zu machen,

und nun beginnt das Problem.

Jetzt wird sogar der Hund lernen, sich selbst zu verdammen.

Wenn er etwas Falsches tut, fühlt er sich innerlich schuldig;

die Verurteilung hat sich in ihm festgesetzt.

Es geschah einmal, dass ein Vagabund, ein Bettler,

sich an einen reichen Mann heranmachte und ihn um einen Euro bat,

bloß für eine Tasse Kaffee. Der reiche Mann sagte:

Du scheinst doch gesund und kräftig genug zu sein, warum vergeudest du dein Leben?

Warum gehst du nicht zur Arbeit und hilfst dir selbst?

Der Landstreicher sagte, mit abgründigster Verachtung in seinen Augen:

Was! Um dann einem Schnorrer wie mir zu helfen?

In einem fort sind wir dabei, uns nicht zu akzeptieren.

Ganz von Anfang an ist uns beigebracht worden

dass die Natur nicht genug ist, wir müssen mehr als die Natur sein.

Und wir haben es versucht, und diese Anstrengung ist gescheitert –

es ist unmöglich, wir können niemals mehr sein als die Natur.

Und wenn wir uns zu sehr bemühen, werden wir weniger sein als die Natur.

Wir können niemals mehr sein als die Natur, denn die Natur ist perfekt:

Nichts mehr ist nötig, keine Politur ist vonnöten,

keine Anstrengung ist nötig, sie besser zu machen –

sie kann nicht besser gemacht werden.

Aber wenn wir uns zu sehr bemühen

werden wir aus der Vollkommenheit der Natur herausfallen

und wir werden zu einem neurotischen Tier werden.

Der Mensch kommt von den Tieren, aber er ist kein höheres Tier,

er ist ein neurotisches Tier geworden.

Und das Problem ist, dass niemand uns beibringt, uns selbst zu akzeptieren.

06.09.2006 um 23:59 Uhr

Tao Te King 78 (3)

von: tao

Die ersten paar Momente des Lebens sind die wichtigsten.

Die Ärzte, die Eltern,

alle machen sich Sorgen, wenn ein Kind geboren wird.

Wird es atmen? Wird es weinen? Und beginnt dann die Atmung?

Oder wird es tot bleiben?

Und wieder, wie in all den Schöpfungsmythen,

wird Adam in jedem Menschen wiedergeboren.

Das Kind kann nicht von alleine atmen.

Es ist unmöglich, dies von ihm zu erwarten

denn das Kind weiß nicht, wie man atmet,

niemand hat es ihm beigebracht.

Dies wird seine erste Handlung sein,

also kann dies nicht sein Tun sein.

Um das nochmals zu wiederholen:

Dies wird seine erste und signifikanteste Tat sein

das ist der Grund, warum es nicht sein Handeln sein kann.

Wenn Gott es tut – in Ordnung;

Wenn Gott es nicht will – Ende, aus.

Das Ganze muss in ihm atmen,

das ist der Grund, warum diese wenigen Momente

erfüllt sind von Ungewissheit und Spannung,

von Zweifel, Besorgnis und Furcht –

denn beide Möglichkeiten stehen immer noch offen.

Das Kind kann tot bleiben.

Dann kann nichts gemacht werden.

Das Kind kann gar nichts tun,

die Eltern können gar nichts tun,

die Ärzte können nichts tun:

die Menschheit ist hilflos.

Es hängt von der Ganzheit ab.

05.09.2006 um 03:07 Uhr

Tao 191

von: tao

Der Taoist wird sein Leben leben, ohne schon im Voraus Schlussfolgerungen darüber gezogen zu haben. Ohne irgendein vorgefaßtes Urteil muss man sich der Existenz stellen und dann weiß man, was es ist. Wenn wir schon unsere Schlüsse gezogen haben, wird unsere Schlussfolgerung eine Barriere werden, sie wird uns keine eingehende Untersuchung gestatten. Unsere vorgefaßten Meinungen werden zu Scheuklappen werden, sie werden uns nicht erlauben, die Wahrheit zu sehen. Wir werden schon soviel in unsere Vorurteile investiert haben, wir werden die Realität verzerren, bis sie zu unseren Vorurteilen passt. Das ist das, was bis jetzt gemacht worden ist.

Tut man dies aber nicht, dann wird man kein Hindu sein, man wird kein Mohammedaner sein, man wird kein Christ sein, man wird kein Kommunist sein. Dann wird man all diese „ismen“ gar nicht mehr kennen. Man wird einfach eine Offenheit sein, ein sich öffnendes Fenster zur Realität. Man wird die Wirklichkeit so zulassen, wie sie ist. Man wird nicht sein eigenes Denken darauf projizieren, man wird die Realität nicht als eine Leinwand dafür benutzen. Die Augen werden aufnahmefähig sein, offen, sie werden nicht schon voll von Ideen sein.

Dann wird man nicht aus dem Glauben heraus leben, man wird einfach leben. Und nur diejenigen, die einfach ohne Glauben leben können, können zur Erkenntnis dessen kommen, was Wahrheit ist. Der Gläubige oder der Ungläubige kommen niemals dahin, dass sie kennenlernen, was Wahrheit ist – ihre Glaubensvorstellungen lasten zu schwer auf ihrem Denken, sie sind zusehr von ihren Glaubenssystemen umstellt. Dann wird man gar kein Glaubenssystem mehr kennen. Man wird zuschauen, man wird beobachten, man wird sehen, man wird leben, und man wird alle Arten von Erfahrungen zulassen. Man wird zugänglich dafür sein, man wird multidimensional sein. Man wird nicht mehr Schriften im Kopf mit sich herumtragen, man wird nur Achtsamkeit und Bewusstheit mit sich nehmen. Man wird meditativ sein.

Andernfalls lebt man aus der Furcht heraus – sogar Gott ist dann nichts als eine Kreation, geboren aus der Angst. Die Tempel, Moscheen, Synagogen und Kirchen – sie stehen alle aufgrund der Furcht. Man zittert und hat Angst. Als Taoist lebt man aus der Liebe heraus, nicht aufgrund von Ängsten, denn die Furcht dient dem Tod, die Liebe dient dem Leben. Und wenn wir aus Furcht heraus leben, werden wir niemals kennenlernen, was Leben ist, wir werden nur immer wieder Tod kennenlernen.

04.09.2006 um 15:48 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (9)

von: tao

Wir werden niemals den Horizont erreichen,

diesen Punkt, wo die Erde den Himmel beruehrt. Sie begegnen sich niemals.

Es hat bloss den Anschein, ein Erscheinungsbild, was die Hindus maya nennen:

Es sieht so aus, aber es ist nicht so.

Es erscheint so, wenn wir noch in einiger Entfernung davon stehen.

Je näher wir kommen, desto mehr erkennen wir, dass es nicht so ist.

Der Horizont geht immer weiter voraus, er zieht sich vor uns zurueck,

und die Entfernung zwischen uns und ihm bleibt immer dieselbe.

Die Distanz zwischen uns und unserer Sehnsucht

bleibt immer dieselbe. Wie koennen wir sie uns erfuellen?

Wenn wir uns zehntausend Euros wuenschen,

werden wir sie vielleicht eines Tages bekommen. Aber in der Zeit, bis wir sie erhalten,

wird unser Verlangen zehntausendmal weiter in die Hoehe gegangen sein.

Wir haben eintausend Euros,

die Sehnsucht wird nach einhunderttausend verlangen.

Die Entfernung bleibt die gleiche.

Wir moegen einhunderttausend haben -- es macht keinen Unterschied.

Zehnmal soviel, der Wunsch wird der gleiche bleiben.

Beduerfnisse sind einfach. Sie koennen erfuellt werden.

Wir fuehlen uns hungrig und wir essen; wir fuehlen uns durstig und wir trinken;

wir fuehlen uns schlaefrig, wir gehen zu Bett.

Wuensche sind sehr verschlagen und komplex.

Wir sind frustriert, aber nicht wegen unserer Beduerfnisse.

Wir sind enttaeuscht wegen unserer Sehnsuechte.

Und wenn das Verlangen zuviel von unserer Energie abzieht

werden wir auch nicht mehr in der Lage sein, uns unsere Beduerfnisse zu erfuellen,

denn wer ist noch da, der sie befriedigen koennte.

Wir begeben uns in die Zukunft;

wir denken an die Zukunft; unser Denken traeumt davon.

Wer ist dann noch da, um die normalen Beduerfnisse des Alltags abzudecken?

Beschäftigt

03.09.2006 um 12:01 Uhr

Südliches Blütenland 13/10 (3)

von: tao

Wenn Buddha hungrig war, brauchte er Essen, war er schläfrig, brauchte er ein Bett,

war er krank, musste er ruhen – genau wie wir.

Wie können wir glauben

dass er das Letztendliche, das Todlose, erkannte hatte?

Schwierig, fast unmöglich.

Sogar wenn wir uns bemühen, es klappt nicht;

sogar wenn wir uns dazu zwingen, bleibt tief innen ein Zweifel.

Aber jetzt, fünfundzwanzig Jahrhunderte später,

ist Buddha kein Mensch aus Fleisch und Blut mehr.

Er wird niemals krank, er ist niemals hungrig, braucht niemals etwas zum Essen,

benötigt niemals irgendeine Medizin. Er wird nun niemals sterben, er ist unsterblich.

Die Zeit verklärt alles

und nach und nach vergessen wir, dass Buddha zu uns gehörte.

Allmählich wird das tote Abbild golden.

Es steigt höher und höher,

es ist völlig verloren irgendwo im Paradies,

wir können nur noch einen Abglanz davon erhaschen.

Dann, erst dann, können wir es glauben.

Daher spukt die Vergangenheit ständig uns im Kopf herum.

Wenn Buddha wiederkommt, werden wir ihn  zurückweisen.

Das ist der Grund, warum Jesus jetzt verehrt wird

und doch wurde er gekreuzigt, als er am Leben war.

Wenn er lebt, kreuzigen wir ihn; ist er tot, beten wir ihn an.

Warum macht der Tod ihn so bedeutsam, so signifikant?

Der Tod zerstört den Körper, und dann ist die Verbindung zu uns abgebrochen.

Dann haben wir ein spirituelles Abbild:

Blutlos, ohne Knochen, überirdisch, unkörperlich.

02.09.2006 um 15:31 Uhr

Tao 190

von: tao

Je mehr wir uns bemühen, desto mehr werden wir scheitern.
Wenn wir alle Anstrengung sein lassen,
uns einfach akzeptieren, bloß das sind, was wir sind –
plötzlich ist es da!
Es ist immer da gewesen
aber wir suchten so angestrengt,
und das war die einzige Ursache für unser Versäumnis.
Was wir auch immer erreichen wollen: Erleuchtung, Samadhi, Satori oder sonst irgendetwas.
Für den Taoismus sind all diese Worte Unsinn,
denn sie geben uns wieder eine neue Wunschkategorie.
Sie öffnen wieder eine Tür des Verlangens.
In der Welt sehnen wir uns nach Geld, Macht und Prestige;
dann bekommen wir es satt, dann sehen wir, dass das alles bloß Mist ist –
sogar wenn wir es kriegen, haben wir verloren,
wenn wir es nicht kriegen, sind wir sowieso besiegt worden.
Dann überkommt uns das Gefühl, dass diese ganze Sache Unsinn ist.
Dann beginnen wir plötzlich neue Spiele zu spielen: Erleuchtung, Meditation, Yoga,
Gott, die jenseitige Welt, das andere Ufer!
Wieder ist das Denken erleichtert;
eine neue Wunschwelt hat sich eröffnet; nun sind wir hinter diesen Zielen her.
Und Geld ist nicht so schwer fassbar wir Meditation.
Diese Welt ist zumindest solide;
jenes Ufer, jene Welt, die jenseitige Welt, ist absolut Fantasie.
Nun sind wir in einem größeren Schlamassel als zuvor.
Bei der ersten konnten wir erkennen, dass es nutzlos ist,
bei der zweiten wird es nun Millionen von Leben brauchen, bis wir erkennen
dass auch dies nutzlos ist.

01.09.2006 um 23:59 Uhr

Tao Te King 64 (1)

von: tao

Lao-tse sagt:

„Das, was still liegt, ist leicht zu halten;

das, was noch nicht manifest ist

ist leicht zu verhindern;

das, was hinfällig ist (wie Eis), schmilzt leicht;

das, was winzig ist, geht leicht verloren.

Nimm dich einer Sache an, bevor sie angesagt ist;

berichtige die Unordnung, bevor sie überhand nimmt.

Ein Baum mit spannenlangem Umfang

fängt an als ein winziger Spross.

Eine neunstöckige Terrasse beginnt mit einem Erdklumpen.

Eine Reise von eintausend Meilen beginnt vor den eigenen Füßen.

Wer handelt, verdirbt es;

wer danach greift, lasst es entschlüpfen.

Weil der Weise nicht handelt, macht er es nicht kaputt;

weil er es nicht an sich reißt, lässt er es sich nicht durch die Lappen gehen.

Die Angelegenheiten der Menschen werden oft versaut

haarscharf vor der Vollendung,

durch Sorgfältigsein am Ende wie zu Beginn

wird der Fehlschlag abgewendet.

Deswegen wünscht sich der Weise kein Verlangen zu haben,

und schätzt keine Objekte, die schwer zu erhalten sind.

Er lernt das, was man nicht lernen kann,

und stellt das wieder her, was die Masse verloren hat.

So mag er assistieren beim Lauf der Natur

und sich keine Einmischung anmaßen.“

Diese Verse von Lao-tse sind Methoden: Wie gelange ich zum inneren Tao.