Tao Te King 43 (5)
Ob man einem wirklichen bhikkhu etwas gibt oder nicht, ist unwichtig,
Er dankt uns, wenn wir ihm etwas geben, er dankt uns, wenn wir ihm nichts geben –
wenn er nämlich uns nicht danken kann, wenn wir nichts gegeben haben
dann war er kein Empfänger, dann war etwas Aggression in ihm.
Dann wartete er mit Erwartungen
dass ihm etwas gegeben werden würde und:
Wenn dies gegeben wird, werde ich danken,
wenn es nicht gegeben wird, dann werde ich verfluchen.
In indischen Sprachen haben sie zwei Worte für Bettler:
Den „richtigen“ Bettler nennen sie einen bhikkhu oder bhikshu;
den „falschen“ Bettler nennen sie einen bhikhari.
Die Worte kommen von derselben Wurzel,
aber ein bhikhari ist kein bhikkhu und ein bhikkhu ist kein bhikhari.
Ein richtiger Bettler bettelt ohne Erwartung, er erhebt keinen Anspruch.
Wie können wir etwas beanspruchen? Wenn wir keinen Geltungsanspruch haben, sind wir nicht aggressiv, wenn wir nicht aggressiv sind, danken wir,
und ob uns etwas gegeben wird oder nicht, ist irrelevant.
Der Mann aus der Sufi-Geschichte vom 22.09.2005 war ein Bettler, aber er muss ein bhikkhu gewesen sein, kein bhikhari. Er muss ein „rechter“ Bettler gewesen sein.
Er betrat den Hain und erreichte Erleuchtung –
wurde ein Buddha in achtzehn Stunden.
Dies ist die Schönheit der Untätigkeit.
Er tat gar nichts von sich aus,
er erlaubte sich einfach, dort zu sein. Er blieb erreichbar,
das ist alles. Und was auch immer passierte, das geschah,
er war bloß ein Zuschauer, ein Zeuge dieses Geschehens.
Dieser Bettler kann nicht sagen: Ich erlangte Buddhaschaft.
Wie kann er das sagen? Es gab keinen, der es erreichte, keinen Vollender,
da war keiner, der versuchte, irgendetwas zu erreichen.
Er begab sich einfach in das Unbekannte hinein.
