Südliches Blütenland 6/4 (12)
Der Arzt behandelt uns wie ein Objekt.
Er schaut uns an, als wenn er ein Ding betrachtet –
das macht den Unterschied.
Ein Liebender schaut uns nicht wie ein Objekt an –
er wird eins mit uns, er vermischt sich und verschmilzt.
Er kommt zur Erkenntnis des tieferen Kerns unseres Wesens,
aber er hat keine Erklärung.
Er fühlt es, aber Fühlen ist anders.
Er kann nicht darüber nachdenken.
Alles, was gedacht werden kann, ist nicht lebendig.
Gedanken beschäftigen sich mit dem Tod, das Denken handelt immer von toten Objekten;
das ist der Grund, warum es in der Wissenschaft keinen Platz für Gefühl und Gespür gibt.
Das Fühlen gibt der Existenz eine andere Dimension,
die Dimension des Lebendigen.
Diese schöne Geschichte im südlichen Blütenland über die drei Freunde hat uns viele Dinge zu sagen, wenn wir uns Schritt für Schritt in sie hineinbegeben,
und wenn wir zu einer Schlussfolgerung kommen,
dann haben wir das Verständnis verfehlt.
Wenn wir zum Lachen kommen, dann haben wir verstanden.
„Da waren drei Freunde, die diskutierten das Leben.“
Dschuang Dsi ist sehr telegrafisch.
Wie immer, bei denjenigen, die verstehen,
sie werden kein einziges Wort unnötig äußern.
Sie leben mit dem Wesentlichen.
„Da waren drei Freunde, die das Leben erörterten.“
Nur Freunde können das Leben diskutieren.
Immer wenn eine Diskussion antagonistisch wird,
immer wenn eine Diskussion zu einer Debatte wird,
ist der Dialog zerbrochen. Das Leben kann auf diese Weise nicht erörtert werden.
Nur Freunde können sich unterhalten,
denn dann ist diese Diskussion kein Streitgespräch, sie ist ein Dialog.
