Taoistische Reflektionen

31.12.2006 um 14:23 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (6)

von: tao

Die Baeume sind da, aber sie kennen das "Ich" nicht;

die Tiere sind da, aber sie kennen das Ego nicht -

sie leben unbewusst.

Sie leben einfach ohne irgendeinen inneren Kampf oder Zwist.

Wenn sie hungrig sind, suchen sie nach Nahrung;

wenn sie gesaettigt sind, gehen sie schlafen.

Sie machen Liebe, sie essen, sie schlafen,

sie existieren einfach, sie sagen nicht: "Wir sind."

Sie sind bloss Wellen im ungeheuer weiten Ozean des Lebens,

sie kommen und gehen ohne irgendeine Spur zu hinterlassen.

Sie haben keine Geschichte, keine Autobiographie;

sie kommen und gehen, als wenn sie niemals da gewesen waeren.

Läwen haben existiert, Elefanten haben existiert,

aber sie haben keinerlei Geschichte,

sie haben keinerlei Autobiographie.

Ein Läwe kommt wie eine riesengrosse Welle und dann verschwindet er;

keine Spur bleibt zurueck.

Das Ego hinterlaesst Spuren, Fussspuren.

Wenn das Ego nicht sterben mächte,

dann werden Autobiographien geschrieben, dann wird Geschichte gemacht.

Und dann kommt die ganze Torheit -- Neurose.

Um das Ego zu erschaffen, hat der Mensch einen Konflikt erschaffen,

und dieser Konflikt hat zwei Aspekte:

Der eine Aspekt betrifft die aeussere Natur -

auf diese Weise wird die Wissenschaft erzeugt.

Die Wissenschaft ist ein Kampf mit der Natur im Aussen, der Natur um uns herum.

Das ist der Grund, warum sogar eine Person wie Bertrand Russell

laufend in Begriffen redet, die von der Eroberung der Natur handeln.

Wie kännen wir die Natur erobern?

Wie kann eine Welle den Ozean erobern?

Das ist patenter Schwachsinn!

30.12.2006 um 03:18 Uhr

Südliches Blütenland: Die Flucht vor dem Schatten (4)

von: tao

Wenn wir nach und nach mehr Feiern und weniger Ärger,

mehr Glücklichsein und weniger Gier, mehr Freude und weniger Sex fühlen,

dann sind wir auf den richtigen Weg gestoßen. Es ist nicht anders herum.

Wenn eine Person ihr Leben in seiner Totalität zelebrieren kann,

verschwindet alles, was falsch ist,

aber wenn wir versuchen, Vorkehrungen zu treffen

damit das Falsche verschwindet, verschwindet es niemals.

Es ist genau wie das Kämpfen mit der Dunkelheit.

Unser Haus ist erfüllt von Dunkelheit und wir fragen:

Wie kann ich da eine Kerze anzünden?

Bevor ich eine Kerze anzünde, muss doch erst diese Dunkelheit zerstreut werden.

Das ist das, was wir gemacht haben.

Wir sagen, dass zuerst die Gier vergehen muss,

dann wird da Samadhi und Ekstase sein.

Wir sind töricht!

Wir sagen, dass zuerst die Dunkelheit vergehen muss

dann können wir eine Kerze anzünden – als wenn Dunkelheit uns behindern kann.

Dunkelheit ist eine Nicht-Wesenheit, sie ist nichts,

sie hat nichts Festes an sich.

Sie ist bloß eine Abwesenheit, keine Gegenwart,

sie ist bloß die Abwesenheit von Licht.

Mach das Licht an und die Dunkelheit verschwindet.

Feiere, werde eine wonnevolle Flamme,

und all das, was falsch ist, verschwindet.

Wut, Gier, Sex, oder was auch immer sonst du nennst, sie sind nichts Solides,

sie sind bloß die Abwesenheit eines glücklichen, ekstatischen Lebens.

Weil wir uns nicht freuen können, sind wir zornig.

Es ist nicht so, dass jemand unseren Zorn erzeugt –

weil wir nicht genießen können, sind wir in solchem Unglück,

das ist der Grund, warum wir wütend sind. Die anderen sind nur Ausflüchte.

Weil wir nicht feiern können

kann sich für uns keine Liebe ereignen – daher der Sex.

29.12.2006 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (3)

von: tao

Die Meinung der anderen ist uns mehr wert als unser Wesen.
Wir schauen in die Augen anderer, als wenn sie Spiegel wären
und wenn sie uns Wertschätzung erweisen, wenn sie uns applaudieren, fühlen wir uns gut.
Das Ego ist ein falsches Phänomen.
Es ist die Ansammlung der Meinungen anderer,
es ist kein Wissen über das Selbst.
Dieses Selbst, das so genannte Selbst, das in Wirklichkeit das Ego ist,
ist nichts als die Akkumulation von Reflektionen –
und dann ist da immer Furcht.
Denn die anderen ändern vielleicht ihre Meinung, wir sind immer abhängig von ihnen.
Wenn sie sagen, dass wir gut sind
dann müssen wir ihren Regeln folgen, um gut zu bleiben,
wir müssen ihnen folgen, um gut in ihren Augen zu bleiben,
denn ändern sie erst einmal ihre Meinung
werden wir nicht mehr gut sein.
Wir haben keinen direkten Zugang zu unserem Wesen, es geht über die anderen.
Also machen wir nicht nur Werbung für uns, wir übertreiben, wir verfälschen.
Wir mögen eine kleine Wahrheit haben, etwas Schönheit,
aber wir vergrößern sie und es wird lächerlich.
Mulla Nasrudin hielt sich für einen großen Schriftsteller.
Also fragte ihn jemand: Was hast du geschrieben?
Er sagte: Ich habe gerade Hamlet beendet.
Der andere konnte seinen Ohren nicht trauen, also fragte er ihn wieder:
Hast du jemals von so einem Burschen gehört, der als William Shakespeare bekannt ist?
Mulla Nasrudin sagte: Das ist seltsam, denn schon früher,
als ich Macbeth schrieb, fragte mich jemand dasselbe.
Und er fragte weiter: Wer ist dieser Mann William Shakespeare?
Es hat den Anschein, dass er mich laufend kopiert.
Was auch immer ich schreibe, das schreibt er auch.
Wir denken, dass jeder uns kopiert
und die Realität ist, dass wir laufend jeden anderen kopieren.

28.12.2006 um 00:00 Uhr

Tao 230

von: tao

Wenn wir erst einmal verstehen,

wenn wir erst einmal eine Schicht fallenlassen, dann fühlen wir eine Frische aufsteigen.

Wir werden neu.

Dann nimmt der Mut zu.

Dann die Hoffnung.

Dann fühlen wir uns zuversichtlicher.

Dann können wir Schicht für Schicht abschälen.

Je mehr wir schälen, desto stiller,

desto glücklicher, desto wonnevoller werden wir.

Nun sind wir auf der richtigen Spur.

Nun dauert es nicht mehr sehr lange, bis wir die ganze Zwiebel wegwerfen.

Aber es ist gut, Schicht für Schicht abzuschälen,

denn es ist uns vielleicht nicht möglich

die ganze Zwiebel auf einmal wegzuwerfen.

Auch das ist eine Möglichkeit,

es ist manchmal passiert,

aber es geschieht in einem intensiven Verstehen

das normalerweise nicht zugänglich ist.

Es gibt zwei Wege, das Erwachen zu erlangen: Der eine, plötzlich;

der andere, allmählich.

Die plötzliche Geschichte geschieht sehr selten, aber sie kommt vor.

Der allmähliche Weg ist leichter

denn dann ist es nicht erforderlich, gleich die ganze Zwiebel wegzuwerfen;

das würde zuviel sein.

Wir werden uns dazu überreden können, erst einmal bloß die erste Schicht abzuschälen

die ja schon dreckig geworden ist – und wir spüren es ja auch, dass sie schmutzig ist;

soviel Staub hat sich auf ihr angesammelt,

und sie ist schon so trocken geworden,

und wir sind so sehr eingezwängt in ihr

und sie schrumpft laufend immer weiter,

und sie ist zu einem Gefängnis geworden.

Wütend

27.12.2006 um 00:00 Uhr

Tao 229

von: tao

All unsere Nahrung ist ein Opfer an den Gott im Inneren. Wir brauchen bloß respektvoll sein. Das sind wir, wenn wir mit Gefühl essen, wenn wir mit Dankbarkeit essen. Das Essen gibt uns Leben, es wird uns vitalisieren, es wird unser Blut werden und unsere Knochen. Wir können dafür Dankbarkeit empfinden – ohne dies würden wir nicht am Leben sein, das ist ein Grund, dankbar zu sein. Und wenn wir still essen, meditativ, und unser Denken währenddessen nicht hierhin und dorthin saust, wenn wir total da sind, wenn unsere Aufmerksamkeit perfekt ist, dann ist es eine Opfergabe. Wir haben die Speise Gott dargebracht, denn wir sind nichts als Gottes Hand, sein Instrument. Wie sollten wir sonst ein Speiseopfer darbringen? Gott selbst isst durch uns, wenn wir also Gott überfüttern, wird er Bauchweh bekommen, wenn wir Gott aushungern, wird er Hunger leiden.

Doch es gab und gibt immer noch Leute, Gandhi war ein prominentes Beispiel dafür, die folgenden Unsinn verkünden: „Es ist eine Sünde, für die Zunge zu essen“. Für was dann sollen wir essen? Dann ist es eine Sünde, für das Auge zu sehen, für was sonst werden wir sehen? Dann ist es eine Sünde, für das Ohr zu hören, für was dann werden wir hören? Dann bleibt nichts mehr für uns – wir können Selbstmord begehen, denn das ganze Leben ist für die Sinne. Was wir auch immer tun, die Sinne mischen sich ein. Es geschieht durch die Sinne, dass wir fließen und in eine Beziehung zum Leben kommen. Wenn wir mit Geschmack essen, ist Gott in uns erfüllt und befriedigt; wenn wir mit Geschmack essen, wird Gott in der Nahrung respektiert.

Aber unsere Mahatmas und Gurus, unsere sogenannten „religiösen Führer“, sie haben uns Selbstquälerei gepredigt. Im Namen der Religion haben sie uns einfach nichts als Masochismus gelehrt: „Quäle dich selbst. Je mehr du dich folterst, desto wertvoller wirst du in den Augen Gottes. Je unglücklicher du bist, desto tugendhafter bist du. Wenn du glücklich bist, begehst du eine Sünde. Glücklichsein ist Sünde; unglücklich zu sein ist eine Tugend.“ Das ist ihre Logik. Es ist so absurd, so unlogisch, so offenkundig idiotisch. Gott ist glücklich, wenn wir also im Einklang mit Gott sein wollen, müssen wir glücklich sein, denn immer wenn wir glücklich sind, dann halten wir Schritt  mit Gott; immer wenn wir unglücklich sind, dann sind wir aus dem Takt gekommen. Ein unglücklicher Mensch kann kein religiöser Mensch sein.

Was ist also Sünde für den Taoismus? Es gibt nur eine Sünde: Unglücklich zu sein heißt ein Sünder zu sein. Glücklich zu sein, ungeheuer glücklich zu sein, heißt ein Heiliger zu sein.

Fröhlich

26.12.2006 um 01:28 Uhr

Tao Te King 11 (11)

von: tao

Die Taoisten haben für ihre Hara-Bewußtheit eine andere Art, zu atmen, entwickelt:

Sie nennen es Bauchatmen.

Wir können keinen stilleren Menschen finden, als einen Taoisten

der Bauchatmung praktiziert hat und darauf eingestimmt ist.

Wir atmen aus der Brust. Überall in der Welt

existiert die Brustatmung, die ein flaches Atmen ist.

Vielleicht ist es wegen der Furcht  vor dem Tod, dass wir nicht

aus dem Bauch heraus atmen, denn wenn wir aus dem Bauch atmen

geht der Atem tief nach unten zum Hara. Dann berühren wir den Tod.

In Angst vor dem Tod praktizieren wir ein flaches Atmen.

Achten wir darauf: Immer wenn wir Angst haben, wird unsere Atmung

flach werden. Immer wenn uns Furcht ergreift

werden wir nicht fähig sein, tief zu atmen –

augenblicklich wird das Atmen flach werden.

Jede Furcht ist grundsätzlich eine Furcht vor dem Tod;

wir mögen uns dessen nicht bewusst sein und nicht darauf achten,

aber unser Körper weiß, wo der Tod ist und wird da nicht hingehen wollen.

Unser Körper ist weise, weiser als unser Denken – er muss es sein,

denn das Denken ist ein Neuankömmling und der Körper hat länger existiert als das Denken,

ist durch Millionen von Leben hindurchgegangen, Leben ohne zu denken,

und hat viel Weisheit angesammelt. Immer wenn wir Angst haben

stoppen wir den Atem oder wir atmen ganz flach,

aus Angst, dem Tod näher zu kommen.

Tiefes Atmen wird den Tod in das Leben absorbieren,

tiefe Atmung wird eine Brücke erschaffen zwischen Leben und Tod,

und die Furcht verschwindet. Wenn wir tief unten atmen können

durch den Bauch, dann wird Furcht komplett verschwinden.

Das ist der Grund, warum die Japaner leichter Selbstmord begehen können

als irgendjemand sonst in der Welt. Es sieht wie ein Spiel aus.

Sie können Selbstmord begehen wegen solch läppischer Dinge

so dass niemand verstehen kann, wozu das jetzt nötig war.

25.12.2006 um 02:36 Uhr

Tao 228

von: tao

Demokrit konnte das Atom nicht spalten, er konnte nicht zu der atomaren Struktur der Materie kommen, aber er spekulierte. Er muß ein großer Denker gewesen sein – aber nur ein Denker. Er stolperte über die Idee des Atoms, ohne irgendwie zu experimentieren und kam so zum Atomismus.
Dann ist da Albert Einstein und die moderne Physik. Beide reden über die Atomstruktur, aber der Unterschied ist gewaltig: Demokrit redet nur, die moderne Physik weiß es.
Im Osten hat es auch Gerede über die Atomistik gegeben. Kanad, einer der großen Denker Indiens, hat über den Atomismus geredet – und auf eine sehr subtile, verfeinerte Weise – aber es ist alles Gerede. Tatsächlich, weil er so viel über Atome redete – seine ganze Philosophie basiert auf der Hypothese der Atome – wurde Kanad zu seinem Namen. Kan bedeutet Atom, Kanad bedeutet einer, der ständig über Atome redet. Aber es war trotzdem Philosophie. Er hatte keine wirklichen Experimente, es war nicht auf irgendeiner wissenschaftlichen Erforschung gegründet – er muß ein großartiger Denker gewesen sein, fast dreitausend Jahre vor Albert Einstein – aber er stieß auf die Wahrheit der Atomistik. Es war jedoch eine unbewiesene Hypothese. Es gibt viele solcher Parallelen.
Das gleiche gilt für Carl Gustav Jung und den Prozess, der von dem Geheimnis der Goldenen Blüte gegeben wird.
Das Buch „Das Geheimnis der Goldenen Blüte“ ist eine alchemistische Abhandlung – es weiß – und wenn wir die Methode befolgen, werden wir zu dieser Erkenntnis gelangen. Das ist absolut sicher. Ja, die goldene Blüte blüht in uns: Wir kommen an einen Punkt, wo das Viele verschwindet, die Vielheit verschwindet, die Fragmente des Denkens verschwinden und wir ganz alleine gelassen werden. Das ist der Sinn des Wortes alleine: Alles alleine, alles eins.
Wenn wir darüber nachdenken, wird uns das Denken zwangsläufig an eine bestimmte Linie bringen. Wenn wir darüber nachdenken, dann werden wir uns fragen, wie wir zu dem Einen kommen, wie wir es anstellen, dass diese Fragmente des Denkens sich zusammenfügen, wie wir sie zusammenkleben. Aber das wird keine wirkliche Einheit sein. Geklebt oder nicht geklebt, sie bleiben separat. Eine Masse kann in eine Armee transformiert werden: Das bedeutet, nun ist sie zusammengepappt, sie ist kein Mob mehr. Aber die Vielen sind immer noch viele, vielleicht in einer bestimmten Disziplin, als wenn da ein Haufen von Blumen ist und wir machen eine Girlande aus diesen Blumen: Ein Draht verläuft durch all die Blumen und gibt ihnen eine bestimmte Art von Einheit. Das hatte auch Jung zu tun versucht.

 

24.12.2006 um 00:00 Uhr

Tao 227

von: tao

Seit mehr als zweieinhalbtausend Jahren liegen Lao-tses Statements vergraben wie Samenkörner und warten auf den richtigen Moment, dass sie sprießen können. Der richtige Moment ist jetzt. Wir verstehen jetzt, was er meint, wenn er sagt – dass konstruktive Methoden für die Nutzbarmachung menschlicher Energien zuerst entwickelt werden sollten, bevor Mechanisierung eingeführt wird. Sein inneres Wesen sollte solche Höhen erreichen und so weit werden, dass ihm sogar eine Atombombe anvertraut werden könnte. Andernfalls, die Atombombe in den Händen eines kleinen Mannes muss zwangsläufig gefährlich sein. Macht ist gefährlich in den Händen unwissender Leute. Es ist besser, wenn eine ignorante Person machtlos bleibt, denn dann kann sie keinen Schaden anrichten, indem sie ihre Stärke missbraucht. Lao-tse kann nun verstanden werden, denn nun sind wir den ganzen langen Weg gegangen und es selbst gesehen, dass Lao-tse recht hatte, als er sagte, dass dieser Weg letztendlich nur in Krankheit und Sorge endet. Deswegen sind Lao-tses über 2.500 Jahre alte Lehren absolut jungfräulich, sozusagen, denn mit ihnen ist niemals gearbeitet worden. Vielleicht ist der Mensch nun bereit, auf ihn zu hören. Vielleicht, denn viele Male sind wir eher bereit, zu sterben, als uns selbst zu ändern. Der Tod scheint leichter zu sein, als eine Veränderung. Deswegen ist der Mensch immer noch nur vielleicht willens, Lao-tse auszuprobieren. Wir sind vielleicht eher bereit, den Tod zu akzeptieren, da dies für ein Martyrium gehalten werden kann, den Märtyrertod, wohingegen eine Veränderung in uns selbst hervorzubringen, für das Ego einen Schlag ins Gesicht bedeutet. Kaum trauen wir uns einen Schritt nach vorne, wenn uns schon die Furcht davor ergreift, was die anderen sagen könnten. Wir alle sind Leute mit Augen – aber unbewußt! Lao-tse nennt unsere schlimmste Narkose – das Ego. Lao-tse sagt: „Das Ego ist unser Stumpfsinn, denn es hält uns davon ab, in Bezug auf diese Welt realistisch zu sein.“ Alles wird von ihm mit seinen eigenen Projektionen überlagert und so hindert es uns daran, die Welt zu sehen, wie sie ist. Wir alle sehen die Welt, wie unser Ego sie uns zeigt, wir alle denken, was unser Ego uns zu denken zwingt und wir versuchen niemals die Fakten so kennen zu lernen, wie sie sind. Nur der ist fähig, die Realität zu erkennen, dessen Ego-Projektor völlig weg ist. Lao-tse sagt uns nicht, wir sollten das Ego entfernen und er verneint auch nicht die Tatsache, dass es uns von der Natur gegeben worden ist. Auch alle Krankheiten sind aus der Natur geboren. Was immer  in der Schöpfung ist, ist aus der Natur heraus geboren. Lao-tse sagt nur dieses: Wenn wir uns an das Übel klammern, was das Ego ist, dann werden wir leiden. Wenn wir leiden wollen, dann können wir so weiter machen und uns weiter an das Ego halten!

23.12.2006 um 00:45 Uhr

Südliches Blütenland 17/10 (5)

von: tao

Wahnsinn gibt es im Osten weniger, Geisteskrankheit ist mehr im Westen vorhanden.

Aber wenn wir einfach gewöhnliche Arithmetik betreiben, werden wir überrascht sein.

Im Osten werden viele Verrückte als Heilige verehrt,

also sind sie nicht in den Irrenhäusern.

Im Westen sind die gleichen Leute, die in den Irrenhäusern sein sollten

auf der Couch des Psychiaters;

sie werden nicht für geisteskrank gehalten, aber sie sind es,

denn das Ego ist verrückt.

Schauen wir uns unsere Heiligen an: Sie haben solch subtile Egos –

verfeinert natürlich, poliert, sehr kultiviert, dekoriert,

aber sie sind vorhanden.

Wenn wir mit jemand anderem kämpfen

können wir kein sehr subtiles Ego haben

denn mit dem anderen

existiert immer die Möglichkeit, besiegt zu werden.

Sogar wenn wir gewonnen haben, der andere ist da;

eines Tages wird er wahrscheinlich genug Stärke gesammelt haben

und wir werden besiegt werden.

Ein Sieg kann nicht absolut sein und wir können uns niemals unseres Sieges sicher sein;

der Feind ist da.

Und es gibt da draußen nicht nur einen Feind,

da sind Millionen von Gegnern,

denn mit wem auch immer wir im Wettbewerb stehen, der ist unser Feind.

Wir werden immer zittern und schwanken,

unser Ego kann nicht auf festem Boden stehen,

wir haben unser Haus auf Sand gebaut.

Aber wenn wir mit uns selbst kämpfen,

dann arbeiten wir auf sicherer Unterlage,

wir können uns sicher sein; wir können ein subtilerer Egoist sein.

Um das „Ich“ zu haben, müssen wir die Natur töten,

denn in der Natur existiert kein Ego.

22.12.2006 um 23:38 Uhr

Quellender Urgrund 2/20 (1)

von: tao

„Gi Siau Dsi war ein Trainer von Kampfhähnen

für König Süan.

Er trainierte gerade einen prächtigen Vogel.

Der König löcherte ihn mit Fragen, ob der Vogel schon

bereit sei für den Wettkampf.

„Noch nicht“, sagte der Trainer.

„Er ist voll Feuer.

Er ist bereit, mit jedem anderen Vogel

einen Kampf vom Zaun zu brechen.

Er ist eitel und stolz

auf seine eigene Stärke.“

Nach zehn Tagen antwortete er wiederum:

„Noch nicht. Er braust auf

wenn er einen anderen Vogel krähen hört.“

Nach weiteren zehn Tagen:

„Noch nicht. Er kriegt immer noch

diesen zornigen Blick

und plustert seine Federn auf.“

Wieder nach zehn Tagen.

Der Trainer sagte: „Nun ist er fast bereit.

Wenn ein anderer Vogel kräht, dann

zwinkert er nicht einmal mit dem Auge.

Er steht unbeweglich da

wie ein Hahn aus Holz.

Er ist ein reifer Kämpfer.

Andere Vögel

werden einen Blick auf ihn werfen

und die Flucht ergreifen.““

 

Das menschliche Denken endet immer mit dem Ego –

das ist sein abschließendes Wachstum.

21.12.2006 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (4)

von: tao

Denken wir bloß an eine Welt, die total männlich ist

oder eine Welt, die total weiblich ist.

Sie würde tot sein.

In dem Moment, in dem sie geboren wird, würde sie schon tot sein.

Da kann es kein Leben in ihr geben.

Wenn es eine weibliche Welt ist

- Frauen, Frauen und Frauen, und keine Männer -

die Frauen werden Selbstmord begehen.

Der Gegensatz ist nötig, denn das Entgegengesetzte ist attraktiv.

Der Gegensatz wird der Magnet, er zieht uns an,

das Entgegengesetzte bringt uns aus uns selbst heraus,

der Gegensatz bricht unser Gefängnis auf,

das Entgegengesetzte macht uns ungeheuer weit.

Immer wenn der Gegensatz verneint wird, wird es Probleme geben.

Und das ist das, was wir getan haben,

daher soviel Probleme in der Welt.

Der Mann hat versucht, eine Gesellschaft zu erschaffen, die grundlegend männlich ist,

das ist der Grund, warum es soviel Probleme gibt –

die Frau ist verneint worden, sie ist hinausgeworfen worden.

In den vergangenen Jahrhunderten war die Frau niemals irgendwo zu sehen gewesen.

Sie war versteckt in den Hinterzimmern des Hauses,

und sie wurde nicht einmal in das Wohnzimmer gelassen.

Man konnte sie nicht auf den Straßen treffen,

man konnte sie nicht in den Geschäften sehen. Sie war kein Teil des Lebens.

Die Welt wurde hässlich, denn wie können wir den Gegensatz verneinen?

Die Welt wurde einseitig, alle Balance ging verloren.

Die Welt wurde verrückt.

Der Frau ist immer noch nicht erlaubt, sich gleichberechtigt in das Leben hineinzubegeben;

sie ist in Wirklichkeit noch nicht ein Teil, ein vitaler Teil des Lebens.

Die Männer gehen in männerorientierte Gruppen –

die exklusiven Männerclubs, wo sich die Jungs treffen,

der Markt, die Politik, die wissenschaftliche Gruppe.

20.12.2006 um 23:59 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (3)

von: tao

Zu Lebzeiten von Pandit Jawaharlal Nehru

glaubten mindestens ein Dutzend Leute in Indien

dass sie Pandit Jawaharlal Nehru wären.

Einmal ging er in ein Irrenhaus, um eine neue Abteilung einzuweihen.

Und die Autoritäten der Psychiatrie hatten es arrangiert

dass ein paar Leute von ihm in die Freiheit entlassen werden sollten,

weil sie nun gesund und normal geworden waren.

Die erste Person wurde zu ihm gebracht und vorgestellt,

also stellte sich Nehru dem Geisteskranken vor,

der wieder normaler geworden war,

und sagte: Ich bin Pandit Jawaharlal Nehru, der Premierminister von Indien.

Der Ex-Verrückte lachte und sagte: Mach dir keine Sorgen.

Sei drei Jahre lang hier

und du wirst so normal werden wie ich es geworden bin.

Vor drei Jahren, als ich zuerst in dieses Irrenhaus kam

war es das, was ich glaubte, dass ich sei –

Pandit Jawaharlal Nehru, Premierminister von Indien.

Aber sie haben mich komplett kuriert, also mach dir keine Gedanken.

Das hat sich oft und in vielfältiger Weise ereignet.

Der eine Weg ist, verrückt zu werden –

wir verkünden plötzlich, dass wir haushoch überlegen sind, dass wir die Besten sind.

In der Politik können wir das nicht plötzlich verkünden –

wir müssen beweisen, dass wir wirklich der Premierminister sind,

oder der Präsident. Das ist also der lange gewundene Weg.

Wahnsinn ist eine Abkürzung zur Wichtigkeit; Politik ist der lange Weg.

Aber sie erreichen das gleiche Ziel.

Und wenn die Welt eine geistig gesunde, normale Welt werden soll,

dann müssen zwei Personentypen kuriert werden –

die Verrückten und die Politiker. Beide sind krank.

Der eine ist die lange Route gegangen, der andere hat die Abkürzung genommen.

Aber der Verrückte ist weniger gefährlich als der Politiker.

Wütend

19.12.2006 um 00:00 Uhr

Tao Te King 11 (10)

von: tao

Der Tod existierte sogar schon vor uns. Wir sind aus ihm herausgekommen.

Der Tod muss irgendwo einen Punkt innerhalb unseres Körpers haben.

Also suchten die Japaner den Körper ab, um herauszufinden

wo das schwarze Loch existiert. Es ist genau unterhalb des Nabels.

Fünf Zentimeter unterhalb des Nabels existiert der Todespunkt.

Es ist ein sehr subtiler Punkt.

Das Wort Harakiri dürfte bekannt sein; das Wort kommt von hara.

Hara bedeutet das schwarze Loch innerhalb des Körpers;

und Harakiri bedeutet Selbstmord, die Benutzung dieses schwarzen Lochs.

Die Japaner sind sehr effizient in der Selbsttötung geworden;

niemand kann sich so leicht töten wie die Japaner,

denn sie haben den exakten Punkt des Todes gefunden.

Mit einem kleinen Messer dringen sie einfach in das Hara ein

und nicht einmal ein einziger Blutstropfen kommt heraus.

Der Selbstmord ist blutlos, es wird überhaupt kein Schmerz gespürt, kein Leiden –

das Leben verschwindet einfach. Sie haben es direkt berührt

dieses schwarze Loch im Körper, den Punkt für den Tod.

Wenn wir uns die Kehle durchschneiden, werden wir sterben, aber wir werden leiden

denn von der Kehle bis zum Hara ist eine ganz schöne Distanz –

diese Distanz wird der Tod erst überwinden müssen.

Wenn also jemandes Kopf abgeschlagen wird, bleibt der Körper noch lebendig

ein paar Minuten lang, er zittert und zuckt noch

denn man hat das Hara nicht direkt getroffen.

Die Japaner töten sich selbst so leicht und still

dass wenn wir einen Menschen sähen, der Harakiri gemacht hat,

der also Selbstmord begangen hat, wir kein Anzeichen für den Tod

auf seinem Gesicht sehen würden; sein Gesicht wird immer noch lebendig aussehen.

Er ist einfach ohne Kampf in das schwarze Loch hinein verschwunden.

Dieses Hara im Körper ist Nicht-Sein.

Es ist eine Abwesenheit, es ist ein Nichts.

Und die ganze taoistische Übung ist, sich des Hara bewusst zu sein.

18.12.2006 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (17)

von: tao

Obwohl alles getan wurde, um den Seevogel als Gast zu empfangen,

kümmerte sich niemand darum, wer der Gast war.

Der Gast wurde empfangen entsprechend dem Gastgeber,

nicht gemäß des Gastes, und das tötete den armen Vogel.

Viele von uns sind einfach tot wegen des Gastgebers.

Niemand schaut auf uns.

Ein Kind wird geboren

und die Eltern beginnen schon darüber nachzudenken, was sie aus ihm machen können.

Sogar schon bevor es geboren wird, fangen sie damit an, sich darüber Gedanken zu machen.

Wir sind so konfus wegen der anderen:

Unsere Mutter möchte, dass wir so und so sind,

unser Vater will etwas anderes.

Es ist zwangsläufig so, dass sie niemals übereinstimmen,

Väter und Mütter sind niemals einer Meinung.

Sie sind immer gegeneinander, Vater und Mutter,

und ihre Opposition geht tief in uns hinein,

es wird ein innerer Konflikt.

Unser Vater und  unsere Mutter mögen tot sein,

nicht mehr in dieser Welt weilen, aber sie sind in unserem Unbewußten –

und sie kämpfen immer noch. Sie werden uns niemals in Frieden lassen.

Was auch immer wir tun, sagt unser Vater: Tu es,

dann sagt unsere Mutter: Tu es nicht.

Unser innerer Konflikt ist der Konflikt unserer Eltern.

Und dann sind da noch Onkels und Brüder und Schwestern

und viele Verwandte

und wir sind alleine inmitten so vieler Leute, die es nur gut mit uns meinen.

Und sie alle wollen, dass wir etwas sind, was ihnen entspricht.

Sie zerstören uns.

Und dann wird unser ganzes Leben eine Konfusion –

wir wissen nicht, was wir sein wollen,

wir wissen nicht, wohin wir gehen wollen.

Traurig

17.12.2006 um 00:00 Uhr

Quellender Urgrund 8/15 (5)

von: tao

Durch den Lotus wird sogar Schlamm schön. Und dann beginnen wir im Schlamm nach dem Sinn zu suchen. Er ist da irgendwo – wir mögen fähig sein, ihn zu sehen, vielleicht können wir ihn auch nicht sehen, das hängt von unserer Klarheit ab, von unseren Augen. Aber die Verdammung verschwindet.

Freud sagt, dass alle Liebe nichts als Sex ist; sogar die Liebe zu Gott, sogar die Liebe von Meera für Krischna; die Liebe von Ananda zu Buddha, die Liebe von Maria Magdalena für Jesus ist nichts als Sexualität. Können wir nicht sehen, wieviel Schönheit augenblicklich mit einem Schlag zerstört wird? Wenn wir den Taoisten fragen, wird er sagen, dass sogar, wenn ein Mann zu einer Prostituierten geht, um mit ihr Liebe zu machen, noch etwas von Andacht darin liegt, etwas vom Göttlichen darin enthalten ist.

Der Taoismus sagt, Sex ist Liebe, Freud sagt, Liebe ist Sex – und der Unterschied ist gewaltig. Der Taoismus sagt, dass im Sex auch ein Schimmer von Samadhi ist; der Taoismus macht auch Sex heilig. Freud sagt, dass im Samadhi, auch in Ramakrishnas Samadhi, nichts als unterdrückte Sexualität ist. Er macht auch Samadhi profan.

Wer kein Verstehen hat, kann Taoismus mit Freud in eine Schublade stecken. Das ist sehr leicht und einfach. Man kann sagen: „Was ist der Unterschied, ob man Liebe Sex nennt oder ob man Sex Liebe nennt? Da ist kein Unterschied.“ Nicht viel Unterschied, wenn wir nur an die Worte denken. Dann gibt es nur den Unterschied, dass der Taoismus den Sex an den einen Platz stellt und die Liebe an einen anderen, und Freud stellt sie an genau die entgegengesetzten Positionen. Dann ist es also kein großer Unterschied.

Aber können wir nicht den Unterschied sehen? Der Unterschied ist gewaltig, vital, und von großem Wert. Und viel wird von diesem  Unterschied abhängen.

Die taoistische Sichtweise ist, auf den Teil durch das Ganze hindurch zu sehen, so dass das Ganze dem Teil eine Bedeutung geben kann, ihn sinnvoll machen kann. Und nicht andersherum. Unsere Augen sind schön, aber aus unserem Körper herausgenommen, würden sie es nicht sein.

Nimm die Dinge aus ihrem Kontext heraus und sie verlieren alle Bedeutung, sie verlieren alle Schönheit, sie verlieren alle Wahrheit. Die Wahrheit ist mit dem Ganzen, genauso die Schönheit. Dies ist das erste, was es im Taoismus zu verstehen gibt: Es ist eine Vision der Ganzheit. Und das Ganze darf auch nicht zusammengesetzt werden…dies ist das zweite, das es zu verstehen gilt.

16.12.2006 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 19/13 (16)

von: tao

Das erste ist, dass wir uns an unsere Kapazität erinnern,

aber wir sind so konfus, dass wir nicht fühlen können, was unsere Kapazität ist.

Daher das Bedürfnis nach jemandem, der uns unseren Puls fühlt

mit seiner Hand und der spüren kann, was unsere Kapazität ist.

Wir unternehmen vielleicht große Anstrengungen in eine falsche Richtung

aber herauskommen wird nichts.

Wir können nur auf einem bestimmten Weg etwas erreichen;

wir können nur durch uns ankommen.

„Du kannst eine kleine Tasche nicht mit einer großen Ladung voll packen,

noch kannst du, mit einem kurzen Seil,

Wasser aus einem tiefen Brunnen hochziehen.“

Das ist der erste Punkt, dass wir unsere Kapazität erkennen.

Wenn wir unsere Kapazität richtig kennen lernen, dann ist der erste Schritt

getan worden und der letzte ist nicht sehr weit weg.

Wenn der erste verkehrt ist,

dann können wir gehen und gehen, Leben für Leben

und wir werden nirgendwo ankommen.

„Hast du nicht davon gehört, wie ein Seevogel

landeinwärts verweht wurde und dann landete

außerhalb der Hauptstadt von Lu?“

Eine schöne Parabel –

ein Seevogel landete außerhalb der Hauptstadt von Lu,

ein schöner Vogel.

Der Fürst ordnete einen feierlichen Empfang an –

denn ein Fürst ist ein Fürst,

und er dachte, dass ein König unter den Vögeln gekommen war,

und genau wie andere gekrönte Häupter empfangen werden mussten

so musste dieser Vogel, der so schön war

mit vergleichbaren Ehrenbezeugungen empfangen werden.

Aber wie empfängt man einen Vogel? Der Fürst hatte seine eigenen Methoden:

„Der Fürst ordnete einen feierlichen Empfang an,

bot dem Seevogel Wein an im Heiligen Bezirk,

ließ Musikanten rufen

damit sie die Kompositionen von Schun spielten,

und ließ Rinder schlachten, um ihn zu verköstigen.

Benommen von den Symphonien

war der unglückliche Seevogel

und starb dann aus Verzweiflung.“

15.12.2006 um 00:00 Uhr

Tao Te King 64 (3)

von: tao

Versuchen wir nun die Verse zu verstehen.

„Das, was still daliegt, ist leicht zu halten;“

Wir haben schon alle versucht

auf tausenderlei Weise,

uns selbst im Griff zu halten, uns zu kontrollieren,

aber wird sind dazu nicht fähig gewesen

weil das Denken nicht still ist.

Wenn das Denken nicht still ist, können wir es nicht halten.

Wenn es still ist, ist es nicht mehr, es ist nicht da –

und das ist der einzige Weg, es in den Griff zu bekommen.

Wir können das Denken nicht kontrollieren.

Tatsächlich sind Leute, die das Denken kontrollieren, die Leute, die kein Denken haben.

Es ist eine unzutreffende Bezeichnung, wenn man sagt, dass sie das Denken kontrollieren.

Leute, die Gedanken haben, kontrollieren niemals das Denken, sie können es nicht kontrollieren. Wenn das Denken da ist, wird das Denken uns kontrollieren.

Wenn das Denken nicht da ist, nur dann können wir es kontrollieren,

und das Denken ist nicht da, wenn es still ist.

Wenn also Leute sagen:

Ich hätte gerne, dass Stille in meinen Kopf einzieht,

ich würde gerne ein schweigendes Denken haben, einen friedlichen Geist,

dann wissen sie nicht, was sie damit sagen,

denn das Denken existiert nur, wenn es nicht still ist.

Es gibt kein stilles Denken.

Ein stilles Denken ist ein Nicht-Denken!

Habt ihr schon einen stillen Sturm gesehen?

Habt ihr schon irgendetwas dergleichen gesehen?

Wenn der Sturm still ist, ist er nicht da!

Das Denken ist ein Sturm, ein Aufruhr.

Wenn er still ist, ist er überhaupt nicht da,

alle Wellen haben sich gelegt, sie sind verschwunden.

Wenn die Wellen da sind, dann ist der Aufruhr wieder da.

Verrückt

14.12.2006 um 13:31 Uhr

Tao Te King 41 (2)

von: tao

Wir scheinen ähnlich zu sein, wir sind es aber nicht,

und dieser Mythos muss verworfen werden –

nur dann können wir tiefer in die Realität des Menschen eindringen.

Keine alte Psychologie glaubte jemals, dass eine Menschheit existiert.

Tatsächlich, wenn wir uns an eine Klassifikation machen,

dann klassifizieren all die antiken Psychologien den Menschen in drei Abteilungen.

In Indien haben sie die Menschheit in drei Teile eingeteilt:

satwa, rajas, tamas.

Lao-tse hat keine Namen gegeben

aber auch er teilt die Menschheit in drei Arten auf – exakt das gleiche.

Diese drei Unterteilungen sind auch willkürlich.

Wir müssen einteilen, um zu verstehen

ansonsten gibt es so viele Menschheiten wie es Menschen gibt,

jeder Mensch ist eine Welt in sich selbst.

Aber diese Klassifikation hilft uns viele Dinge zu verstehen,

vieles, das ohne dies unmöglich zu verstehen wäre.

Versuchen wir die Klassifikation so klar wie möglich zu verstehen.

„Wenn der höchste Menschentyp das Tao (Wahrheit) hört,

bemüht er sich sehr, in Übereinstimmung damit zu leben,

wenn der mittelmäßige Typ das Tao hört,

scheint sie sich dessen bewusst und doch unbewußt zu sein.

Wenn der niedrigste Typ das Tao hört,

bricht er in lautes Lachen aus –

wenn nicht darüber gelacht würde, wäre es nicht Tao.“

Der erste Typ ist satwa, der zweite ist rajas, der dritte ist tamas.

Der höchste Menschentyp, wenn er vom Tao hört,

fühlt sich plötzlich im Einklang damit.

Es ist kein intellektuelles Verstehen für ihn,

sein totales Wesen vibriert mit einem neuen Lied; eine neue Musik wird gehört.

Wenn er von der Wahrheit hört, dann passt plötzlich etwas zusammen, es fügt sich ein,

er ist nicht mehr derselbe –

bloß weil er es gehört hat, wird er ein total anderer Mensch.

13.12.2006 um 00:00 Uhr

Tao 226

von: tao

Wenn wir mit Verstehen auf das Leben antworten, dann fühlen wir viele Freuden,

aber dann haben wir keine Regeln, keine fixen Ideen, keine Ideale,

dann sind wir nicht hier, um irgendeinem Verhaltenskodex zu folgen –

wir sind hier, um zu leben und unsere eigene Lebensregel zu finden.

Wenn wir uns unserer eigenen Lebensordnung bewusst werden,

werden wir sehen, dass das kein fixiertes Etwas ist.

Es ist so dynamisch wie das Leben selbst.

Wenn wir zu kontrollieren versuchen, ist es das Ego;

es ist das Ego, das uns in vielerlei Weise manipuliert.

Durch das Ego manipuliert uns die Gesellschaft, und durch die Gesellschaft

manipulieren uns die Toten, all diejenigen, die jetzt schon tot sind.

Jedes lebende Wesen, wenn es einer toten Ideologie folgt,

folgt damit toten Leuten.

Mohammed ist schön, Buddha ist schön,

Krischna ist schön, Jesus ist schön –

aber sie sind nicht länger anwendbar.

Sie lebten ihre Leben, sie erblühten schön:

Es ist besser, wir lernten etwas durch sie –

anstatt stupide Nachfolger zu werden.

Es ist besser, ein Schüler zu sein, statt ein Student.

Ein Student lernt das Wort, das tote Wort;

ein Schüler lernt bloß die Geheimnisse des Verstehens,

und wenn er sein eigenes Verständnis hat, geht er seinen eigenen Weg.

Verrückt

Er zollt Lao-tse seinen Respekt und sagt:

Nun bin ich bereit, ich bin dankbar, ich gehe meinen eigenen Weg.

Er wird Lao-tse immer dankbar sein – und dies ist das Paradox:

Leute, die mechanisch Jesus, Buddha oder Mohammed gefolgt waren

können ihnen niemals vergeben.

Wenn wir wegen ihnen unsere Freuden des Lebens versäumen

wie können wir ihnen dann vergeben? Wie können wir wirklich dankbar sein?

Tatsächlich hegen wir einen tiefen Groll.

12.12.2006 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (2)

von: tao

Ein Samenkorn, das offen auf der Straße liegt, wird einfach sterben, es wird keine Wiedergeburt geben. Es ist besser, all das, was schön, gut und wahr ist, genau wie ein Samenkorn zu behandeln. Besser ist es, ihm etwas Muttererde zu geben, einen verborgenen Platz im Herzen, besser ist, es nicht zur Schau zu stellen.
Aber von jedem wird genau das Gegenteil getan:
Was auch immer falsch ist, das verstecken wir,
wir wollen nicht, dass dies anderen bekannt wird.
Was auch immer hässlich ist, das verbergen wir und was auch immer schön ist,
sogar wenn es das eigentlich nicht ist,
dafür machen wir Reklame, wir übertreiben es, wir stellen es aus und versuchen es, an den Mann zu kriegen. Daher die Misere –
denn das Hässliche wächst und das Schöne geht verloren.
Das Unwahre wächst, es wird ein Samenkorn,
und die Wahrheit wird hinaus- und weggeschmissen.
Das Wertvolle wird verworfen und der Mist wächst;
wir werden wie Unkraut.
Keine Blume kommt in unser Leben
weil wir niemals das Richtige getan haben –
weil wir niemals das Samenkorn der Blume in uns verborgen haben.
Dieses Gegenteil ist der Pfad,
und dieser Weg ist einer der geheimsten Schlüssel des Taoismus.
Ein Mensch des Tao bleibt gewöhnlich, absolut normal.
Niemand weiß, wer er ist,
niemand weiß, was er in sich trägt, welchen Schatz er verbirgt.
Er macht niemals Reklame, er versucht niemals, etwas zur Schau zu stellen.
Aber warum machen wir für uns Reklame?
Wegen des Egos.
Wir sind nicht zufrieden mit uns selbst,
wir sind nur befriedigt, wenn andere uns wertschätzen.
Ein Kohinoor ist nicht genug. Wir mögen einen wertvollen Edelstein haben,
aber das ist nicht genug; andere müssen ihn bestaunen.