Taoistische Reflektionen

11.12.2006 um 00:00 Uhr

Goldene Blüte 2/1-6 (2)

von: tao

Eines Tages rief ein König seinen cleveren Hofnarren zu sich, gab ihm einen Stab vor dem versammelten Hofstaat und sagte: „Nimm diesen Stab als einen Amtsstab und behalte ihn, bis du einen größeren Narren als dich selbst findest. Wenn du einen findest, gib ihm diesen Stab.“

Eine Zeit später war der König krank und lag im Sterben. Er wollte seinen Hofnarren sehen, über dessen Wahrhaftigkeit er sich sicher war. Als der Narr kam, sagte der König zu ihm: „Ich habe dich rufen lassen, um dir zu sagen, dass ich dabei bin, mich auf eine lange Reise zu begeben.“

„Wohin gehst du denn?“, fragte der Hofnarr.

„In ein weit entferntes Land – in eine andere Welt.“

„Mein Meister, hast du Vorbereitungen getroffen für deine Reise und deinen Aufenthalt dort?“

„Nein, nichts dergleichen, mein kleiner Narr.“

„Hast du irgendwelche Freunde, die dich dort willkommen heißen werden?“

„Nicht einen!“, erwiderte der König.

Da schüttelte der Hofnarr traurig seinen Kopf, legte den Stab in des Königs Hände und sagte: „Nimm diesen Stab, Euer Majestät. Der gehört dir, denn du bist dabei, in eine andere Welt ohne Vorbereitungen zu gehen. Sicherlich gehört dieser Stab dir und niemand anderem.“

Dieses Leben ist eine Gelegenheit, sich auf den Tod und das Jenseits vorzubereiten. Wenn wir uns nicht auf den Tod vorbereiten und auf das Darüber hinaus, sind wir Narren – wir versäumen damit eine großartige Gelegenheit. Das Leben ist nur eine Gelegenheit.

Dieses Leben, das wir kennen, ist kein wirkliches Leben. Es ist nur eine Gelegenheit, das wirkliche Leben zu erreichen. Das reale Leben ist bloß verborgen in diesem Leben, aber es muss provoziert werden, es muss erweckt werden. Es schläft noch tief und fest. Es ist sich seiner selbst noch nicht bewusst. Und wenn unser wirkliches Leben sich seiner selbst nicht bewusst ist, wird unser ganzes sogenanntes Leben nichts sein als ein langer Traum. Und der kann auch nicht süß sein – es wird ein Albtraum sein.

Zu leben, ohne im realen Leben verwurzelt zu sein, heißt, zu leben wie ein Baum, der nicht im Erdboden verwurzelt ist. Das ist der Grund, warum da keine Schönheit ist, darum gibt es keine Anmut. Das ist der Grund, warum wir nicht den Glanz des Menschen sehen, von dem die Buddhas sprechen. Jesus sagt laufend immer wieder: „Das Königreich Gottes ist in dir.“ Aber wir sehen nicht aus wie Könige.

Verrückt

10.12.2006 um 00:00 Uhr

Tao 225

von: tao

Wir sind  beides, Zeit und Zeitlosigkeit,

sonst könnte die Balance nicht erlangt werden.

Aber wir haben nur einen Teil unseres Wesens kennen gelernt – dieser Teil ist die Zeit.

Wenn wir unser ganzes Wesen erkennen, kennen wir auch den zeitlosen Teil.

Für die Ganzheit existiert keine Zeit. Sie ist ein relatives Konzept,

sie existiert nur für Leute, die nicht ganzheitlich sind.

Dies ist nicht leicht zu verstehen –

es ist ein delikater Punkt und sehr kompliziert.

Die Zeit ist eines der Probleme, die am meisten unsere Begriffsstutzigkeit herausfordern.

Der heilige Augustin sagt:

Ich weiß, was Zeit ist, wenn mich niemand fragt,

aber wenn jemand fragt, dann weiß ich es nicht.

Jeder weiß, was Zeit ist, wenn niemand fragt,

aber wenn jemand darauf besteht, dass wir sie definieren, erklären, was Zeit ist,

dann sind wir in Verlegenheit. Wir haben sie benutzt,

wir haben in jedem Moment darüber geredet,

und wir haben ein subtiles Gefühl für Zeit, was sie ist,

aber wenn wir genauere Ausführungen darüber machen wollen, sind wir in Verlegenheit.

Die Zeit ist eines der Probleme, die uns am meisten zu schaffen machen, wenn wir sie zu verstehen versuchen. Zeit ist relativ – das ist der erste Schritt zum Verstehen –

sie ist nichts absolutes. Für das ganze Universum gibt es keine Zeit

denn es kann sich nicht von einem Punkt zu einem anderen bewegen

weil beide Punkte in ihm sind.

Es enthält alles, die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft.

Wenn es nicht schon die Zukunft enthalten würde,

wie könnte dann die Zukunft existieren?

Die Gesamtheit kann sich nicht in der Zeit bewegen, weil sie auch die Zeit beinhaltet,

die Zeit ist Teil ihrer Existenz.

Das ist der Grund, warum wir über die Ganzheit sagen, dass sie in Ewigkeit lebt:

Ewigkeit bedeutet Zeitlosigkeit, in ihr ist keine Zeit.

Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart sind alle in ihr enthalten.

09.12.2006 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 20/2

von: tao

            „Wer Menschen regiert, lebt in Konfusion;

Wer von Menschen regiert wird, lebt in Sorge.

Yau sehnte sich deswegen danach

weder andere zu beeinflussen

noch von ihnen beeinflusst zu werden.

Der Weg, aus der Konfusion in die Klarheit zu kommen

und frei von Sorgen zu sein

ist, mit Tao zu leben

im Land der Leere.

Wenn ein Mensch einen Fluss überquert

und ein leeres Boot kollidiert mit seinem eigenen Ruderboot,

selbst wenn er ein schlecht gelaunter Mensch sein sollte

wird er nicht sehr wütend werden.

Aber wenn er einen Mann  in dem Boot sieht,

wird er ihn anschreien, damit er ausweicht.

Und wenn sein Rufen nicht gehört wird, wird er wieder brüllen,

und dann noch einmal, und zu fluchen beginnen –

und alles, weil da jemand in diesem Boot ist.

Wenn das Boot jedoch leer wäre,

wäre er nicht am Brüllen, und er würde nicht wütend sein.

Wenn du ein eigenes Boot leeren kannst

während du den Fluss der Welt überquerst,

wird sich keiner dir entgegenstellen,

wird keiner danach suchen, dir zu schaden.

Der gerade Baum ist der erste, der umgehauen wird,

die Quelle mit dem klaren Wasser ist die erste, die entwässert und trockengelegt wird.

Wenn du wünschst, deine Weisheit zu verbessern

und den Unwissenden zu beschämen,

deinen Charakter zu kultivieren

und andere in den Schatten zu stellen,

wird ein Licht um dich herum scheinen

als wenn du die Sonne und den Mond verschluckt hättest –

und du wirst Kalamitäten nicht vermeiden und dem Desaster nicht entgehen.

Ein weiser Mensch hat gesagt:

Wer mit sich selbst zufrieden ist

hat wertlose Arbeit geleistet.

Errungenschaft ist der Beginn des Scheiterns,

Ruhm ist der Beginn von Schande.

Wer kann sich selbst befreien von Erfolg und Ruhm

dann hinabsteigen und verloren gehen

inmitten der Menschenmassen?

Er wird dahinfließen wie Tao, ungesehen,

er wird einhergehen wie das Leben selbst

ohne einen Namen und ohne ein Zuhause.

Einfach ist er, ohne Unterschiedlichkeit.

Allem Anschein nach ist er ein Narr.

Seine Schritte hinterlassen keine Spur. Er hat keine Macht.

Er erreicht nichts, er hat keine Reputation.

Da er niemanden beurteilt,

beurteilt ihn niemand.

So ist der vollkommene Mensch –

sein Boot ist leer.“

08.12.2006 um 00:00 Uhr

Goldene Blüte 5 (2)

von: tao

Nur ein reiches Land beginnt, sich spirituell arm zu fühlen. Und wenn wir damit angefangen haben, die spirituelle Armut zu spüren, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir begehen Selbstmord oder wir gehen durch eine innere Transformation.

Meditation ist die Methode der inneren Transformation. Wenn Selbstmord und Meditation die einzigen zwei Alternativen bleiben und sonst nichts übrig bleibt – entweder wir zerstören uns selbst, weil unser ganzes Leben sinnlos ist, oder wir transformieren uns selbst in eine neue Seinsebene hinein – dann hat man zu wählen zwischen Selbstmord und Meditation.

Die reichen Länder der Welt sind immer schon in diesem Dilemma gewesen, sich zwischen Selbstmord und Meditation zu entscheiden. Reiche Länder leiden mehr an Selbstmorden und an Geisteskrankheiten als arme Länder. Eine arme Person hat keine Zeit, über Selbstmord nachzudenken; sie ist so beschäftigt mit dem Leben. Eine arme Person hat keine Zeit, über die Transformation seiner Energien nachzudenken; sie ist so beschäftigt damit, wie sie ihre Kinder ernähren und wie sie ein Dach über dem Kopf haben kann. Sie ist überhaupt nicht an irgendetwas anderem interessiert, das höher als der Körper oder tiefgehender als der Körper ist – und das ist natürlich. Es ist nicht verdammenswert. Es ist absolut natürlich, es ist, wie es sein sollte. Das ist der Grund, warum arme Länder dieser Welt mehr und mehr zum Kommunismus neigen, und die kapitalistischen Länder dieser Welt sich mehr und mehr der Spiritualität annähern. Marxs Vorhersage hat sich als falsch erwiesen. Marx hat gesagt, dass reiche Länder kommunistisch werden würden: Das hat sich als Unsinn herausgestellt. Nur arme Länder sind kommunistisch geworden. Russland war eines der Länder, die am meisten von Armut befallen waren, so war es in China, und so war es mit Indien. Indien hätte jederzeit ein Opfer des Kommunismus werden können, es war schon auf dem Weg, es hatte sich schon darauf vorbereitet.

Amerika hat sich nicht zum Kommunismus bekehrt. Marx sagte vorher, dass reiche Länder kommunistisch werden würden. Stattdessen werden reiche Länder immer religiös werden, arme Länder werden kommunistisch. Und wäre erst einmal ein Land, obwohl es kommunistisch war, reich geworden, wird es damit beginnen, nach Religion zu suchen und zu forschen. Das ist das, was jetzt tief innen sich in der russischen Seele abspielt. Russland ist nun an einen Punkt gekommen, wo es wieder an Gott denken kann, an Meditation und Gebet. Schon in der Sowjetunion trafen sich Leute insgeheim, um zu beten, denn Gebet war von der Regierung nicht mehr erlaubt. Religiös zu sein hieß, ein Verbrecher zu sein.

07.12.2006 um 00:50 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (4)

von: tao

Vor Buddhas Erleuchtung gab es nichts mehr, wohin er gehen wollte, und da war niemand mehr, der irgendwohin gehen könnte. In jener Nacht wurde der Schlaf zum Samadhi, es wurde Satori; es wurde die ultimative Sache, die einem Menschen geschehen kann.

Buddha erblühte in dieser Nacht

und am Morgen war er erleuchtet.

Er öffnete seine Augen,

schaute auf den letzten Stern, wie er am Himmel verschwand,

und alles war da. Es war schon immer da gewesen,

aber er hatte es so sehr gewollt, er konnte es nicht sehen.

Es war schon immer da gewesen,

aber er hatte sich so sehr in die Zukunft begeben mit dem Verlangen

dass er nicht auf das Hier und Jetzt schauen konnte.

In jener Nacht gab es keine Sehnsucht, kein Ziel, nirgends, wohin er gehen wollte,

und keiner, der irgendwohin gehen könnte – alle Anstrengung gewichen.

Plötzlich wurde er seiner selbst bewusst,

plötzlich wurde er sich der Realität bewusst, wie sie ist.

Dschuang Dsi sagt dies ganz von Anfang an:

Unternimm keinerlei Anstrengung.

Und er hat Recht.

Denn wir werden niemals solch eine totale Anstrengung unternehmen wie Buddha.

Wir werden niemals so frustriert sein, dass die Anstrengung von selbst wegfällt;

es wird immer unvollständig sein.

Und dein Denken wird immer und in einem fort sagen:

Ein wenig mehr und etwas wird passieren, nur noch einen Schritt.

Das Ziel ist nahe, warum lässt du dich schon entmutigen?

Bloß ein wenig mehr Anstrengung ist nötig

denn das Ziel kommt ja mit jedem Tag immer näher.

Weil wir niemals eine so absolute Anstrengung machen werden

werden wir niemals komplett hoffnungslos sein.

Und wir können diese halbherzige Anstrengung viele Leben lang fortführen –

das ist es, was wir schon in der Vergangenheit gemacht haben.

Fröhlich

06.12.2006 um 00:00 Uhr

Tao Te King 43 (7)

von: tao

Weil das Wasser die Leere sucht, kommt es von den Bergen

und fließt und fließt und fließt, bis es den Ozean erreicht.

Das Meer ist der ausgehöhlteste Platz in der Welt,

auf diese Weise gelangt das Wasser dorthin.

Ein Fluss kann nicht zum Everest fließen,

er kann nicht auf den höchsten Gipfel des Himalajas gelangen;

genau das Umgekehrte passiert – ein Fluss ist geboren

auf den höchsten Gipfeln des Himalaja, in den Gletschern,

und dann bewegt er sich immer weiter nach unten, tiefer, niedriger, und fließt immer weiter

bis er den hohlsten und niedrigsten Platz in der Welt erreicht,

den Ozean. Das Meer wird sein Zuhause.

Liebe begibt sich auch zur inneren Leere, zum Leersein –

 darum können egoistische Leute nicht lieben und nicht geliebt werden.

Sie wünschen viel für sich, sie verlangen nach Liebe,

sie tun, was auch immer getan werden kann, um Liebe zu bekommen,

aber sie bleiben Versager.

Sie scheitern völlig, denn es geht eben nicht darum wie man Liebe bekommt,

es geht darum, wie man innerlich leer wird, wie man hohl wird.

Liebe sollte nicht direkt gesucht werden, sie kann nicht direkt gesucht werden,

nur indirekt können wir empfänglich für sie werden.

Wir werden einfach innerlich leer, und siehe –

unzählige Ströme werden beginnen, in unsere Richtung zu fließen,

unbekannte Fremde werden sich in uns verlieben –

nicht nur Menschen,

sondern auch Sterne und Steine, Sand und Ozean, Bäume und Vögel,

wo immer wir hingehen, plötzlich wird Liebe zu uns hinfließen.

Denn Liebe ist wie Wasser,

sie sucht eine Höhlung, wo sie ruhen kann.

Wir kommen an einem Baum vorbei – wenn wir innerlich leer sind,

wird plötzlich die Liebe des Baumes zu uns hinzufließen beginnen.

Das ist natürlich.

05.12.2006 um 01:11 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (3)

von: tao

Buddha war nach sechs Jahren Suche frustriert, und zwar wirklich komplett frustriert.

Auch nicht ein einziges Fragment von Hoffnung war geblieben,

er wurde absolut hoffnungslos.

In dieser Hoffnungslosigkeit gab er alle Anstrengung auf.

Er hatte schon die Welt aufgegeben,

er hatte schon sein Königreich aufgegeben;

alles, was zu dieser sichtbaren Welt gehörte, hatte er zurückgelassen, darauf verzichtet.

Nun, nach sechs Jahren zehrender Anstrengung

ließ er auch alles zurück, was zu der anderen Welt gehörte.

Er war in einem kompletten Vakuum – leer.

In jener bewussten Nacht schlief er einen Schlaf von anderer Qualität

denn da war kein Ego;

eine andere Qualität des Schweigens entstand

denn da war keine Anstrengung;

eine andere Qualität von Sein geschah ihm in dieser Nacht

denn da war kein Träumen.

Wenn da keine Anstrengung ist, ist nichts unvollständig,

dann besteht keine Notwendigkeit zu träumen.

Ein Traum ist immer da, um etwas zu vervollständigen:

Etwas, was am Tag unvollständig geblieben ist

wird in einem Traum komplettiert werden

denn das Denken hat eine Tendenz, alles zu vervollständigen.

Wenn es nicht vollständig ist, dann wird dem Denken immer unwohl dabei sein.

In viele Dinge wird Anstrengung hineingesteckt

und wenn sie dann unvollständig bleiben, ist ein Traum vonnöten.

Wenn da Sehnsucht ist, muss es zwangsläufig Träumen geben,

denn Wünschen ist Träumen –

Träumen ist bloß ein Schatten des Verlangens.

In dieser Nacht, als es nichts mehr zu tun gab

- diese Welt war schon nutzlos,

nun war die andere Welt auch nutzlos –

war alle Motivation zur Bewegung gewichen.

04.12.2006 um 03:11 Uhr

Südliches Blütenland 23/2

von: tao

„Der Geist hat einen uneinnehmbaren Turm

den keine Gefahr stören kann

solange wie der Turm bewacht wird

von dem unsichtbaren Beschützer

der unbewußt handelt, und dessen Handlungen

fehl gehen, wenn sie überlegt werden,

reflexiv und absichtlich.

Das Unbewußtsein

und die völlige Aufrichtigkeit von Tao

werden gestört von jeglicher Anstrengung

für selbstbewusste Demonstration.

Alle solche Vorzeigemanöver

sind Lügen.

Wenn man sich selbst zur Schau stellt

auf diese zweifelhafte Art und Weise

stürmt die Außenwelt herein

und nimmt ihn gefangen.

Er ist nicht mehr geschützt

von der Echtheit von Tao.

Jede neue Handlung

ist ein neuer Fehlschlag.

Wenn seine Taten in der Öffentlichkeit vollbracht werden,

im hellen Tageslicht,

wird er von Menschen bestraft werden.

Wenn sie privat getan werden

und im Geheimen,

werden sie bestraft werden

von Geistern.

Lass jeden einzelnen verstehen

die Bedeutung von Ehrlichkeit

und sich hüten vor Zurschaustellung!

Der wird im Frieden sein

mit Menschen und Geistern

und wird richtig handeln, ungesehen,

in seiner eigenen Einsamkeit,

im Turm seines Geistes.“

03.12.2006 um 00:43 Uhr

Südliches Blütenland 24/8 (1)

von: tao

„Der Fürst von Wu

 

nahm sich ein Boot zum Affenberg.

 

Sobald die Affen ihn sahen,

 

flohen sie alle in Panik

 

und versteckten sich in Baumspitzen.

 

Ein Affe jedoch

 

blieb ganz unbekümmert,

 

und schwang sich von Ast zu Ast – eine

außergewöhnliche Vorstellung.

 

Der Fürst schoss einen Pfeil

 

auf den Affen,

 

aber der Affe fing den Pfeil

 

geschickt mitten im Flug.

 

Daraufhin befahl der Fürst

 

seinen Begleitern

 

eine konzertierte Attacke

 

zu unternehmen.

 

Augenblicklich

 

wurde der Affe

 

mit Pfeilen vollgeschossen

 

und fiel tot vom Baum.

 

Daraufhin wandte sich der Fürst

 

an seinen Gefährten Yen Bu I:

 

„Siehst du, was passiert ist?

 

Dieses Tier

 

stellte seine Geschicklichkeit

 

zur Schau.

 

Es vertraute

 

in seine eigene Fähigkeit.

 

Es dachte,

 

keiner könnte ihm

 

das Wasser reichen.

 

Bedenke das!

 

Verlass dich nicht auf Unterschiede 

 

und auf Talent

 

wenn du es mit Menschen

 

zu tun hast!“

 

Als sie nach Hause zurückkehrten,

 

wurde Yen Bu I

 

Schüler von einem Weisen

 

um alles loszuwerden,

 

was ihn hervorragend machte.

 

Er entsagte jedem Vergnügen.

 

Er lernte es,

 

jede Unterschiedlichkeit

 

zu verbergen.

 

Bald wusste keiner

 

im Königreich mehr,

 

was er mit ihm anfangen solle.

 

 

Auf diese Weise hatten sie

 

Hochachtung vor ihm.“

 

 

Diese Geschichte beinhaltet

 

einen der geheimsten Schlüssel

 

des Taoismus.

 

Der Taoismus sagt:

 

Was auch immer schön ist in dir,

 

verbirg es,

 

denn immer

 

wenn eine Wahrheit

 

im Herzen verborgen wird,

 

wächst sie wie ein Samenkorn

 

verborgen in der Erde.

 

Wirf es nicht nach außen.

 

Wenn wir ein Samenkorn

 

auf die Straße werfen,

 

damit es jeder sehen kann,

 

wird es sterben,

 

und es wird zwecklos sterben.

Sonstige

02.12.2006 um 01:19 Uhr

Tao Te King 67 (4)

von: tao

Sex ist ein Potenzial, eine Kraft.

Wir fühlen, wie sie sich auf uns senkt,

wir suchen sie nicht und forschen nicht nach ihr.

Aber wenn wir es dort verpassen,

dann entsteht ein großer Drang, an die Macht zu kommen: Die Politik ist geboren.

Dann werden Kriege, ständige Gewalt, geboren;

Hass, Wut und unzählige Spielarten der Perversion.

Die Leute hängen sich zu sehr an Dinge,

wenn es mit dem Sex nicht klappt,

denn dann können sie sich nicht an Personen hängen.

Denn um mit einer Person in Beziehung zu stehen

müssen wir fließend sein,

müssen wir offen sein.

Bei Dingen besteht keine Notwendigkeit, zu fließen oder offen zu sein.

Dinge können besessen werden,

Personen können nicht besessen werden.

Dinge sind tot,

Personen sind nicht tot.

Personen sind in ihrer Essenz Freiheit:

Wir können sie lieben,

wir können uns an ihnen erfreuen, aber wir können sie nicht besitzen.

Leute, bei denen das natürliche Funktionieren der Sexualität versagt hat

werden zu habgierig, was das Geld angeht,

die Dinge der Welt.

Wissenschaft ist auch Teil der Sexualität,

des körperlichen Phänomens.

Das ist der Grund, warum die Wissenschaft weiterhin darauf besteht

dass nur der Körper existiert:

Denn Sex kennt nichts anderes als den Körper.

Die Wissenschaft kann nicht glauben, dass auch nur das Denken existiert,

vom Geist ganz zu schweigen;

und natürlich ist das Jenseits, das „Darüber hinaus“ völlig jenseits aller Wissenschaft.

Beschäftigt

01.12.2006 um 14:45 Uhr

Tao Te King 9 (8)

von: tao

Ein Mensch, der fanatisch in der Mitte bleiben will, ist nicht in der Mitte,

denn ein Mensch, der in der Mitte ist, ist nicht fanatisch;

nur Extremisten sind fanatisch, sie klammern sich an eine bestimmte Position.

Die Mitte ist keine Position,

sie ist ein konstantes Gewinnen der Balance.

Es wäre besser, wir könnten dies verstehen.

Dies ist das bedeutungsvollste Gefühl, das der Taoismus uns vermitteln kann.

Die Mitte ist kein fixierter Zustand,

sie ist eine sich ständig verändernde Bewegung.

Wir können also nicht in der Mitte sein

wie der Mensch, der links oder rechts sein kann.

Wir können uns nicht an die Mitte klammern.

Wer in der Mitte sein möchte

wird sich ständig nach rechts und nach links neigen müssen;

manchmal werden wir sehen, dass er links steht;

und manchmal werden wir sehen: Jetzt schau! Er ist ein Rechter geworden.

Er muss wie ein Seiltänzer gehen.

Nur zwischen diesen beiden Extremen,

ständig ausbalancierend, ununterbrochen, ist die Mitte.

Die Mitte ist eine lebendige Situation,

sie ist kein fixierter und toter Punkt, den wir für immer erreichen. Nein.

Von Moment zu Moment müssen wir ihn erlangen

wieder und wieder und wieder.

Dafür lohnt es sich, einen Seiltänzer zu beobachten.

Ihm aufmerksam zuzuschauen, ist sehr, sehr signifikant für das Leben.

Was tut er da auf dem Seil?

Er ist nicht statisch in der Mitte, sonst würde er fallen.

Er ist niemals statisch, keinen einzigen Moment lang,

er ist dynamisch, sich ständig verändernd, ein Fließen,

aber dieses Fließen hat ein balancierendes Zentrum.

Manchmal bewegt er sich nach links, manchmal nach rechts;

er ist sehr widersprüchlich, er ist nicht konsistent.

Verrückt