Goldene Blüte 2/1-6 (2)
Eines Tages rief ein König seinen cleveren Hofnarren zu sich, gab ihm einen Stab vor dem versammelten Hofstaat und sagte: „Nimm diesen Stab als einen Amtsstab und behalte ihn, bis du einen größeren Narren als dich selbst findest. Wenn du einen findest, gib ihm diesen Stab.“
Eine Zeit später war der König krank und lag im Sterben. Er wollte seinen Hofnarren sehen, über dessen Wahrhaftigkeit er sich sicher war. Als der Narr kam, sagte der König zu ihm: „Ich habe dich rufen lassen, um dir zu sagen, dass ich dabei bin, mich auf eine lange Reise zu begeben.“
„Wohin gehst du denn?“, fragte der Hofnarr.
„In ein weit entferntes Land – in eine andere Welt.“
„Mein Meister, hast du Vorbereitungen getroffen für deine Reise und deinen Aufenthalt dort?“
„Nein, nichts dergleichen, mein kleiner Narr.“
„Hast du irgendwelche Freunde, die dich dort willkommen heißen werden?“
„Nicht einen!“, erwiderte der König.
Da schüttelte der Hofnarr traurig seinen Kopf, legte den Stab in des Königs Hände und sagte: „Nimm diesen Stab, Euer Majestät. Der gehört dir, denn du bist dabei, in eine andere Welt ohne Vorbereitungen zu gehen. Sicherlich gehört dieser Stab dir und niemand anderem.“
Dieses Leben ist eine Gelegenheit, sich auf den Tod und das Jenseits vorzubereiten. Wenn wir uns nicht auf den Tod vorbereiten und auf das Darüber hinaus, sind wir Narren – wir versäumen damit eine großartige Gelegenheit. Das Leben ist nur eine Gelegenheit.
Dieses Leben, das wir kennen, ist kein wirkliches Leben. Es ist nur eine Gelegenheit, das wirkliche Leben zu erreichen. Das reale Leben ist bloß verborgen in diesem Leben, aber es muss provoziert werden, es muss erweckt werden. Es schläft noch tief und fest. Es ist sich seiner selbst noch nicht bewusst. Und wenn unser wirkliches Leben sich seiner selbst nicht bewusst ist, wird unser ganzes sogenanntes Leben nichts sein als ein langer Traum. Und der kann auch nicht süß sein – es wird ein Albtraum sein.
Zu leben, ohne im realen Leben verwurzelt zu sein, heißt, zu leben wie ein Baum, der nicht im Erdboden verwurzelt ist. Das ist der Grund, warum da keine Schönheit ist, darum gibt es keine Anmut. Das ist der Grund, warum wir nicht den Glanz des Menschen sehen, von dem die Buddhas sprechen. Jesus sagt laufend immer wieder: „Das Königreich Gottes ist in dir.“ Aber wir sehen nicht aus wie Könige.
