Taoistische Reflektionen

12.01.2007 um 03:12 Uhr

Südliches Blütenland 6/4 (14)

von: tao

Dies wird sehr schwierig sein,

denn es geht gegen viele Jahrhunderte des Lehrens und Vergiftens:

Essen wir, wenn wir uns hungrig fühlen,

und machen wir in diesem Moment das Essen zu einer Feier.

Besser, wir würden feiern.

Denn, wer weiß, das nächste Mal sind wir vielleicht nicht mehr da.

Der Hunger mag nicht da sein, oder das schöne Brot.

Der Durst mag nicht da sein – das gute Wasser mag nicht da sein.

Trinken wir es!

Besser, wir lassen uns so konzentriert hier sein, dass die Zeit stehen bleibt;

denn die Zeit bewegt sich nicht – unser Denken bewegt sich.

Wenn wir in diesem Moment sind, total konzentriert,

mit unserem totalen Wesen genießen, bleibt die Zeit stehen.

Es gibt keine Bewegung der Zeit,

es gibt keinen Horizont und kein Rennen danach.

Aber jeder ist in Eile, den Horizont zu erreichen.

Mulla Nasrudin betrat einmal ein Krankenhaus.

Der Chirurg, der ihn operieren sollte, sagte zu ihm:

Hier glauben wir an Geschwindigkeit, und wir verschwenden keine Zeit.

Nach der Operation, schon am ersten Tag,

müssen Sie fünf Minuten lang im Krankenzimmer umhergehen;

am nächsten Tag, eine halbe Stunde lang, außerhalb des Krankenhauses;

am dritten Tag, einen langen einstündigen Spaziergang.

Wir vergeuden hier keine Zeit.

Das Leben ist kurz und Zeit ist Geld. Das muß gespart werden.

Mulla Nasrudin sagte: Bloß noch eine Frage –

Macht es Ihnen etwas aus, wenn ich mich für die Operation hinlege?

Jeder ist in Eile.

Wohin gehen wir überhaupt in solcher Eile?

Haben wir jemals jemanden gesehen, der irgendwo angekommen ist?

Haben wir jemals von jemandem gehört, der jemals irgendwo angelangt ist

durch Eile, durch Ungeduld, durch Geschwindigkeit?

11.01.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 47 (15)

von: tao

Wissen geht nach außen.

Wenn wir nach außen gehen

können wir viele Dinge kennen lernen, aber es wird Information aus zweiter Hand sein.

Das ist es, was Wissenschaft ausmacht;

Wissenschaft ist immer aus zweiter Hand,

sie kann niemals aus erster Hand sein.

Sie kann niemals diese Frische haben

die der Taoismus haben kann.

Wie tief auch immer ein Einstein geht

diese Tiefe

wird im Außen sein.

Er kann nicht frisch aus ihr herauskommen.

Und Albert Einstein spürte das in seinen letzten Tagen –

jemand fragte ihn bloß zwei oder drei Tage, bevor er starb:

Was würdest du sein wollen

wenn Gott dir eine weitere Gelegenheit geben würde, auf die Erde zu kommen,

was würdest du dann gerne werden?

Er sagte: Das nächste Mal

statt ein Wissenschaftler zu werden,

würde ich es vorziehen,

ein Klempner zu werden.

Ich würde gerne ein einfaches und gewöhnliches Leben leben.

Ich würde gerne leben

absolut unbekannt für die Außenwelt.

Ich würde gerne anonym leben,

so dass niemand von mir weiß,

so dass mich niemand stört.

Er tastet sich damit in die richtige Richtung vor.

Er tappt damit in dieselbe Richtung, wo er ein Mensch des Tao werden kann

eines Tages.

Wenn man das Außen satt bekommt

wendet man sich nach innen.

10.01.2007 um 02:14 Uhr

Tao 233

von: tao

Taoismus bedeutet Spontaneität und Natur. Taoismus ist keine Praxis, er ist keine Anstrengung, er ist keine Kultivierung. Er ist Geduld, er ist Vertrauen, er ist darauf warten, dass Dinge sich ereignen, sogar wenn man ewig warten muss.

Tao benötigt keine Arbeit von unserer Seite aus. Alles, was wir tun können, wird ein Ungeschehen-Machen sein, denn in dem Moment, in dem der Tuende kommt, verschwindet die Natur. In dem Moment, in dem der Handelnde von uns Besitz ergreift, sind wir besessen von der Idee des Egos. Und dann ist da eine Wand zwischen uns und Tao.

Der Agierende muss sich auflösen, und wir können nichts tun, um es aufzulösen. Wie können wir irgendetwas tun, um den Tuenden aufzulösen? Was auch immer wir tun, wird es noch mehr nähren. Bloß ein einfaches Verstehen, dass für alles Sorge getragen wird… Die Bäume wachsen – nicht dass sie irgendeine Anstrengung unternehmen würden, um zu wachsen; die Vögel singen – nicht dass sie in irgendeine Musikschule gehen würden; die Flüsse fließen dahin – niemand hat sie gelehrt, wie sie den Ozean erreichen sollen, sie tragen keinerlei Landkarten mit sich herum, sie kennen keinerlei Wege, sie haben keinerlei Schriften: Trotzdem, jeder Fluss gelangt zu dem Ozean.

Schauen wir uns doch nur um! Dieses immense Universum funktioniert so gut, so perfekt, dass nichts ihm hinzugefügt werden kann. Es benötigt keine Verbesserung. Wenn wir dies sehen, können wir uns entspannen. Wenn die Sterne weiterhin tanzen können und die Blumen laufend erblühen können und die Vögel immerzu singen können, warum dann nicht wir? Wir gehören auch zu diesem Universum. Wir sind Teil davon. Tatsächlich sind wir der wertvollste Teil davon – das großartigste Erblühen ist dabei, sich in uns zu ereignen, das Erblühen des Bewusstseins, die Goldene Blüte des Wesens. Wir werden nicht vernachlässigt, man kümmert sich um uns.

Das Leben zu verstehen heißt sich zu entspannen.

Ja, nur Verstehen ist nötig, keine Kultivierung, keine Ausübung. Wir brauchen nicht tugendhaft oder religiös zu werden. Die Leute, die versuchen, tugendhaft und religiös zu werden, werden einfach egoistisch und sonst nichts.

Besser, wir lassen dieses Verlangen los, etwas anderes zu sein als wir sind. Dies ist der Moment! Besser, wir sind bloß in ihm! Besser, wir sind völlig eins mit dem Ganzen. Und das braucht nicht praktiziert zu werden, denn es ist schon der Fall. Alles, was nötig ist, ist ein kleines bisschen Verstehen, eine Vision, und dann beginnt alles ganz von selbst zu geschehen.

09.01.2007 um 03:10 Uhr

Tao Te King 15 (10)

von: tao

Der weise Mensch ist nach und nach aus der Welt verschwunden.

Im Westen finden wir keine Philosophen,

wir finden nur Philosophieprofessoren. Das ist etwas Absurdes.

Ein Professor der Philosophie ist bloß ein Lehrer, ein Mann des Wissens,

ein Professor der Philosophie ist kein Philosoph, keiner weiser Mensch –

nicht wie Dschuang Dsi, nicht wie Lao-tse, nicht wie Liä Dsi.

Das sind keine Professoren. Sie halten keine Vorlesungen,

sie lehren nichts und niemandem.

Sie sind bloß da – wie die Sonne da ist,

wir öffnen unsere Augen und die Dunkelheit verschwindet;

wie die Blume am Wegesrand;

wir sind bloß ein paar Sekunden bei ihr

und der Duft erfüllt uns bis in unser Innerstes;

wie ein fließender Strom,

wir kommen durstig zu ihm und unser Durst ist gelöscht.

Sie sind keine Professoren, sie sind lebendige Leute.

Sie sind lebendiger als sonst irgendjemand,

und sie werden immer mysteriöser.

Im Osten ist die Vergangenheit immer verehrt worden;

sie erinnern sich mit tiefem Respekt an die Vergangenheit.

Im Westen ist der Respekt für die Vergangenheit komplett verschwunden;

ganz im Gegenteil,

ein gewisser Respekt für die Zukunft ist zum Vorschein gekommen.

Parallel dazu ist der Respekt für alte Leute verschwunden –

wenn die Vergangenheit nicht respektiert wird, wie können wir dann alte Leute respektieren?

Wir tolerieren sie bloß irgendwie; sogar die Eltern werden nur geduldet.

Wenn sie alt sind, entsteht tief in uns ein Wunsch

dass es besser sein würde, wenn sie tot wären.

Denn was ist jetzt noch ihr Nutzen?

Der Westen denkt in Begriffen des Nutzens,

und natürlich ist ein junger Mensch nützlicher als ein alter Mensch.

08.01.2007 um 00:00 Uhr

Tao 232

von: tao

Wir haben vergessen, wie wir uns dem Glück nähern können.

Und wir suchen es in falschen Richtungen:

Wir suchen es irgendwo, wo es nicht ist;

wir suchen es außen und es ist innen;

wir suchen es weit weg und es ist nah;

wir suchen es auf den entfernten Sternen, und es ist genau vor uns.

Im Deutschen gibt es zwei Worte –

das eine ist „offensichtlich“. Offensichtlich bedeutet genau vor uns.

Und dann gibt es ein anderes Wort – „Problem“.

Es kommt von einer griechischen Wurzel, die auch „genau vor uns“ bedeutet.

Die Wurzelbedeutung von „offensichtlich“ und „Problem“ ist die gleiche.

Das Offensichtliche ist das Problem,

das, was genau vor uns ist, ist das Problem

denn wir können es nicht sehen.

Unsere Augen wandern in entfernte Länder.

Das Offensichtliche ist das Problem geworden.

Und Erwachen bedeutet, sich des Offensichtlichen bewusst zu werden;

wenn wir uns des Offensichtlichen bewusst werden, verschwindet das Problem.

Ein Leben ohne Probleme zu leben, heißt, ein erleuchtetes Leben zu leben.

Das ist eine total andere Seinsweise:

Es hat nichts mit Errungenschaft zu tun,

es hat nichts mit Lernen zu tun, es hat nichts mit Anstrengung zu tun, oder mit Ausübung.

Die einzige Sache, die nötig ist, ist, ein wenig wacher zu sein,

so dass wir darauf schauen, sehen und beobachten können, was vor uns ist.

Die Lösung ist näher,

sehr, sehr viel näher bei uns, als wir uns vorstellen können.

Wir brauchen es nicht weit weg zu suchen. Es existiert in uns.

Sind wir erst einmal innerlich gefestigt, zentriert, verwurzelt,

haben wir alle Freiheit – wir können losziehen und lieben, losgehen und in der Welt sein.

Nun werden wir es genießen können, wir werden es auskosten können,

wir werden in seine tiefsten Möglichkeiten vorstoßen können.

Und immer wenn wir in die Tiefenbereiche hineinkommen,

werden wir dort Tao vorfinden.

Verrückt

07.01.2007 um 01:30 Uhr

Quellender Urgrund 2/4 (5)

von: tao

Es war einmal ein grosser Zendo-Meister. Er war achtzig. Und traditionell wuerde der Schueler, der ihn besiegen koennte, sein Nachfolger werden. Also hofften alle Schueler, dass er eines Tages ihre Herausforderung annehmen wuerde, denn er wurde ja nun alt. Es gab einen Schueler, der war der cleverste, der beste Stratege, sehr kraftvoll, aber kein Meister des Zendo, bloss geschickt in der Kunst. Obwohl er ein guter Krieger war und alles ueber die Fechtkunst wusste, war er noch keine Energiesaeule, er hatte immer noch Angst, wenn er kaempfte. Das Tathata, das Sosein, hatte sich fuer ihn noch nicht ereignet. Er ging wieder und wieder zu dem Meister und sagte: "Die Zeit ist jetzt gekommen, und du wirst alt. Bald wirst du zu alt, als dass man dich ueberhaupt noch herausfordern koennte. Ich fordere dich jetzt heraus. Nimm meine Herausforderung an, Meister, und gib mir eine Chance, zu zeigen, was ich von dir gelernt habe." Der Meister lachte und liess ihn stehen. Der Schueler fing an, sich so seine Gedanken zu machen: Der Meister war wohl schon so schwach und alt geworden, dass er Angst hatte und bloss noch versuchte, die Herausforderung zu umgehen. Eines Nachts bestand er also darauf, liess nicht locker, wurde wuetend und sagte: "Ich werde nicht von hier weggehen, bevor du  nicht meine Herausforderung annimmst. Morgen frueh musst du sie akzeptieren. Du wirst doch schon alt und bald werde ich keine Chance mehr haben, dass ich zeigen kann, was ich von dir gelernt habe. Das ist schon immer eine Tradition gewesen." Der Meister sagte: "Wenn du darauf bestehst, zeigt doch schon deine Hartnaeckigkeit, dass du nicht bereit dafuer oder darauf vorbereitet bist. Es ist zuviel Aufregung in dir, dein Ego moechte mich herausfordern, du bist noch nicht faehig dazu geworden; aber wenn du darauf bestehst, in Ordnung. Tu das eine: Geh in das nahe gelegene Kloster, da gibt es einen Moench, der war vor zehn Jahren mein Schueler. Er wurde so effizient im Zendo, dass er sein Schwert wegwarf und ein Zen-Moench wurde. Er war mein rechtmaessiger Nachfolger. Er forderte mich niemals heraus, und er war der einzige, der mich haette herausfordern und sogar besiegen koennen. Also geh zuerst dorthin und fordere diesen Moench heraus. Wenn du ihn besiegen kannst, dann komm zu mir. Wenn du ihn nicht besiegen kannst, dann gib diese Idee einfach auf." Der Schueler machte sich sofort auf den Weg zu dem Kloster. Am Morgen war er dort. Er forderte den Moench heraus. Er konnte es nicht glauben, dass dieser Moench ein Zendo-Meister sein koennte: Duenn und mager, staendig am Meditieren, und nur eine Mahlzeit am Tag. Der Moench hoerte ihm zu, lachte und sagte: "Du bist gekommen, um mich herauszufordern? Sogar dein Meister kann mich nicht herausfordern, sogar der hat Angst vor mir." Als er dies hoerte, drehte der Schueler voellig durch! Er sagte: "Steh sofort auf! Hier ist ein Schwert, das ich fuer dich mitgebracht habe, weil ich wohl weiss, dass du ein Moench bist und keines haben duerftest. Komm raus in den Garten. Das ist beleidigend, und ich werde dir nicht weiter zuhoeren." Der Moench schaute absolut ungeruehrt drein. Er sagte: "Du bist bloss ein Kind, du bist kein Krieger. Du wirst sofort getoetet werden. Warum forderst du unnoetigerweise deinen Tod?" Das machte ihn noch wuetender, also gingen sie beide nach draussen. Der Moench sagte: "Ich werde das Schwert nicht brauchen, denn ein wirklicher Meister benoetigt es niemals. Ich werde dich nicht angreifen, ich werde dir nur eine Chance geben, mich anzugreifen, dann ist dein Schwert zerbrochen. Du bist kein Gegner fuer mich. Du bist ein Kind, und die Leute werden ueber mich lachen, wenn ich gegen dich das Schwert erhebe." Das war zuviel! Der junge Mann sprang auf! Aber dann sah er, dass der Moench dastand - bis jetzt war der Moench dagesessen. Nun stand er auf, schloss seine Augen und begann, von einer Seite zu anderen zu schwanken, und ploetzlich sah der junge Mann, dass der Moench verschwunden war. Da war nur eine Energiesaeule; kein Gesicht, bloss eine feste Saeule aus Energie, die hin- und herschwankte. Er bekam es mit der Angst zu tun und ging in den Rueckzug, und die Energiesaeule begann, sich zu ihm hinzubewegen, immer noch schwankend. Er warf sein Schwert weg und schrie gellend: "Rette mich!" Der Moench setzte sich wieder hin und begann zu lachen. Sein Gesicht kam zurueck, die Energie verschwand und er sagte: "Ich sagte es dir vorher. Sogar dein Meister ist kein Gegner fuer mich. Geh und sag es ihm." Schwitzend, zitternd und nervlich angeschlagen ging der Schueler zurueck zu seinem Meister und sagte: "Wie dankbar bin ich dir fuer dein Mitgefuehl, das du mit mir hattest. Ich bin kein Gegner fuer dich. Selbst dieser Moench hat mich voellig demontiert. Aber eines konnte ich eben nicht ertragen, darum hatte ich mich so hineingesteigert. Er sagte: Sogar dein Meister ist kein Gegner fuer mich." Der Meister begann zu lachen und sagte: "So, dieser Schuft hat den Trick auch bei dir angewandt? Du bist wuetend geworden? Dann konnte er dich durchschauen, denn Zorn ist ein Loch im Wesen. Und das ist sein Haupttrick geworden. Immer wenn ich jemandem zu ihm schicke, faengt er an, etwas gegen mich zu sagen, und meine Schueler werden natuerlich wuetend. Wenn sie zornig sind, findet er heraus, dass sie energetische Schlupfloecher haben. Und wenn wir Loecher in unserem energetischen System haben, dann koennen wir nicht kaempfen."

06.01.2007 um 00:05 Uhr

Tao Te King 47 (14)

von: tao

Eine der weisesten Frauen

die jemals geboren wurden

war Rabia Al-Adawia.

Sie war ein Sufi,

eine große Mystikerin,

unvergleichlich;

sie saß gerade in ihrer Hütte

mit geschlossenen Augen

und tat etwas – niemand weiß, was.

Ein anderer Mystiker mit Namen Hassan

hielt sich bei ihr auf,

und es war am Morgen,

und die Sonne ging gerade auf,

und es war ungeheuer schön,

mit den Vögeln, die zu singen begannen

und den Bäumen, die wieder glücklich waren, das Licht zu sehen

und der ganzen Welt, die den Morgen feierte.

Hassan stand da draußen,

dann rief er Rabia

und sagte: „Rabia, komm doch raus!

Sieh die Herrlichkeit Gottes!

Was für ein schöner Morgen!

Rabia sagte: Hassan,

ganz im Gegenteil, komm du nach innen

und sieh Gott selbst.

Dort, das weiß ich, ist Schönheit,

die Schönheit der Schöpfung,

aber das ist nichts im Vergleich zur Schönheit des Schöpfers.

Also komm du lieber nach innen!

Ob Hassan dies verstand oder nicht,

aber das ist der springende Punkt.

Traurig

05.01.2007 um 00:19 Uhr

Quellender Urgrund 2/4 (4)

von: tao

In Japan ist, inspiriert von Buddha, Lao-tse und Dschuang Dsi,

eine spezielle Kunst, genannt Zendo, entwickelt worden.

Zendo bedeutet das Zen des Schwertes, die Kunst des Kriegers –

und niemand versteht sich so darauf, wie sie es tun.

Der Weg, den sie entwickelt haben, ist höchste Kunst.

Es braucht Jahre, sogar eine ganze Lebenszeit, um Zendo zu lernen

denn das Lernen besteht aus Akzeptieren.

Im gewöhnlichen Leben können wir nicht akzeptieren –

wie können wir es akzeptieren

wenn ein Krieger vor uns steht, und nur darauf wartet, uns zu töten?

Wie können wir es akzeptieren, wenn das Schwert gegen uns erhoben wird

und in jedem Moment, jederzeit, der Tod nahe ist?

Die Kunst des Zendo sagt:

Wenn du das Schwert, den Feind, akzeptieren kannst,

denjenigen, der dich töten wird,

und da kein Misstrauen mehr ist;

wenn sogar der Feind der Freund ist,

und du keine Angst hast, nicht erzitterst,

dann wirst du eine Energiesäule, unzerbrechlich.

Das Schwert wird an dir zerbrechen, aber du kannst nicht gebrochen werden.

Es wird nicht einmal irgendeine Möglichkeit dafür geben

dass du zerstört werden könntest.

Immer wenn wir wütend sind, hat unser Wesen Lecks, undichte Stellen.

Immer wenn wir Sehnsucht haben, hat unser Wesen Löcher, es ist löchrig.

Immer wenn wir eifersüchtig sind, voll von Hass, Sexualität,

sind wir keine Energiesäule.

Daher haben die Buddhas uns gelehrt, begierdelos zu sein,

denn immer, wenn wir ohne Verlangen sind

bewegt sich die Energie nicht nach außen, die Energie geht nach innen.

Sie wird ein innerer Kreis,

sie wird ein Energiefeld, ein bioelektrisches Feld.

04.01.2007 um 18:25 Uhr

Tao 231

von: tao

Wir können einen Stein nicht dumm nennen, aber einen Menschen können wir dumm nennen, denn beim Menschen gibt es Hoffnung, einen Strahl vom großen Licht. Beim Menschen öffnet sich eine Türe zum Darüber-Hinaus. Er kann sich selbst transzendieren und doch transzendiert er sich  nicht – das ist seine Dummheit! Er kann wachsen und doch wächst er nicht, er klammert sich an alle Variationen der Unreife – das ist seine Stupidität. Er lebt immer weiter in der Vergangenheit, die nicht mehr ist – das ist seine Dummheit. Oder er beginnt damit, in die Zukunft hinein zu projizieren, die noch nicht ist – das ist seine Stupidität. Er sollte in der Gegenwart leben mit tiefgehender Leidenschaft, mit großer Liebe, mit Intensität, mit Bewusstheit, und das würde seine Intelligenz werden. Es ist die gleiche Energie: Umgedreht ist es Dummheit, richtig gestellt, arrangiere es wieder um, und es wird Intelligenz. Intelligenz und Dummheit sind keine separaten Energien. Die gleiche Energie ist Intelligenz, wenn sie harmonisch funktioniert, funktioniert sie aber widersprüchlich, ist es Stupidität. Der Mensch kann dumm sein – und das ist unser Glück. Oberflächlich gesehen schaut es so aus, dass es bedauerlich ist, aber dahinter verborgen ist es eine große Herrlichkeit, ein großer Glanz, der entdeckt werden kann. Aber die Gesellschaft, die sogenannten Religionen, der Staat, die Masse, sie alle wollen uns dumm; niemand möchte, dass wir intelligent sind. Sie alle konditionieren uns, unser ganzes Leben lang dumm zu bleiben, aus dem einfachen Grund, dass dumme Leute gehorsam sind. Intelligente Leute fangen an, selbständig zu denken; sie beginnen, Individuen zu werden. Sie fangen an, ihr eigenes Leben zu haben, ihren eigenen Lebensstil, ihre eigene Sichtweise, Lebensweise, ihre eigene Art zu wachsen. Sie sind nicht mehr Teil der Masse – sie können es nicht sein. Sie müssen die Masse hinter sich lassen, nur dann können sie wachsen. Und die Masse fühlt sich verletzt; die Masse möchte nicht, dass irgendjemand mehr ist als ein Durchschnittsmensch – es ist gegen das Ego jeder mittelmäßigen Person. Die Masse, das Kollektiv, verlangt ein großes Engagement: Die Mitwirkung ist die, dass jeder, der intelligenter, individueller und bewusster wird, nicht mehr Teil der Massenpsychologie sein wird. Wir können Lao-tse nicht dazu zwingen, den dummen Leuten zu folgen. Und dumme Leute gibt es viele, sie sind die Mehrheit, 99,9 %. Sie besitzen eine große Macht – die Macht der Gewalttätigkeit – und sie zeigen sie, immer wenn es nötig ist. Sie zeigten sie Jesus, sie zeigten sie Sokrates, sie zeigten sie Mansur…sie würden sie gerne jedem Menschen des Tao zeigen. Er ist für sie zu einem Störfaktor geworden. Er geht gegen ihre Tabus, er geht gegen ihre Hemmungen, er geht gegen ihre Vergangenheit. Sie nennen es ihre Kultur, ihr Erbe, ihre Religion, und sie wollen jeden Störenfried entfernen.

03.01.2007 um 00:00 Uhr

Goldene Blüte 4/9-12 (2)

von: tao

An einem heißen Nachmittag saß eine Eule in einem Baum und ein Schwan flog hoch und saß dann auch daneben im Baum. „Puh, ist das heiß, Bruder Eule“, sagte er. „Die Sonne knallt herunter und ich bin schon ganz heiß und schwitzig.“ „Was?“ sagte die Eule. „Was? Von was redest du? Sonne? Heiß? Wenn die Dunkelheit kommt, dann wird es heiß. Was ist diese Sonne, von der du redest? Bist du verrückt oder was? Was versuchst du mir damit zu sagen? Es gibt nicht so etwas wie eine Sonne. Das hat es niemals gegeben. Was ist dieses Licht, das heiß wird? Wir haben niemals davon gehört. Es wird heiß, wenn sich die Dunkelheit ausbreitet. Versuchst du einen Narren aus mir zu machen? Und ich bin nicht der einzige, der das so sieht. All unsere Schriften sagen das auch so.“ Der Schwan war von all dem verblüfft. „Wie kann ich das dieser blinden alten Eule erklären?“ dachte er. „Schau, Bruder, ich kann mit meinen Augen sehen – es ist mitten am Tag und die Sonne scheint hell und es ist sehr heiß. Und du sagst, dass es dunkel ist? Wie kann ich das dir erklären?“ „Dann lass uns fliegen“, sagte die Eule. „Dort drüben ist ein großer Baum, wo jede Menge Eulen sind und es sind auch große Gelehrte darunter. Wir werden sie darüber befragen – und sie kennen all die Schriften und einige von ihnen sind sehr gelehrt. Komm nur. Wir werden sehen, ob du mich zum Narren hältst.“ Sie flogen herüber und da drüben waren viele viele blinde Eulen. „Dieser Schwan ist aufgekreuzt“, sagte die Eule, „und er sagt, dass es mitten am Tag ist, und die Sonne herunterknallt, und dass da überall Licht ist, und dass es darum heiß ist. Was sagt ihr Leute dazu?“ „Was soll das denn sein?“, schrieen sie. „Unsere Väter und deren Väter und deren Väter, eigentlich unsere ganze Gemeinschaft, haben niemals eine Sonne gesehen, also gibt es kein solches Ding wie die Sonne. Wie kann sie da sein? Er nimmt dich auf den Flügel. Hör nicht auf ihn. Er ist entweder verrückt oder ein sehr arglistiger Bursche. Er versucht damit, unsere Religion zu korrumpieren. Wir haben schon immer in Dunkelheit gelebt und wir haben schon immer die Dunkelheit verehrt. Das ist die eigentliche Grundlage unseres Lebenswegs. Er wird unsere Lebensweise zerstören. Das ist so ein Tier. Wenn du willst, werden wir darüber einen Mehrheitsbeschluss herbeiführen.“ Eine Eule stand auf und sagte: „Was ist die Wahrheit? Existiert Dunkelheit oder existiert das Licht?“ „Dunkelheit, und nur die Dunkelheit“, schrieen sie alle wie mit einem Krächzen. „Warum ist es dann so heiß geworden?“ „Weil es so dunkel ist“, riefen sie. „Hitze ist eine Funktion der Dunkelheit“, „Lass ihn nicht hier bleiben“, riefen sie wieder. „Er wird unsere Religion zerstören, unsere Tradition und unsere Vergangenheit, die uns so ans Herz gewachsen ist. Verscheuche ihn augenblicklich. Er ist entweder total blind oder völlig durchgeknallt.“

Diese kleine Parabel enthält einige Wahrheiten von immensem Wert.

02.01.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 13/10 (4)

von: tao

Wir können uns vorstellen, was wir wollen, es liegt bei uns

unserer Imagination alle möglichen Eigenschaften zu geben – wir projizieren.

Es ist schwierig, auf einen lebenden Menschen zu projizieren

denn die Realität ist da,

und er wird all unsere Projektionen zerstören.

Er wird nicht bereit dazu sein

ein Gefangener unserer Projektionen zu werden.

Aber ist er tot, was kann er dann tun?

Was kann Jesus tun? Was kann Buddha tun?

Hilflos, was auch immer wir tun, sie müssen es erleiden.

Das ist der Grund, warum bei einem toten Meister mehr Imagination möglich ist –

nun können wir die Signifikanz zuschreiben,

die Höherwertigkeit, das von einer anderen Welt sein.

Aber bei einer lebenden Person ist das unmöglich

es sei denn, wir haben ein vertrauensvolles Herz, totales Vertrauen;

und für diejenigen, die ein völlig vertrauendes Herz haben

ist ein Mensch des Tao niemals der Körper, sei er lebendig oder tot.

Er ist niemals der Körper.

Weil sie in die Tiefe gehen können, ist ein Mensch des Tao für sie transparent.

Er mag im Körper weilen, aber er ist nicht der Körper;

er mag unter uns leben, aber er gehört nicht zu uns –

er ist irgendwo von oben her.

Das ist die Bedeutung eines Christus, des Sohnes Gottes.

Das ist der Sinn eines Avatar, eines Hinabsteigens des Göttlichen.

Das ist die Bedeutung von einem teerthankara – eines Buddha.

Er kommt aus dem Unsichtbaren,

aber er kann nur durch das vertrauende Auge gesehen werden.

Das Denken kann es nicht sehen.

Aber wenn er tot ist, kann das Denken projizieren.

Je länger also die Kluft, die Zeitspanne, die Periode,

je mehr Zeit zwischen uns und Buddha, Jesus und Mohammed,

desto größere Freiheit hat die Imagination.

01.01.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 17/11 (4)

von: tao

Lloyd George war Premierminister von England.

In der Kriegszeit, um sechs Uhr am Abend,

gab es für gewöhnlich eine Stromsperre und niemand durfte sein Zuhause verlassen.

Der ganze Verkehr stoppte, Lichter waren nicht erlaubt,

und jeder musste sich in irgendeiner Unterkunft befinden.

Lloyd George machte gerade seinen üblichen Abendspaziergang, und er vergaß die Sperrstunde. Plötzlich ging die Sirene los.

Es war sechs Uhr und sein Haus war mindestens eineinhalb Kilometer Fußweg weit weg.

Also klopfte er an der nächsten Türe

und sagte zu dem Menschen, der sie öffnete:

Lassen Sie mich hier übernachten,

sonst wird die Polizei mich aufgreifen.

Ich bin Lloyd George, der Premierminister.

Der Mann ergriff ihn sogleich und sagte:

Komm rein. Dies ist der richtige Platz für dich.

Wir haben schon drei Lloyd Georges.

Es war ein Irrenhaus.

Lloyd George versuchte den Mann zu überzeugen,

dass er der richtige sei.

Aber der Mann sagte: Sie argumentieren alle mit mir, also versuche es erst gar nicht,

komm einfach rein, oder ich werde dich schlagen.

Also musste Lloyd George die ganze Nacht lang sich ruhig verhalten

oder er wäre wirklich geschlagen worden.

Wie hätte er sie überzeugen können?

Es waren ja schon drei Lloyd Georges da

und sie hatten alle versucht, dies zu beweisen.

Aber der Verrückte ist weniger gefährlich als der Politiker,

denn er verkündet einfach seine Überlegenheit,

er kümmert sich nicht darum, es zu beweisen;

der Politiker macht sich die Mühe, es zu beweisen –

und der Beweis ist sehr kostspielig.

 Sonstige