Taoistische Reflektionen

08.02.2007 um 03:31 Uhr

Südliches Blütenland 13/10 (5)

von: tao

Du kannst projizieren, du kannst einen Traum um Menschen herum erzeugen, die du verehrst.

Dann werden sie mehr zu einem Mythos und weniger eine Realität,

dann wird ein ganzer Mythos um sie herum erschaffen.

Dann kannst du sie verehren, dann kannst du auf sie hören.

Aber das Problem ist

Wenn ein Erwachter lebendig ist, kann er dir helfen.

Wenn ein Erwachter lebendig ist, ist es möglich

dass etwas kommuniziert wird und sich überträgt.

Aber wenn er tot ist, wird dies immer unmöglicher.

Warum? Weil das, was gegeben werden soll

nicht durch die Sprache gegeben werden kann.

Wenn es durch die Sprache gegeben werden kann, dann gibt es dafür Schriften,

dann ist da das Wort des Erwachten.

Aber es kann nicht durch das Wort gegeben werden.

Das Wort ist bloß eine Ausrede.

Wenn ein Mensch des Tao zu dir spricht, ist dies bloß eine Ausflucht

um einen Kontakt auf der Ebene des Denkens herzustellen.

Und wenn du rezeptiv bist,

dann ereignet sich ständig etwas nebenbei;

genau zwischen den Worten oder zwischen den Zeilen,

erreicht ein Mensch des Tao dich – das ist eine lebendige Erfahrung.

Er hat nicht eine Theorie zu übermitteln, sondern sich selbst.

Er hat nicht eine Hypothese zu kommunizieren, eine Philosophie,

sondern eine lebendige Erfahrung,

und das ist mehr wie eine Fähigkeit, und weniger wie eine Philosophie.

Sogar wenn du weißt, wie man schwimmt

kannst du es niemandem bloß durch Worte beibringen.

Was wirst du sagen?

Was auch immer du sagst, du wirst spüren, es ist nicht adäquat.

Der einzige Weg ist, mit deinem Schüler zum Wasser zu gehen.

Zeige ihm zuerst, wie du schwimmst

gib ihm Zuversicht, mach ihm Mut 

dann sag ihm, komm rein.

Und wenn er dir vertraut, wird er zu dir ins Wasser kommen.

Dann lass ihn nach und nach durch die Erfahrung hindurchgehen.

Beschäftigt

07.02.2007 um 03:20 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (6)

von: tao

Dschuang Dsi sagt: Wenn du das Nutzlose verneinst,

dann wird es keinen Nutzen in der Welt geben.

Wenn wir das Nutzlose verneinen, das Spielerische, den Spaß,

kann es keinerlei Arbeit, keinerlei Pflicht, mehr geben.

Dies ist sehr schwierig

denn unsere ganze Betonung liegt auf dem Nützlichen.

Wenn dich jemand fragt, aus was ein Haus besteht,

wirst du sagen, aus Mauern, aus Wänden.

Und Dschuang Dsi würde sagen, ganz genau so wie sein Meister Lao-tse,

dass ein Haus nicht aus Wänden besteht, sondern aus Türen und Fenstern.

Ihre Betonung liegt auf dem anderen Teil.

Sie sagen, dass Wände nützlich sind,

aber ihr Nutzen beruht auf dem nutzlosen Raum dahinter.

Ein Zimmer ist Raum, nicht Wände.

Natürlich, der Raum ist frei, aber die Wände müssen gekauft werden.

Wenn du dir ein Haus kaufst, was erwirbst du dann ?

Die Wände, das Material, das Sichtbare.

Aber kannst du in dem Material leben ?

Kannst du in den Wänden leben ?

Du mußt in dem Raum leben, in dem freien Zwischenraum.

Du kaufst dir das Boot, aber du mußt in der Leere leben.

Was ist also wirklich ein Haus ? Leere, umgeben von Wänden.

Und was ist eine Türe ? Da ist nichts.

Türe bedeutet, dass da nichts ist, keine Wand, Leere.

Aber du kannst nicht das Haus betreten, wenn es keine Türe gibt;

wenn es kein Fenster gibt

dann wird keine Sonne hereinscheinen, kein Windhauch wird durchziehen.

Du wirst tot sein. Und dein Haus wird zur Gruft werden.

06.02.2007 um 02:08 Uhr

Tao Te King 45 (6)

von: tao

Jemand fragte einmal einen Sufi Mystiker, Junnaid – es war bekannt, dass Junnaid mit fast all den großen Meistern dieser Zeit zusammen gewesen war, während er noch gelernt, gesucht und geforscht hatte – wie er herausgefunden hätte, dass diese die wirklichen Meister waren, denn auf einen wirklichen Meister kamen Tausende von Scharlatanen. Er besaß die Fähigkeit, unmittelbar zu beurteilen, wer wirklich war, und er vermied die Selbstdarsteller und ging immer zu den wirklichen Meistern. Als er selbst erwacht war, fragte ihn jemand: Eine Sache ist für uns immer ein Mysterium geblieben. Wie konntest du das erkennen, als du selbst nicht erwacht warst ? Was war dein Kriterium ? Fast immer warst du im Recht. Welchen Kniff hattest du dafür herausgefunden ? Ist es bloß eine Ahnung, dass du es eben irgendwie weißt, oder hast du dafür eine Methode ? Junnaid sagte: Ich hatte eine Methode dafür. Ich ging zu einer Person, von der bekannt war, dass sie ein Meister sei und ich war ganz bescheiden, ganz demütig: Ich berührte seine Füße und die Tränen flossen mir aus den Augen, ich fiel vor ihm auf die Erde nieder, ich machte mich zu einem Nichts vor ihm, und dann beobachtete ich ihn. Wenn der Mensch, als er meine Bescheidenheit sah, arrogant wurde und mich dominierte, rannte ich vor ihm davon, so wie jemand einer Seuche entkommt. Der Fragesteller sagte: Und wenn der Mensch nicht dominant und besitzergreifend wurde, nicht arrogant war und dich nicht dominierte, was dann ? Sagte Junnaid: Wenn ich zu einem Nichts vor ihm wurde und dann sah, dass der andere Mann, der Meister, auch sich als ein Nichts darstellte und bescheiden war – wenn ich seine Füße berührte, dann berührte er meine Füße – auch dann entfloh ich, so schnell, wie ich nur konnte. Der Fragesteller war noch mehr durcheinander. Er sagte: Ich kam, um das Geheimnis zu lösen. Du hast es noch schwieriger gemacht. In beiden Fällen machtest du dich davon ? Wann bliebst du denn dann überhaupt dort ? Wie mußte denn der Meister reagieren ? Sagte Junnaid: Er durfte überhaupt nicht reagieren. Ob ich mich vor ihm zu einem Nichts machte oder nicht, er mußte er selbst bleiben. Wenn er arrogant wurde, war das eine Reaktion – wen er einen bescheidenen Menschen sah, wollte er ihn herumkommandieren. Wenn er selbst bescheiden wird, bedeutete dies, dass er nun, da er einen bescheidenen Menschen sah, sich im Wettbewerb mit ihm befand – er wollte beweisen, dass er bescheidener war als ich. Auch das ist Arroganz, sehr subtil, aber auch das ist Ego. Es heißt doch nur: Du kannst nicht beweisen, dass du bescheidener bist als ich. Er würde also beginnen, sich noch mehr zu erniedrigen. Ich rannte vor beiden Typen von Menschen davon und ich blieb nur bei der Person, die mich einfach anschaute und sie selbst blieb, die nicht reagierte. Dieser Mensch hatte das Gleichgewicht erreicht, die Balance, was die Hindus stith-pragya nennen: Ein Mensch, dessen innere Flamme des Bewußtseins sich jetzt nicht bewegt, wo es innerlich kein Hin- und Herschwanken gibt. Er reagiert nicht, er hat kein Denken, das noch reagiert, was auch immer du tust, für ihn ist es gleich. Du kannst ihn nicht stören, auf keine Weise, wie auch immer. Bei diesem Menschen blieb ich. Traurig

05.02.2007 um 03:20 Uhr

Quellender Urgrund 3/9 (4)

von: tao

Es sollte natürlich sein, clever und intelligent zu sein - so natürlich wie Atmen, so natürlich wie Gesundheit.
Beobachte ein Kind, irgendein Kind, schwarz, weiß, indisch, chinesisch, deutsch – schau irgendeinem Kind zu. Alle Kinder sind intelligent und alle Kinder sind schön. Hast du jemals ein häßliches Kind gesehen ? Dieses Phänomen existiert überhaupt nicht. Hast du jemals ein dummes Kind gesehen ? Ihre Intelligenz ist gewaltig.
Aber die Gesellschaft beginnt das Kind zu verkrüppeln, denn die Gesellschaft kann nicht soviel Intelligenz zulassen. Soviel Intelligenz ist gefährlich. Ein intelligentes Kind ist eine gefährliche Person. Die Gesellschaft stürzt sich sofort auf das Kind, schon vom ersten Tag an. Dem Kind wird nicht einmal die Freiheit gelassen, von selbst zu atmen – der Arzt gibt ihm einen Klaps auf den Hintern und die Gesellschaft hat begonnen. Dem Kind wird nicht einmal erlaubt, von selbst zu atmen. Du solltest warten. Es ist nicht nötig, das Kind zu schlagen.
Geh und schau es dir in einem Kreißsaal an. Wenn das Kind geboren wird, wird der Arzt das Kind an den Beinen nehmen, es mit dem Kopf nach unten hochhalten und ihm einen Klaps auf den Hintern geben, um ihm beim Atmen zu helfen. Das ist, als wenn die Natur nicht genug ist, dass also deine Hilfe nötig ist. Niemand schlägt die Tiere – und doch atmen sie, und atmen schön. Kein Arzt ist nötig, keine Hebamme ist nötig, keine Krankenschwester ist nötig.
Warte ! Aber die Gesellschaft kann nicht warten. Innerhalb von Sekunden kommt die Gesellschaft herein. Die Gesellschaft muss das Kind schlagen. Und nun sagen Leute, die das Phänomen, dem Kind einen Klaps zu geben, studiert haben, dass dieser erste Klaps wie ein Schock kommt, denn das Kind ist sehr empfindlich. Neun Monate lang hat es in einer sehr geschützten Umgebung gelebt – dieser Schlag ist wie ein großer Schock. Mit einem Schock beginnt sein Leben.
Dann gibt es sogar noch grausamere Leute. Die Juden werden eine Beschneidung vornehmen – das ist ein großer Schock, die Vorhaut des Genitals abzuschneiden. Du hast mit der Gewalt angefangen; du hast damit begonnen, das Kind abzuschlachten. Die Gesellschaft ist schon unterwegs.
Und sofort muss alles dem Kind aufgezwungen werden. Nun wird der Mutter gesagt, wann sie das Kind stillen soll und wann sie das Kind nicht stillen soll – nach drei Stunden – als wenn jedes Kind ein Auto ist, das genauso wie jedes andere Auto ist. Jedes Kind ist ein Individuum. Seine Bedürfnisse sind unterschiedlich. Das eine Kind wird feststellen, dass es schon innerhalb von zwei Stunden hungrig ist, ein anderes Kind wird entdecken, dass es noch nach fünf Stunden nicht hungrig ist. Dieser Durchschnitt von drei Stunden ist gefährlich. Das eine Kind wird nicht hungrig sein, aber die Mutter wird es dazu zwingen, sich füttern zu lassen, weil die drei Stunden vorbei sind, und ein anderes Kind wird hungrig sein und weinen, aber die Mutter wird warten und auf die Uhr schauen, und weil die drei Stunden noch nicht vorbei sind, kann sie es eben noch nicht füttern.

04.02.2007 um 01:41 Uhr

Quellender Urgrund 2/14 (1)

von: tao

Zu sein heißt, das Tao zu verfehlen. Zu sein heißt, das Ganze zu verpassen. Zu sein heißt, separat zu sein, also ist nicht zu sein, das Tor. Zu sein heißt, in die Irre zu gehen. Nicht zu sein, heißt, nachhause zu kommen. Wenn du nicht bist, dann ist Tao. Wenn du bist, ist Tao nicht. Und beide sind niemals zusammen gesehen worden; sie können nicht zusammen sein, schon von ihrer Natur her nicht. Genau wie Dunkelheit und Licht nicht zusammen existieren können: Wenn das eine ist, dann ist das andere nicht.

Die grundlegende, die ganz fundamentale Lehre des Taoismus ist also, in einem Zustand des Nichtseins zu sein, was die Buddhisten anatta nennen, ein Zustand des Nicht-Selbst. Leer, ein tiefes Nichtssein, niemand mehr drinnen ...dann bist du wirklich. Aber dann bist du nicht: Die Ganzheit ist. In dem Moment, in dem du beginnst, dich selbst für ein getrenntes Individuum zu halten, beansprucht der Teil, das Ganze zu sein; der Teil ist verrückt geworden. Das Ego ist das einzig geisteskranke Ding in der Welt. Das Ego ist Neurose, und jeder, der am Ego leidet, leidet an einer Neurose, denn er denkt, das Teil wäre die Ganzheit. Das Teil ist nicht das Ganze. Wenn ein Blatt im Baum zu denken beginnt: "Ich bin", dann ist das Blatt verrückt geworden. Der Baum ist und das Blatt existiert nur als ein Teil, als ein organisches Teil des Baums. Sich auch nur das Blatt als getrennt vorzustellen ist unmöglich. Der Baum fließt in ihm. Es ist die Energie des Baums, die das Blatt geworden ist. Wenn eine Welle im Ozean denkt: "Ich bin getrennt", dann ist die Welle verrückt geworden. Das Meer ist. Alle Wellen sind nichts als der Ozean.

Alle menschlichen Wesen sind nichts als das universale Bewußtsein, das Wellen schlägt. Wir sind Wellen. In dem Moment, in dem du verstehst: "Ich bin eine Welle", bedeutet das, du hast verstanden, dass du nicht bist -- nur das Meer ist. Manchmal schlägt der Ozean Wellen und du bist, und manchmal bleibt das Meer ruhig und du verschwindest.

Der Taoismus sagt: Das Ego ist die einzige Barriere. Alle anderen Religionen sagen das gleiche, aber der Taoismus geht in seiner Herangehensweise am tiefsten; seine Einsicht ist die größte. Alle Religionen sagen, dass das Ego aufgegeben werden muss, aber wenn du genau hinhörst, wenn du es genau nachliest, wenn du in diese religiösen Leute hineinsiehst, wirst du feststellen, dass ihre Einsicht nicht sehr tief ist, und das Ego kommt in verschiedenen Formen immer wieder hoch.

Was das Ego betrifft, haben nur zwei Personen das eigentliche Substrat berührt, und diese zwei Personen sind Lao-tse und Gautam Buddha. Die Religionen sagen laufend: "Lass das Ego fallen. Sei egolos", aber in subtiler Weise, irgendwie, schützen sie das Ego auch weiterhin. Sie sagen: "Wenn du das Ego aufgibst, wirst du spirituell werden. Wenn du das Ego losläßt, wirst du der Erste im Königreich Gottes sein. Wenn du das Ego fallenläßt, wirst du der Auserwählte sein. Wenn du das Ego sein läßt, wirst du großartig in der anderen Welt dafür belohnt werden – mit dem Himmel, mit dem Paradies, mit moksha."

03.02.2007 um 03:47 Uhr

Tao Te King 41 (5)

von: tao

Tatsächlich, ein Mensch, der bloß dadurch, dass er zuhört, bewußt wird

hat eine größere Qualität des Bewußtseins

als ein Mensch, der dafür jahrelang arbeiten mußte,

seine Übungen machen mußte, dies und das zu praktizieren hatte.

Der ist ein mittelmäßiger Kopf, ein kleines Licht.

Sadhus, Mönche, scheinen immer ein wenig abgestumpft zu sein.

Was ist los mit ihnen ?

Warum sehen sie ein wenig stumpf, ein bißchen mittelmäßig aus ?

Ihre Intelligenz ist nicht die der höchsten Qualität –

und der Grund dafür,

dass sie es nicht bloß durch Zuhören erreichen konnten,

ist: sie haben nicht die Intelligenz dafür.

Tatsächlich, für das erstklassige Denken besteht keine Notwendigkeit, irgend etwas zu tun;

bloß durch das Hören, durch das richtige Zuhören, erlangt man es.

Aber wo kann man erstklassiges Denken finden ? Es ist sehr selten.

Bevor nicht ein Krishnamurti kommt, um Krishnamurti zuzuhören

wird es nicht passieren.

Aber warum sollte ein Krishnamurti kommen, um einem Krishnamurti zuzuhören ?

Das ist absurd. Es hat keinen Sinn.

Ein Mensch, der diese Art von Wahrnehmungsfähigkeit hat

kann erwachen, bloß indem er dem Lied eines Vogels lauscht,

bloß indem er auf den Windhauch hört, der durch die Bäume rauscht,

bloß indem er auf den Ton des fließenden Wassers hört – das ist genug,

denn von überallher spricht das Göttliche.

Wenn du aufnahmefähig bist,

dann hast du, was auch immer du hörst, das Göttliche gehört.

Nichts sonst existiert.

Alle Töne sind Tao, alle Botschaften sind Tao.

Überall ist seine Signatur.

02.02.2007 um 03:56 Uhr

Südliches Blütenland 1 (6)

von: tao

Je größer die Sehnsucht, desto mehr Raum wird geschaffen.

Ein Verlangen wird vielleicht im Laufe eines Jahres erfüllt werden,

dann hast du den Raum eines Jahres. Du kannst in ihn hineingehen,

und du wirst dort vielen Reptilien, vielen Drachen begegnen.

Dieser Raum, der durch das Wünschen erzeugt wird, den nennst du Zeit.

Wenn es keine Sehnsucht gibt, dann ist auch keine Zeit nötig.

Ein einziger Moment existiert, nicht einmal zwei Momente,

denn der zweite wird nur vom Verlangen benötigt,

er wird nicht von deiner Existenz gebraucht.

Die Existenz ist komplett erfüllt, total, in einem Moment.

Wenn du denkst, dass die Zeit etwas außerhalb von dir ist,

dann bedenke, dass du sie nicht verstehst.

Die Zeit ist nicht etwas außerhalb von dir.

Wenn der Mensch von der Erde verschwindet, wird es dann noch Zeit geben?

Die Bäume werden wachsen, die Flüsse werden fließen,

die Wolken werden immer noch am Himmel dahintreiben,

aber, so frage ich, wird es noch eine Zeit geben?

Es wird sie nicht mehr geben.

Es wird Momente geben, oder vielmehr, es wird einen Moment geben –

und wenn ein Moment verschwindet

kommt ein anderer in die Existenz, und so weiter.

Aber es gibt keine Zeit als solche.

Nur der winzig kleine Moment existiert.

Die Bäume sehnen sich nach gar nichts.

Sie wünschen sich nicht zu blühen, die Blüten werden automatisch kommen.

Es ist Teil der Natur des Baumes, dass die Blüten kommen werden.

Aber der Baum träumt nicht davon, der Baum bewegt sich nicht in die Zukunft,

er denkt nicht, er hegt keine Wünsche.

Es wird keine Zeit geben, nur ewige Momente,

wenn der Mensch nicht mehr da ist.

Fröhlich

01.02.2007 um 02:44 Uhr

Südliches Blütenland 1 (5)

von: tao

Es ist wie wenn ein Mensch in der Nacht träumt.

Es war einmal, dass ein Mann sehr stark durcheinander war –

seine Nächte waren einfach verlängerte Alpträume.

Seine ganze Nacht war ein einziger Kampf.

Es war so schmerzlich, dass er immer große Angst davor hatte, schlafen zu gehen

und er war immer glücklich, wenn er wieder aufstehen konnte.

Und die Natur seiner Träume war so, dass er in dem Moment, wenn er einschlief,

anfing, unter seinem Bett

Millionen von Löwen, Drachen, Tigern und Krokodilen zu sehen,

alle saßen sie unter seinem kleinen Bett.

Also träumte er, dass er nicht schlafen konnte –

jeden Moment würden sie ihn angreifen.

Seine ganze Nacht war bloß eine lange Störung, eine Tortur, eine Hölle.

Er wurde medizinisch behandelt, aber nichts half.

Alles versagte.

Er wurde von Psychologen und Psychiatern analysiert,

aber nichts funktionierte.

Dann ging er eines Tages lachend aus seinem Haus heraus.

Niemand hatte ihn seit vielen Jahren lachen sehen.

Sein Gesicht hatte einen gequälten Ausdruck bekommen, immer traurig und verschreckt.

Also fragten die Nachbarn:

Was ist los ? Du lachst ?

Wir haben dich seit so langer Zeit nicht lachen gesehen,

wir haben komplett vergessen, dass du jemals gelacht hättest.

Was ist mit deinen Alpträumen passiert ?

Der Mann sagte:

Ich erzählte es meinem Schwager, und der kurierte mich.

Die Nachbarn fragten:

Ist dein Schwager irgendein großer Psychoanalytiker ?

Wie heilte er dich ?

Der Mann sagte: Er ist ein Zimmermann,

und er sägte einfach die Beine meines Bettes ab.

Nun ist unter dem Bett kein Platz mehr,

also habe ich zum ersten Mal gut geschlafen !