Südliches Blütenland 26/10 (4)
Mit einem Menschen zu reden, der voll mit Worten ist
ist fast unmöglich.
Er kann nicht zuhören, denn für das Zuhören sollte man still sein,
für das Zuhören sollte man rezeptiv sein.
Die Worte lassen das nicht zu –
Worte sind aggressiv, sie sind niemals rezeptiv.
Du kannst reden, aber du kannst nicht zuhören,
und wenn du nicht zuhören kannst, ist dein Reden das Gerede eines Verrückten.
Du redest, und weißt nicht warum,
du redest, und weißt nicht was.
Du redest immer weiter, denn es gibt dir eine Art von Erleichterung.
Du fühlst dich gut, nachdem du einen guten Plausch gehabt hast.
Du fühlst dich gut, weil du erleichtert bist:
Dein Reden ist Teil deiner Spannungen.
Es kommt nicht von dir, es ist bloß eine Störung;
es ist kein Lied, es hat keine Schönheit an sich.
Das ist der Grund, warum du, immer wenn du redest, den anderen langweilst.
Aber warum hört er dann noch zu ?
Er hört gar nicht zu. Er wartet bloß darauf, dich langweilen zu können,
er wartet bloß auf den richtigen Moment
wenn er die Zügel in seine Hände nehmen kann.
Es geschah einmal
dass ein großer Politiker, ein führender Politiker, eine Ansprache hielt,
und er sprach und sprach und es wurde schon fast Mitternacht.
Nach und nach war die Zuhörerschaft gegangen
bis nur noch eine Person in der Halle übriggeblieben war.
Der Politiker dankte ihm und sagte:
Du scheinst der einzige zu sein, der die Wahrheit liebt,
der einzige authentische Anhänger. Ich fühle mich dankbar.
Wenn jeder andere mich schon verlassen hat, bist du immer noch hier.
Der Mann sagte: Mach dir nichts vor, ich bin der nächste Redner.
