Taoistische Reflektionen

11.05.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 27/20 (8)

von: tao

  Wenn Bäume ankommen können, wird der Mensch auch ankommen.

Wenn diese ganze Existenz in Bewegung ist, dann bist du ein Teil davon.

Werde nicht zu einem Strudel des Denkens

sonst wirst du immer im Kreis gehen, immer rundherum,

und das Fließen geht verloren.

Dann ist da am Ende keine ozeanische Erfahrung.

Das Leben ist ein Rätsel für dich, weil du durch das Denken schaust;

wenn du durch das Nicht-Denken schaust, ist das Leben ein Mysterium.

Das Leben ist schon tot, wenn du durch das Denken schaust;

und das Leben stirbt niemals, wenn du durch das Nicht-Denken schaust.

Das Denken kann das Lebendige nicht fühlen.

Das Denken kann nur das Tote berühren, das Materielle.

Das Leben ist so subtil, und das Denken ist so derb -

das Instrument ist nicht so subtil wie das Leben.

Und wenn du mit diesem Instrument das Leben berührst

kann es nicht den Pulsschlag des Lebens erfassen.

Es geht daran vorbei.

Das Pulsieren ist sehr subtil -

du bist der Herzschlag des Lebens.

Dschuang Dsi liegt auf seinem Sterbebett.

Und wenn ein Mensch wie Dschuang Dsi auf seinem Sterbebett liegt

sollten die Schüler absolut still sein.

Dieser Moment sollte nicht verpasst werden

denn der Tod ist der Gipfel.

Wenn Dschuang Dsi stirbt, stirbt er auf dem Gipfel.

Das kommt selten vor

dass das Bewusstsein seine absolute Erfüllung erreicht.

Die Schüler sollten still sein;

sie sollten beobachten, was da geschieht;

sie sollten tief in Dschuang Dsi hineinschauen

und sollten dem Denken keine Einmischung erlauben,

und auch keine törichten Fragen stellen.

Aber das Denken beginnt immer Fragen zu stellen.

Sie machen sich Sorgen um die Beerdigung

und Dschuang Dsi ist immer noch am Leben.

Aber das Denken ist nicht lebendig, es ist niemals am Leben;

das Denken denkt immer in Begriffen des Todes.

Für die Schüler ist der Meister schon tot.

Sie denken schon an die Beerdigung -

was zu tun ist, was man nicht tun darf.

Sie erschaffen ein Problem, das überhaupt noch nicht existiert

weil Dschuang Dsi immer noch am Leben ist.

Fröhlich

10.05.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 67 (5)

von: tao

  

Die Wissenschaft besteht darauf, dass der Mensch nur der Körper ist -

das zeigt ihre Schieflage.

Und die ganze wissenschaftliche Forschung

basiert auf sexueller Neugier.

Und auch das ist eine Perversion.

Wenn Wissenschaft kreativ ist

dann ist sie keine Perversion.

Dann funktioniert der Sex gut,

dann fließt die Energie,

sie stagniert nicht und modert vor sich hin.

Aber die Wissenschaft, wie sie heute ist -

und in der Vergangenheit ist es das gleiche gewesen -

ist destruktiv.

Es ist einfach unglaublich

dass der Mensch den Mond erreichen kann -

und bald werden sie andere Planeten erreichen,

und später dann die Sterne -

und die halbe Menschheit hungert.

Es ist unglaublich

dass der Mensch solch komplexe Technologie entwickeln kann, dass die Atombombe und die Wasserstoffbombe möglich werden können, und sie können nicht einmal ein Heilmittel für die gewöhnliche Erkältung finden!

Es sieht einfach alles idiotisch aus.

Die ganze Wissenschaft ist kriegorientiert,

gewaltorientiert, destruktiv.

Wenn mit dem Sex alles gut läuft - was sehr schwierig ist, weil alle Religionen dagegen sind, sie vergiften dein Denken,

es ist schwierig, weil die ganze Zivilisation,

alle Kulturen, dagegen sind -

weil sie dahin gekommen sind, dass sie einen Trick kennen:

Wenn du einen Menschen ausbeuten willst, dann pervertiere seinen Sex;

dann kann er niemals ein Meister seines eigenen Wesens sein.

Pervertiere einfach seinen Sex und er wird ein Automat bleiben.

Dann kannst du ihn in die Kriege schicken,

und du kannst ihn opfern

für törichte Ziele.

Ein Mensch, der Liebe kennen gelernt hat

kann nicht zum Hass gezwungen werden.

09.05.2007 um 00:00 Uhr

Tao 267

von: tao

 
Wenn du perfekt weise sein willst,
musst du all die Möglichkeiten ausschließen
für Torheit, für Ignoranz, für Wahnsinn.
Aber ein totaler Mensch ist total anders.
Er ist weise in seiner Torheit; er ist töricht in seiner Weisheit.
Er weiß, dass er unwissend ist - das ist seine Weisheit.
In ihm treffen sich Gegensätze.
Lao-tse sagt: Jeder außer mir scheint weise zu sein.
Ich scheine ein Narr zu sein.
Jeder versucht, weise zu sein,
versucht, informiert zu sein, versucht, intelligent zu sein -
indem er die Torheit ausschließt, versteckt und unterdrückt.
Aber Torheit hat ihre eigene Schönheit
wenn sie mit Weisheit kombiniert werden kann. Dann ist die Weisheit total.
Und die größten weisen Menschen in der Dimension der Totalität
sind auch immer Narren.
Sie sind so einfach und so unschuldig, dass sie töricht erscheinen.
Lao-tse muss vielen Leuten töricht vorgekommen sein. Er war es.
Er war beides.
Und das ist die Schwierigkeit - denn das Denken sucht Perfektion.
Wer wird da zu Lao-tse gehen?
Niemand möchte beides sein, töricht und weise.
Und du kannst nicht einmal verstehen, wie man beides sein kann.
Wie kann man beides sein?

08.05.2007 um 00:00 Uhr

Ko Hsuan 17 (1)

von: tao

 

„Der ehrwürdige Meister sagte:

Die Entfaltung des Denkens führt den Menschen zu dieser unveränderlichen Wahrheit.

In dem unveränderlichen Stille-Sein sind unveränderliche Reinheit und Ruhe zu finden.

Wer Reinheit und Stille erreicht, geht in das unwandelbare Tao ein.

Ist er in das unwandelbare Tao eingetreten, wird er der Besitzer des Tao genannt.

Obwohl er der Besitzer von Tao genannt wird, weiß er, dass er es nicht besitzt.

Nur wenn er alle lebenden Dinge umwandeln kann, kann er wahrhaft der Besitzer von Tao genannt werden.

Wer dies verstehen kann, kann andere zum geheiligten Tao leiten."

Ko Hsuans Verse beginnen immer mit diesem immens signifikanten Statement:

„Der ehrwürdige Meister sagte..."

Aber es scheint, dass die Übersetzung zwar wortgetreu ist, aber nicht dem Geist dieses Textes entspricht. All die buddhistischen Sutren beginnen in gleicher Weise - nur mit einem kleinen Unterschied, aber mit einem kleinen Unterschied, der einen großen Unterschied ausmacht. Die buddhistischen Sutras beginnen: „Ich habe den Meister sagen hören..." Und du kannst den Unterschied sehen. Der Meister mag es aus einem anderen Grund heraus gesagt haben, der Meister mag etwas total anderes gemeint haben. Der Meister existiert auf einer anderen Ebene; er spricht vom Gipfel her, dem ultimativen Gipfel des Bewusstseins. Und der Schüler hört es im dunkelsten Tal seiner Existenz. Bis die Worte den Schüler erreichen, sind sie zwangsläufig entstellt worden, notgedrungen haben sie viele Färbungen angenommen, die vom Schüler aufgesetzt und projiziert worden sind. Daher ist anzunehmen, dass Ko Hsuan diesen Fehler nicht begehen kann. Es muss wohl so sein, dass dem Übersetzer der springende Punkt entgangen ist; dieser entscheidende Punkt ist sehr subtil. Es scheint für das gewöhnliche Denken einfach keinen Unterschied zu machen, ob einer sagt: „Der ehrwürdige Meister sagte", oder: „Ich habe den Meister sagen hören". Aber wenn du sagst: „Der ehrwürdige Meister sagte", machst du eine absolut sichere Äußerung, als wenn du dies authentisch berichten könntest. Das ist nicht möglich, du kannst nur berichten, was du gehört hast. Jeder hört gemäß seiner eigenen Konditionierung zu, entsprechend seines eigenen Geisteszustands, gemäß seiner eigenen Vorurteile, Konzepte, Ideologien, Philosophien und entsprechend seines eigenen Hintergrunds. Wenn du keinerlei Hintergrund mehr hast, wenn du alle Konzepte, Ideologien, Philosophien und Religionen transzendiert hast, wenn du nicht mehr im Denken bist, nur dann kannst du exakt das hören, was gesagt wird.

07.05.2007 um 00:05 Uhr

Tao 266

von: tao

 

Der vierte Typ Mensch, neben den körper-, herz- und kopforientierten Typen, ist keine Mischung, er ist nicht gepanscht; alles ist klar und sauber in ihm. Du kannst dich auf ihn verlassen. Wenn er denkt, dann denkt er,

er gestattet seinen Emotionen nicht, sich da einzumischen -

denn Emotionen werden Wolken. Sie erlauben kein klares Denken.

Das ist der Grund, warum Frauen nicht so klar wie Männer denken können.

Sie gehören mehr zu dem zweiten Typ,

weil sie soviel Emotion haben.

Eine Frau denkt eigentlich nicht wirklich,

es ist ihre Emotion, die das Phänomen des Denkens erzeugt.

Tief innen ist Emotion. Sie „emotionalisiert",

und die Vernunft folgt einfach wie ein Schatten.

Sie ist niemals unvoreingenommen, niemals.

Sie kann nicht bloß ein Beobachter sein, ein Richter, ein Zuschauer, nein.

Sie wird involviert sein, sie mischt sich ein.

Ein Mann kann ein Beobachter sein. Das ist der Grund, warum mehr Wissenschaftler, mehr Philosophen, mehr Logiker Männer sind.

Mit Ausnahme von Madame Curie haben Frauen diesbezüglich nichts hervorgebracht. Und vermutlich hatte Madame Curie mehr männliche Hormone als andere Frauen.

Eines Tages muss eine Studie diesbezüglich über Hormone gemacht werden.

Man sollte sich nicht vom Aussehen, von Äußerlichkeiten, täuschen lassen.

Die ersten drei Schichten sind auf demselben Niveau.

Sie sind nicht wie Stockwerke, das eine baut nicht auf dem anderen auf.

Sie sind Unterteilungen auf der gleichen Ebene, und sie haben sich vermischt.

Sie müssen wieder getrennt werden.

Der vierte Typ ist der Mensch, der sein Wesen separiert hat,

der jedem Zentrum seine eigene Arbeit zurückgegeben hat. Bevor er dies nicht tut, ist alles miteinander vermischt und nichts funktioniert gut.

Dein Sexzentrum ist ein Körperzentrum.

Du kannst dich in eine Frau verlieben

aber ihr gehört verschiedenen Klassen und Religionen an.

Die Emotionen wissen nicht, wer welcher Klasse angehört und welcher Religion. Ein Christ kann sich in eine Frau verlieben, die islamistisch ist.

Nun, die Emotionen wissen es nicht

aber die Vernunft weiß, dass sie Islamistin ist.

Der Körper weiß davon nichts, die Emotionen sind nicht rational,

aber das Denken sortiert alles aus und denkt darüber nach.

Und das Denken wird sich augenblicklich einmischen. Es wird sagen:

Schau dich doch anderswo um. Diese Frau ist nichts für dich.

Sie ist Islamistin und du bist ein christlicher Fundamentalist.

Wie kannst du eine Islamistin heiraten?

Oder ist sie ist so arm und du bist so reich.

Wie kannst du so eine arme Frau heiraten? Was werden die Leute sagen?

06.05.2007 um 13:42 Uhr

Tao 276

von: tao

Ein Mensch kann sich nicht selbst einschlafen lassen. Der Schlaf kommt nur, wenn alles Tun aufhört. Die Schwierigkeit derjenigen, die nicht schlafen können, ist: Wie führe ich Schlaf herbei. Dieses „Was soll ich tun?“ ist ein großer Feind des Schlafs, denn was du auch immer tust, du wirst den Schlaf sogar noch weiter wegstoßen. Sollte solch einer Person gesagt werden, dass es kein Heilmittel für sie gibt? Sollte man ihr sagen, sie ist für den Rest ihres Lebens zur Schlaflosigkeit verurteilt, weil Schlaf nicht herbeigeführt werden kann? Wenn er kommt, kommt er; wenn er nicht kommt, kommt er nicht. Das würde sehr grausam sein, und auch unklug; denn solch ein Mensch braucht Hilfe, und Hilfe kann ihm gegeben werden. Man wird ihm Methoden zeigen müssen, die so langweilig sind, dass sie von selbst wegfallen. Zum Beispiel kannst du einem Menschen sagen, er soll von 1bis 100 zählen; dann zurück von 100 bis 1; dann wieder von 1 bis 100 und zurück. Das ist eine Methode, Langweile heraufzubeschwören. Wenn ein Mensch von 1 bis 100 zählt, dann wieder zurück, dann wieder vor, wird nach einer kleinen Weile sein Denken unwillkürlich die Methode fallen lassen. Und sobald wie er sie aufgibt, schläft er ein. Die Methode war nicht die Ursache des Schlafs und doch war sie instrumental dafür, den Schlaf herbeizuführen. Alle Übungen von Lao-tse sind solch negative Methoden. Zum Beispiel sagt er: „Finde dein Zentrum.“ Nun, das Zentrum ist da, es ist also nicht nötig, es tatsächlich zu finden. Es ist vorhanden. Ob wir es finden oder nicht, ob wir es kennen oder nicht, es macht für das Zentrum keinerlei Unterschied. Die Mitte ist die Mitte. Ob wir vom Intellekt her leben oder ob wir vom Herzen aus leben, das Leben ist am Nabel zentriert. Alles andere sind unsere Illusionen. Lao-tse sagt: „Suche!“  Vielleicht wird das Denken, während es sucht, deine Illusionen verlieren und plötzlich wirst du dem Zentrum nahe kommen. Und es wird dir offenbart!

05.05.2007 um 23:59 Uhr

Tao 265

von: tao

Dieser Moment ist Ewigkeit.

Und nur dieses Leben ist alles

was es gibt,

denke nicht an das andere Ufer.

Am 07.10.2006 (Tao Te King 64 (2)) schrieb ich über die chinesische Allegorie

von dem Mann, der von der Mitte des Flusses zurückkehrte.

Warum kehrte er von der Mitte des Flusses zurück?

Weil es kein anderes Ufer gibt, dies ist das einzige Ufer.

Und warum begann er zu lachen?

Weil er plötzlich realisierte, er selbst ist der Buddha

den er gesucht hatte.

Zen-Meister lehren ihren Schülern:

Wenn du, während du gerade meditierst, eines Tages Buddha über den Weg läufst – töte ihn augenblicklich.

Lass dir keinen einzigen Moment Zeit

- töte ihn sofort!

Sonst wird er dich in die Irre führen.

Sie haben Recht.

Während du gerade meditierst, kommt Krishna mit seiner Flöte,

das ist so schön….

Und wieder bist du am Träumen,

wieder bist du gefangen in Traum und Sehnsucht.

Und Jesus kommt,

und du bist gefangen im Netz des Denkens;

es ist ein Spinnennetz. 

Und dann kommt Buddha,

und du vergisst dich selbst.

Also sagen die Zen-Meister: Töte den Buddha sofort.

Mach den Weg frei.

Gestatte niemandem anderen, im Weg zu stehen;

das heißt, erlaube keinem Ziel, noch da zu sein;

sei bloß total, alleine – in deiner absoluten Reinheit.

Das ist Erwachen. 

Ich sollte es wiederholen,

denn ich weiß, du wirst es wieder vergessen, vergessen und vergessen:

Du bist schon das, was du suchst.

Lass dies das Grundmantra sein.

Wenn du diese Formel verstehen kannst, hast du alles verstanden.

Wütend

04.05.2007 um 23:59 Uhr

Tao 264

von: tao

In der Liebe, geh tief und du wirst Tao finden;

beim Essen, iss gut mit Bewusstheit, hellwach,

und du wirst Tao finden.

Die Upanishaden sagen: Annam Brahm, das Essen ist Gott.

Und die Upanishaden sagen, dass Sex bloß ein Bruder ist, ein Zwillingsbruder,

der letzten ultimativen Glückseligkeit.

Ein Zwillingsbruder der letztendlichen finalen Seligkeit. Sex!

Er ist zu sehr verdammt worden.

Er mag die niedrigste Sprosse der Leiter sein,

aber er gehört zu der Leiter.

Die höchste Sprosse gehört sosehr dazu wie die niedrigste;

tatsächlich gehört alles zu Tao und ist göttlich.

Das ist Erwachen –

fähig zu sein, in allem das geheiligte Pulsieren zu sehen.

Der Taoismus ist nicht gegen irgendetwas,

der Taoismus ist die Suche, das Heilige überall zu finden.

Und es ist da, es wartet auf dich.

Dein Denken möchte sich vielleicht davor flüchten

denn dies würde für dein Denken den Tod bedeuten.

Wenn du aber davor davonläufst,

dann wird das Denken dich laufend betören

dass du verliebt bist und es genießt –

aber du wirst wissen, dass du nicht in Liebe bist.

Dann mag das Denken dir weiterhin vormachen, dass du darin schwelgst –

aber du kannst gar nicht schwelgen.

Du bist nicht einmal da, um schwelgen zu können. Du existierst nicht.

Du hast in keiner Weise ein integriertes Wesen.

Du magst herumlaufen und dich selbst betrügen

aber wenn du wirklich von einer Frau oder einem Mann geliebt werden möchtest

und einen Mann oder eine Frau lieben willst,

und wenn du Freunde haben willst, und wenn du das Leben genießen willst,

gibt dir der Taoismus die Schlüssel dazu.

Lao-tse ist für die wenigsten Sucher, weil er total ist.

Aber das Denken hat Angst vor Totalität,

das Denken ist immer auf der Suche nach Perfektion.

Es ist ein Perfektionist.

Versuche diese zwei Dimensionen zu verstehen:

Die Dimension der Perfektion und die Dimension der Totalität.

Mit der Perfektion kann das Ego perfekt existieren;

Tatsächlich kann es nicht ohne die Dimension der Perfektion existieren.

Das Ego versucht immer, mehr und mehr perfekt zu sein,

und wenn du perfekt sein willst, musst du eine Wahl treffen –

du kannst nicht total sein.

Wenn du weise sein willst, musst du dich entscheiden:

Du musst die Torheit aufgeben

und du musst gegen die Ignoranz ankämpfen.

Sonstige

03.05.2007 um 00:00 Uhr

Tao 263

von: tao

Wenn eine Person zu der Entdeckung kommt

dass alle Ziele nutzlos sind – ohne eine Ausnahme

alle Ziele zwecklos sind,

dann gibt es nichts mehr zu tun,

man muss bloß sein.

Man entspannt,

man entspannt so total, weil es nichts mehr zu tun gibt, so dass da keine Spannung mehr ist. Plötzlich schmelzen deine Grenzen

wie Schnee, der in der Morgensonne schmilzt.

Wenn du nichts mehr zu tun hast, dann verschwindest du, das Ego verschwindet.Wenn du nichts mehr zu tun hast,

nichts zu sein, nichts zu erreichen,

wer wirst du dann sein? Die ganze Identität

verdunstet.

Dies ist Erwachen.

Dann beginnst du eine total andere Lebensweise.

Du beginnst, spielerisch zu sein,

du beginnst, von Moment zu Moment lebendig zu sein

ohne dass du irgendwo hingehen müsstest –

was auch immer das Leben gibt, du akzeptierst es in tiefer Dankbarkeit.

Gnade ereignet sich für dich.

Dies kann man Gottwerdung nennen.

In dem Moment, in dem du zu spielen beginnst,

in dem du im Moment lebst, bist du ein Gott geworden.

Der Taoismus ist ein Versuch, euch zu überreden

dass ihr schon Götter seid.

Er will euch bloß dazu überreden

wieder einmal auf das eigene Gesicht zu schauen;

im Inneren zu suchen

und nicht nach außen zu gehen, um nach etwas zu suchen

das gar nicht existiert.

Das Leben ist ein zweckloses Spiel,

ein Spiel endloser Kräfte –

schön, wenn du nicht das Denken eines ehrgeizigen Strebers hast,

hässlich, wenn du den Ehrgeiz hast, etwas zu werden, etwas zu sein, etwas zu tun.   Entspanne.

Gib die Zukunft komplett auf.

Nur dieser Moment existiert.

02.05.2007 um 00:00 Uhr

Tao Te King 71 (7)

von: tao

Ernsthaftigkeit bedeutet, eine Krankheit hat dein Wesen befallen.

Dann denkst du, das ist alles, wenn du der Präsident der Vereinigten Staaten werden würdest, dann hast du alles erreicht; du opferst dich selbst und andere

und du benutzt alle Mittel und Wege

um dieses Ziel zu erreichen,

und wenn es erreicht ist, stellst du fest, dass nichts erreicht ist, dass sich nichts erfüllt hat. Denn das war bloß auf einer Spielebene, eine Traumsache.

Wenn du erwachst, bist du tief frustriert – dein ganzes Leben vorbei,

und nichts erreicht.

Das ist die Frustration der reichen Leute.

Dies ist die Frustration der Wohlstandsländer.

Das ist die Frustration all derer, die erfolgreich werden.

Wenn sie Erfolg haben,dann scheitern sie plötzlich.

Dann stehen sie der Tatsache gegenüber

dass sie ihr ganzes Leben in einem Wettkampfspiel vergeudet haben.

Denk daran, sei achtsam,

sonst wirst du, wenn du nicht schon auf der ersten Ebene der Formalitäten stecken bleibst, auf der zweiten Ebene der Rollenspiele stecken bleiben.

Dann gibt es noch eine dritte Schicht:

Die Ebene des Chaos.

Wegen dieser dritten Schicht haben die Leute Angst, nach innen zu gehen;

das ist der Grund, warum sie in der zweiten Schicht feststecken.

Auf der zweiten Ebene ist alles sauber und klar.

Die Regeln sind bekannt,

denn jedes Spiel hat seine Regeln.

Wenn du die Regeln kennst, kannst du das Spiel spielen.

Nichts ist mysteriös auf der zweiten Ebene.

Zwei plus zwei sind immer vier auf der zweiten Ebene –

nicht so auf der dritten.

Die dritte ist nicht wie die zweite, sie ist Chaos:

Gewaltige Energie, ohne Regeln!

Du bekommst Angst.

Die dritte Schicht flößt dir Angst ein.

Das ist der Grund, warum du, wenn du zu meditieren beginnst,

und von der zweiten Schicht in die dritte fällst,

Chaos empfindest.

Plötzlich weiß du nicht mehr, wer du bist!

01.05.2007 um 00:00 Uhr

Tao 262

von: tao

Der erste Menschentyp ist körperorientiert, der Mensch Nummer zwei ist emotional; er lebt durch seine Emotionen –

immer aufgeregt oder deprimiert, on Top oder down, immer auf einer Berg- und Talfahrt. Fragt man sie, wie es ihnen geht, sagen sie: „Auf und ab“. Der Mensch Nummer zwei. Manchmal fühlt er sich sehr, sehr gut und ist euphorisch,und manchmal ist er todmüde und abgeschlafft;

manchmal ist er in der Hölle und manchmal im Himmel;

manchmal lacht er sehr schön und manchmal weint er.

Dieser zweite Menschentyp ist auch überall zu finden, wie der erste Typ.

Du brauchst nicht sehr weit zu gehen, du selbst könntest es sein.

Das ist der zweite Menschentyp:

Emotional, immer bereit dazu, loszuheulen und zu schluchzen, sentimental. Der dritte Menschentyp ist intellektuell.

Er lebt durch seinen Intellekt.

Er ist nur ein Kopf: er hat keinen Körper, er hat kein Herz.

Er ist vom Kopf her ein großer Kontrollfreak. Er manipuliert laufend

sein Herz, seinen Körper und alles andere durch den Kopf;

er ist der Gelehrte, der Asket, der pundit,

der Mensch des Wissens, mit einem guten Gedächtnis, mit Logik, mit Philosophie. Dieser dritte Menschentyp kontrolliert die ganze Welt.

Aber diese Typen sind alle auf demselben Level –

ihr Niveau ist nicht unterschiedlich.

Diese drei Menschentypen (Körper, Gefühl, Kopf) sind überall zu finden:

Der dritte Typus existiert mehr als Mann,

der zweite Typ existiert mehr als Frau,

der erste Typ, der ist gleichmäßig verteilt.

Und diese drei Typen bist auch du –

du kannst sie nicht in ihrer reinen Form finden,

sie sind vermischt, ein Durcheinander.

Diese drei Typen kannst du nicht in Reinform finden.

Wenn du einen Menschen finden kannst

der diese drei Dinge absolut getrennt voneinander hat,

ist er der vierte Menschentypus: Der Yogi, der Fakir, der Mystiker.

Er hat sein Wesen in verschiedene Ebenen separiert.

Wenn er nun im Körper ist, ist er im Körper,

er erlaubt den Emotionen nicht, sich da einzumischen

oder dem Kopf, ihn zu kontrollieren.

Wenn er in seinen Emotionen ist

erlaubt er seinem Kopf oder dem Körper nicht, sich da einzumischen.