Südliches Blütenland 26/10 (6)
Ein deutscher Gelehrter kam zu Shree Raman Maharshi und sagte:
Ich bin von sehr weit weg gekommen, um etwas von dir zu lernen.
Raman lachte und sagte:
Dann bist du an den falschen Ort gekommen;
geh zu irgendeiner Universität, zu irgendeinem Wissenschaftler, zu irgendeinem großen Schriftgelehrten, einem pundit, dort wirst du etwas lernen können.
Wenn du zu mir kommst, dann sei dir bewusst,
dass hier Lernen nicht möglich ist, wir lehren nur Verlernen.
Ich kann dir beibringen, wie du verlernst,
wie du Worte verwirfst, um Raum in dir zu schaffen.
Und dieser Raum ist göttlich, dieser Freiraum ist Tao.
Wo suchst du denn? In Worten, in Schriften?
Dann wirst du eines Tages ein Atheist werden.
Ein pundit, ein Schriftgelehrter, kann nicht lange ein Theist bleiben.
Bedenke, wie viel er auch immer weiß, was er auch immer weiß,
über die Bibel, die Bhagavad-Gita und den Koran,
ein Gelehrter wird zwangsläufig eines Tages ein Atheist werden
denn das ist die logische Konsequenz davon, wenn man Worte anhäuft.
Früher oder später wird er sich fragen: Wo ist Gott?
Keine Bibel kann ihm antworten, keine Gita kann die Antwort liefern.
Vielmehr werden Bibel, Gita und Koran,
wenn sie dir zu sehr im Kopf herumspuken,
dich das Göttliche vermissen lassen
denn der ganze Speicherraum in deinem Denken ist voll...
da ist zuviel Möblierung in dir.
Der Gott in dir kann sich gar nicht mehr rühren.
Der Gott ist vielleicht gar nicht mehr imstande, irgendeinen Kontakt zu dir herzustellen, wenn das Denken zu wortreich ist. Dann ist es unmöglich, noch zuzuhören, und wenn du nicht mehr zuhören kannst, wie kannst dann noch andächtig sein? Es ist dir nicht mehr möglich, zu warten, die Worte in dir sind auch ungeduldig, sie klopfen schon von innen an, um rauszukommen.
