Südliches Blütenland 27/20 (9)
Drei alte Männer saßen in einem Park,
und diskutierten das Unausweichliche, den Tod.
Ein alter Mann mit dreiundsiebzig sagte: Wenn ich sterbe
würde ich gerne bei Abraham Lincoln beerdigt werden,
dem größten Mann, von allen geliebt.
Der andere sagte: Ich würde gerne beerdigt werden
bei Albert Einstein, dem größten Wissenschaftler,
Humanisten, Philosophen und Pazifisten.
Dann schauten sie beide zum Dritten, der dreiundneunzig war.
Der sagte: Ich würde gerne mit Sophia Loren beerdigt werden.
Die beiden anderen waren ungehalten und ärgerlich. Sie sagten:
Aber die lebt doch noch.
Da sagte dieser alte Mann: Das tue ich doch auch!
Dieser alte Mann muss etwas Besonderes gewesen sein.
Dreiundneunzig, und er sagte: Ich bin auch noch lebendig!
Warum sollte sich das Leben Sorgen um den Tod machen?
Warum sollte das Leben an den Tod denken?
Wenn du lebendig bist, wo ist das Problem?
Aber das Denken erzeugt das Problem.
Dann kommst du durcheinander.
Sokrates lag im Sterben,
und die gleiche Sache geschah, wie es bei Dschuang Dsi passierte.
Die Schüler machten sich Sorgen um die Bestattung.
Sie fragten ihn: Was sollen wir tun?
Es wird berichtet, Sokrates habe gesagt:
Meine Feinde gaben mir gerade das Gift, das mich töten soll
und ihr macht schon Pläne, mich zu beerdigen.
Wer ist also mein Freund und wer ist mein Feind?
Ihr alle seid mit meinem Tod beschäftigt,
niemand scheint sich mit meinem Leben zu beschäftigen.
Das Denken ist irgendwie todesbesessen.
Die Schüler von Dschuang Dsi überlegten, was sie tun sollten -
und der Meister war am Sterben,
ein großartiges Phänomen ereignete sich direkt vor ihren Augen.
Da war ein Mensch des Tao, ein Dschuang Dsi, dabei, den ultimativen Gipfel zu erreichen.
Das ereignet sich selten, ein- oder zweimal in Millionen von Jahren.
Die Flamme brannte noch.
Sein Leben war an einen Punkt von absoluter Reinheit gekommen
wo es göttlich ist, nicht menschlich,
wo es total ist und nicht partiell,
wo der Beginn und das Ende sich begegnen,
wo all die Geheimnisse öffentlich sind
und all die Türen offen sind,
wo alles aufgeschlossen ist.
Das ganze Mysterium war da....
Jiddu Krishnamurtis Mitgefühl war unbegrenzt, aber es hat nicht viel genutzt, weil er eine einfache Sache nicht sehen konnte: Die Leute, die ihm ständig zuhörten, hörten ihm aus einem falschen Motiv heraus zu und gaben sogar vor, dass sie an ihn glaubten. Das falsche Motiv ist: Immer wenn jemand dir sagt: „Es besteht keine Notwendigkeit für einen Guru, und auch Schriften sind nicht nötig - es ist unnötig, irgendjemandem zu folgen", dann fühlt sich dein Ego sehr gut. Du fühlst dich sehr gut: „Also ist Hingabe nicht nötig? Gut, perfekt." Krishnamurti sagt: „Es gibt keinen Guru, kein Guru ist nötig." Du fühlst: „Völlig richtig. Also brauche ich kein Schüler zu sein." Er verneint den Guru; du verneinst das Schüler-Sein. Das sieht fast gleich aus, ist es aber nicht. Niemand verstand Krishnamurti, denn die Leute sind in solch tiefem Schlummer, dass sie seine superben Statements nicht verstehen konnten. Sie müssen langsam angeleitet werden, langsam überredet werden; nach und nach fassen sie Mut, in kleinen Schritten bekommen sie die Tapferkeit zusammen. Das war sein Mitgefühl, aber es hat nicht funktioniert. Er hatte hart gearbeitet, aber was er auch immer getan hatte, hat keinerlei Resultat gezeitigt. Das war der Grund dafür, dass er immer vehementer wurde, je älter er wurde, denn er konnte sehen, dass er sein ganzes Leben mit diesen Leuten herumgekämpft hatte, und sie stellten immer weiter die gleichen dummen Fragen. Wenn sie ihn wirklich verstanden hätten, würden sie ihn schon längst verlassen haben. Wenn die Leute ihn verstanden hätten, wäre es dazu gekommen, dass Krishnamurti nur noch alleine dasitzt, und alle Schüler gegangen sind. Denn was hat es für einen Sinn, weiterhin zu ihm zu kommen, ihm zuzuhören und seine Bücher zu lesen? Der Guru ist nicht möglich, es kann nicht gelehrt werden, was hat es also für einen Sinn, immer wieder zu ihm zu kommen und ihm zuzuhören, Jahr für Jahr, ein halbes Jahrhundert lang? Wenn du es verstanden hättest, würdest du „Good-bye" gesagt haben, er würde allein gelassen worden sein. Aber nein, die Leute hörten ihm ständig weiterhin zu. Krishnamurti war umgeben von den egoistischsten Leuten auf dieser Welt, und der Grund dafür war, dass es um ihn herum sicher war, ein sicherer Freiraum für das Ego: Nicht nötig, sich aufzugeben, nicht nötig, das Ego fallenzulassen, nicht nötig, irgendjemandem zu folgen. Dein Ego fühlt sich sehr gestärkt und dein Ego spürt, dass ihm damit viele Rationalisierungen in die Hand gegeben werden. Also schützt du dich mit und durch diese Rationalisierungen. Sein Mitgefühl war unendlich, aber es hat nicht funktioniert. Wenn eine Person egolos ist, ist kein Guru nötig. Aber dies ist das Paradox des Lebens: die einzigen Leute, die sich für die Lehre interessieren, dass „kein Guru nötig ist", sind die Egoisten. Wenn eine Person ein Egoist ist, dann ist der Guru ein Muss. Aber die Egoisten kommen niemals zu einer Person, um sich hinzugeben. Das ist das Problem, das Dilemma. Der Egoist interessiert sich für die Lehre von Krishnamurti und der Nicht-Egoist interessiert sich für die Lehre von Meher Baba, der auf Hingabe bestand. Für den nichtegoistischen Menschen ist der Guru nicht nötig, denn die ganze Notwendigkeit besteht darin, deinem Ego zu kündigen - der Guru ist nichts als die Kündigung für dein Ego. Du lieferst dich jemandem aus und du sagst: „Nun werde ich auf dich hören und ich werde nicht mehr auf mich hören. Nun gebe ich meinen Willen auf und dein Wille wird mein Wille sein. Nun bin ich nicht mehr der Kontrolleur meines Lebens. Du wirst die Kontrolle haben." Dies ist ein Weg, bloß ein Weg, das Ego aufzugeben. Wenn das Ego da ist, dann ist ein Guru ein Muss, denn der Guru ist bloß ein Hilfsmittel. Wenn das Ego nicht da ist, dann ist der Guru überhaupt nicht nötig. Wenn du krank bist, ist Medizin nötig. Wenn du nicht krank bist, ist die Medizin überhaupt nicht vonnöten. Krishnamurti redete zu kranken Leuten und sagte ihnen, dass die Arznei nicht nötig ist. Und nur die Leute, die Angst davor haben, die Arznei zu nehmen, kommen zu ihm, und das sind genau die Leute, die die Arznei am meisten nötig gehabt hätten. Wenn die Leute, die um Meher Baba herum waren, bei Krishnamurti gewesen wären, hätte es keine Probleme gegeben - viel würde sich ereignet haben. Aber die gingen niemals zu Krishnamurti, sie gingen zu Meher Baba. Das waren egolose Leute, sie konnten sich hingeben. Und die Leute, die Krishnamurti umringten, wären die zu Meher Baba gegangen, sie hätten gewaltig von ihm profitiert, er hätte ihnen helfen können...aber sie gingen niemals zu Meher Baba. So ist das Leben - ein Dilemma: Die Kranken vermeiden den Arzt und die Gesunden gehen zum Doktor.
