Taoistische Reflektionen

10.06.2007 um 15:03 Uhr

Südliches Blütenland 27/20 (9)

von: tao

Wütend

  Drei alte Männer saßen in einem Park,

und diskutierten das Unausweichliche, den Tod.

Ein alter Mann mit dreiundsiebzig sagte: Wenn ich sterbe

würde ich gerne bei Abraham Lincoln beerdigt werden,

dem größten Mann, von allen geliebt.

Der andere sagte: Ich würde gerne beerdigt werden

bei Albert Einstein, dem größten Wissenschaftler,

Humanisten, Philosophen und Pazifisten.

Dann schauten sie beide zum Dritten, der dreiundneunzig war.

Der sagte: Ich würde gerne mit Sophia Loren beerdigt werden.

Die beiden anderen waren ungehalten und ärgerlich. Sie sagten:

Aber die lebt doch noch.

Da sagte dieser alte Mann: Das tue ich doch auch!

Dieser alte Mann muss etwas Besonderes gewesen sein.

Dreiundneunzig, und er sagte: Ich bin auch noch lebendig!

Warum sollte sich das Leben Sorgen um den Tod machen?

Warum sollte das Leben an den Tod denken?

Wenn du lebendig bist, wo ist das Problem?

Aber das Denken erzeugt das Problem.

Dann kommst du durcheinander.

Sokrates lag im Sterben,

und die gleiche Sache geschah, wie es bei Dschuang Dsi passierte.

Die Schüler machten sich Sorgen um die Bestattung.

Sie fragten ihn: Was sollen wir tun?

Es wird berichtet, Sokrates habe gesagt:

Meine Feinde gaben mir gerade das Gift, das mich töten soll

und ihr macht schon Pläne, mich zu beerdigen.

Wer ist also mein Freund und wer ist mein Feind?

Ihr alle seid mit meinem Tod beschäftigt,

niemand scheint sich mit meinem Leben zu beschäftigen.

Das Denken ist irgendwie todesbesessen.

Die Schüler von Dschuang Dsi überlegten, was sie tun sollten -

und der Meister war am Sterben,

ein großartiges Phänomen ereignete sich direkt vor ihren Augen.

Da war ein Mensch des Tao, ein Dschuang Dsi, dabei, den ultimativen Gipfel zu erreichen.

Das ereignet sich selten, ein- oder zweimal in Millionen von Jahren.

Die Flamme brannte noch.

Sein Leben war an einen Punkt von absoluter Reinheit gekommen

wo es göttlich ist, nicht menschlich,

wo es total ist und nicht partiell,

wo der Beginn und das Ende sich begegnen,

wo all die Geheimnisse öffentlich sind

und all die Türen offen sind,

wo alles aufgeschlossen ist.

Das ganze Mysterium war da....

09.06.2007 um 15:22 Uhr

Tao 281

von: tao

 Nur ein großer Sünder kann ein großer Heiliger sein.

Wenn du ein gewöhnlicher Sünder bist, dann rauchst du eine Zigarette.

Denkst du, du kannst ein Augustinus oder ein Gandhi werden

bloß weil du einmal eine Zigarette rauchtest,

oder eine Frau angeschaut hast, und Lust in dir aufstieg, und das ist alles?

Das wird nicht reichen, es ist nicht genug Material.

Du kannst keinen großen Heiligen aus kleinen Sünden erschaffen,

du musst schon ein großer Sünder gewesen sein.

Also sollte man Leuten, die ihre Autobiographien schreiben

niemals glauben.

Es existiert keine andere Art der Fiktion, die fiktiver ist,

als die der Autobiographie.

Autobiographie ist die größte Fiktion,

alle Autobiographien sind fiktiv.

Entweder lobt man sich ständig selbst

oder man verdammt sich laufend selbst, aber beides ist unwahr

denn durch beides beginnt man, außergewöhnlich zu werden.

Das Ego kann nicht dadurch erfüllt sein, dass man bloß gewöhnlich ist.

Jemand fragte Rinzai:

Was tust du? Was ist dein Übungsweg, was ist dein sadhana?

Und er sagte so etwas Einfaches

dass du keine Autobiographie daraus machen könntest.

Er sagte: Wenn ich Hunger verspüre, dann esse ich,

und wenn ich mich müde fühle, dann gehe ich schlafen, das ist alles.

Wie kannst du daraus eine Autobiographie machen?

Und Rinzai sah auch nicht aus wie ein großer Heiliger.

Was für eine Art von Heiliger würde dies sein?

Nachdem Rinzai gestorben war, hielt sein Schüler einen Vortrag in einem Kloster.

Ein Mann, der zu einer entgegengesetzten Sekte gehörte, stand auf;

er war sehr neidisch darauf

dass so viele Leute gekommen waren, um den Vortrag zu hören.

Also stand er auf und sagte. Eine Frage, mein Herr.

Du redest da so viel über deinen Meister,

aber mein Meister ist ein wirklicher Meister, er kann tausende von Wundern tun.

Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen

dass er einmal am Ufer eines Flusses stand

während der Regenzeit, als der Fluss Hochwasser hatte,

und am anderen Ufer stand ein Schüler

mit einem Schreibheft in seiner Hand.

An dem einen Ufer schrieb mein Meister mit einem Stift

und am anderen Ufer wurde es in das Schreibheft des Schülers geschrieben.

Kannst du irgendetwas über deinen Meister sagen, welche Wunder er tat?

Der Schüler sagte: Ich weiß nur von einem Wunder

das mein Meister tat - jeden Tag, in jedem Moment.

In der Halle herrschte Schweigen,

die Leute wurden neugierig darauf, welches Wunder Rinzai getan hatte.

Der Schüler sagte:

Wenn er hungrig war, aß er und wenn er müde war, schlief er.

08.06.2007 um 00:00 Uhr

Südliches Blütenland 23/5 (7)

von: tao

 

Die Zukunft ist immer ein Abenteuer

aber du lässt es nicht zu, dass sie ein Abenteuer ist.

Du planst sie.

Einmal geplant, verläuft dein Leben auf einer Schiene.

Es ist kein Fluss.

Wenn du auf einer Schiene fährst

weißt du, wohin du fährst, was sich abspielen wird.

Alles ist bloß eine Wiederholung. Wer wird das planen?

Wenn das Denken plant, ist das Denken immer aus der Vergangenheit.

Das Leben kann nicht geplant werden,

denn durch das Planen bist du dabei, Selbstmord zu begehen.

Das Leben kann nur ungeplant sein,

indem du dich von Moment zu Moment in das Unbekannte hineinbegibst.

Aber was ist deine Furcht?

Du wirst doch da sein, um darauf zu antworten;

was auch immer die Situation sein wird, du wirst da sein und kannst erwidern.

Was ist denn deine Furcht? Warum es planen?

Die Furcht kommt, weil du dir nicht sicher bist

ob du da sein wirst oder nicht.

Du bist so unbewußt, das ist die Unsicherheit.

Du bist nicht wach.

Du hast einen Termin für ein Bewerbungsgespräch für einen Job,

also planst du ständig in deinem Denken, was du antworten wirst, wie du antworten wirst

wie du das Büro betreten wirst, wie du dastehen wirst, wie du dich hinsetzen wirst, wie du dasitzen wirst. Aber warum? Du wirst doch da sein, du kannst reagieren.

Aber du bist dir deiner nicht sicher,

du bist so unachtsam, du bist so unbewußt, du weißt es eben nicht -

wenn du es nicht planst, wird vielleicht etwas schief gehen.

Wenn du achtsam bist, dann ist da kein Problem.

Du wirst da sein,

was also auch immer die Situation erfordert, du wirst darauf reagieren.

Und bedenke, dieses Planen wird dir nicht helfen,

denn wenn du nicht bewusst sein kannst,

wenn du nicht wach sein kannst in einer Situation, wenn du dann planst,

dann wird diese Planung auch im Schlaf getan werden.

Aber du kannst es so viele Male wiederholen, dass es mechanisch wird,

wenn dann die Frage gestellt wird, dann kannst du sie beantworten.

Die Antwort ist vorgefertigt, du wirst nicht mehr benötigt.

Es ist ein fixes Muster, du wiederholst es einfach,

du wirst eine mechanische Vorrichtung, du brauchst überhaupt nicht mehr anwesend sein.

Die Antwort kann gegeben werden, sie kommt aus der Erinnerung;

wenn du sie viele Male wiederholt hast, dann weißt du, du kannst dich darauf verlassen.

07.06.2007 um 00:00 Uhr

Tao 280

von: tao

Jiddu Krishnamurtis Mitgefühl war unbegrenzt, aber es hat nicht viel genutzt, weil er eine einfache Sache nicht sehen konnte: Die Leute, die ihm ständig zuhörten, hörten ihm aus einem falschen Motiv heraus zu und gaben sogar vor, dass sie an ihn glaubten. Das falsche Motiv ist: Immer wenn jemand dir sagt: „Es besteht keine Notwendigkeit für einen Guru, und auch Schriften sind nicht nötig - es ist unnötig, irgendjemandem zu folgen", dann fühlt sich dein Ego sehr gut. Du fühlst dich sehr gut: „Also ist Hingabe nicht nötig? Gut, perfekt." Krishnamurti sagt: „Es gibt keinen Guru, kein Guru ist nötig." Du fühlst: „Völlig richtig. Also brauche ich kein Schüler zu sein." Er verneint den Guru; du verneinst das Schüler-Sein. Das sieht fast gleich aus, ist es aber nicht. Niemand verstand Krishnamurti, denn die Leute sind in solch tiefem Schlummer, dass sie seine superben Statements nicht verstehen konnten. Sie müssen langsam angeleitet werden, langsam überredet werden; nach und nach fassen sie Mut, in kleinen Schritten bekommen sie die Tapferkeit zusammen. Das war sein Mitgefühl, aber es hat nicht funktioniert. Er hatte hart gearbeitet, aber was er auch immer getan hatte, hat keinerlei Resultat gezeitigt. Das war der Grund dafür, dass er immer vehementer wurde, je älter er wurde, denn er konnte sehen, dass er sein ganzes Leben mit diesen Leuten herumgekämpft hatte, und sie stellten immer weiter die gleichen dummen Fragen. Wenn sie ihn wirklich verstanden hätten, würden sie ihn schon längst verlassen haben. Wenn die Leute ihn verstanden hätten, wäre es dazu gekommen, dass Krishnamurti nur noch alleine dasitzt, und alle Schüler gegangen sind. Denn was hat es für einen Sinn, weiterhin zu ihm zu kommen, ihm zuzuhören und seine Bücher zu lesen? Der Guru ist nicht möglich, es kann nicht gelehrt werden, was hat es also für einen Sinn, immer wieder zu ihm zu kommen und ihm zuzuhören, Jahr für Jahr, ein halbes Jahrhundert lang? Wenn du es verstanden hättest, würdest du „Good-bye" gesagt haben, er würde allein gelassen worden sein. Aber nein, die Leute hörten ihm ständig weiterhin zu. Krishnamurti war umgeben von den egoistischsten Leuten auf dieser Welt, und der Grund dafür war, dass es um ihn herum sicher war, ein sicherer Freiraum für das Ego: Nicht nötig, sich aufzugeben, nicht nötig, das Ego fallenzulassen, nicht nötig, irgendjemandem zu folgen. Dein Ego fühlt sich sehr gestärkt und dein Ego spürt, dass ihm damit viele Rationalisierungen in die Hand gegeben werden. Also schützt du dich mit und durch diese Rationalisierungen. Sein Mitgefühl war unendlich, aber es hat nicht funktioniert. Wenn eine Person egolos ist, ist kein Guru nötig. Aber dies ist das Paradox des Lebens: die einzigen Leute, die sich für die Lehre interessieren, dass „kein Guru nötig ist", sind die Egoisten. Wenn eine Person ein Egoist ist, dann ist der Guru ein Muss. Aber die Egoisten kommen niemals zu einer Person, um sich hinzugeben. Das ist das Problem, das Dilemma. Der Egoist interessiert sich für die Lehre von Krishnamurti und der Nicht-Egoist interessiert sich für die Lehre von Meher Baba, der auf Hingabe bestand. Für den nichtegoistischen Menschen ist der Guru nicht nötig, denn die ganze Notwendigkeit besteht darin, deinem Ego zu kündigen - der Guru ist nichts als die Kündigung für dein Ego. Du lieferst dich jemandem aus und du sagst: „Nun werde ich auf dich hören und ich werde nicht mehr auf mich hören. Nun gebe ich meinen Willen auf und dein Wille wird mein Wille sein. Nun bin ich nicht mehr der Kontrolleur meines Lebens. Du wirst die Kontrolle haben." Dies ist ein Weg, bloß ein Weg, das Ego aufzugeben. Wenn das Ego da ist, dann ist ein Guru ein Muss, denn der Guru ist bloß ein Hilfsmittel. Wenn das Ego nicht da ist, dann ist der Guru überhaupt nicht nötig. Wenn du krank bist, ist Medizin nötig. Wenn du nicht krank bist, ist die Medizin überhaupt nicht vonnöten. Krishnamurti redete zu kranken Leuten und sagte ihnen, dass die Arznei nicht nötig ist. Und nur die Leute, die Angst davor haben, die Arznei zu nehmen, kommen zu ihm, und das sind genau die Leute, die die Arznei am meisten nötig gehabt hätten. Wenn die Leute, die um Meher Baba herum waren, bei Krishnamurti gewesen wären, hätte es keine Probleme gegeben - viel würde sich ereignet haben. Aber die gingen niemals zu Krishnamurti, sie gingen zu Meher Baba. Das waren egolose Leute, sie konnten sich hingeben. Und die Leute, die Krishnamurti umringten, wären die zu Meher Baba gegangen, sie hätten gewaltig von ihm profitiert, er hätte ihnen helfen können...aber sie gingen niemals zu Meher Baba. So ist das Leben - ein Dilemma: Die Kranken vermeiden den Arzt und die Gesunden gehen zum Doktor.

Fröhlich

06.06.2007 um 03:15 Uhr

Südliches Blütenland 18/12 (6)

von: tao

  Du bist nicht zum ersten Mal hier, und strengst dich an,

vielleicht sogar das Wahre, das Wirkliche, zu realisieren.

Du hast es viele, viele Male getan,

eine Million Mal in der Vergangenheit - aber du bist immer noch voll Hoffnung.

Dschuang Dsi sagt, es ist besser, die Anstrengung zu Beginn loszulassen.

Sie muss aufgegeben werden: Entweder du hörst von Anfang an damit auf

oder du wirst sie am Ende fallen lassen müssen.

Aber das Ende kommt vielleicht nicht so bald!

Es gibt also zwei Wege: Entweder machst du die totale Anstrengung ...

so total, dass alle Hoffnung zerschmettert wird und du zur Erkenntnis kommst

dass nichts durch Anstrengung erreicht werden kann,

so dass nicht einmal ein einziges kleines Fragment

noch irgendwo im Unbewußten herumlungert und dann doch wieder sagt:

Mach nur ein wenig mehr und du wirst es erreichen.

... entweder mach die totale Anstrengung, dann fällt sie von selbst weg,

oder unternimm überhaupt keine Anstrengung.

Verstehe bloß die ganze Sache.

Begib dich überhaupt nicht da hinein.

Bedenke eine Sache...

du kannst da nicht herauskommen, wenn es noch unvollständig ist;

einmal eingetreten, muss es vervollständigt werden.

Denn das Denken hat eine Tendenz, alles zu komplettieren -

nicht nur das menschliche Denken, sogar das tierische Denken.

Wenn du einen halben Kreis zeichnest, einen unvollständigen Kreis,

und ein Gorilla kommt und ihn sieht, und wenn irgendeine Kreide herumliegt,

wird er diesen Kreis augenblicklich vervollständigen.

Dein Denken als solches hat eine Tendenz zur Vervollständigung -

alles Unvollständige macht dich angespannt.

Wenn du lachen wolltest und du konntest nicht,

wird eine Spannung da sein.

Wenn du weinen wolltest und du konntest nicht,

wird da eine Spannung bleiben.

Wenn du wütend sein wolltest und du konntest es nicht sein,

wird sich Spannung aufbauen.

Das ist der Grund, warum du so lange schon krank gewesen bist;

alles ist unvollständig zurückgelassen worden.

Du hast niemals total gelacht, du hast niemals total geweint,

du bist niemals total wütend gewesen,

du hast niemals total gehasst, du hast niemals total geliebt.

Nichts ist total getan worden - alles ist unvollständig.

Nichts ist total. Es hält weiter an, verweilt noch,

und dann sind da immer so viele Dinge in deinem Denken.

Du kannst dich niemals zu Hause fühlen.

05.06.2007 um 13:15 Uhr

Tao 279

von: tao

Der letzte Showdown ist immer der einer Frau,

die Form des Körpers spielt da keine Rolle.

Die Form des inneren Wesens ist immer die einer Frau -

ob es nun Buddha ist, Zarathustra, Christus oder Lao-tse,

es macht keinen Unterschied,

der letzte Showdown

ist immer der des weiblichen Wesens, des weiblichen Mystikers.

Alle Aggression verschwindet, alle Gewalttätigkeit verschwindet,

man wird totale Rezeptivität - das ist es, was eine Frau ist.

Man wird zu einem Mutterschoß, man wird solch ein grenzenloser Schoß

dass man das ganze Universum beinhalten kann.

Das ist der Grund, warum die hinduistischen Konzepte von Gott

mehr die der Mutter als die des Vaters sind.

Sie sind bedeutungsvoll.

Tatsächlich ist eine Entscheidung immer männlich:

Eine Wahl zu treffen, heißt männlich zu sein, sich nicht zu entscheiden, heißt weiblich zu sein. Zu akzeptieren, was auch immer geschieht, heißt weiblich zu sein,

mit Dankbarkeit zu empfangen, was auch immer gegeben wird, heißt weiblich zu sein.

Sich zu beschweren, herumzumeckern, zu grollen, eine Entscheidung zu treffen,

sein eigenes Wörtchen zu sagen zu haben, heißt männlich zu sein;

immer wenn du möchtest, dass etwas dir entsprechend ist,

bist du männlich, das Ego ist hereingekommen. Das Ego ist männlich.

Also ist tatsächlich keine Entscheidung möglich.

Weiblichkeit bedeutet Hingabe -

man treibt dahin wie eine weiße Wolke ohne ein eigenes Denken,

man akzeptiert und man akzeptiert freudevoll,

man genießt es, weil alle Richtungen Tao sind, weil alle Formen Tao sind.

Wie soll man da eine Wahl treffen? Was soll man da auswählen?

Eine Entscheidung bedeutet auch Zurückweisung:

Indem du dich für etwas entscheidest, weist du etwas anderes zurück.

In jeder Wahl liegt auch eine Zurückweisung.

Wenn du das Ganze sein möchtest, wie kannst du da eine Wahl treffen?

Du musst schon wahllos sein.

Bedenke, je mehr du dich entscheidest,

desto mehr kommt das männliche Denken in dich herein;

je weniger du auswählst und in der Wahllosigkeit bleibst,

indem du bloß alles der Existenz selbst überlässt.

desto weiblicher wirst du.

Und das Mysterium ist dieses

wenn du weiblich wirst, ereignet sich alles für dich, nicht nur ein Teil.

Du lebst nun nicht länger mehr als ein Fragment, du lebst als das Ganze.

Das ist der Grund, warum es dann keine Wahl mehr gibt.

Bereite dich darauf vor. Bereite dich auf Wahllosigkeit vor.

04.06.2007 um 23:04 Uhr

Tao 278

von: tao

Leute, die zuviel Angst vor dem Tod haben, beginnen, in einer Art von Grab zu leben; sie erschaffen eine Gruft der Sicherheit um sich herum und sie beginnen, in dieser Grabstätte zu leben, ein subtiles Grab, ein Denk-Grab. Sie fühlen sich geschützt. Aber gegen wen bist du geschützt? Gegen das Leben. In dem Moment, in dem du dich selbst schützt, erzeugst du damit Barrieren gegen das Leben - dann wird immer weniger Leben hereinkommen. Eine Person, die sicher ist, ist eine Person, die tot ist.

Zu leben bedeutet gefährlich zu leben; zu leben bedeutet, für alle Möglichkeiten zugänglich zu bleiben. Und die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Du bist auf keine Möglichkeit beschränkt, du hast ein unbegrenztes Wesen, schrankenlos. Du kannst alles sein; der nächste Moment kann alles bringen. Tief innen ist jedes Individuum eine ganze Menschheit - nicht nur eine ganze Menschheit, eine ganze Existenz. Der Baum existiert in dir, der Hund existiert in dir, der Tiger existiert in dir; die ganze Vergangenheit existiert in dir und auch die ganze Zukunft. Potentiell existiert in dir in atomarer Weise alles, was in der Welt geschehen ist, und alles, was geschehen wird. Du kannst in millionenfacher Weise sein - daher bedeutet zu leben, gefährlich zu leben, zu leben bedeutet, durch Veränderung und Bewegung zu leben. Man bleibt ein Fluss.

Wenn du abgesichert bist, wirst du ein Wassertümpel, da wird es keine Bewegung mehr geben, keine Dynamik. Statisch, stagnierend, wird das Wasserbecken schmutzig und nach und nach stirbt es ab. Ein Fluss ist lebendig - und niemand weiß, was geschehen wird. Er mag in einer Wüste verloren gehen. Was sich ereignen wird, ist unvorhersagbar. Ein vorhersagbares Leben ist ein mechanisches Leben; unvorhersagbar und du pulsierst vor Leben, pochend und vibrierend. Dann lebt Gott, oder Tao, oder die Ganzheit, durch dich.

Wenn du zum ersten Mal auf das Leben gestoßen bist, dann verliere diesen Kontakt nicht mehr, was es auch immer kostet. Ich weiß, es kostet viel, lebendig zu sein, und es ist sehr billig, tot zu sein. Es kostet nichts, tot zu sein, es kostet viel, lebendig zu sein. Man muss dafür zahlen.

In einer Beziehung wird das noch klarer werden, denn wenn du alleine bist, hast du keinen Spiegel. Genau so, wie du einen Spiegel benötigst, um dein Gesicht zu sehen, so brauchst du auch den Spiegel der Beziehung, um dein Wesen zu sehen. Liebe funktioniert als ein Spiegel, sie zeigt dir, wo du stehst, was du bist, wer du bist. Daher haben viele Leute Angst vor einer Beziehung. Sie sind Feiglinge. Sie flüchten sich in die Berge oder nach Tibet oder in die Klöster oder in die Höhlen. Warum fliehen sie und wovor? Sie laufen vor den Spiegeln davon.

Eine hässliche Frau schaute nie in einen Spiegel, weil sie immer dachte, dass Spiegel gegen sie seien. Während sie dachte, dass sie eine der schönsten Frauen in der Welt sei, zeigten die ihre Hässlichkeit. Wenn jemand ihr einen Spiegel präsentierte, dann warf sie den weg oder zerbrach ihn augenblicklich. Sie ging niemals in einen Raum, wo ein Spiegel hing, denn sie hatte das Gefühl, dass Spiegel schon immer gegen sie gewesen seien.

Das sind deine Heiligen und Mahatmas. Sie fliehen vor einer Beziehung, weil die Beziehung ihre Hässlichkeit zeigt, die Beziehung zeigt, wo sie stehen, wer sie sind. Wenn sie in ihren Höhlen im Himalaja sitzen, dann fühlen sie sich rundum schön - weil da kein Spiegel ist.

Lauf niemals vor einer Beziehung davon. Sonst denkst du, dass du schön bist - ohne den Spiegel denkst du, du bist schön. Es ist sehr leicht, aus sich einen Narren zu machen, wenn der Spiegel nicht da ist.

03.06.2007 um 19:57 Uhr

Südliches Blütenland 26/7 (10)

von: tao

Taoismus gibt dem  Nutzlosen freie Bahn, dem, was auf keine Weise ausgebeutet werden kann, dem, was nicht zu einem Mittel für irgendetwas anderes gemacht werden kann.
Du kannst es haben, du kannst glücklich darin sein,
du kannst die höchstmögliche Ekstase spüren,
aber du kannst es nicht manipulieren. Es ist ein Geschehen.
Wenn du nichts tust, ereignet es sich.
Und das Größte hat sich immer ereignet
wenn du gar nichts mehr tust.
Nur das Triviale geschieht, wenn du etwas tust.
Sören Kierkegaard, ein dänischer Philosoph,
hat etwas sehr tiefsinniges geschrieben.
Er sagte: Als ich zu beten begann,
ging ich in die Kirche und redete zu Gott....
Das ist das, was Christen überall auf der Welt betreiben.
Sie reden zu Gott mit lauter Stimme, als wenn Gott tot ist.
Und als wenn Gott bloß eine törichte Wesenheit wäre
geben sie ihm Ratschläge, was er tun soll und was er nicht tun soll.
Oder, als wenn Gott bloß ein törichter Monarch wäre
überreden sie ihn, bestechen sie ihn, schmeicheln sie ihm,
damit er die Wünsche erfüllt, die sie in sich tragen.
Aber Kierkegaard sagte:
Ich begann zu reden, dann stellte ich plötzlich fest
dass dies nutzlos ist. Wie kannst du vor Gott noch reden?
Man muss still sein. Was gibt es, was da noch gesagt werden könnte?
Und was kann ich sagen, was dabei helfen wird, Gott mehr kennen zu lernen?
Er ist allmächtig, er ist allwissend, weiß alles,
was hat es also für einen Zweck, wenn ich ihm etwas erzähle?
Und Kierkegaard sagte: Ich redete viele Jahre mit ihm,
dann stellte ich plötzlich fest, dass dies töricht war.
Also hörte ich auf zu reden, ich wurde still.
Dann realisierte ich nach vielen Jahren, dass sogar Schweigen nicht ausreicht.
Zuerst redete ich, dann redete ich nicht mehr,
und dann hörte ich zu.
Zuhören ist etwas anderes als bloß still zu sein,
denn bloß still zu sein ist eine negative Sache -
Zuhören ist eine positive Sache,
bloß still zu sein ist passiv, Zuhören ist ein aufmerksames Passiv-Sein,
ein Warten auf etwas, ohne irgendetwas zu sagen,
aber mit dem ganzen Wesen zu warten. Das hat eine Intensität.
Und Kierkegaard sagte: Wenn dieses Zuhören geschah,
dann ereignete sich zum ersten Male Andacht.
Aber es scheint, dass Zuhören absolut nutzlos ist,
speziell, wenn man auf das Unbekannte hört;
du weißt nicht, wo es ist.

02.06.2007 um 23:59 Uhr

Tao 277

von: tao

 

Die Wahrheit ist wie ein Kind, das zu einem Jugendlichen wird. Die falsche Persönlichkeit fällt weg und das wahre Wesen tritt zu Tage - es ist ein Kind, das ein Jugendlicher wird, ein Jugendlicher, der ein alter Mensch wird. Es gibt keinen Weg, diesen Prozess zu beschleunigen. Du kannst ein Kind nicht über Nacht schnell aufwachsen lassen, nicht in einem Tag und nicht in zwei Tagen. Das braucht seine Zeit. Und es ist gut, dass es Zeit braucht, denn nur durch Zeit werden die Dinge reifen.

Aber in Amerika, da herrscht große Eile, eine Wahnsinnseile.

Eine amerikanische Braut und eine französische Braut erörterten die Liebe. „Ein Franzose ist sehr subtil, wenn es zur Liebe kommt", erklärte das französische Mädchen. „Er beginnt damit, dass er die Fingerspitzen küsst, dann küsst er die Schulter, dann hinten auf den Hals...."

„Junge!", unterbrach sie die kleine amerikanische Braut. „In der Zeit ist ein amerikanischer Ehemann schon wieder zurück aus seinen Flitterwochen!"

In Amerika sind die Dinge übergeschnappt. Alles muss mit Geschwindigkeit getan werden, schnell. Geschwindigkeit scheint der einzige Wert zu sein. Niemals zuvor ist sie irgendwo ein Wert gewesen, sie musste darauf warten, dass Amerika entdeckt wurde, damit sie zu einem Wert werden konnte. Geschwindigkeit ist zu einem Wert geworden. Wenn du etwas schnell tust, ist es gut - niemand kümmert sich darum, was es ist oder weswegen du es tust. Wenn du es schnell machst, ist das sehr gut. Wenn du schnell fährst, kümmert sich niemand darum, wohin du fährst. Du fährst vielleicht ohne irgendein spezielles Ziel, aber wenn du nur schnell fährst, dann ist jeder glücklich. Du fährst vielleicht direkt in deinen Tod, aber jeder ist glücklich - du fährst so schnell! Wunderbar!

Nein, der Taoismus kann so nicht vorgehen, er kann keine Zusammenfassung geben. Er hat keine Lehre. Und sogar wenn er eine Lehre hätte, würde er keine Zusammenfassung zulassen, denn je mehr du etwas zusammenfasst, desto weniger lebendig ist es. Die Liebe ist weit, das Leben ist ungeheuer weit; das Gesetz ist begrenzt. Das Gesetz kann zusammengefasst werden; die Liebe kann nicht zusammengefasst werden. Das Gesetz ist definiert, aber das Leben ist exzessiv. Du kannst das Leben nicht zusammenfassen, es kann keine Zusammenfassung des Lebens geben; du kannst das Gesetz zusammenfassen, doch Taoismus ist Leben. Es gibt keinen Weg, ihn zusammenzufassen.

Ein Hollywood-Produzent studierte das umfangreiche Drehbuch, das ihm von einem neuen Drehbuchautor vorgelegt worden war und beschwerte sich: „Das ist viel zu lang. Gib mir einfach eine Zusammenfassung."

Am nächsten Tag kehrte der Autor mit einer fünfseitigen Zusammenfassung wieder.

„Das ist immer noch zu lang", insistierte der Produzent. „Ich bin ein beschäftigter Mann. Gib mir einfach eine Kurzfassung davon."

Eine Stunde später kam der Schriftsteller mit einem Blatt Papier zurück, auf dem geschrieben stand: Der Hauptdarsteller ist ein Leutnant, die Hauptdarstellerin ist mit seinem Vorgesetzten verheiratet. Sie sind verrückt vor Liebe zueinander. Sie begehen Selbstmord."

„Das ist nicht gut", sagte der Produzent. „Das ist Anna Karenina, Wort für Wort!"

Wenn du immer weiter zusammenfasst, werden die Dinge nach und nach absurd.

Fasse niemals irgendetwas zusammen, was lebendig ist.

Du kannst Buddha nicht zusammenfassen. Wegen der Zusammenfassungen wurden viele Schulen gegründet.

01.06.2007 um 23:59 Uhr

Tao Te King 13 (2)

von: tao

Lao-tse sagt, die Ursache für die Kontrolle im Außen liegt tief in uns: Es ist unser Ego. Wegen des Egos werden wir von anderen beeinflusst. Ob Freund oder Feind, ob Lob oder Tadel, es ist der andere, der uns beeinflusst, denn wir haben kein genuines Zentrum (atman), das uns gehört. Wir haben ein falsches Zentrum, ein Pseudozentrum, und allein schon die Form dieses Zentrums ist so, dass es von anderen kontrolliert wird.

Versuche, dem zu folgen. Das Ego ist nicht in unserer Kontrolle. Du wirst erstaunt sein, dies zu erkennen! Wir alle denken: „Es ist mein Ego und deswegen bin ich sein Meister." Es wäre gut, diese Illusion zu verbannen. Das Ego ist nicht unter unserer Kontrolle. Das Ego wird  von anderen kontrolliert. Das ist der Grund, warum jedes Wort eines anderen so wertvoll für uns ist. Viele Leute grüßen dich, wenn du auf der Straße an ihnen vorübergehst, und das erfüllt dich mit Stolz. Wenn dich jemand beleidigt, dann gehen die Mundwinkel nach unten. Wenn du gelobt wirst, scheint sich dein Inneres mit Blumen zu füllen; wenn du getadelt wirst, stirbt alle Freude in dir, alle Blumen verwelken und sind verblüht. Du hast dein Ego nicht in der Hand, sogar obwohl es in dir ist.

Das Ego hängt immer vom anderen ab. Das ist der Grund, warum es andere sucht. Das Ego kann niemals mit sich selbst leben. Wenn die Einsamkeit eines Waldes dich beunruhigt, ist es nicht deine Ruhelosigkeit, sondern die deines Egos. Wenn das Schweigen in deinem Zimmer für dich unerträglich wird, und du anfängst, nach jemandem zu suchen, der mit dir spricht, dann ist es wieder das Ego, das scharf auf Gesellschaft ist. Es ist schwierig für das Ego, in Abgeschiedenheit zu existieren; es braucht minütlich Unterstützung. Es ist auch sehr interessant, dass das Ego bereit ist, Blamage und Missbilligung zu ertragen, aber es kann es niemals aushalten, alleine zu sein. Es macht doch nichts, wenn es kein Lob gibt, eine Beleidigung genügt auch, aber Isolation ist eine absolute Gefahr für das Ego. Wenn der andere mich kritisiert, dann akzeptiert er mich wenigstens als mich selbst; und wenn er mich beleidigt, ist es deswegen, weil er akzeptiert, dass ich jemand bin. Mein Ego kann sogar aufblühen, wenn mein Name als ein Verbrecher in der Zeitung steht. Wenn man mich in Ketten auf der Straße laufen lässt, ist auch das genug für mein Ego, weiter zu bestehen. Aber mein Ego kann nicht in Einzelhaft bestehen.

Der Hauptgrund, warum Leute wie Mohammed, Jesus oder Mahavir die Einsamkeit suchten, war, auszutesten, ob da in ihnen noch irgendeine Spur des Egos zurückgeblieben war. Wenn sie alleine leben konnten und kein Gedanke an irgendjemanden sie quälte, bedeutete dies, das Ego war komplett annulliert worden.

Mahavir blieb zwölf Jahre lang in der Einsamkeit. Im Allgemeinen glauben die Leute, dass er die Welt verließ. Das ist eine sehr oberflächliche Betrachtungsweise. Mahavir hatte mit der profanen Welt nichts zu tun. Zwölf Jahre lang suchte Mahavir in sich selbst, um zu sehen, ob irgendein Ego in ihm übrig geblieben sei, das nach der Gesellschaft mit anderen verlangte. Als er völlig davon überzeugt war, dass es in ihm kein wie auch immer geartetes Verlangen nach der Gesellschaft mit anderen mehr gab, kehrte er wieder aus den Dschungeln zurück. Nun hatte er sein eigenes atman, seine eigene Seele, in sich. Ob nun die Leute ihn mit Girlanden empfingen oder Steine nach ihm warfen, es war alles das gleiche. Er war nun sein eigener Meister. Das war der Zeitpunkt, als Mahavir verkündete: „Ich bin nun ein jinn geworden." Das Wort „Jinn" bedeutet: Jemand, der sich selbst bezwungen hat. Vorher war ein Sklave „des anderen". Nun hatte er sich selbst bezwungen. Lass den anderen tun, was ihm auch immer beliebt, er war außerhalb seiner Reichweite.