Tao Te King 41 (7)
Es geschah einmal, dass ein Sufi-Meister
plötzlich einen seiner Schüler rief.
Viele Schüler saßen gerade in der Halle, aber er rief nur einen:
Komm zu mir.
Der stand gerade am Fenster, und es war Vollmondnacht.
All die Schüler sahen staunend zu. Warum hatte er diesen einen gerufen?
Dann zeigte der alte Mann
auf etwas außerhalb des Fensters und sagte
zu dem jungen Mann: Schau!
Und von diesem Tag an veränderte sich der junge Mann völlig.
Die anderen fragten: Was war geschehen?
Da war doch nichts, das wissen wir, nur die Vollmondnacht.
Der Vollmond war da, natürlich,
die Nacht war schön, natürlich,
aber was sich ereignet hatte, scheint ganz unverhältnismäßig gewesen zu sein.
Du bist komplett transformiert. Was war geschehen?
Der junge Mann sagte: Ich hörte den Meister
Und ich war so still, weil er mich rief,
ich war so ohne Gedanken, so friedevoll,
dass, als er auf den Mond deutete
sich etwas in mir öffnete, ein Fenster.
Ich hatte eine Wahrnehmung, die ich niemals gehabt hatte.
Ich schaute auf den Mond mit neuen Augen,
ich sah auf das Mondlicht mit einem neuen Sein.
Natürlich habe ich den Anblick
aus einem sehr weit entfernten Zustand meines Denkens gesehen
und ich werde hart arbeiten müssen, um dies zu erreichen, aber nun existiert es für mich.
Nun weiß ich, es ist eine Gewissheit. Nun gibt es keinen Zweifel mehr.
Aber ich werde trotzdem diesen Zustand erst erreichen müssen
denn ich habe durch die Augen des Meisters gesehen,
das waren nicht meine Augen;
er gab mir seine in diesem einzigartigen Moment, ich borgte sie mir.
Ich habe durch sein Wesen hindurchgeschaut.
Das war nicht mein Sein, das Fenster war nicht mein Fenster, es war sein Fenster,
und er gestattete mir, durch es hindurchzuschauen.
Aber nun weiß ich, dass eine andere Art von Existenz möglich ist.
sie ist nicht nur möglich, sie ist absolut sicher.
Es mag nun viele Leben für mich dauern, bis ich dieses Ziel erreiche,
aber das Ziel ist gewiss.
Kein Zweifel existiert nun noch in mir, nun können Zweifel mich nicht mehr stören -
nun ist meine Reise klar für mich.



