Südliches Blütenland 20/2 (5)
Der Taoismus kann dir nicht dabei helfen, jemand zu werden.
Er ist nicht dein Feind.
Er kann dir nur helfen, niemand zu sein.
Er kann dich nur in den Abgrund stoßen...
bodenlos.
Du wirst niemals irgendwo ankommen; du wirst dich einfach auflösen.
Du wirst fallen und fallen und fallen und dich auflösen,
und in dem Moment, in dem du dich auflöst
fühlt die ganze Existenz sich ekstatisch.
Die ganze Existenz feiert dieses Geschehen.
Buddha erreichte dies angeblich.
Wegen der Sprache schreibe ich „erreichte",
ansonsten ist das Wort hässlich, da gibt es keine Errungenschaft -
aber so kannst du es verstehen.
Buddha kam also angeblich zu diesem Leersein, diesem Nichtssein.
Zwei Wochen lang, vierzehn Tage saß er ununterbrochen schweigend da,
bewegungslos, ohne etwas zu sagen, ohne irgendetwas zu tun.
Es wird gesagt, dass die Gottheiten im Himmel beunruhigt wurden -
selten kommt es vor, dass jemand ein solch totales Leersein wird.
Die ganze Existenz fühlte eine Feier, also kamen die Gottheiten.
Sie verbeugten sich vor Buddha und sagten:
Du musst etwas sagen,
du musst sagen, was du erreicht hast.
Von Buddha wird berichtet, er habe gelacht und gesagt:
Ich habe gar nichts erreicht;
ich hatte vielmehr, wegen dieses Denkens,
das immer etwas erreichen möchte,
alles verfehlt.
Ich habe gar nichts erreicht, das ist keine Errungenschaft;
vielmehr im Gegenteil, der Streber ist verschwunden.

